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Im Netz der Höhlenwelten

von No Cookie
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Familie / P12 / Gen
Bowser Daisy Kamek Luigi Mario Peach
24.08.2021
22.01.2022
39
136.958
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28.08.2021 4.206
 
Tief

„Cookie, bitte komm doch endlich zu dir“, bat Peach und rüttelte die junge Frau wiederholt an Schulter und Rücken. Es war unheimlich, wenn sie so still und reglos war.
Endlich erhörte Cookie das Bitten, denn sie murmelte und öffnete träge die Augen, allerdings nur um sich schwerfällig aufzuraffen und sich den dröhnenden Kopf zu halten. „Bei allen Sternen“, murmelte sie dabei und blinzelte in das seltsam milchige Licht.
Die Prinzessin atmete vor Erleichterung tief durch und legte sich die Hand auf die Brust, allerdings nur um sie dort zornig mit der anderen zu verschränken. „Oh, du leichtsinniges, leichtsinniges Ding!“, schalt sie auf Cookie los, kaum hatte die sich im Stuhl zurecht gesetzt, in dem sie bisher zusammengesunken gelegen war. „Was fällt dir ein dich wie ein Berserker kopfüber in diesen Schlund zu stürzen?“ Die Hoheit erhob nur selten ihre Stimme, doch in diesem Fall konnte sie gar nicht anders. Dabei war sie nicht einmal wirklich böse, sondern im Grunde nur erleichtert.
Die Ausgeschimpfte krauste die Nase, wie immer, wenn ihr etwas nicht gefiel und rückte sich die Brille zurecht. „Ich habe mich nicht hinunter gestürzt“, verteidigte sie sich schwach, „Ich wollte nur verhindern, dass du ganz hinein fällst.“
Peach stemmte die  Hände in die Hüften und wiegte wohlwissend den Kopf, schließlich war sie dabei gewesen. „Und dazu hast du dich kopfüber in diesen Schlund gestürzt!“, hielt sie an ihrer Standpauke fest.
Cookie zuckte die Schultern und nickte dann unwillig, sagte aber kein Wort. Rasch sah sie sich um, in diesem Raum, in den sie verschleppt worden waren. Er war rund und weitläufig und ganz und gar aus grauem Stein. Seine Wände waren glatt und schimmerten, während die Decke, die irgendwo in der Düsternis verschwand, von großen Säulen gestützt wurden, die scheinbar ganz und gar aus Tropfsteinen bestanden. Nirgendwo brannte ein Licht und es gab keine Fackeln und dennoch war es nicht so trostlos und dunkel hier drin, wie man es hätte erwarten müssen. Denn von der Decke hingen runde Steingebilde, die milchig schimmerten in blau, rosa oder grün und mit ihrem trüben Licht allem einem mystischen Anschein verlieh. Hier und da gingen Gänge von diesem runden Raum ab, die wohl auch auf diese Art erhellt wurden, sich aufgrund ihrer Länge aber doch irgendwann in der Dunkelheit verloren.
Peach und Cookie selbst saßen an einem runden Tisch, der von einigen Stühlen gesäumt war und ebenfalls vollständig aus graublauem, glatten Stein. Offenbar bildete dieses Möbel das Zentrum dieses seltsamen Saals.
„Wo sind wir hier?“, wollte Cookie wissen und stutzte noch mehr, als sie etwas auf dem Tisch vor der Hoheit entdeckte. „Sind das Wein und Käse?“
Peach errötete beschämt und konnte diese Tatsache doch nicht abstreiten. Verlegen nickte sie deshalb und rückte fahrig an dem hohen Kelch herum. „Ich werde hier auf das höflichste bewirtet und erhalte alles was mein Herz begehrt. Von den Antworten einmal abgesehen, nach denen ich verlangte.“ Es war ihr peinlich hier so fürstlich versorgt worden zu sein, während man die bewusstlose Cookie wie einen nassen Sack einfach auf irgendeinen Stuhl gepackt hatte.
Doch die schien das nicht zu kümmern oder sie kam erst gar nicht dazu sich Gedanken darum zu machen, denn in diese Moment erhielt die Herrscherin des Pilzkönigreiches doch noch eine Antwort.
„Vergebt mir Hoheit, ich werde all Eure Fragen beantworten, doch nicht gleich. Zunächst gebietet es die Höflichkeit, dass wir das Eintreffen unserer weiteren, werte Gäste abwarten“, wisperte eine hohle Stimme und die Gestalt, die sich bisher um Peachs Wohlergehen gekümmert hatte, verbeugte sich erneut vor ihrem Stuhl. Der Sprecher war nicht mehr als ein Schatten und nicht einmal diese Bezeichnung wurde ihm gerecht. Er war deutlich durchscheinender, flüchtiger. Mehr ein Windhauch, so fern das möglich war.
Prinzessin Peach straffte sich, wie sie es von ihrem Minister gelernt hatte und versuchte ihre Überraschung zu verbergen. „Weitere Gäste?“, fragte sie alarmiert und ihr Gefühl warnte sie vor Gefahr und Unglück.
Als hätte alleine das genügt, um beides heraufzubeschwören, kam unterschiedlichster Tumult in den Gängen auf, die bisher so friedlich dagelegen hatten. Schwere Schritte stampften, jemand brüllte Dinge, die man zum Glück nicht verstand und man hörte so etwas wie Schläge und ein hallendes Lachen.
Zuerst wurde eine schlanke Gestalt in den Saal geschoben, die sich aus Leibeskräften gegen ihren Begleiter wehrte, der wie die Gestalt im Saal, kaum mehr als ein Hauch war. Sie hieb immer wieder nach ihm und versuchte sich ihm zu entwinden. Als das erneut scheiterte, warf sie den Kopf mit den braunen Haaren in den Nacken und stolzierte auf orangenen Stöckelschuhen auf den Tisch zu.
„Daisy“, rief Peach und eilte gleichzeitig erleichtert und erschreckt auf die Cousine zu, die sie auch sofort mit entsetztem Gesicht in die Arme schloss.
„Was, dich hat die Saubande auch eingesackt? Das hätte ich mir ja denken können, aber ich werde schon noch dafür sorgen, dass sie uns auch schnell wieder loswerden wollen. Nur keine Sorge, Cousinchen“, dröhnte die Herrscherin von Sarasaland und funkelte alle mit vernichtendem Blick an, die sich gerade in ihrer Nähe befanden. Als sie Cookie entdeckte, zögerte sie kurz und Überraschung machte sich auf den Zügen der Hoheit breit, doch mehr Freundlichkeit wurde auch dem Lockenkopf nicht zu Teil.
Prinzessin Peach schützend im Arm, stampfte Daisy ebenfalls zum Tisch, um sich dort herausfordernd gegen die Tischplatte zu lehnen. Sie hätte sicher noch mehr zu dieser Sache gesagt, wurde aber von Flammenzungen unterbrochen, die aus dem Gang ganz links loderten und denen ein viel zu vertrautes Brüllen folgte. „Jetzt habe ich aber genug, nehmt das!“, dröhnte Bowser und schlug mit ausgestreckten Krallen gegen Felswände und eine dritte der nebelhaften Gestalten. Die Wände bekamen davon tiefe Furchen und Stein spritzte, die Entführer dagegen flackerten nur auf wie Rauchwolken und verzogen über die Attacke keine Miene. Die Tropfsteine klirrten, als Bowser wutentbrannt aufstampfte.
Peach zog den Kopf zwischen die Schultern und wünschte im Boden versinken zu können, auch wenn sie im Grunde genommen genau das getan hatte.
Natürlich entdeckte der Koopa-König sie im nächsten Moment und stellte sein Toben ein. Mit verzückter Miene und vorsichtigen Schritten näherte er sich seiner Angebeteten und beugte sich zu ihr hinunter. „Du hier, meine Schönste? Soll das etwa heißen diese Kerle haben es gewagt dich zu entführen, was mir allein zusteht? Und dann auch noch erfolgreich?“ Knurrend schlug er auf einen der Stühle und pulverisierte dessen Rückenlehne. Dann wurde er wieder ganz weich. „Keine Angst, Liebste, ich werde dich schon vor allen beschützen.“
Daisy schlug die groben Klauen weg, mit denen der Koopa durch die blonden Haare ihrer Cousine streichen wollte und funkelte auch Bowser an.
Der erinnerte sich offenbar an die letzte Begegnung und zog sich lieber einen Schritt zurück, um dort darüber zu schmollen hierher gebracht und um seine Prinzessin betrogen worden zu sein. Frechheit. Aber auch er war nicht allein gekommen. Kamek, diesmal zu Fuß, da man ihm seinen Besen weggenommen hatte, stand unauffällig an der Wand und versuchte sich einen Überblick über Ort und Situation zu verschaffen. Was er sah gefiel ihm gar nicht, vor allem, da er sich keinen Reim darauf machen konnte. Und wer sich hier unten so alles aufhielt trug nicht gerade zu seiner Erleichterung bei.
Cookie entdeckte den Magiekoopa im gleichen Moment wie er sie und versuchte seinem Blick stand zu halten. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und krauste die Nase, die Lippen fest aufeinander gepresst. Hinter den blitzenden Brillengläsern Kameks regte sich etwas, das sofort wieder verschwand. Auch er sagte kein Wort.
‚Versuch es nur‘, dachte Cookie bei sich. Sie kannte Kamek und wusste, dass er so flexibel war wie eine Eisenstange was sein Verhalten und seine Fähigkeiten betraf. Sie kannte seine Tricks und er wusste das. Vielleicht würde er dann zumindest weniger Hinterhältigkeiten wagen.
Offenbar waren sie noch immer nicht vollzählig, denn auch im letzten Gang kam Bewegung auf und wieder ertönte glockenhelles Lachen, das so gar nicht hierher passen wollte. Ein gut gebauter Schatten fiel als erstes in den Saal und ihm hinternach folgte eine ebenso gut gebaute Gestalt. Die beeindruckenden Arme vor der noch beeindruckenderen Brust verschränkt, schritt Königin Mamella mit erstaunlicher Eleganz in den Saal. Ihr Blick funkelte und ihre grüne Miene zeigte deutlich, dass sie alles andere als erfreut über das war, was hier vor sich ging. Da sie ihren Entführer mit Leichtigkeit um gleich einige Haupteslängen überragte, war es ihr ein Leichtes von oben auf ihn herab zu blicken. Die Majestät knirschte beängstigend lautstark mit den Zähnen und wiege den Kopf. „Meine Geduld ist erschöpft, sprecht oder hört euch an was ich zu sagen habe“, forderte sie und ließ mit ihrer Stimmgewalt die Tropfsteine und Saal dröhnen. Ihr Organ war so mächtig wie sie selbst.
Da konnte man den armen Prinzen fast übersehen, der traurig klein neben ihr wirkte und eigentlich nur auffiel, da er sich durch das güldene Haar strich und den roten Umhang raffte, wie ein Held aus alten Ritteromanen. Er war es auch, der die übrigen Versammelten entdeckten, die sich mittlerweile im Saal verteilt hatten. „So wie ich das sehen und ich sehe viele, edle Häupter, handelt es sich hier offenbar nicht um eine banale Entführung“, meinte er galant und lachte wieder glockenhell. „Viel mehr scheint es mir eine wahrhaftige Versammlung zu sein. Auch wenn ich den Zweck derer noch nicht kenne.“ Schwungvoll verneigte er sich vor den anwesenden Damen und musterte Bowser nur mit einem flüchtigen Blick. Auch ihn kannte er schon und mit dem Prinzen Mamek das gesamte Bohnenkönigreich. Auch wenn der Koopa-König selbst sich wohl nicht mehr so genau daran erinnern konnte. Das zumindest verriet die Miene Bowsers, der sich fragte woher er die grünen Bohnlinge kannte.
„Dann wird es Zeit, dass wir genau das erfahren. Ich fordere nochmal, als Königin, Sprecht!“, donnerte Mamella und wieder klirrten die Steine.
Die fünf Schattenwesen, die bisher schweigend alles über sich hatten ergehen lassen, verneigten sich flatternd und verteilten sich auf die Stühle während einer von ihnen vor dem Tisch stehen blieb. Offenbar war er der Sprecher. „Gewiss, sogleich will ich alles erklären. Wenn Hoheiten und Majestäten nur zunächst die Güte hätten sich zu setzen und Wünsche zu äußern, was Hunger und Durst begehren. Damit lässt sich eine lange Unterhaltung gewiss angenehmer verbringen.“
Nur langsam und mit deutlichem Misstrauen wurde dieser Aufforderung nachgekommen und Cookie, die ja bereits saß, sah sich einem der Schattendiener gegenüber. „Steh auf und tritt hinter den Stuhl deiner Herrin, um zu warten, wie es sich gehört. Den Hoheiten allein steht ein Platz zu“, wurde sie etwas harsch aufgefordert und der Schatten flackerte ungeduldig.
Tatsächlich waren es nur vier Stühle, die um den Tisch herum aufgebaut worden waren, wie Cookie erst jetzt auffiel. Und einer davon war offenbar für Prinzessin Peach reserviert. Eilig erhob sie sich und kaum stand sie, ließ sich Daisy darauf fallen, um Peach neben sich in den Stuhl zu drücken, vor dem noch immer Wein und Käse standen.
Auch Bowser ließ sich nieder, auch wenn es ihm nicht passte, dass er den beschädigten Stuhl erhielt, den er doch selbst zerschmettert hatte und wurde damit an die Seite von König in Mamella verbannt, die ein wenig mehr Platz als angemessen empfunden hätte.
Noch griesgrämiger allerdings sah Kamek drein, der wie Cookie hinter dem Stuhl seines Königs Stellung beziehen und schweigen musste, bis er andere Aufträge erhielt oder alles gesagt war, was es zu sagen gab. Als wäre er nicht mehr als ein niederer Dienstbote.
Prinz Mamek dagegen ließ sich nichts von seiner Demütigung anmerken, auch wenn er es als entwürdigend empfinden sollte so degradiert zu werden und hielt seine elegante Würde aufrecht. Sein Blick huschte fast amüsiert und neugierig durch Saal und über die Versammelten und auch er schien sich ein Bild von allem zu machen. Entweder war er nicht leicht zu beeindrucken oder an solcherlei gewohnt.
Cookie verschränkte die Arme im Rücken und krauste unwillig die Nase. Das würde sie nicht einmal wundern, der Prinz galt im Bohnenkönigreich als Held, so wie Mario und Luigi im Pilzkönigreich. Vor einiger Zeit hatten sie wohl auch schon gemeinsam um Rettung für Land und Leute gekämpft.
Man wartete, doch zunächst blieb alles wie es war. Die Schattenwesen huschten herum, jeder zu einem Herrscher und lauschten dessen Wünsche zu Speis und Trank.
Daisy bedachte den ihren mit einigen Ausdrücken, entschied sich dann aber für Maracujasaft und ein paar Feigen in Honig. Eine Spezialität aus ihrem Heimatland.
Königin Mamella wünschte etwas, das Cookie nicht das Geringste sagte. Sie erfuhr auch nicht mehr darüber, denn Bowser drosch mit der flachen Klaue auf die Tischplatte. „Ich will vor allem, dass ihr Pack mich in Ruhe lasst, ich habe ein Königreich zu regieren und ein anderes zu stehlen“, brüllte er, was hier niemand glaubte, „Aber wenn es schon was zu Futtern gibt, dann bringt mir gefälligst Hühnerflügel. Frittiert und mit ordentlich Käse.“
Kaum war es ausgesprochen, waren die Hauche, Schatten oder was immer sie sein mochten, verschwunden, nur um kurz darauf zurück zu kommen. Schwerelos trugen sie Platten mit sich auf dem tatsächlich alles lag, was gewünscht worden war. Wortlos wurde serviert und eingeschenkt, dann legte sich die Ruhe über den Saal, bis der Sprecher endlich das Wort ergriff. „Werte Hoheiten und Majestäten, da wir nun endlich vollzählig versammelt sind und für das Wohl aller gesorgt wurde, kommen wir zum Anlass dieser Zusammenkunft“, hub er an und obwohl er leise sprach, beherrschte seine Stimme den Raum. Sonst war kein Laut zu hören, wenn man von Bowsers Fressen und Schlingen einmal absah, der seine Hühnerplatte leer putzte und nur missbilligend knurrte.
Prinzessin Daisy schien seine Meinung nicht nur zu verstehen, sondern ebenso zu teilen, denn sie verschränkte die Arme vor der Brust und fläzte sich betont lässig auf ihren Stuhl. „Und was wollt ihr jetzt von uns?“, wollte sie harsch wissen und starrte den Hauch an.
Der ließ sich weder von dem patzigen Tonfall noch von der frechen Unterbrechung stören. Er verneigte sich sogar erneut. „Nicht ich habe diese Versammlung gewünscht, sondern mein hoher Herr, der Herrscher der Unterwelt.“
Diese geradezu dreiste Behauptung veranlasste sogar Bowser dazu erstaunt von seiner Platte aufzusehen. „Herrscher?“
„Bitte hört meine Worte zu Ende an, das wird alles erklären, hohe Herrschaften“, bat der Hauch und straffte sich dann erneut. „Mein hoher Herr ist der Herrscher der Unterwelt unter den Königreichen, deren Hoheiten hier versammelt sind. Er gebietet über Stein und Mineral ebenso wie über die Lebewesen dort und auch uns, die Echos. Mit den ungezählten Zeiten ist es ihm gelungen seinen Einfluss und sein Reich zu erweitern und wachsen zu lassen. Nun, so findet er, verdient dieses Reich den Namen Königreich und er selbst den Titel eines Königs. Da ihm das bedauernwerterweise durch keine hohe Geburt zu Teil wurde, muss er durch eine andere Handlung zu einem König ernannt werden.“ Der Hauch, der wie die übrigen vier Wesen in den Schatten des Saals, ein Echo war, wie er eben selbst verraten hatte, schwebte um den Tisch herum. Viele Köpfe wandten sich, um ihm zu folgen. „Eine solche Möglichkeit besteht durch eine uralte Zeremonie in der die Herrscher der vier größten Königreiche des Landes, in dem ein neues Reich entstehen soll, ihre Zustimmung zur Ernennung eines neuen Königs geben. Diese Herrscher haben wir in der heutigen Nacht hier versammelt, damit sie diese Zeremonie vollziehen und meinem Herrn das Amt überantworten, das ihm gebührt.“
Stille herrschte im Saal, während die Worte des Echos schwer in der Düsternis hingen und jeder versuchte sie zu begreifen.
Peach runzelte die Stirn und fühlte sich zurückversetzt in die kleine Bibliothek ihres Schlosses und zu einem Toadsworth, der da allerdings noch deutlich dunkelhaariger gewesen war. Damals hatte er von dieser Möglichkeit erzählt, durch die in Notzeiten auch Könige und Königinnen aus dem Volk erwählt werden könnten, wenn der Herrscher ohne Thronerbe oder an einem Unglück verstorben sein sollte. Doch diese Zeremonie wurde nur selten durchgeführt und eigentlich nur an ein schon bestehendes Königreich in Not vergeben. Bisher war noch niemand auf die Idee gekommen ein Neues damit gründen zu wollen, was aber nicht eindeutig ausgeschlossen wurde.
„Dies hier ein Königreich?“, fragte Königin Mamella herausfordernd und ließ den Blick eher unbeeindruckt umherschweifen, „Und wer von euch wünscht diesen edlen Titel?“
Bowser lachte über diese Vorstellung, dass die Hühnerflügel spritzten und warf ein paar der Knochen hinter sich. „Ein feuchtes, totes Königreich der Echos, das will nicht einmal ich erobern.“
Wieder verzog der Diener keine Miene, sondern schüttelte nur mahnend den Kopf. „Oh, hier handelt es sich offenbar um einen Irrtum, ich bin nur ein bescheidener Diener. Mein Herr hat mich ausgesandt, um die Hoheiten und Majestäten in den Palast zu führen, in dem die Zeremonie in angemessenem Rahmen stattfinden soll. Zudem habe ich den Auftrag unterwegs die Gefilde der Unterwelt zu präsentieren und so zu beweisen, dass sie den Namen Königreich verdient hat.“
Nun wurde es Daisy zu bunt, das wurde ja immer dreister. „Dann will dein Herr also nicht nur König werden, weil ihm das gerade in den Kram passt. Er lässt uns dazu von einer handvoll Diener verschleppen, einschüchtern und will auch noch, dass wir zu Fuß zu ihm latschen, weil er zu faul ist seinen feinen Sitz zu verlassen? Wie kommt er darauf, dass wir damit einverstanden sind?“, fragte sie und stützte sich auf die Tischplatte ab. Teller und Kelch schob sie dabei achtlos zur Seite, während sie zustimmendes Nicken  von einigen Seiten erntete.
Viel zu plötzlich stand das Echo vor ihr, sein Gebaren war lange nicht mehr so anbiedernd wie zuvor und seltsam kalt wurde es in seiner Nähe auch noch. Peach zog die Luft ein und selbst die Prinzessin des Sarasalandes zuckte zusammen, auch wenn sie versuchte sich nichts davon anmerken zu lassen.
„Ich fürchte, wenn die Anwesenden nicht einverstanden sind, müssen sie unsere Gastfreundschaft beanspruchen, bis sie es sind“, machte das Echo deutlich klar, dass es eigentlich gar keine Wahl gab.
Daisy erbleichte vor Schreck und vor Wut gleichermaßen und überhörte dabei die geschmeidige, ruhige Stimme, die nun das Wort ergriff.
„Das erklärt die unbedingte Anwesenheit der gekrönten Häupter. Doch was, wenn auch mir eine Frage gestattet ist, wird dann von den übrigen ‚Gästen‘ erwartet? Diese haben in dieser Angelegenheit doch scheinbar keinerlei Mitsprachrecht“, warf Prinz Mamek ein und legte die Hand auf die leere Degenscheide. Auch den hatte man ihm abgenommen, obwohl er einem Echo wohl kaum gefährlich werden konnte.
Der Oberdiener schwebte zum Tisch zurück, um zu winken und zu veranlassen, dass leere Teller und Kelche beiseite geräumt wurden. „Die Begleiter der hohen Herrschaften dienen dem Zweck, dass die Hoheiten und Majestäten ihre gute Erziehung nicht vergessen. Strafen für Fehlverhalten werden nicht über edle Gäste verhängt.“ Er sah nicht einmal auf.
Mamek verging das Lachen gründlich, doch um das zu überspielen, fuhr er sich durch das güldene Haar und ließ den Blick über die anderen Bauernopfer schweifen. „So ist das also.“
Peachs Herz klopfte und sie sah sich nach Cookie um, die tatsächlich die ganze Zeit schweigend und lauschend hinter ihrem Rücken gestanden hatte. Die Schuld drückte die Prinzessin und sie fühlte sich so, als wäre Cookie nur durch sie in diese Gefahr geraten.
Prinzessin Daisy fand das dagegen wohl recht amüsant, denn sie kräuselte hämisch die Lippen und ließ sich wieder in ihren Stuhl zurück fallen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. „Da werdet ihr bei mir wohl Pech haben. Mein Minister konnte abhauen, als ihr Grusellaken mit mir beschäftigt wart“, meinte sie selbstzufrieden. „Wie wollt ihr mich jetzt im Zaum halten?“
Eine Frage, die sie besser nicht gestellt hätte, denn wieder verströmte das Echo diese Kälte und es schwebte unbeeindruckt zu einer der Tropfsteinsäulen. Ruhig legte der Diener eine Hand darauf. „Diese Säulen erscheinen massiv und stark, doch tatsächlich reicht ein einziger, gut gezielter Schlag, um sie zum Einsturz zu bringen. Das könnte sich als fatal für die Oberwelt erweisen, wo sie manches mal stützende Funktionen erfüllen. Auch unter Sarasaland“, erklärte er und fasste die Prinzessin dieses Landes scharf ins Auge.
Die wurde kreidebleich und sprang mit zitternden Händen auf. In ihrem Gesicht vermischte sich Wut mit Abscheu und Schreck, ihre Augen funkelten wie ein Sandsturm. „Droht ihr mir etwa?“, brüllte sie verzweifelt und schlug auf den Tisch.
Das Echo verneigte sich und die Kälte nahm zu. „In der Tat.“
Schwach und zitternd, ließ sich Daisy in ihren Stuhl zurück sinken und klammerte sich an Peachs Arme, als die Cousine sie in eine schützende Umarmung zog. Diesmal lag das Wohl oder Wehe ihres Königreiches wortwörtlich in ihrer Hand und sie durfte keinen Stein davon riskieren. Doch das half nichts gegen die tobende Wut, die nun in Daisy kochte. Darüber benutzt zu werden und keine Möglichkeit zu haben dich dagegen zu wehren, ausgeliefert zu sein. Sie und ihr ganzes Volk. Daisy ertrug diese Wut nicht, sie musste hinaus. Deshalb sprang sie auf und streifte Peachs Arme ab. In den Augen der Wüstenprinzessin glitzerten die Tränen und sie schrie einfach alles heraus. „Wenn ihr also unsere Vertrauten und Minister als Druckmittel verwendet, um uns bei der Stange zu halten, was hat sie dann hier verloren?“, rief sie mit fast überschlagender Stimme und stach mit ausgestrecktem Zeigefinger zu Cookie hinüber, die noch immer hinter dem Stuhl Peachs stand. „Sie ist schließlich kein Minister oder sonst irgendwie wichtig. Wohl mehr ein Laboräffchen!“ Daisy keuchte und selbst, wenn sie diese Worte besser nie ausgesprochen hätte, konnte sie es jetzt nicht mehr rückgängig machen. Sie kannte diesen Waldschrat, seine Geschichte und ihr gefiel der Gedanke einfach nicht, dass er sich jetzt auch noch mit Peach hier unten herumtrieb und ihr noch mehr Unsinn ins Ohr flüstern konnte. Dazu die scheinbar zufällige Nähe von Bowser und Kamek, das stank doch.
Peach sprang auf, starrte ihre Cousine entsetzt an und verstand einfach nicht was das sollte. „Daisy!“
Bowser lacht grollend und reckte den Hals, um sich nichts von dem folgenden Schauspiel entgehen zu lassen. Natürlich, Cookie, so hieß das rothaarige Ding. Sie war ihm auch schon einmal lästig geworden, womöglich folgte jetzt die Strafe dafür. Warum krähte Kamek so merkwürdig? Vielleicht weil es um seinen eigenen Hals ging, da war er immer empfindlich.
Prinz Mamek dagegen hüllte sich in seinen roten Umhang, nahm zur Kenntnis, dass hier offenbar ein Fehler vorlag und betrachtete das benannte „Laboräffchen“ genauer. Diese Geschichte fing an immer interessanter zu werden und diejenigen, die darin eine Rolle spielen würden ebenfalls.
Das Echo flackerte fast scharf auf, als würde es lauter werden und war von einen Moment zum anderen an Cookies Seite. „Du bist nicht der Minister der Prinzessin?“, fragte es scharf und alle zuvorkommende Freundlichkeit war verschwunden.
Die Angesprochene schüttelte nur den Kopf, ihr Mund war so trocken.
Die Kälte des Echos wuchs. „Wer bist du dann? Und was?“ Er streckte seine rauchigen Finger nach Cookies Gesicht aus, die davor immer weiter zurück wich. Die Kälte legte sich unangenehm auf ihre Haut, drang in Mund und Nase und gab ihr das Gefühl ausgesaugt zu werden.
„Cookie, nur eine Bedienstete“, krächzte sie und stieß endlich mit dem Rücken gegen die Felswand. Die Finger berührten fast schon ihr Gesicht, um hindurch in ihre Seele zu greifen.
„Genug!“, verlangte nur einen Augenblick vorher die Stimme von Prinzessin Peach und die Hoheit sprang auf. Aufrecht und entschieden, stand sie da und sah so herablassend sie konnte auf das Echo hinab. „Ich wünsche nicht, dass ihr meine Bedienstete belästigt. Sie mag keinen hohen Posten bekleiden, doch sie ist immer noch eine Dame, vor der ihr euch entsprechend zu benehmen habt.“ Die Schöne hatte so laut und nachdrücklich gesprochen, wie sie es nur tat, wenn sie einen ihrer seltenen Befehle gab. Doch das hier ging eindeutig zu weit und sie würde nicht zulassen, dass Cookie den Preis für Daisys hilflose Wut zahlte.
Das Echo zögerte, die Hand noch immer ausgestreckt. Hin- und Hergerissen flackerte es kurz auf, dann schien es seine Fassung wieder gefunden und sich seiner Anweisungen zu erinnern. Er verneigte sich und ließ endlich von der Bediensteten ab, die zitternd an der Wand lehnte. „Nichts wert und somit nicht als Mittel zum Zweck zu gebrauchen“, teilte das Echo ihr mit und schwebte dann wieder durch den Saal, zurück zum Tisch. „Ein bedauerlicher Fopa, der an der gedachten Abfolge doch nicht das Geringste ändern wird. Und deshalb ist es nun an der Zeit sich auf den Weg zu machen.“ Mit diesen Worten wischte das Echo seinen möglichen Ärger beiseite und drückte auf ein Symbol, das in die Tischplatte gemeißelt war. Knirschend und mahlend, teilte diese sich in zwei Hälften, die auseinander glitten und eine Treppe offenbarte, die noch tiefer hinab führte. In die Unterwelt, die ein eigenes Königreich sein wollte.
In Begleitung ihrer persönlichen Echos, wurden Mamella, Bowser mit Peach und Daisy, die heftig miteinander stritten, hinab geführt. Kamek und Mamek wurden dabei nicht aus dem Blick gelassen und mussten immer in der Nähe ihrer Herren bleiben. Cookie beachtete man kaum, trieb sie nur mit einem knappen Kopfnicken vorwärts. Wertlos eben, wie das Echo gesagt hatte.
Deshalb bemerkte wohl auch niemand, dass sie mehr als nur zwei Schritte zurück blieb und etwas aus ihrem Heilebeutel zog, den man ihr gelassen hatte, da man ihn offenbar nicht als Waffe betrachtete. „Bitte passt auf euch auf, sie sind gefährlicher als man glauben soll“, wisperte Cookie in die Dunkelheit und schob dann einen ihrer Flaschenstöpsel in den schwindenden Spalt zwischen den Tischplattenhälften. Dann folgte sie der Truppe, um sich gehorsam an Peachs Seite zu begeben und hoffentlich mehr zu erfahren, das den Brüdern helfen könnte.
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