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Muggeline und der Meister der Zaubertränke

von eve001
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
19.08.2021
30.06.2022
46
197.024
111
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28.04.2022 5.228
 
Kapitel 37: Der Beginn


Ein großes Brett hin gut sichtbar für die Bediensteten von Snape Manor an der Wand zwischen der Küche und dem Aufenthaltsraum. Auf diesem Überbleibsel der adeligen Vorbesitzer hingen zwanzig Glöckchen, die bestimmten Räumen im Anwesen zugeordnet waren. Betätigte man in einem dieser Zimmer die Klingel, so wurde dies den Bediensteten optisch und akustisch angezeigt, damit sie wussten, wo ihre Herrschaften nach ihnen verlangten.

An jenem Montagmorgen läutete das Glöckchen über dem Schild „kleines Esszimmer“ bereits zum zweiten Mal. Wie zuvor tauschten Mrs Cole und Hermine einen Blick in stiller Übereinkunft, das Läuten nicht zu beachten.
Severus war bereits vor einiger Zeit ins Ministerium aufgebrochen, um seine neue Stelle als Abteilungsleiter anzutreten. Mrs Snape würde ebenfalls bald das Haus verlassen, denn für jenen Tag war die feierliche Eröffnung ihres Wohltätigkeitsprojekts geplant. Somit konnte es nur Evan Rosier sein, der nach ihnen läutete, und ihn wollten sie nicht bedienen. Wonach auch immer es dem Todesser verlangte – von ihnen würde er es nicht bekommen.

Hermine gähnte hinter vorgehaltener Hand, während sie Muffins mit Buttercreme verzierte und anschließend in einen Korb packte. Die Sorge, Severus zu verlieren, hatte sie die halbe Nacht wachgehalten.
In dem Moment, als sie noch eine Handvoll bunte Zuckerstreusel auf der Buttercreme verteilte, betrat Mrs Snape mit ihrem Umhang über dem Arm die Küche. Anlässlich der Eröffnung hatte sie sich besonders hübsch gemacht. Sie hatte sogar ein wenig Parfum aufgetragen, das angenehm pudrig, aber keinesfalls aufdringlich roch.
„Ist alles fertig?“, fragte sie und nestelte an der Perlenkette um ihren Hals.
„Ja, Herrin“, antwortete Mrs Cole und versiegelte den Korb mit einem Zauber, um die Cupcakes darin frisch zu halten. „Es war Grangers Idee, einen regenbogenfarbenen Teig zu verwenden.“
„Wie schön. Das wird den Kindern bestimmt gefallen… Wo habe ich denn nur meine…?“, murmelte sie und durchsuchte die Taschen ihres Winterumhangs.
„Es wird bestimmt alles gutgehen“, sagte Mrs Cole und reichte ihr die Handschuhe, die sie offenbar gesucht hatte.
„Danke. Wenn es doch nur schon vorbei wäre.“ Mit einem tiefen Seufzen wandte sie sich ab, schlüpfte erst in ihre Handschuhe und dann in ihren Winterumhang.
So unkonzentriert und nervös hatte Hermine die Hausherrin noch nie erlebt, deshalb verwunderte es sie kaum, dass die alte Dame ohne den Korb die Küche verließ.
Rasch lief Hermine ihr damit hinterher. „Madame!“
Mrs Snape wandte sich überrascht um und griff sich sogleich an die Stirn. „Wie konnte ich nur… Ich danke dir.“
Sie hob die Hand und Hermine zuckte erschrocken zurück, doch die Hausherrin streichelte ihr nur sanft über die Wange.
„Ich verstehe, was Severus in dir sieht“, sagte sie mit einem sanften Lächeln im Gesicht, das ihre sonst so mürrische Miene mehr verjüngte als das dezente Make-up auf ihren Wangen. „Wünsch mir Glück“, bat sie und verließ das Anwesen.

Bei ihrer Rückkehr in die Küche glaubte Hermine auf Wolken zu schweben. Mrs Snapes Worte hatten ihr ein warmes Gefühl in der Brust beschert, dass sie vor Freude am liebsten Mrs Cole umarmt hätte. Weil sie aber nicht lebensmüde war, bemühte sie sich um eine gefasste Miene, doch ihre Mundwinkel gehorchten nicht und wanderten ständig nach oben. Der Tag konnte nicht noch besser werden und Hermine fiel nichts ein, das daran etwas ändern könnte - nicht einmal das erneute Schellen des Glöckchens.

