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Wie Phönix aus der Asche

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
04.09.2021
05.12.2021
21
52.624
8
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106 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
04.09.2021 1.252
 
Hallo liebe Leser,

erlaubt mir ein für mich wichtiges Vorwort zu dieser Story.

Weil ich bei meinen  aktuellen Storys ein wenig 'hänge' und es nur schleppend vorangeht bekommt ihr jetzt eine alte und doch ganz neue Story. Es handelt sich hierbei um eine Story aus eine anderen Kategorie die 'abgebrochen' ist, weil ich mich gnadenlos festgeschrieben hatte. Sinnlos sie in der ursprünglichen Kategorie zu posten, daher also dieser Versuch durch kleine Änderungen eine Mikko-Story daraus zu machen, um die Story(idee) als solche zu retten.

Vielleicht gibt es Einige unter euch die die Erstversion kennen, aber diese Story wird später doch einen anderen Verlauf nehmen und somit für alle Leser neu sein. Aber ich bin mir sicher, für viele von euch ist die Story tatsächlich ganz neu. ;)

Diesmal spielt Riku eine nicht unwichtige Rolle, denn natürlich braucht Mikko einen guten Freund an seiner Seite...
Wenn ihr Freude am verbalen Schlagabtausch habt, dann kommt ihr im Laufe der Story sicherlich noch auf eure Kosten.

Eure Gedanken zu erfahren wäre natürlich toll.

Vielen Dank und gute Unterhaltung mit einem etwas kürzeren Einstieg.

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 1:    Mach die Augen auf!


Er schlug die Augen auf.
Finsternis.
Stille.
Kälte.
Sein Kopf tat ihm weh, ihm war speiübel und sein Magen begann nervös zu rebellieren.
Müdigkeit.
Ein tiefes Durchatmen.
Angst.
Er schloss die Augen.
Finsternis.
Stille.
Kälte ...


                                                              - 38 Stunden zuvor -

Er hätte nicht sagen können wie viel er schon getrunken hatte, jedenfalls genug, um nicht mehr immerzu an sie denken zu müssen. Er musste sich damit abfinden, er musste es einfach. Am Anfang ging das sogar ganz gut, er hatte sich wie verrückt in die Arbeit gestützt, hatte sich verausgabt bis zum Äußersten und das mit Erfolg. Wenn er schon Pech in der Liebe hatte, so musste ihm das Glück ja anderweitig hold sein. Er hatte stundenlang mit ihr geredet. Mit Jessi. Mit seiner Frau. Mit einer Frau, die einen Anderen liebte.
Aufgeben war noch nie sein Ding gewesen, aber nun musste er doch einsehen, dass es manchmal klüger war an einem bestimmten Punkt zu sagen es ist vorbei, als sich weiterhin zu quälen. Man konnte schließlich niemanden halten der gehen wollte. Das hatte er längst begriffen, auch wenn es unendlich schmerzte. Alle schienen das inzwischen zu akzeptieren. –  Na ja, fast alle. Ihm fiel das Telefongespräch ein das er vor einer Stunde mit seiner Mutter geführt hatte. Sie konnte einfach nicht begreifen, dass die Sache mit Jessika vorbei war.

>Kannst du nicht noch mal mit Jessi reden? Mikko, das bekommt ihr doch bestimmt wieder hin. Junge, du darfst nicht aufgeben!

>Nein, mit Jessi kann man nicht mehr reden, und >Nein, wir bekommen das nicht mehr hin. Ich darf nicht aufgeben? Jessi hat aufgegeben, sie hat  m i c h  aufgegeben!

Sein Atem ging schwer. Seine zitternde Hand konnte die Flasche kaum noch halten. Er trank den Rest aus, warf sie zu Boden. Er brauchte mehr. Mehr, um vergessen zu können. Nur heute, nur jetzt, morgen war wieder ein neuer Tag. Er wankte auf das Gartenhäuschen zu. Wo in dieser verdammten Hütte war noch etwas zu trinken?
Unsicher, mit den Händen nach Halt suchend, tastete er sich durch den Raum. Ein Regal. Na, da stand ja noch etwas. Er griff nach der Flasche, schraubte sie auf und setzte sie an. Langsam rann das zähflüssige Zeug seine Kehle herab. Übelkeit stieg in ihm auf. Er meinte zu hören wie jemand seinen Namen rief, aber vielleicht war das auch nur eine Illusion. Noch ein Schluck, nur noch ein kleiner Schluck. Er schrie auf als ein stechender Schmerz durch ihn hindurch raste, gleichzeitig wurde ihm schwarz vor Augen und er sank in eine tiefe, gnädige Traumlosigkeit.

