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Mini Magnus

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Humor / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
22.08.2021
31.12.2021
19
89.818
29
Alle Kapitel
152 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
22.08.2021 4.015
 
Mindy:

Hallo liebe LeserInnen!
Ja, die Sommerflaute ist mächtig im Moment und ich habe ja noch die Fortsetzung laufen, aber heute bin ich hier, um euch etwas ganz Besonderes vorzustellen: Ein Projekt, an dem ich mit meiner hoch geschätzten Kollegin und Freundin TessaGray88 seit Monaten arbeite und heute soll es endlich das Licht der Welt erblicken. Wobei, eigentlich sind es eher ProjektE. ;)
Ich hatte vor über einem halben Jahr mal die Idee, dass es ja super süß und witzig wäre, wenn Alec durch einen verunglückten Zauber zu einem Kind werden würde. Andererseits wäre es auch süß gewesen, das Szenario an Magnus auszuprobieren.
Ich konnte mich nicht entscheiden und Tessa schlug vor, doch einfach beides zu schreiben – und zwar gemeinsam.
Bis dato habe ich jahrelang keine FF mehr mit jemandem geschrieben, immerhin ist das herausfordernd, man muss zusammen passen, inhaltlich und stilistisch und ich hatte Zweifel, ob das aus der Ferne erfolgreich klappen kann. Aber Tessas hervorragender Stil hat mich überzeugt, es zu wagen, schon weil ich wusste, dass ihre Mithilfe die Idee so viel besser und schöner machen würde. Und das hat sie ^___^

Wir haben beide FFs gemeinsam geschrieben. Ihr werdet nie erfahren, welche Teile von wem sind, denn obwohl wir natürlich Inhalte aufgeteilt haben, fließt das in allen Kapiteln letztlich ineinander und am Ende wussten wir selbst kaum mehr, wer eigentlich was geschrieben hat. XD Genau, wie es sein sollte und ich hoffe, auch ihr bemerkt keine Brüche oder dergleichen!

Die zwei Geschichten haben also die gleiche Ausgangsidee, laufen aber unabhängig voneinander.

Diese harte und doch wunderschöne Arbeit möchten wir euch ab heute voller Stolz präsentieren. Ihr habt euch also nicht verlesen, als ihr eben die beiden ähnlich klingenden FFs entdeckt habt, denn jede von uns postet jeweils eine der Geschichten.

Vorkenntnisse sind nicht nötig, wobei treue LeserInnen natürlich doch immer mal was Bekanntes finden werden ^^So, nach meinem Roman, gebe ich mal an meine werte Kollegin weiter *verbeug*

Tessa:

„Was lange währt, wird endlich gut.“ – Ovid, (43 v. Chr. – 17 n. Chr.)

Wer mich und meine Geschichte „Zwischen den Welten“ kennt, der wird wissen, dass ich schon sehr lange daran arbeite und sie bis jetzt auch noch nicht abgeschlossen habe (ja, ich schulde euch noch einen Epilog *räusper*). Nach 17 Jahren mit dem Schreiben wieder anzufangen hat sich als herausfordernd erwiesen und dann kamen private Dinge dazu, die einfach die eh schon knappe Freizeit zum Schreiben sehr, sehr eingeschränkt haben. Nun hatte ich aber nicht nur meine eigene Fanfiction zu erzählen… kurz nachdem ich mich hier angemeldet hatte, fand ich Mindy.

Aus einem anfänglichen Fangirlen meinerseits (ich schäme mich für nichts! XD) wurde eine einzigartige Freundschaft und wie das so ist in Freundschaften, hat Mindy mir von ihrer Idee erzählt, eine Fanfiction darüber zu schreiben, wie niedlich es doch wäre, wenn Alec wieder ein Kind wäre. Nach längerem darüber Reden wurde schnell klar, dass es genauso niedlich wäre, wenn Magnus wieder ein Kind wäre – und wie gerne ich diese Idee mit ihr gemeinsam verfassen würde. Und das haben wir getan!