Nachdem sie das dritte Klingen ebenfalls ignoriert hatten, war sich Hermine sicher, dass Rosier nun die Botschaft verstanden hatte. Umso überraschter war sie deshalb, als er mit dem Tagespropheten unter dem Armstumpf in der Küche auftauchte.
„Ich habe geläutet.“
„Haben wir gehört“, antwortete Mrs Cole, die mit ihrem Zauberstab drei Messer gleichzeitig Gemüse schneiden ließ. „Aber das ist hier nicht üblich. Wenn die Snapes einen Wunsch haben, so teilen sie uns den persönlich mit.“
Rosier lächelte kalt. „Wenn das so ist...“ Er setzte sich an den Küchentisch, legte seine Füße auf dem Stuhl gegenüber ab und entfaltete die Zeitung. „Bring mir einen Kaffee mit Milch, Schlammblut“, verlangte er in einem herrischen Ton.
Mrs Cole starrte ihn entrüstet an und öffnete den Mund, doch Hermine hob beschwichtigend die Hände.
„Ich erledige das.“
Sie wollte den Todesser so schnell wie möglich loswerden, deshalb brühte sie ihm eine Kanne herrlich duftenden Kaffee und stellte sie zusammen mit der Milch und einer Tasse wortlos vor ihn auf den Tisch.
Kaum hatte sie sich umgedreht, um mit den Vorbereitungen für das Mittagessen weiterzumachen, da befahl er: „Einschenken.“

Das musste wohl ein schlechter Scherz sein. Sie drehte sich zu ihm um, doch Rosier würdigte sie keines Blickes; sein Interesse galt dem Horoskop und den Quidditch-Ergebnissen auf der nächsten Seite.
Hermine atmete tief durch, versuchte sein provokantes Verhalten zu tolerieren und schenkte ihm ein wenig Kaffee in die Tasse ein. Erst, als sie nach der Milch griff, nahm er den Blick von der Zeitung. Langsam gab sie die Milch dazu.
„Das reicht.“
Erleichtert stellte sie das Milchkännchen ab. Jetzt war er hoffentlich endlich zufrieden.
„Bring mir eine neue Tasse. Und diesmal mit gewaschenen Händen.“
„Also wirklich!“, rief Mrs Cole erbost.
Rosier ließ die Zeitung sinken. Er hatte sich rasiert. Ohne den zotteligen Bart hätte man ihn sogar für attraktiv halten können, wenn er nicht so einen hässlichen Charakter gehabt hätte, dass Hermine es kaum aushielt, ihn länger als eine Sekunde anzusehen.

Das Blut rauschte ihr in den Ohren und ihre Finger zitterten, dennoch schluckte sie jede Erwiderung hinunter, die ihr auf der Zunge lag. Dieses Verhalten kannte sie von ihren ehemaligen Herrschaften. Es hatte ihnen Spaß gemacht, ihre Bediensteten zu schikanieren. Sie hatten jedoch das Interesse verloren, sobald man sich davon nicht hatte provozieren lassen. Hermine hoffte, dass es bei Rosier genauso war.
Sie wusch sich die Hände mit Seife, trocknete sie ab und holte erst dann eine neue Tasse aus dem Geschirrschrank.
Wieder musste sie ihm den Kaffee und die Milch einschenken. „Ah, so braun wie dein Blut“, meinte er und nahm einen Schluck. Er beobachtete ihre Reaktion lauernd über den Rand seiner Tasse hinweg. Mit einem Lächeln auf den Lippen drehte Hermine ihm den Rücken zu. Ein paar Tage. Länger mussten sie ihn nicht ertragen. Außerdem war sie Schlimmeres gewohnt. Ihre ehemaligen Herrschaften waren wesentlich kreativer bei ihren Beleidigungen gewesen.

Mrs Cole drückte ihr mitfühlend die Schulter und schenkte ihr ein aufbauendes Lächeln. Das Schlimmste schien überstanden zu sein. Fast wäre es ihnen gelungen, seine Gegenwart zu ignorieren, hätte er nicht irgendwann ein Päckchen Zigaretten aus seiner Hosentasche gefischt.
„Gib mir Feuer“, verlangte er und schnipste mit den Fingern, um Hermine zu sich zu rufen.
„Das ist eine Küche! Hier wird nicht geraucht!“, rief Mrs Cole erzürnt und stemmte die Hände in die Hüften.
„Wer will mich davon abhalten? Du?“
„Hier wird nicht geraucht“, wiederholte Mrs Cole gefährlich leise. Die verzauberten Messer schwebten neben ihr in der Luft und richteten ihre Spitzen bedrohlich in Rosiers Richtung.
Er grinste überheblich. „Ich gehe erst, wenn ich Feuer habe.“

