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Wenn alles schiefgeht

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Sabaton
27.08.2021
27.08.2021
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Mit einer Stinkwut im Bauch kam ich nach Hause. Ich schaffte es nicht, den Schlüssel aus meiner übervollen Hosentasche zu friemeln, erwischte erst ein benutztes Tempo, dann noch eins, in das ich unverständlicherweise benutzte Snus-Beutel gewickelt hatte und stellte dann fest, dass diese durch meine Wühlerei ausgefärbt hatten. Leise vor mich hin explodierend, schob ich meine Hand komplett in die Tasche meiner Jeans, was sich ihrer beachtlichen Größe wegen gar nicht so einfach gestaltete. Prompt platzte dann auch die Hosentasche auf und der Schlüssel fiel durch das Hosenbein auf den Boden, wo ich ihn aufhob. Wenigstens kam ich schnell ins Haus, die kaputte Hose war rasch gewechselt und ich ging mit einem Bier ins Wohnzimmer, wo ich mich schwer seufzend auf die Couch fallen ließ und den Fernseher anschaltete. Fußball. Eishockey wäre mir lieber gewesen. Ich heftete meinen Blick auf den Ball (was mir nicht weiter schwer fiel, ein Puck ist viel kleiner) und hoffte, dass mich das ein wenig ablenken würde. Der ganze Tag war verkorkst gewesen. Erst gestern waren wir von unserer Festival-Tour zurück gekommen. Für gewöhnlich nahm ich mir die Woche nach einer Tour frei, verbrachte die ersten ein bis zwei Tage zu Hause und war anschließend bei meinen Eltern, meinen Freunden, unternahm etwas mit meiner Freundin. Wenn ich denn eine hatte, was zur Zeit nicht der Fall war. Britta. Verflucht, jetzt geisterte sie mir doch im Kopf herum. Na toll.

Für heute war ein Interview geplant gewesen, um neun Uhr morgens. Schon als uns Pär das, nicht sonderlich erbaut, mitgeteilt hatte, hatten wir gestöhnt: Konnte das nicht warten, zumindest ein, zwei, Tage? Konnte es offenbar nicht, aus welchem beschissenen Grund auch immer. Aber, sagte ich mir, wenn ich spätestens um elf wieder zu Hause wäre und den Rest des Tages mehr oder weniger verschlafen könnte, konnte ich auch damit leben.

Acht Uhr fünfzig. Das Briefing (natürlich hatte keiner von uns gewusst, worum es in dem Interview gehen sollte, was noch zu meiner schlechten Laune beitrug, obwohl das nicht unüblich war) hatte stattgefunden. Alle waren da. Alle bis auf den Interviewer, einen Redakteur eines der großen Fernsehsender. Als der um zehn nach neun noch nicht aufgetaucht war, rief Linnea, unsere PR-Dame, den Sender an. Die Mitarbeiterin des Senders war bass erstaunt, der Reporter sei rechtzeitig weggefahren und sie würde selber noch einmal nachhaken. Wir warteten, und mit jeder Viertelstunde, die verging, sank zumindest meine Laune weiter in Richtung Gefrierpunkt. Drei Stunden später kam ein Rückruf vom Sender: Der Reporter war in einen Unfall verwickelt worden, er lag im Krankenhaus. Sie würden sich zur Vereinbarung eines neuen Termins melden. Der arme Kerl konnte nichts dafür, das wusste ich ja, aber meine Stimmung rauschte dem Erdmittelpunkt mit einer Geschwindigkeit entgegen, die mich selbst erschreckte. Als ich mich verabschiedet hatte und auf dem Heimweg war, merkte ich, dass mir die Leute aus dem Weg gingen. Definitiv kein gutes Zeichen. Mittlerweile weiß ich, dass ich schlecht gelaunt ziemlich einschüchternd wirke, obwohl ich das eigentlich nicht will (ok, in manchen Situationen ist das ganz hilfreich), also versuchte ich, mich zusammenzunehmen – ohne nennenswerten Erfolg. Deshalb war ich meiner miesen Laune zum Trotz ganz froh, als ich vor meinem Haus stand – bis der Ärger mit dem Schlüssel losging.


Immer noch schlecht gelaunt, ging ich einige Stunden später schlafen. Wenigstens, dachte ich, ging in einer Woche das Festival los.
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