Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Muggeline und der Meister der Zaubertränke

von eve001
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
19.08.2021
30.06.2022
46
197.024
111
Alle Kapitel
255 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
07.04.2022 5.537
 
Kapitel 36: Machtkampf

„Wir könnten mit seinen Zehennägeln anfangen. Ihm einen nach dem anderen ziehen, bis er endlich den Mund aufmacht. Falls er dann noch immer nicht redet, machen wir bei seinen Fingernägeln weiter.“
Entgeistert starrte Hermine Hunter an. Er war ihr weitaus sympathischer, wenn er den Mund hielt. Sie hoffte, dass er diesen Vorschlag nicht ernstgemeint hatte, aber die Art, wie er den gefesselten Todesser betrachtete, ließ sie daran zweifeln.
„Ich hätte auch eine Bohrmaschine.“
„Nein“, sagte Hermine und versuchte gar nicht erst daran zu denken, was er damit anstellen wollte. Ihre Faust schloss sich fester um das Fläschchen mit dem Veritaserum, das sie in ihrer Schürzentasche versteckte. Sie hatte noch nicht den Mut gefunden, ein paar Tropfen davon dem Todesser zu verabreichen.
„Soll mich dieses Gerede einschüchtern?“, fragte Rosier hochmütig. „Ein Schlammblut und Squib können mir keine Angst einjagen.“
„Sie sollten aber Angst haben.“
Er stieß ein verächtliches Schnauben aus. „Ich hätte euch im Schlaf umbringen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte“, murmelte er und sah dabei so aus, als würde er diese verpasste Chance tatsächlich bereuen.
„Wir warten auf Snape“, beschloss Hermine und Hunter nickte widerwillig.

In Rosiers Augen trat ein bösartiges Funkeln. „Da solltest du gut zusehen, Schlammblut. Dann kannst du lernen, wie man einen Gefangenen verhört. Severus war immer gut darin, die Leute zum Sprechen zu bringen. Er ist sehr kreativ, bei der Wahl seiner Methoden und hatte immer großen Spaß daran, sich etwas Neues zu überlegen.“
„Seien Sie still“, sagte sie und wünschte sich, dass ihre Stimme dabei kräftiger und mutiger geklungen hätte.
„Das hörst du nicht gerne, oder? Severus gibt sich so viel Mühe, nett zu dir zu sein. Da könnte man fast vergessen, wer er tatsächlich ist.“
„Ihre Tricks funktionieren bei mir nicht.“
„Das ist kein Trick. Ich erzähle nur die Wahrheit. Das wolltest du doch, oder? Die Wahrheit.“
„Ich wollte von Ihnen wissen, warum Sie hier eingebrochen sind.“
„Das ist eine Sache zwischen mir und Severus, die ich mit dir bestimmt nicht besprechen werde.“
„Ich habe Sie längst durchschaut: Sie sind gekommen, um Rache zu nehmen.“
Rosier erwiderte stumm ihren Blick und grinste verschlagen, sagte aber nichts. So ging das schon die ganze Zeit. Er sprach nur über das, worüber er wollte, und weigerte sich Hermines Fragen zu beantworten. Dazwischen beleidigte er sie ständig. Er nahm sie nicht ernst und zeigte ihr das auch bei jeder Gelegenheit. Neben ihr knackste Hunter bedrohlich mit den Fingerknöcheln.
Sie seufzte. „Schön. Dann eben nicht.“
„So leicht gibst du auf? Das enttäuscht mich sehr, Schlammblut. Ich habe gerade angefangen, mich zu amüsieren.“
„Hören Sie endlich auf, mich so zu nennen“, zischte Hermine, diesmal mit etwas mehr Nachdruck in der Stimme.
„Wieso? Du bist doch eines.“
„Knebeln Sie ihn“, bat sie und Hunters strenge Miene verzog sich zu einem erfreuten Lächeln.
„Ahh… Das ist also dein wunder Punkt? Nun, daran-“ Seine restlichen Worte wurden von dem Spitzendeckchen, das Hunter kurzerhand als Knebel umfunktioniert und ihn in dem Mund gesteckt hatte, gedämpft und eine angenehme Stille legte sich über die Bibliothek, die aber nicht lange anhielt, denn Snape war endlich zurückgekehrt.

Kaum hatte er die Bibliothek betreten, da blieb er abrupt stehen. Sein Blick huschte über die Anwesenden und verfinsterte sich schlagartig, als er den gefesselten Gefangenen entdeckte. Er zückte seinen Zauberstab.
„Was ist hier los? Wer ist das?“
Hunter nahm eine gerade Haltung an; es fehlte nur noch, dass er salutierte. „Wir haben den Einbrecher gefasst und dingfest gemacht, Sir.“
Hermine war so erleichtert ihn zu sehen, dass sie ihm am liebsten um den Hals gefallen wäre, doch vor Hunter und Rosier hielt sie sich zurück. Sie lief ihm entgegen und musste unwillkürlich lächeln, was sie jedoch sofort bereute.
„Du bist verletzt“, stellte er mit einem besorgten Blick auf ihre geschwollene Wange und die aufgeplatzte Lippe fest.
„Das war Rosier! Er hat sich ins Haus geschlichen und uns beobachtet! Er war die ganze Zeit unsichtbar! Ihn habe ich am Fenster gesehen“, erzählte sie aufgeregt.
„Rosier?“ Nun wandte Severus seine Aufmerksamkeit dem Gefesselten zu, der das Gespräch amüsiert beobachtet hatte. Seine Augen weiteten sich, als er den Todesser erkannte. Sämtliche Farbe verschwand aus seinem Gesicht. Für einen Moment schien er wie erstarrt zu sein. Als sich sein erster Schock gelegt hatte, wandte er langsam den Kopf zu Hermine.
„Hol das Veritaserum“, verlangte er leise. „Vielleicht wirkt es lange genug, um ihm ein paar Antworten zu entlocken.“
Wortlos griff sie in ihre Tasche und überreichte ihm das Fläschchen mit der glasklaren Flüssigkeit. Falls er überrascht war, dass sie es bereits geholt hatte, zeigte er es nicht.