Wie sie sagte, es war herausfordernd, aber auch voller Lachen, Mitgefühl und begeisterter, ewig langer Gespräche über Ideen. Die Charaktere haben uns währenddessen auf ihre eigene Reise entführt und auch ich bin wirklich stolz, was wir hier auf die Beine gestellt haben.

Für die Mindy-LeserInnen: Mini Magnus hier lässt sich ungefähr vor „Liebeszauber“ einordnen.

Beide:
In diesem Sinne, viel Spaß bei MINI MALEC! :D

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„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“
~Murphys Gesetz~


Es war ein ganz normaler Samstagmorgen.
In einem äußerst geschmackvoll eingerichteten Schlafzimmer in einem Land in Europa, das man auf keiner normalen Landkarte finden konnte, lag Magnus Lightwood-Bane in einem zur erlesenen Einrichtung passenden Bett und betrachtete seinen Mann Alec beim Schlafen. Ein seltenes Ereignis – denn meistens war Alexander vor ihm wach – und Magnus genoss es daher umso ausgiebiger.
Die ersten Sonnenstrahlen des Tages warfen ein schwaches, graublaues Licht durch die Fenster und ein farbenprächtiger Sonnenaufgang eroberte in der Ferne den Horizont von Idris, doch Magnus‘ Aufmerksamkeit konnte das Naturschauspiel nicht gewinnen.
Er lag auf der rechten Seite, auf seinem Ellbogen aufgestützt und hatte ein leichtes Lächeln im Gesicht, während er sich im Dämmerlicht Alexanders Züge einprägte, die im Schlaf so viel weicher und unschuldiger wirkten als sonst. Er strich seinem Mann eine Strähne seines zerzausten, schwarzen Haares aus dem Gesicht und beugte sich vor, um ihm einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben. Alec regte sich leicht und die Decke rutschte dabei von seinen Schultern. Magnus ertappte sich dabei, wie sein Blick dem Weg des Satinstoffes von der Halsbeuge über die kräftigen Schultern bis zu den geschwungenen Linien von Alecs Oberarmmuskeln folgte.
Seit einem Jahr wohnten sie nun in Alicante. Noch ein bisschen länger waren sie jetzt verheiratet und doch war Magnus immer wieder von der Heftigkeit seiner eigenen Gefühle für seinen Mann überrascht. Er begehrte Alexander wie am ersten Tag, sogar noch mehr. Ihre Beziehung hatte sich entwickelt, an Tiefe gewonnen.

Vorsichtig tastendes Anvertrauen war zu bedingungslosem Vertrauen geworden.

Schwärmen und verliebt sein war zu unerschütterlicher Liebe gereift.

Und eine sexuelle Anziehungskraft, zuerst nur bedingt durch Äußerlichkeiten, war einem alles verschlingenden Feuer und gleichzeitig stetigem, beständigem Glühen gewichen.

All das war in Magnus‘ Augen dafür verantwortlich, dass sein wunderschöner Ehemann sich in ihrer Beziehung mittlerweile vollständig fallen lassen und zuweilen sogar überraschende Dinge tun konnte. Dinge, die selbst er mit all seiner Lebenserfahrung nicht erwartete.
Während er darüber nachdachte und sein intensiver Blick von Alecs in weinrotem Satin gehüllter Kehrseite wieder nach oben wanderte, begegnete er einem verschlafenen und amüsiert-verlegenen Blick aus den grünbraunen Augen, die er so liebte.
„Guten Morgen“, flüsterte sein Schattenjäger und rutschte an ihn heran, legte einen Arm um Magnus‘ Oberkörper und ein Bein über dessen Hüfte.
Er drückte seine Lippen an Magnus‘ Schlüsselbein und murmelte: „Alles Gute zum Jahrestag. Hast du mich etwa beim Schlafen beobachtet?“
„Vielleicht“, schmunzelte der Hexenmeister, zog Alec seinerseits an sich und fuhr mit den Fingerspitzen über die weiche Haut und die harten Muskeln seines Rückens.
„Ich beobachte dich gerne, Alexander. Und es freut mich außerordentlich, dass du dich an den heutigen Anlass erinnert hast.“ Heute jährte sich nämlich der Tag, an dem Magnus zum Obersten Hexenmeister von Alicante ernannt worden war.

