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I'll try to fix you

von KoLa
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Thomas Schmitt
28.08.2021
20.11.2021
16
37.038
19
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
28.08.2021 2.292
 

Huhu ihr Lieben,
vor meiner kreativen Pause habe ich schon an etwas Neuem geschrieben und jetzt war ich mir sicher, dass ich es wirklich hochladen möchte. Ich schreibe schon ziemlich lange daran und es existieren bereits 14 Kapitel. Von daher genug Stoff/Zeit.  Ich werde versuchen jeden Samstag ein Kapitel davon hochzuladen so fern es die Zeit zulässt und ich zu Hause bin.

Es handelt sich um KEINE AU allerdings spielt sie an verschiedenen Orten und nicht direkt in der Florida mit dem ganzen drumherum. Wo und Warum erfahrt ihr dann im weiteren Verlauf.  Zur Warnung möchte ich sagen, dass es in den ersten 6 Kapiteln noch etwas düster zu gehen wird. E wird aber besser das verspreche ich euch.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich über eure Reviews zum ersten Kapitel
E>


Hier noch einmal ein kurzer Vorgeschmack  zum weiteren Inhalt:



Als Joko von einer Dienstreise zurückkehrt, erwartet ihn dort der blanke Horror. Jemand ist in ihr Haus eingebrochen. Nicht nur das etwas gestohlen worden war, sondern sich die Täter auch an Klaas vergangen haben, bricht ihm das Herz. Er findet seinen Freund zitternd und blutend im Schlafzimmer vor. Die Regeneration scheint Monate zu dauern. Klaas lässt niemanden an sich heran, nicht einmal Joko. Der ist kurz vor dem Verzweifeln. Doch er gibt nicht auf, nie würde er Klaas im Stich lassen. Also packt Joko kurzerhand ihre Sachen und zusammen gehen sie auf eine Reise. Eine Art Therapie für sie beide. Sie soll die beiden wieder etwas näher bringen, ihnen zeigen, was sie vom Leben haben und das sie zusammengehören. Gemeinsam überwinden sie Ängste, helfen sich gegenseitig und beginnen langsam wieder vertrauen ineinander zufassen.  Nur muss Joko irgendwann einsehen, das dies allein nicht alle Probleme löst und am Ende fällt einer von ihnen schließlich eine schwerwiegende Entscheidung.





1.
Verloren




“My biggest fear is reality”




Es war früh morgens, die Sonne leuchtete über die Straßen Berlins, malte malerische Schatten in die Landschaft. An diesem Tag war nicht viel los oder vielleicht lag es auch an der Uhrzeit das noch niemand unterwegs war, denn Berlin schlief nie doch heute war etwas anders.

Der Morgen war unscheinbar ruhig, die Sonne tauchte die Straßen Berlins in ein dämmerndes oranges Licht.  Ein leichter, warmer Wind wehte ins Innere des Taxis und fuhr sanft durch Jokos Haare hindurch. Genüsslich schloss er die Augen, atmete den Duft der Großstadt ein den er die letzten Tage, in denen er nicht hier gewesen war, doch etwas vermisst hatte. Obwohl, er diesen Ort mit seinen  grauen viel zu hohen Betonbauten innerlich verabscheute. Und dennoch hielt es ihn hier aus einem ganz bestimmten Grund fest. Dieser Grund lag wohl zu Hause und schlief noch friedlich so wie die anderen Einwohner Berlins auch, weil die Straßen noch ziemlich leer waren. Gegen halb 7 würde hier die Hölle ausbrechen und Joko war froh den früheren Flug zurück nach Hause genommen zu haben.  An jedem anderen Tag wäre er wohl voller Euphorie aus dem Flieger gestiegen und ins Taxi gesprungen, an jedem anderen Tag außer heute. Heute war etwas anders, das hatte er so im Gefühl und es lag nicht einmal an der Stille der Stadt.

