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The Moonlight Story - First and Last and Always

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Mix
Ami Mizuno / Sailor Merkur Makoto Kino / Sailor Jupiter Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion OC (Own Character) Rei Hino / Sailor Mars Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
01.09.2021
25.09.2022
129
851.500
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22.09.2022 7.900
 
Doktor Tomoes Geduld war langsam aber sicher ausgereizt. Eugeal lieferte sich mittlerweile einen Fehltritt nach dem anderen und reihte sich damit in der Riege der Versagerinnen direkt hinter der verschiedenen Kaorinite ein. Trotzdem nahm er den Telefonhörer ab, als das Blinken ihm einen Anruf aus dem Hexenlabor signalisierte.
„Ja?“
„Hier spricht Eugeal. Doktor Tomoe, kaum zu glauben, aber es ist gerade etwas Merkwürdiges passiert.“
„Was?“
„Die Daten des heiligen Grals sind plötzlich mit einer fremden Person verknüpft.“
Sofort schnellte der Puls des Wissenschaftlers in die Höhe. „Das ist die Person, die den heiligen Gral beherrscht!“
„Die Person, die den heiligen Gral beherrscht?“
„Genau! Wenn jemand, der auf unserer Seite steht, den heiligen Gral bekommt, wird die Dunkelheit die Welt umhüllen. Aber wenn unsere Gegner ihn in die Hände bekommen … DANN WERDEN UNSERE GANZEN PLÄNE ZUNICHTE GEMACHT! WIR MÜSSEN DEN HEILIGEN GRAL ZUERST BESITZEN, KOSTE ES WAS ES WOLLE!!!“ Tomoe umklammerte den Hörer fester und riss ihn gewaltsam in die Höhe. Durch den Druck seiner Finger zerbrach das dünne Plastikgehäuse, was aber der Telefonverbindung keinen Abbruch tat.
„Wer ist diese Person?“
„Du musst zuerst den heiligen Gral selbst finden, dann sehen wir weiter. Wiederhören.“
Er wollte die Reste des Hörers gerade zurück auf den Apparat knallen, als Eugeal sich noch eine Bemerkung erlaubte.
„Einen Augenblick noch! Sie haben den Telefonhörer zerbrochen, richtig? Ich muss Ihnen die Kosten für einen Neuen vom Gehalt abziehen.“
„Daran sind nur diese verdammten Sailorkriegerinnen schuld!“, heulte Tomoe schrill durch die Dunkelheit. „Sollen sie doch dafür bezahlen!!“

Im Hikawa Tempel stand heute wieder ein Lernnachmittag an. Bunny übte sich heute darin, die Aufgaben eines Fragebogens in einer vorgegebenen Zeit zu beantworten, um für eventuelle Aufnahmeprüfungen an einer Highschool gewappnet zu sein.
Die Schweißtropfen standen ihr bereits auf der Stirn, ihre Zunge war trocken und klebte am Gaumen, aber Bunny kämpfte sich verbissen von Frage zu Frage. Schließlich zog sich ein zufriedener Ausdruck über ihr hübsches Gesicht und sie sprang auf. „Fertig!“
Makoto, die ihr geduldig mit einer Stoppuhr gegenübersaß, drückte auf das Knöpfchen. „Sehr gut Bunny! Knapp vierundzwanzig Minuten!“
„HURRAAA!!!“, jubelte die Blondine und sprang aufgekratzt im Kreis herum. „Und dreißig war die Vorgabe! Ich habe es geschafft!“
Anerkennend applaudierten Minako, Rei und Serena, während Ami sich bereits konzentriert über den Fragebogen beugte.
„Tolle Leistung, Bunny!“, meinte Rei sichtlich stolz. „Da hat sich das Lernen doch wirklich gelohnt!“
„Weil ihr mir alle geholfen habt!“ Glücklich nuckelte Bunny an ihrem Saftpäckchen, als Amis Zeigefinger auf einem Satz verharrte und sie sofort den Rotstift zückte.
„Diese Frage hast du leider falsch beantwortet, aber das ist nicht so schlimm. Ich korrigiere das schnell!“
Obwohl sie sich um sanfte Worte bemüht hatte, löste Ami damit sofort eine Tränenflut bei Bunny aus.
„Oh nein! Dabei habe ich mir so viel Mühe gegeben! Ich hasse Lernen!“
„Nicht weinen Bunny!“ Minako stand auf und tätschelte ihr den Rücken. „Wir alle wissen doch, dass du dein Bestes gegeben hast.“
„Außerdem gab es Zeiten, in denen hast du gerade mal deinen Namen richtig geschrieben“, meinte Serena, was aber einen neuen Schluchzer zur Folge hatte. Und dazu in einer derartigen Tonlage, dass Rei der Geduldsfaden riss.
„Jetzt hör auf zu heulen!“
Ami schraubte ihren Stift zu und deutete auf das Blatt. „Es ist nur ein ganz einfacher Fehler gewesen. Mach dir doch bitte keine Gedanken.“
„Pass beim nächsten Mal einfach besser auf“, versuchte auch Makoto sie aufzumuntern.
„Beim nächsten Mal habe ich dann wieder einen anderen Fehler“, schluchzte Bunny zum Steinerweichen. „Ich halte diese Qualen einfach nicht mehr aus!“
Jetzt hatte die Miko genug und schlug hart mit ihrer Faust auf den Tisch. „Stell dich nicht so an! Welche Qualen denn? Hast du die Qualen vergessen, die du hattest, als dir der Dämon dein Herz stehlen wollte?“
Sofort stoppten Bunnys Tränen bei dieser Erinnerung und sie schüttelte artig den Kopf. „Nein, hab ich nicht. Als hätte ich eine Riesenflasche Lebertran getrunken und dazu noch zehn Packungen Spinat gegessen.“
„Rei hat Recht“, meinte auch Ami. „Verglichen mit den Schmerzen, die einem ein Dämon zufügen kann, ist Lernen das reinste Vergnügen.“
„Erinnere mich bloß nicht daran“, stöhnte Serena und umschlang ihren Oberkörper mit beiden Armen. „Wenn ich nur daran denke, tun mir die Rippen weh.“
„Die Opfer von Eugeal sind ja fast schon besser dran als wir“, bemerkte Makoto. „Ein Schuss und das Herz ist draußen. Ich hätte diese Methode bei mir auch bevorzugt, das wäre schneller gegangen als minutenlang zu spüren, wie sich etwas durch deinen Körper wühlt und versucht den Kristall rauszureißen.“
„Ja, da sagst du was“, stimmte Rei zu. „Und unsere arme Bunny musste das gleich zweimal mitmachen.“
Bunny griff nach einem Mochi, die in einer bereitgestellten Schale lagen, bis herzhaft hinein und nickte dann eifrig. „Wie wahr!“
„Euch hat man wenigstens nicht mit dem Gesicht voran gegen eine Glasscheibe gedonnert“, erinnerte sich Ami an den Angriff auf ihre Person.
Kurz verharrten die Mädchen in ihren Erinnerungen an die gewaltsamen Versuche, ihnen die Kristalle zu entreißen. Dann schüttelte Makoto sich einmal kurz durch und griff nach ihrem Stift.
„Los, lasst uns weitermachen.“
„Alles klar.“ Auch Bunny beugte sich wieder über ihr Blatt, Ami und Serena schlugen ihre Bücher auf und Rei warf die leeren Saftpäckchen schnell in den Mülleimer.
Ihnen entging dabei, wie Minako sich kommentarlos auf ihren Platz setzte und finster in eine Zimmerecke starrte. Ihre Augen hatten einen merkwürdigen Glanz angenommen und die sorgfältig manikürten Fingernägel pressten sich unauffällig in den dicken Stoff ihrer Jeans.
Erst Rei, dann Makoto. Anschließend Ami und kurz darauf Serena. Dann traf es Bunny. Ohne es zu wissen, hatten die unbekannten Gegner damit fast das gesamte Sailorteam aufgrund der Reinheit ihres Herzens attackiert. Alle …. Bis auf eine.

