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Of Love and Monsters

von Lion 2000
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Sci-Fi / P12 / FemSlash
Beca Mitchell Emily Junk
21.08.2021
20.01.2022
24
47.857
3
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36 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.11.2021 1.250
 
For the people we lost

Immer noch bebend, stolperte Beca den Gang entlang, nicht wirklich wissend in welche Richtung sie sich eigentlich bewegte. Irgendwann blieb sie einfach stehen und lehnte sich schwer atmend mit dem Rücken gegen die Wand. Als ihr Hinterkopf das feuchte Metall berührte schloss sie zittrig durchatmend die Augen. Um Ehrlich zu sein konnte sie immer noch nicht wirklich fassen, was alles in den letzten Stunden passiert war-oder besser gesagt, was alles aus dem Ruder gelaufen war…
Langsam krochen wieder die Aufnahmen aus der Kommandozentrale, vor ihr geistiges Auge: Fliehende Menschen, in Ruinen liegende Städte, Feuer, Tod…Beca wünschte, sie könnte diese Bilder wieder vergessen, doch etwas sagte ihr, dass das nicht möglich sein würde. Genauso wie es unmöglich für sie war, das Gefühl von Grauen und Angst zu vergessen, welches sie gespürt hatte, als sie vor fünf Jahren selbst mitten in solch einer Katastrophe, wie sie jetzt weltweit stattfanden, gesteckt hatte. Für einen kurzen Moment überlegte Beca zwar kurz, zur Kommandozentrale zurück zu gehen, um nachzusehen wie die Lage war, doch sie entschied sich rasch dagegen, da sie wusste, dass sie einen weiteren Anblick von soviel Leid und Zerstörung einfach nicht ertragen würde können.
Während sie so da stand und ihre düsteren Gedanken weiter kreisten, lies Beca langsam und ganz unbewusst ihre Hand zu dem Ring an der Kette um ihren Hals gleiten. In dem Moment als ihre Finger das zierliche Objekt umschlossen, schoss plötzlich eine Erinnerung an ein Ereignis, welches sich vor nicht mal 10 Monaten ereignet hatte, in ihr Gedächtnis.
Es war der Abend gewesen an dem Emma ihr das erste Mal von dem Plan zur Erweckung der Titanen erzählt hatte. Sie hatten beide am Esstisch gesessen und Beca war ziemlich nervös, sowie verunsichert über das was ihr die Ältere gerade eben offengelegt hatte, gewesen. Schlussendlich hatte Emma einfach nur mit ruhiger Stimme und einem irgendwie hoffnungsvollem Lächeln gemeint, ,,Weißt du…ich denke einfach, dass wir…nicht nur die Möglichkeit haben, den Planeten vor seiner Zerstörung zu retten, sondern auch…etwas zu tun was die Menschen die wir…die wir verloren haben stolz machen würde…nämlich indem wir die Welt retten…“.
Ihre Zweifelaustreibungs-Taktik hatte auf jeden Fall funktioniert-für Beca, aber wahrscheinlich auch für Emma selbst. Es war das gewesen, woran Beca sich die ganze Zeit festgeklammert hatte-Der Gedanke, dass sie Teil von etwas war, was nicht nur trotz der Schattenseiten, am Ende etwas positives bewirkt haben würde können, sondern auch Chloe stolz machen würde, wenn sie noch am Leben wäre. Es war ein selten dummer und naiver Gedanke gewesen, wenn sie jetzt daran zurückdachte, denn wie hätte Chloe das jemals gut heißen können? Chloe, der es schon immer am wichtigsten gewesen war Menschen zu helfen, die gestorben war bei dem Versuch eben genau da zu tun, weil sie einfach nicht egoistisch genug sein konnte, um ein einziges Mal nicht an andere zu denken. Das war ja auch ein, wenn nicht sogar der entscheidende Hauptgrund gewesen, warum Beca sich damals so sehr in sie verliebt hatte. Weil sie nie davor zurückgeschreckt war für andere Menschen da zu sein, ganz gleich was das für Konsequenzen für sie selbst auch haben mochte.
Und hier stand Beca nun, Teil eines Plans gewesen seiend der mit etwas, was man einfach nur als den Untergang der Welt bezeichnen konnte, geendet hatte. Chloe wäre nicht stolz gewesen, niemals…und das nicht erst nach dem Monster Zero-Fiasko, sondern auch bereits vorher als das Vorhaben laut Emma noch als halbwegs ,,sicher“ galt. Sie hätte bestimmt nicht anders als Emily reagiert, wenn sie von dem Plan erfahren hätte, wäre genauso entsetzt und enttäuscht vorn ihr gewesen…
