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Mini Alec

von Mindy
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Humor / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
22.08.2021
31.12.2021
19
77.779
34
Alle Kapitel
165 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
 
22.08.2021 5.354
 
Mindy:
Hallo liebe LeserInnen!
Ja, die Sommerflaute ist mächtig im Moment und ich habe ja noch die Fortsetzung laufen, aber heute bin ich hier, um euch etwas ganz Besonderes vorzustellen:
Ein Projekt, an dem ich mit meiner hoch geschätzten Kollegin und Freundin TessaGray88 seit Monaten arbeite und heute soll es endlich das Licht der Welt erblicken.
Wobei, eigentlich sind es eher ProjektE.

Ich hatte vor über einem halben Jahr mal die Idee, dass es ja super süß und witzig wäre, wenn Alec durch einen verunglückten Zauber zu einem Kind werden würde. Andererseits wäre es auch süß gewesen, das Szenario an Magnus auszuprobieren.
Ich konnte mich nicht entscheiden und Tessa schlug vor, doch einfach beides zu schreiben – und zwar gemeinsam.Bis dato habe ich jahrelang keine FF mehr mit jemandem geschrieben, immerhin ist das herausfordernd, man muss zusammen passen, inhaltlich und stilistisch und ich hatte Zweifel, ob das aus der Ferne erfolgreich klappen kann. Aber Tessas hervorragender Stil hat mich überzeugt, es zu wagen, schon weil ich wusste, dass ihre Mithilfe die Idee so viel besser und schöner machen würde.

Und das hat sie ^___^

Wir haben beide FFs gemeinsam geschrieben. Ihr werdet nie erfahren, welche Teile von wem sind, denn obwohl wir natürlich Inhalte aufgeteilt haben, fließt das in allen Kapiteln letztlich ineinander und am Ende wussten wir selbst kaum mehr, wer eigentlich was geschrieben hat. XD
Genau, wie es sein sollte und ich hoffe, auch ihr bemerkt keine Brüche oder dergleichen!

Die zwei Geschichten haben also die gleiche Ausgangsidee, laufen aber unabhängig voneinander.

Diese harte und doch wunderschöne Arbeit möchten wir euch ab heute voller Stolz präsentieren.
Ihr habt euch also nicht verlesen, als ihr eben die beiden ähnlich klingenden FFs entdeckt habt, denn jede von uns postet jeweils eine der Geschichten.

Mini Alec kann man lose in meine vierte Staffel einordnen (knapp vor „Unter Verdacht“), Vorkenntnisse sind aber nicht nötig, wobei treue LeserInnen natürlich doch immer mal was Bekanntes finden werden ^^

So, nach meinem Roman, gebe ich mal an meine werte Kollegin weiter *verbeug*

Tessa:

„Was lange währt, wird endlich gut.“ – Ovid, (43 v. Chr. – 17 n. Chr.)

Wer mich und meine Geschichte „Zwischen den Welten“ kennt, der wird wissen, dass ich schon sehr lange daran arbeite und sie bis jetzt auch noch nicht abgeschlossen habe (ja, ich schulde euch noch einen Epilog *räusper*).

Nach 17 Jahren mit dem Schreiben wieder anzufangen hat sich als herausfordernd erwiesen und dann kamen private Dinge dazu, die einfach die eh schon knappe Freizeit zum Schreiben sehr, sehr eingeschränkt haben. Nun hatte ich aber nicht nur meine eigene Fanfiction zu erzählen… kurz nachdem ich mich hier angemeldet hatte, fand ich Mindy.
Aus einem anfänglichen Fangirlen meinerseits (ich schäme mich für nichts! XD) wurde eine einzigartige Freundschaft und wie das so ist in Freundschaften, hat Mindy mir von ihrer Idee erzählt, eine Fanfiction darüber zu schreiben, wie niedlich es doch wäre, wenn Alec wieder ein Kind wäre.
Nach längerem darüber Reden wurde schnell klar, dass es genauso niedlich wäre, wenn Magnus wieder ein Kind wäre – und wie gerne ich diese Idee mit ihr gemeinsam verfassen würde.

Und das haben wir getan!

Wie sie sagte, es war herausfordernd, aber auch voller Lachen, Mitgefühl und begeisterter, ewig langer Gespräche über Ideen. Die Charaktere haben uns währenddessen auf ihre eigene Reise entführt und auch ich bin wirklich stolz, was wir hier auf die Beine gestellt haben.

Beide:
In diesem Sinne, viel Spaß bei Mini MALEC! =D

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„Wünsche sind die beachtlichsten Brückenbauer und die mutigsten Begeher.“
~Elfriede Hablé~



Das erste Mal, als Magnus darüber nachgedacht hatte, dass die Zeit mit Alec niemals genug sein würde, war am Morgen, nachdem sie aus Edom zurückgekehrt waren.

Magnus war trotz all der kräftezehrenden Ereignisse der vorigen Stunden früh aufgewacht, war jedoch nicht aufgestanden, sondern hatte da gelegen und Alec beim Schlafen betrachtet.
Jede Sekunde hatte er innerlich zu Jahren gedehnt, jede Minute zu Jahrhunderten und Magnus war der Gedanke gekommen, dass er stundenlang weiter da liegen und Alec anschauen könnte, voller Frieden und Glück.

