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Once upon a time in the New Zone - Emma

von ManuB
Kurzbeschreibung
CrossoverFantasy, Sci-Fi / P18 / Gen
Adèle Delettre Emma Simone Tomasi Grégoire Lamarck Hyppolite de Courtène OC (Own Character) Thomas Rocher
24.08.2021
15.01.2022
16
79.942
3
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15.01.2022 4.524
 
Irgendwo im nördlichen Snow White City County
Neuspessart
Vereinigte Systeme
Etwa zur gleichen Zeit

Der Geländewagen mit Big Stanger am Steuer rumpelte erneut reichlich unsanft durch ein Schlagloch. Wodurch die Insassen erneut ordentlich durchgeschüttelt wurden. Es war unmöglich den ausgetretenen Trampelpfad, der kreuz und quer durch den Wald verlief, überhaupt noch als Weg zu erkennen. Trotzdem bestand General Sabata, der in der Mitte neben dem Fahrer saß, darauf dass sie der Route weiter folgten. Thomas hielt sich so gut es ging an einem Griff, der sich über ihm auf Höhe der Beifahrertür befand, fest. Der General war heute Morgen zwar etwas gesprächiger als gestern, als sie von Seaworld aufgebrochen waren, aber er schien immer noch dieselbe Laune zu haben. Sabata wirkte sehr angespannt, man konnte es an seinen Blicken sehen. Dementsprechend gab er Big Stranger nur kurze Anweisungen, indem er ihm die Richtung ansagte in die sie fuhren. Der Motor des Geländewagens klang reichlich gequält. Big Stranger schonte das Getriebe auch nicht gerade. Doch das Vehikel kämpfte sich durch das Unterholz voran. Schließlich erreichten sie einen Pfad, bei dem es sich im Grunde auch nur um einen besser ausgebauten Forstweg handelte, aber da der Untergrund etwas stabiler befestigt war kamen sie viel besser voran. Der Pfad verbreiterte sich schließlich zu beiden Seiten. Nach einer halben Meile beschrieb er eine langgezogene Linkskurve. Am Ende öffnete sich der Wald in eine kleine Lichtung. Zwischen den Bäumen kamen mehrere Gebäude zum Vorschein. Bei dem Größeren handelte es sich offensichtlich um ein eingeschossiges Wohnhaus, dieses war komplett aus Holz gezimmert und besaß einen gemauerten Kamin im hinteren Teil sowie ein Dach aus Wellblech. Bei den andern Gebäuden schien es sich um einen Werkstattschuppen und eine Art Vorratslager zu handeln.

„Hier ist es!“ verkündete Sabata. Der General wies mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf das versteckt liegende Wohngebäude. Aus dem Kamin stieg leichter Rauch auf. Thomas betrachtete sich die Szenerie. Er war gespannt, was jetzt als Nächstes kam.
Wenn Rocher Sabata richtig verstanden hatte, sollten sie hier den Mann finden, der ihnen einige Antworten auf ihre Fragen zum Fall Emma Betram geben konnte. „Halten Sie hier!“ wies der General Big Stanger an. Woraufhin der hochrangige Unteroffizier den Geländewagen in der Nähe des Hauses stoppte. Die Reifen gaben ein quietschendes Geräusch von sich. Stranger zog die Handbremse fest, die darauf ein knarzendes Geräusch von sich gab und schaltete den Motor ab. Daraufhin kletterten die drei Männer nacheinander aus dem Fahrzeug. Während Big Stranger und Rocher in der Nähe des Geländewagens stehen blieben und sich aufmerksam umsahen, ging Sabata zielstrebig auf die Eingangstür des Wohnhauses zu. Er erklomm die schmale Stufe der Veranda und hämmerte mit der Faust ordentlich gegen die Haustür.

Just in diesem Moment vernahmen sie das charakteristische Geräusch, was eine Schrottflinte machte, wenn sie durchgeladen wurde. Big Stranger und Thomas griffen automatisch nach ihren Waffen und zogen ihre Pistolen aus dem Holster. Eine hochgewachsene, schlanke Gestalt trat von der Seite aus dem Schatten des Wohngebäudes. Ihre Körperhaltung wirkte etwas vorgeneigt, was auf Grund ihres fortgeschrittenen Alters wenig überraschte - der Mann war schätzungsweise um die siebzig wie man seinen Augenfältchen und seinem immer lichter werdenden Haupthaar sehen konnte. Er wirkte trotzdem noch recht agil und fähig genug das Gewehr, das er mit beiden Händen vor sich hielt, auch zu bedienen. Der Alte trug eine abgetragene Armeehose mit aufgesetzten Hosenträgern, darüber ein kariertes Holzfällerhemd als Fleece Jacke. Um den Hals hatte er sich einen breiten Schal gewickelt.