Mit einem Schlenker seines Zauberstabs entfernte Severus den Knebel aus Rosiers Mund.
„Was ist los?“, fragte dieser feixend. „Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“
„Ich falle auf diese Scharade nicht herein. Evan ist tot. Wer bist du?“
Rosier lächelte. „Wenn du sicher sein willst, dass jemand tot ist, solltest du ihn töten, nachdem du ihn mit einem Imperius-Fluch belegt hast, und ihn nicht schwer verwundet zurücklassen. Oder hast du gehofft, dass die Inferi die Drecksarbeit für dich übernehmen?“
Bei diesen Worten verschwand der letzte Rest Farbe aus Severus‘ Gesicht. „Wer weiß noch, dass du überlebt hast?“, fragte er.
„Aaah“, machte Rosier anerkennend und blickte zu Hermine, die sich im Hintergrund hielt und das Gespräch gespannt verfolgte. „Siehst du, Schlammblut. Er stellt die richtigen Fragen.“
Severus zielte mit dem Zauberstab auf Rosiers Herz. „Antworte!“
„Schick deine Lakaien raus und ich werde dir alles erzählen, was du wissen willst.“
„Die beiden bleiben hier und du wirst meine Fragen beantworten.“
Rosier verzog das Gesicht.
„Was willst du?“, fragte Severus gefährlich leise. „Rache? Gold?“
„Die Wahrheit.“
„Die will ich auch.“

Severus zog den Korken aus dem Fläschchen. Hunter verstand sofort, was er vorhatte und stellte sich hinter Rosier. Er drückte dem Todesser den Kopf in den Nacken und zwang dessen Mund auf, damit Severus ihm ein paar Tropfen von dem Veritaserum einflößen konnte. So sehr Rosier sich auch dagegen wehrte, Hunter brachte ihn dazu, das Wahrheitsserum zu schlucken. Kaum hatte Hunter ihn losgelassen, da versuchte er es wieder auszuspucken und hochzuwürgen, doch es war zwecklos. Es entfaltete seine Wirkung, sobald es die Schleimhäute berührte.

Severus wartete, bis er sich beruhigt hatte und der mörderische Ausdruck auf dessen Gesicht einer gleichgültigen Miene gewichen war.
„Bist du gekommen, um mich zu töten?“, fragte er.
Rosier kämpfte gegen die Wirkung an, ballte seine verbliebene Hand zur Faust und biss die Zähne so fest aufeinander, dass Hermine seine Kiefer knacken hörte, dennoch gelang es ihm nicht, dem Trank zu widerstehen. „Nein“, presste er widerwillig hervor.
„Hast du dich in mein Haus geschlichen, um dich an mir zu rächen?“
„Nein.“
Severus schien von diesen Antworten genauso überrascht wie Hermine zu sein. „Warum nicht?“
„Im ersten Moment wollte ich mich tatsächlich an dir rächen und dich für das büßen lassen, was du mir angetan hast. Greyback wäre mir sicherlich liebend gerne zur Hand gegangen…“ Das bösartige Funkeln in seinen grauen Augen machte Hermine Angst.
„Warum hast du es nicht getan?“, fragte Severus unbeeindruckt.
„Umso länger ich über das nachgedacht habe, was im Untergrund passiert ist, umso seltsamer kam mir das alles vor. Bevor ich mich an dir räche, wollte ich herausfinden, was dich dazu gebracht hat, mich zu hintergehen. Zuerst dachte ich, dass du vielleicht selbst unter einem Imperius-Fluch stehst und mich deshalb angegriffen hast, aber ich weiß, wie schnell du so einen Fluch abschütteln kannst. Es musste also etwas anderes dahinterstecken.“
„Und um das herauszufinden, hast du drei Monate gewartet, um dich dann in mein Haus zu schleichen und mich auszuspionieren?“
„Ich habe nicht gewartet. Ich konnte mich an nichts mehr erinnern.“