Nachdem die Lerngruppe für beendet erklärt wurde, trennten sich die Wege der Mädchen. Serena nahm Bunny und Makoto mit dem Wagen mit, Ami wollte noch mit dem Bus ins Krankenhaus fahren, um dort ihre Mutter abzuholen.
Minako lehnte das Angebot zur Mitfahrt ab und trottete mit Artemis los, der sie am Tempel abgeholt hatte.
Eine Weile liefen die beiden stumm durch die Straßen, bis Minako einen kleinen Spielplatz entdeckte und darauf zusteuerte. Die Ketten der Schaukel quietschten leise, als sie sich darauf niederließ und nachdenklich in den Himmel sah, wo die zarte rötlich blaue Malerei langsam in ein dunkleres Firmament überging.
Artemis platzierte sich zu ihren Füßen in den aufgeschütteten Sand und betrachtete sie lange, ehe er sich vorsichtig vorwagte. „Was hast du denn?“
Minako bohrte eine Schuhspitze in den aufgelockerten Boden. „Artemis, darf ich dich mal etwas fragen? Warum haben es unsere Gegner eigentlich nicht auf mich abgesehen? Sie sind doch immer hinter ehrlichen und reinen Herzen her, oder nicht? Aber meines interessiert sie nicht.“
„Vielleicht hast du kein reines Herz“, rutschte es dem weißen Kater heraus.
„Ar-te-mis!“
„Ich meine, das wäre ja vollkommen unmöglich!“, ruderte er sofort zurück.
Minako bemühte sich, seine unüberlegte Aussage gelassen zu nehmen und schaukelte bedächtig vor und zurück. „Die anderen haben alle eine besondere Aufgabe, eine Leidenschaft in ihrem Leben. Reena sucht ihre Tochter und ihr Schicksal, Ami hat das Lernen, Rei ihren Glauben. Bei Bunny ist es eindeutig ihre Liebe und Makoto das Trainieren ihrer Kraft. Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich meine große Leidenschaft, das Volleyball spielen, aufgegeben habe.“
„Minako, das ist doch Unsinn“, mahnte Artemis. „Du kannst eine Lebensaufgabe wie Reena sie hat, nicht mit einem Sport wie Volleyball vergleichen. Ein reines Herz erschließt sich nicht zwingend aus dem, was man tut, sondern aus dem, wer man ist. Und du bist ein wunderbarer Mensch, mit einem gütigen und liebevollen Herzen.“
Irgendwie spendete es dem traurigen Mädchen nur wenig Trost. Auch wenn es fatal war, sich einen Angriff auf ihr Herz zu wünschen, es würde sie doch darin bestätigen, zum Kreis der reinen Herzträger zu gehören. Vielleicht war sie einfach ein Niemand, in den Augen der Feinde. Oder, sie hatte noch bei Weitem nicht genug auf sich aufmerksam gemacht …

Am nächsten Nachmittag entschied sich Minako jene Sporthalle aufzusuchen, die früher ihr zweites Zuhause war. In der Ferienzeit herrschte hier angenehme Ruhe und so musste sie sich keinen lästigen Fragen stellen. Nachdem sie sich umgezogen hatte, betrat Minako in ihrem Sportdress die weitläufige Halle und öffnete die Seitentüren, um frische Luft hereinzulassen.
Obwohl dieser vertraute Mief aus Gummimatten und Schweiß schon fast beruhigend auf sie wirkte.
Schnell holte sie aus dem Geräteraum eine große Gitterkiste, die bis zum Rand mit Volleybällen gefüllt war und schob diese ächzend heraus.
Zart strichen ihre Finger über die weißen Gummierungen, welche teilweise schon deutlich abgenutzt aussahen. Die anderen Spieler schienen damit äußerst fleißig zu trainieren, im Gegensatz zu ihr.
Mit einem Mal fühlte sich Minako schlecht. Das Dasein als Sailorkriegerin war keine Ausrede, weswegen sie ihren geliebten Sport hatte sausen lassen. Die anderen schafften es ja schließlich auch, ihre Leidenschaften, ihre Hobbys und die Schule unter einen Hut zu bringen. Ganz besonders Serena und Mamoru, die neben ihrem Studium auch noch eine eigene Firma leiteten.
Sie war bequem geworden, hatte den vergnüglichen Stunden im CROWN und der ewigen Jagd nach einem passenden Jungen an ihrer Seite den Vorzug gegeben. Kein Wunder, dass sie, Minako, nun unter dem Radar der Feinde flog. Sie war ein ganz gewöhnliches Mädchen geworden, ohne Ambition für eine herausstechende Leidenschaft. Aber das würde sich nun gewaltig ändern.
Schnell dehnte Minako ihre Muskeln und legte los. Ein Ball nach dem anderen wanderte aus der Kiste in ihre Hände und flog mit einem kräftigen Aufschlag durch die Halle.
Nur das dumpfe Knallen und das Quietschen ihrer Turnschuhe waren zu hören, während Minako verbissen versuchte, ihrer Frustration Luft zu machen und Begeisterung in sich zu wecken.
Mittlerweile waren ihre Fingerknöchel knallrot und begannen zu schmerzen, der Schweiß lief ihr über die Stirn und sammelte sich in den schwarzen Wimpern, wo sie ihn ungeduldig wegwischte.
In ihrem Innersten tat sich jedoch nichts. Sie geriet nicht völlig aus dem Häuschen beim Training wie früher und fühlte sich auch nicht wie ein Superstar. Das Feuer war erloschen.

Seufzend wollte sich Minako daran machen, die geschlagenen Bälle wieder einzusammeln, als von der offenen Nebentür her, ein leises Stöhnen zu vernehmen war.
Irritiert blickte sie in die Richtung und erstarrte. Keine Geringere als ihre Freundin Bunny lag dort auf der Schwelle und hielt sich mit einer Hand die Stirn.
„Bunny! Oh mein Gott! Bist du von einem Ball getroffen worden?!“ Minako eilte zu ihr, während Bunny sich mit vorwurfsvollem Blick aufsetzte.
„Nein, ich dachte nur, es wäre nett jetzt ein Nickerchen zu halten. Was glaubst du denn? Natürlich bin ich von einem Ball getroffen worden!“
Sie nahm die Hand von der Stirn und Minako entdeckte darauf einen großen knallroten Fleck.
„Das tut mir leid, ich habe dich nicht bemerkt. Ist alles in Ordnung?“
Bunny grinste gequält. „Ja alles klar. Ich frage mich ernsthaft, ob DU in Ordnung bist?“
„Wie kommst du denn darauf?“
Die Antwort zeigte sich Minako in zwei spitzen weißen Katzenohren, die neben Bunny auftauchten. Darunter zwei äußerst schuldbewusste blaue Kateraugen. Und wäre das nicht schon genug, gesellte sich die Ausführung in schwarzem Fell und Bernsteinaugen dazu.
Jetzt wurde Minako alles klar. Ihr geschwätziger Kater konnte das vertrauliche Gespräch des letzten Abends keine vierundzwanzig Stunden für sich behalten.
„Ach du meinst, weil kein Dämon es auf mich abgesehen hat? Warum sollte ich mir denn darüber Gedanken machen? Das war doch nur ein Witz?“
Minako lachte hell auf und machte sich endlich daran, die umliegenden Bälle einzusammeln.
„Ich werde niemals akzeptieren, dass ich die Einzige sein soll, die kein reines Herz besitzt“, knurrte sie leise. „Niemals, niemals, niemals.“