Den Nephilim ansehen, der bereit gewesen wäre, den Rest seines Lebens in der Hölle zu verbringen, um bei ihm bleiben zu können.

Den Nephilim, der ihn heiraten und damit ebenfalls den Rest seines Lebens mit ihm verbringen wollte.

Doch der Rest von Alecs Leben war, wie Magnus leider allzu gut aus vergangenen Erfahrungen wusste, nur ein Bruchteil seines eigenen Lebens und würde ihm niemals genug sein.

Vielleicht war in just diesem Augenblick der Wunsch in ihm aufgekeimt das Ende, das Alec unweigerlich irgendwann drohen würde, zu verhindern.

Doch er wusste, dass er diesem Samen keinen Nährboden geben durfte.
Wie immer hatte Magnus solche Gedanken daher in den letzten Winkel seines Verstandes gedrängt, um sich auf das Jetzt zu konzentrieren – und jetzt stand ihnen eine Hochzeit bevor.

Dennoch hatte der Keim erste Wurzeln geschlagen.

Jeder Tag mit Alec fühlte sich an wie ein ganzes Leben, so dass Magnus oft genug vergaß, dass es nicht ewig so weitergehen würde.

Daran wurde er einmal mehr an einem Samstagmorgen im Sommer erinnert.
Die ersten Sonnenstrahlen kletterten gerade zaghaft ins Zimmer und beleuchteten Alecs friedliche Züge. Er hatte den Arm um Magnus‘ Hüfte geschlungen, sein Kopf lag auf seiner Brust und er atmete ruhig und gleichmäßig.
Magnus lächelte verschlafen und wollte mit seiner Hand schon durch die Haare seines Mannes fahren, so wie er es oft tat, um ihn sanft zu wecken, als er überrascht innehielt. Zwischen all den dichten, dunklen Strähnen befand sich ein graues Haar.

Nur eines.

Der Anblick versetzte Magnus einen unerwartet heftigen Stich und für einen Moment rührte er sich nicht.
Natürlich, ihm war klar, dass Alec nicht für immer in seinen Zwanzigern und schon gar nicht für immer bei ihm sein würde und dieses einzelne Haar bedeutete gar nichts. Alec war noch so jung und stellenweise grau zu werden war gerade bei Dunkelhaarigen auch in diesem Alter durchaus normal.

Doch jetzt gerade, an diesem friedlichen Morgen, hatte dieser Anblick ihn so unvorbereitet getroffen, dass es Magnus die Kehle zuschnürte.

Sein sonstiges Credo, immer im Moment zu leben und nicht zu viel an die Zukunft zu denken, wurde durch dieses Haar hart auf die Probe gestellt; es war, als wäre es ein Bote drohenden Unheils, ein hässlicher schwarzer Fleck am Rande eines makellosen Gemäldes, den man zwar nur aus dem Augenwinkel wahrnahm, aber der einen dennoch unruhig sein ließ.
Zu oft hatte der Hexenmeister schon geliebt und war auf die eine oder andere Weise verlassen worden und daher hatte er sich geschworen, in der Gegenwart zu leben, da sich das Unvermeidliche ohnehin nicht verhindern ließ.
Zu viel über etwas zu grübeln, was man nicht ändern könne, führe zum Wahnsinn, wie ein weiser Schriftsteller einmal treffend festgestellt hatte.

So viel zur Theorie.

Aber das hier, jetzt...das war Alec.

Sein Alexander.

Sein Ehemann.

Seine große Liebe.

Der Mensch, der ihn besser kannte und verstand als jeder andere, der ihn mit allem, was er war, vervollständigte.

Der Mensch, den Magnus immer gesucht und schon fast nicht mehr zu finden geglaubt hatte.

Er konnte nicht verhindern, dass Angst in ihm hochstieg, gemeinsam mit allerlei düsteren, kummergetränkten, wilden Gedanken, und ihn erzittern ließ wie das gelbe Laub in Heines gleichnamigem Gedicht.
,Es fallen die Blätter herab. Ach, alles was hold und lieblich, verwelkt und sinkt ins Grab‘, rezitierte Magnus unwillkürlich in Gedanken die erste Strophe und schüttelte sich, als könne er die negativen Gefühle dadurch vertreiben, doch er konnte es nicht.

Er konnte ebenfalls nicht verhindern, dass die zarte Saat des Wunsches, Alecs Leben irgendwie zu verlängern, neuen Nährboden erhielt, als hätte dieses graue Haar das Pflänzchen aus der Dunkelheit von Magnus‘ Verstand ins Sonnenlicht gezerrt.

Doch erneut galt es, dies zu ersticken.