Er erzählte davon, wie ihn ein Heiler namens Joshua Goldhorn gesundgepflegt hatte, aber ihn zugleich durch geschickte Lügen davon abgehalten hatte, sich an die Wahrheit zu erinnern. Trotz seiner Taten empfand Hermine ein wenig Mitleid mit dem Todesser, als er von seinem Leben auf der Straße und seinen fehlenden Erinnerungen sprach. Sie blickte zu Severus, der den Worten seines ehemaligen Kameraden mit ausdrucksloser Miene lauschte.
„… Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ausgerechnet du den Dunklen Lord hintergehst und mit dem Orden gemeinsame Sache machst… Ich hätte aber auch nie gedacht, dass du mich verrätst“, schloss Rosier seine Erzählung.
Severus ging darauf nicht ein. Nachdenklich drehte er den Zauberstab in seiner Hand. „Wer weiß, dass du überlebt hast?“
„Niemand.“
Ungläubig zog er eine Augenbraue nach oben. „Was ist mit dem Heiler?“
„Tot.“
Hermine fiel wieder ein, dass sie im Radio etwas über den ungeklärten Mord an Joshua Goldhorn gehört hatte. Für sie war der Fall nun geklärt.
„Dann könnte ich dich jetzt töten und niemand würde davon erfahren?“, fragte Severus misstrauisch.
„Nein. Ich habe fünf Briefe verfasst, die morgen verschickt werden, sollte ich sie nicht vorher wieder abholen. Wenn du mich tötest, wird dein Geheimnis auffliegen.“
Severus nickte anerkennend. „Ein gerissener Schachzug.“
„Da du mich schon einmal beinahe umgebracht hast, wollte ich diesmal kein Risiko eingehen.“
„Und was verlangst du im Gegenzug für dein Schweigen?“
„Eine neue Identität, Gold für mich und meine Familie und einen Portschlüssel in ein Land meiner Wahl.“
Severus schwieg und schien sich die Forderung durch den Kopf gehen zu lassen. „Wer garantiert mir, dass du mich dann nicht doch verrätst?“
„Ich habe nicht vor, dich zu verraten, wenn du meine Bedingungen erfüllst. Im Gegensatz zu dir stehe ich zu meinem Wort.“

Für Hermine klang die Abmachung fair, doch sie konnte gut nachvollziehen, warum Severus nicht sofort zustimmte, sondern sich mit Rosier ein stummes Blickduell lieferte. Vermutlich suchte er in dessen Erinnerungen und Gedanken nach einem Haken oder einer versteckten Falle. Zuzutrauen wäre es dem Todesser allemal.
„Du wendest dich also vom Dunklen Lord ab?“, fragte Severus nach einer langen Pause.
„Ja.“
„Warum?“
Rosier wählte seine Worte mit Bedacht. „Man lernt das Leben erst dann zu schätzen, wenn man kurz davor ist, es zu verlieren… Früher dachte ich immer, dass es mein Schicksal sei, dem Dunklen Lord zu dienen. Ich habe an ihn und seine Vision einer reinblütigen Zaubererschaft geglaubt. Ich hätte mein Leben für ihn gegeben, aber in den letzten Jahren… Seit Wilkes Tod… Da… da bekam ich Zweifel.“ Er blickte Severus niedergeschlagen an. „Ich wollte, dass die Schlammblüter aus unserer Gemeinschaft verschwinden. Das reine Blut sollte wieder den Stellenwert bekommen, den es verdient hat. Aber ich wollte niemals, dass wir über die Muggel herrschen.“
„Wir wussten alle, dass es irgendwann so weit kommen würde.“
„Irgendwann oder vielleicht auch nie. Wir hätten zufrieden sein sollen, als wir das Zaubereiministerium unter unserer Kontrolle hatten. Es war falsch, dass wir uns den Muggeln offenbart haben.“
„Warum hast du nie etwas gesagt?“
„Weil ich nicht lebensmüde bin? Außerdem dachte ich, dass es offensichtlich ist. Warum hätte ich sonst jeden Posten abgelehnt, den du so freundlicherweise für mich vorgesehen hast? Du warst so mit deiner Muggel-Politik beschäftigt, dass du gar nicht bemerkt hast, dass ich mich immer weiter zurückgezogen habe. Eigentlich hätte es dir auffallen müssen, dass ich mich gar nicht mehr eingebracht habe, sondern nur noch das gemacht habe, was unser Lord von mir wollte.“
„Ich dachte, du wärst zufrieden damit, Verräter zu jagen.“
„Verräter…“ Er schnaubte und schüttelte langsam den Kopf. „Ja, das waren sie anfangs für mich auch… Aber dann begriff ich, warum der Lord sie beseitigen ließ: Weil sie die Wahrheit erkannt haben. Wir haben uns geirrt. Wir sind vom richtigen Weg abgekommen. Fortitudo in puritate.“