Er ließ seine Finger in langsamen, streichenden Bewegungen auf und ab wandern und kraulte mit der anderen Hand Alecs Nacken. Von diesem kam nur ein unartikulierter Laut, als er seine eigenen Hände ebenfalls auf Wanderschaft schickte und Magnus‘ Schulter mit kleinen Küssen bedeckte. Zufrieden brummend und noch etwas müde genoss Alec die Berührungen seines Mannes und streckte sich ihm entgegen. Der Schattenjäger liebte das Kuscheln am Morgen, wenn alles irgendwie anders war, weicher, wärmer, zärtlicher. Mit geschlossenen Augen atmete er tief den vertrauten Geruch nach Sandelholz ein und schmiegte sich an seinen Ehemann, der ihn sanft küsste.
Nach einer Weile wurden die Küsse länger und leidenschaftlicher. Alec zog Magnus auf sich und während der flammende Himmel draußen vor den Fenstern in den schönsten Rot- und Rosatönen erstrahlte, leuchtete es im Schlafzimmer der Lightwood-Banes grün-golden.

Ein wenig später – die Sonne war inzwischen aufgegangen – fand sich Alec, nur mit einer Decke um die Hüften bekleidet, inmitten eines opulenten Frühstücks wieder. Magnus saß ihm auf dem breiten Bett gegenüber, ebenfalls nur seine Decke über sich ausgebreitet und grinste ihn an.
„Wer soll das nur alles essen, Magnus?“, fragte Alec gespielt entsetzt, doch dann lächelte er breit. Er schätzte es immer wieder, wenn Magnus ihn mit solchen Kleinigkeiten überraschte und verwöhnte. Eigentlich hätte er das heute für seinen Mann machen wollen, doch Magnus hatte abgewunken.
„Du weißt doch, mit Magie geht es schneller“, waren seine Worte gewesen, während besagte Magie zwischen seinen Händen blaue Funken warf und dann – lagen plötzlich auf einer sehr großen und schwer aussehenden Schiefertafel zwischen ihnen frische Croissants, Butter, gekühlte Marmelade in kleinen, hübschen Gläsern und verschiedene Käsesorten neben zwei Tassen dampfendem Kaffee. In einer flachen Porzellanschüssel präsentierten sich verschiedenste Früchte von ihrer besten Seite und ein gläserner Krug mit frischgepresstem Orangensaft, neben einem Weidenkorb voller Brötchen, machte das Frühstück vollkommen. Mit einem Fingerschnippen zauberte der Hexenmeister zwei Sektflöten aus dem Nichts hervor, eins in seine Hand und eins in die von Alec. Die roséfarbene Flüssigkeit perlte in den langstieligen Gläsern, während sie sich anblickten. Alec hob seines leicht an und neigte es in Magnus‘ Richtung.

„Auf dich, den ersten Obersten Hexenmeister von Alicante und ebenfalls den besten, den die Gemeinschaft der Schattenjäger je gesehen hat. Auf ein erfolgreiches Jahr, das allen Zweiflern gezeigt hat, was in dir steckt. Ich bin wirklich stolz auf dich, Magnus.“
Magnus lächelte und stieß mit seinem Glas leicht gegen das von Alec. Lob hörte er immer gerne, doch aus dem Mund seines Ehemannes klang es süßer und schmeichelnder – wie alles.
„Und auf dich, Alexander. Danke für deine bedingungslose Unterstützung.“
Alec kräuselte ein wenig verlegen die Nase, dann lächelte er. „Immer.“
Sie tranken beide einen Schluck Sekt und als ihm die süße Flüssigkeit gleich sehr angenehm zu Kopf stieg, merkte Alec erst, wie hungrig er eigentlich war.