Magnus Lightwood-Bane wusste nur zu gut, dass es sowohl in der magischen als auch nicht-magischen Welt ungeschriebene Gesetze gab; Naturgesetze, die man nicht willkürlich verbiegen, Regeln, die man nicht brechen und Tatsachen, die man nicht verändern durfte.
Das gesamte Leben bestand aus einem äußerst fragilen Gleichgewicht aus Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten.
Wo Schatten war, musste auch Licht sein, wo Leben entstand, gab es gleichzeitig den Tod und die Zeit beschrieb den Gang der Welt ebenso wie Ereignisse im Leben jedes Wesens in eindeutiger, unumkehrbarer Weise. Sterblichen war es bestimmt, irgendwann ihr Ende zu finden und so sehr Magnus sich wünschte, in Alecs Fall etwas daran zu ändern – ihm war schmerzlich bewusst, dass auch ein solch mächtiger Hexenmeister wie er nicht würde abschätzen können, was ein derart schwerwiegender Eingriff in die natürliche Ordnung für Folgen haben konnte.

Folgen für ihn und, was wesentlich schlimmer wäre, für Alec.

Die Konsequenzen wären möglicherweise unvorstellbar, unerträglich und es nicht wert, einfach alles für einen einzelnen Menschen zu riskieren.

Selbst, wenn dieser einzelne Mensch einfach alles für Magnus war.

Gewaltsam riss er sich aus seinen düsteren Gedanken, rief seine Magie und färbte das Haar wieder dunkel.*

Er erzählte Alexander nichts davon.


Nach diesem Vorfall hatte Magnus all die diffusen, unstetigen und doch regelmäßig aufblitzenden Überlegungen, Alecs Leben und damit ihre gemeinsame Zeit irgendwie zu verlängern, durch die Entschlossenheit ersetzt, jede Minute mit seinem Ehemann in vollen Zügen zu genießen und aus jedem noch so kleinen Moment das Beste zu machen.

Bis jetzt.

Vor ein paar Wochen hatte Alec Geburtstag gehabt, doch trotz Magnus‘ großartiger Partyplanung – wenn auch nur im kleinsten Kreis, Alecs Wünschen entsprechend – schien Alec an diesem Tag häufig abgelenkt oder in Gedanken gewesen zu sein.
Magnus hatte sich dabei ertappt, dass er es ebenfalls gewesen war.
Jeder weitere von Alecs Geburtstagen brachte ihn dem Tag näher, an dem Magnus seinen geliebten Nephilim für immer verlieren würde.
Man müsste meinen, mit jedem schönen Moment, den man gemeinsam verbrachte, würde der kommende Abschied irgendwann leichter zu ertragen sein, weil man die gemeinsame Zeit ausgekostet hatte, doch dieses Mal empfand Magnus nicht so. Vielmehr fühlte er sich, als würde jede wundervolle Sekunde mit Alec es ihm noch schwerer machen, ihn irgendwann gehen lassen zu müssen.

So hatte besagter Geburtstag die Saat in seinem Herzen erneut zum Keimen gebracht und neue Triebe des drängenden Wunsches in ihm wachsen lassen, dass Alecs und seine wundervolle, einzigartige Geschichte doch nicht mit Alecs Tod ihr Ende finden musste.

Doch abermals hatte Magnus dieser Pflanze Licht und Wasser entzogen und in die Tiefen seines Verstandes zurück gezwungen, wo sie leider hingehörte.

Es war ihr einfach nicht bestimmt, Knospen auszubilden und zu erblühen.

~*~


Als Magnus bei seiner alten Wohnung in New York ankam, hatte er an all das bereits einige Tage nicht mehr gedacht.
Alec hatte heute eine längere Besprechung mit Izzy im Institut und hatte Magnus, der ihn hergebracht hatte, gesagt, dass er nicht auf ihn zu warten brauche.
Da dieser in Alicante jedoch heute keine Termine mehr hatte, war er ein wenig spazieren gegangen, hatte sich in seiner alten Stammbäckerei ein Croissant und einen Kaffee geholt und sich dann dazu entschlossen, der alten Wohnung einen kurzen Besuch abzustatten.
Wenn er schon einmal hier war, wollte er schnell in seinem Schrank mit den Zaubertrankzutaten nachsehen, ob er zufällig noch getrocknete Ziegengalle hatte.
Er hatte Alec darüber informiert, falls dieser doch früher aus der Sitzung käme als angenommen, und lief nun die Stufen hinauf, den breiten Flur entlang und ließ die Tür mit einem Fingerschnipsen aufgehen.

Andächtige Stille und der Geruch von Staub empfingen ihn.

Magnus seufzte und atmete tief ein. So sehr er sein Leben mit Alec zusammen in Alicante liebte, ab und zu dachte er doch wehmütig an dieses Loft zurück.
Diese Wohnung hatte schon so vieles gesehen: Partys, verflossene Liebhaber, Streits, Versöhnungen…und viele wundervolle Momente der Beziehung zwischen Alec und ihm. Außerdem war New York einfach eine seiner liebsten Städte.

Nach einem kurzen Moment des Schwelgens gab er sich einen Ruck und trat zu den Regalen mit seinen Zutaten. Er ließ seinen Zeigefinger an den verschiedenen Gläsern und kunstvollen Gefäßen entlangfahren und fand nach einem kurzen Moment, wonach er gesucht hatte. Er nahm den gut gefüllten Behälter an sich und wollte sich schon abwenden, als ihm etwas ins Auge fiel.
Neben dem kleinen Fläschchen mit der Galle, ein bisschen versetzt dahinter, stand einer seiner edleren Glasbehälter, aus milchigem Glas und mit Einlagen aus Blattgold.