                                                                    *

Er hörte ein Flüstern. Leise Stimmen drangen an sein Ohr. Er spürte die Hand auf seinem Haar.
Es tat gut, so gut ...
„Wie konnte es nur soweit kommen? Warum haben wir nichts bemerkt?“ Der klagende Schmerz in der Stimme tat Mikko in der Seele weh, aber er war nicht fähig die Augen zu öffnen, geschweige denn, in irgendeiner anderen Form zu reagieren.

„Du weißt doch wie er ist. Mikko wollte sich nicht umbringen Hilla, er wollte sich nur betrinken. Alles andere war ein Versehen.“

„Nur betrinken? Nur, Riku? - Es hätte ihm fast das Leben gekostet! Was wäre gewesen, wenn du nicht zufälligerweise ...?“ Ein Schluchzen unterbrach den Satz. „Dann wäre er jetzt bei unserem himmlischen Vater, lieber Junge!“

Wieder spürte Mikko die warme Hand auf seiner Haut die ihn seit seinem ersten Atemzug an begleitet hatte. Er versuchte die Lippen zu öffnen, doch es schien ihm wie eine Ewigkeit bevor es ihm gelang sie auseinander zu bringen.

„Mama“, flüsterte er kaum hörbar.

„Mikko! Mikko, mein Junge!“ Nun hörte er die Schluchzer nahe an seinem Ohr, spürte die Feuchtigkeit von Tränen an seiner Wange, roch die fremde und doch so vertraute Haut. Ihre Haut. Ihre Tränen.

„Mama“, murmelte er erneut. Aus einiger Entfernung hörte er noch eine andere Stimme.

„Mikko? Mikko, mach die Augen auf! Los, hopp hopp!“

Obgleich sein Bewusstsein noch im Sparflammenmodus lief, wusste er sofort wer da bei ihm war. Riku, typisch Riku ...
Mikkos Augenlider flackerten. Er sah Licht. Blendendes, grelles Licht. Es brannte und er konnte es nicht ertragen, es schmerzte so sehr.
Genau so, wie der Schmerz in seiner Seele.

                                                                     ***

„Herr Saukkonen, hören Sie mich? Bitte versuchen Sie mal die Augen zu öffnen, wir haben den Raum abgedunkelt.“ Mikko atmete tief und schwer, spürte, wie sich sein Brustkorb angestrengt hob und senkte. Mit einer gewaltigen Willenskraft gelang es ihm schließlich tatsächlich die Augen zu öffnen.
„Willkommen Herr Saukkonen. Ich bin Professor Justo und freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass Sie außer Lebensgefahr sind.“

„Ich ... war ...“, Himmel, wie sehr ihn das Sprechen anstrengte, „... in ... Gefahr?“

„Es ist alles überstanden, wir unterhalten uns später darüber. Ich leuchte Ihnen jetzt mal in die Augen, bitte erschrecken Sie sich nicht.“ Ein flackerndes Licht traf seine Augen, doch es schmerzte nicht. Ein kaltes Licht, kalt, wie alles in ihm. „Es ist soweit alles in Ordnung. Und nun schauen Sie mal, Sie haben Besuch. Ihre Mutter und ein Freund sind bei Ihnen.“ Ohne den Kopf zu drehen wanderten Mikkos Augen zur Seite. Ihr liebes Gesicht. Trotz allen Elends fühle er sich plötzlich geborgen. Zurück im Schoss der Mutter. Welch Wunderwesen, die einem ein Leben lang dieses Gefühl vermitteln konnten.

„Hey Mikko, du hast mir einen ordentlichen Schreck eingejagt.“ Riku lächelte ihn an und Mikko musste unwillkürlich grinsen, als er die wild zerzausten Locken seines Freundes sah.

„Was ... ist passiert?“ Wie matt seine Stimme doch klang. Schon fielen seine Augen wieder zu.

„Du hast getrunken Mikko. Mehr als es gut ist und vor allem etwas, was du besser nicht hättest trinken sollen.“

„Ja“, antwortete Mikko, „morgen.“ Er wollte noch hinzufügen, dass er mit morgen meinte, dass er morgen darüber reden wollte, aber ihm fehlte die Kraft.

Vielleicht fehlte auch sie.
Vielleicht.
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