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Einmal Diskriminierung to go, bitte!

GeschichteHumor, Parodie / P16 / Gen
01.09.2021
01.09.2021
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Hallöchen erstmal an alle, die sich in diese Kolumne hier verirrt haben! In letzter Zeit bin ich etwas auf den Geschmack gekommen, was Prosa-Arbeiten angeht, und somit fange ich jetzt mit einer Kolumne an, deren Idee ich schon lange im Kopf hatte.
Zwei wichtige Sachen vorab: wer vorhat, mich in den Reviews oder meinen Nachrichten wegen meiner Meinung zu solch sensiblen Themen zu beleidigen, kann direkt wieder wegklicken. Vielen herzlichen Dank.
Zweitens: sollte jemand auf das Thema Diskriminierung ungut reagieren oder aufgrund von eigenen Erfahrungen davon getriggert werden, ist diese Kolumne wohl eher nichts für einen.
Soo, jetzt aber genug geredet: auf geht's mit meinem ersten Versuch einer Kolumne!


Kapitel 1: Hurra, die Schulzeit!

Ich spreche wohl für viele, wenn ich sage, dass die Schulzeit nicht jedermanns Sache ist und war. Von anstrengenden Klassenkameraden bis hin zu Leistungsdruck und Lernstress, es gibt eindeutig Spaßigeres, so notwendig der regelmäßige Schulgang auch ist. Noch viel rasanter wird die Achterbahnfahrt Schule jedoch, wenn auch noch Sexismus und Rassismus mitmischen – wohler kann man sich da ja kaum fühlen. Vorab: ich hatte die Ehre, in dieser Hinsicht gleich beide Arten der Diskriminierung mitzumachen, und das, obwohl ich zu meiner Schulzeit das war, was die meisten wohl als eine Streberin bezeichnen würden. Und nein, meine Schulzeit liegt nur wenige Zeit zurück, bevor all jene Stimmen laut werden, die behaupten, Diskriminierung in Schulen gehöre der Vergangenheit an. Mir ist dabei wohl bewusst, dass es Schüler gibt, die in weitaus weniger komfortablen Positionen sind, als ich es war: ich hatte zumeist gute Noten, sehe recht klischeehaft mitteleuropäisch aus, und auch, wenn ich nicht aus einem reiche Porsche-Jura-Elternhaus komme, so reichte das Geld für meine Schulsachen und Ausflüge. Und mir ist durchaus bewusst, dass etwa dunkelhäutige Personen oder Schüler mit einem schweren Elternhaus weitaus mehr Probleme in dieser Hinsicht haben, als ich es hatte. Dennoch: einige der Erfahrungen, die ich machen musste, waren schlicht und ergreifend falsch … und, um ehrlich zu sein, manchmal auch so absurd, dass ich nur darüber lachen kann. Also hey, wieso das Ganze nicht in einer Kolumne verarbeiten, in der stummen Hoffnung, nicht von diversen wütenden und genervten Lesern zerfleischt zu werden?
Das erste Problem bei der Sache: ich habe es doch tatsächlich gewagt, als junges Mädchen in der Schule eine eigene Meinung zu haben und diese laut zu vertreten. Gott, bewahre, wo sind die stillen, tugendhaften Damen nur verblieben? Ich hoffe wirklich, man hört mir die Ironie jetzt an, denn deutlicher wird der Wink mit dem Zaunpfahl wohl kaum werden.
So sehr auch immer behauptet wird, das Lehrpersonal würde Mädchen bevorzugen, so sehr muss man dazu auch anmerken, dass dies nur für die Vorstellung der lieblichen, sanften Schülerin gilt, die ihre Hefte mit Blümchen bemalt und scheu zu Boden schaut, wenn sie eine falsche Antwort gibt. Natürlich ist es kein Problem, schüchtern zu sein. Für einige Lehrkräfte scheint die Erwartungshaltung bei Mädchen jedoch deutlich höher zu sein, als bei Jungs. Was ich damit meine? Lasst mich ein Beispiel aus meiner kleinen, aber feinen Erfahrungskiste herauskramen. In einem meiner damaligen Kurse gab es einen Schüler, der dazu neigte, aufmüpfig ohne Ende zu sein. Er schikanierte Schüler, mobbte sie systematisch, und ich kam sogar in den Genuss, dass er mir einmal einen Kinnhaken verpasste – weil ich mich gegen eine seiner Attacken gewehrt hatte. Kurzum, besagter Mitschüler war einfach nur wundervoll … warte, was? Gerade die weiblichen Teile des Lehrepersonals schienen tatsächlich so zu denken, denn meistens gelang es diesem Jungen, sich mit ein paar Macho-Sprüchen und einem Zwinkern aus all seinen Aktionen herauszureden, meistens ohne Konsequenzen. Dabei hörte ich einmal eine Konversation zweier Lehrerinnen mit an, in der sie meinten, dass Jungs in dem Alter eben unreifer seien, völlig natürlich, völlig normal. Mal abgesehen davon, dass ich es als junger Mann mehr als anstrengend fände, ständig zu hören, wie unreif ich „rein biologisch“ doch sein muss, es gibt eine Grenze zwischen Unreife und schlicht und ergreifend mangelnden Manieren. Um auf mein Beispiel zurückzukehren: als ich damals bei einer dieser Lehrerinnen, die von jenem Schüler gerne mal um den Finger gewickelt wurde, sachlich anmerkte, dass sie uns mit dem Tempo ihres Unterrichts und der Erwartung, wir sollten permanent motiviert sein, überforderte, war auf einmal die Hölle los. Dieselbe