Magnus erstarrte in der Bewegung.

Ganz vorsichtig, mit angehaltenem Atem, griff er erneut ins Regal und holte das Glas hervor. Ihm war komplett entfallen gewesen, dass er diese seltene Zaubertrankzutat noch hatte. Sie war sehr alt und äußerst selten, sogar schon seit Jahrhunderten vom Antlitz der Erde getilgt worden; ausgestorben, aufgrund von Bebauung und Umweltverschmutzung.
Die Schattenseiten des menschlichen Fortschritts.
Zögerlich öffnete Magnus den Deckel und sah hinein. Ein sanfter Geruch von leicht verwelkten Blumen stieg ihm in die Nase, als er sich die asymmetrisch geformten, lavendelfarbenen Blüten besah.

Eine dunkle Erinnerung, vergraben in den Tiefen seines Gehirns, forderte bei diesem Anblick eindringlich seine Aufmerksamkeit.

Sie zeigte komplizierte und gleichzeitig wunderschöne Magie, an der Magnus sich in noch sehr jungem Alter einmal versucht hatte:
Einen Zauber, um die Wirkung der Zeit zu verändern. Töricht und jung war er gewesen, hatte seine Kräfte noch überschätzt und sich einen Namen in der Schattenwelt machen wollen, indem er mit verschiedenen Formen von Zeitzaubern experimentiert hatte. Sie hatten zwar als unmöglich und gefährlich gegolten, waren aber nicht verboten gewesen und hatten daher einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn ausgeübt.
Kleinere und einfachere Zauber waren kein Problem für ihn gewesen und vom Erfolg beflügelt, hatte er schnell riskantere Herausforderungen gesucht – und gefunden.
Und allen, die vorhergesagt hatten, dass er an diesem seltenen und mächtigen Zauber scheitern würde, hatte er das Gegenteil beweisen wollen.

Doch sie hatten Recht behalten.

Nicht nur, dass Magnus sich bei dem Versuch fast selbst umgebracht hatte, es hatte ihn auch noch eine Etage seines Hauses, seine kleine Sammlung seltener Bücher und einige Zaubertrankzutaten gekostet. Von den armen Tieren in der Nähe, die durch den heftigen Energieausstoß ihr Leben verloren hatten, ganz zu schweigen.
Danach wurden alle Zeitzauber von den Ältesten im Spirallabyrinth unter Verschluss gehalten und strengstens überwacht.

Es war einfach viel zu gefährlich.

Diese Lektion hatte Magnus damals demütig lernen müssen und seither auch die Finger davon gelassen – nicht zuletzt wegen der wirklich unangenehmen Strafe der Hexenmeistergemeinde, erinnerte er sich.
Obwohl selbst die Ältesten indirekt zugegeben hatten, dass Magnus‘ Versuche recht brillant gewesen waren, hatte er teuer dafür bezahlt. Die Stimme der schamerfüllten Vernunft, in Gestalt des Obersten Ältesten von damals, dröhnte wieder laut in seinem Kopf, so, als wäre es erst gestern gewesen.
Unwillkürlich schüttelte er sich.

Und dennoch...

Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der er mit wild klopfendem Herzen einfach nur dastand, das Kristallfläschchen in der Hand und den Blick auf die Blüten gerichtet – dass sie die Explosion damals überstanden und er sie aufgehoben hatte, hatte er genauso vergessen wie dieses eher dunkle Kapitel in seinem Leben – verschafften sich andere, ungebetene Stimmen Gehör.

Stimmen, die ihm sagten, dass er jetzt sehr viel weiser, sehr viel älter und sehr viel erfahrener war als damals. Dass er denselben Zauber vielleicht erfolgreich meistern könnte, wenn er eine andere Herangehensweise finden würde.
Sicher hatte er seine Notizen dazu irgendwo hier in seinen ganzen Büchern.

Und eine andere, lautere Stimme, die ihn davor warnte, denselben Fehler ein zweites Mal zu begehen. Sie erinnerte ihn daran, dass er beschlossen hatte, sich nicht in die Gesetze der Natur einzumischen, dass es immer eine Konsequenz, einen Preis zu bezahlen gab.

Er sah plötzlich deutlich Alecs Gesicht vor seinem inneren Auge; die dunklen Haare, die grünbraunen Augen mit diesem liebevollen Blick, den der Schattenjäger nur Magnus zuteil werden ließ.

Der Blick, der ohne Worte ausdrückte, dass Magnus seine Welt war.

Dieser Trank, wenn er Magnus richtig gelänge, könnte dafür sorgen, dass Alecs Körper nicht mehr alterte, quasi aus dem Zeitgeschehen heraustrat – als gäbe es einen kleinen Riss darin, der ermöglichte, dass die Zeit an sich zwar normal weiter lief, ihr mahlender Zahn Alec aber nichts mehr anhaben könnte, solange er den Trank regelmäßig zu sich nahm. Als würde die Zeit für ihn, und zwar nur für ihn, stehen bleiben.

Die Pflanze der Hoffnung in seinem Herzen begann explosionsartig zu erblühen.

Schließlich zuckte Magnus mit den Achseln und sagte laut in die Stille hinein: „Es schadet ja nicht, wenn ich nur ein wenig durch meine Aufzeichnungen lese.“


Und das tat er.

