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God's journey

von Lance
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P6 / Gen
31.08.2021
31.08.2021
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Irea wusste, das der Tee grässlich schmecken würde, noch bevor sie ihn aus der Theromoskanne in den Deckel füllte. Aber zum einen war ihr einfach kalt, zum anderen wollte sie sich einfach beschäftigt halten.
Eine Ältere Frau neben ihr warf Irea einen kurzen Blick zu und schüttelte missbilligend den Kopf.
Es war doch einfach Respektlos, in einer Kirche Tee zu trinken.
Das Mädchen ignorierte die Frau und sah zu dem Priester, der an der Wand stand und leise mit einer jungen  Frau sprach, die dem Priester soeben unter Tränen gebeichtet hatte, das sie Ehebruch begangen hat.
20 Ave Maria, dann würde Gott ihr vergeben, war seine Reaktion darauf und auch wenn die Frau erleichtert wirkte, konnte Irea, an dem bitterem Tee schlürfend das Misstrauen in ihrem Blick sehen.
20 Ave Maria für eine Vergebung? Irea war es im Grunde völlig egal, wenn sich Menschen untreu wurden, dafür würde sie sicher niemanden in die Hölle werfen. Statt sich ihre Vergebung bei einem Priester gegen eine Gebühr abzuholen, sollte sie lieber ihre Ehe retten.
Als die Frau ging, stand sie auf und trat zu dem Priester, der sie Väterlich anlächelte.
"Was kann ich für dich tun meine Kleine?"
Priester Adam war etwa ende vierzig, hatte schütteres braunes Haar und sanfte Augen, die sicher jedem sofort Vertrauen schenkten.
"Ich glaube, ich habe gesündigt Vater."
Natürlich verschwand sein Lächeln  nicht, nahm aber eine leicht spöttische Haltung ein.
Ja, was sollte ein kleines 12 jähriges Mädchen für eine Sünde begangen haben, außer vielleicht ihre Eltern angeschwindelt zu haben?
"Möchtest du deine Beichte ablegen?"
Sie sah zu dem Beichtstuhl und seufzte leise.
Sie mochte dieses Ding nicht.
"Ich glaube, ich  habe die Sünde begangen nicht allwissend zu sein."
Der Pfarrer sah sie einen Moment völlig perplex an, dann lachte er auf väterliche Art und schüttelte den Kopf.
"Das ist doch keine Sünde. Nur Gott allein ist allwissend."
"Es gibt da eine Frage, auf die ich einfach keine Antwort finde."
Der Pfarrer beugte sich etwas zu ihr herab und schüttelte ernst, aber noch immer lächelnd den Kopf.
"Es ist doch völlig normal. Darf ich Fragen, welche Frage du dir stellst?"
"Warum bin ich einsam?" Sagte Irea leise und hoffte, das sie bis auf den Pfarrer niemand hören konnte.
Er nahm ihre Hand und sah dem Mädchen tief in die Augen.
"Weißt du, oft geben uns Menschen nicht das, was wir von ihnen erhoffen. Freunde haben wenig Zeit, Eltern verstehen einen nicht oder geliebte Menschen sind plötzlich fort. Das alles macht uns traurig und wir fühlen uns allein gelassen und einsam. Aber wenn du Gott in dein Herz lässt, dann musst du nie wieder einsam sein, weil du nie wieder allein bist und immer jemanden hast, der dir zuhört und dem du vertrauen kannst."
Irea seufzte leise, welche Antwort könne sie auch von einem Geistlichen erwarten?
"Und zu wem betet Gott?"
Eine Antwort blieb die nächsten Sekunden natürlich aus und seine Antwort, hatte er sicherlich nicht aus seiner heiligen Bibel.
"Gott ist Liebe und Licht. Er ist die Hoffnung und die Ewigkeit mein Kind."
Das war nicht mal ansatzweise die Antwort auf ihre Frage und Irea nahm einen tiefen Schluck von ihrem Tee.
Er wurde mit jedem Schluck schrecklicher!
"Okay, nehmen wir mal an, Gott würde in diesem Moment vor ihnen stehen und ihnen diese Frage stellen, was dann?"
Der Priester suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, das vorlaute Gör loszuwerden. Sie  stellte fragen, die man nicht stellte.
Irea lächelte wissend und sah den Priester über den Rand ihres Tee's an.
"Ich denke, sie würden mir jetzt sagen, das man sich kein Bild über Gott machen darf, das Gott das reinste aller Lebewesen ist und so. Ich genieße das Gespräch mit ihnen Vater und ich freue mich schon auf unser wiedersehen."
Sie nickte ihm kurz zu und bevor er etwas erwidern konnte, war sie auch schon auf den Weg nach draußen.

"Und?"
Irea setzte sich zu dem Jungen, der es sich auf der Treppe der Kirche bequem gemacht hatte und goß sich neuen Tee ein.
"Nichts. Auch er kann mir nicht helfen." Seufzte sie und starrte in das Gebräu, das ihr schon bei dem Gedanken, es zu trinken eine Gänsehaut bescherte.
Jako sah in den Himmel, ein wissendes Lächeln im Gesicht.
"Wenn du aufhören würdest so zu tun, als wärst du Gott, wäre vieles leichter glaub ich."
Irea presste die Augen zusammen und nahm einen großen Schluck des Tee's und schüttelte sich voller Widerwillen.
"Aber ich bin Gott."
Eigentlich wollte sie gerade gar nicht reden. Jede Bewegung ihrer Zunge ließ diesen widerlichen Geschmack erneut aufkommen.
"Irea. Ich glaube nicht, das Gott einen Priester um eine Antwort fragen muss. Wir hatten diese Diskussion jetzt schon so oft."
Das stimmte. Sie waren zwar erst seit gut zwei Wochen unterwegs, aber waren in ihrer Einigung noch keinen Schritt weiter gekommen.
Als sie wieder einen Schluck nehmen wollte, spuckte sie den Tee sofort wieder aus, als er ihre Zunge berührte.
Okay, das reichte, sie konnte nicht mehr!
Jako, der sich vor Schreck weg geduckt hatte, sah Irea vorwurfsvoll an.
"Warum trinkst du den auch, wenn du ihn so abscheulich findest?"
Irea schüttete den Rest des Tee's aus der Thermoskanne und sah der Flüssigkeit zu, wie sie die Treppen hinabfloss.
"Weil er abscheulich ist!" Sagte sie, sich noch immer schüttelnd und hoffte, das Jako ihr was zu trinken kaufen würde, damit sie den Geschmack aus dem Mund bekam.
Irea packte die Kanne weg und stand auf.
"Lass uns weiter ziehen."
Jakob seufzte und erhob sich ebenfalls.
Eigentlich hatte er ja gehofft, das Irea ihre Antwort in ein paar Tagen bekommen würde, aber sie war einfach so seltsam und anders, das er nun vermutete, das sie eine ganze Weile unterwegs sein würden.
"Du hast es mir versprochen, bis zum Ende bei mir zu bleiben Jako." Sagte sie leise und hielt ihm ihre Hand hin.
Für einen Moment sah er sie ertappt an, dann verzog er das Gesicht zu einem schiefen Grinsen.
"Das bleibe ich auch Irea. Egal ob du glaubst, Gott zu sein oder nicht."
Da sie diese Diskussion nicht erneut anfachen wollte, ließ sie es dabei beruhen und lief los, sobald er ihre Hand genommen hatte.
Natürlich hätte sie es ihm einfach beweisen können. Irea könnte die Sterne und den Mond vom Himmel fegen, Pest und Schwefel regnen lassen, eine Schar wunderschöner Engel auf die Erde kommen lassen oder irgendwas anderes, was die Menschen in ihrer Bibel als Gottes Macht bezeichneten.
Aber wenn er an sie, Gott glaubte, dann sollte er in ihr auch ohne Wunder den Gott sehen, dem er sein Leben gewidmet hatte.
"Hast du Hunger Irea?"
Sie nickte stumm und sah zu einem jungen Pärchen, das auf einer Parkbank saß und auf die Bildschirme der Handy's sah.
"Kinder." Sagte sie nachdenklich und löste sich von ihrem Begleiter.
"Du willst Kinder essen?"
Irea sah ihn verdutzt an und schüttelte den Kopf.
"Ihr Menschen seid wie Kinder. Als ihr geboren wurdet, habt ihr in den Sternen, Sonne, Mond, dem Wind und allem um euch herum Götter gesehen, die eure Welt formten. Je mehr ihr die Welt verstandet, um so weniger Götter gab es in eurem Leben, bis ihr euch auf einen Gott geeinigt habt. Doch dann kam eure Wissenschaft, eure Technik und ihr dachtet, das ihr groß genug wärt, euch von Gott zu lösen und euren Weg allein zu gehen. Aber ihr verschließt die Augen davor, das ihr nun dabei seid, eben diese Technik als euren neuen Gott zu formen.
Ihr nennt es Hilfe und Unterstützung, aber eure Computer, eure Technik, sie  nehmen euch immer und immer mehr das Leben und das denken ab. Ihr wollt an die Hand genommen werden, aber gleichzeitig allein laufen. Deswegen seit ihr wie Kinder, ihr wollt die Welt allein erkunden, aber eine Hand, die euch dabei hält und stützt."
Sie hielt ihm erneut die Hand hin und wie erwartet, nahm  Jako sie nicht.
"Ich denke einfach, das die Menschheit für das, was sie schafft noch nicht bereit ist."
Irea schüttelte den Kopf und lief langsam weiter.
Jetzt hatte sie Hunger und wollte essen.

Jako sah Irea mit einiger Genugtuung an, als sie in den Burger biss.
Für ihn war es nur eine weitere Bestätigung dafür, das sie nicht Gott sein konnte.
Gott würde niemals ein Tier verletzen oder verzerren, das Gott geschaffen hatte, da Gott alle seine Geschöpfe wie seine Kinder liebte. Irea sah das allerdings ein wenig anders.
Die Natur, die Tiere und alles andere das sie geschaffen hatte, folgte einem bestimmten Muster und einer in sich geschlossenen Kette. Die Bewusste Abscheu Tiere zu töten und zu essen rührte allein von der Meinung der Menschen, das der Tod etwas schlechtes wäre. Das der Tod etwas war, was man um jeden Preis vermeiden musste.
"Ich glaube, das solche Gedanken sehr gefährlich sein können Jako. Es gibt nur einen Weg den Tod zu vermeiden. Und das ist, das Leben zu verhindern. Töte ich heute zwei, ersparen ich hunderten künftigen den Tod, da sie  nie geboren werden. Töte ich alle, werden Billiarden nicht geboren und müssen nicht sterben."
Jako verdrehte die Augen und ließ seinen eigenen Burger sinken.
"Wovon redest du nun schon wieder? Manchmal ist es wirklich schwer zu erraten, was dir durch den Kopf geht."
"Von der berechnenden Logik des Lebens. Solltet ihr es wirklich schaffen eine künstliche Intelligenz zu schaffen, dann würde sie irgendwann auf genau diesen Schluss kommen. Wo kein Bewusstsein ist, kann kein Leid entstehen. Wo kein Leben, da kein Tod.
Ein Atomarer Overkill wäre zwar ein Verstoß gegen die Regeln, Menschen kein Leid zuzufügen, aber kann auch anders interpretiert  werden. Das man die Menschen von ihrem Leid befreit und vor weiterem Schmerz befreit. Ihre Aufgabe, die Menschen zu schützen und ihnen zu dienen, würde dazu führen, das sie der Untergang der Menschen ist. Ein Schutzmechanismus, geschaffen aus der Angst der Menschen vor ihrer eigenen Schöpfung, der erst dazu führt, das sie ausgelöscht werden."
Jako biss einfach wieder in seinen Burger, er hatte sich fest vorgenommen, solche Themen für heute ruhen zu lassen.
Also sah sich Irea in dem Fastfood-Restaurant um und beobachtete die Menschen um sich herum.
Ein Pärchen aß schweigend. Sie hatten  sich gestritten und würden bald einsehen, das ihre Beziehung gescheitert war. Sie hatten gehofft, das eine gemeinsame Unternehmung das Feuer ihrer Beziehung wieder entflammen würde, aber da gab es keine Glut mehr, die irgendwas entflammen könnte.
Ein Älterer Mann zwei Tische dahinter war gerade von der Arbeit gekommen und ihm graute es schon davor nach Hause zu gehen. Denn dort war er völlig allein.
Mario hasste es allein zu sein, wobei er selbst nicht wusste wieso.  Er brauchte einfach andere Menschen um sich  herum, ganz egal ob sie mit ihm interagierten oder nicht.
Auf der andere Seite am Fenster saß eine Mutter mit ihrem Sohn.
Sie war tief in Gedanken versunken und überlegte, ob sie wirklich allein mit ihrem Sohn glücklich werden konnte. Sie wollte so gern wieder dieses Gefühl der Verliebtheit spüren. Starke Arme, die sie fest an sich drückten und vieles mehr. Aber sie hatte Angst, das ihr Sohn ihn nicht akzeptieren würde. Das sie ihn vernachlässigen  würde, so wie sie ihren Mann vernachlässigt hatte, als sie ihren Sohn bekommen hatte.
Irea seufzte innerlich.
Alles in allem hatten sich die Menschen nie geändert.
Sie jagten der Vergangenheit oder Sehnsüchten nach. Vergangenheit oder Zukunft. Die Gegenwart war für sie schon  immer nur ein Weg in die Zukunft gewesen. Der Moment, in dem sie handeln mussten um eine schöne Zukunft zu haben, die besser als ihre Vergangenheit war. Immer und immer wieder. Weiter und weiter.
Die Vergangenheit war geschehen. Ein gebauter Turm ist kein Zeuge der Vergangenheit, er erzählt schlicht die Geschichte seines Erschaffens. Ein schlimmes Geschehen in der Vergangenheit, ist keine Wunde der Gegenwart oder Zukunft. Es erzählt Geschichten von überstandenem Leiden und von Entscheidungen die man getroffen hatte. Die Vergangenheit sollte niemals ein Gefängnis sein, kein Wegweißer für die Zukunft.
Sie erzählte nur Geschichten und hat nur in den Köpfen der Menschen eine Präsenz.
Irea sprang auf und ging zu zwei Mädchen, die sich einen Salat teilten und munter vor sich hin schwatzen.
Sie setzte sich zu ihnen und sah dem Mädchen gegenüber fest in die Augen.
"Hey, was soll das? Geh mal zurück zu Mama und Papa!"
Das andere Mädchen neben Irea lachte auf und überlegte, ob es cool wirken würde, wenn  sie Irea einfach von der Bank schubsen würde.
"Hör dir an, was er zu sagen hat. Ganz gleich, wie verletzt du bist, wie sehr du ihn hasst. Hör dir seine Worte an, bevor du ein Urteil fällst." Sagte Irea eindringlich und stand wieder auf.
"Was war es dieses mal?" Fragte Jako, als sie sich wieder an ihren Platz gesetzt hatte.
"Ihr Vater hat das Haus verkauft, das er ihr eigentlich zur Volljährigkeit überschreiben wollte.
Sie hat all ihre Zukunft darauf ausgerichtet ein sicheres Zuhause zu haben."
Jako sah sie einen Moment stumm an. Er überlegte, ob er wirklich einmal ein ernstes Wort mit Irea sprechen  sollte. Wenn sie vor ihm so tat, als wäre sie Gott, dann war das eine Sache. Aber andere Menschen mit ihren erfundenen Geschichten zu belästigen war eine ganz andere.
Sie aß ihren Burger weiter, ohne darauf einzugehen. Jako wusste es nicht besser und das nahm  sie ihm nicht übel. So waren Menschen nun einmal. Selbst die gläubigsten Christen würden ihr nicht glauben, wenn sie sich offenbaren würde. Zumindest nicht ohne ein Wunder und selbst dann würde man sie wahrscheinlich Satan nennen.
Nein, die Menschen glaubten schon lang nicht mehr an sie. Sie glaubten an die Bibel, an den Koran oder andere heilige Schriften. Sie glaubten an einen Gott aus Vergangenen Zeiten und an die Predigten selbsternannter Geistlicher. Dabei war sie doch immer hier gewesen. Irea hatte immer unter den Menschen gelebt, Freud und Leid mit ihnen geteilt, aber niemand konnte oder wollte sie mehr sehen. Selbst wenn, wie in Jako's Fall sich offen zu erkennen gab.
Irea sah aus dem Fenster und fasste einen Entschluss.
"Komm, ich möchte dir etwas zeigen."
Sie stand auf und hielt Jako ihre Hand hin, die er leicht genervt nahm.
Sie würde ihrem Begleiter ein Geschenk machen, das nur sie, Gott einem Menschen machen konnte.
Als sie am Fenster standen lächelte sie vor Vorfreude.
"Ich möchte dir einen Regenbogen schenken Jako. Einen Regenbogen, der nur uns beiden gehört."
Jako sah einen Moment aus dem Fenster und schüttelte den Kopf.
"Es regnet gar nicht."
Streng genommen war ein bisschen Regen kein Wunder und auch nur ein kleiner Schubs in die richtige Richtung.
Beinah sofort begann es zu regnen und nur wenige Sekunden später war der Schauer auch schon  wieder vorbei.
Irea legte ihre Hand auf das Glas und sah zu dem wunderschönen Regenbogen, der sich vor ihnen über den gesamten Himmel erstreckte.
Jako sagte kein Wort, er war viel zu gebannt von dem Schauspiel, das sich vor ihm bot.
Irea nahm wieder seine Hand und drückte sie sanft.
Eigentlich, war es Irea fast egal ob Jako an sie glaubte oder nicht.
Das wichtigste war doch, das er in diesem Moment bei ihr war.
"Ich wünschte, ich würde die Antwort auf meine Frage niemals finden, dann würden wir für immer gemeinsam reisen."
Sie sah Jako in die Augen und lächelte sanft. "Danke, das du bei mir bist."
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