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Muggeline und der Meister der Zaubertränke

von eve001
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
19.08.2021
23.06.2022
45
191.509
111
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
23.09.2021 2.186
 
Kapitel 7: Wahre Freundschaft

Severus Snape war Ordnung sehr wichtig. Sowohl in seinem Büro in London als auch in seinem Arbeitszimmer in Hetfield House duldete er keinerlei Unordnung. Alles hatte seinen angestammten Platz: Angefangen vom Tintenfässchen an der rechten Ecke seiner Schreibtischunterlage bis hin zu seinem Brieföffner, der parallel zur Tischkante vor ihm lag. Auf seinem Tisch gab es nur zwei Aktenstöße: Die Akten, die er noch zu erledigen hatte, und jene, die bereits abgearbeitet waren – alle fein säuberlich gestapelt. Umso mehr ärgerte es ihn deshalb, dass er seine Schreibfeder mit der vergoldeten Spitze nicht finden konnte. In der Schublade, wo er sie normalerweise aufbewahrte, weil er sie nur so selten benutzte, war sie nicht. Er hatte sie auch nicht irrtümlicherweise zwischen die Akten gesteckt oder gedankenverloren an einen anderen Platz gelegt. Sie war verschwunden.
Severus kroch sogar unter seinen Schreibtisch und tastete den Fußboden nach der Feder ab, doch außer ein bisschen Staub (Wofür hatte er eigentlich Dienstmädchen?) und einer alten Pfund-Münze fand er dort nichts.
Als es an der Tür seines Arbeitszimmers klopfte, richtete er sich so schnell auf, dass er sich den Kopf an der Tischkante anschlug.
„Herein, verdammt noch mal!“, zischte er und rieb sich seinen schmerzenden Hinterkopf.
„Hältst du das für eine angemessene Begrüßung?“, fragte seine Mutter pikiert und betrat sein Arbeitszimmer.
„Tut mir leid.“ Er seufzte und erhob sich vom Teppichboden. „Was kann ich für dich tun?“
„Ich wollte fragen, wie lange dein… Gast“, sie verzog dabei das Gesicht, als hätte sie einen unangenehmen Geruch in der Nase, „noch bleibt.“
„Was hat Duncan nun schon wieder gemacht?“
„Er stellt den Dienstmädchen nach und erschreckt sie.“
Severus seufzte erneut. Duncans eigenartiger Sinn für Humor hatten ihm gerade noch gefehlt. „Ich spreche mit ihm.“
„Gut.“ Sie beobachtete für einen Moment ihren Sohn dabei, wie er den Schubladen seines Schreibtisches wühlte. „Suchst du etwas?“
„Ja, meine Feder.“
„Sie liegt vor dir auf dem Tisch.“
„Nein, nicht die. Die mit der goldenen Spitze. Das Geschenk von – Aua!“ Er hatte sich an der Spitze einer Schere gestochen, von der er gar nicht gewusst hatte, dass sie sich in der Lade befand.
„Wo hast du sie denn hingegeben?“
„Das weiß ich nicht, denn ich benutze sie ja nicht oft.“
„Merkwürdig… Vielleicht haben die Mädchen sie gesehen? Aber nein, deinen Schreibtisch fassen sie nicht an.“
„Aber irgendwo muss sie ja sein.“
„Vielleicht hat sie sich dein Gast ausgeborgt? Er hat mich vorhin um eine Eule gebeten, weil er einen Brief verschicken muss.“
Severus traute Duncan durchaus zu, dass er ungefragt seine Sachen nahm. So war es schon in Hogwarts gewesen.
„Ich werde ihn fragen.“

