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[Übersetzung] All unsere Geheimnisse offenbart

GeschichteHumor, Krimi / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
01.09.2021
15.09.2021
3
16.226
7
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15.09.2021 5.275
 
Draco legte den letzten Aktenstapel in eines der Regale und trat einen Schritt zurück, um seine Arbeit zu bewundern. Er hatte noch einiges vor sich, was die Organisation betraf, aber fürs Erste, so dachte er, würde es reichen, die Akten nach Datum zu sortieren. Weiß Merlin, wie Potter irgendetwas in diesem Schweinestall finden konnte. Vielleicht war es eine erstaunliche Fähigkeit des Jungen-der-lebt, alles zu finden, was er brauchte, wann immer er es brauchte. Draco stellte sich Potter vor, wie er die Augen schloss und seine Hand in einen Haufen Akten und Pergament steckte, für einen Moment darin herumwühlte, bevor er eine Akte mit einem triumphierenden „Aha!“ herauszog. Wenigstens hatte er für dieses Talent mehr Verwendung als für jenes, den Dunklen Lord zu töten. Das schien eine einmalige Sache gewesen zu sein.

Nun, Erstaunliche-Sachenfindungs-Fähigkeit oder nicht, Draco konnte sich nicht konzentrieren, wenn er in einer chaotischen Umgebung arbeiten musste, also würde Potter einfach damit leben und seine Akten wie jede normale Person finden müssen: in einem Regal, in dem sie nach Datum organisiert waren und Querverweisen nach…nun. Draco hatte keine Zeit, sich heute Abend Gedanken über die Querverweise zu machen. Er würde es später machen.

Draco seufzte und streckte seine Arme über seinen Kopf im Versuch, die Verspannung seiner Wirbelsäule etwas zu lockern, ließ dann seine Arme fallen und beugte seine Schultern nach vor, um sie zu dehnen, und irgendwas in seinem Rücken rastete mit einem befriedigenden Geräusch ein. Er nahm sich einen Moment Zeit, seine Kleidung zu ordnen (ein elfenbeinfarbenes Hemd, kombiniert mit einer hellgrünen Weste und passender Krawatte), schlüpfte dann in seine schwere rote Aurorenrobe und schloss die Knöpfe, als er auf die Uhr sah. Kurz nach sieben. Draco seufzte wieder. Er wusste, dass der zweite Trank eine schlechte Idee gewesen ist, aber wenigstens hatte er das komplette Büro in Ordnung gebracht dank seines Unvermögens zu schlafen.

Und jetzt hatte er gerade genug Zeit, um nach Hause zu gehen, zu duschen und sich umzuziehen, aber trotzdem noch genügend Zeit, um sich danach im Pausenraum seine morgendliche Tasse Tee zu holen, bevor Potter kam. Draco glaubte nicht, dass er Potter ohne Schlaf ertragen könnte, wenn er nicht zumindest mit einer Tasse Tee bewaffnet war. Mit diesem Ziel vor Augen, sah sich Draco nochmals im Raum um und trat in den Gang.

~~°~~

Harrys Gedanken kreisten noch immer um das Gespräch mit Ron, als er am Dienstag zur Arbeit ging. Als er mit dem Lift in sein Stockwerk fuhr, spielte sich der Streit mit Malfoy im Café vor seinem inneren Auge ab. Ron hatte Malfoy verdächtigt, ihn zu manipulieren, aber Harry hatte darüber nachgedacht und er war nicht davon überzeugt. Malfoy war berechnend, das ja, aber er war kein guter Schauspieler. Sicher, er hatte diese verstörende Begabung, sein Gesicht zu völliger Ausdruckslosigkeit erstarren zu lassen, aber es gab einen Unterschied zwischen dem Verstecken seiner Emotionen und dem Vorspielen von falschen Gefühlen. Der blitzende Zorn in seinen Augen, der brodelnde, bittere Groll, der seine Stimme hatte zittern lassen, als er schrie…Harry glaubte einfach nicht, dass solche Sachen vorgetäuscht werden konnten.

Das Klingeln des Aufzugs, der das gewünschte Stockwerk erreichte, riss Harry aus seinen Gedanken. Er quetschte sich zwischen einigen schwätzenden Zauberern hindurch und ging den Flur entlang. Dies würde sein erster voller Arbeitstag mit Malfoy als seinem Partner werden und er konnte es kaum erwarten. Er öffnete die Tür zu seinem Büro und wollte hineingehen, blieb aber stehen. Stirnrunzelnd trat er einen Schritt zurück, überprüfte, ob auf der Namensplakette an der Tür tatsächlich „H. J. Potter, Auror“ stand, und ging langsam in den Raum.