Bunny wartete, bis ihre Freundin mit dem Umziehen fertig war und begleitete Minako noch ins Crown, gefolgt von den beiden Mondkatzen.
Minako spendete einem Greifautomaten, der gut gefüllt mit hässlichen Minipuppen war, einen großzügigen Teil ihres Taschengelds und begann eifrig zu spielen. Bunny beobachtete ihre Verbissenheit mit einem bedrückten Gefühl.
„Mist, schon wieder nichts.“
„Minako, es macht dir auch wirklich nichts aus?“, hakte Bunny nach.
„Nein, natürlich nicht.“
„Ich hab dir doch gleich gesagt, dass du da etwas falsch verstanden hast“, meinte Luna vorwurfsvoll zu Artemis, der argwöhnisch die Ohren anlegte.
Bunny sah zu den beiden hinab. „Minako weiß doch selbst ganz genau, dass sie ein guter Mensch ist.“
Aber damit traf sie in ein Wespennest.
„Wie kann nur jemand auf die Idee kommen, dass ich kein reines Herz besitze?“, knurrte Minako ihr verzerrtes Spiegelbild in der zerkratzten Plexiglasscheibe an. „Unsere Gegner müssen ganz schön doof sein, wenn sie noch nicht bemerkt haben, wie ehrlich, leidenschaftlich und gut ich bin!“
Bunny machte Minakos starrer Blick Angst und sie wedelte mit einer Hand vor deren Gesicht herum.
„Äh Hallo? Minako?“
In Luna keimte ein ungeheurer Verdacht auf, der ihr sogleich von der Zunge rutschte. „Minako … Ich hoffe du hast nicht vor unsere Gegner zu reizen, damit sie dich angreifen?“
Der hübschen Blondine entgleisten sämtliche Gesichtszüge und zeugten eindeutig davon, dass die Mondkatze mit ihrer Äußerung gar nicht verkehrt lag. Was nun wiederum Bunny in Rage brachte. Entgegen ihrer sonst so gewaltfreien Art, knallte sie ihre Tasche auf den Boden, packte Minako mit beiden Händen am Kragen, knallte sie mit dem Rücken gegen den Spielautomaten und schüttelte sie kräftig durch. Ein Glück, dass sie sich im hinteren Teil des Crowns befanden, das im Augenblick keiner weiteren Besucher aufwies. Selbst Motoki war vorne an der Theke beschäftigt, sodass Bunny ihren Emotionen freien Lauf lassen konnte.
„Hast du völlig den Verstand verloren? Sei froh, dass ich das nicht den anderen erzähle! Reena, Rei und Makoto würden dich windelweich schlagen und meine Unterstützung hätten sie dabei! Was stimmt mit dir nicht? Was ist, wenn du wirklich angegriffen wirst und sie dir dein reines Herz stehlen?!“
Bunny machte eine kurze Pause und atmete heftig durch, Minako hingegen brachte nur ein schiefes Grinsen zustande. „Dann hole ich es mir eben eigenhändig wieder zurück!“
Sofort brach der Tsukinosche Tornado erneut los und Artemis fürchtete schon fast, dass Bunny Minako wirklich den Kopf abreißen würde, so heftig schüttelte sie diese durch. Aber angesichts des offenkundigen Vorhabens seiner Dosenöffnerin, sahen weder er noch Luna sich dazu gezwungen, in Bunnys rabiates Vorgehen einzugreifen.
„Du hast sie doch wirklich nicht mehr alle! Als ob du dann noch dazu in der Lage wärst, dein verdammtes Herz selbst zurückzuholen! Und was ist, wenn keine von uns in der Nähe ist? Du musst wirklich den Verstand verloren haben! Versprich mir, dass du auf keine dummen Gedanken kommst! Versprich es, versprich es, versprich es!“
Minako wurde langsam übel, aber Bunny war nicht zu bremsen. Letztendlich rettete sie nicht ein halbherzig abgerungenes Versprechen vor einem drohenden Genickbruch, sondern das Signal des Spielautomaten, welcher ein überfülltes Auswurffach vermeldete. Überrascht lugten die beiden Mädchen hinein. Da Minakos Hände während Bunnys Intervention auf dem Bedienfeld des Automaten Halt suchten und dabei permanent die Knöpfe für die Kransteuerung betätigten, krallte sich das Ding eine Puppe nach der anderen und trug sie wie ein apportierender Welpe zum Auswurffach, das nun überquoll.

Nun hatte Minako immer noch keine Gewissheit darüber, ob sie ein reines Herz besaß, dafür zwei große Papiertaschen voll mit Abscheulichkeiten, welche Motoki netterweise für den Transport spendiert hatte.
Genervt trug sie ihren Gewinn auf dem Nachhauseweg vor sich her, während Bunny ihr in einigem Abstand folgte. Die Mondkatzen liefen zwischen ihnen und versuchten eindringlich Minako davor zu bewahren, eine Dummheit zu begehen.
„Minako hör zu“, begann Luna. „Natürlich kommst du dir in gewisser Weise ausgegrenzt vor, nachdem alle anderen bereits angegriffen wurden. Und ja, bei Rei, Makoto, Ami und Reena lag die Vermutung  sehr nahe, dass sich in ihren Herzen ein Talisman befinden könnte. Aber jetzt sieh dir mal Bunny an! Sie hat natürlich ihre Liebe zu Mamoru, aber ihre Leidenschaften sind Essen und Schlafen und sie hasst das Lernen so sehr, dass sie sich dauernd davor drückt! Unsere Gegner sind doch wirklich Dummköpfe, wenn sie sowas als reines Herz bezeichnen. Du kannst eher stolz darauf sein, dass sie dich bislang verschont haben.“
„Vielen Dank“, murmelte Bunny beleidigt.
„Unsere Gegner haben eben noch nicht erkannt, was für ein guter und warmherziger Mensch du bist“, versuchte auch Artemis sein Glück, als Minako abrupt stehenblieb.
„Ich habe euch doch schon gesagt, dass es mir nichts ausmacht. Bunny, könntest du mir bitte einen Gefallen tun?“
„Klar, was denn?“
Anklagend hielt ihr Minako eine der beiden Tüten entgegen. „Nimmst du mir bitte die Hälfte davon ab? Ich schenke sie dir.“
„Oh. Äh….“ Verlegen nahm Bunny das Geschenk entgegen. Die Dinger waren so hässlich, die konnte sie nicht einmal Chibiusa andrehen. „Dann muss ich mich wohl bei dir bedanken …!“
Sie begleiteten Minako noch bis zu einem Buchladen in der Innenstadt, in dem diese dann relativ wortkarg verschwand.
„Vielleicht sollten wir sie eine Weile allein lassen“, raunte Bunny den Katzen zu, nachdem sie ein paar Minuten vor dem Eingang herumlungert waren.
„Das denke ich auch“, wisperte Luna zurück. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Minako so unvernünftig ist und unsere Feinde absichtlich auf sich aufmerksam macht.“
„Naja, ich weiß ja nicht.“ Artemis hatte da so seine Zweifel, aber er zog sich mit Bunny und Luna zurück.