Gemeinsam mit seiner Mutter fand er Duncan in der Bibliothek, dem Ort, wo er seinen Freund am wenigsten vermutet hätte. Doch es waren nicht die Bücher, die Duncan in ihren Bann gezogen hatten, sondern die versteckte Bar im Globus und der teure alte Whisky darin. Duncan lümmelte auf dem Sofa vor dem Kamin und fühlte sich offensichtlich bereits wie zu Hause.  
„Hast du dir eine Schreibfeder von mir geliehen?“, fragte Severus. Ohne zu fragen, fügte er in Gedanken hinzu.
Duncan blickte kaum von dem Buch auf, das er durchblätterte. „Nein. Ich bin schon vor langer Zeit auf Kugelschreiber umgestiegen. Die einzige brauchbare Erfindung der Muggel.“
„Dann hast auch du meine Feder nicht gesehen? Schwarz mit goldener Spitze?“
„Nö.“
Severus machte ein säuerliches Gesicht. Normalerweise verlegte er doch sonst nichts!
Duncan blätterte weiter. „Da gibt’s so 'nen Zauberspruch, musst du wissen. Nennt sich Accio. Sollte für die Hand unseres Lords kein Problem darstellen, oder?“
„Danke, für diesen ungemein hilfreichen Vorschlag, aber die Feder ist so verhext, dass man sie nicht verzaubern kann. Deshalb funktioniert der Aufrufezauber bei ihr nicht.“
„Dann frag doch mal eure Hausmädchen.“
Dieser Vorschlag erinnerte Severus an etwas. „Wie geht’s deinem Bein? Glaubst du, dass du schon wieder Apparieren kannst?“
„Wieso? Willst du mich loswerden?“
„Nein, nein… Aber deine Frau vermisst dich wahrscheinlich schon.“
„Bestimmt nicht!“ Duncan schnaubte abfällig. „Cathleen und ich haben nur eine Sache, die uns verbindet: Wir sind froh, wenn wir einander nicht sehen müssen.“
„Heißt deine Frau nicht Catherine?“
Duncan blickte überrascht von seiner Lektüre auf. „Ach stimmt, deshalb hat sie meinen Brief nicht beantwortet… Dieses nachtragende Miststück.“
Severus‘ Mutter stand daneben und schüttelte fassungslos den Kopf, was Duncan nicht entging. Die Verwechslung schien ihm aber nicht unangenehm zu sein. „Ich hab sie wegen ihrem Familiennamen geheiratet. Der Vorname war mir scheißegal.“
„Und hoffentlich auch, um deiner Pflicht nachzukommen.“
Duncan grinste und legte das Buch beiseite. „Im Gegensatz zu dir habe ich schon zwei Söhne gezeugt. Zwei Soldaten für den Lord! Und du?“
Severus deutete eine Verbeugung an. „Du bist wie immer ein Vorbild an Treue und Pflichterfüllung für uns alle.“
„Steck dir deinen Sarkasmus dorthin, wo die Sonne nie scheint. Das Grinsen wird dir schon noch vergehen, wenn du auch so eine herrische Alte an der Backe hast. Und dann wünsche ich dir auch Zwillinge. Doppeltes Glück – von wegen! Ich nenne die beiden nicht ohne Grund Stinker und Schreihals.“
„Du hast mein Mitgefühl“, höhnte Severus und wandte sich anschließend an seine Mutter. „Ich muss noch einmal weg, denn ich bin mit Lucius und Antonin verabredet. Es sollte nicht lange dauern.“
Sie nickte und lächelte leicht. „Wir werden mit dem Abendessen auf dich warten.“
„Willst du nicht mitkommen?“, fragte Severus Duncan, als er schon im Begriff war zu gehen.
„Zu einer deiner langweiligen Besprechungen? Bestimmt nicht. Ich muss doch mein Bein noch ein wenig schonen… Außerdem ist es schon spät.“
„Im Dienst für den Dunklen Lord gibt es keinen Feierabend“, antwortete Severus ernst und verließ die Bibliothek.

Severus‘ Mutter blickte ihm noch einen Moment hinterher, dann wandte sie sich an den ungebetenen Gast, der Duncan Mulciber in ihren Augen war. „Ich werde mich auf die Suche nach der Feder machen. Vielleicht haben die Mädchen sie irgendwo gesehen.“
„Oder eingesteckt. Diese Muggel lassen doch alles mitgehen, was nicht festgehext ist. Sagen Sie ruhig Bescheid, wenn Sie Hilfe brauchen, Madame Snape.“
„Vielen Dank für Ihr… freundliches Angebot, aber ich denke, dass ich mit zwei jungen Muggelmädchen allein fertigwerde.“