Hermine tastete nach dem Zauberstab in ihrer Schürze. Ein einfacher Flammenzauber und sie wären Rosier los. Doch so nah wollte sie dem Todesser mit einem Zauberstab in der Hand nicht kommen. Severus hatte sie vor ihm gewarnt. Der Unbrechbare Schwur sollte ihn zwar vor irgendwelchen Dummheiten abhalten, aber Rosier schien einen Weg gefunden zu haben, wie er sich dennoch an Hermine rächen konnte. Welchen Grund sollte es sonst für sein Verhalten geben, als die Schmach, von einem Schlammblut und einem Squib überwältigt worden zu sein?
Auf dem Kaminsims fand Hermine eine Schachtel Streichhölzer. Damit ging sie zu Rosier und zündete die Zigarette in seinem Mund an.
„Was ist los? Hast du über Nacht deine Zauberkräfte verloren?“, fragte er und blies ihr dabei den Rauch ins Gesicht.
Sie wich einen Schritt zurück und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, um den Rauch zu vertreiben. „Wollten Sie nicht gehen?“
Er nahm noch einen tiefen Zug. „Wieso sollte ich? Jetzt, wo ich eine amüsante Beschäftigung gefunden habe...“
„Gehen Sie doch in die Bibliothek und lesen Sie ein Buch“, schlug Mrs Cole vor.
Rosier ließ die Asche auf den Boden fallen, während er über diesen Vorschlag nachzudenken schien. Er öffnete den Mund, zweifellos um eine weitere Gemeinheit von sich zu geben, als ein silbrig-weißer Wolf auf lautlosen Pfoten in die Küche tapste und vor Hermine stehen blieb.
„Hallo Hermine!“, sagte die Stimme von Remus Lupin. „Ich hoffe, du hattest schöne Weihnachtsfeiertage. Wenn du heute Zeit hast, können wir dein Apparier-Training fortsetzen. Du weißt ja, wo du uns finden kannst … Ich soll dich von Harry schön grüßen lassen. Bis Bald!“ Der Wolf löste sich auf.

„Apparier-Training?“, fragte Rosier und grinste spöttisch. „Kannst du nicht mal apparieren?“
Hermine spürte, wie sie vor Scham rot anlief. „Ich lerne es gerade.“
„Und mit sowas wie mit dir verschwendet Severus seine Zeit.“
Von Mrs Cole bekam sie überraschend Rückendeckung: „Sie weiß erst seit ein paar Monaten, dass sie eine Hexe ist! Dafür hat sie schon enorm viel gelernt! Sie beherrscht Zaubersprüche auf Anhieb, für die andere wochenlang üben müssen. Und jetzt lernt sie das Apparieren! Das lernt man normalerweise erst nach sechs Jahren magischer Ausbildung. Sie ist eine unglaublich talentierte Hexe.“
Hermines Gesicht nahm eine noch dunklere Färbung an. Sie hätte niemals gedacht, dass Mrs Cole eine derart hohe Meinung von ihr hatte. Das rührte sie sehr und sie wischte sich schnell die Tränen aus den Augenwinkeln.
Rosier musterte Hermine abschätzig. „Sie ist keine Hexe. Sie ist nur ein wertloses Schlammblut. So wie du.“

Hermine wusste aus eigener Erfahrung, dass Mrs Cole keinen langen Geduldsfaden besaß, deshalb lief sie schnell zu ihr hinüber und legte ihre Hand auf deren Zauberstabarm. „Nicht. Das will er doch nur“, flüsterte sie beschwichtigend.
Mrs Cole sah einmal mehr wie ein wütender Drache aus. Ihre Nasenflügel bebten bei jedem tiefen Atemzug, den sie machte, um sich zu beruhigen. „Noch ein Wort von ihm und ich schicke Meister Snape eine Eule.“

Ob diese Drohung wirklich der Grund für dessen Sinneswandel war, wusste Hermine nicht, jedenfalls sagte Rosier: „Ich glaube, ich gehe wirklich in die Bibliothek. Hier liegt so ein seltsamer Geruch in der Luft.“
„Das ist die erste gute Idee an diesem Tag“, knurrte Mrs Cole.
„Nur leider habe ich vergessen, wo die Bibliothek ist. Jemand muss mir den Weg zeigen.“
Da Mrs Cole so aussah, als würde sie jeden Moment die Nerven verlieren, fiel diese Aufgabe Hermine zu. Rosier ließ es ich nicht nehmen, seinen Zigarettenstummel auf den blitzblank geputzten Küchenboden fallen zu lassen und ihn auszutreten.
„Sei ein guter Hauself und mach den Boden sauber“, sagte er beim Hinausgehen zu Mrs Cole. Das darauffolgende Scheppern und Zersplittern von Glas schien ihn außerordentlich zu amüsieren.

Hermine eilte voraus, doch Rosier humpelte ihr so langsam hinterher, dass sie auf ihn warten musste, bis er sie eingeholt hatte. Sie war kein böser Mensch, aber in seinem Fall wünschte sie ihm, dass er noch Schmerzen hatte. Hoffentlich hatte ihn Hunter ordentlich erwischt.
„Die Bibliothek ist dort vorne“, erklärte sie.
„Gibt es Bücher über Divination?... Wahrsagerei“, fügte er hinzu, weil er nicht annahm, dass sie diesen Begriff kannte.
„Ja, ein paar.“
„Zeig sie mir.“
Das Wort „Bitte“ kam in Rosiers Wortschatz nicht vor. Sie hatte gehofft, dass eine ungefähre Richtungsangabe genügen und er den Rest des Weges allein finden würde, doch nun sollte sie ihm auch noch die Bücher zeigen. Wahrscheinlich auch aus dem Regal holen und zu ihm bringen. Und so, wie sie ihn mittlerweile einschätzte, würde es sie nicht wundern, wenn sie ihm auch noch daraus vorlesen sollte. Aber das ging entschieden zu weit. Das Appariertraining mit Remus war wichtiger, außerdem musste sie mit Lily über die Horkruxe reden.