Minako stand etwas unschlüssig vor den Regalen, als ihr Blick auf ein Einband fiel.
„Das Glück eines reinen Herzens.“ Sie zog das Buch heraus, schlug wahllos eine Seite auf und begann zu lesen. „Ein reines Herz. Ein Herz, das sich vollkommen einer Sache hingeben kann. Das stimmt, Bunny kann sich allem hingeben, was chaotisch und schlecht ist“, murmelte Minako halblaut. „Verglichen mit ihr, bin ich ausgesprochen ruhig und besonnen.“
„Hallo.“
Mittlerweile war ihr diese Stimme vertraut geworden und so schreckte Minako nicht ertappt zusammen, sondern sah eher interessiert auf.
Ein paar Meter von ihr entfernt standen Haruka und Michiru, die sich ebenfalls gerade in die Welt der Bücher zurückgezogen hatten.
„Hallo“. Minakos Gruß war eher ein Hauchen, denn nun fühlte sie sich doch ertappt. Denn die Augen der beiden hatten sich verengt, fast als wären sie darum bemüht, den Titel ihres Buchs zu entziffern.
Daher stellte sie es schnell wieder in das Regal zurück und wandte sich zu ihnen.
„Darf ich euch mal etwas fragen? Was ist eigentlich ein reines Herz?“
Jetzt war es an den beiden jungen Frauen, zusammenzuzucken,
„Kann es sein, dass sie etwas über die Talismane weiß?“, raunte Michiru ihrer Partnerin unauffällig zu und eine Spur Fassungslosigkeit schwang in dem kaum hörbaren Verdacht mit. Haruka sah sich außerstande zu antworten, denn nun kam Minako immer näher.
„Was meinst du damit?“
„Ich meine, was muss ein Mädchen mit einem reinen Herzen tun? Woran kann man sie erkennen?“
Michiru wagte sich zögerlich vor. „Tja also … ich würde sagen, sie tut etwas, was anderen Leuten hilft.“
„Anderen Leuten hilft?“, wiederholte Minako angetan, als draußen auf der Straße gerade ein Wagen vom japanischen Roten Kreuz vorbeifuhr, welcher eine wichtige Durchsage machte.
„Kommen Sie zum Blutspenden! Auch Ihr Blut kann Leben retten! Kommen Sie zur Blutspende!“
Fast schon erleichtert hat Haruka dies zur Kenntnis genommen und deutete mit dem Kinn nach draußen. „Zum Beispiel Blut spe …!“
„DANKE!“ Und schon war Minako abgezischt.
Verwundert drehte sich Haruka zu Michiru um. „Das war vielleicht merkwürdig. Aber wir haben uns wohl geirrt.“
„Ja“, stimmte diese zu. „Woher soll auch ausgerechnet sie etwas über die Talismane wissen?“
Haruka strich sachte mit ihrem Handrücken an Michirus Hüfte entlang und deutete damit an, dass sie nun gehen wollte. „Aber irgendwie bin ich doch etwas besorgt um … Minako, ja ich glaube so heißt sie.“
Michiru lächelte zart. „Das liegt an deinem guten Herzen, Haruka.“
„Hallo nochmal!“
Minakos Stimme erschreckte die zwei beinahe zu Tode. Diese war aus dem Nichts nochmal aufgetaucht und stürmte jetzt auf Haruka und Michiru zu. Überschwänglich drückte sie ihnen zwei von den gewonnenen Abscheulichkeiten in die Hände, froh darum, wieder welche losgeworden zu sein.
Die neuen Besitzerinnen waren so perplex, dass sie die Übergabe dieser fragwürdigen Geschenke ohne Gegenwehr über sich ergehen ließen.
„Als Dankeschön!“ Minako strahlte sie aus großen blauen Unschuldsaugen an. „Wiedersehen!“
Hastig lief sie aus dem Buchladen und rannte dem Wagen des Roten Kreuzes hinterher, welcher immer noch seinen Aufruf durch die Straßen von Tokyo hallen ließ.

Sie hätte sich all dies ersparen können. Vom hastigen Fälschen des Geburtsjahrs auf ihrem Schülerausweis, über die kalte spitze Nadel in ihrem Arm, bis hin zu der aufkommenden Übelkeit auf dem Heimweg. Nichts davon hätte Minako auf sich nehmen müssen, hätte sie zu diesem Zeitpunkt auch nur ansatzweise geahnt, dass sie längst nicht mehr unter dem Radar der Gegner flog.
Der Computer Eugeals errechnete schon Stunden vorher einen derart hohen Prozentsatz auf die Person Minako Aino, dass die Hexe sie umgehend als neuestes Opfer auserkor.
Genau das wollte auch Tomoe hören, als er im Hexenlabor anrief.
Nach zweimaligem Tuten, wurde abgenommen.
„Eugeal, hast du bereits ein neues Herz gefunden?“
„Das habe ich, Doktor. Es handelt sich um ein außergewöhnlich reines Herz, aber ich fürchte, dass uns auch dieses Mal wieder die Sailorkriegerinnen dazwischenfunken werden.“
„Dann werde ich einen Dämon erschaffen, der dies zu verhindern weiß.“
Tomoe sah zufrieden auf die Säge, welche er in seiner rechten Hand hielt. Eine massive Holztür bildete die Grundlage für seine neueste dämonische Schöpfung. Er hatte sie eigenhändig von einem unbenutzten Raum aus den Angeln gehoben und sorgfältig das Türblatt samt Knauf ausgesägt.
Während Eugeal auflegte, um sich auf den Weg zur Ausgabestelle zu machen, setzte der Doktor seine Maschinerie in Gang. Dieses Mal sollte seine Angestellte ungestört arbeiten können.
„DOORKNOBDEEEEEER!!!“

Bunny war mittlerweile höchst besorgt über Minakos Ambition, die Reinheit ihres Herzens durch laufendes Blutspenden zu beweisen. Daher hatte sie sich an diesem Samstagmittag mit den beiden Menschen verabredet, von denen sie sich Rat erhoffte.
Treffpunkt war ein großer Spielplatz. Bunny saß ratlos auf dem Ende einer Rutsche und erzählte von Minakos fragwürdiger Veränderung.
„Sie gibt sich seit drei Tagen als Achtzehnjährige aus und sucht jede Blutspendestelle in Tokyo auf. Ich mache mir große Sorgen. Nicht nur um ihre Gesundheit, sondern auch darum, dass so unsere Feinde wirklich auf sie aufmerksam werden.“
„Minako hat doch wirklich ein Rad ab“, meinte Serena entsetzt. „Abgesehen von dem Fälschen ihres Alters, zwischen jeder Blutspende muss mindestens acht Wochen liegen. Kontrolliert das denn keiner?“
„Spielt das jetzt eine so große Rolle?“, warf Mamoru fragend ein.
Bunny senkte den Kopf. „Ihr kennt sie doch. Minako hat einen Dickkopf und sie ist sehr kreativ, wenn es darum geht, dass zu bekommen, was sie will. Außerdem meinte Luna, dadurch, dass Minako als Sailorkriegerin andere Regenerationskräfte als ein gewöhnlicher Mensch besitzt, wird das viele Blutspenden ihr nicht zwingend schaden.“
„Die Mieze ist kein Doktor.“
Mamoru runzelte die Stirn. „Es scheint leider wirklich so, dass Minako schwer daran trägt, noch nicht von unseren Gegnern angegriffen worden zu sein. Du musst sie unbedingt im Auge behalten.“
„Warum schlägt ihr das so derart aufs Gemüt?“, rätselte Serena.
„Wir wurden alle schon angegriffen und deswegen denkt sie vielleicht, dass sie kein reines Herz besitzt“, erwiderte Bunny leise.
„Das ist doch Unsinn! Außerdem ist sie nicht die Einzige,  an Mamoru waren unsere Gegner bislang auch nicht interessiert.“
„Vielen Dank“, antwortete ihr Bruder pikiert. „Muss ich mir jetzt ebenfalls Gedanken um die Reinheit meines Herzens machen?“
„So war das nicht gemeint.“
„Bitte streitet nicht.“ Bunny stand auf und klopfte sich die Sandreste von ihrer Hose. „Mamoru hat recht, ich muss Minako im Auge behalten. Sie will heute wieder zum Blutspenden, dieses Mal am Park unten, wo gerade das neue Einkaufscenter gebaut wird. Den anderen habe ich schon Bescheid gegeben, sie verstecken sich dort in der Nähe und achten auf Minako, bis ich da bin.“
„Dann schließe ich mich dem Überwachungstrupp mal an“, entschied Serena, aber stockte dann kurz. „Das heißt nur bis heute Abend. Ich habe morgen einen wichtigen Geschäftstermin in Shanghai und muss den Nachtflug nehmen.“
„Du fliegst nach China?“, erkundigte sich Bunny überrascht. „Davon wusste ich ja noch gar nichts.“
„Das hat sich erst heute Morgen ergeben“, antwortete Mamoru an Serenas Stelle. „Es geht um ein wichtiges Projekt für Chiyaro Investment, einer unserer Geschäftsführer fällt wegen Krankheit aus und nur Reena kann kurzfristig einspringen. Aber ich kann ab heute Abend die Überwachung von Minako übernehmen, sobald ich von meiner Lerngruppe zurück bin.“
„Stimmt.“ Bunny schlug sich stöhnend an die Stirn. Mamoru traf sich ja nachher mit anderen Studenten zur Klausurvorbereitung. Im Moment vergaß sie wirklich alles.
„Na schön.“ Schwer erhob sie sich von ihrem Sitz. „Reena wir gehen jetzt zu dieser Blutspendestelle. Du behältst mit den anderen Minako im Auge und ich gehe direkt zu ihr. Wenn wir alle auftauchen, dann fühlt sie sich am Ende wieder gegängelt. Mamoru, wir sehen uns dann heute Abend.“
Sie presste ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen und schmeckte dabei die süße Minze seines zuvor gelutschten Bonbons. Am liebsten würde sich Bunny gerade einfach nur in seine Arme werfen und an ihm festhalten, nur um die  Probleme zu vergessen.
„Ach Bunny, wo ist eigentlich Chibiusa?“
Und das nächste Problem.
„Sie ist mit Shingo auf dem Fußballplatz, wieso?“
Mamoru hob energisch den Zeigefinger. „Du solltest sie nicht immer ausschließen. Chibiusa ist hier, um auch als Kriegerin etwas zu lernen und dazu gehört, dass sie ein Auge auf ihre Mitstreiterinnen hat. Obwohl ich, als ihr zukünftiger Vater, nichts dagegen habe, dass sie als normales Kind ein paar Bälle kickt.“
„Lass uns das heute Abend diskutieren“, bat Bunny unruhig. „Ich möchte jetzt wirklich zu Minako.“

