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Der Vampirfürst

von Zenobia1
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Übernatürlich / P18 / MaleSlash
Vampire
25.08.2021
26.04.2022
20
55.371
10
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25.08.2021 1.337
 
Nordbritannien, 87 n. Chr.

Das hohe Gras vor dem Kastell wiegte sich in der steifen Brise, die in diesem unwirtlichen Land herrschte. Tiberius zog seinen wollenen Umhang enger um den Körper, um sich vor dem kalten Wind zu schützen, der um den Wachturm pfiff. An dieses raue Klima würde er sich nie gewöhnen können. Sicherlich musste man hier geboren worden sein, damit einen das nicht kümmerte. Doch er, als sonnenverwöhnter Römer sehnte sich in solch kalten Nächten in seine Heimat zurück.
Mit einem kaum merklichen Schmunzeln dachte er an seine Liebste, die er vor einigen Stunden verlassen hatte, um seinen Dienst anzutreten. Viel lieber wäre er in ihrem warmen Bett geblieben und würde sich jetzt anderen Dingen hingeben. Aber es war seine Pflicht für die Sicherheit im Lager zu sorgen und so stand er neben dem Wachposten und spähte über das freie Feld bis zum dichten Wald, hinter dem die schneebedeckten Gipfel des Hochlandes im Mondlicht leuchteten.
Die Stämme dort widersetzten sich der Eroberung immer noch hartnäckig. Deswegen war Rom vor einigen Jahren dazu übergegangen die jetzige Grenze mit dem Gürtel aus Lagern zu halten und zu kontrollieren. Zum Glück endete seine Dienstzeit bald . Er konnte es kaum erwarten Asinia mit nach Rom auf sein Anwesen zu nehmen und so zu leben, wie sie sich ihre gemeinsame Zukunft ausgemalt hatten. Sie würden heiraten und er sich um ein Verwaltungsamt bemühen.
Aber jetzt war ein ungünstiger Zeitpunkt, um sich in Träumereien zu verlieren. Er musste wachsam bleiben. Normalerweise gehörte  es nicht zu seinen Aufgaben, auf dem Turm auszuharren, aber er wollte sich persönlich davon überzeugen, wer oder was in letzter Zeit das Lager heimsuchte.
Die Sicherheit des Kastells lag in seiner Verantwortung und er wollte vor dem Lagerpräfekten nicht als unfähig dastehen.
Einige Legionäre waren mit aufgerissenen Kehlen gefunden worden und diese Bisswunden stammten nicht von Menschen. Er fragte sich, was für ein Tier dafür verantwortlich sein könnte. Wer wusste schon, was für Wesen dort im Wald oder in den Bergen hausten? Manche Männer hielten es für das Werk von Striges. Blutsaugende vogelartige Dämonen.
Schon einige Male hatte er sich nachts auf die Lauer gelegt, die Wachen verstärkt, doch es geschah trotzdem immer wieder und niemand hatte das Geringste bemerkt.
Er zerbrach sich den Kopf, wie das Untier ins Lager hatte gelangen können. Wie es den Wall und die Gräben hatte, völlig unbemerkt überwinden können. Da passte die Vorstellung von einem Wesen mit Flügeln ganz gut.
Heute Nacht hatte er ungehinderte Sicht über das hell schimmernde Gras und würde jede Regung auf freiem Feld bemerken.