Wie Hermine erwartet hatte, ließ er sich auf das Sofa fallen und legte sein verletztes Bein hoch. Er würde keinen Finger rühren.
Es dauerte einen Moment, bis sie das richtige Regal gefunden hatte. Mit dieser Art von Magie hatte sie sich noch nie beschäftigt. Sie hörte nicht einmal hin, wenn im Radio ihr Horoskop vorgelesen wurde.
Hermine holte das Buch „Die Entnebelung der Zukunft“ aus dem Regal und legte es vor Rosier auf den Tisch.
„Was soll ich damit?“, fragte er, nachdem er den Titel gesehen hatte. „Das ist ein Schulbuch… Aber das kannst du ja nicht wissen. Du hast ja noch nie eine Schule von Innen gesehen, oder?“
„Wenn Sie sonst keine Wünsche haben, gehe ich jetzt in die Küche zurück.“ Sie drehte sich um, fest entschlossen, die Bibliothek zu verlassen, egal was der Todesser noch von ihr wollte oder womit auch immer er sie beleidigen würde.
„Was läuft da zwischen dir und Severus?“
Überrascht blieb sie stehen.
„Nichts“, sagte sie eine Spur zu schnell.
Rosier lachte. „Nach nichts hat das aber hier vorletzte Nacht nicht ausgesehen.“
„Woher…?“ Sie drehte sich zu ihm um. Das überhebliche Grinsen hätte sie ihm liebend gerne aus dem Gesicht gewischt.
„Es war kein Vergnügen, das mitansehen zu müssen. Ein Verbrechen wider die Natur. Doch zum Glück kam Severus rechtzeitig noch zur Besinnung. Mit meiner Hilfe.“
Sie starrte ihn an. „Das Buch! Das aus dem Regal gefallen ist… Das waren Sie!“
„Ganz recht. Ich habe mich in Severus‘ Arbeitszimmer umgesehen, da kam er vorbei und ich bin ihm gefolgt. Ich wusste ja nicht, was mich erwartet.“
„Und gestern haben sie uns auch beobachtet!“
„Ja. Ich wollte wissen, was Severus an dir findet. An dir. Einem ungebildeten Schlammblut.“
„Ich muss mir das nicht länger anhören.“ Diesmal würde sie seine Worte ignorieren, doch er schaffte es wieder, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten.
„Stört es dich nicht, nur der Ersatz für Lily Potter zu sein? Für die Frau, die er schon sein ganzes Leben liebt und die ihn doch nie erhört hat?“
Unwillkürlich blieb sie in der Tür stehen. Sie musste sich gar nicht umdrehen, um zu wissen, dass sich auf Rosiers Gesicht ein triumphierendes Lächeln ausbreitete.
„Sie ist auch ein Schlammblut. Zufall?“, fragte er.
Hermine versuchte ihre Stimme gleichgültig klingen zu lassen. „Sie waren Freunde… Nichts weiter.“
„Weißt du, ich frage mich die ganze Zeit, ob Severus wirklich nur aus Altruismus – Selbstlosigkeit – den Orden unterstützt. Oder ob er nicht gehofft hat, so endlich das Herz von Lily Potter gewinnen zu können?“

Hermines Hand klammerte sich an den Türstock. Alles in ihr schrie danach, in die Küche zu gehen. Wegzulaufen, von den Zuflüsterungen dieser falschen Schlange, die ihre Gedanken mit ihren Lügen vergiften wollte. Doch eine kleine Stimme in ihr war erwacht. Was, wenn er recht hatte?
„Sie sind doch angeblich sein Freund? Fragen Sie ihn.“
„Ich muss ihn nicht fragen, denn die Fakten sprechen für sich. Bei Lily hatte er keinen Erfolg. Da kommst ihm du als Ersatz gerade recht. Was hat es gebraucht? Ein paar nette Worte, ein paar kleine Geschenke? Und jetzt denkst du, dass er dich mag? Begehrt? Vielleicht sogar liebt?“
Jedes seiner Worte traf sie wie ein Boxhieb in den Magen. Hatte sie sich zuerst noch an die Tür geklammert, um ihre Hände davon abzuhalten, nach dem Zauberstab in ihrer Tasche zu greifen, so hielt sie sich jetzt daran fest, um nicht zusammenzusinken. Noch hielt sie sich aufrecht. Sie gab sich nicht geschlagen und kämpfte gegen die Last seiner Worte an, ehe sie unter ihnen begraben wurde.