Die nächste halbe Stunde verbrachte er damit, seinen beachtlichen Besitz, der sich über die Jahrhunderte angesammelt hatte, durchzusehen. Er fand die gesuchten Notizen schließlich in einer Erstausgabe von H.G. Wells mit dem Titel „The Time Machine“ und kam nicht umhin, über seinen makabren Sinn für Humor den Kopf zu schütteln.
Selbstverständlich hatte er eine Form eines Zeitzaubers in einem Buch über eine Zeitmaschine versteckt. Er erinnerte sich wieder daran, wie er das Buch 1895 gekauft hatte. Beim Lesen hatte er sich natürlich wieder an den missglückten Trank von damals erinnert und nach dem Genuss einiger Gläser Sherry zu viel hatte er es zutiefst amüsant gefunden, das Rezept hervorzukramen und in dieses Buch zu stecken.

Nun, da er sich diesen Zauber ansah, um vielleicht Alecs Altern aufzuhalten, fand er es überhaupt nicht mehr amüsant.

Er konzentrierte sich und studierte das Pergament, das an den Kanten abgegriffen und nachgedunkelt war, aufmerksam. Es dauerte nicht lange, die Fehler in seinen Berechnungen zu finden – sie sprangen ihm entgegen, als wären sie mit einem Leuchtstift markiert.
Ja, er war definitiv älter und erfahrener geworden.
Magnus schritt zurück zu seinen Vorräten, fuhr mit den Augen die Liste und mit dem Finger die Gläser entlang und stellte fest, dass er sogar alles da hätte. Erneut las er die Aufzeichnungen sorgfältig durch, holte Papier und Stift, schrieb alles sauber ab und korrigierte währenddessen Zutaten, Mengen und die Angaben, in welcher Reihenfolge welche Zutat in den Trank kam und wie man ihn umrühren musste.

Eine weitere Stunde war dabei vergangen, ohne dass er es gemerkt hatte und als er schließlich das Gefühl hatte, alles korrekt berechnet zu haben, verwandelte sich das euphorische Hochgefühl, etwas Neues erschaffen zu haben, schlagartig in Beklemmung.

Wenn er sich nicht irrte – und das tat er nur selten – hatte er gerade wahrhaftig einen Weg gefunden, um Alecs Altern zu stoppen.

Sekunden wurden zu Minuten, während Magnus reglos mit gesenktem Kopf auf seine schwungvolle Handschrift blickte und fast vergaß zu atmen. Eine Strähne seiner schwarzen Haare fiel ihm in die Augen, doch er bemerkte es kaum.
Magnus war schon so lange auf dieser Erde, dass es nicht mehr viele Dinge gab, die ihn aus der Ruhe bringen konnten – die in schwarzer Tinte fein säuberlich aneinander gereihten Wörter taten dies jedoch.
Das Herz schlug ihm bis zum Hals und er schluckte nervös, während die Gedanken wild in seinem Kopf umherwirbelten.
Er könnte Alexander vielleicht wirklich sehr viel länger bei sich behalten, als es das Schicksal ihnen zugedacht hatte, möglicherweise für immer!

Für immer...unsterblich zu sein war nicht so glamourös, wie es sich anhörte.

Es konnte eine Bürde sein, war wie eine goldene Kette, die einen ans Leben band und die man aus Angst vor dem Unbekannten nicht durchtrennte. Nicht jeder würde dies wollen.
Und Alec?
Ja, Alec hätte sich in einen Vampir für ihn verwandeln lassen, doch das war damals wohl eher eine Kurzschlussreaktion aus Angst gewesen, er hatte nicht richtig überlegt, was das wirklich für ihn bedeutete...

Wie würde er jedoch darüber denken, wenn er eine reelle, greifbare Möglichkeit zur Unsterblichkeit bekäme?

Ohne Alecs Zustimmung würde Magnus natürlich ohnehin nichts unternehmen, also waren all dies nur Gedankenspielereien und bevor er mit ihm über all das redete, sollte er zuerst sicher gehen, dass es funktionierte.

Oder nicht?

Was wären wohl die Konsequenzen, wenn er diesen Zauber wirklich ausführte?

‚Man darf am Schicksal eines Wesens nichts ändern, Magnus!‘, ermahnte ihn die Vernunft eindringlich durch den Sturm seiner tosenden Gedanken.
,Aber es geht hier um Alexander!‘, drängte sein Herz.
Seine Hände begannen zu zittern und er legte das Blatt hin, stützte sich mit beiden Händen auf der Tischplatte ab.

War es wirklich so verwerflich, dass er dies aus ganzem Herzen wollte?

Die Stille, die über dem Appartement lag, dröhnte in seinen Ohren.
Magnus schloss die Augen, atmete mehrmals tief ein und aus. Erneut zogen Erinnerungen durch seinen Verstand, doch dieses Mal wunderschöne.

Das erste Mal, als er Alec gesehen hatte.

Ihr erster Kuss, Magnus‘ Handflächen waren ganz schwitzig vor Aufregung gewesen.