„Freeze!“ sagte der Mann mit deutlich, fester Stimme, während er langsam auf sie zuging. Den Lauf seiner Schrottflinte hielt er weiter auf die Männer gerichtet. Sabata kam von der Veranda herunter und ging auf den Alten zu, während er dabei langsam beide Arme ausstreckte um zu zeigen dass er unbewaffnet war.
„Aber Hallo, was ist denn das für eine Begrüßung, Schorschi! Empfängt man so etwa seinen ehemaligen Kommandanten?“ entgegnete Sabata mit fester Stimme. Der General klang fast ein wenig beleidigt.
„Oh, General! Sie sind das, Sir!“ rief der Alte überrascht aus und ließ darauf sofort die Schrottflinte sinken. Sabata verzog keine Miene. Er sah Schorschi lediglich auf seine typische Art an. „Verzeihen sie, Sir! Man weiß ja leider heutzutage nie, wer oder was sich hier so im Wald herum treibt.“ Entschuldigte er sich.
„Verständlich!“ erwiderte der General, während er langsam weiter auf den Alten zuging. Thomas und Big Stranger stecken ihre Waffen in die Holster zurück. Der Alte stellte darauf die Schrottflinte gegen die Hauswand, nahm Haltung an und salutierte, bevor dem General zur Begrüßung die Hand reichte. Was Sabata auf die gleiche Weise erwiderte.
„Sir, darf ich fragen wer ihre Begleiter sind?“ erkundigte sich Schorschi.
„Das sind Master Sergeant Big Stranger von der 2. Squadron der Spessart Tiger und Commander Thomas Rocher von der Französischen Police National!“ stellte Sabata seine beiden Begleiter vor.
„Ein Stranger, aha!“ erwiderte Schorschi. „Sind sie zufällig der Urenkel von Bill Stranger?“
„So in der Art!“ erwiderte Big. Thomas fand diese Antwort ein wenig seltsam.
„Private First Class außer Dienst Schorschi!“ stellte sich der Alte inzwischen Thomas vor und streckte ihm die Hand entgegen.
„Sehr erfreut, Guten Tag!“ erwiderte Thomas und schüttelte die ihm dargebotene Hand. Auch wenn der Alte es sich nicht an merken lies, verspürte Rocher einen gewissen Argwohn. Das Hing vermutlich aber mehr mit der geschichtlichen Vergangenheit als mit der Anwesenheit seiner Person zusammen.

Während des Zujadenen-Kriegs hatte das Imperium die Alliierten nicht aus reiner Nächstenliebe mit Waffen und Material unterstützt. Die Unterstützung war von Gegenleistungen abhängig gemacht worden, von denen die Neuen Welten nichts wussten - diese waren in Geheimverhandlungen zwischen terranischen und imperialen Unterhändlern ausgemacht worden.
Das Imperium profitierte dabei Doppelt von der ganzen Sache. Auf der einen Seite entledigte es sich, mit Hilfe der Alliierten, einem lästigen Konkurrenten – dem Volk der Zujadenen.
Auf der andern Seite konnte es einen Teil seiner alten herrschaftlichen, territorialen Größe zurück erlangen. Bereits vor Beginn der Welten- und Systemkriege, die sich parallel zum Großen Krieg auf der Erde von Oktober 1914 bis November 1918 in den Neuen Welten abgespielten, hatte das Imperium die Kontrolle über zahlreiche Gebiete in seinem Herrschaftsbereich eingebüßt, nachdem etliche Welten und Systemverbünde mit Hilfe der Terraner das Joch der Unterdrückung abstreifen konnten. Diese Schmach, wie man den Gebietsverlust auch nannte, war in den nachfolgenden Friedensverhandlungen noch zementiert worden. Nach langen Verhandlungen hatten sich alle Parteien im Mai 1920 auf einen Status Quo einigen können und ihre jeweiligen territorialen Grenzen festgelegt.
In dem es sich, als Gegenleistung für seine Unterstützung, den Zugriff auf bestimmte Gebiete - und vor allem die dortigen ergiebigen Rohstoffquellen – sicherte, revidierte das Imperium dieses Ergebnis.
Die Neuen Welten wurden nach der Kapitulation der Zujadenen und dem damit verbundenen Zusammenbruch des territorialen Weltenreiches, von ihren Verbündeten faktisch vor vollendete Tatsachen gestellt. Als das Imperium damit begann in bestimmte Regionen einzurücken unternahmen die Vereinten Nationen Terras nichts dagegen um es in irgendeiner Weise daran zu hindern. Bei vielen Welten und Systemverbünden führte dies zu der Empfindung, von den Terranern praktisch übers Ohr gehauen worden zu sein. Die Hauptfolge dieses Prozesses war eine andauernde Entfremdung zwischen Terra und den Welten in der New Zone.