„Es tut mir übrigens leid, dass ich mir für heute nicht komplett frei nehmen konnte“, sagte er, während er sich eine Frucht aus der Schüssel nahm. Wochenenden hatten für einen Inquisitor meist nur bedingt eine Bedeutung. „Doch bis zum Mittag gehöre ich ganz dir.“
„Nichts höre ich lieber aus deinem Mund“, erlaubte Magnus sich mit einem schelmischen Zwinkern zu sagen und Alec fragte sich wieder einmal, wie jemand, der so alt war und schon so viel gesehen und erlebt hatte, dennoch eine so erfrischend-freche Art haben konnte. Er selbst war mit dem Alter immer nur ernster geworden, wobei sich das ein wenig relativiert hatte, seit er Magnus kannte.
„Und was hast du heute vor?“
„Nun, wie du weißt wäre so ein Anlass ein vortrefflicher Grund für eine ausschweifende Feier, aber aufgrund meiner laufenden Anträge bei der Konsulin…“
„Wegen der Erlaubnis für einen permanenten Wetterzauber?“
„Bezüglich der Genehmigung für mehr Lautstärke zu später Stunde.“
„Ah ja.“ Alec erinnerte sich. Wenn Magnus etwas wichtig war, das musste er ihm lassen, war er sogar bereit, schwindelerregende Berge der Bürokratie zu erklimmen.
„Jedenfalls will ich das deswegen eher an einem späteren Zeitpunkt nachholen. Am Abend können wir also gemütlich gemeinsam irgendwo essen gehen, vielleicht in diesem hübschen Restaurant in Rom. Bis dahin will ich noch ein wenig arbeiten, ein paar Aufträge für Montag fertigstellen.“ Der Hexenmeister rollte eine Traube zwischen den Fingern auf und ab.
„Hm“, machte Alec, dem etwas Marmelade auf das Knie getropft war, da er es mit dem Beschmieren seines Brötchens zu gut gemeint hatte. „Dann ist dein Pflanzenwuchsmittel fertig geworden?“
An diesem Trank hatte Magnus wochenlang gearbeitet und dabei teilweise sehr unflätig geflucht – in mindestens vier verschiedenen Sprachen.
„Exakt. Das heißt, heute werde ich es fertig stellen. Allerdings dient es weniger dem Wachstum, das wäre zu auffällig in Mundie-Gebieten, sondern der Erneuerung…sagen wir, kürzlich abgestorbene Pflanzen erhalten eine Verjüngungskur.“
Gerade bei verwelkten Blumen oder verdorbenen Früchten gab es so die Chance, ihnen noch einmal zu Schönheit und Frische zu verhelfen, was in manchen Regionen für die Ernährung der Bevölkerung Wunder bewirken konnte.

Obwohl Magnus wirklich stolz auf diese Leistung war, wurde seine Aufmerksamkeit, noch während er sprach, allerdings zum zweiten Mal an diesem Morgen von dem Wunder in seinem Bett angezogen: Alec, der sich mit dem Finger die Marmelade vom Knie wischte und diesen dann in verboten sinnlicher Weise zwischen seine Lippen schob und ihn ableckte.

Das hätte Magnus vielleicht nur betrachten und genießen können, doch als Alecs Zunge dann seine Lippen teilte und damit noch mehr Marmelade von seiner Oberlippe entfernte, schnippte er das komplette Frühstück einfach vom Bett auf die Kommode, beugte sich vor und küsste seinen überraschten Mann, der nicht einmal gemerkt hatte, wie sexy er gerade aussah, leidenschaftlich. Plündernd fuhr Magnus‘ Zunge durch Alecs Mund, schmeckte die Süße der Marmelade und spürte dabei die Wärme seines noch immer schlafwarmen Körpers – und als er sich rücklings in die Laken fallen ließ, Alec mit sich ziehend, kam er zu dem Schluss, dass Nahrungsaufnahme überbewertet wurde.