Rosier nutzte ihr Schweigen, um sie weiter zu demütigen: „Ich habe schon immer Severus für seinen klugen Kopf bewundert. Worüber unterhaltet ihr zwei euch eigentlich? Was, wenn es ihm keinen Spaß mehr macht, den Lehrer für dich zu spielen? Wie schnell wird er von so einem ungebildeten Schlammblut gelangweilt sein?“
Sie schloss die Augen und spürte, wie die ersten Tränen über ihre Wangen rollten.
„Sieh doch ein, dass du nie gut genug für ihn sein wirst. Gut genug für ein schnelles Vergnügen, ja, das schon. So erspart er sich den Weg in die Singende Sirene, falls ihn die Lust überkommt. Für ein paar Sickel könnte er dort schönere und gebildetere Mädchen haben, aber Severus ist bescheiden. Das mochte ich schon immer an ihm.“
Sie verharrte ihn der Tür, bis er damit fertig war, sie zu verhöhnen. Oder sie vor einer großen Dummheit zu bewahren. Vielleicht bildete sie sich nur ein, dass Severus sie mochte. Vielleicht empfand er nicht das Gleiche wie sie für ihn. Die gestrige Nacht hatte sich wie ein Traum angefühlt. Zu schön, um tatsächlich wahr zu sein. In seinen Armen hatte sie sich geborgen gefühlt. Selbst dann noch, als sich die grausame Wahrheit wie ein Schatten über diesen wundervollen Moment gelegt hatte. Severus sah keine Zukunft für sich. Mit ihr. Wollte er sie vielleicht nicht sehen? Sollte er, falls er sie tatsächlich liebte, nicht alles dafür tun, dass sie doch zusammen glücklich werden konnten?
Woher sollte sie wissen, wie Severus wirklich über sie dachte? Rosier kannte ihn doch viel besser, viel genauer und vor allem viel länger.
„Ich hoffe, du hast etwas aus unserer Unterhaltung gelernt“, meinte Rosier. „Nun darfst du gehen.“
„Danke für diese Lektion, Herr“, sagte sie und schloss die Tür hinter sich.



Die Lust auf das Apparier-Training war Hermine gehörig vergangen. Am liebsten hätte sie sich in ihrem Bett zusammengerollt und die Decke über den Kopf gezogen. Die Decke, von der sie sich einbildete, dass sie noch immer nach Severus‘ Duschgel roch.
Doch Mrs Cole ließ keine Ausrede gelten und war erst zufrieden, als Hermine ihre braune Kleidung trug. Die Küchenchefin schien es diesmal gar nicht erwarten zu können, Snape Manor zu verlassen. Für gewöhnlich regte sie sich immer auf, wenn sie Hermine zum Unterricht bringen musste, diesmal stürmte sie so rasch aus dem Haus, dass Hermine kaum mit ihr Schritt halten konnte.
„Dieses Wechselbalg einer fanatischen Sabberhexe“, murrte Mrs Cole. „Verdorben bis aufs Blut… Akolythen … Todesser… Allesamt Verrückte!“
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Hermine.
„Nichts ist in Ordnung, solange dieser… dieser … Kerl frei im Haus herumläuft und uns behandelt, als wären wir der letzte Dreck!“
Hermine ließ die Schultern hängen. „Genau das sind wir doch in seinen Augen. Wertlose Schlammblüter.“
Mrs Cole blieb so abrupt stehen, dass Hermine in sie hineinlief. Die Küchenchefin drehte sich zu ihr um und funkelte sie dermaßen wütend an, dass sie den Kopf einzog und sich auf ein Donnerwetter gefasst machte. „Die Reinblüter glauben, dass sie etwas Besseres sind, weil ihre magischen Fähigkeiten schon seit vielen Generationen in ihren Familien weitergegeben werden. Aber man muss nicht aus einer Reinblüterfamilie kommen, um gut zaubern zu können. Deshalb hassen sie uns. Weil die Existenz von uns Muggelgeborenen ihr Geschwafel vom reinen Blut als Märchen entlarvt… Und wenn ich mir einen Kerl wie Rosier anschaue, dann frage ich mich, wer von uns hier der Abschaum ist!“
Sie setzte ihren Weg fort und Hermine folgte ihr rasch. So aufgebracht hatte sie die Küchenchefin schon lange nicht mehr erlebt.
„Aber warum wundere ich mich eigentlich? Rosier war doch immer schon ein arroganter, manipulativer Mistkerl.“
„Sie kennen Ihn? Von früher?“ Erst jetzt fiel Hermine wieder ein, dass Mrs Cole zur gleichen Zeit wie Severus und seine Freunde in Hogwarts gewesen war. Folglich musste sie ihn kennen.
„Leider. Er gehörte zu dieser Bande Slytherins, die es gar nicht erwarten konnten, Todesser zu werden. Sie haben damals schon deutlich gezeigt, was sie von Muggelstämmigen halten. Haben andere Schüler erpresst und betrogen, gelogen, gestohlen und viele schlimme Dinge getan. Nur leider waren sie immer gerissen genug, sich nicht erwischen zu lassen.“