„Was, zum Teufel?“

Das ganze aufgestapelte Pergament war von seinem Schreibtisch verschwunden und - wie es aussah - in die Regale ausgezogen, wo es sich dem Rest seiner in akkuraten Reihen und Stapeln befindlichen Akten anschloss und so die Regale seines Partners spiegelte. Die leeren Take-Away-Boxen und Alufolienbehälter waren ebenfalls verschwunden, genauso wie seine Sammlung an leeren Teetassen und die Orange, die er aus reiner Neugier heraus, wie viel mehr Farben sie wohl bekommen könnte, behalten hatte. Die ganze Kleidung, die er verstreut und sorglos auf die Couch geschmissen hatte, war sorgfältig gefaltet und in einem Stoß hinter seinem Schreibtisch aufgestapelt worden. Harry ließ sich auf seinen Sessel fallen. Er konnte sogar seine Schreibtischunterlage sehen und das hatte er das letzte Mal, als er in das Büro gezogen war. Zwei Ablagen, mit „Posteingang“ und „Postausgang“ in einer präzisen, verschnörkelten Handschrift beschriftet, standen auf der linken Seite, während sich auf der rechten sein Tintenfass und seine Feder befanden. Ron und Hermione an ihrem Hochzeitstag winkten ihm aus dem silbernen Bilderrahmen, dessen Existenz Harry vergessen hatte. Er berührte das Glas. Es war abgestaubt worden, genau so wie der Lampenschirm, unter dem es stand. Er strich über den Rand des Lampenschirms, beeindruckt von Malfoys Gründlichkeit.

Er stand auf und ging zu Malfoys Seite des Raums. Offensichtlich hatte er es geschafft, auch seine Sachen einzuräumen. Seine eigenen Akten füllten seine Hälfte der Regale und sein Schreibtisch war genau so arrangiert wie Harrys, bis zur Platzierung eines Bilderrahmens unter der Lampe. Harry nahm den Bilderrahmen in die Hand mit der Erwartung, ein Foto seiner Eltern oder Freunde oder vielleicht seiner Freundin zu sehen. Er hatte keinen Zeitungsartikel erwartet.

„Die Todesse-Verhandlungen beginnen“, proklamierte die Schlagzeile in absurd großer Schrift über einem körnigen Bild des Gerichtssaals. Während Harry zusah, öffneten sich die großen Türen und finster dreinblickende Auroren eskortierten einen resignierten und auf den Boden blickenden Lucius in den Saal. Narcissa folgte mit hocherhobenem Kinn und Augen voller ungeweinter Tränen. Malfoy kam als letzter, sah klein und jung und krank vor Angst aus. Sie wurden durch einen engen Gang zwischen harten und zornigen Gesichtern geführt, verschwanden dann für einige Sekunden aus dem Bild, bevor das Bild von vorne anfing und die Türen sich öffneten und sie wieder hineingeführt wurden.

Harry erinnerte sich an diesen Tag; daran, wie zerbrechlich und ängstlich Malfoy ausgesehen hatte, als der Gamot die Anschuldigungen gegen ihn verlesen hatte und über seine Zukunft bestimmte; wie er sein Kinn hochmütig erhoben hielt, was in völligem Widerspruch zu seinem zitternden Mund stand oder wie er seine Hände in seinem Schoß rang oder die dunklen Ringe unter seinen Augen. Harry hatte nicht anders können, als Mitleid mit ihm zu haben und an diesem Punkt hatte er beschlossen, dass sie beide zu viel durchgemacht hatten, um an der lächerlichen jugendlichen Rivalität festzuhalten. Er hielt sein Versprechen am ersten Tag der Ausbildung, als Malfoy in den Raum kam, das Kinn erhoben, aber mit dunklen Ringen unter den Augen und Harry ging geradewegs auf ihn zu und sie hatten vereinbart, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Gedankenverloren sah Harry, wie Malfoy wieder und wieder durch den Gang geführt wurde.

Die Tür öffnete sich und Harry drehte sich, um Malfoy mit einer Teetasse und Untertasse in der einen Hand und einem dünnen Stapel Akten unter seinem Arm den Raum betreten zu sehen.

„Du hast aufgeräumt“, sagte er idiotisch, anstatt „Guten Morgen“, wie jede normale Person. Harry seufzte innerlich und wartete darauf, dass Malfoy ihn einen Idioten nannte.

„Entweder das oder das ganze Zeug verbrennen“, antwortete Malfoy, sich an seinen Schreibtisch setzend. Er klang fröhlicher, als Harry es erwartet hatte, vor allem, da er die Nacht hier damit verbracht hatte, Harrys Schreibtisch und seine Akten zu ordnen. „Das Aufräumen hat äußerst knapp gewonnen, weißt du?“

„Du hast sogar meinen Lampenschirm abgestaubt." Harry biss sich fast auf die Zunge, denn verdammt, wenn das mal nicht nach einem Euphemismus für etwas Unangemessenes klang. Er sollte einfach aufhören, zu reden.

Jetzt blickte Malfoy ihn finster an und das war zumindest vertrauter. „Gewöhn dich nicht dran, Potter. Ich bin kein Hauself.“

Harry schüttelte den Kopf. „Entschuldige. Ich kann einfach nicht glauben, dass du das gemacht hast.“ Er sah sich wieder im Büro um.