Lehrerin, die eben noch lauthals Macho-Sprüche und Frauenwitze in ihrem Unterricht geduldet hatte, bezeichnete mich plötzlich als frech und verletzend. Nun ja, ich persönlich empfinde den zehnten sexistischen Witz in meiner Nähe als verletzender, als fundierte Kritik, aber das sieht natürlich jeder anders. Sicherlich sitzen jetzt einige schon glühend vor Wut vor dem Bildschirm und sind drauf und dran, mir eine böse Nachricht darüber zu schreiben, wie ich maßlos übertreibe und dass das alles Zufall ist. Also stop, Finger von der Tastatur, ich bin noch nicht fertig! Auch, wenn mich diese eine Lehrerin vielleicht schlicht und ergreifend nicht mochte, oder ich einen Nerv getroffen hatte und sie deshalb so reagierte, solche Beispiele sind häufiger vorgekommen, als ich sie zählen kann und möchte. Und von einigen der männlichen Freunde aus meinem Umfeld weiß ich, dass auch sie das Klischee des fleißigen, reifen Mädchens und des unreifen Jungens, der „nunmal so ist“ sehr stört – völlig zurecht, wie ich finde.
Die ganz aufmerksamen Leser unter euch haben sicher schon gemerkt, dass ich vorhin ein erstes Problem erwähnt habe – wo liegt nun also das zweite, mag man sich fragen? Beim asozialen Vetter des Sexismus, nämlich beim Rassismus. Obwohl ich nämlich das Aussehen meines deutschen Elternteils geerbt habe, so bin ich zur Hälfte Türkin, und das merkt man mir an Zweitnamen, Nachnamen, und den Witzen meiner Freunde an. Während Letzteres für mich völlig in Ordnung ist, habe ich ein ernsthaftes Problem damit, wenn Personen, und vor allem Autoritätspersonen wie Lehrer es sind, sich das Recht herausnehmen, mich anhand eines ausländischen Namens anders zu beurteilen. Das Paradebeispiel hierfür ist eine Lehrkraft, die während meiner Schulzeit berühmt-berüchtigt dafür war, gerne mal diskriminierende Kommentare zum Besten zu geben. Aber Achtung, die Pointe kommt noch: besagte Lehrerin unterrichtete in erster Linie das Fach Ethik.
Ich wiederhole, Ethik.
Das Schulfach, in dem man sich über verschiedene Kulturen und Religionen sachlich und wertfrei austauschen soll – ich glaube, auf die Situationskomik dessen muss ich nicht genauer eingehen. In den Genuss ihrer weltoffenen Einstellungen kam ich direkt bei meiner allersten Schulstunde bei ihr, als ich nämlich vom Religions- in den Ethikkurs gewechselt hatte. Bereits ganz am Anfang des Schuljahres sprachen wir über verschiedene Religionen: und während sie von Christentum, Buddhismus und Judentum begeistert schwärmte, veränderte sich beim Thema Islam der Tenor ganz eindeutig. Da sprach sie auf einmal davon, wie gefährlich Muslime seien, wie schlimm diese Religion doch sei, und dass man den Islam niemals mit anderen, „vernünftigen“ religiösen Strömungen vergleichen dürfe. Nur, für alle, die es bisher noch nicht verstanden haben: solche Äußerungen sind nicht nur unfundiert, sondern auch islamophob. Natürlich gibt es islamistische Sekten und Extremisten, genauso, wie es auch christliche und sogar buddhistische gibt – hierbei sind jedoch nicht die Religionen selbst, sondern vielmehr die ausführenden Menschen das Problem. Man muss nur ein paar Worte aus Bibel, Koran oder Ähnlichem falsch interpretieren und verdrehen, und schon ist eine Religion auf einmal böse und falsch. Um zurück zum Punkt zu kommen: als ich besagte Lehrerin darauf ansprach, dass solche Aussagen Muslimen gegenüber unfair und nicht fundiert seien, sah sie mich zuerst wütend an, und schaute dann auf die Namensliste vor sich. Nach kurzem, ausgiebigem Analysieren meines vollen Namens – ich saß damals in der ersten Reihe und habe es so leider zweifelsohne gesehen – verkündete sie dann nur, dass ausgerechnet jemand wie ich bei dem Thema ja sowieso nicht objektiv sei. Nur, um das zu Protokoll zu geben: nicht jede Person türkischer Herkunft ist muslimisch oder überhaupt religiös, und ich bin es ebenso wenig. Als ich ihr das genauso sagte, wurde ich nur milde verspottet und angekeift, das sei ihr sowieso egal.
Nun, wenn das nicht die ideale pädagogische Autoritätsperson ist, wer ist es dann?
Also, um es kurz zu fassen: es gibt viele Menschen, vor allem Freunde von mir, bei denen ich mit Witzen über mein Geschlecht und meine Herkunft umgehen kann. Aber von Beamten und Pädagogen wie Lehrern ist das Letzte, was ich hören will, irgendeine diskriminierende Anspielung. Setzen, Sechs!


Soo, ich hoffe, dieser kleine erste Teil hat euch gefallen! Ich freue mich immer gerne über Reviews oder Nachrichten, in denen man sich respektvoll (!) über solche Themen austauschen kann und möchte an dieser Stelle nochmal betonen, dass ich hier nur von meinen eigenen Erfahrungen spreche und das Ganze mit einer ordentlichen Portion Humor betrachte.

LG TintenFeuer
 
 
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