Es war dieses schwere, dumpfe Gefühl in seiner Magengegend, welches nun in seinem Bauch lag und ihm beträchtliche Sorgen bereitete. Er verzog sein Gesicht, sein Puls war schon seit München unnatürlich hoch, seine Finger zitternden und unruhig umklammerten sie das iPhone in seinen Händen. Er schloss die Augen, konzentrierte sich auf das Rauschen des Fahrzeuges, in dem er saß. Dieses Gefühl, was ihn durchtrieb, war Angst, pure nackte Angst. Vor genau zwei Tagen hatte er sich von seinem Freund verabschiedet, die blauen Augen hatten ihm wehmütig nachgesehen als Joko ins Taxi gestiegen war. Vorher hatten sie sich umarmt, lange geküsst und sie hatten sich gegenseitig versichert wie sehr sie den anderen doch liebten. Es war das dritte Jahr, das er mit Klaas zusammen war, sie waren nach einigen Monaten sofort zusammen gezogen und teilten sich nun ein kleines Reihenhaus in der Nähe von Schönefeld nur unweit des Studios. Die Straße dort war überschaubar, ruhig gelegen und etwas familiärer wie in der Innenstadt was sie beide sehr schätzten. Ein kurzes Lächeln huschte über Jokos Gesicht, welches jedoch sofort erstarb bevor er zum etlichen Male auf sein Handy hinabsah.

Nervös begann er mit den Beinen zu vibrieren als das Display sich erhellte und dort nichts als gähnende Leere war und das schon seit über 24 Stunden. Keine neue Nachricht von Klaas, keine Antwort auf seine Anrufe oder das gesagte auf der Mailbox, kein einziges Lebenszeichen. Sonst war Klaas immer verlässlich, sie schrieben sich in jeder freien Minute, sagten sich wie sehr sie den anderen vermissten doch das war ausgeblieben. Joko war abends ohne eine Nachricht eingeschlafen, ohne Klaas Stimme in seinen Ohren und als er am nächsten Morgen aufgewacht war, war da noch immer nichts gewesen. Die Sorge wuchs ins unermessliche, die Bauchschmerzen wurden stärker und am liebsten hätte er sich hier und jetzt einfach übergeben nur um dieses ekelhafte Gefühl der Angst loszuwerden. Die Uhr verriet ihm, dass es noch an die 10 Minuten dauerte bis sie in die Straße einbiegen würden. Was wenn Klaas etwas passiert war? Wenn Klaas verletzt im Haus lag und jede Hilfe zu spät kam?  Er schüttelte den Kopf, wimmelte seine wirren Gedanken ab und blickte aufgewühlt aus dem Fenster. Es würde schon nichts passiert sein, es würde schon alles gut sein, hörte sich Joko selbst in Gedanken sagen. Als das Taxi nach unendlich langen Minuten endlich in die Einfahrt fuhr, gab es für Joko kein Halten mehr. Er bedankte sich flüchtig, steckte dem Fahrer etwas mehr Geld zu als nötig und sprang hinaus. Wie zu erwarten war es auch hier ruhig. An einigen Fenstern waren noch die Rollläden unten, ihr eigenes Haus lag im Schatten der aufgehenden Sonne, es war wirklich unheimlich leise, der Tau glitzerte auf der Schwärze des Zauns, Vögel zwitscherten in den Bäumen über ihm. Er hatte diese Gegend schon auf Anhieb gemocht und das war auch der ausschlaggebende Punkt gewesen, warum sie hier hergezogen waren, fernab des Großstadtlebens, fernab von Stress und den vielen Menschenmassen. Einfach nur Ruhe, Besinnlichkeit und ungestörte Zweisamkeit. Hier war ihr Zuhause, ihr gemeinsames Glück. Er konnte sich noch gut an Klaas strahlende Blicke erinnern, dass Lächeln auf dessen Lippen und diese Unbeschwertheit in seinen Worten als er gesagt hatte, dass dies der Ort war, wo er mit Joko alt werden wollte. Und Jokos Herz hatte schneller geschlagen als sonst, seine Beine waren weich geworden und hätte Klaas noch ein weiteres Wort zu ihm gesagt wäre er wohl in Tränen ausgebrochen.