Plötzlich registrierte er tatsächlich eine Bewegung bei den Bäumen. Irgendetwas pflügte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit von dort an mehreren Stellen durch die Halme auf die Gräben zu. Was war das?
»Tribun, da kommt was!«, stieß der Legionär alarmiert hervor.
Tiberius nickte und umfasste den Knauf seines Gladius, dem Kurzschwert, am Gürtel. Er starrte auf die Wiese vor dem Wall, aber da regte sich nichts mehr. »Wo ist es hin?«
Ein huschendes Geräusch ließ ihn herumfahren und wie aus dem Nichts standen da vier Barbaren auf der Palisade. Wie waren sie so schnell hier heraufgekommen?
Er zog kampfbereit sein Schwert und behielt die Angreifer im Auge, solange die Wache lauthals Alarm schlug.
Sie trugen keine sichtbaren Waffen, keine Helme und Schilde. Was hatte das zu bedeuten? So lebensmüde konnte doch niemand sein.
Einer des Quartetts sah zum Turm hinauf und obwohl Tiberius vom Schatten des Daches verschluckt wurde, wusste er, dass der Barbar ihn sehen konnte.
Er blickte ihm genau in die Augen und es fühlte sich an, als würde der andere bis in seine Seele sehen können. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und alle Härchen stellten sich auf. Instinktiv spürte er, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging.
Dann entblößte derjenige grinsend weiße lange Zähne, die im Mondlicht aufblitzten.
Tiberius wollte es für eine Täuschung halten. Das waren doch keine Striges. Sie sahen aus wie gewöhnliche Männer.
Dann schnellte der Barbar wie ein Pfeil zu ihnen auf den Turm und verbiss sich im nächsten Moment, trotz des Helms, in der Kehle der Wache. Der Soldat schrie aus Leibeskräften.
Tiberius starrte fassungslos auf diese Szene und konnte sich nicht rühren.
Mit Grausen sah er, wie der Angreifer seinem Opfer mit den Zähnen die Kehle herausriss und das Blut über das Gesicht und den Hals lief.
Dann ließ der Kelte den Körper fallen und fixierte ihn mit funkelnden Augen. »Salve, Tribun!«
Ein spöttisches Lächeln umspielte die blutbesudelten Lippen. »Du kannst uns nicht aufhalten. Wir sind viel mächtiger als ihr Sterblichen. Jetzt gehörst du mir!«
Das waren tatsächlich Dämonen aus der Unterwelt.
»Ihr Götter, steht mir bei!«, flüsterte Tiberius.
Zum Glück erwachte er aus seiner Starre, brachte sich in Kampfposition und richtete die Schwertspitze auf den Gegner.
Der lachte nur. »Das wird dir nichts nützen, Tiberius. Du bist mir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Du kannst nicht verhindern, dass ich dir das Blut aussaugen werde.«
Der Kelte schnüffelte in seine Richtung wie ein Hund. »Hm, du riechst köstlich. Wahrhaftig ein Festmahl!«
Langsam kam der Barbar auf ihn zu.
Das schulterlange Haar umrahmte ein Gesicht wie bei einer Marmorstatue. Bleiche makellose Haut und in der Iris ein schwaches Glimmen. Nicht menschlich, geisterte durch seinen Kopf.
Trotzdem ergriff Tiberius die günstige Gelegenheit und stieß das Schwert nach vorn. Aber sein Gegenüber wich blitzschnell aus und ließ den Hieb ins Leere laufen.
Hinter ihm ertönte fieses Lachen. »Du bist zu schwerfällig für mich, großer Römer. Du kannst mich nicht daran hindern. Du wirst in meinen Fängen sterben.«
Tiberius wirbelte herum. »Niemals!«
Woher kannte der Barbar überhaupt seinen Vornamen?
Dieser legte den Kopf schief. »Ich weiß vieles über dich.«
Abermals stieß er mit der Waffe in die Richtung des Gegners. Doch wieder ging der Schwerthieb ins Leere und der Krieger stand erneut hinter ihm.

Tiberius griff noch einige Male an, doch der andere hielt ihn zum Narren und lachte ihn nur aus. Das brachte ihn regelrecht zur Weißglut und ließ ihn weitere Schwerthiebe ausführen, bis dieser sinnlose Kampf ihn erschöpfte.
Sein Schwert wog immer schwerer in der Hand. Mit letzter Kraft hob er abermals die Waffe und ging erneut auf den Barbar los.
Diesmal wich der andere nicht aus und das Schwert bohrte sich zwischen die Rippen in dessen Brust. Endlich hatte er ihn erwischt.
Tiberius verspürte unendliche Erleichterung und wartete, bis sein Gegner zusammensacken würde. Aber der Kerl stand reglos da und verzog keine Miene. Was ging hier vor?
Der Gladius steckte doch bis zum Heft in dem Leib, hatte vermutlich das Herz durchbohrt. Auf der Tunika des Kelten breitete sich ein dunkler Fleck vom Blut aus.
»Du kannst mich nicht töten«, sagte der ungerührt.
Tiberius wankte zurück und stieß fassungslos aus: »Was bist du?«
»Unsterblich!«
Dann begann der Dämon das Schwert langsam aus dem Leib zu ziehen. Er verfolgte ungläubig wie die vollkommen blutige Klinge, mehr und mehr zum Vorschein kam, schließlich mit einem schmatzenden Geräusch den Körper verließ und scheppernd auf den Holzboden fiel.
Den Biss am Unterarm bemerkte Tiberius erst, als sein Gegner sich das Blut von den Lippen ableckte.
»Du schmeckst so vorzüglich wie du riechst!«
Bei Jupiter, er würde sich von diesem Wesen nicht fressen lassen. »Dazu musst du mich erst einmal kriegen.«
Dabei versuchte Tiberius schnell nach seinem Schwert am Boden zu greifen, aber mit einem heftigen Ruck zog der Kelte ihn an die blutige Brust, dass ihm überhaupt keine Zeit blieb sich zu wehren.
Mit eisernem Griff hielt der Dämon ihn am Brustpanzer fest und sah ihm in die Augen. »Nun bist du mein!«
Der blutige Mund direkt vor ihm enthüllte Eckzähne wie bei einem Raubtier.
Ein eisiger Schauer durchfuhr ihn und jeder Muskel erstarrte. Er war nicht mehr fähig sich einen Finger breit zu regen.
Jetzt war alles verloren! Er würde in diesem finsteren Land den Tod finden und Asinia zurücklassen. In den Augen des Wesens loderte unverhohlene Gier und es knurrte wie eine Raubkatze in der Arena.
»Ihr Götter, helft mir!«, stieß er noch aus und dann fuhr ein scharfer Schmerz in seinen Hals.
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