Malfoy seufzte und nippte an seinem Tee. Er setzte die Tasse mit einem leisen Geräusch wieder auf die Untertasse. „Die Worte, nach denen du suchst, sind ‚Danke schön‘; ich habe es gern gemacht, aber ich hab es nicht für dich getan. Das ist das Erste, was du wissen solltest, wenn wir Partner sein sollen. Ich kann Unordnung nicht ausstehen. Ich habe dich auf den Weg der Organisation geführt und es ist an dir, ihn nicht zu verlassen – oder ich werde das nächste Mal deinen Schreibtisch tatsächlich in Flammen aufgehen lassen. Ich habe deine Akten streng nach Datum sortiert, ich hoffe, das ist okay für dich.“

„Das ist, ähm, großartig“, sagte Harry. Seine bisherige Methode, wann immer er eine alte Fallakte brauchte, war einer archäologischen Grabung nicht unähnlich. Malfoys Methode war wirklich besser. „Ich schätze, wir sollten mit den gestrigen Protokollen beginnen und uns dann um die heutigen Aufgaben kümmern.“ Er spähte in seinen Posteingangskorb, um sich zu versichern, dass nichts Dringendes ihre Aufmerksamkeit erforderte und nahm sich dann einen Moment die Zeit, sich darüber zu wundern, dass er überhaupt sehen konnte, ob ihm etwas geschickt worden war. Bis jetzt bestand das Überprüfen seines Posteingangs aus viel Herumgeschiebe und blindem Herumtasten.

„Erledigt und erledigt“, sagte Malfoy und tippte auf die dünnen Akten vor sich auf dem Tisch.

„Du hast den Papierkram schon erledigt?“ Harry konnte an der Art, wie sich Malfoys ohnehin schon finsterer Blick noch weiter verdunkelte, dass es eine dumme Frage gewesen ist, aber das alles war einfach zu viel für einen einzigen Morgen.

„Das habe ich gesagt, nicht wahr? Das ist das Zweite, dass du über mich wissen solltest, Potter. Ich fertige die Protokolle an. Ich habe sehr hohe Standards für die Berichte und, um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass du sie erfüllen kannst. Außerdem habe ich deine Handschrift heute Nacht kennengelernt, als ich die Akten sortiert habe und ich gebrauche das Wort Handschrift im weitesten Sinn für das Gekritzele, mit dem du das Papier bedeckt hast.“ Er starrte Harry an, als wollte er ihn zu Widerworten herausfordern, um dann ernst hinzuzufügen: „Glaube mir, es ist nur zu unserem Besten.“

Harry musste nie wieder Formulare ausfüllen und Malfoy tat so, als ob Harry derjenige war, der dem anderen einen Gefallen tat, indem er es ihm überließ? Seine Gedanken fuhren Achterbahn. „Ähm, okay“, sagte er.

Malfoy nickte. „Wundervoll. Bin froh, dass wir das geklärt haben. Und jetzt, wenn du mir mein Bild zurückgeben könntest, werden wir uns die heutigen Fälle ansehen.“

„Ja, richtig, entschuldige“, sagte Harry, während er den Rahmen zurück auf Malfoys Schreibtisch stellte. „Entschuldige. Ich wollte nur sehen, wer es ist.“

„Nun, jetzt hast du es gesehen“, kam es trocken von Malfoy, als er das Bild mit seinem eleganten Zeigefinger wieder in die perfekte Position rückte.

„Warum?“ fragte Harry, ohne, dass er es wirklich gewollt hätte. Er zwang sich, weiterzufragen. „Warum willst du es dort hinstellen, wo du es jeden Tag siehst?“

Für einen langen Augenblick dachte er, Malfoy würde nicht antworten, aber dann sagte er sanft: „Um mich zu erinnern.“

Harry wusste nicht, was er darauf sagen sollte, aber Malfoy rettete ihn davor, antworten zu müssen. Er presste seine Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, als er die handvoll Akten vom Tisch nahm und mit ihnen in Harrys Richtung wedelte.

„Die heutigen Fälle? Es ist schon nach Neun, Potter, und wir werden dafür bezahlt“, sagte er forsch.

„Alles klar, was haben wir?“ fragte Harry. Er ließ sich auf das Sofa fallen und zuckte zusammen, als eine lose Sprungfeder in seinen Allerwertesten stach. Er bewegte sich leicht zur Seite und stieß auf einen unangenehm klumpigen Teil des Sofakissens. Ah, jetzt erinnerte er sich wieder daran, warum er das verfluchte Ding als Abstellplatz benutzt hatte.

Malfoy lehnte sich in seinem Sessel zurück und blätterte durch die Akten. Eine Strähne seines Haares löste sich aus dem Zopf und fiel in sein Gesicht; er strich sie sich hinters Ohr. „So, wir haben Mr. Wright, dessen Fenster von, und ich zitiere, ‚diesen verdammten Hooligans, die ständig hier herumlungern und heulen wie eine Horde wilder Muggel‘ zerbrochen wurden.“ Er hielt inne und sah zu Harry. „Hattest du schon mal mit Mr. Wright zu tun?“

Harry schüttelte den Kopf.