Fest umklammerte er den Träger seines Rucksacks, das Haus lag vor ihm, der Rasen glitzerte märchenhaft. Seine Blicke wanderten weiter zu der kleinen Garage, wo der schwarze Wagen von Klaas stand. Unberührt, an derselben Stelle wie vor 2 Tagen auch als Joko gegangen war. Seltsam. Er schluckte trocken, spürte wieder den dicken Kloß in seinem Magen, welcher noch stärker drückte als die Male zuvor. Es würde schon nichts sein. Vielleicht war Klaas einfach krank gewesen und war deshalb nicht weggefahren. Wahrscheinlich lag er im Bett und schlief friedlich, würde sich freuen, wenn Joko sich gleich zu ihm unter die warme Decke kuschelte. Dieser straffte nun seine Schultern, und setzte sich letztendlich in Bewegung. Der Schlüssel fügte sich perfekt ins Schloss, welche allerdings direkt aufsprang. Erneut schluckte Joko, kopfschüttelnd betrat er den Flur, dachte sich nichts weiter dabei. Wahrscheinlich hatte Klaas einfach vergessen letzte Nacht abzusperren. Das Sonnenlicht erhellte den kleinen Raum, Staub stob auf bevor Joko sich seiner Schuhe entledige, seine Jacke aufhing und zögerlich einen weiteren Schritt ins Innere setzte. Die Küche zu seiner rechten schien aufgeräumt, unbenutzt, die zwei Pizzakartons von vor ein paar Tagen lagen noch immer neben der Spüle. Sie hatten sich am Abend vor Jokos Abfahrt noch eine Pizza und Cola gegönnt.

Unweigerlich musste Joko das Gesicht verziehen. War Klaas nicht der Ordnungsliebende von ihnen? Das war doch sonst nicht dessen Art Dinge liegenzulassen oder aufzuschieben. Sein Freund war der ordentlichste Mensch, den er kannte aber auch der unorganisierteste.

Das angrenzende Wohnzimmer glich jedoch im Gegensatz zur Küche einer großen Unordnung. Die Schubladen der neuen hölzernen Kommode standen offen, an einigen Stellen waren Scharniere herausgerissen worden, Zettel lagen am Boden verstreut, einige Bücher aus dem Regal lagen still auf dem Parkett. Ein seltsames Kribbeln überkam ihn, erneut schluckte er den eisernen Geschmack, der sich langsam in seinem Mund ausgebreitet hatte hinunter. Gänsehaut schlich sich über seine Unterarme als er sah, dass die Bürotür im Flur ebenfalls offen stand.

Normalerweise war diese immer zu und erst als Joko sich in dieses hineinwagte entdeckte er das, das Chaos im Wohnzimmer noch nicht alles gewesen war. Hier herrschte eine seltsame Atmosphäre, der Tresor lag gekippt am Boden, die Schubladen des Schreibtisches waren zerberstet, die Preise, die Auszeichnungen, die sie einst bekommen, hatten waren zerstört. Man sah den dunklen Holzboden nicht denn überall waren Rechnungen, Verträge, der Laptop am Schreibtisch war verschwunden. Er lehnte sich an den Türrahmen, seine Beine gaben beinahe nach, seine Hände begannen schlagartig zu schwitzen, Panik schwappte über ihn.  Jokos Atem ging schwer, sein Herz schlug in einer derartigen Geschwindigkeit, das ihm kurz die Luft wegblieb und sein Magen kippte unweigerlich. Unsicher drehte er seinen Kopf und sah zu der geschlossenen Schlafzimmertüre, die still vor ihm lag. Es gab außer dem Badezimmer  und der Vorratskammer keinen weiteren Raum mehr und außer bei diesen Räumen wie auch beim Büro waren die Türen immer geschlossen, außer die des Schlafzimmers. Denn wenn Joko, oder einer von ihnen nicht zu Hause war, war diese immer einen Spalt auf, das Licht im Flur brannte, egal zu welcher Uhrzeit, es war immer an wenn einer von ihnen alleine war. Es war unmöglich das Klaas bei geschlossener Türe schlief, außer er hatte sich dort eingeschlossen. Noch nie hatte Joko so eine Angst verspürt wie in diesem Augenblick als er sich mit schnellen Schritten in Bewegung setzte und die Schlafzimmertüre aufriss.

Schwärze traf auf seine Augen welche sich nur langsam an die Dunkelheit gewöhnten. Es roch abgestanden, es roch nach Schweiß, einem fremden Parfum welches Joko gehörig Angst machte und seine Nackenhaare zu Berge stehen ließ. Doch da war noch etwas anderes in der Luft. Etwas unverkennbares  etwas, Joko erst selten gerochen hatte, aber er kannte diesen Geruch. Er hatte etwas Metallisches an sich, etwas Unheimliches, etwas, was kein gutes Zeichen war und er würde diesen Geruch überall wieder erkennen.