Ihr erstes Date und das bittere Gefühl der Enttäuschung, als Alec sich umgedreht hatte, um die Wohnung zu verlassen. Und dann – Erstaunen und ein allumfassendes Glücksgefühl, als er sich doch für ihn entschieden hatte.

Alec, der mit ihm im Bett lag und ihn fragte, was seine größte Angst sei.

Alec, der Madzie auffing, als sie auf ihn zu rannte.

Alec mit Pfeil und Bogen, immer bereit, Magnus zu verteidigen.

Alecs wunderschönes Lächeln.

Magnus schlug die Augen auf und setzte sich in Bewegung, holte Zutaten und Utensilien aus den Schränken und Regalen und brachte alles zum großen Tisch in der Mitte des Raumes.
Vermutlich hatte er sich schon entschieden, als er die Blüten entdeckt hatte, doch diesen Gedanken schob der Hexenmeister erfolgreich beiseite.

Mit entschlossener Miene fing er an zu arbeiten.

~*~


Magnus hob den Blick, als er die Tür hörte.

Er hatte so konzentriert vor sich hingearbeitet, dass er die Zeit vollkommen vergessen hatte, aber das konnte nur eine Person sein.
„Alexander“, sagte er, als sein Ehemann den Kopf ins Zimmer steckte und lächelte. Sofort ließ Magnus Trank Trank sein und ging auf ihn zu, um ihn zur Begrüßung zu küssen. „Was machst du hier?“
„Die Sitzung war früher zu Ende und nachdem du schriebst, du seist hier, dachte ich, dass ich zur Abwechslung mal dich abhole.“
Alec erwiderte den Kuss und sah dann an Magnus vorbei auf den Tisch, wo inmitten verschiedener halbvoller Gefäße und Büschel getrockneter Pflanzen, die er nicht kannte, ein großer gusseiserner Kessel stand, aus dem zarte lavendelblaue Dampfschwaden aufstiegen.
„Wie ich sehe, hast du dir die Zeit gut vertrieben“, bemerkte Alec interessiert. „Was ist das denn?“ Vermutlich ein Auftrag für einen Klienten.
„Nun, ich versuche mich an etwas, das wahrlich neu ist, doch ich bin zuversichtlich“, sagte Magnus lächelnd. Er war sogar sehr zuversichtlich, doch obwohl er mit dem Gang seiner Bemühungen bisher sehr zufrieden war, wollte er Alec noch nichts verraten. Das wollte wohl durchdacht werden.

Noch während Magnus darüber nachsann, veränderte sich die Farbe des Gebräus und die zart schimmernden Dämpfe verdichteten sich zu dickem, dunkelrotem Nebel.
Alec zog eine Augenbraue nach oben und zeigte misstrauisch darauf. „Bist du sicher? Das sieht nicht nach viel Zuversicht aus.“
„Hm? Oh.“ Magnus lief zurück zum Tisch und lugte nachdenklich in den Kessel.
Oh? Ich bin kein Hexenmeister, aber das zu hören ist niemals ein gutes Zeichen.“
„Entspann dich, Alexander“, beruhigte Magnus seinen Gatten und schüttete, nach einem prüfenden Blick, eine silberne Mixtur in den Kessel. Panik war niemals ein guter Ratgeber, obwohl Magnus ein Ziehen von Sorge verspürte. Immerhin war dies der wichtigste Trank, den er jemals zubereitet hatte. Dies wollte er sich Alec gegenüber aber nicht anmerken lassen.
„Zudem sah es schon schlimmer aus, wenn du dich daran versucht hast, für uns zu kochen.“
Wirklich, Magnus?“, fragte Alec mit leicht beleidigtem Unterton. Leider stimmte es, dass Izzy und er in diesem Punkt unverkennbar Geschwister waren, denn sie beide hatten einfach kein Händchen für das Kochen. Doch Alec war sehr ehrgeizig und inzwischen brannte ihm nichts mehr an – und ab und zu hatte Magnus das Lob über sein Essen sicher nicht nur gesagt, weil er ihn liebte, sondern es auch so gemeint.
„Roter Dampf stieg jedenfalls nie aus meinen Kochtöpfen hervor. Und so bedrohlich gezischt hat es auch noch nie.“ Alec trat neben Magnus, der in dem Kessel rührte und weitere Pulver hinzufügte.
Das Brodeln nahm zu und wurde beunruhigend laut.
„Hast du das wirklich im Griff?“
„Selbstverständlich.“
„…Magnus?“
„…sagen wir, ich bin ziemlich sicher.“
Doch Magnus‘ Handbewegungen wurden zunehmend hektischer, was für Alec ein eindeutiges Zeichen dafür war, dass er sich keineswegs sicher war.
„Für mich sieht es eher danach aus, als würde das gleich hochgehen. Besser, du entsorgst es.“
„Ich habe eben schon versucht, die Mixtur zu neutralisieren, aber es wirkt nicht“, sagte Magnus verwirrt. Hastig überflog er seine Notizen noch einmal, suchte einen Fehler, der hierzu geführt hatte, damit er ihn noch beheben konnte.
Doch er fand nichts.
Sollte er sich im Topf vergriffen haben? Vielleicht war auch irgendeiner seiner Vorräte abgelaufen, veraltete Zutaten konnten bisweilen für unvorhergesehene Reaktionen sorgen…vielleicht die Blüten, die ihn erst dazu gebracht hatten, sich an diesem Trank zu versuchen.
Seine Berechnungen jedenfalls waren korrekt, er hatte sie schließlich mit konzentrierter Sorgfalt angepasst und die Formel verändert, es sollte nicht so enden wie das letzte Mal.