***


„Was glaubst du, was sie von uns will?“, flüsterte Hermine und zupfte ihre Schürze zurecht. Die Begegnung mit dem Hausherrn vor vier Tagen steckte ihr noch in den Knochen. Dessen Mutter war zwar wesentlich freundlicher, aber wenn man zu ihr gerufen wurde, hatte das nie etwas Gutes zu bedeuten.
Elsie richtete sich ihre Haube, die mal wieder gefährlich schief auf ihrem blonden Haar saß. Sie hatten soeben noch die Fenster im Salon geputzt, als Hunter, Snapes unheimlicher Chauffeur, ihnen mitgeteilt hatte, dass sie unverzüglich zu Mrs Snape kommen mussten.
„Na, was wohl…“, sagte Elsie mit belegter Stimme.
Abrupt blieb Hermine stehen. Sie blickte ihre Freundin mit vor Schreck geweiteten Augen an. „Du glaubst, sie weiß von – du weißt schon…“ Sie deutete mit dem Kopf Richtung Zimmerdecke.
Elsie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ach, das doch nicht. Es geht sicher um Mulciber.“
„Aber du hast ihr doch erzählt, was vorgefallen ist.“
„Ja, und? Er wird ihr 'ne andere Geschichte erzählt haben, um nicht selbst in Schwierigkeiten zu geraten, denn eigentlich dürfen sie sich uns ja gar nicht nähern. Reinhaltung des Blutes, Blutschande bla bla bla. Bei meiner Vorgeschichte glaubt mir eh keiner… Ich hätte gar nichts sagen sollen…“, schloss sie bitter.
„Und das einfach so auf dir sitzen lassen?“ Hermines Entrüstung hatte ihre Stimme unbeabsichtigt lauter werden lassen. Schnell fügte sie leiser hinzu: „Mulciber hat dich gefragt, ob du mal einen richtigen Zauberstab anfassen willst. Als er nur mit einem Handtuch bekleidet vor dir stand!“
„Danke, dass du mich daran erinnerst, Mine. Gerade habe ich dieses Bild halbwegs aus meinem Kopf draußen gehabt…“
Hermine spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. „Tut mir leid. Aber es ist einfach so ungerecht, wenn du wegen diesem… diesem… Schwein jetzt vielleicht auch noch Schwierigkeiten bekommst.“
Sie hatten die Tür von Mrs Snapes Büro erreicht. „Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, Mine, aber diese Welt ist nicht gerecht.“
Elsie klopfte und sofort ertönte ein lautes „Herein!“ als Antwort.

Nach der Begrüßung mussten die Mädchen stehen. Die zwei Stühle vor dem Schreibtisch waren nur für gleichrangige Besucher gedacht.
Mrs Snape musterte sie mit strenger Miene. „Meister Snape sucht seine Schreibfeder. Schwarz, mit einer vergoldeten Spitze. Habt ihr sie irgendwo gesehen?“
Beinahe wären Hermine die Gesichtszüge entglitten. Sie hielt den Blick gesenkt und hoffte, dass man ihr nicht ansah, dass sie genau wusste, wo sich diese Feder befand. In der Dachkammer, genauer gesagt unter Elsies Matratze. Hermine spürte, wie ihr der kalte Angstschweiß über den Rücken hinunterlief. Doch Elsie neben ihr blieb gelassen.
„Nein, Herrin. An so eine Feder kann ich mich nicht erinnern“, sagte sie und lächelte dabei unschuldiger als ein Engel.
„Und du?“ Der durchdringende Blick von Mrs Snape stand dem ihres Sohnes um nichts nach. Einmal mehr fühlte Hermine sich schutzlos. Als könnten diese schwarzen Augen durch sie hindurchblicken und ihre Gedanken lesen.
„Nein, Herrin“, presste Hermine hervor. Sie glaubte sich selbst nicht.
Mrs Snape offensichtlich auch nicht, denn die zog ihre Augenbrauen so weit nach oben, dass sie fast unter dem schwarzen Haaransatz verschwanden.
„Damit es keinen Zweifel an eurer Unschuld gibt, würde ich euch trotzdem bitten, mir einen Blick in euer Zimmer zu gewähren.“
Hermine wusste, dass dies keine Bitte war, sondern ein Befehl, den sie ohne Widerrede befolgen mussten.  
Mrs Snape erhob sich und kam hinter ihrem Schreibtisch hervor. Ihre Miene war sehr ernst und es schien so, als wäre sie verärgert, weil sie sich um diese lästige Angelegenheit kümmern musste.