„Oh, du wirst es mögen“, sagte Malfoy mit einem verschmitzten Grinsen, das Harry etwas unruhig machte. „Wie auch immer, er möchte die Bande zusammengetrieben und verhaftet wissen. Was haben wir heute sonst noch? Oh, bei Mrs. Dodsons wurde schon wieder eingebrochen - die arme Frau - und sie hätte gerne, dass jemand vorbeikommt und aufnimmt, was gestohlen wurde. Und Mrs. Levys Katze wurde gekidnappt. Ich schlage vor, wir beginnen damit.“ Malfoy verdrehte seine Augen, als er dramatisch Luft holte. „Eine Entführung, stell dir das mal vor! Das klingt dringend, denkst du nicht? Ich frage mich, ob es eine Lösegeldforderung gibt.“

„Warte.“ Harry war etwas überfordert, sein Gehirn versuchte, mit Dracos Worten mitzuhalten. „Ihre Katze wurde entführt?“

„Ich habe dir gesagt, dass die großen spannenden Fälle vergessen sollst, an die du gewöhnt bist“, sagte Malfoy, hielt kurz inne, um den letzten Rest seines Tees zu trinken. Er sprach einen schnellen Reinigungszauber auf die Tasse und stellte sie beiseite. „Obwohl...das ist nicht so schlimm. Drei Fälle an einem Tag ist ziemlich geschäftig, nicht wahr? Mit dem Jungen-der-lebt zusammenzuarbeiten hat anscheinend doch so seine Vorteile.“ Er stand auf. „Komm schon, Potter. Wir sollten anfangen.“

~~°~~

Mrs. Levy lebte in einem kleinen weißen Cottage mit einem makellos kultivierten Garten. Sie wartete bereits an der Türschwelle, als Draco mit Potter an seinem Arm apparierte. Er trat von Potter weg, so schnell er konnte, und schritt den Weg entlang.

„Oh, Merlin sei Dank, dass Sie so schnell gekommen sind!“ jammerte sie. „Mein armes Baby wurde entführt. Es war mein Nachbar, Mr. Hedelson, er mochte mein süßes kleines Mädchen noch nie. Ich verlange von Ihnen, dass Sie ihn sofort verhören!“

Potter starrte Mrs. Levy an, als wäre sie vollkommen verrückt, was – um fair zu sein – eine Meinung war, die Draco teilte. Er trat vor Potter, blockierte ihn und seine gaffenden Glupscher. Ja, Mrs. Levy mochte meschugge sein, aber er war ein Profi.

„Haben Sie ein Foto vom, ah, Opfer?“ fragte Draco, während Potter hinter ihm ein undefinierbares Geräusch machte.

„Oh, ja, natürlich. Sie werden es brauchen, nicht wahr? Hier entlang, bitte.“

Mrs. Levy führte sie in das Haus und für einen Moment hatte Draco das Gefühl, in Umbridges Büro gelandet zu sein. Alles im Wohnzimmer war rosa und weiß und jede verfügbare Oberfläche war mit Bildern derselben fetten gestreiften Katze mit Variationen desselben verärgerten Ausdrucks auf ihrem flauschigen kleinen Gesicht beladen.

„Das ist meine kleine Prinzessin“, ließ Mrs. Levy verlauten und bewegte ihre Hand in einer allumfassenden Geste.

Potter gaffte währenddessen in seiner typischen Ich-bin-so-subtil-wie-Hagrid-in-einem-Teeladen-Weise auf das Dekor.

„Gut.“ Draco griff in seine Tasche und holte ein kleines Notizbuch und eine Feder hervor. „Wie heißt das Opfer?“

„Westminster Tabby“, sagte Mrs. Levy stolz. „Sie hat einen weit zurückreichenden und sehr geschätzten Stammbaum…“

„Nur die bloßen Fakten für den Moment, bitte“, sagte Draco sanft, ihren Monolog unterbrechend, während er fleißig in sein Notizbuch schrieb. „Woher wissen Sie, dass Ms. Tabby entführt worden ist? Haben Sie eine Lösegeldforderung erhalten?“

Neben ihm hustete Potter keuchend, was wie ein verpatzter Versuch klang, ein Lachen zu unterdrücken. So unauffällig er konnte, stieß Draco ihm seinen Ellbogen in die Rippen, schrieb noch etwas in sein Notizbuch und reichte es dann an Potter weiter, als Mrs. Levy erklärte, dass es keine Forderung gegeben hätte und danach wieder von ihrem Nachbar anfing. Potter räusperte sich und gab das Notizbuch zurück; Draco schlug es zu, um die Worte ‚Wenn du dich nicht kontrollieren kannst, tue mir bitte den Gefallen und entferne dich aus dem Raum‘ zu verdecken.

„Wenn Sie nichts dagegen haben, würden mein Partner und ich uns gerne umsehen, um ein, ah, Gefühl für das Opfer zu bekommen, bevor wir Ihren Nachbarn konfrontieren.“

„Bitte“, sagte Mrs. Levy, „seien Sie meine Gäste.“

Zwei Minuten später hatten sie Westminster Tabby entdeckt, ruhig schlafend im Strickkorb ihrer Besitzerin, umgeben von weichen Knäueln grauer Wolle.

„Nun“, sagte Potter, als sie wieder draußen waren, „das war…“ Er verstummte, offensichtlich sprachlos angesichts der vorangegangenen Situation.

„Ja.“ Draco stimmte mit einem kleinen Seufzer zu. „Das war es tatsächlich.“ Er seufzte wieder, zog die Fallakten aus seiner Tasche und sah sie durch. „Nächste Station, Mr. Wright. Zerbrochenes Fenster, Hooligans, möchte sie hinter Gittern sehen.“ Er steckte die Akten wieder weg und bot Potter seinen Arm an. „Seit-an-Seit mit mir? Merlin weiß, ich war dort oft genug, um den Weg zu kennen.“

„Alles klar“, sagte Potter langsam und legte seinen Arm um Dracos. Potters Hand war warm und sein Griff um Dracos Ellbogen war fest. Draco tat sein Bestes, das zu ignorieren, schloss seine Augen und stellte sich Mr. Wrights malerisches kleines Haus vor, dann kam dieses schreckliche Saugen, ein leiser Knall und als er seine Augen öffnete, waren sie angekommen. Er schüttelte Potter ab und griff nach seinem Notizbuch, blätterte zu einer leeren Seite, bevor er den gewundenen Steinweg entlang ging, der zu einem kleinen Ziegelhaus führte. Er hielt einen Moment an der Tür inne, um sich zu beruhigen, räusperte sich und klingelte.

Die Tür wurde aufgerissen, bevor er überhaupt die Chance hatte, die Hand runterzunehmen und er starrte auf Mr. Wright hinunter. Neben ihm entspannte sich Potter ein wenig. Mr. Wright wirkte nicht gefährlich, schließlich war er nur ziemlich genau 1,50 m groß und jenseits der Einhundert. Er hatte eine bezaubernd runden Glatzkopf, wie ein Hauself, eine große Brille, die ihn etwas glupschäugig wirken ließ und er schlurfte mit Hilfe eines Stockes herum. Draco zog die Sohlen seiner Schuhe kräftig über die Türmatte und Mr. Wright nickte zustimmend, als er ein paar Schritte zurückschlurfte, um Platz für Draco zu schaffen.

„Wisch die Schuhe ab“, murmelte Draco zu Potter, als er die Schwelle überquerte.

Potter streifte seine Sohlen flüchtig ab und wollte dann hineinkommen. Wupp! Potters Schienbein machte Bekanntschaft mit Mr. Wrights Stock, Potter winselte, hüpfte zurück, stolperte über die Türschwelle und fiel beinahe auf seinen Arsch. Draco konnte nicht anders, als zu grinsen.

„Ich sagte dir doch, dass du die Schuhe abwischen sollst.“

Der Blick, den Potter ihm zuwarf, war spektakulär zufriedenstellend und Dracos Grinsen wurde breiter.

„Was, zur Hölle, ist das?“ wollte Mr. Wright wissen und verdarb Dracos Moment. „Was ist mit dem netten, gut erzogenen Mädchen passiert, dass du mit diesem Flegel hier hereintrampelst?“

„Dieser Flegel, Sir, ist Harry Potter“, sagte Draco mit langsam mit lauter, gleichmäßiger Stimme, so dass er nicht des Nuschelns beschuldigt wurde. „Sie sehen, Sir, wir im Ministerium nehmen Ihre Beschwerden sehr ernst, so dass der berühmte Harry Potter Ihrem Fall zugeteilt wurde, um ihn zu untersuchen.“ Er kämpfte darum, seinen Mund unter Potters Blick nicht zu einem Lächeln zu verziehen.

„Harry Potter, am Arsch. Und wenn er die verdammte Königin von England wäre, er wird seine Schuhe wie eine zivilisierte Person abputzen, bevor er auch nur einen Fuß in mein Haus setzt!“ spuckte Mr. Wright aus. „Wurdest du im Stall erzogen, Junge?“

„In einem Schrank, eigentlich.“ sagt Potter trocken, während er seine Schuhe fest über die Matte zog.

Draco verzog das Gesicht. Potters seltsamer Sinn für Humor würde ihm hier keinen Gefallen erweisen.

Natürlich schwang Mr. Wright seinen Stock und Draco war es eine Genugtuung, Potter zurückschrecken zu sehen. „Werd nicht frech, Junge!“

Potter sah Draco panisch an, weil Mr. Wright weiterhin mit seinem Stock in Potters Richtung fuchtelte, während er über die nicht vorhandenen Manieren der heutigen Jugend schnatterte und wie anderes es doch zu seiner Zeit war. Draco schob sich sehr vorsichtig zwischen Potter und Mr. Wrights Stock.

„Sir, wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich mir gerne den Tatort ansehen. Dann könnten wir die Hooligans dingfest machen, bevor sie wieder zuschlagen.“

Nur dank seiner Übung konnte er das Wort "Hooligans" mit ernstem Gesicht sagen. Draco hatte ein wenig Angst, dass Potter diese Ernsthaftigkeit durch sein Kichern verderben würde, wie er es bei Mrs. Levy getan hatte, aber zum Glück schien Potter zu verwirrt zu sein, um etwas anderes zu tun, als wie ein Dummkopf mit offenem Mund da zu stehen. Es geschah vermutlich nicht jeden Tag, dass der Name des Retters einen Schlag mit dem Stock provozierte und nicht zum Katzbuckeln, an das Potter gewohnt war, führte.

Mr. Wright, nach wie vor über den „Mangel an Manieren“ und „als ich ein junger Mann war“ schwadronierend, führte sie Schritt für quälend langsamen Schritt in die Küche.

„Habe alles genauso belassen“, sagte er, seinen Stock als Zeigestab benutzend.

Draco sah sich um. Ein halb gegessenes Frühstück stand am Küchentisch. Am Boden daneben lag ein Quaffel mitten in Glasscherben, die vom Fenster über der Spüle stammten. Draco schrieb fleißig mit, als Mr. Wright genau beschrieb, was passiert war, bis hin zum winzigsten Detail, inklusive jenes, wie er seinen Tee trank und wie viele Bissen Toast er hatte, bevor das Verbrechen geschah. Dann verlangte er, Dracos Notizen zu sehen und verbrachte einige Minuten damit, Dracos Handschrift zu kritisieren – Draco bedauerte zutiefst, dass er Potter nicht gebeten hatte, Notizen zu machen, denn das wäre unterhaltsam gewesen – und wiederholte dann noch einmal seine Forderung, dass die Hooligans verhaftet werden, bevor er Potter, der die ganze Szene mit einer Mischung aus Faszination und Horror beobachtete, als „großen unnützen Erdapfel, nur Augen und keinen Sinn!“ bezeichnete.

Als sich die Tür hinter ihnen schloss und sie den Steinweg wieder zurückgingen, tippte Draco auf sein Notizbuch und verbrannte die oberste Seite mit einem schnellen Incendio. Potter schüttelte seinen Kopf langsam.

„Nun, Potter?“, fragte er, schüttelte die Asche von seinem Notizbuch und schloss es.

„Ich...Er hat mich einen Erdapfel genannt.“ Potters Mund verzog sich zu einer verblüfften Grimasse. „Ich bin noch nie Kartoffel genannt worden.“

Er klang so verdutzt, dass Draco lachen musste. „Du bist noch gut davongekommen. Bei meinem ersten Mal war ich, und ich zitiere, ‚der prahlerische, nutzlose Sohn eines Gecken und sicher ein Schurke. Hat den Teufel in seinen Augenbrauen, das hat er.‘ Ehrlich gesagt, weiß ich noch immer nicht, was er damit gemeint hat.“

Potter starrte ihn eigenartig an und Draco wurde bewusst, dass dies das erste Mal war, dass er Potter richtig angelacht hatte. Er hatte Potter oft angelächelt, klar. Selbstgefällig oder grausam oder spöttisch, aber er hatte ihn noch nie so angelacht und jetzt sah Potter ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Vielleicht hatte er das. Draco räusperte sich, hielt seinen Blick auf dem Gehsteig und beschleunigte seine Schritte, als wolle er vor diesem unangenehmen Moment weglaufen.

„Sie sind gebogen“, sagte Potter, als sie am Ende von Mr. Wrights Zaun ankamen.

„Was?“

„Deine Augenbrauen. Ich glaube, das hat er gemeint“, sagte Potter, zu Draco spähend. „Sie sind richtig gewölbt und oben irgendwie spitz. Lässt dich irgendwie schelmisch aussehen, nehme ich an.“

„Ich…“ Draco hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie er darauf reagieren sollte, dass Potter seine Augenbrauen kommentierte oder dass Potter genug Zeit damit verbracht hatte, seine Augenbrauen zu studieren, um überhaupt etwas dazu sagen zu können.

„Es ist in Ordnung“, murmelte Potter, sah auf den Gehweg und nicht zu Draco. „Sie passen zum Rest deines spitzen Gesichts.“

Ah, Beleidigungen. Und einfach so waren sie wieder auf bekanntem Terrain.

„Ich würde den Gefallen erwidern und deine Augenbrauen analysieren, aber ich kann mich nicht erinnern, sie zwischen dieser hässlichen Brille und diesem Vogelnest, dass du Haar nennst, jemals gesehen zu haben“, erwiderte Draco. Er wandte sich zum Gehweg des nächsten Hauses. „Hier sind wir. Die Hooligans.“

„Hier? Bist du sicher?“ fragte Potter, als er das saubere Cottage anstarrte. „Die, ähm, Hooligans wohnen hier?“

„Das sagte sagte ich, nicht wahr? Und, Merlin weiß, ich war oft genug hier“, schnappte Draco, als sie die drei niedrigen Stufen zur Veranda hinaufstiegen.

Zu Potters Verteidigung, es sah tatsächlich nicht wie das Haus von Unruhestiftern aus, mit seiner blauen Farbe und den weißen Absetzern, ordentlichen Blumenbeeten, die den Gehweg säumten und den weißen Spitzengardinen, die an den offenen Fenstern in der kühlen Frühlingsbrise flatterten. Aber Draco wusste es besser und er nahm einen tiefen Atemzug, als er klingelte. Augenblicklich war das Geräusch trappelnder Füße zu hören, begleitet von einem schrillen „Ich gehe, ich gehe!“

„Du wirst dich wie zu Hause fühlen, Potter“, murmelte Draco.

Die Tür schwang auf, bevor Potter antworten konnte und Draco starrte auf zwei identische runde Gesichter unter zwei identischen braunen Haarmopps. Beide grinsten zu ihm hinauf und einer von ihnen (Cecil? Colin? Draco konnte sie nicht auseinanderhalten) hatte einen Schneidezahn verloren seit ihrer letzten Begegnung.

„Hallo“, sagte der eine mit dem lückenlosen Lächeln.

„Wie oft habe ich euch gesagt, ihr sollt nicht jedem die Tür aufmachen!“ wurde geschimpft. „Ihr wisst nie…“ Eine erschöpft aussehende Frau mit einem Baby auf ihrer Hüfte kam um die Ecke und verdrehte ihre Augen himmelwärts, als sie Draco sah. „Oh, verflucht, was haben sie jetzt wieder getan?“ Zwei weitere Kinder, ein kleines Mädchen, etwa ein Jahr jünger als die Zwillinge und ein Kleinkind, von dem Draco auf Grund des pinken Pullovers annahm, dass es ein Mädchen war, folgten ihr wie Entenküken.

„Sorry, Alice. Schon wieder Mr. Wright.“

Alice verdrehte wieder ihre Augen und seufzte. „Ist er es nicht immer? Was haben sie dieses Mal gemacht?“

„Es sieht so aus, als wäre ein Quidditch-Spiel etwas außer Kontrolle geraten. Sie haben sein Fenster zerbrochen“, sagte Draco.

Alice wandte sich an die Zwillinge. „Quidditch? Wie konntet ihr Quidditch spielen? Ich habe euch die Besen letzte Woche weggenommen!“

Draco hatte auch diesen Einsatz gemacht. Mr. Wright ist wütend gewesen, als er durch seine Hintertür ging, um seinen Kräutergarten zu pflegen und einer der Zwillinge (Cecil, Draco war ziemlich sicher, dass er der Schuldige war) an ihm vorbeiflog und mit der Spitze seines Turnschuhes fast Mr. Wrights Kopf streifte. „Er hätte mich töten können!“ Mr. Wright wiederholte diesen Satz nicht weniger als zwölf Mal, während Draco dastand, pflichtbewusst Notizen machte und sich inbrünstig wünschte, Cecil hätte es getan. Oder ihn zumindest ausgeknockt, denn dann wäre Mr. Wright im St. Mungos und Draco würde seinen Tag genießen. Parsons, dieser glückliche Bastard, hatte ihre hastige Runde Schere, Stein, Pergament gewonnen und durfte im Nachbarhaus, wo Alice sie in einem offensichtlichen Versuch der Bestechung mit frisch gebackenen Scones bewirtete, „die Hooligans zusammentreiben“. Parsons hatte sich nicht die Mühe gemacht, etwas für Draco aufzuheben.

„Wir haben nicht Quidditch gespielt!“ beharrte einer der Zwillinge.

„Wir haben nur Quaffelwerfen geübt“, fügte der andere hinzu.

„Es ist nicht unsere Schuld, dass er das Fenster traf. Mellie war der Hüter“, sagte der Erste.

„Mellie“, stieß Alice aus, auf das Kleinkind zeigend, „ist zwei Jahre alt!

„Ich habe dir gesagt, du hättest der Hüter sein sollen“, sagte der eine Zwilling zum anderen, seine Worte mit einem leichten Stoß betonend.

Alice machte ein frustriertes Geräusch. „Cecil, Colin, in euer Zimmer. Sofort. Ihr habt richtig Ärger.“

Schmollend gingen sie. Alices finsterer Blick folgte ihnen die ganze Zeit. Als sie oben auf der Treppe verschwanden, seufzte Alice und wandte sich wieder Draco zu. „Es tut mir so leid“, begann sie.

Draco hob die Hand. „Alles in Ordnung. Er war nicht besonders aufgeregt. Wir werden zu ihm gehen und das Fenster reparieren, niemand wurde verletzt. Willst du den Quaffel zurück?“

„Nein, du kannst ihn verschwinden lassen, weil es kein Quidditch geben wird, bis ihr alt genug seid, um nach Hogwarts zu gehen!“ Das wurde die Treppe raufgebrüllt. „Eine Schande, dass die beiden damit nicht bis zum Nachmittag gewartet haben. Dann wären die Scones fertig gewesen.“ Sie blinzelte in Potters Richtung, als hätte sie ihn eben erst bemerkt. „Sie sind Harry Potter.“

Potter bewegte sich unbehaglich. „Mhm, ja. Freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Also gut“, unterbrach Draco forsch. Seine gute Erziehung drängte ihn, die beiden einander vorzustellen, aber Alice starrte Potter mit leuchtenden Augen an und Draco glaubte nicht, dass er gerade jetzt eine Runde Potter-Anbetung ertragen könnte. „Am besten gehen wir jetzt und glätten die Wogen bei Mr. Wright.“

Er zog Potter praktisch aus der Vordertür und ließ Alice alleine, damit sie ihre Zwillinge belehren konnte. Wieder draußen, machte er sich auf den Weg von der Veranda auf den Gehweg und weiter auf den Bürgersteig.