Es durfte nicht so enden wie das letzte Mal!

Er versuchte das zunehmend flaue Gefühl in seinem Magen ebenso zu ignorieren, wie die leise Stimme in seinem Hinterkopf, die eine deutliche Botschaft für ihn hatte:
Ich hab's doch gesagt.
„Magnus…“, sagte Alec eine Spur drängender, weil die Flüssigkeit im Kessel so heftig zu brodeln begann, dass sie jede heiße Quelle vor Neid hätte erblassen lassen.
„Schon gut, ich zaubere eine Schutzkugel darum, damit die Energie problemlos abflachen kann. Tritt zurück“, bat der Hexer und rief seine Magie. Blau strömte sie aus seinen Händen und bildete eine Kuppel um den Kessel samt der daraus hervortretenden Dampfschwaden.
Während er dies tat, versuchte er das Gefühl maßloser Enttäuschung, welches ihm die Kehle eng werden ließ, zu ignorieren. Er war wohl erneut gescheitert…das sollte ihm endlich Beweis genug sein, dass man sich in Angelegenheiten der Zeit nicht einmischen durfte.
Man konnte dem Tod kein Schnippchen schlagen, mit keinem Trank und keinem Zauber dieser Welt.
Es wurde Zeit, dass er diese Pflanze in sich, die diese Hoffnung immer wieder nährte, endlich mitsamt ihrer Wurzeln herausriss und das Unvermeidliche ein für alle Mal akzeptierte, wie er es schon so viele, schmerzhafte Male davor getan hatte.

„Wird das genügen?“, fragte Alec misstrauisch, was Magnus veranlasste, mit den Gedanken wieder ins Diesseits zurückzukehren und sich zu sammeln, um seinem Mann beruhigend einen seiner feinsten Also bitte, mit wem redest du hier? Blicke zuzuwerfen.
Wenigstens musste er Alec nie von seinem Plan erzählen. Sich selbst diese Niederlage einzugestehen, würde schwer genug werden.
„Ich habe es im Griff“, versicherte Magnus erneut.
Allerdings nahm der Nebel ebenso zu wie das Blubbern im Kessel, dessen inzwischen schwarzer Inhalt über den Rand zu treten begann.
„…das ist wirklich merkwürdig, so sollte es eigentlich nicht reagieren…“, murmelte Magnus, der verwirrt und gleichzeitig fasziniert darüber war, wie die unbekannte Kombination der Zutaten miteinander reagierte. Da er neugierig war und auf die Standhaftigkeit seines Schutzzaubers vertraute, trat er wieder näher heran.
Alec wiederum vertraute Magnus und dessen Fähigkeiten wie er auf sonst nichts vertraute – außer auf seinen Instinkt als Kämpfer und dieser ließ im Moment alle Alarmglocken schellen.
„Magnus, nicht!“, warnte er und folgte seinem Mann.
„Keine Sorge, Alexander, ich habe alles unter…“

In dem Moment, als die schwarze Flüssigkeit mit dem Schutzzauber in Berührung kam, erfüllte ein gleißendes Licht den Raum, welches mit einer Sekunde Vorlauf das Kommende ankündigte.

Der Hexenmeister war davon vollkommen überrascht, für Alec jedoch reichte dies.
„Magnus!“, rief er und sprang mit einem schnellen Satz nach vorne.
Mit beiden Händen stieß er seinem Mann kräftig gegen die Brust, was diesen so unvorbereitet traf, dass er fast zwei Meter nach hinten und durch die offene Tür in das nächste Zimmer geschleudert wurde.
Unsanft fiel er auf den Rücken, ruckte jedoch sofort wieder auf und sah Alec im gleißenden Licht des Zaubers stehen, als dieser mit einem lauten Knall explodierte.
„ALEXANDER!“, schrie Magnus panisch und wollte aufspringen, doch die Druckwelle hielt ihn am Boden fest.
Platschende Geräusche deuteten an, dass der Schutzzauber in sich zusammengefallen war und der Inhalt des Kessels sich gerade im Raum verteilte.
Die Energie pulsierte durch den Raum wie eine Horde wilder Hengste und raubte Magnus für einen Augenblick alle Sinne samt der Luft zum Atmen.

Es dauerte einige Sekunden, bis Magnus‘ Gehör und Sehkraft wieder vollständig ihren Dienst aufnahmen und er tief durchatmen konnte.

