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Mörder im K11

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Alexandra Rietz Christian Alsleben Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
03.09.2021
15.09.2021
3
5.094
2
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Dieses Kapitel
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15.09.2021 1.360
 
Soo guten morgen ihr, da mein Zug heute der Meinung ist, dass er nicht weiter fahren möchte, habe ich einiges an Extra-Zeit, die es mir ermöglicht hat das Kapitelchen fertig zu schreiben - hat doch alles was gutes ;)
Danke für euer fleißiges Mitlesen, ich wünsche euch ganz viel Spaß mit diesem Kapitel!
LG,
Gray
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Alex‘ Gesicht war starr und sie war mit den Gedanken völlig wo anders. Sie hatte recht schlecht geschlafen und war einige Zeit vor ihrem Wecker aufgewacht, bevor sie sich viel zu früh aus dem Haus begeben hatte. Schon seit Stunden war sie wieder im K11 - sie hätte eigentlich Akten bearbeiten und Berichte schreiben sollen - aber seitdem sie hier war, hatte sie immer an den gestrigen Nachmittag denken müssen. Kilian war ermordet worden und niemand wusste von wem. Endlich hatte sie sich mal mit jemandem treffen können, der nicht verheiratet war oder sie verarschen wollte. Und nun war er tot und sie hatte ihn auch noch finden müssen.

Ob auf Alex wohl ein Fluch lag? Musste jeder, der ihr nahe kam ein Arsch oder bald tot sein? Die Tür ging auf und Michael kam herein, dicht gefolgt von einem untersetzt aussehenden Herren. Ihr Kollege stellte den Mann als Manfred Kaiser vor, der eine Aussage zu ihrem Fall abgeben wollte – seine Frau hatte ihm von der Tat erzählt. Alex stellte sich vor und bat den Herren Platz zu nehmen, um seine Geschichte zu hören. Der Mann schien nervös und rieb sich die glitzernden Handflächen. „Guten Tag. Ich, ich würde gerne zu Protokoll geben, dass ich vorgestern Nacht vor der Wohnung von Herrn Jobst einen zwielichtigen Typen gesehen habe! Also wissen Sie, ich wohne gegenüber und ich konnte nicht schlafen und habe deswegen einen Spaziergang gemacht und dabei ist mir dieser Mann aufgefallen, wie er daher getorkelt kam und vor dem Haus stehen geblieben ist. Herr Jobst kam gerade nach Hause und der Mann hat ihn beobachtet. Ich bin mir sicher, dass der der Täter ist! Der hat so um das Haus herumscharwenzelt und ist direkt nach Herrn Jobst im Treppenhaus verschwunden! Das muss einfach der Täter gewesen sein!“ Der Mann vor ihnen hatte sich beinah in Rage geredet und seine Wangen waren gerötet. Alex und Michael warfen sich einen wissenden Blick zu. Würde der Mann ihren Täter auch beschreiben können? Michael stellte die entsprechende Frage und der Informant nickte begeistert. Stolz zückte er sein Handy und streckte es den beiden entgegen: „Ich hab gleich ein paar Beweisfotos gemacht, sonst glaubt einem das doch keiner.“ Michael stand auf und schnappte sich das Telefon, um das Bild zu betrachten. Es war zwar relativ dunkel, doch die Gestalt auf dem Foto war im Licht der Straßenlaternen trotzdem gut zu erkennen. Die schlaksigen Beine und die dunkle Lederjacke, die kurzen braunen Haare. Betroffen gab Michael das Handy weiter und Alex rutschte das Herz in die Hose, während sie das Bild betrachtete. Diese Gestalt kannten sie beide nur zu gut, denn der Mann auf dem Foto war Gerrit!

Alex musste sich stark zusammenreißen, um ruhig zu bleiben, während sie die Fotos auf ihren Rechner zog, um das Telefon dann wieder zurück zu geben. Es brannte ihr unter den Fingernägeln Gerrit anzurufen, doch sie musste warten bis der Zeuge weg war, sie wollte auf keinen Fall, dass der Rest der Welt erfuhr, dass ihr Kollege in den Fall verwickelt war. Stattdessen bedankte sie sich bei dem Mann und versprach ihm, dass sie alles dafür tun würden den Mord aufzuklären. Und das war überhaupt nicht die Frage, natürlich würde sie herausfinden, wer ihr Date ermordet hatte. Sie hoffte nur inständig, dass Gerrit nichts damit zu tun hatte. Max brachte den Mann hinaus und ließ Alex und Michael alleine. Dem älteren Kollegen stand die selbe Frage und Ungewissheit ins Gesicht geschrieben wie Alex selbst. Hatte Gerrit etwas damit zu tun?