„Was hast du damit gemeint, ich würde mich wie zu Hause fühlen?“ fragte Potter.

Es klang wie eine Herausforderung, aber als Draco zu seinem Partner blickte, sah ihn Potter lediglich neugierig an. „Sie erinnern mich ein bisschen an die Weasleys. Ohne das rote Haar, natürlich. Vor allem die Zwillinge.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Das tun sie, ein wenig“, stimmte Potter nach einem wehmütigen Blick zurück zum Haus zu, dann seufzte er. „Muss ich wirklich dahin zurück? Kannst du nicht einfach…?“ Er winkte zu Mr. Wrights Haus.

„Wir sind jetzt Partner, Potter. Wo ich hingehe, gehst du auch hin.“ Draco nickte zur Veranda, an der Mr. Wright schon wartete. „Außerdem ist es zu spät. Er hat dich schon gesehen.“

„Wie ich sehe, habt ihr sie nicht verhaftet“, grummelte Mr. Wright, als sie sich seinem Haus näherten.

„Ja, nun, das Ministerium neigt dazu, die Verhaftung von Sechsjährigen durch Auroren zu missbilligen“, erwiderte Draco.

„Und genau das ist falsch daran“, sagte Mr. Wright und eröffnete übergangslos eine weitere Runde von „Als ich ein Junge war“, während Draco auf der Veranda stand und sich fragte, was er in einem seiner vergangenen Leben getan hatte, um das hier zu verdienen, und Potter, der Große Retter der Zaubererwelt, hinter ihm kauerte – außer Reichweite des Stockes. „Und was wird bezüglich meines Fensters gemacht?“ beendete er seinen Monolog.

„Sie haben Glück, Sir“, sagte Draco fröhlich und zog Potter zu sich. „Der große Harry Potter besiegt nicht nur Dunkle Zauberer, sondern ist auch Englands führender Experte für Fensterreparaturen.“

„Ich...was?“ Potter drehte sich zu ihm um und verdarb somit die Illusion der Kompetenz, von der Draco hoffte, dass er sie vorspielen könnte. Draco trat Potter, so unauffällig er konnte, in den Knöchel, welche Bemühung Potter sofort ruinierte, indem er ihn anstarrte und sagte: "Au, du hast mich getreten!"

„Ja, Sir!“ sagte Draco laut, Potter ignorierend. „Ob nun ein Zauberer böse geworden ist oder ein zerbrochenes Fenster einer Reparatur bedarf, dann ist Harry Potter Ihr Mann.“ Er scheuchte Potter vorwärts. „Geh schon, Potter. Lass den armen Mann nicht warten.“

„Experte für Fensterreparaturen? Ist er zertifiziert für Häuserrenovierungen?“ Mr. Wright beobachtete sie misstrauisch.

„Oh, natürlich“, sagte Draco leichthin. „Es liegt alles im Ministerium auf.“ Er zwang sich zu einem Lächeln und zischte „Schuhe!“ in Potters Richtung, bevor der Idiot hineinging.

Potter zog eine Grimasse in seine Richtung und zog seine Schuhe sehr enthusiastisch über die Matte. Einige Minuten später, das Fenster war repariert und der Quaffel verschwunden, traten sie die Flucht an.

Zurück auf dem Gehsteig, öffnete Draco eine Knopf seiner Aurorenrobe, griff hinein und zog seine Taschenuhr heraus. Kurz nach Zehn, somit blieb genug Zeit, sich noch vor dem Essen um ihren dritten Fall zu kümmern. Potter sah immer noch ein bisschen geschockt aus und Dracos durchwachte Nacht begann, ihn einzuholen.

„Wir könnten eine Pause einlegen, bevor wir uns Mrs. Dodsons Einbruch widmen“, schlug er vor, als er seine Uhr wegsteckte.

„Gott, ja“, sagte Potter. „Ist es immer so? Deine Fälle, meine ich?“

„So ziemlich“, sagte Draco. „Obwohl ich sie normaler Weise nur einzeln bekomme. Drei an einem Tag sind höchst ungewöhnlich. Hier.“ Er bot seinen Arm an.

Potter nahm ihn und Draco apparierte in einen ruhigen Bereich der Winkelgasse, der voller enger, kleiner Geschäfte war.

„Es gibt ein Teehaus gleich hier.“ Er zeigte darauf. „Und ein Café ein bisschen weiter runter. Dort gehe ich hin. Ich brauche Koffein. Und hier“, er gestikulierte zum Geschäft gleich vor ihnen, mit staubigen Fenstern und einem ausgebleichten Schild über der Tür, auf dem „Dodsons Kuriositäten“ stand, „ist Mrs. Dodson. Treffen wir uns hier wieder in, sagen wir, fünfzehn Minuten?“

„Einverstanden. Ich brauche nur einen kleinen Spaziergang, denke ich“, sagte Potter. „Fünfzehn hört sich gut an.“

Er drehte sich um und ging davon. Draco begab sich in die entgegengesetzte Richtung, um sich eine gute Tasse Espresso zu holen.

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