Sie nahmen nicht die Dienstbotentreppe, sondern stiegen die große Haupttreppe hinauf. Im ersten Stock kam ihnen der Todesser entgegen. Ein überhebliches Grinsen breitete sich auf seinem kantigen Gesicht aus.
„Ist die Feder schon aufgetaucht?“, fragte Mulciber.
„Nein, noch nicht“, antwortete Mrs Snape und blieb stehen.
„Ich kann Ihnen gerne bei der Suche behilflich sein.“
„Ich dachte, Sie müssten Ihr Bein schonen?“, fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Dank des Heiltranks habe ich schon fast keine Schmerzen mehr.“

Mit einem resignierenden Seufzen setzte Mrs Snape den Weg fort und der Todesser folgte ihnen durch die verborgene Tür, die sie zur Dienstbotentreppe führte. Nur über diese Treppe gelangte man zum Dachboden, wo das weibliche Personal untergebracht war.
Mulciber sah sich neugierig um. Mrs Snape schien über seine Anwesenheit alles andere als erfreut zu sein, doch sie schwieg, bis sie vor der letzten Tür auf der rechten Seite des Flurs standen.
Hermines Hände zitterten so stark, dass sie sie vor der Brust verschränkte, damit niemand etwas davon mitbekam. Sie hatte Angst. Angst um Elsie und Angst vor der Bestrafung, die ihre beste und einzige Freundin zweifellos erhalten würde. Hermine warf ihr einen raschen Blick zu, doch Elsie stand äußerlich völlig gelassen neben ihr, als würde sie das alles nichts angehen.
Mrs Snape streckte die Hand nach der Türschnalle aus, doch Mulciber stellte sich ihr in den Weg. „Wenn Sie erlauben, Madame Snape. Durchsuchungen und das Aufspüren von versteckten Gegenständen gehören zu meinen Spezialitäten.“
Sie seufzte ungehalten. „Na schön.“

Mulciber spazierte in das Zimmer, als würde es ihm gehören. Er öffnete den Kleiderschrank, klopfte die Holzwände nach Geheimfächern ab und suchte darüber, dahinter und darunter nach irgendwelchen Verstecken. Seine Suche blieb vorerst erfolglos, was ihn aber nicht aus der Fassung zu bringen schien. Mit dem gleichen Vorgehen kontrollierte er die Kommode, nur ließ er es sich nicht nehmen, die wenigen privaten Habseligkeiten der Dienstmädchen zu durchwühlen. Nicht einmal ihre Unterwäsche ließ er in Ruhe. Er fischte einen von Hermines weißen Slips heraus und dreht sich damit zu ihnen um. „Sollten die nicht auch grau sein?“, fragte er mit einem dreckigen Grinsen und Hermine spürte, wie ihre Wangen heiß wurden und sie wütend die Hände zu Fäusten ballte. Doch ihre Wut verflog sogleich wieder, denn nun wandte Mulciber sich dem linken Bett zu. Hier schlief Elsie, was man an den Familienfotos an der Wand erkennen konnte. Mulciber schaute zuerst unter dem Bett nach, dann hob er das Kopfkissen und schlug die Decke zurück.
Als er nach der Matratze griff, um sie hochzuheben, pochte Hermines Herz schmerzhaft gegen ihre Brust. Am liebsten hätte sie den Blick abgewendet, jedoch war sie unfähig, auch nur einen Muskel zu bewegen.
Mulciber hob die Matratze hoch und darunter befand sich… nichts. Nichts, außer der Federung.
Hermine klappte der Mund auf. Zum Glück bemerkte das niemand, denn alle Aufmerksamkeit war auf Mulciber gerichtet. Mit einem Mal war Hermines Anspannung wie weggeblasen und sie fühlte sich ungemein erleichtert. Verstohlen blinzelte sie zu Elsie hinüber, die stur geradeaus blickte und Mulciber dabei zusah, wie er nun Hermines Bett untersuchte.
Wo hatte Elsie die Sachen versteckt? Sie musste einen neuen, geeigneteren Platz gefunden haben und hatte Hermine nicht eingeweiht. Dabei waren sie doch Freundinnen! In dem Moment, als ihr dieser offensichtliche Mangel an Vertrauen einen Stich versetzte, hob Mulciber Hermines Matratze. Darunter lag nicht nur die gesuchte Feder, sondern auch all die anderen Wertgegenstände, die Elsie in der letzten Zeit gestohlen hatte.

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Ich widme dieses Kapitel der wundervollen Marginalie, meiner Lehrermeisterin, die mir gezeigt hat, wie man auf den Pfaden der Dunkelheit wandert ;-) Schaut unbedingt bei ihren Geschichten vorbei!

Am Montag geht's weiter ;-)
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