Für einen Moment schwieg Severus und taxierte Rosier mit zusammengekniffenen Augen. „Dafür, dass du deinen Vater immer gehasst hast, hörst du dich jetzt genau wie er an. Stärke durch Reinheit.“ Er schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Gibt es noch immer Leute, die selbst nach seinem Tod noch auf seine Parolen und sein fehlerhaftes Latein reinfallen?“
„Mehr als du denkst. Selbst unter den Todessern.“
„Traurig“, spottete Severus.
„Du bist ganz schön überheblich, wenn man bedenkt, dass du dich mit dem Orden des Phönix verbrüdert hast. Mit solchen Leuten.“ Abfällig deutete er mit dem Kopf in Hermines und Hunters Richtung.
„Anstatt dich zurückzuziehen, hättest du mit uns über deine Bedenken sprechen sollen.“
Rosier lachte verächtlich. „Welcher meiner ach so guten Freunde hätte mir zugehört? Avery? Der eingebildete Gockel, der Tag und Nacht in seinem roten Umhang herumstolziert? Mulciber? Der Schlammblüter und Muggel mehr hasst als der Dunkle Lord selbst? Oder mit dir? Seiner Hand? Wie lange hätte es gedauert, bis ihr mich wegen Hochverrats an der Mauer aufgeknüpft hättet?“
„Das hätte ich nicht zugelassen…“
„Nein? Stattdessen hast du mich für deine Zwecke missbraucht und mich beinahe umgebracht. Wie lange arbeitest du schon für den Orden?“
„Noch nicht so lange“, gestand Severus. „Aber es sind die gleichen Zweifel, die mich dazu gebracht haben, mich vom Dunklen Lord abzuwenden.“
„Und du glaubst, dass der Orden gewinnen kann?“
Severus nickte langsam. „Lily hat es immerhin geschafft, den MAKUSA auf ihre Seite zu ziehen. Uns steht ein Krieg bevor. Ein Krieg, den der Dunkle Lord nicht gewinnen kann.“
Verächtlich verzog Rosier die Mundwinkel. „Ein Grund mehr, von hier zu verschwinden. Ich will nicht in Askaban landen. Und sterben will ich auch nicht.“ Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Wenn du klug wärst, würdest du es genauso machen.“
Ein wehmütiges Lächeln umspielte Severus‘ Lippen. „Das geht nicht. Der Dunkle Lord hat mir befohlen, mit dem MAKUSA zu verhandeln und das werde ich tun. Ich will diesen Krieg verhindern.“
„Wieso? Dann willst du also doch nicht, dass die Herrschaft der Todesser endet?“
„Ich will vor allem ein weiteres Blutvergießen verhindern.“
„Er wird nicht freiwillig abdanken.“
„Ich weiß, aber… Es gibt vielleicht einen anderen Weg, ihn zu vernichten. Es muss einen Weg geben.“
„Er ist unsterblich, Severus.“
„Irgendwie muss man ihn töten können“, beharrte er.
Rosier sah für einen Moment so aus, als würde er etwas erwidern wollen, doch er schwieg.
Diese Reaktion war Severus nicht entgangen. Er taxierte ihn mit seinem Blick. „Du weißt etwas. Hat das etwas mit Regulus Black zu tun?“
„Vielleicht.“ Er grinste.
„Spuck es aus.“
„Warum sollte ich? Als Dank dafür, dass du mich beinahe umgebracht hast? Ich schulde dir nichts, Severus. Gar nichts.“

Verwundert blickte Hermine zwischen den beiden hin und her. Rosier hatte es irgendwie geschafft, gegen die Wirkung des Veritaserums anzukämpfen. Das hätte sie nicht für möglich gehalten.
„Ich könnte dich foltern“, sagte Severus ernst.
„Und ich könnte dich an den Dunklen Lord verraten.“
„Dann befinden wir uns wohl in einer Patt-Situation.“
„Sieht ganz danach aus.“
Sie musterten einander aufmerksam; Severus nachdenklich und Rosier mit einem schadenfrohen Grinsen auf den Lippen.
„Evan, wenn du weißt, wie man den Dunklen Lord aufhalten kann, dann musst du mir das sagen.“
„Wieso? Im Gegensatz zu dir ist es mir egal, wie viele Muggel und Schlammblüter sterben.“
„Und was ist mit deiner Familie? Deinen Freunden? Du könntest ihnen viel Leid ersparen.“
„Oh, das ist wirklich rührend.“
„Evan… Denk an deine Schwester. Wenn Duncan im Krieg fällt, muss sie sich alleine um drei kleine Kinder kümmern. Willst du das?“, beschwor Severus ihn.
„Es ist seltsam, dass ausgerechnet du dir Sorgen um meine Schwester machst, wenn man bedenkt, dass du sie erpresst hast.“
„Du weißt davon?“
„Ja. Ich habe sie besucht. Aber keine Sorge, sie wird dich nicht verraten, denn sie erinnert sich nicht mehr daran. Meine Vergessenszauber funktionieren nämlich – im Gegensatz zu deinen.“
„Dann lässt du mir keine Wahl…“
Severus hob seinen Zauberstab. „Du wartest besser draußen“, sagte er an Hermine gewandt, ohne sie dabei anzusehen.
„Nein!“ Sie stellte sich zwischen Severus und den Todesser. Es musste eine andere Lösung geben. Sie drehte sich zu Rosier um:
„Warum sagen Sie ihm nicht einfach, was er wissen will? Wollen Sie etwa, dass er Sie foltert?“
„Es geht um Macht und Kontrolle, Schlammblut. Ich bin unbewaffnet und gefesselt, dennoch bestimme ich, was passiert.“
Entgeistert starrte sie ihn an. „Das ist … verrückt! Sie bestimmen gar nichts! Sie werden nur unnötig leiden und er wird so oder so erfahren, was er wissen will.“
„Evan will mich bestrafen, Hermine. Darum geht es ihm. Er hat mir mein Zögern als Schwäche ausgelegt. Zurecht.“
Rosier nickte. „Ganz genau. Du konntest mich nicht töten und jetzt zögerst du, mich zu foltern. Trotzdem wirst du es tun und du wirst dich dafür hassen.“
„Und er wird Sie dafür hassen! Sehen Sie denn nicht, dass er das nur tut, weil er nach einem möglichst unblutigen Weg sucht, wie man den Dunklen Lord vernichten kann? Anstatt ihm zu helfen, machen Sie es ihm unnötig schwer.“
„Man kann den Dunklen Lord nicht vernichten.“
„Doch“, beharrte Hermine. „Der Auserwählte kann es. Die Prophezeiung-“
„Genug. Geh nach draußen“, befahl Severus und schob seine Ärmel nach oben.
„Welche Prophezeiung?“, fragte Rosier misstrauisch.
Hermine rührte sich nicht vom Fleck. „Die Prophezeiung, die besagt, dass Harry Potter der Auserwählte ist und den Dunklen Lord besiegen-“
„Sei still! Hunter, bring sie raus.“

