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Szenen einer Ehe

von Mujuchu
Kurzbeschreibung
SammlungFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert
18.08.2021
12.02.2022
20
35.324
5
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19.08.2021 1.482
 
“I glaub ja net, dass des a Selbstmord war”, behauptete Hansi und sah seinen Partner von der Seite an, “die Frau war frisch verlobt, da bringt man sich doch net um, oder?” Fragend sah er Hubsi an, doch der reagierte nicht. “Hubsi, i hab di was gfragt!”, rief Hansi lauter. “Hm?”, machte sein Kollege und sah ihn überrascht an. “I hab gsagt, dass die Frau Heimling frisch verlobt war und koi Grund hatte sich umzubringen”, wiederholte Hansi, “hörst du mir überhaupt zu?” “Ah so, ja da hast recht”, stimme Hubsi ihm zu. “Was ist denn los, Hubsi?”, wollte sein Partner wissen, “is was mit der Anja?” “Na!... Doch, mir ham bald Hochzeitstag und nach dem Desaster im letzten Jahr wollt i mir was Tolles einfallen lassen, aber bisher weiß i no gar nichts.” Mit Schaudern dachte er an ihren letzten Hochzeitstag, an dem er seiner Frau einen Bauchwegtrainer geschenkt hatte. Er hat bis heute nicht ganz verstanden, warum sie wütend geworden war. Erst eine Woche zuvor hatte sie nach einem üppigen Abendessen gemeint, dass sie so was sich wohl mal anschaffen sollte. Hubsi seufzte. Er verstand die Frauen einfach nicht. Wenn er Anja fragte, was sie sich wünscht, dann sagte sie immer, er höre nicht zu, wenn sie im Alltag Wünsche äußere und da hatte er zugehört und es war doch wieder falsch gewesen.

Noch drei Tage, dann sind sie schon seit vier Jahren verheiratet. Es war nicht immer leicht gewesen, aber trotzdem wollte Hubsi keinen Tag davon missen. Noch immer liebte er Anja mit jeder Faser seines Herzens, aber es fiel ihm schwer, seine Gefühle zu zeigen. Der Hochzeitstag fiel auf einen Wochentag und sie mussten beide arbeiten. Hubsi sah in seinen Kalender. Er hatte Frühdienst, also würde er etwas für den Abend planen, aber was? Schon seit Wochen zermarterte er sich das Hirn, aber es wollte ihm einfach nicht das Richtige einfallen. Er grinste, als er an ihren ersten Hochzeitstag dachte, denn sie fast nur im Bett verbracht hatten. Im Jahr danach waren sie chic essen gegangen und hatten sich danach zärtlich geliebt. Das dritte Jahr ging völlig in die Hose, denn Anja war wütend ins Schlafzimmer gestürmt und hatte die Tür hinter sich abgeschlossen. Er hatte sie weinen hören, doch erst eine Stunde später öffnete sie die Tür und sie versöhnten sich wieder. Die Versöhnung war zwar auch toll gewesen, aber seit diesem Tag hatte er das Gefühl, dass ihre Ehe einen Knacks bekommen hatte.

Rückblick
Heute hatte sie keinen guten Tag, das wusste sie selber. Seitdem sie aufgestanden war, nervte sie einfach alles. In der Pathologie roch es heute besonders schlimm, fand Anja, und als sie mit Dr. Binder sprach, der ein starker Raucher war, wurde ihr direkt übel von dem kalten Rauchgeruch. Sie war froh endlich wieder zu Hause zu sein. Ihr Mann war schon da und hatte gekocht. “Hallo, meine Königin”, rief er ihr aus der Küche zu und wollte sie zur Begrüßung umarmen. Doch sie stieß ihn von sich und drehte sich angeekelt weg: “Na, Hubsi, du riechst nach Käse!” Erstaunt sah er sie an: “I mach Kässpatzen für uns”, sagte er, doch sie meinte nur, dass sie keinen Hunger habe. Beleidigt aß er sein Essen in der Küche, während sie früh ins Bett ging. In den nächsten Tagen konnte er ihr nichts recht machen und sie meckerte ihn wegen jeder Kleinigkeit an. Nur in der Nacht war sie sehr anhänglich und kuschelte sich eng an ihn. Hubsi konnte ihr Verhalten gar nicht einordnen und begann immer später nach Hause zu kommen. Nach ein paar Wochen verhielt sie sich jedoch zum Glück wieder normal. “Es tut mir leid, Franz, i weiß au net, warum i so gereizt gwesen bin”, entschuldigte sie sich bei ihm. Hubsi küsste sie zärtlich und tröstete sie: “So schlimm war’s doch gar net. Du arbeitest oifach zu viel.” “Dann bring mir net jede Woch fast a Leich’”, grinste sie ihn an und kuschelte sich in seine Arme.
Rückblick Ende