~*~


Als sie am späten Vormittag endlich aus dem Bett kamen, ging Alec in die Dusche und Magnus lief in sein Arbeitszimmer, wo der fast fertige Trank, über den sie sich vorhin unterhalten hatten, auf ihn wartete.
Er musste nur noch ein paar Zutaten hinzufügen, dann konnte er ihn am Montag seinen Kunden verkaufen.

Während Alec unter das wohltuend warme Wasser stieg, das angenehm auf seine Haut prasselte, stahl sich ein verträumtes Lächeln auf sein Gesicht. Er ließ den Morgen in Gedanken noch einmal Revue passieren und sein Herz zog sich vor lauter Liebe zusammen, als er daran dachte, wie Magnus sich darüber gefreut hatte, dass er, Alec, an den heutigen Tag gedacht hatte.

Doch wie hätte er das vergessen können?

Natürlich, für Außenstehende mochte es objektiv betrachtet ein scheinbar unwichtiger Moment sein: Jemand war seit einem Jahr in einem neuen Amt tätig.
Und doch bedeutete es so viel mehr für Magnus. Es bedeutete auch viel für ihn und für die Unterweltler und Schattenjäger. Es war nicht nur ein Beweis für die großartigen Fähigkeiten seines wundervollen Ehemannes, sondern ebenso ein Meilenstein in seinen eigenen Bemühungen, Unterwelt und Nephilim zu einer Gemeinschaft ohne Klassenunterschiede zu vereinen.
Alec war nicht eitel oder machthungrig; er verfolgte dieses Ziel aus Gründen der Gerechtigkeit und weil es schon lange überfällig gewesen war, nach den Hunderten an Jahren, die sie als Bewohner der Schattenwelt schließlich schon nebeneinander existierten. Ungerechtigkeiten, Willkür und Übervorteilung hatten schlicht nichts mit der Aufrechterhaltung des Gesetzes zu tun, geschweige denn mit ihrer Mission, die Menschheit vor Dämonen zu schützen.
,Ja‘, dachte er, schäumte einen Klecks Shampoo zwischen seinen Handflächen auf und wusch sich dann die Haare, ,heute ist wirklich ein besonderer Tag.‘

Am späten Nachmittag würde er dabei sein, wenn die Konsulin eine Auszeichnung an Magnus überreichte, eine Wertschätzung für seine Arbeit – und gleichzeitig eine Überraschung für seinen Mann, der davon noch nichts ahnte. Es würde eine kleine Versammlung geben, die wichtigsten Persönlichkeiten Alicantes würden anwesend sein, ebenso seine Familie und Magnus‘ beste Freundin Catarina, zusammen mit ihrer Ziehtochter Madzie sowie einige weitere Freunde und Bekannte.
Izzy, Jace, Clary und Simon hatten sofort versprochen zu der Verleihung zu kommen und Alec freute sich darüber. Seit er in Idris wohnte, sah er sie alle viel zu selten und auch wenn er inzwischen beruflich wieder öfter im New Yorker Institut vorbeischauen musste, war es natürlich kein Vergleich zu früheren Zeiten.

Er drehte das Wasser ab, stieg aus der Dusche und griff nach einem der flauschigen dunkelblauen Handtücher, die Magnus passend zur Badezimmereinrichtung gekauft hatte, um sich abzutrocknen. Dieses schlang er sich anschließend um die Hüfte, putzte seine Zähne, richtete seine Haare kurz mit den Fingern und verließ anschließend das Bad.
Er musste ins Büro; die Vorbereitungen für die Versammlung waren mit ein Grund gewesen, weshalb er sich nicht den ganzen Tag hatte frei nehmen können. Als er aus der Tür trat, musste er kurz innehalten und blinzeln, weil ihn die Sonne vom gegenüberliegenden Fenster blendete. Mit der Hand vor den Augen lief er zum Kleiderschrank, am Bett vorbei, wo die immer noch zerwühlten Laken ein eindeutiges Bild malten, das seine Gedanken auf andere...Aktivitäten des Morgens lenkte. Mit einem verliebten Grinsen auf dem Gesicht und einem Kribbeln im Bauch schlüpfte er in seine Hose.