Grob packte Hunter Hermine am Arm und zog sie Richtung Tür.
„Stimmt das?“, fragte Rosier. „Sagt das Schlammblut die Wahrheit?“
„Nenn sie nicht so“, verlangte Severus ruhig.
Hermine hielt sich am Türrahmen fest. „Es ist wahr! Deshalb hat Harry Potter den Todesfluch des Dunklen Lords überlebt und-“
„Er hat einen Todesfluch überlebt? Wirklich?“ Rosier machte große Augen und blickte zwischen Hermine und Severus aufgeregt hin und her.
„Das ist nicht weiter von Belang. Ich will von dir wissen, wieso Regulus damals sterben musste. Was hat er über den Dunklen Lord herausgefunden?“
Das Letzte, was Hermine sah, bevor Hunter sie hinaus auf den Flur schleifte, war Severus, der seinen Zauberstab hob.
In dem Moment rief Rosier: „Halt! Ich werde dir all deine Fragen beantworten, wenn du mir erzählst, was es mit dieser Prophezeiung auf sich hat.“

Die Tür fiel ins Schloss und verschluckte alle Geräusche aus dem Salon. Wütend starrte Hermine den Chauffeur an, der sich vor der Tür positionierte.
„Geh in die Küche, Mädchen.“
Für einen Moment überlegte sie ernsthaft, Hunter mit einem Schockzauber außer Gefecht zu setzen, doch sie wollte sich gar nicht ausmalen, was er dann mit ihr tun würde. Deshalb schluckte sie ihre Wut hinunter und drehte sich widerwillig um und machte sich auf den Weg in die Küche. Aus dem Salon drangen noch keine Schreie, was sie als gutes Zeichen wertete. Severus würde ihr bestimmt alles erzählen, was sie wissen musste. Hoffentlich.

In der Küche hatte Mrs Cole bereits damit begonnen, das Abendessen aufzuwärmen. Hermine erzählte ihr rasch, was während ihrer Abwesenheit passiert war. Diese Neuigkeit nahm die Küchenchefin derart mit, dass sie sich hinsetzen und Hermine ihr eine Tasse Tee mit einem kräftigen Schuss Rum herbeizaubern musste.
Beim Abendessen bekam Hermine weder Severus noch Rosier zu Gesicht. Mrs Snape saß allein im Esszimmer. Nachdem Hermine auch sie auf den neuesten Stand gebracht hatte, war ihr der Appetit vergangen. Nur Hunter hatte gute Laune und aß die doppelte Portion, während Hermine in ihrem Essen herumstocherte und keinen Bissen hinunterbrachte. Der Gedanke an einen bevorstehenden Krieg schnürte ihr die Kehle zu. Außerdem schmerzte ihr Gesicht beim Kauen. Sie wäre gerne zu Severus gegangen, um ihn nach näheren Details und nach einem Heiltrank zu fragen, aber er war sicherlich noch mit Rosier beschäftigt und da wollte sie nicht stören.

Den Abwasch erledigte freundlicherweise Mrs Cole, damit Hermine weiter ihre rechte Gesichtshälfte behandeln konnte. Sie drückte vorsichtig ein mit Eiswürfeln gefülltes Tuch gegen ihre Backe und spürte, wie der Schmerz langsam nachließ.
Aus dem Radio über der Spüle ertönten die letzten Takte eines bekannten Weihnachtsliedes, ehe ein lauter Gong die volle Stunde anzeigte.
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es folgt die Weihnachtsansprache von Duncan Mulciber, der Hand seiner Lordschaft.“
Mrs Cole und Hermine wechselten einen überraschten Blick. Normalerweise hielt der Zaubereiminister die Ansprache für die gesamte Bevölkerung.

„Meine sehr verehrten Hexen und Zauberer! Einwohnerinnen und Einwohner Großbritanniens!
In dieser schweren Stunde, die vielleicht die schicksalhafteste in unserer Geschichte ist, sende ich diese Botschaft an jeden Haushalt dieses Landes. Zum zweiten Mal im Leben der meisten von uns werden wir auf die Probe gestellt. Es geht um unser aller Überleben.
Immer und immer wieder haben wir versucht, einen friedlichen Ausweg aus den Differenzen zwischen uns und denen zu finden, die sich Orden des Phönix nennen. Aber es war vergebens.
Wir sind in einen Konflikt gezwungen worden, den wir nicht wollten.

Der Orden des Phönix hat sich mit unseren ehemaligen amerikanischen Freunden gegen uns verbündet. Sie haben nur ein Ziel: Sie wollen unser schönes, friedliches Land ins Chaos stürzen. Sie wollen Hass und Zwietracht säen, wo Einigkeit und Frieden herrschen, und mit Gewalt das niederreißen, was wir in fast zwei Jahrzehnten aufgebaut haben.