Michael schüttelte ärgerlich den Kopf. „Mann, Mann. Das kann ich gar nicht glauben, dass Gerrit Schuld an dem Mord sein soll. Andererseits wurde er am Tatort gesichtet und das ungefähr zur Tatzeit, ich hab mir die Details der Bilder angesehen.“ Alex schwankte zwischen Angst und Hysterie. Es erschien ihr ebenso unglaublich, doch etwas in ihr war ins Grübeln gekommen. Gerrit war schon immer eifersüchtig gewesen, wenn sie eine neue Bekanntschaft hatte und das jetzt mit Kilian war durchaus etwas Ernsteres gewesen, das musste er ja mitbekommen haben. War Gerrit dieses Mal in seiner Eifersucht zu weit gegangen? Hatte er wirklich einen Mord begangen? Oder war er nur zufällig dort gewesen? Getorkelt war er, hatte der Mann gesagt. Gerrit musste betrunken gewesen sein, warum hatte er sich bloß so zulaufen lassen? Und konnte er mit Alkohol zu solch einer Tat fähig sein?

Fragen über Fragen schwirrten ihr durch den Kopf und Alex musste die Wahrheit wissen. Und zwar jetzt sofort. Sie griff zum Handy und wählte Gerrits Nummer. Trotz Michaels Bitte auf laut zu stellen ließ sie das Handy am Ohr und ignorierte ihren Kollegen. Sie musste wissen, ob Gerrit etwas mit Kilians Tod zu tun hatte. Es klingelte länger und Alex wollte schon auflegen, da ging Gerrit ran. Er klang verschlafen und müde, vermutlich hatte sie ihn aus dem Bett geklingelt. „Alex? Was gibt es denn? Ist alles in Ordnung bei dir?“ Seine Stimme hatte einen warmen Klang, als er verwundert ihren Namen sagte und es versetzte Alex einen kleinen Stich. Seine hoffnungsvolle Stimme machte all das nur schlimmer. Sie riss sich zusammen und stellte die Frage, deren Antwort sie wissen wollte: „Gerrit, was hast du vorgestern in Kilian Jobsts Wohnanlage gemacht?“

Die kleine Pause am Ende der Leitung sprach Bände für Alex. „Was hast du dort gewollt, Gerrit!?“, drängte die Kommissarin und Michael nahm ihr ohne Vorwarnung das Handy aus der Hand und stellte auf laut, nicht ohne dass er Alex einen bösen Blick zuwarf. Gerrits Stimme klang zaghaft aus dem Hörer: „Alex, ich weiß nicht einmal, dass ich da war! Du musst mir glauben! Ich hab einen über den Durst getrunken und bin gestern früh in meinem Bett aufgewacht. Ich hab einen kompletten Filmriss, was soll denn gewesen sein?“ Alex konnte nicht antworten, es schien ihr als habe sich ihre Zunge verknotet, stattdessen übernahm das Michael. „Gerrit, du musst hierher kommen und deine Aussage zu Protokoll geben. Du bist verdächtig.“ Diesmal klang Gerrits Stimme eindeutig schockiert: „Michael? Was soll das? Will mir jetzt endlich jemand sagen, was los ist?“ Michael konnte das so nicht am Telefon machen, er musste dabei Gerrit in die Augen sehen. „Komm her, Gerrit, dann reden wir. Und schau, dass du dich beeilst.“

Eine halbe Stunde später stand Gerrit vor ihnen, Besorgnis stand in seinen Augen und seine Haare standen in jede Richtung ab; er wirkte wie frisch aus dem Bett gefallen, was er nach ihrem Anruf ja vermutlich auch war. Alex beobachtete ihren Kollegen genau, sie konnte sehen, dass ihm die Frage was los war auf der Zunge lag, doch sie würde ihm nicht ungefragt antworten. In ihr drin rumorte es, sie wusste nicht, wie sie ihrem Kollegen begegnen sollte. Er war bei der Wohnanlage von Kilian gewesen, war dort gesehen worden und am nächsten Nachmittag wurde dort eine Leiche gefunden. Gerrit war ihr beigestanden, als sie die Nachricht bekommen hatte, hatte sie getröstet.

War all das Show gewesen und er hatte Kilian aus Eifersucht umgebracht? Log er damit, dass er sich an nichts erinnern konnte? Hatte er ihr Date kaltblütig ermordet, und redete sich mit dem Blackout heraus? In ihr kämpfte Zutrauen und Misstrauen um die Oberhand und das Misstrauen gewann. Sie traute Gerrit eigentlich keinen Mord zu, aber warum hätte er dort sein sollen, wenn nicht wegen Kilian? War es zum Streit gekommen und Gerrit hatte zugeschlagen? Und war dann wie ein gemeiner Verbrecher geflohen ohne zu helfen? Es schien die einzige plausible Antwort zu sein.
Alex war froh, dass Michael es übernahm Gerrit aufzuklären. „Komm mit, Gerrit, wir müssen das offiziell machen.“, forderte der älteste Kommissar seinen Kollegen auf und tappte ihm voran ins Verhör 1. Alex wartete bis die beiden drin waren und huschte dann in den Nebenraum. Sie musste Gerrits Gesicht sehen, wenn er Michaels Fragen beantwortete. Dann würde sie schon wissen, ob er log oder nicht und ihre Zweifel würden sich zerstreuen.
 
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