Er wollte gerade die Knöpfe an seinem Hemd schließen, als ein markerschütterndes Krachen ertönte.

Was, beim Erzengel...?!

Ohne bewusst darüber nachzudenken, stürmte Alec los und griff sich im Lauf einen von Magnus‘ antiken Dolchen von einer Kommode im Flur. Bei ihnen gab es solche Gegenstände in der Waffenkammer, sein Ehemann benutzte sie als Brieföffner oder zur Dekoration.
„Magnus?!“, rief er und spürte einen Luftzug über sein Gesicht streichen. Im selben Moment entdeckte er, dass die massive Holztür zum Arbeitszimmer aus den Angeln gerissen worden war und auf dem Flurboden in zwei Teile zerschmettert dalag.

Er bekam keine Antwort auf seinen Ruf.

Sofort begann er, sich Sorgen zu machen, doch er blieb in Bewegung, sprang über die Teile der Tür hinweg und landete katzengleich in der Hocke in Magnus‘ Arbeitszimmer, wo er sich aufrichtete und umsah.

Was er sah, ließ seinen Atem stocken.

Der einst elegant eingerichtete Raum, der seinen Mann so widerspiegelte wie kein anderes Zimmer in ihrem Loft, schien komplett verwüstet zu sein. Dichter schwarzer Rauch hing in der Luft, sodass Alec erst einmal nicht viel mehr erkennen konnte als angebrannte Papiere, die wie Federn zu Boden schwebten, was auch den verkohlten Geruch erklärte.

Er trat näher, den Dolch vor sich erhoben.

Wo war Magnus?

Was war hier passiert?

Sein Blick suchte hastig die verrauchte Umgebung ab und fiel auf einen Klumpen Metall auf dem Holztisch in der Mitte des Raumes, inmitten einer Pfütze aus schwarzer Flüssigkeit.

War das…Magnus‘ Kessel?

War etwas mit dem Trank schiefgelaufen?

„Magnus!“, rief er erneut, dringlicher diesmal. Sein Herz, das ihm bis zum Hals klopfte, versuchte er zu ignorieren.

Langsam lichtete sich der beißende Rauch, sodass er mehr sehen konnte. Automatisch senkte er seinen Blick auf den Boden, denn wenn der Zaubertrank explodiert war, würde sein Mann doch sicher bewusstlos dort liegen. Das musste er, denn eine andere Variante, eine schlimmere, verbot er sich energisch auch nur in Erwägung zu ziehen.
Erneut spürte Alec einen sanften Wind, der ihm durch die noch feuchten Haare fuhr und sein offenes Hemd flattern ließ.

Wie konnte hier Wind...?

Ruckartig hob er den Kopf.

Als er es sah, fragte er sich, wie es ihm nicht sofort beim Betreten des Raumes hatte auffallen können – in ihrer Decke prangte ein riesengroßes, zerklüftetes Loch.

Sonnenstrahlen bahnten sich nur mühsam einen Weg durch den Dunst, der immer noch in der Luft hing. Nun wurde es eindeutig schwerer, das wilde, angstvolle Pochen seines Herzens zu ignorieren.
„MAGNUS!“
Statt einer Antwort hörte der Schattenjäger ein schabendes Geräusch und dann fiel direkt neben seinem Kopf ein Steinbrocken vorbei, gefolgt von einer Staubwolke und lauter kleinen Steinchen. Das Betonstück zerschellte auf dem Boden und sein Blick wirbelte herum, um den Ursprung des Geröllregens nachzuverfolgen, denn vielleicht lag Magnus gar nicht bewusstlos auf dem Boden des Arbeitszimmers, sondern es hatte ihn durch die Decke geschleudert...noch während er das dachte, erkannte er durch die Rauchschwaden eine kleine Gestalt, die am ausgefransten Rand des Loches saß. Die kurzen Beine baumelten nach innen ins Zimmer. Alec kniff die Augen gegen das Licht zusammen und blinzelte nach oben.