Eine halbe Stunde später trafen Serena und Bunny bei den anderen Mädchen ein, die sich mit Luna und Artemis in einem Gebüsch versteckt hielten.
Minako hatte sich bereits in die Schlange vor dem mobilen Blutspendewagen eingereiht und wartete geduldig.
„Was trägt Bunny da mit sich?“, flüsterte Rei, als sich diese auf den Weg zu Minako machte und dabei eine große Plastiktüte in der rechten Hand schlenkerte.
„Das sind Vitamindrinks“, antwortete Serena leise. „Sie wollte Minako unbedingt etwas Gutes tun.“
Luna schlug mit der Pfote ein lästiges Blatt von ihrem Ohr und starrte dann wieder gebannt nach vorne. „Ob unsere Feinde wirklich auf Minako aufmerksam geworden sind?“
„Vielleicht hat sie ja wirklich kein reines Herz …“, mutmaßte Makoto gedämpft. „Oder nicht rein genug, sodass sie einen Talisman darin vermuten.“
„Die Frage ist“, begann Artemis. „Wie gut ist ihr Herz wirklich, wenn sie das Blut nur aus egoistischen Gründen spendet und nicht um anderen zu helfen?“
Alle sahen zu Bunny und Minako, die gerade dankend die Tüte entgegennahm und sofort eine der kleinen Plastikampullen öffnete.
„Das tut gut! Damit wird mein Blut bestimmt noch besser!“
Sofort schüttelten die Mädchen die Köpfe.
„Natürlich hat sie ein reines Herz!“
„Ganz sicher!“
„Sie gibt sich so viel Mühe ihre Reinheit zu beweisen, das ist wahre Hingabe.“
Unbemerkt von den lauernden Freundinnen im Gebüsch waren auch Haruka und Michiru Minako seit zwei Tagen auf den Fersen.
Sie standen hinter einem großen Baum und beobachteten gerade, wie Minako den Blutspendewagen verließ und in Bunnys Beisein den nächsten Vitamindrink zu sich nahm.

Gemeinsam verließen die beiden Blondinen den Park Richtung Ausgang.
Minako schleppte zusätzlich noch die restlichen Puppen mit und hatte vor, diese an vorbeilaufende Passanten zu verschenken.
„Soll ich dir was abnehmen?“, fragte Bunny vorsichtig. Denn Minako hatte die Tüte um ihre linke Armbeuge gehängt, ihre Hand wollte gerade einen weiteren Vitamindrink an die Lippen führen und den rechten Arm hatte sie angewinkelt und transportierte darin die restlichen Ampullen.
„Geht schon! Ich werde gleich den nächsten Drink versuchen!“
Sie warf den Kopf unterm Gehen in den Nacken und ließ die süße Flüssigkeit in ihre Kehle rinnen.
Bunny befand sich zwei Schritte hinter ihr, als plötzlich ein gedämpfter Knall erklang. Erst dachte sie, jemand hätte eine Plastikflasche auf den Boden fallen lassen. Aber als ein fremdartiges Geschoss zwischen Minakos Schulterblättern eintraf und sich ihr Körper unnatürlich aufbäumte, wurde ihr sofort die ganze Tragweite bewusst.
„MINAKO!!!“
Die Ampullen prasselten herab und verteilten sich über den gesamten Bürgersteig. Minako stand einfach nur da, den Rücken nach hinten überstreckt, während über ihrer Brust der funkelnde rote Kristall schwebte.
Aus den Augenwinkeln sah Bunny, wie ein weißer Kleinwagen mit schwarzem Stern an der Kreuzung parkte, anscheinend hatte Eugeal aus dem geöffneten Fahrerfenster heraus geschossen.
Plötzlich kippte Minakos Oberkörper nach vorne und sie hielt mit merkwürdig verklärtem und trübem Blick beide Hände um ihren Kristall.
„Ich hab ein reines Herz.“
„Was?!“
Kichernd drehte sie um. „Ich hab ein reines Herz!“
„Das freut mich für dich, Minako“, begann Bunny vorsichtig. „Aber wir müssen es schnell in deinen Körper zurückbringen.“
„Ich hab ein reines Herz!“ Plötzlich rannte Minako wie von Sinnen und hysterisch lachend davon. An ihrem Arm baumelte immer noch die Puppentüte, den Kristall leitete sie vor sich her.
„Warte! Wo willst du hin?“ Bunny preschte hinterher, aber der Schock und das Adrenalin schienen Minako übermenschliche Kräfte in den Beinen verliehen zu haben.
„Das darf nicht wahr sein!“, kreischte auch Eugeal und gab Gas.
Sie überholte Bunny mit Leichtigkeit und raste Minako hinterher.
Nur wenige Sekunden später stürzten Haruka und Michiru aus dem Parkeingang hervor und rannten wiederum Bunny nach.
Luna, Artemis und die Mädchen hatten ebenfalls von der heimtückischen Attacke Wind bekommen, wenn auch mit einiger Verzögerung.
Gemeinsam hasteten sie durch die Büsche, bis sie den Bürgersteig erreicht hatten.
Rei setzte als Erste einen Fuß darauf, übersah aber dabei die herumliegenden Ampullen und stürzte.
Sie versuchte noch, mit den Armen rudernd Halt zu finden, erwischte dabei Serena und riss sie mit zu Boden, was einen Dominoeffekt auslöste. Ami und Makoto stolperten prompt über die beiden, gesellten sich mit auf den Untergrund und begruben dabei zusätzlich die Katzen unter sich.
Zurück blieb ein stöhnendes Knäuel aus Armen, Beinen und Pfoten.

Minako hatte das im Bau befindliche Einkaufscenter erreicht und rannte in die bereits fertiggestellte Tiefgarage hinab.
Eugeal sah noch den Rest ihrer langen blonden Mähne um die Kurve verschwinden und donnerte mit dem Wagen die Abfahrt hinunter, der die Absperrung mit sich riss.
Mit quietschenden Reifen kam sie im Untergrund an und brachte ihr Gefährt zum Stehen.
Langsam stieg die Hexe aus und betrachtete grinsend ihr Opfer. Minako lag bäuchlings einige Meter entfernt auf dem Boden und regte sich nicht mehr, ganz offensichtlich hatte die Kraft das arme Mädchen verlassen. Der Kristall drehte sich ruhig über ihrem Körper um die eigene Achse.
„Die hat ja eine enorme Willensstärke“, bemerkte Eugeal durchaus beeindruckt und ging mit langsamen Schritten auf Minako zu.
„HALT! Ich werde nicht zulassen, dass Sie näher an sie herangehen!“
Grimmig drehte sich Eugeal in Richtung Auffahrt, wo Bunny gerade hinuntergelaufen kam.
„Und wie willst du das verhindern? ERSCHEINE – DÄMON!!!“
Haruka und Michiru hatten die Tiefgarage nun ebenfalls erreicht und oben am Tor Position bezogen. Noch war die Situation für sie ungewiss, da sie nicht nach unten sehen konnten. Aber eines war gewiss – Eugeal befand sich dort im Untergrund, gemeinsam mit ihrem Opfer und Bunny. Jetzt wurde auch noch ein Dämon hinzugerufen. Die Lage wurde langsam kritisch.