Mrs Cole hielt Hermine den Arm hin und gemeinsam disapparierten sie zum Versteck des Ordens. Das Areal rund um den Unterschlupf war mit einer Vielzahl an Zauberbannen geschützt, deshalb mussten Mrs Cole und Hermine noch ein Stück zu Fuß gehen.
„Mit Rosier hatte ich zum Glück nie viel zu tun. Aber er war damals schon gefährlich. Anders als Mulciber oder Avery hat er sich zurückgehalten, hat lieber im Schatten agiert, aber er hat es damals schon verstanden, die Leute zu manipulieren.“
Das hatte er, in der Tat. Hermine hatte es schon am eigenen Leib zu spüren bekommen. Fragte sich nur, ob nicht doch ein Körnchen Wahrheit in dem steckte, was er gesagt hatte.
„Ich verstehe nicht, wie Sev- … Snape mit so jemandem befreundet sein kann“, schloss sie bitter.
Die Küchenchefin zögerte kurz, dann meinte sie ausweichend: „Snape war immer schon ein komischer Kauz. Sehr intelligent, aber irgendwie … seltsam. In den ersten Jahren ist er Lily nicht von der Seite gewichen. Wollte im Unterricht immer neben ihr sitzen und hat sich nach dem Unterricht immer mit ihr getroffen. Sein Verhalten fanden alle merkwürdig. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er bis über beide Ohren in sie verliebt war. Sie hat aber seine Gefühle nicht erwidert und ich glaube, er hätte auch nie eine Chance bei ihr gehabt. Falls doch, dann hat er sie spätestens dann ruiniert, als er sie vor der halben Schule Schlammblut genannt hat.“
„Das hat er gemacht?“, japste Hermine schockiert.
„Ja. Von da an gingen die beiden getrennte Wege. Für Lily war das besser so, denn sonst hätte sie wahrscheinlich niemals James geheiratet. Aber Snape… Nun ja, ich glaube, dass hat ihn endgültig in die Arme der Todesser getrieben.“
Wie betäubt lief Hermine neben Mrs Cole her und versuchte die schmerzhafte Erkenntnis zu verarbeiten. Nun gab es keinen Zweifel mehr: Rosier hatte ihr tatsächlich die Wahrheit gesagt. Sie war nichts weiter als der Ersatz für Lily. Ein Lückenfüller. Gut genug, um ihn über seine verflossene Liebe hinwegzutrösten – aber zu wenig, als dass er sie um ihrer selbst willen geliebt hätte.
„Dann… dann liebt er sie noch immer?“, fragte Hermine stockend.
„Das weiß ich nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Nicht nach all dem, was in der letzten Zeit passiert ist… So, da wären wir.“

Sie standen kurz vor dem Eingang des ehemaligen Priesterseminars. Bisher hatte sich Hermine immer auf den Unterricht gefreut, doch an jenem Tag hätte sie am liebsten gleich wieder kehrtgemacht. Es gab so vieles, worüber sie nachdenken und sie sich klar werden musste. Mrs Coles Worte hatten sie ein wenig Hoffnung schöpfen lassen, aber solange ihr Kopf noch voller ungelöster Fragen und ihr Herz schwer vor Kummer war, würde sie sich bestimmt nicht konzentrieren können. Das würde ein katastrophales Apparier-Training werden. Vor ihrem geistigen Auge sah sie ihren blutüberströmten Rumpf am Boden liegen, die Gliedmaßen in alle Windrichtungen verstreut. Ihr Magen geriet bei dieser Vorstellung ins Schlingern.

„Stimmt etwas nicht?“, fragte Mrs Cole. „Sonst kannst du es gar nicht erwarten, zum Unterricht zu kommen.“
„Ich … ich fühle mich nicht so gut.“
Die Küchenchefin musterte sie mit einem strengen Blick. „Ist es wegen Rosier? Hat er irgendetwas zu dir gesagt? Hat er dir etwas getan, als ihr alleine wart?“
Sie schüttelte den Kopf.
Mrs Cole seufzte resignierend, dann legte sie ihre Arme auf Hermines Schultern. „Was auch immer dieser Mistkerl zu dir gesagt hat: Vergiss es wieder. Lass nicht zu, dass er Macht über dich hat. Du bist eine kluge Hexe. Vergiss das nicht… Und jetzt: Abmarsch.“ Sie drehte sie an den Schultern herum und gab ihr einen Schubs Richtung Eingang.
„Grüß Remus von mir. Und wenn ich dich abholen soll, dann schick mir eine Nachricht, ja?“
Kaum hatte Hermine genickt, da war Mrs Cole auch schon verschwunden. Das Apparieren war tatsächlich eine praktische Sache, fand Hermine und atmete tief durch. Dann straffte sie die Schultern und betrat das Versteck des Widerstands.

Im Inneren des ehemaligen Seminargebäudes herrschte wie immer ein reges Treiben. Hermine fand sich jedoch ohne Probleme zurecht und schlug den Weg zum großen Hörsaal ein, in dem immer der Unterricht stattfand. Diesmal war die Tür geschlossen und niemand wartete davor. Das kam Hermine seltsam vor und den Grund dafür fand sie schnell heraus. Ein Zettel klebte an der Tür: „Heute kein Unterricht!“
Hermine war erleichtert. Auf eine weitere unangenehme Erfahrung konnte sie an diesem Tag getrost verzichten. Von ihren letzten Besuchen wusste sie, dass sich Lilys Quartier im obersten Stockwerk befand. Sie freute sich nicht auf ein Gespräch mit Lily, nicht nachdem, was sie über die Anführerin der Rebellen und Severus erfahren hatte, aber die Information über die Horkruxe war sehr wichtig und konnte mit etwas Glück den Krieg verhindern.

