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Szenen einer Ehe

von Mujuchu
Kurzbeschreibung
SammlungFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert
18.08.2021
12.02.2022
20
35.324
5
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20.08.2021 1.750
 
Das verflixte siebte Jahr! Schon am frühen Morgen begannen die Streitereien zwischen Hubsi und Anja. “Kommst au mal wieder aus dem Bad raus?”, fragte Hubsi genervt, “i muss ins Revier!” “Dann wärst halt früher aufgstanden”, tönte es aus der Dusche. Einige Minuten später huschte eine nur in ein Handtuch gehüllte Anja an ihm vorbei und Hubsi nahm die Dusche in Beschlag. Doch kaum hatte er sich angezogen, beschwerte sich Anja: “Es ist ja nix im Kühlschrank! Du wolltest gestern doch noch Milch kaufen.” “Hab’s halt vergessen”, gab Hubsi mürrisch zu, “der Mord war klar wichtiger als a Liter Milch. I frühstück bei der Rattlinger.” Hubsi zog seine Jacke über und wollte Anja einen Kuss auf die Wange geben, doch sie drehte sich weg und er ging beleidigt zur Haustür hinaus. “Du und die Sabrina, dann zieh doch gleich zu ihr. Des gfreit die bestimmt, so verliebt, wie die dich immer anschaut!”, brüllte Anja ihm nach. Kaum hatte sie das gesagt, da bereute sie ihre Worte schon wieder, aber er war bereits auf dem Weg ins Revier.

Traurig machte sich auch Anja auf dem Weg in die Pathologie. In letzter Zeit gingen sie beide nicht sehr liebevoll miteinander um. Hubsi war tagtäglich schlecht gelaunt und grantig und sie fühlte sich nicht mehr geliebt von ihm. Der Alltag war eintönig geworden. Früher hatten sie es am Morgen kaum aus dem Bett geschafft, da sie sich nicht loslassen wollten, aber jetzt brummte er am Morgen nur Unverständliches vor sich hin und beachtete sie gar nicht mehr, wenn sie unbekleidet aus der Dusche kam. Am Abend erwartete er dann eine von ihr gekochte Mahlzeit und saß den restlichen Abend vor dem Fernseher. Meist ging sie beleidigt schlafen und am Morgen ging es gerade so weiter. Anja seufzte. Sie mussten dringend etwas ändern, bevor ihre Ehe nur noch ein Scherbenhaufen war.
Auch Hubsi litt unter der Situation zu Hause. Anja benahm sich ihm gegenüber distanziert und ging früh ins Bett, so dass sie schon schlief, wenn er ins Bett kam. So gerne hätte er den Abend mit ihr auf der Couch verbracht und gekuschelt. Am Morgen war sie meistens schon angezogen, wenn er wach wurde und er vermisste ihre Zärtlichkeiten. Früher hatten sie gemeinsam gekocht, aber jetzt wurde sie schon ärgerlich, wenn er nur fragte, was es denn zu essen gab. Selbst er merkte, dass es um seine Ehe nicht mehr gut bestellt war, aber er liebte seine Anja doch!

Zögerlich öffnete er die Haustüre, als er nach Feierabend nach Hause kam. Anjas Auto stand schon in der Einfahrt und er hörte sie in der Küche werkeln. Der Geruch von angebrannten Ravioli lag in der Luft und Hubsi verzog angeekelt das Gesicht. In diesem Moment kam Anja aus der Küche und sah den angewiderten Gesichtsausdruck ihres Mannes. “Was gibt’s denn heute?”, fragte er sie, “Rauchravioli mit angebrannter Soße?” Wütend nahm sie das Nächstbeste, das sie in die Finger bekommen konnte und warf es ihm zur Begrüßung an den Kopf. Dummerweise war es die zweite Dose Ravioli, die sie gerade öffnen wollte. Zu ihrem Entsetzen verdrehte ihr Mann die Augen und sackte in sich zusammen. Auf seiner Stirn bildete sich eine Riesenbeule und Anja stürzte sofort zu ihm. “Hubsi”, schluchzte sie auf, “des hab i net gwollt!” Sie holte schnell ihre Arzttasche und leuchtete ihm in die Augen. Vorsichtig legte sie seinen Kopf in ihren Schoß und streichelte seine Wange. Zum Glück rührte sich ihr Mann und öffnete stöhnend die Augen. “Franz”, murmelte sie zärtlich, “es tut mir so leid, i wollt dir doch net weh tun. Wie geht’s dir denn? Tut dir was weh? Soll i den Sanka rufen?” Ihre Tränen tropften auf sein Gesicht und er sah sie mit seinen wunderbaren blauen Augen verwirrt an. Dann versuchte er sich aufzurichten, aber sein Kopf schmerzte und er legte sich wieder zurück. “Willst mich jetzt umbringen?”, brummte er und fasste an seine Beule. Schließlich gelang es ihm sich aufzusetzen und Anja half ihm zur Couch. “I hol dir a Kühlkissen”, meinte sie und rannte in die Küche. Hubsis Schädel brummte und er konnte noch keinen klaren Gedanken fassen. Schnell war Anja wieder mit dem Kühlkissen zurück und die Kälte war wohltuend für seine Kopfschmerzen. “Es tut mir so leid, Franz”, entschuldigte sich Anja noch einmal und fuhr ihm durchs Haar. Doch Hubsi rückte von ihr ab, lehnte sich zurück und schloss die Augen. “Franz, was ist nur los mit uns? Seit Wochen giften wir uns nur an und streiten.” Da er nicht antwortete, fuhr sie fort. “I ruf jetzt an Sanka, du hast bestimmt a Gehirnerschütterung oder Schlimmeres.” Doch Hubsi hielt sie fest und meinte: “I brauch koin Arzt, aber i schlaf heut sicherheitshalber im Gästezimmer.”

Am Abend weinte sich Anja in den Schlaf. Sie könnte sich Ohrfeigen, wie hatte sie nur eine Dose nach ihrem Franz werfen können! Traurig streckte sie die Hand auf seine Seite des Bettes, die nun leer war und kuschelte sich in sein Kissen, das nach ihm roch. Endlich schlief sie ein, aber in der Nacht wurde sie plötzlich wach. Würgegeräusche kamen aus dem Badezimmer und ihr Mann schlich durch den Flur zurück ins Gästezimmer. Nach einer Weile hielt es Anja nicht mehr aus und ging zu ihm. Blass lag er in den Kissen und sah sie mit großen Augen an. “Was willst du hier, Anja?”, fragte er sie und sein Blick war ausdruckslos. Tränen flossen über ihr Gesicht und sie bekam kein Wort heraus. Dann endlich flüsterte sie: “Ist dir schlecht? Wir sollten doch ins Krankenhaus fahren, Franz. Bitte, mir zuliebe!” “Seit wann ist es dir denn wichtig, wie es mir geht? Seit Wochen ignorierst du mi und legst di extra früh ins Bett, damit du nix mit mir zu tun haben musst. Am Morgen bist dann scho aufgstanden und meckerst mich an, wenn i mit dir red. So hab i mir mei Ehe net vorgestellt, Anja”, sagte Hubsi leise. “Des stimmt doch gar net”, entrüstete sich Anja, “du sitzt den ganzen Abend vor dem Fernseher und morgens muss i dafür sorgen, dass der Herr aus dem Bett kommt. Und dann erwartest a Abendessen, wenn’d nach Feierabend endlich erscheinst!” “Jetzt brüll net so, i hab eh scho Kopfschmerzen wegen dir”, blaffte Hubsi seine Frau an.
Wütend stampfte Anja aus dem Gästezimmer und legte sich wieder in ihr Bett. Doch als ihre Wut verraucht war, dachte sie über die Worte ihres Mannes nach. Sie versuchte den Tag aus seiner Warte zu sehen und erkannte, dass sie viel zu wenig miteinander sprachen. Sie beschloss, das am nächsten Tag nachzuholen. Zum Glück war morgen Samstag und sie mussten nicht zur Arbeit gehen. Erschöpft schlief sie endlich ein.

Hubsis Kopf schmerzte immer noch und ihm wurde schon wieder schlecht. Zum Glück musste er sich dieses Mal aber nicht übergeben und blieb ruhig liegen. Anjas Tränen hatten ihn nicht kalt gelassen und er hätte sie gerne getröstet, aber seine Frau wollte seine Nähe nicht mehr, das hatte sie klar gezeigt, glaubte er. Alles drehte sich vor seinen Augen und er versank in die Dunkelheit.
Nach nur einer Stunde wachte Anja wieder auf. Sie hatte ein ungutes Gefühl und beschloss, noch einmal nach ihrem Mann zu schauen. Zögernd blieb sie im Türrahmen des Gästezimmers stehen. Hubsi lag auf dem Rücken und atmete flach. Alarmiert trat sie zu ihm und legte ihm die Hand auf die Brust. Sein Herz schlug schwach und schnell holte sie ihr Stethoskop. “Franz”, rief sie leise und tätschelte seine Wange, doch er wachte nicht auf. Anja legte die Hand an seine Stirn, auf der sich Schweißperlen gebildet hatten. Panisch klopfte sie ihm fester auf die Wange, doch er blieb reglos liegen. Sie wollte gerade die Rettungsnummer wählen, als Hubsi stöhnend die Augen öffnete. “Franz”, sagte sie zärtlich und beugte sich über ihn, “du musst ins Krankenhaus. I ruf jetzt den Sanka!” “Na”, wisperte Hubsi, “i will koin Sanka, i will nur di!” Flehentlich sah er sie an und griff nach ihrer Hand. Diesen Augen konnte sie einfach nichts abschlagen und so legte sie gegen ihre Überzeugung das Telefon weg. “Aber i bleib jetzt bei dir”, sagte sie bestimmt und legte sich neben ihn in das enge Bett. Zu ihrem Erstaunen machte er ihr etwas Platz und sie legte ihren Kopf auf seine Brust. Das regelmäßige Klopfen seines Herzens beruhigte sie und mit Freude bemerkte sie, wie er seinen Arm um sie legte. Tief atmete er ihren Geruch ein und flüsterte: “I hab di so vermisst.” Überrascht hob Anja den Kopf: “I hab dacht, du willst nix mehr mit mir zu tun haben?” Zärtlich küsste er ihren Blondschopf und streichelte ihr über die Wange. “I will di immer ganz nah bei mir haben, i hab di doch liab.” Wieder flossen Anjas Tränen über ihre Wangen und sie schluchzte: “Und i hab dacht, i bin dir egal. Morgens kommst net aus dem Bett und abends hängst vor dem Fernseher. I bin für di doch nur noch die Köchin!” Verwundert sah er sie an. “Wie kommst denn da drauf? Jeden Abend, wenn i no a bisserl auf der Couch mit dir kuscheln will, gehst ins Bett und wenn i nach komm, schlafst scho und merkst des gar net, wenn i dir an Gute-Nacht-Kuss geb. Und am Morgen ist deine Seite scho leer, wenn i wach werd’. I weiß doch, dass du net gern kochst und früher ham mer oft zusammen gekocht. Des war schee.”
“Ach Franz, eigentlich wollen wir doch immer noch dasselbe, aber mir reden oifach net miteinand. Des muss anders werden, bevor i dir noch a Dos an den Kopf schmeiß”, meinte Anja. “Des war vielleicht gar koi so schlechte Aktion”, grinste Hubsi und beugte sich über sie und küsste sie zärtlich. “I liab di und des wird sich au nie ändern und i versprech dir, mehr mit dir zu reden.” Wieder küsste er sie und spürte keine Schmerzen mehr an seiner Beule. Sie fühlte, wie seine Hände unter ihr Nachthemd glitten und von ihrem Bauch nach oben wanderten. Zärtlich streichelte sie seinen Körper und seufzte lustvoll auf, als er ihre Brüste liebkoste. Fordernd küsste sie ihn und er legte sich sanft auf sie. Endlich spürte sie wieder die Wärme seines Körpers und schlang bereitwillig ihre Beine um seine Hüften. Die beiden Eheleute genossen das Liebesspiel und lagen sich anschließend glücklich in den Armen. “Soweit lassen wir es nimmer kommen”, versprach Hubsi seiner Anja und drückte sie fest an sich. Anja nickte selig und kuschelte sich noch enger in seine Arme: “I liab di wahnsinnig, Franz!”
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