Ein Paar grüngoldener Augen musterten ihn interessiert aus dem Gesicht eines kleinen Jungen mit brauner Haut und pechschwarzen Haaren.

Der Junge legte den Kopf schief und betrachtete Alec eine Weile. Alec konnte seinerseits ebenfalls den Blick nicht abwenden...ein ungutes Gefühl beschlich ihn langsam, kroch seinen Nacken hinauf wie eine Gänsehaut.

Die Augen...konnte es sein...?

Schließlich grinste das Kind und ließ eine Reihe weißer Milchzähne hervorblitzen, die in seinem rußbeschmierten Gesicht hell leuchteten.
„Hei kau, kamu siapa?“*
„…“ Es vergingen einige Sekunden, bis Alec seinen ungläubig geöffneten Mund dazu überreden konnte, Worte zu artikulieren. Dabei stellte er fest, dass er erst einmal tief durchatmen musste, weil er unbewusst die Luft angehalten hatte.
„Magnus“, sagte er leise und starrte den kleinen Jungen, er mochte um die zehn Jahre alt sein, mit einer Mischung aus Entsetzen und Fassungslosigkeit an.
Der Junge legte den Kopf schief und sprach erneut in einer anderen Sprache, von der Alec vermutete, dass es Indonesisch war. Das wäre logisch, denn es war Magnus‘ Muttersprache – und so unrealistisch, unglaubwürdig und verrückt es wäre, Alec hatte schon nach dem ersten Blick in seine Katzenaugen intuitiv gewusst, dass er hier eine Kind-Version seines Ehemannes vor sich hatte. Abgesehen davon trug er noch den azurblauen Morgenmantel, der allerdings ziemlich schmutzig und zerrissen war und ihm mehr wie ein Kleid um den kleinen Körper hing.

Ob das wohl mit dem Verjüngungseffekt des Zaubertrankes zu tun hatte, von dem Magnus vorhin beim Frühstück erzählt hatte?

Hatte der Trank...Magnus...verjüngt?

Was, bei allen Engeln nochmal, war hier nur schiefgelaufen?

Alec hatte gedacht, der Trank wäre für Pflanzen, nicht für Menschen! Die herumwirbelnden Fragen in seinem Kopf beiseite schiebend, versuchte er sich zu konzentrieren.
Die oberste Priorität hatte jetzt erst einmal sein Mann. War er verletzt worden? Er musste sich überzeugen, doch leider verstand er kein Indonesisch.