Es blitzte und rauchte aus Eugeals Kofferraum, als ihm der Dämon Doorknobder entstieg.
Mit seinen feurig gelben Augen blitzte er listig um sich, auf dem Kopf ein großer Türknauf. Statt Händen hatte er rechts eine Art überdimensionales Schweizer Taschenmesser und links eine gewaltige Tür, beinah so groß wie der Dämon selbst.
„Die Türen müssen verschlossen werden!!!“
„Dann mach das doch“, bemerkte Eugeal gereizt.
„GERNE!!!“
Doorknobder flitzte wie ein Irrwisch durch die Tiefgarage und knallte seine Tür gegen jede Öffnung, die er fand. Lüftungsschächte, Notausgangstüren, alles wurde durch die Berührung des Dämon mit einem massiven Stahldeckel verschlossen.
Zu guter Letzt erschuf Doorknobder in Windeseile eine deckenhohe Stahlwand, welche wie von Schienen geführt die Auffahrt hinaufglitt, um dort ebenfalls den Zugang zu versperren.
Bunny warf sich gerade noch auf die Seite, damit sie nicht überrollt wurde und sah auf ihr leeres Handgelenk. Der Kommunikator war immer noch nicht repariert, sie konnte die anderen nicht rufen.
Jetzt saß sie hier unten fest.

Haruka und Michiru hörten noch das Ächzen des tonnenschweren Stahls, welcher sich die Auffahrt hinaufschob. Ein kurzer Blick, ein leichtes Nicken und die beiden schoben ihre Körper gerade noch an den Betonpfeilern vorbei ins Innere, die Stahlwand zum Stehen kam und die Ausfahrt verschloss.
„Fertig!“, verkündete Doorknobder stolz.
Eugeal sah interessiert auf die beiden Neuankömmlinge, denen es nicht mehr möglich war, sich zu verstecken.
„Wer hat sich denn da noch eingeschlichen?“
Auch Bunny drehte ihren Kopf und erstarrte. „Haruka? Michiru? Was wollt ihr beide denn hier?“
Aber sie schwiegen eisern und wichen ihrem erstaunten Blick aus.
„Was soll ich jetzt machen?“, kam es Bunny mit einem Ruck. „Ich kann mich vor ihnen nicht verwandeln, sonst bin ich enttarnt. Aber …!“
„Doorknobder, behalt unsere Besucher im Auge.“ Eugeal ließ sich nicht weiter beirren und näherte sich erneut Minako und ihrem Kristall.
Sein Funkeln spiegelte sich in ihren verschmierten Brillengläsern wider und die rosa geschminkten Lippen verzogen sich bereits zu einem diabolischen Grinsen.
„HALT!“
„Jetzt reichts mir aber!“ Aufgebracht über die erneute Störung wirbelte Eugeal herum und sah direkt in Bunnys entschlossene Augen. Die Hand des Mädchens hatte sich um etwas geschlossen, ein Herz? Ein Schmuckstück? Sie konnte es nicht deuten. Aber irgendetwas jagte der Hexe nun eine Gänsehaut über den Rücken.
„Du wirst ihr Herz niemals bekommen. Nicht so lange ich hier bin. MOON COSMIC POWER – MAKE UP!!!“
Sie konnte nicht länger dabei zusehen, wie Minako in Gefahr war. Es war ihre Pflicht, das Leben dieser Menschen und ihrer Freundinnen zu beschützen. Haruka und Michiru spielten für Bunny keine Rolle mehr, als sie das Licht des Mondes empfing und ihre Kleidung gegen den Fuku Sailor Moons tauschte. Es war Minakos Leben, das zählte. Sonst nichts.

„Mondgesicht ist also DOCH Sailor Moon“, presste Haruka schockiert hervor, während sich Michirus Fingernägel in ihren Arm gruben. „Das glaube ich einfach nicht.“
„Sie müssen Kaorinite im Tokyo Tower irgendwie getäuscht haben“, flüsterte Michiru. „Und ich denke, es ist jetzt nicht schwer zu erraten, wer die anderen Sailorkriegerinnen sind.“
„Reena und die Mädchen.“ Harukas Blick wurde düster, als Sailor Moons Verwandlung sich dem Ende neigte. „Und Mamoru … ist Tuxedo Mask.“
„Eindeutig.“
Auch Eugeal geriet aus der Fassung, als Sailor Moon vor ihr stand. „DAS GIBT’S DOCH NICHT!!!“
„Sie wollte nur zeigen, dass sie ein gutes, reines Herz hat!“, begann die Mondkriegerin energisch und deutete mit dem Finger auf die Hexe. „Und du versuchst es ihr zu stehlen! Das werde ich niemals zulassen! Ich bin Sailor Moon und im Namen des Mondes werde ich dich bestrafen!“
„Doorknobder, schaff sie mir vom Hals!“, zischte Eugeal aufgebracht.
Aber der Dämon zuckte nur mit den Schultern. „Hä? Ich bin nur hier, um Türen zu verschließen. Kämpfen ist nicht meine Aufgabe.“
„TU ES EINFACH!!!“ Eugeals Tonfall ließ sogar Sailor Moon zusammenzucken.
„Wenn es sein muss.“ Doorknobder schoss wie ein Pfeil nach vorne und riss die völlig überrumpelte Kriegerin mit sich zu Boden. Seine zur Tür umfunktionierte Hand, prallte auf den zierlichen Körper Sailor Moons und begrub diesen unter sich.
Mühsam drehte sie den Kopf in Minakos Richtung. „NEIN NICHT!!!“
Eugeal hatte sich wieder dem Kristall zugewandt, nachdem ihre Gegnerin von Doorknobder in Schach gehalten wurde.
Lächelnd streckte sie ihre langen Finger nach dem Funkeln aus, als eine hässliche Hartgummipuppe sie an der Hand traf.
„Was soll denn das?!“
Jetzt war ihre Geduld am Ende und Eugeal starrte wütend auf Michiru, die den Arm noch zum Wurf erhoben hatte. Das Geschoss hatte sie zuvor unauffällig Minakos Tüte entnommen, als Eugeal nicht hinsah.
„Du wirst den Kristall ihres Herzens nicht anrühren.“
Sailor Moon reckte den Hals unter dem schweren Gewicht hervor, dass auf ihr lag. Warum waren die beiden so besorgt um Minako? Und woher wussten sie, dass es sich um einen Herzkristall handelte? Plötzlich keimte ein ungeheurer Verdacht in ihr auf. Waren sie alle wirklich so blind gewesen? Wollten oder konnten sie die Wahrheit nicht sehen?
„DOORKNOBDER!“ Eugeal rief ihren Dämon zu Hilfe, der nun von Sailor Moon abließ und sich auf Haruka und Michiru stürzen wollte.
„Wir haben keine andere Wahl.“
„Ich weiß …!“
Sailor Moon hatte gerade erst wieder nach Atem gerungen, als er erneut ins Stocken geriet.
Denn nun bestätigte sich die vermutete Wahrheit, direkt vor ihren weit aufgerissenen Augen.
„NEPTUN PLANET POWER – MAKE UP!“
„URANUS PLANET POWER – MAKE UP!“