Doch das werden wir nicht zulassen! Sie werden keinen Keil in diese Gesellschaft treiben, die fest und vereint hinter ihrer Führung steht. Ihr Zorn und ihr Hass werden an uns zerschellen wie die Wellen an der Brandung. Ihre Lügen und Unwahrheiten werden ungehört verhallen. Deshalb muss der Orden des Phönix vernichtet werden, koste es, was es wolle.

Die Aufgabe wird hart sein. Es mögen dunkle Tage auf uns zukommen, doch wenn wir alle entschlossen und treu zu unserer Regierung stehen, bereit sind, jeden Dienst oder jedes Opfer zu erbringen, das verlangt wird, dann werden wir siegreich sein. Frohe Weihnachten.“


Ein weiterer Gong ertönte und die Nachrichtensprecherin meldete sich erneut zu Wort: „Sie hörten soeben die Weihnachtsansprache von Duncan Mulciber. Trotz der drohenden Krise verabschiedete die Regierung heute ein umfangreiches Reformpaket. Als Zeichen der Verbundenheit zwischen der magischen und nichtmagischen Bevölkerung sollen die Schulen wieder geöff -“

Eine bedrückende Stille legte sich über die Küche, nachdem Mrs Cole das Radio ausgeschaltet hatte. Für einen Moment blieb sie mit hängenden Schultern davor stehen, dann richtete sie sich wieder gerade auf und drehte sich zu Hermine um.
„Das war ein ereignisreicher Tag. Wir sollten zu Bett gehen.“
Ohne zu widersprechen, stand Hermine auf, legte den Eisbeutel in die Spüle und folgte Mrs Cole die Treppe hinauf.
Automatisch setzte sie einen Fuß vor den anderen, während sich in ihrem Kopf nur alles um ein Wort drehte: Krieg. In der Ansprache war dieses Wort zwar nicht gefallen, aber die Botschaft zwischen den Zeilen war unmissverständlich gewesen. Beim Gedanken an das Grauen, das ihnen bevorstand, breitete sich eine unnatürliche Kälte in ihrem Körper aus, die selbst eine heiße Dusche nicht vertreiben konnte. Sie zitterte noch immer, als sie sich ins Bett legte und die Decke bis unter ihre Nasenspitze hochzog. So aussichtslos die Situation auch erschien, sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn sie nicht wusste, worauf sie eigentlich hoffen sollte.

Ein leises Plopp ertönte und Hermine schreckte hoch. Sie saß kerzengerade in ihrem Bett und tastete nach ihrem Zauberstab, doch es war nur Severus, der die Hände hob.
„Ich wollte dich nicht erschrecken. Hast du schon geschlafen?“
Sie atmete erleichtert auf und entzündete die Kerze auf der Kommode. „Nein.“
„Gut.“ Er stand einen Moment lang unschlüssig vor ihrem Bett, dann griff er in seine Pyjamahosentasche und zog ein kleines Döschen heraus und überreichte es ihr. „Ich habe dir etwas mitgebracht. Für deine Wange.“
„Danke.“ Sogleich schraubte sie den Deckel auf und wollte die Heilsalbe auf ihrer geschwollenen Wange verteilen, doch kaum hatte sie ihr Gesicht berührt, zuckte sie vor Schmerz zusammen.
„Lass mich das machen“, bat er und setzte sich zu ihr aufs Bett.
Behutsam trug er die Salbe auf ihrer lädierten Gesichtshälfte auf. Er war dabei so vorsichtig und zärtlich, dass es kaum weh tat.
„Evan hat mir erzählt, wie du gegen ihn gekämpft hast und dass du ihn ohne Zauberstab angegriffen hast. Das war sehr mutig von dir.“ Er lächelte leicht, während er ein wenig von der Salbe auch auf ihrer aufgesprungenen Lippe und auf dem Knutschfleck an ihrem Hals verteilte. „Aber es war zugleich sehr riskant und gefährlich.“
Sein Blick wurde ernst, als er das Döschen verschloss und beiseitelegte. Sofort vermisste sie das Gefühl seiner warmen Fingerspitzen auf ihrer Haut.
„Mach das nie wieder. Versprich es mir.“
Sie nickte stumm und er schien erleichtert zu sein. Mit seiner Hand streichelte er sanft über ihre unverletzte Wange.
„Und nun werde ich dich schlafen lassen. Du bist bestimmt erschöpft.“
Er wollte aufstehen, doch sie hielt ihn sanft an der Hand zurück. „Geh noch nicht“, bat sie.

Für einen Moment schien Severus unschlüssig zu sein, ob er ihrer Bitte nachkommen sollte, doch dann rutschte er auf dem Bett nach hinten, bis er sich mit dem Rücken gegen die Wand lehnen konnte. Dabei quietschte und ächzte die Federung des schmalen Bettes bedrohlich.
„Sonderlich bequem ist das nicht.“
Hermine runzelte die Stirn. Er hatte leicht reden mit seinem riesigen Himmelbett. „Ich bin Schlimmeres gewohnt. Eine Zeitlang musste ich sogar auf dem Küchenboden schlafen.“
„Das wirst du nie wieder müssen.“ Es war keine Feststellung, sondern ein Versprechen. Er würde es nicht zulassen, das wusste sie.