Beca schluckte schwer und biss sich auf die zitternde Unterlippe, ihre Hand umklammerte den Ring mittlerweile so fest, dass das Metall schmerzhaft in das Fleisch ihrer Handfläche drückte. Die bittere Erkenntnis, dass die Person, von der Beca sich im Tiefsten Innern eingeredet hatte, das alles für sie zu tun niemals eine einzige ihrer Taten in letzter Zeit gut geheißen hätte, traf sie so heftig, dass es sich so anfühlte als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen werden.
Eine erste Träne wand sich ihren Weg Becas Wange hinab, als eine Mischung aus schmerzhaften Emotionen in ihr aufwallten: Schuld, Angst, Verzweiflung…Es war als würden all die Ereignisse und Erkenntnisse der letzen Stunden verbunden mit den dazugehörigen Gefühlen auf Beca niederprasseln. Der Überschwall an negativen Emotionen fühlte sich wie eine gigantische Welle an, die sie zu erdrücken drohte und am Atmen hinderte. Plötzlich merkte Beca, dass sie am ganzen Körper zitterte, während sie von Schwindel und Übelkeit  gleichermaßen gepackt wurde.
Irgendwie schaffte sie es dann doch noch sich von der Wand fort zu bewegen und den Gang entlang zu stolpern. Ihr war ganz gleich, wohin sie ihre taumelnden Schritte hintrugen, Hauptsache sie stand nicht mehr einfach nur an die kalte Wand gepresst. Mit jedem Meter den Beca weiterging, stiegen ihr weitere Tränen in die Augen,  doch trotz ihrer irgendwann komplett versperrten Sicht machte sie keine Anstalten stehen zu blieben. Während sie das Geräusch flackernder Lampen über sich hören konnte, war die Mischung aus Schuld und Verzweiflung ein schmerzhafter Stich für sie und immer wieder musste sie aufkeimende Schluchzer unterdrücken.
,,Beca? Was…Was ist los?!“.
Die brünette Wissenschaftlerin musste erst einige Tränen weg blinzeln, bis sie die Silhouette vor sich, als Emily die besorgt auf sie hinab blickte,  registrieren konnte. Für ein paar Atemzüge sah Beca die Jüngere einfach nur mit in Tränen schwimmenden Augen an und als sie den Mund öffnete um etwas zu sagen, merkte sie erst so richtig wie zugeschnürt ihre Kehle bereits war. Schlussendlich flüsterte sie einfach nur mit bebenden Lippen, ,,Ich…Ich h-hab die g-ganze Zeit gehofft, d-dass…dass ich etwas tun k-kann, w-was Chloe s-stolz…m-machen würde…“. Sie atmete zittrig ein und aus, ihre Stimme klang immer erstickter, so dass sie sich nicht sicher war, wieviel Emily von dem was sie sagte eigentlich verstand. ,,Und…und j-jetzt…h-hab ich…i-ich nichts weiter g-getan, als…a-als bei der Ermordung der W-Welt z-zu helfen…u-und-“.
Weiter kam sie nicht. Ein Schluchzer durchfuhr ihren Körper und ihre Kehle gab jetzt endgültig sämtliche angestaute Tränen frei, so dass innerhalb von nur Sekunden Beca nichts anderes mehr als diesen salzigen Geschmack auf ihrer Zunge wahrnehmen konnte.  Ihre Knie gaben nach, doch Emily war bereits da, um sie aufrecht zu halten und Beca sackte förmlich in ihren Armen zusammen. Während die kleine Brünette ihr tränennasses Gesicht in Emilys graues Sweatshirt vergrub und von immer heftiger werdenden Schluchzern geschüttelt wurde, strich die Jüngere immer wieder sanft ihr übers Haar, wobei sie ununterbrochen beruhigende Worte flüsterte. Keiner von beiden wusste wie viel Zeit verging, in denen sie so verharrten und Becas Schluchzer das einzige waren, was man im Korridor zu hören war.
Aber es gab eine Sache der sich Beca absolut sicher war: Das Gefühl in Emilys Armen gehalten zu werden, gab ihr Kraft und den notwendigen Halt, der sie davon abhielt gänzlich von ihrer Misere verschluckt zu werden. Die Tatsache, dass Emily, trotz alldem was Beca getan hatte, noch bereit war ihr Trost zu spenden und für sie da war, gab ihr tatsächlich ein Gefühl von unfassbarer Erleichterung.  Als Beca’s Schluchzer irgendwann wieder verebbten, presste Emily sogar-wenn auch etwas zögerlich-einen sanften Kuss seitlich gegen ihren Kopf, als unausgesprochenes Zeichen dafür, dass sie weiterhin für Beca da sein würde, komme was wolle…
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