„Wenn sie mit einem solchen Aufgebot hier anrücken, General, liege ich vermutlich richtig mit der Annahme, dass es sich hierbei nicht um einen Freundschaftsbesuch handelt!“ stellte Schorschi fest.
„Erraten!“ äußerte Sabata. Der Senior-Kommandant fixierte den Alten mit seinem typischen Blick. „Und Du weißt auch ganz genau weshalb wir heute hier sind!“ der General kam ohne Umschweife zur Sache. „Also wo ist es?“ Schorschi ließ darauf den Kopf sinken. „Versuch jetzt nicht Dich raus zu reden, Schorschi!“ Der General geriet sichtlich in Rasche. „Du bist der Letzte, der hoch respektierten Urgesteine der Spessart Tiger, der noch lebt. Und ich weiß sehr genau dass ihr den zujadenischen Portalgenerator damals an euch genommen habt! Mich interessiert jetzt auch nicht die Bohne, wessen Schnapsidee, es eigentlich war. Ich will nur wissen wo diese verdammte Apparatur abgeblieben ist!“ Sabata ließ nicht locker. Es fehlte nicht mehr fiel und der General ging dem ehemaligen First Class Private an den Kragen. Der alte Mann, der ihm gegenüber stand, wirkte gerade wie ein Schuljunge der von seinem Lehrer gerade ordentlich eins drüber bekam. Er sah sichtlich betrübt zu Boden und trippelte verlegen von einem Bein auf das andere.
„Es ist dahinten im Schuppen!“ sagte Schorschi schließlich. Er wandte sich um und ging voran. Sabata, Big Stranger und Rocher folgten ihm mit etwas Abstand. „Nur fürs Protokoll, Sir!“ setzte der Alte zu einer Erklärung an nachdem er sich deutlich geräuspert hatte. „Ich habe Paul ausdrücklich gewarnt, dass das Ding eine absolute Höllenmaschine ist! Wir hätten sie damals zerstören sollen.“ Sabata blieb stehen und ging einen Schritt auf den alten Mann zu. Er legte ihm von Vorne eine Hand in den Nacken, auf die Weise fixierte er den Kopf seines Gegenübers, so dass dieser ihn ansehen musste. Die andere Hand legte er auf die Hände des alten Mannes, die dieser auf Höhe seiner Brust hielt. Sabata zog die Augen schmal.
„Schorschi, ich bin heute nicht hier um über Recht oder Unrecht zu urteilen. Ich verurteile niemanden von Euch für das was er oder sie getan hat – das weißt du genau!“ Sabata klang fast väterlich als er das sagte. „Wenn man jung ist macht man sehr viele Dummheiten, weil man nicht weiter darüber nachdenkt oder es einfach nicht besser weiß! Die Konsequenzen des eigenen Handelns werden einem meistens erst sehr viel später bewusst. Wichtig ist nur, dass man zu dem was man einmal getan hat auch steht! Nur dann lässt sich das Eine oder Andere wieder geradebiegen. Auch nach einer so langen Zeit, verstanden?“
„Verstanden, Sir!“ erwiderte Schorschi. Sabata versuchte milde zu lächeln, was ihm allerdings nicht so ganz gelang. Der General löste sich wieder von seinem ehemaligen Untergebenen.
Der alte Mann öffnete darauf die Tür des Schuppens. Die Männer traten darauf nacheinander ein. Thomas, Big Stranger und Sabata sahen sich um. Der Schuppen war geräumiger als er von außen im ersten Moment wirkte. Der Boden bestand offensichtlich aus schweren Betonplatten. Die Wände waren gemauert. Entlang der Mauern standen mehrere hohe Regale die mit allerlei Gerümpel vollgepackt waren. Eine langgezogene Werkbank befand sich im Zentrum. Zahlreiche technische Gerätschaften waren rundherum aufgebaut. Das Ganze wirkte wie eine Mischung aus Autowerkstatt und Versuchslaboratorium. In der Mitte des Raumes stand ein altertümlich aussehender amerikanischer Schulbus, der stellenweise Rost angesetzt hatte. Trotzdem wirkte er noch fahrtüchtig. Rocher fragte sich, wie der Alte den Schulbus hier her bekommen hatte. Schorschi trat an die Werkbank heran. Darauf befand sich ein unscheinbares kastenförmiges Objekt. An der Wand hinter der Werkbank waren zahlreiche Fotografien, technische Skizzen und handgezeichnete Verlaufskurven angebracht. Rocher warf einen kurzen Blick auf die Fotos. Dabei handelte es sich um zahlreiche Aufnahmen von verschiedenen Militärfahrzeugen. Auf Grund der Bildqualität und der leicht stumpfen Farben vermutete der Leitende Ermittler, dass die Fotos vermutlich in den 1960iger Jahren entstanden waren. Der Bauart und den Kennzeichnungen nach zu urteilen gehörten die abgelichteten Vehikel zur Imperialen Armee. Weitere Fotos zeigten Detailaufnahmen von seltsam aussehenden Apparaturen, die wohl in den abgebildeten Fahrzeugen eingebaut waren. Zwischen all den Aufnahmen entdeckte Thomas eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie auf der eine kleine Gruppe von Männern posierte. Die Männer trugen allesamt US-Amerikanische Felduniformen aus der Zeit des Zujadenen-Kriegs. Vermutlich handelte es sich bei ihnen um Weltraumkavalleristen. Die Kopfbedeckungen der Männer bestanden aus Stahlhelmen und Wollmützen. Weiter trugen sie Feldkoppel an denen unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände befestigt waren. Mehrere der Männer hielten dazu Karabinergewehre oder andere Waffen in der Hand. Erst beim zweiten Hinsehen entdeckte Thomas, dass einer der Männer auf dem Foto Schorschi war. Er sah auf dem Bild noch sehr jung aus, höchstens Anfang Zwanzig. Ganz am Rande Stand Sabata. Im Gegensatz zu Schorschi schien sich der General seit damals aber in keiner Weise irgendwie verändert zu haben – außer dass er auf dem Foto eine leicht zerknitterte Felduniform mit den entsprechenden Abzeichen trug.

„Hier ist es!“ verkündete Schorschi. Der alte First Class Private legte die Hand auf das Objekt auf der Werkbank. Sabata nickte langsam. Er sah sich mit dem für ihn typischen Blick die Fotografien an der Wand an. „Auch wenn unsre Bomber, das zujadenische Fliegerhorst damals ordentlich in Schutt und Asche gelegt hatten, bekam das Imperium die Baupläne des Portalgenerators nach dem Krieg in die Finger.“ erzählte Schorschi.
„Das dachte ich mir schon fast!“ brummte Sabata.
„Wie ich aus sicherer Quelle weiß, haben die Imperialen den Apparat für ihre Bedürfnisse weiter entwickelt. Sie haben ihn zu einer Mobilen Version umgebaut.“
„Mobil heißt, um sie in einem Fahrzeug unterzubringen?“ hakte Rocher nach.
„Ganz genau!“ erwiderte Schorschi.
„Damit hätten sie eine perfekte Angriffswaffe gehabt, mit der sie unsre Einheiten in den Grenzregionen in einem Überraschungsangriff hätten überrennen können!“ stellte Big Stranger von hinten fest.
„Das ist wahr!“ bestätigte der alte First Class Private. „Haben sie aber nicht gemacht!“ Der hochrangige Unteroffizier und der General aber auch Rocher wirkten ein wenig verblüfft, als sie das hörten.
„Vermutlich waren die Teile dann doch zu teuer um sie in Großserie produzieren zu können. Jedenfalls blieb dieses Spielzeug, nur einigen wenigen ausgewählten Einheiten vorbehalten.“ berichtete Schorschi weiter.
„Welche Einheiten waren das?“ wollte Sabata wissen.
„Drei der vier Garde Elite Regimenter wurden damit ausgestattet.“ Äußerte Schorschi.
„Die Garde Elite Regimenter sind dem Großus, also dem imperialen Herrscher, direkt unterstellt! In der Hierarchie der Imperialen Armee nehmen diese vier Einheiten, die wir gerne auch die Apokalyptischen Reiter nennen, eine besondere – herausgehobene - Sonderstellung ein. Die Angehörigen dieser Einheiten genießen gegenüber den regulären Streitkräften zahlreiche Privilegien und erhalten deutlich mehr Sold. Zudem werden sie vor allem bei der Ausrüstung und bei der Ausbildung bevorzugt behandelt.“ klärte Sabata ihren terranischen Gast auf.
„Genauso ist es!“ bestätigte Schorschi. „Um es genau zu nehmen waren es die Kriegsreiter …“ zur Veranschaulichung deutete er auf eine der Fotografien.
„Die Leibgarde des Großus!“ bemerkte Big Stranger.
„… die Todesreiter …“ zählte Schorschi weiter auf und zeigte dabei auf ein anderes Foto.
„Das ist ein Sonderverband der ausschließlich die allergeheimsten Kommandooperationen die es beim Imperium gibt ausführt! In den meisten Fällen verrichten sie nur Drecksarbeit, von der niemand etwas wissen darf. Im militärischen Fachjargon bezeichnet man so etwas als schmutzige Black-OPS.“ erklärte Sabata.
„… und die Hungerreiter!“ fügte der alte Private First Class hinzu. Big Stranger und Sabata sahen sich plötzlich gegenseitig mit einem Blick an, den Thomas im ersten Moment nicht einzuordnen vermochte. Schorschi drehte sich langsam um. „Was?“ fragte er wobei sein Finger auf einer bestimmten Fotografie liegen blieb.
„Wer oder was sind die Hungerreiter?“ erkundigte sich der Leitende Ermittler.
„Spielt das irgendwie eine Rolle?“ erkundigte sich Schorschi.
„Sogar eine ganz bedeutsame!“ erwiderte Sabata.
„Beim zweiten Imperialen Garde Elite Regiment handelt es sich um eine eigenständige Geheimdienstabteilung die ausschließlich dem Großus persönlich unterstellt ist!“ erklärte Big Stranger langsam. „Das Bedürfnis des Hungers steht hierbei für den Hunger nach Informationen. Wegen einer vorherrschenden Paranoia, die über die Jahrhunderte bei den imperialen Herrschern immer mehr zugenommen hat, haben diese gewissermaßen zusätzlich zur bestehenden Inlandsgeheimpolizei und der operativen Auslandsspionageabteilung noch mal ihren eigenen Geheimdienstapparat unter sich aufgebaut. Dieser entzieht sich absolut jeder Einflussnahme oder Kontrolle von außen! Seine Angehörigen sind dem Großus gegenüber absolut loyal und ihre Verschwiegenheit gilt über den Tod hinaus. Daher weiß niemand so genau womit sich das 2. Garde Elite Regiment eigentlich befasst - von den Hungerreitern dringt absolut nichts nach außen! Es heißt, wer einmal in ihr Fadenkreuz geraten ist, der verschwindet für immer - es gibt zahlreiche Berichte über Personen die quasi aufgehört haben zu existieren, nachdem die Hungerreiter sie in die Mangel genommen hatten.“
In diesem Moment wurde sich Rocher der Tragweite dieser Aussage bewusst – es bestätigte mehr als deutlich ihre Vermutung dass die Täter aus dem Bereich des Geheimdienstes stammten. So wie es aussah, nährten sie sich damit wieder der schwierigen Suche nach dem Motiv ein ganzes Stück an.
„Sir, wir ermitteln in einer Entführungsserie!“ erläuterte Thomas dem alten Weltraumkavallerie-Ranger. „So wie es aussieht, wurde eine derartige Apparatur - wie diese hier - von den Tätern, die wir im Moment zu ermitteln versuchen, in ihrem Fluchtfahrzeug verwendet!“
„Teufel nochmal!“ fluchte Schorschi. „Den Imerpialen ist wirklich alles zu zutrauen!“
„Worin unterscheidet sich eigentlich die Mobile Version vom ursprünglichen Prototypen?“ erkundigte sich Rocher.
„Das größte Problem das die Zujadenen hatten, war vor allem die Sache mit der Energieversorgung. Hier in den Neuen Welten stützt sich, abgesehen von ein paar stationären Wind-, Wasser- und Solarkraftanlagen, seit Mitte der 1930iger die gesamte Energiegewinnung auf die sogenannten Scrofomiumkristalle. Dieser universale Energielieferant ersetzte alle fossilen Brennstoffe und rettete uns dadurch aus der Energiekrise. Da die Zujadenen keinen Zugriff auf passende Scrofomiumkristalle - mit großer Energiekapazität – hatten, mussten sie gezwungener maßen immer stationär operieren und sich jedes Mal ans lokale Stromnetz anschließen. Dadurch sind wir der Bande ja damals habhaft geworden! Ich habe es auch versucht das Teil in eine Mobile Version umzubauen. Aber selbst mit handelsüblichen Scrofomiumkristallen, benötigt man für eine Anwendung immer noch dreißig Stück. Und das ist wie gesagt nur der Hinweg! Scrofomiumkristalle mit mehr Energiekapazität findet man meines Wissens nach, nur in einer bestimmten Region in den Neuen Welten – und auf die hat ausschließlich das Imperium Zugriff!“
„Aber deine Konstruktion funktioniert?“ erkundigte sich Sabata nach einer kurzen Pause.
„Natürlich! Ganz hervorragend sogar. Wollen sie es mal testen, General?“ hakte Schorschi nach. Er sah Sabata mit einem Blick an, der seine persönliche Selbstüberzeugtheit wiederspiegelte. Rocher und Big Stranger sahen den Senior-Kommandanten an. Dieser verzog ein wenig den Mundwinkel, so als finde er die Sache amüsant.
„Warum nicht?“ meinte der General schließlich.
„Wo soll’s denn hingehen?“ erkundigte sich Schorschi und sah fragend in die Runde.
„Wie wär’s mit Paris?“ schlug Thomas vor. Big Stranger und Sabata wechselten darauf einige Blicke, so als führten sie eine wortlose Unterhaltung miteinander. Schließlich nickte der General zustimmend.
„In Ordnung, ich muss nur erst einige Vorbereitungen treffen!“ verkündete Schorschi.
„Wie lange wird das ungefähr dauern?“ wollte Sabata wissen.
„Etwa dreißig Minuten!“ entgegnete der alte First Class Private.
„Dann los!“ forderte der General seinen ehemaligen Untergebenen auf. Worauf dieser einen Schraubenschlüssel zur Hand nahm und auf den Bus zuging.
„Gibt es in der Zwischenzeit irgendwo eine Möglichkeit, dass ich mal telefonieren kann?“ fragte Rocher.
„Sie können das Autotelefon im Geländewagen benutzen, Commander!“ erwiderte Big Stranger.
Die Beiden verließen darauf den Schuppen und gingen zum Jeep hinüber. Sie stiegen ein. Stranger steckte darauf den Schlüssel in die Zündung und drehte ihn einmal um, worauf das Lämpchen für die Autobatterie im Armaturenbrett aufleuchtete. Thomas nahm hierauf den Hörer des Autotelefons ab, worauf ein Freizeichen ertönte. Rocher tippte darauf die Nummer seiner Dienststelle in Paris ein. Es dauerte einige Minuten bis sich die Verbindung aufgebaut hatte und die gewählte Rufnummer angewählt wurde. Es knackte in der Leitung.
„3e Direction de la Police Judiciaire de Paris, Hippolyte de Courtène!” meldete sich schließlich der Recherchespezialist am andern Ende.
„De Courtène voici Rocher!“ erwiderte der Leitende Ermittler.
„Oh, Monsieur Commandant! Je suis surpris que tu appelles!“ rief Hippolyte überrascht aus. „Comment est-ce dans les nouveaux mondes?“
„Je n'ai pas beaucoup de temps!“ entgegnete Thomas. „S'il vous plaît, écoutez-moi attentivement!”
“Oui Monsieur Commandant!” bestätigte de Courtène.
“Obtenez Lamarck et attendez dehors avec lui.” befahl Rocher dem Recherchespezialisten.
“Oui mais pourquoi?” erkundigte sich Hippolyte.
„Vous le verrez dans un instant!“ erwiderte Rocher. Noch bevor de Courtène noch etwas sagen konnte unterbrach Thomas die Verbindung und legte den Hörer wieder auf. Big Stranger schaltete darauf die Zündung wieder ab. Sie stiegen aus und kehrten zum Schuppen zurück.

Die Tür des Schuppens stand derweil weit offen. Schorschi hatte inzwischen den alten Schulbus startklar gemacht hatte. Der Motor lief bereits. Auch wenn er reichlich Altersschwach klang, schien er trotzdem vollen Einsatz zu bringen. General Sabata saß im Fond auf der rechten Seite und beobachtete aufmerksam den, alten First Class Private, der gerade mehrere Justierungen anzahlreichen Armaturen vornahm welche die gesamte Front des Schulbusses, entlang der Windschutzscheibe ausfüllten.
„Willkommen an Bord!“ meinte Schorschi als Big Stranger und Rocher einstiegen und an ihm vorbei nach Hinten durch gingen.
„Habe ich sie vorhin richtig verstanden, dass die Energie genau für den Hinweg ausreicht?“ erkundigte sich Thomas.
„Genauso ist es, Commander?“ erwiderte der Alte.
„Und wie kommen wir dann wieder hier her zurück?“ wollte Rocher wissen.
„Ich habe unten im Stauraum nochmal 30 Scrofomiumbatterien gelagert“, erklärte Schorschi, „also insgesamt 60 Batterien. Das sollte für unsren kleinen Ausflug eigentlich ausreichen. Weil die Dinger so viel Platz in Anspruch nehmen hatte ich mir damals den Schulbus besorgt. Die Batterien müssen nach unsrer Ankunft, nur noch um geklemmt werden. Ist auf Dauer allerdings ein sehr kostspieliges Hobby, daher glaube ich kaum dass sich diese Technologie eines Tages für den Pauschaltourismus durchsetzen wird! Wie ist die Adresse, Commander?“ meinte Schorschi. Rocher notierte sie ihm auf einen Notizzettel. Der alte Mann drehte daraufhin an mehreren Reglern. Schließlich setzte er sich auf den Fahrersitz und zog an einem Hebel, worauf sich die Tür schloss.
„Bitte Platz zu nehmen!“ verkündete der ehemalige Weltraumkavallerie-Ranger bevor er die Handbremse löste. Thomas und Big Stranger nahmen daraufhin auf den schmalen Sitzbänken des Buses hintereinander Platz.
Schorschi legte daraufhin geräuschvoll einen Gang ein, das Getriebe gab knarzendes Geräusch von sich. Der Motor ächzte als der alte Private First Class mit dem Bus anfuhr. Das Vehikel rollte langsam aus dem Schuppen.
„Alle festhalten!“ rief Schorschi aus, während er einen Schalter an seinem Platz betätigte. Im nächsten Moment baute sich vor ihnen aus dem Nichts eine kreisrunde Öffnung auf. Es sah aus wie ein Schwarzes Loch im Kleinformat. Das Innere schien das Licht aus der Umgebung zu verschlucken. Die Raumkrümmung rotierte unmerklich um ihre eigene Achse. Blitze zuckten an ihren Rändern auf. Die Insassen spürten einen unglaublich starken Sog der eindeutig von der Öffnung ausging. Es fühlte sich an wie ein gigantischer Staubsauger. Der Bus wurde immer mehr in die Öffnung hineingezogen und verschwand schließlich komplett darin. Ein greller Blitz erstrahlte woraufhin alle geblendet die Augen schließen mussten.


3 ème DPJ (Divisions de Police Judiciaire) de Paris
2. Quai de la Tournelle
5 ème Arrondissement
Paris
France / Terres des Nations Unies
Terra

„Sind sie sich auch wirklich absolut sicher, de Courtène?“ hackte Grégorie Lamarck nochmal nach.
Hyppolite war vor knapp zwanzig Minuten sichtlich aufgeregt im Büro des Dienststellenleiters aufgetaucht und hatte seinen Vorgesetzten förmlich nach draußen ins Freie gezerrt. Als Begründung für dieses Vorgehen, hatte der Recherchespezialist lediglich geäußert, dass Rocher ihn kurz zuvor angerufen hätte und ihm diesen Auftrag, zur sofortigen Ausführung, erteilt habe. Hier warteten sie nun seit fast einer halben Stunde in der feuchten Eiseskälte. Regenwolken hingen wieder bleischwer über Paris. Der Blick auf die Rückseite der Kathedrale von Notre Dame war wieder sichtlich verhangen. Neben Emma Tomasi hatte sich inzwischen auch Jessica Kancel zu ihnen gesellt.
„Absolut sicher, Monsieur Commissaire!“ erwiderte Hyppolite. Lamarck bedachte de Coutène mit einem abschätzenden Blick, während er sich mit seinem gesamten Körpergewicht auf seinen Gehstock stützte. Das nasskalte Wetter und die feuchte Kälte machten dem Dienststellenleiter heute wieder erheblich zu schaffen, das lange Herumstehen, machten die Beschwerden nicht gerade besser. Lamarck wurde allmählich ziemlich ungeduldig.
„Wenn Rocher Hyppo so einen Auftrag gibt, dann wird das schon seinen Grund haben, Monsieur Commissaire!“ versuchte Jess den Recherchespezialisten in Schutz zu nehmen.
„Ich hoffe es, sonst können sie sich darauf einstellen, dass sie demnächst wieder am Empfang arbeiten!“ knurrte Lamarck. Der Dienststellenleiter schlug den Kragen seiner Jacke nach oben.

Im nächsten Moment tat sich, mehrere Meter von ihnen entfernt, buchstäblich aus dem Nichts eine Art Schwarzes Loch vor ihnen auf. Die Erscheinung machte keinerlei Geräusche. Man verspürte nur einen enorm starken Luftstrom der aus dem Innern kam. Es sah beinahe so aus, als würde das Gebilde um seine eigene Achse rotieren. Grelle Lichtblitze zuckten an den Rändern auf. Hyppolite, Lamarck, Tomasi und Kancel betrachteten die Erscheinung. Jess blieb vor Überraschung der Mund weit offen stehen, während der starke Luftstrom ihre Haare ordentlich zerzauste. Tomasi erging es ähnlich. Die junge Polizistin kämpfte sichtbar damit sich irgendwo festhalten zu können, um nicht davon geblasen zu werden. Lamarck versuchte derweil sein Gesicht mit der Hand abzuschirmen.
„Cool!“ rief De Courtène aus während er versuchte Emma und Jess dabei zu helfen nicht weggeblasen zu werden. Im nächsten Moment tauchte im Inneren der Öffnung die Schnauze eines Fahrzeugs auf. Das Vehikel erwies sich als ein klappriger amerikanischer Schulbus. Dieser wurde von dem Schwarzen Loch regelrecht ausgespuckt. Kaum dass das Heck des Fahrzeugs den Asphalt vollständig berührt hatte, verschwand die Erscheinung ebenso schnell wie sie gekommen war. Ein greller Blitz flammte auf, worauf alle Anwesenden geblendet die Augen schließen mussten.

Der Schulbus kam schließlich mehrere Meter vor Dienststelle der dritten Ermittlungsgruppe mit quietschenden Bremsen zum Stehen. Das Motorengeräusch des Fahrzeugs erstarb. Die vordere Tür öffnete sich. Rocher kam heraus. Er war nicht allein. Ein blonder Hüne mit Vollbart und ein Mann, dessen Alter man nur schwer einschätzen konnte, mit einem schmalen Oberlippenbart und einer markanten Adlernase begleiteten ihn. Die Drei gingen zielstrebig auf die Gruppe zu.
„Ein starker Auftritt, Rocher!“ meinte Lamarck an den Leitenden Ermittler gewandt. Dieser begrüßte seinen Vorgesetzten mit einem kurzen Nicken. Inzwischen hielt sich der Hüne hielt etwas im Hintergrund während der Mann mit der Adlernase vortrat. Er nahm Haltung an und salutierte vor dem Dienststellenleiter.
„Commissaire Lamarck nehme ich an!“ sagte er in fast akzentfreiem Französisch. „Ich bin General Sabata, der Seniorkommandant der 7. Weltraumkavallerie, wir hatten miteinander telefoniert!“ stellte er sich vor.
„Sehr erfreut, General!“ erwiderte Lamarck. „Willkommen in Paris!“
„Danke, Monsieur Commissaire!“ die beiden Männer tauschten die üblichen Begrüßungsgepflogenheiten miteinander aus.
„Das hier ist noch mein Mitarbeiter Master Sergeant Big Stranger!“ stellte Sabata den Hünen vor.
„Sehr erfreut!“ erwiderte Lamarck und reichte Big Stranger zur Begrüßung die Hand. Dieser erwiderte die Geste.

Im nächsten Moment erschien ein älterer Mann in der Tür des Fahrzeugs. Der Alte wirkte etwas verloren und sah sich leicht verunsichert um. Sein Blick richtete sich auf die Kathedrale von Notre Dame. Emma Tomasi ging vorsichtig einen Schritt auf ihn zu und versuchte sich deutlich bemerkbar zu machen, wobei sie allerdings den Eindruck verspürte das der Alte mehr an ihr vorbei sah.
„Das sind also die Sehenswürdigkeiten von Paris.“ meinte der Alte.
„Salü?“ fragte die junge Polizistin freundlich. Der Alte sah Tomasi daraufhin etwas entgeistert an, so als käme sie von einem andern Planeten. Sabata wandte sich nach ihm um.
„Der gehört zu uns!“ rief er Tomasi auf Französisch zu. „Schorschi!“
„Ja, Sir?“ erwiderte der Angesprochene.
„Wie lange brauchst du um den Bus für die Rückreise wieder flott zu machen?“ wollte Sabata wissen.
„Etwa ein bis zwei Stunden!“ entgegnete der Alte.
„Dann fang an!“ wies der General seinen ehemaligen Untergebenen an.
„Äh, Hallo sie!“ versuchte Schorschi Hyppolite anzusprechen. Der Recherchespezialist reagierte etwas überrascht und zeigte mit dem Finger auf sich. „Ja, sie junger Mann! Könnten sie mir bitte eben behilflich sein?“ meinte Schorschi und zog de Courtène mit sich.
„Wenn sie möchten, General, dann können wir ja in der Zwischenzeit drinnen eine heiße Tasse Tee zu uns nehmen.“ Schlug Lamarck derweil vor.
„Sehr gern!“ erwiderte Sabata. Der Dienststellenleiter machte darauf eine einladende Geste.
„Es wird sie sicher auch brennend interessieren, zu erfahren, wie die Ermittlungen im Fall Emma Betram inzwischen fortgeschritten sind.“ Meinte der General.
„Einem gegenseitigen Austausch darüber wäre ich in der Tat nicht abgeneigt. Gehe ich recht in der Annahme, dass sie gerade eine heiße Spur verfolgen? Oder welchen Zweck hatte diese Demonstration?“ erkundigte sich Lamarck und ging voran.
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