Noch etwas benommen blinzelnd hob er den Kopf.
„Alec?!“
Mit klopfendem Herzen stolperte er auf die Füße und rannte in das Zimmer zurück. Von dem Kessel war nur noch ein dampfender Rest zerstörten Metalls übrig, als hätte genau dort ein kleiner Meteor eingeschlagen. Die Überreste des Gefäßes waren ebenso im Zimmer verteilt wie Überbleibsel des Tranks, die sich gerade dampfend verflüchtigten.
Ansonsten hatte der Raum die Explosion – vermutlich nur dank des Schutzzaubers – recht glimpflich überstanden. Ein furchtbarer Gestank nach verfaulten Eiern erfüllte das Appartement und es wäre wohl ratsam, ein Fenster zu öffnen, doch alles, was Magnus‘ Verstand beherrschte, war Alec.
Voller Furcht flog sein Blick durch das Zimmer und sein Herz verkrampfte sich schmerzhaft, weil er ihn nicht sofort entdeckte.
„Alexander?!“ Hektisch ruckte Magnus‘ Kopf hin und her, während er das Gefühl der Panik niederkämpfte. Er musste Alec finden, er musste ihn bestimmt heilen, denn zweifellos hatte der explodierte Trank ihn getroffen.
Doch Alec stand nicht mehr dort, wo Magnus ihn eben noch hatte stehen sehen und auch sonst entdeckte er ihn nirgends.

Das ergab keinen Sinn!

Alec musste hier sein…war er durch die Wucht der Explosion aus dem Raum geschleudert worden? Oder war am Ende gar nichts mehr von ihm übrig?
Blankes Entsetzen breitete sich sturzflutartig in Magnus‘ Körper aus, als ihm dieser furchtbare Gedanke kam.
Gerade wollte er panisch ins Wohnzimmer rennen, als er unter dem großen Tisch Schuhe und zwei leere Hosenbeine entdeckte.
„Alexander?!“ Verwirrt bückte Magnus sich und blickte unter den Tisch. „Alex –“

Was der Hexenmeister dort sah, ließ so viele widersprüchliche Gefühle gleichzeitig in ihm aufeinandertreffen, dass er sich an der Tischkante festhalten musste, um nicht von ihnen umgeworfen zu werden.

Heiße Erleichterung durchflutete ihn, als er seinen Mann unter dem Tisch sitzen sah, augenscheinlich ohne Verletzungen und vor allem lebendig.
Eiskaltes Grauen lähmte ihn jedoch angesichts dessen Zustandes: Auf einem Kleiderbündel aus Jeans, Unterwäsche und Schuhen saß ein maximal zehn Jahre altes Exemplar von Alec!
Das Hemd war ihm runtergerutscht und der Halsausschnitt hatte an den Schultern gestoppt, so dass es wirkte, als trüge der Junge das Hemd als Kleid, denn würde er stehen, würde es ihm sicher bis zu den nackten Knöcheln reichen.
Warme Zuneigung floss durch Magnus, als Alec ihn mit unendlich großen Augen ansah und in seinem jungen Gesicht die gleiche Verwirrung zu lesen war, die er selbst empfand, gepaart mit einer offensichtlichen Hilflosigkeit.
„Alexander“, sagte Magnus sanft, obwohl seine Stimme zittrig war vor Anspannung. „Ist alles in Ordnung?“
Magnus hatte erwartet, dass Alec mit einer Mischung aus Entrüstung und Panik auf seinen verjüngten Zustand verweisen und ironisch fragen würde, ob er denn so aussähe.

Doch das tat der kleine Junge nicht.

„Woher kennst du meinen Namen?“, fragte er und blickte Magnus mit einem Misstrauen an, das ihm sofort verriet, dass Alec keine Ahnung hatte, wer er war.
Jetzt überkam den Hexenmeister klirrende Angst, dennoch blieb er ruhig und lächelte, ohne sich Alec zu nähern, um ihn nicht zu verschrecken. Dabei schrie alles in ihm danach, ihn zu umarmen und nach Verletzungen abzusuchen.
„Ich kenne ihn, weil wir…Freunde sind“, erwiderte Magnus sanft. „Ich bin Magnus.“
Alecs Blick war prüfend, analysierend, in einer Weise, wie man es einem so kleinen Kind gar nicht zutrauen würde. „Niemand nennt mich Alexander. Nicht meine Geschwister und nicht einmal meine Eltern. Außer manchmal, wenn sie sauer sind oder ich im Training versage.“
Also erinnerte Alec sich offenbar an seine Familie…das war eine wichtige Information für Magnus, der den Sturm aus umherwirbelnden Gedanken in seinem Kopf nur mühsam zur Ruhe bringen konnte, um sich auf die momentane Situation konzentrieren zu können.
„Ich nenne dich fast immer Alexander. Der Name hat einen schönen Klang, so edel und einzigartig, wie sein Träger.“

Und spätestens, als sich wegen des Kompliments ein leichter Rotschimmer auf Alecs Wangen legte, war für Magnus eindeutig, dass dies hier ohne jeden Zweifel sein Ehemann war.
Nur in einer Mini-Version.

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* Inspiration:
https://me.me/i/alec-was-asleep-magnus-spotted-the-first-gray-hair-in-13368196


So viel zum ersten Kapitel...ja, Tessa und ich sind uns zum Glück einig, was die Länge von Kapiteln angeht XD
Wer das hier süß fand, den verweise ich - GANZ uneigennützig natürlich! - an Mini Magnus, das gefällt euch dann sicher ebenso gut ;)

Ansonsten freuen wir uns auf Sterne, Favos, Kommis...was es halt so gibt XD

*wink*
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