Auch Eugeal starrte den Kriegerinnen entgegen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Wagens.
„Wenn ich richtig zähle, dann sind es jetzt drei!“
„WORLD SHAKING!!!“
Uranus zögerte nicht lange und zielte direkt auf die Hexe, um sie so von Minako wegzuschaffen. Die goldene Energiekugel donnerte auf Eugeal zu, welche die wenigen Meter Reichweite zur Teleportation nutzte und sich so dem Angriff entzog. Das Licht zerfetzte lediglich den weißen Laborkittel, der zurückgeblieben war.
„Gib auf, Eugeal!“, rief Neptun und landete mit einem Sprung neben Minako, um deren Kristall zu begutachten.
Das Mädchen hatte immer noch die Augen fest geschlossen, aber unbemerkt von den anderen, war ihr Geist hellwach. Sie hörte jedes Wort und fühlte sich, als könnte sie schweben, obwohl ihr gesamter Körper vor Schmerzen brannte.
„Bitte, Michiru!“ Sailor Moon hastete gebeugt heran, Doorknobders Attacke hatte ihrem Oberkörper stark zugesetzt. „Du musst ihr den Kristall zurückgeben!“
„Keine Sorge.“ Neptun lächelte sanft und doch erleichtert, was Uranus erstaunt bemerkte. „Das ist kein Talisman.“ Vorsichtig ließ sie den Kristall in Minakos Körper zurückgleiten.
Auch Eugeal hatte die Feststellung mit angehört, während Doorknobder, eingeschüchtert von Uranus Auftreten, sich feige in Richtung Auffahrt zurückgezogen hatte.
„Was, kein Talisman?!“ Die Hexe bewegte sich mit langsamen Schritten rückwärts zu ihrem Wagen. Höchste Zeit zu verschwinden, sollte sich doch der Dämon um die Angelegenheit kümmern. Sie wollte gerade unauffällig nach dem Wagengriff tasten, als eine gewaltige Erschütterung die Tiefgarage beben ließ.
Doorknobder sah mit immer stärker werdenden Schweißperlen auf der Stirn in Richtung Auffahrt, wo die Stahlwand langsam, aber sicher ins Wanken geriet.
„BLIZZARD REVOLUTION!!!“
„BURNING MANDALA!!!“
„SPARKLING WIDE PRESSURE!!!“
„SHINE AQUA ILLUSION!!!“
„Jetzt sind da draußen auch noch welche!“, fluchte Eugeal, der nach diesen Ausrufen klar wurde, dass sich die restlichen Sailorkriegerinnen gerade dabei waren, sich Zutritt zur Tiefgarage zu verschaffen. „DOORKNOBDER JETZT TU ENDLICH WAS!!!“
Resigniert lugte der Dämon hinter seiner Türhand hervor und seufzte. Irgendwas musste er jetzt unternehmen, sonst wäre Eugeal eindeutig die größere Gefahr für sein bisschen Leib und Leben.
„DOORKNOBDER DER SCHRECKLICHE!!!“
Mit diesem vermeintlich einschüchternden Ruf, wollte Doorknobder eine weitere Stahlwand erschaffen, um die bestehende zu verstärken.
„DEEP SUBMERGE!!!“
Neptun erkannte die Absicht des Dämons und warf einen Energieball ihrerseits auf ihn, um den anderen Kriegerinnen den Weg in das Innere zu ermöglichen.
Doorknobder wurde von der geballten Kraft getroffen und sackte in sich zusammen. Auf das, was vormals Hände gewesen waren und den Knien robbte er zu Eugeal und flehte: „Bitte, nehmt mich mit! Bei Wasser fange ich an zu rosten!“
„Jetzt du, Sailor Moon!“, rief Neptun und warf einen besorgten Blick auf Minako, die immer noch reglos am Boden lag, die Tüte mit den hässlichen Puppen neben ihr.
„MOON SPIRAL HEART ATTACK!!!“
Sailor Moon legte sofort los, aber Eugeal wollte sich nicht so schnell kampflos ergeben. Hektisch riss sie die hintere Tür ihres Wagens auf, griff hinein und zog einen Flammenwerfer heraus, welcher mit dem Schlauch an einen Behälter mit Flüssiggas gekoppelt war.
„WITCH FIRE!!!“
„Witch Fire“, wiederholte Uranus perplex, da schoss schon ein gewaltiger Feuerstrahl aus Eugeals Waffe hervor und prallte gegen das Licht des Mondes.
Doorknobder saß verängstigt dazwischen und bekam nun die Kräfte von beiden Seiten ab.
Zwar siegte letztendlich Sailor Moons Energie über den Dämon, was dieser mit einem lauten „VERLOREEEEEN!“ verkündete, aber sie verpuffte gegen das Feuer Eugeals.
Das Kräftemessen endete mit einem Unentschieden.
Mit Doorknobder verschwanden auch sämtliche angebrachte Stahlverkleidungen und die restlichen Sailorkriegerinnen konnten nun endlich hineingelangen.

Mit ungläubigen Augen sahen die vier auf Uranus und Neptun, selbst Luna und Artemis standen die Fragezeichen in ihre kleinen Katzengesichter geschrieben. Wie waren die beiden hier nur hineingekommen?
„Bleibt wo ihr seid!“, drohte Eugeal und zielte mit dem Flammenwerfer auf Minako. „Wie ihr gerade gesehen habt, schafft es nicht einmal Sailor Moon mit ihren gewaltigen Kräften, gegen meinen Flammenwerfer anzukommen. Und nun stellt euch schön brav zusammen, sonst werde ich die Kleine hier verwandeln.“
Sie hatten keine Chance. Widerwillig liefen Uranus und Neptun mit samt Sailor Moon zu den restlichen Kriegerinnen, woraufhin Eugeal nun auf die gesamte Gruppe zielte.
„Von jetzt an, werdet ihr mich nie wieder stören!“
Die Hexe wollte gerade den Druckhebel betätigen, als ein gewaltiger Schauer auf sie niederging, bestehend aus harten kleinen Geschossen.
„Minako“, entfuhr es Sailor Moon, als sie sah, dass sich das Mädchen unbemerkt auf die Füße gestemmt hatte und den gesamten Inhalt ihrer Tasche auf Eugeal schleuderte, die vor Schreck den Tank fallen ließ.
„VENUS STAR POWER – MAKE UP!!!“
Sie hatte gehört, wie Sailor Moon Neptun beim Namen nannte. Damit war Minako klar, dass sie enttarnt waren und es gab für sie keinen Grund, sich mit ihrer eigenen Verwandlung zurückzuhalten.
„Jetzt fängt die auch noch an!“, heulte Eugeal schrill los, als sie Sailor Venus gegenüberstand, die sich für den Raub an ihrem Herzen noch persönlich revanchieren wollte.
„VENUS LOVE ME CHAIN!!!“
Die Feuerherzenkette peitschte Eugeal den Rest ihrer Waffe schmerzhaft aus der Hand und schlug mit einem Ende ein großes Loch in den Tank, was das ganze System unbrauchbar machte.
„Das darf nicht wahr sein.“
Eugeal schmiss ihr die Reste entgegen und hechtete auf den Fahrersitz ihres Wagens. „Wie soll man denn da gewinnen, wenn einem gleich acht Sailorkriegerinnen gegenüberstehen?!“
Ihr Fuß rauschte auf das Gaspedal, nachdem der Rückwärtsgang eingelegt war.
Jupiter, Mars, Titan und Merkur sprangen mitsamt den Katzen schreiend auf die Seite, als Eugeal mit dem Heck voran aus der Tiefgarage donnerte.
Zurück blieben der Geruch von Benzin, verbrannter Luft und ratlose Gesichter.
Uranus und Neptun machten sich daran, gemeinsam die Auffahrt hinauf zu schreiten. Würdevoll und aufrecht, aber Sailor Moon erkannte sofort, dass auch sie von den neuesten Erkenntnissen tief erschüttert waren.
„Wartet! Haruka! Michiru!“
Ein leiser Aufschrei von den anderen, was die Mondkriegerin aber kaum wahrnahm.
„Nun sagt mir endlich, was wollt ihr hier? Warum wollt ihr die drei Talismane, obwohl es bedeuten kann, dass drei Menschen ihr Leben verlieren?“
„Das braucht dich nicht zu interessieren.“ Uranus Stimme prallte hart zu Sailor Moon herab.
„Es ist besser, wenn ihr euch da raushaltet.“ Auch Neptun klang äußerst verbittert und beide sahen nicht einmal den Anlass gegeben, sich ein letztes Mal umzudrehen.
Ohne ein weiteres Wort verschwanden sie und ließen Sailor Moon mit den anderen zurück.