Severus gähnte und schloss für einen Moment die Augen. Wahrscheinlich wäre er selbst schon gerne ins Bett gegangen, trotzdem war er hier, bei ihr, weil sie ihn darum gebeten hatte. Er saß am Fußende des Bettes und sie hätte genug Platz gehabt, sich auszustrecken, doch sie wollte bei ihm sein. Seine Nähe spüren. Deshalb schlug sie die Bettdeckte zurück und rutschte langsam, fast zaghaft zu ihm. Ihre Angst vor einer Zurückweisung war unbegründet, denn er schlang seinen Arm um sie und zog sie näher an sich heran.
„Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist“, flüsterte er und drückte sie fest an sich. Sie schmiegte ihren Kopf an seine Schulter und genoss die Wärme, die von seinem Körper ausging. Allmählich verschwand die Kälte aus ihren Gliedmaßen, genauso wie ihre Sorgen und Ängste. Das erste Mal seit langer Zeit fühlte sie sich wirklich sicher. Geschätzt, gemocht. Und sogar begehrenswert. Auch wenn der Gedanke sie nervös machte und ihr Magen dabei brummelte, als hätte sie seit Tagen nichts gegessen, würde sie so gern wieder von ihm geküsst werden. Und so berührt werden wie in der Bibliothek.
„Du willst wahrscheinlich wissen, was ich aus Evan noch herausbekommen habe“, fragte er, während er nach der Decke griff und sie über sie beide breitete.
Sie nickte mit geschlossenen Augen.
„Damit du es verstehst, muss ich dir etwas über einen Jungen namens Regulus Black erzählen. Er war der jüngere Bruder von Sirius und mindestens genauso lästig. Doch im Gegensatz zu seinem Bruder war Regulus ein überzeugter Reinblüter und Slytherin durch und durch. Er war zwei Jahrgänge unter mir und Evan zwei Jahrgänge über mir, trotzdem haben wir uns alle gekannt, denn wir hatten alle ein gemeinsames Ziel: Wir wollten Todesser werden. Regulus war wie besessen von diesem Wunsch. Er vergötterte Evan, der damals bereits zu den Todessern gehörte, und folgte ihm auf Schritt und Tritt. Ich glaube, er war 16, als er sein Dunkles Mal bekommen hat. Das war“, er überlegte kurz, „1977 in meinem letzten Jahr in Hogwarts. Danach hatte ich nicht mehr sonderlich viel mit ihm zu tun, er ging ja noch zur Schule. Nach seinem Abschluss war er immer mit Evan und Will – Wilbur Wilkes – unterwegs. Doch Regulus hat sich das Todesserdasein wohl ein wenig anders vorgestellt… Vielleicht dachte er, dass ein Black sich nicht die Hände schmutzig machen muss oder er automatisch zum engsten Kreis gehört – auf jeden Fall war er schon bald nicht mehr so begeistert. Behauptet Evan zumindest. Doch dann ist etwas passiert, das Regulus dazu gebracht hat, sich vom Dunklen Lord abzuwenden. Und das war sein Todesurteil.“
„Was war es?“, fragte Hermine gespannt.
„Nach allem, was Evan von Regulus erfahren hatte, war er dem Dunklen Lord bei einer geheimen Sache behilflich, für die der Lord einen Hauselfen benötigte. Regulus fand heraus, wofür: Der Dunkle Lord hatte einen Horkrux erschaffen und ihn in einer Höhle versteckt.“
„Was ist ein Horkrux?“, wollte sie wissen.
„Das ist dunkelste, schwärzeste Magie, mit der selbst ich mich nicht gut auskenne. Vereinfacht erklärt: Es ist ein Stück seiner Seele, das man absichtlich erschafft, indem man einen Mord begeht. Dieses Seelenstück schließt man in einen Gegenstand ein, versteckt ihn und verhindert so, dass man getötet werden kann.“
Der Gedanke an so einen Horkrux bescherte Hermine eine Gänsehaut. Sie lehnte sich an Severus, atmete dabei den Duft seines herben Duschgels ein. „Ist das der Grund, warum der Dunkle Lord nicht getötet werden kann? Ein Horkrux?“
„Ja, das denke ich. Einer. Oder mehrere. So, wie ich den Lord kenne und einschätze, macht er seine Unsterblichkeit nicht nur von einem Horkrux abhängig. Es muss mindesten zwei oder vielleicht sogar drei geben.“
„Dann müssen wir sie finden und zerstören… “
„Das wird nicht so einfach“, meinte er nachdenklich und streichelte geistesabwesend über ihre Hüfte. „Ein Horkrux kann alles sein. Und man kann ihn überall verstecken. Ich weiß nicht, wo wir anfangen sollen.“
„Was ist mit dieser Höhle?“
„Evan weiß nicht, wo sie sich befindet. Regulus hat es ihm nicht verraten.“
„Das hätte er herausfinden müssen, bevor er ihn getötet hat“, meinte sie bitter.
„Evan hat Regulus nicht getötet. Er hat es immer behauptet und wir haben es ihm geglaubt, aber die Wahrheit ist, dass Regulus es geschafft hat, ihm zu entkommen.“
„Dann lebt er vielleicht noch!“
Severus schüttelte bedauernd den Kopf. „Nein. Würde er noch leben, hätte Evan ihn aufgespürt. Niemand kann Evan entkommen. Er hat bisher noch jeden Verräter gefunden, egal wie gut er sich versteckt hat. Evan ist gefährlich. Ich will, dass du dich von ihm fernhältst.“
Sie nickte. Freiwillig würde sie sich sowieso nicht mehr in die Nähe dieses Mannes begeben. „Was geschieht jetzt mit Rosier?“
„Ich habe ihm eines der Dienstjungenzimmer gegeben. Gleich morgen wird Hunter sich um die Papiere für ihn kümmern und versuchen, einen Portschlüssel zu bekommen. Trotzdem wird er einige Tage hierbleiben müssen.“
Hermine hob den Kopf und starrte Severus schockiert an. Das konnte er doch nicht ernst meinen.
„Keine Angst. Er hat einen Unbrechbaren Schwur abgelegt, dass er niemandem in Hetfield House einen körperlichen Schaden zufügen wird. Und dass er, sobald seine Forderungen erfüllt sind, von hier verschwindet und niemals zurückkehrt. In ein paar Tagen ist alles überstanden.“
„Abgesehen von dem Krieg.“
„Abgesehen davon.“