Ohne den Jungen aus den Augen zu lassen, fischte Alec sein Handy aus der Hosentasche, das er beim Anziehen zum Glück eingesteckt hatte, und googelte nach dem erstbesten Übersetzer. **
„Keine Sorge, alles wird gut“, sagte er gleichzeitig beruhigend, obwohl der Junge nach wie vor eher neugierig als verängstigt aussah. Er saß auf einem der übrig gebliebenen Dachbalken wie auf dem Ast eines Baumes, den er aus purem Übermut erklommen hatte und beobachtete Alec weiterhin höchst interessiert.
Als er wieder etwas sagte, hielt Alec das Handy in die Luft.
„Du kannst kein Indonesisch? Das ist ja komisch“, kam es blechern aus dem Lautsprecher. „Wer bist du? Ich kenne dich nicht.“
„Ich bin Alec“, erwiderte der Schattenjäger, wobei sein Herz sich sorgenvoll zusammenzog.
Vielleicht hatte Magnus durch die Explosion – oder was auch immer genau passiert war – sein Gedächtnis verloren. „Kannst du mich verstehen, Magnus?“
„Ja. Ich kann auch so sprechen“, erwiderte der Junge in einer Mischung aus Indonesisch und Englisch.*** „Was ist ein Magnus?“
„Ähm…“ Alec erinnerte sich, dass der Hexenmeister ihm einmal erzählt hatte, dass Magnus nicht sein eigentlicher Geburtsname sei, was bedeutete, er erkannte dies noch gar nicht als seinen Namen.
„Das…ist dein Name“, sagte Alec dennoch, weil er nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Im Moment wusste er ohnehin verdammt wenig.
„Ach so.“ Magnus nickte und schien ganz und gar nicht verwirrt. „Das wollte ich schon eine Weile machen, mich anders nennen meine ich. Eine gute Wahl, das klingt schön.“
„…ja…? Gut…also, Magnus, du…“
„Du heißt also Alec?“, unterbrach der Junge ihn und sprach immer weniger in seiner Muttersprache, in die er wohl aufgrund der merkwürdigen Situation zurückgefallen war.
Magnus mochte sich möglicherweise an nichts mehr erinnern können, aber dass er mehrere Sprachen beherrschte, auch jene, die Alec sprach, schien offenbar in seinem Unterbewusstsein verankert und abrufbar zu sein.
„Ja. Alexander. Erinnerst du dich nicht an mich? Ich bin dein Ehemann.“
Jetzt machte das Kind große Augen. „Ehemann?“  
„Ja…das...weißt du auch nicht mehr?“, fragte Alec besorgt und fürchtete, den kleinen Magnus mit dieser Nachricht völlig zu überfordern.

So, wie er das bisher einschätzen konnte, hatte Magnus nicht nur das Aussehen, sondern auch die Erinnerungen seines zehnjährigen Selbst. Hätte man ihm in diesem Alter offenbart, er wäre als Erwachsener mit einem Mann verheiratet, hätte er wohl erst einmal vehement abgestritten, Jungs überhaupt zu mögen und wäre dann panisch geflüchtet. Der junge Hexenmeister sah jedoch erstaunlich gefasst aus.

„Eigentlich bist du groß…erwachsen, meine ich…aber das erkläre ich dir besser später.“ Am besten, wenn Alec selbst verstand, was hier verflucht nochmal los war.
„Ich bin eigentlich groß und du mein Ehemann?“, wiederholte Magnus und runzelte einen Moment konzentriert die Stirn. „Das klingt komisch. Also, wenn ich groß wäre, dann vielleicht nicht, aber jetzt bist du doch viel zu alt für mich.“
„…“ Wenn Alec so etwas je zu Magnus gesagt hätte, hätte der ihn wohl ans Ende der Welt gezaubert.
„Aber du bist richtig hübsch, also ist das vielleicht doch in Ordnung.“
„…!“ Alec war sich ziemlich sicher, dass Magnus nicht wirklich begriff, was er ihm da erzählt hatte. Er würde es später noch einmal in Ruhe versuchen.
„Gut, Magnus, können wir jetzt…“
„Und ich mag deinen Namen. Sag ihn nochmal.“ Inzwischen sprach Magnus problemlos Englisch.
„Ich heiße Alec.“
„Nein, das andere.“
„Ach so. Alec ist eine Abkürzung für Alexander. Du nennst mich meistens Alexander.“
„Das klingt viel schöner. Alexander…“, sagte Magnus mit einem feinen Lächeln auf den Lippen. „Schön dich kennenzulernen, Alexander.“

Spätestens jetzt gab es für Alec keinen Zweifel mehr – das hier war sein Ehemann. Nur in einer Mini-Version.

~*~


__________________________________________________________________________________

* Magnus sagt hier „Hey du, wer bist du?“

** Eigentlich funktioniert in Alicante laut den Büchern keinerlei moderne Technologie, doch zum Glück sind wir hier im Seriensegment ;)

***Es wäre logisch hier Deutsch zu schreiben, da wir ja Deutsch sprechen, nicht Englisch, doch der Authentizität zu Liebe haben wir uns hier für Englisch entschieden, passend zur Serie, die im Original ja auch in Englisch gedreht wurde :)
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