„Ich kann es wirklich nicht glauben.“
Minako schüttelte unentwegt den Kopf. Mittlerweile war es Abend geworden und sie saßen immer noch mit Luna und Artemis im Hikawa Tempel zusammen. Bunny hatte Chibiusa dazu geholt, die mit großen Augen der Geschichte gelauscht hatte und dabei Luna P hilflos zwischen ihren kleinen Händen drehte. Sie kannte die Namen Uranus und Neptun, sie hatte sie schon einmal in der Zukunft gehört, aber erkannte keinen Zusammenhang. Denn das gehörte zu jenen Dingen, die mit der Rückkehr in das zwanzigste Jahrhundert in ihrem Kopf verschleiert wurden.
„Wo sind Reena und Mamoru?“, fragte Luna plötzlich.
„Achja.“ Bunny knetete ihre Finger. „Reena muss für einen Geschäftstermin den Nachtflug nach Shanghai nehmen, Mamoru bringt sie gerade zum Flughafen. Sie wird ihm alles auf der Fahrt erzählen.“
„Das ist keine gute Idee“, äußerte sich Rei besorgt. „Haruka und Michiru kennen nun die Identität von Bunny und Minako, genau wie Eugeal. Und damit sind auch wir enttarnt, schließlich sind sie nicht dumm. Dass Reena nun das Land verlässt und auf sich gestellt ist, halte ich für fatal.“
„Reena kommt klar“, meinte Bunny überzeugt. „Außerdem kommt sie schon übermorgen zurück. Bis dahin ist uns bestimmt etwas eingefallen. Vielleicht können wir ja zwischenzeitlich mit Haruka und Michiru ein Gespräch suchen.“
„Und was soll das bringen?“ Makoto sah sie stirnrunzelnd an. „Ich will es ja nicht glauben, aber es könnte durchaus sein, dass die beiden auch unsere Feinde sind.“
Bedrückte Gesichter sahen ihr entgegen.
Keine wollte sich dieser Äußerung anschließen, aber es war ganz offensichtlich, dass sie alle das Gleiche dachten.

Serena hastete derweil durch die Halle des Flughafen Haneda.
Sie war spät dran und in ihrem Kopf arbeitete es unentwegt seit der Abfahrt.
Mamoru hatte, wie erwartet, ebenso bestürzt auf die wahre Identität von Uranus und Neptun reagiert, wie alle anderen. Die Geschwister hielten ihre Verabschiedung kurz, denn Mamoru wollte nun unbedingt zu Bunny. Er spürte mit jeder Faser seines Körpers, wie sehr sie jetzt seinen Beistand brauchte.
„Pass auf dich auf.“
„Natürlich. Übermorgen bin ich wieder da, ihr haltet bis dahin die Stellung.“
Eine letzte Umarmung, dann verließ Mamoru das Flughafengebäude.
Nachdem Serena eingecheckt hatte, lief sie unruhig an den mittlerweile geschlossenen Geschäften auf und ab. Ein paar Minuten blieben ihr noch, ehe sie das Gate passieren musste. Danach gab es kein Zurück mehr, aus dieser Zone kam man nur noch schwer raus. Dann musste sie fliegen. Draußen war bereits die Nacht hereingebrochen und Serena sah ihr geisterhaft blasses Gesicht, wie es sich in der Fensterscheibe spiegelte. Sie stand allein auf dem Gang, nur eine Putzkolonne zog innerhalb weniger Sekunden an ihr vorbei.
Mamoru hatte darauf bestanden, dass sie zum Termin flog. Und er hatte recht, sie konnten sich nicht immer in ihren normalen Leben aus dem Takt bringen lassen. Und eigentlich war ja nichts Schlimmes passiert. Ihnen wurde nur eine Wahrheit offenbart, die eigentlich, rückwirkend betrachtet, naheliegend war. Aber manchmal sah man den Wald eben vor lauter Bäumen nicht.
Sie sah auf die Uhr, es war höchste Zeit aufzubrechen. Serena warf noch einen letzten Blick durch das Fenster und schrie beinahe auf, als in der Spiegelung das Gesicht einer Frau hinter ihr zu sehen war.
Erschrocken fuhr sie herum und blickte in zwei rötlich schimmernde Augen.
„Serena Chiba?“
„Haben Sie mich vielleicht erschreckt!“ Serena legte die rechte Hand auf ihr pochendes Herz. „Ja, ich bin Serena Chiba. Kennen wir uns?“
Sie musterte die große schlanke Frau, mit den langen grünlichen Haaren, überaus adrett gekleidet in ihrem grauen Kostüm und sie strahlte eine Vertrautheit aus, die sich Serena nicht erklären konnte. Und der warme Klang ihrer Stimme … wo hatte sie diese schon einmal gehört?
„Wir sind uns schon einmal begegnet. Ich muss dringend mit Ihnen sprechen.“
„Bedaure.“ Serena winkte ab. „Mein Flug wird gleich aufgerufen, ich muss noch durch die Sicherheitskontrolle. Bitte wenden Sie sich an mein Büro, hier ist die Nummer.“
Schnell fischte sie eine Visitenkarte aus ihrer Handtasche.
„Hinterlassen Sie mir einfach eine Nachricht.“
Die Fremde lächelte. „Das geht leider nicht, ich muss jetzt mit Ihnen sprechen.“
„Tut mir leid.“ Serena schulterte die Handtasche und nahm den kleinen Trolley, welcher als Handgepäck mitflog. „Sie sehen ja, ich habe es sehr eilig. Bitte kontaktieren Sie mein Büro, auf Wiedersehen.“
Schnell eilte sie davon, kam aber nur ein paar Meter weit.
Denn plötzlich klang die Stimme anders, die Vertrautheit wandelte sich in Gewissheit und dies wurde untermauert von jenem Satz, denn ihr die unbekannte Frau noch nachrief.

„Ich brauche eure Hilfe … Titanya.“





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Hallo ihr Lieben!
Nun liegen die Karten auf dem Tisch und ihr könnt euch ja sicher schon denken, wie es weitergehen wird.
Logikfehler aus dem Anime:
Blutspenden darf man erst mit 18. Zwar hat sich Minako als volljährig ausgegeben, aber das wird natürlich überall nachgeprüft. Zwischen zwei Blutspenden MÜSSEN mehrere Wochen liegen, laut Bunnys Aussage gegenüber Mamoru ging Minako aber täglich.
Am ersten Tag hatte sie die Puppen gewonnen und als der Angriff Eugeals erfolgte, waren bereits ein paar Tage vergangen. Warum trug Minako die Puppen immer noch mit sich herum?
Und warum hatte Michiru ihre noch bei sich, als sie diese auf Eugeal warf?
Warum hat sich Minako am Schluss einfach verwandelt, obwohl es ihre Enttarnung bedeutete? Sie war die ganze Zeit im Anime ohnmächtig, konnte also die Enttarnung der Kriegerinnen selbst gar nicht mitbekommen haben.
In diesem Sinne habe ich mich wieder mal daran versucht, für solche Fragen selbst eine schlüssige Erklärung zu finden. Und Lunas gehässige Aussagen über Bunny und ihr reines Herz, stammen btw tatsächlich aus dem Anime.
Hoffe es hat euch gefallen :)
Gehabt euch wohl und liebe Grüße
Ina
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