Sein Tonfall machte ihr deutlich, dass er darüber nicht sprechen wollte. Stattdessen vergrub er die Nase in ihrem Haar und hielt Hermine in seinen Armen, als wäre sie sein größter Schatz.
Ihre Angst vor dem Krieg war nicht mehr so überwältigend, denn nun wussten sie endlich, wie sie den Dunklen Lord vernichten konnten. Das gab ihr neue Hoffnung. Hermine schloss wieder die Augen, spürte, wie Severus ruhig und zufrieden neben ihr atmete, während sie über seinen Arm streichelte.
„Was hast du dir vorgenommen?... Für später, wenn das alles vorbei ist. Du hast doch sicher Träume“, flüsterte er.
Ihre Bewegungen stockten. Natürlich hatte sie Träume und Wünsche. Sofort musste sie an Robbie Fenwick und seinen Bauernhof denken, von dem ihre Mutter so begeistert gewesen war. Das war aber nicht das, was sie wollte. Wenn sie den Krieg gewinnen würden, könnte sie eine echte Hexe werden. Dann müsste sie ihre Fähigkeiten nicht mehr verstecken. Vielleicht würde sie eines Tages sogar im Ministerium arbeiten und dafür sorgen, dass die tiefen Wunden in der Bevölkerung heilten. Dass ein friedliches Miteinander zwischen magischen und nichtmagischen Menschen und Geschöpfen herrschte... Und sie würde bei Severus sein. Das würde sie doch, oder?
„Ich möchte etwas Sinnvolles machen, aber ich weiß noch nicht genau, was… Auf jeden Fall möchte ich dabei helfen, dass die Muggel und Zauberer friedlich zusammenleben. Und du?“
Severus lachte, doch es klang genauso wie damals in den Drei Besen: bitter. hoffnungslos. „Für mich gibt es kein Später... Ich werde für all meine Taten zur Rechenschaft gezogen werden.“
„Nein!“, widersprach sie ihm, krallte ihre Finger in sein Shirt und suchte in seinen dunklen Augen einen Hinweis darauf, dass er sich einen makabren Scherz mit ihr erlaubte. Doch in seinem Blick lag eine unendliche Traurigkeit, die ihr die Kehle eng werden ließ.
„Verstehst du jetzt, warum du dich besser von mir fernhalten solltest?“
„Nein“, wiederholte sie, wenn auch leiser. „Wir finden eine Lösung... Ich... Ich lasse das nicht zu, dass du…“
„Schon gut“, erwiderte er sanft, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und seufzte schwer. „Wenn jemandem ein Weg einfällt... dann dir.“

Hermine legte ihren Kopf wieder auf seine Brust und versuchte, sich zu beruhigen, doch der große, schmerzende Kloß in ihrem Hals verschwand nicht. Sie klammerte sich an Severus und dachte fieberhaft nach, wie sie ihn vor diesem Schicksal bewahren konnte. Denn: Welchen Sinn hatte eine Zukunft ohne ihn?

-----------------------
Meine Lieben!

Rosier wird uns noch ein paar Kapitel lang begleiten, auch das Thema Horkruxe. Wäre das nicht ein Fall für das Goldene Trio ;-)

Die Osterferien stehen vor der Tür, deshalb macht die „Muggeline“ jetzt bis 28. April Pause.

Vielleicht habt ihr ja Lust, bei meinen alten Storys oder bei meinem Schreibbuddy Marginalie vorbeizuschauen. Sie hat mir bei diesem Kapitel geholfen, die Worte zu finden, die mein kaltes, haariges Herz (Marginale weiß, worauf ich anspiele ) nicht zustande gebracht hat.

Zwei Anmerkungen noch zum aktuellen Kapitel: Mulcibers Rede ist an die berühmte Rede von König George VI angelehnt. Der Film "The King' s Speech" gehört zu meinen absoluten Lieblingen und die Szene am Ende beschert mir immer eine Gänsehaut. Wer sie sehen will: https://www.youtube.com/watch?v=PPLIw64rLJc&t=226s
Ursprünglich sollte Evan den Angriff auf den Untergrund nicht überleben. Marginalie hat mich aber auf die Idee gebracht, dass er das überlebt hat und zurückkehrt. Ganz nach ihrem Motto: "Glaube niemals einen Figuren-Tod, bei dem du nicht dabei warst." Vielen Dank dafür! Kaum zu glauben, was so eine kleine Änderung im Plot für Auswirkungen hat. Vielen Dank für deinen Input!

Frohe Ostern!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast