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Schuld dem Schuldigen

von Julirot
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
23.08.2021
05.11.2021
14
25.613
17
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
23.08.2021 1.633
 
Hallo ihr Lieben,

ich habe euch eine kurze neue Geschichte versprochen mit Alec und Magnus in den Hauptrollen.
Tadaaa ... hier ist sie endlich.

Sie besteht aus 4 Teilen. Ich hoffe, sie gefällt euch. Ein wenig Drama und so weiter ist wieder dabei und ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.
Ich habe mir die künstlerische Freiheit genommen und eine Hauptfigur der Serie umgebracht. Ups ...
Ich versteck mich schon mal ...

Aber nun lest selbst ...

Ich freue mich über jegliches Feedback und wünsche euch eine schöne Woche.

Eure Juli

PS. Das Hexenkind muss jetzt mal wieder ein bisschen pausieren. Aber da gibt es auch noch paar neue Kapitel ... demnächst.

***********

Schuld dem Schuldigen

Kapitel 1



„Wut ist nur die Angst, die sich nach innen kehrt“ - Internetfund


„Alexander?“, rief er durch die Räume und schaute sich suchend in seinem Apartment um. Er erhielt jedoch keine Antwort. Wo war er nur? Magnus suchte schon eine ganze Weile nach seinem Freund, doch er hatte ihn nirgends finden können. Nicht an ihren liebsten Plätzen, nicht im Institut und auch nicht in seinem Apartment. Denn das war leer. Frustriert lief er zur Tür zurück.
Halt.
Da war ein Geräusch. Ein Knarren. Hatte er richtig gehört? Magnus stutzte und ging zurück. Jetzt, bei genauerem Hinsehen, bemerkte er, dass die Terrassentür nicht verschlossen, sondern nur angelehnt war. Seine Nackenhaare richteten sich auf, als er die Tür langsam beiseiteschob.
Und dann erblickte er ihn, seinen Alexander. Er saß mit dem Rücken zum Haus auf einem Balkonstuhl und hatte die Beine auf einem Hocker vor sich abgelegt. In der Hand hielt er etwas, das Magnus nicht sehen konnte und um ihn herum war es dunkel. Alec hatte die Beleuchtung nicht eingeschaltet, sondern saß im Finstern und starrte in die Ferne.
„Hier bist du“, hörte Magnus sich sagen und seine Stimme hallte in die Nacht.
„Wo sollte ich sonst sein?“, kam es von der anderen Seite, sarkastisch und abweisend.
Magnus schluckte. In seinem Hals bildete sich ein Kloß.
Alexander.
„Was machst du hier?“, erkundigte sich Magnus und betrat den Balkon, lief um Alec herum und baute sich vor ihm auf. Mit einem Wink schaltete er die Beleuchtung ein. Der Shadowhunter blinzelte kurz, aber ignorierte ihn ansonsten. Er starrte auf seine Hände, in denen er, wie Magnus nun erkannte, ein geschliffenes Kristallglas hielt, in dem eine klare Flüssigkeit schwamm.
„Nach was sieht es denn aus?“ Die etwas bissige Gegenfrage ging Magnus unter die Haut. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Alec so reagieren würde. Dass er ihn ausschloss und einfach dichtmachte. Es tat ihm weh, den Nephilim so zu sehen, ohne ihm helfen zu können. Das ging nun schon ein paar Tage so – genaugenommen seit er seinen besten Freund verloren hatte.
Durch Magnus Schuld?
Nein, durch seine Unfähigkeit beide retten zu können.
Durch diesen elenden Dämon.
Magnus unterdrückte den Drang seine Katzenaugen sprühen zu lassen.
Er konnte sich jetzt keine Wut und keine Schwäche leisten.
Alec brauchte ihn.
Doch der Kloß in seinem Hals schwoll an.
Vor Kummer und Sorge um seinen Freund.
„Wie geht es dir?“, fragte Magnus Alecs Frage ignorierend.
„Ist das dein verdammter Ernst?“ Alec lachte kurz und trocken auf. Dann war er wieder still. Und Magnus konnte in seinen schönen Augen Wut und Trauer sehen.
„Mach das Licht aus, Magnus“, sagte Alec leise.
„Okay“, antwortete Magnus nur und schnippte mit den Fingern. Es wurde dämmrig.
Und wieder schwiegen sie.
Minutenlang. Und Magnus konnte das Eis in Alecs Glas klirren hören, als er es nun an den Mund setzte und trank.
Die Nacht rauschte, die Lichter der Stadt flimmerten, aber hier oben war es dunkel. Einsam und dunkel. Beinahe tat ihm das Atmen weh.
„Lass mich dir helfen, Liebling“, versuchte es Magnus erneut und machte einen Schritt auf Alec zu. Der jedoch sprang in dieser Sekunde auf und flüchtete sich nach hinten, ließ Magnus einfach stehen und wandte sich ab. Er konnte ihn nicht ansehen. Da war zu viel Schmerz.
„Alexander …“, flehte Magnus, doch Alec schüttelte nur mit dem Kopf.
„Alec … bitte …“ Magnus wusste nicht, was er noch tun sollte. Verzweiflung stieg in ihm empor. Pure, echte Verzweiflung und Traurigkeit. Der Kloß wurde größer, sein Magen verknotete sich und er hatte Mühe nicht irgendetwas in der Luft zerbersten zu lassen.
Alec knurrte:
„Wie ich schon sagte, du kannst mir nicht helfen. Du nicht …“ Er hob die Hand und stieß mit dem Finger in Magnus Richtung. Dabei kippte das Glas ein wenig und sein Inhalt schwappte auf die Fliesen unter ihm. Es war ihm egal. Es war ihm alles egal. Er wollte einfach nur, dass dieser Schmerz aufhörte. Dass er wieder atmen konnte. Doch das würde er nicht. Nie wieder. Denn ihm war ein Teil seiner Seele genommen worden. Ein Stück von ihm fehlte – seit sein Parabatei nicht mehr war. Seitdem Jace gegangen war.
„Alexa …“
„Nein“, sagte Alec bestimmt und drehte sich um, ließ Magnus stehen, ging durch die Tür nach drinnen und zielgerichtet auf die Bar zu, nur um sich einen neuen Drink zu mixen. Seine Hände zitterten und er verschüttete einen großen Teil. Doch er wischte ihn nicht weg. Denn auch Ordnung und Sauberkeit waren mit einem Male nicht mehr wichtig.
Magnus war ihm gefolgt und nun stand der Hexenmeister neben ihm und hielt ihn am Arm fest.
„Ich habe es versucht, Alec. Ich habe alles getan, was ich konnte.“ Diesen Satz hatte er schon gefühlte 1000 Male zu Alec gesagt, aber der wollte ihn nicht hören.
Er hörte ihm einfach nicht zu.
„Du hast ihn einfach sterben lassen“, flüsterte Alec und schaute Magnus nun das erste Mal, seit der zu ihm gekommen war, an. Magnus erschrak über Alecs Aussehen. Seine Augen waren rot, seine Haut leichenblass und seine Haare zerzaust. Seine Lippen waren glanzlos und seine Schultern gebeugt. Er sah so elend aus, dass Magnus ihn am liebsten einfach nur in die Arme genommen hätte. Er wollte ihn halten, ihn an sich drücken und ihm sagen, dass alles wieder gut werden würde. Aber das konnte er nicht. Denn es würde nicht wieder gut werden. Nicht so, wie es mal gewesen war. So viel stand fest.
Es konnte nur leichter werden – mit der Zeit.
„Ich musste mich entscheiden, Alec“, sagte Magnus ganz sacht. „Ich musste mich zwischen euch entscheiden, verstehst du das nicht?“
„Du hättest das nicht tun dürfen. Du hättest mich sterben lassen sollen, nicht ihn.“
„Alec, verdammt noch mal. Ist das dein Ernst?“
„Ohne ihn bin ich nicht mehr ich selbst. Mit ihm ist ein Teil von mir gestorben. Magnus. Ein Teil von mir ist tot. Und ich muss leben. Ich kann das nicht …“ Er trank das Glas, was er eben erst gefüllt hatte, in einem Zug leer und füllte nach.
‚Er wird sich kaputtmachen‘, schoss es Magnus durch den Kopf. ‚Er wird sich zugrunde richten.‘
Tränen schossen ihm in die Augen. Er blinzelte sie verzweifelt weg.
Wie sollte er seinem Freund nur helfen?
Er hatte ein langes Leben hinter sich, aber so etwas hatte er noch nicht erlebt.
So viel Schmerz und Selbsthass. Das war zu viel.
„Du weißt ganz genau, dass ich dich niemals hätte sterben lassen, Alexander. Du weißt, dass ich mich immer für dich entscheiden würde. Immer … und wenn du mir nun die Schuld gibst, dass ich dich liebe und dass ich dich egoistischerweise gerettet habe und nicht Jace, dann ist das so. Ich würde es immer wieder tun.“ Seine Stimme war laut geworden. Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle. Er sah, wie Alecs Augen sich zu Schlitzen verengten und wie die Wut, die er mühevoll zu unterdrücken versucht hatte die Oberhand gewann. Er hatte es verdrängt. Er hatte versucht den Schmerz und die Wut zu ersticken, aber das ging nicht mehr. Sie brodelte hoch. Sie kochte über und …
„Du verdammter Mistkerl“, rief Alec seinem Freund entgegen und stürmte auf Magnus zu. „Du verstehst nicht, was du getan hast.“ Er ließ das Glas fallen und hob die Fäuste. Magnus fing seine Hände auf, die nun versuchten gegen seine Brust zu schlagen.
„Doch, Alec, ich verstehe sehr wohl. Ich habe zugelassen, dass dein Parabatei gestorben ist und dass du nun das durchmachen musst, was du gerade durchmachst, aber ich hatte keine andere Wahl.“
Alec wich zurück.
„Doch … die hattest du.“
Hatte er die gehabt? Nein, er hätte niemals Alec sterben lassen können. Niemals.
Warum verdammt noch mal, war er vor die Wahl gestellt worden?
Vor diese Wahl, die er niemals hatte gewinnen können.
„Alec, bitte nicht. Lass mich nicht so hier stehen.“
„Du sollst verschwinden Magnus. Und mich in Ruhe lassen.“
„Nein, das werde ich nicht tun“, erwiderte Magnus fest, obwohl sein Innerstes gerade in Aufruhr war. Er wollte Alec packen und schütteln. Wollte ihm sagen, dass er ihn liebte, aber das ließ sein Freund nicht zu.
Alec machte dicht.
Noch mehr.
„Doch, das wirst du. Ich will dich nicht sehen.“ Alecs Stimme war wieder leiser geworden, doch Magnus schüttelte mit dem Kopf.
„Ich will dir helfen.“
„Nein. Geh!“, forderte Alec den Hexenmeister auf.
„Niemals“, hielt Magnus dagegen und seine Hexenaugen zeigten sich. Der Zauberglanz war viel zu schwach. Magnus konnte nicht mehr gegenhalten.
„Verdammt noch mal, Magnus Bane. Lass mich endlich allein. Ich will nicht, dass du mir hilfst. Ich will nicht, dass du da bist. Geh! Hau ab! Verschwinde aus dieser Wohnung!“, schrie Alec ihn nun an und zeigte zur Tür. Jetzt war Magnus seinerseits wütend und brüllte zurück:
„Das ist meine Wohnung.“
Alec blickte ihn überrascht an, dann nickte er.
„Das weiß ich“, wimmerte Alec nun und ließ die Arme sinken. Dann sackte er in sich zusammen. Magnus war mit wenigen Schritten bei ihm und fing ihn auf, bevor er auf den Boden fallen konnte.
„Es tut so weh“, flüsterte Alec in Magnus Armen und der strich ihm über den Kopf wie einem kleinen Kind, während er ihn hielt und dabei versuchte nicht selbst die Fassung zu verlieren.
„Ich weiß, Liebling. Ich weiß.“
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