„Hey! Hermine! Warte!“
Überrascht drehte sie sich um. Harry Potter hatte sie zwischen all den Menschen entdeckt und winkte ihr freudig zu.
„Hey Harry!“, begrüßte sie ihn, als er breit lächelnd vor ihr stand und sie so fest umarmte, dass ihr kurzzeitig die Luft wegblieb.
„Was führt dich hierher?“, fragte er und verstrubbelte dabei mit seiner Hand sein ohnehin unordentliches schwarzes Haar noch ein wenig mehr. Das linke Brillenglas war mit einer Augenklappe verdeckt, trotzdem waren die Spuren des zurückgeprallten Todesfluchs in seinem Gesicht noch deutlich zu erkennen. Die Narbe würde niemals verschwinden. Mittlerweile hatte sich Hermine an den Anblick gewöhnt. Sie versuchte, nur auf Harrys smaragdgrünes Auge zu achten, das sie erwartungsvoll anblickte.
„Ich wollte zum Unterricht bei Remus, aber der fällt leider aus.“
„Super! Dann kann ich dir endlich zeigen, wie man auf einem Besen fliegt! Und dieses Mal lasse ich keine Ausrede gelten!“
Das Lächeln auf ihren Lippen täuschte hoffentlich darüber hinweg, wie flau ihr bei dem Gedanken an eine Flugstunde im Magen wurde. Bei jedem ihrer bisherigen Treffen hatte sie sich erfolgreich davor gedrückt.
„Tut mir leid, Harry. Ich würde wirklich gerne mit dir üben, aber ich muss dringend mit deiner Mutter sprechen.“
„Mum ist nicht da. Sie ist mit Remus und Sirius unterwegs. Irgendwas erledigen.“ Er lächelte tapfer, aber der Frust war ihm deutlich anzuhören. Lily nahm ihn nur noch auf ungefährliche Einsätze mit. Da aber für die Rebellen jeder Einsatz gefährlich war, musste er die meiste Zeit im Versteck verbringen.
„Das ist schlecht.“ Sie blickte sich rasch um und vergewisserte sich, dass sie niemand beobachtete. Lily war zwar die Anführerin, aber Harry konnte sie das Geheimnis ebenso gut anvertrauen. Hermine zog sich mit Harry in eine ruhige Nische mit einem großen Fenster zurück und sprach zur Sicherheit noch einen Muffliato-Zauber. „Snape hat nämlich etwas herausgefunden.“

Schnell erzählte sie Harry alles, was sie von Severus über die Horkruxe wusste. Dass diese Information ausgerechnet vom totgeglaubten Rosier stammte, ließ Harry misstrauisch die Stirn runzeln.
„Und Snape glaubt diese Geschichte?“
„Ja. Rosier hat Sirius‘ Bruder gekannt. Die zwei waren befreundet, deshalb hat er ihm alles erzählt. Oder vielleicht hat er ihn auch gefoltert – zuzutrauen wäre es ihm.“
„Hmmm…“, brummte Harry und starrte mit seinem verbliebenen Auge einen Moment lang ins Leere, während er nachzudenken schien. „Horkrux… Davon hab ich noch nie etwas gehört.“
„Sev-… Snape sagt, dass es etwas wirklich, wirklich Dunkles und Böses ist. Wahrscheinlich kennen das nicht viele… Sonst würde sich jeder Schwarzmagier so einen Horkrux erschaffen.“
Der Gedanke, dass sich noch mehr Todesser unsterblich gemacht hatten, ließ Hermine erschaudern. So würden sie den Krieg niemals gewinnen.
„Hab ich das richtig verstanden? Wir müssen also nur den Horkrux finden und vernichten, dann können wir den Dunklen Lord töten?“
Hermine nickte. „Aber wir wissen nicht, wie dieser Horkrux aussieht. Außerdem könnte der Dunkle Lord mehrere erschaffen haben. Severus hält das für möglich.“
Trotz dieser vielen Schwierigkeiten und Probleme lächelte Harry. „Aber das ist immerhin schon mal ein Anfang! Wir wissen jetzt, wonach wir suchen müssen. Und wenn wir den Horkrux gefunden haben, dann zerstören wir ihn und beenden den Krieg! Wir werden die Todesser besiegen!“
Sein Enthusiasmus war ansteckend. Auch Hermine schöpfte neue Hoffnung. Monatelang waren sie nicht vorangekommen, hatten vergebens nach einem Weg gesucht, den Dunklen Lord zu vernichten. Nun schien das Ziel so nah zu sein – und war dennoch unerreichbar fern.
„Wie vernichtet man einen Horkrux?“, fragte Harry und Hermine zuckte die Achseln.
Er machte eine säuerliche Miene. „Das ist schlecht… Wir können Mum nur überzeugen, mit der Suche nach den Horkruxen zu beginnen, wenn wir auch wissen, wie man sie zerstört.“
„Sollten wir uns darüber nicht erst Gedanken machen, wenn wir einen gefunden haben?“, fragte Hermine.
„Nein. Du kennst meine Mum nicht. Sie glaubt ganz fest daran, dass uns nur der MAKUSA helfen kann. Wenn wir sie überzeugen wollen, dann müssen wir uns was einfallen lassen…“