Unsicher darüber, ob er das Licht anmachen sollte wägte er, ab was besser wäre. Wollte er sehen was hier passiert war? Verdammt, wenn Klaas Hilfe brauchte, dann brauchte er das Licht, er brauchte Joko.


„Klaas? Bist du da?“, flüsterte er in die Stille doch bekam Schweigen als einzige Antwort. Erneut packte ihn die Angst, mit zitternden Fingern tastete er sich an der Wand entlang auf der Suche nach dem Lichtschalter, welchen er sonst immer auf Anhieb fand, außer jetzt. Es dauerte endlos lange Sekunden, bis er ihn fand, die Luft anhielt und drückte.

Es wurde schlagartig hell, das grelle Licht schmerzte in seinen Augen, brachte ihn einige Male zum Blinzeln ehe sie sich gewöhnt hatten und ihm das Bild zeigten, welches vor ihm lag. Sein Körper war wie angewurzelt, es geschah alles im Bruchteil einer Sekunde, seine Beine zitterten, sein Herz setzte einige Schläge aus, zum Atmen hatte er keine Zeit. Tausende Gefühle wallten durch seinen Körper, ließen sein Blut beinahe gefrieren. Angst, Panik, Unglaube, Liebe, Mitleid. Es war ein einziges Chaos, das durch ihn hindurch stob.

Die Sicht verschwamm, er versuchte die Tränen wegzublinzeln als er sich endlich aus seiner Starre riss um auf das Bett zuzustürmen. Das Laken war zerknüllt, Kleidung lag überall im Raum verteilt, teils zerrissen, teils Blut getränkt. Und inmitten dieser Grausamkeit lag er. Klaas. Er wirkte klein, hilflos. Sein Körper war übersät von rotem Striemen, getrocknetem Blut, blauen Flecken. Doch was Joko viel mehr Angst machte das sein Freund nicht reagierte. Die Brust hob sich sehr langsam, fast so als hätte sich sein Körper in einen Ruhezustand versetzt. Die Haut war kalt als Joko seine Fingerspitzen darauf setzte und kurz zurückschreckte.

„Klaas?!“, flüsterte er in die Stille, begann leicht an dem schlaffen Körper zu rütteln welcher nackt und vollkommen entblößt vor ihm lag. Nichts. Der Mann unter ihm schien nicht zu reagieren. Blind und in vollkommener Panik holte Joko sein Handy hervor und während er den Notruf wählte, trieb es ihm die Tränen in die Augen. Er konnte sich nicht mehr erinnern, was er den Rettungskräften am anderen Ende gesagt hatte, als er auf Klaas zusammenbrach, und hoffte, dass es nicht schon zu spät war.

__

Schlaff und vom fehlenden Schlaf müde hing Joko auf einen der Stühle in der Notaufnahme. Die Zeit verging nur schleppend, sie hatten Klaas weggebracht, irgendwo hin durch die tausend Türen, wo nur Personal hinein durfte. Ärzte, Krankenschwestern liefen pausenlos an ihm vorbei und niemand konnte ihm eine Antwort geben, wo sein Freund war, es war zermürbend. In Jokos Kopf herrschte ebenso Chaos. Immer wieder kreisten seine Gedanken um den Kleineren. Er fragte sich was passiert war, wie viele Stunden er dort schon gelegen hatte ohne jegliche Hilfe. Er raufte sich frustriert die Haare, schloss seine Augen nur um sie kurz darauf wieder zu öffnen. Zu nah waren die Bilder von den letzten Stunden, zu real, zu verletzend, so unwirklich. Abermals stiegen die Tränen in ihm auf, er ließ seinen Arm fahrig über die geröteten Augen streichen. Der Blonde lehnte sich vor, stützte sich auf seinen Knien ab, vergrub sein schmerzendes Gesicht in den Händen und wollte aufwachen aus diesem Alptraum.  Er wünschte sich zurück in sein Zuhause, gemeinsam mit Klaas, zurück in ihre eigene kleine, einst heile Welt.
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