Sie verfielen in ein nachdenkliches Schweigen. Selbst Severus, der sich gut mit schwarzer Magie auskannte, wusste nicht viel über Horkruxe.
„Vielleicht finden wir ja in einem Buch die Antwort“, überlegte sie laut.
Harry lachte. „Wenn du nicht weiterweißt, dann schaust du immer in ein Buch, oder?“
Hermine spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. „Na ja, wo soll ich denn sonst nachschauen…“
„Remus hat mir erzählt, dass du unbedingt ein Buch über das Apparieren von ihm wolltest. Das kann man aber nicht in der Theorie lernen.“
„Das hat Remus auch gesagt“, seufzte Hermine.
Harry stand auf und streckte sich. „Na, dann lass uns mal in die Bibliothek gehen.“

Auf dem Weg dorthin entdeckte Harry eine Person, der Hermine nicht so schnell wieder begegnen wollte. Dafür, dass er nur noch ein Auge hatte, war er überraschend scharfsichtig.
„Da ist ja Ron!“, rief Harry begeistert und winkte ihm überschwänglich zu.
Hermine stöhnte genervt auf. Der Tag entwickelte sich immer mehr zu einer Achterbahn der Gefühle. Kaum schien sich alles zum Besseren zu wenden, ging es wieder steil bergab.
„Nein, Harry, bitte nicht“, sagte sie und zog an seinem Ärmel, damit er die Hand senkte. Noch hatte Ron sie nämlich nicht entdeckt.
„Was ist los? Habt ihr zwei gestritten?“, fragte Harry und schaute verwirrt zwischen ihnen hin und her.
„Kann man so sagen.“
„Beziehungsprobleme, hm?“, fragte er und klang ganz genau wie Remus, der sich immer um die Probleme anderer kümmerte. Selbst dessen mitfühlenden Gesichtsausdruck ahmte er perfekt nach.
„Ron und ich sind nicht zusammen.“
„Ach? Aber Ron hat erzählt… Nicht so wichtig“, meinte er schnell, weil Hermine fragend die Brauen gehoben hatte. „Ich finde, ihr solltet euch wieder versöhnen. Außerdem kann er uns beim Suchen helfen.“ Er wartete gar nicht ab, ob sie damit einverstanden war, sondern ging hinüber zur Ron. Dessen sommersprossiges Gesicht hellte sich auf, als er Harry entdeckte. Sie begrüßten einander, dann gestikulierte Harry in Hermines Richtung. Das Lächeln auf Rons Lippen gefror, als er zu ihr blickte. Davon ließ Harry sich jedoch nicht beirren. Kumpelhaft klopfte er Ron auf die Schulter und bugsierte ihn zu Hermine.

Eine peinliche Stille zwischen ihnen war die Folge. Sie vermieden es, einander anzusehen. Hermine hatte nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, deshalb sah sie auch gar nicht ein, warum sie sich entschuldigen sollte. Das musste auch Ron erkannt haben. Er räusperte sich und fuhr sich verlegen mit der Hand über den Nacken.
„Was ich zu dir gesagt habe…“, begann er und suchte nach den richtigen Worten. Sein Kopf hatte die Farbe einer Tomate. „Das war ziemlich dumm von mir. Und gemein. Ich wollte dir nicht weh tun…“, stammelte er.
Fast hätte Hermine mit ihm Mitleid gehabt. Er schien seine Worte ernsthaft zu bereuen.
„Bitte verzeih mir, dass ich… dass ich… so ein Dummdödel war.“
Sie war noch immer wütend auf ihn, jedoch zuckten ihre Mundwinkel bei dem Wort. Es war lange her, seit sie ihn so genannt hatte, trotzdem erinnerte er sich noch.
„Wir sind nicht zusammen“, stellte sie klar.
Seine Schultern sackten zwar herab, jedoch nickte er eilig.
„Aber ich nehme deine Entschuldigung an“, sagte Hermine und hoffte, dass sie es nicht bereuen würde.
Ron strahlte bis über beide Ohren. „Danke. Das… das erleichtert mich.“
„Sehr gut.“ Harry stellte sich zwischen die beiden und legte ihnen jeweils einen Arm um die Schultern. „Und jetzt suchen wir die Horkruxe!“

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Die "Muggeline" ist zurück!

Nach dieser erholsamen Pause habe ich jede Menge spannende Kapitel für euch im Gepäck! Dieses hier war noch etwas ruhiger, aber hoffentlich nicht langweilig!

Mein Dank gilt wie immer der wundervollen Marginalie! Sie ist Korrekturleserin, Betaleserin und Plotberaterin in einer Person! Falls ihr Evan nicht leiden könnt, dann bedankt euch bei ihr! Sie ist schuld, dass er noch lebt ;-)

Nächsten Donnerstag geht's weiter!

Liebe Grüße
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