Morgen stand nun ihr vierter Hochzeitstag bevor. Anja war am Abend zuvor schon ganz aufgeregt und Hubsi ahnte schon, dass sie etwas ganz Besonderes für ihn vorbereitet hatte. Mit leichten Bauchschmerzen legte er sich am Vorabend ins Bett und lag noch lange wach. Schon vor fünf Uhr stand er auf, denn er hatte Frühschicht und musste schon um sechs Uhr im Revier sein. Vorsichtig, damit er Anja nicht weckte, machte er sich fertig für die Arbeit und verließ das Haus. Eine Stunde später klingelte Anjas Wecker. Sie wusste, dass ihr Mann Frühschicht hatte, dennoch war sie enttäuscht, dass er ihr nicht ein paar liebe Zeilen oder einen Blumenstrauß hinterlassen hatte. In ihren Augen glitzerten Tränen und sie ging traurig zu Arbeit.

Am Nachmittag erhielt sie einen Anruf von ihrem Ehemann: “Anja, kannst du kommen, wie ham a Leich im Starnberger See gfunden”, bat sie Hubsi und nannte ihr die genau Adresse. Wie immer, wenn er dienstlich mit ihr sprach, war sein Ton sachlich und kurz angebunden. Ausgerechnet heute fanden die Polizisten eine Leiche, dazu noch eine Wasserleiche. Anja seufzte, nahm ihre Koffer und fuhr zum Tatort. Staller empfing sie auf dem Parkplatz und nahm ihr die Koffer ab. “Da geht’s runter, Anja”, sagte Hubsis Kollege und zeigte auf einen schmalen Pfad zwischen den Büschen. Misstrauisch sah Anja auf den steilen Abhang und drehte sich zu Hansi um: “Da soll i runter? I glaub, ihr spinnt!” “Soll ich Sie geleiten, meine Königin?”, hörte sie plötzlich die Stimme ihres Mannes. Hubsi stand in seinem Hochzeitsanzug vor ihr und nahm ihre Hand. Überrascht ließ sich die Pathologin hinunter zum See geleiten, wo Hubsi ein Picknick vorbereitet hatte. “Alles Liebe zum Hochzeitstag”, murmelte er und küsste sie innig. Anja erwiderte den Kuss und legte ihre Hände an um seinen Nacken. Atemlos lösten sie sich wieder voneinander und Anja strahlte ihren Ehemann glücklich an. Die beiden Eheleute setzten sich auf die Picknickdecke und Hubsi schenkte ihr ein Glas Sekt ein. Zu seiner Überraschung lehnte sie es ab. “I glaub, jetzt sollte ich dir erst mein Hochzeitsgeschenk geben”, raunte sie ihm zu und reichte ihm eine kleine Geschenkschachtel. Dabei strahlte sie ihn glücklich an, so dass er ganz neugierig wurde und das Päckchen ungeduldig aufriss. Zwei Dinge lagen in der Schachtel: Ein Plastikdings, von dem er erst nicht wusste, was es war, und ein schwarz-weißes Foto, auf dem er nichts erkennen konnte.” “Äh, toll!”, stammelte er und sah sie fragend an. Anja lachte auf und drehte das Plastikdings um. Er sah das Kreuz und las den Text. Überrascht schaut er erst Anja, dann das Schwarzweißfoto an, auf dem oben links Licht stand. “Du bist schwanger?”, stotterte er und starrte seine Frau an. “Deshalb war i auch so gereizt die letzten Wochen”, erklärte die Pathologin.

Plötzlich stand Hubsi auf und rannte davon. Perplex und auch enttäuscht wegen seiner Reaktion blieb Anja zurück auf der Picknickdecke. Sie kannte ihren Mann, der immer, wenn er sich überfordert fühlte, wegrannte. Anja bekam es mit der Angst zu tun, dass er auch vor der Verantwortung fortlief, doch dann beschloss sie ihn nicht so leicht davon kommen zu lassen und ging ihm nach. Sie war noch nicht weit gekommen, da sah sie ihn auf einer Bank sitzen, das Gesicht in seinen Händen vergraben. Langsam setzte sich Anja neben ihn und sagte mit gefasster Stimme: “I woaß, du wolltest net unbedingt Vater werden, aber i hab doch ghofft, du gfreist dich, wenn’s jetzt passiert is.” Hubsi stand auf und wandte sich von ihr ab. Er rieb sich über die Augen und Anja drehte ihn wütend um. “Sag’s mir wenigstens ins Gesicht, dass du des Kind net wuist!”, rief sie aus, doch dann sah sie die Tränen in seinen Augen, die er vor ihr verbergen wollte. Hubsi atmete tief durch und drückte Anja fest an sich. “ “I gfrei mi wahnsinnig, Anja. Du machst mich glücklich und i wusst gar net, dass des no besser geht. Tut mir Leid, wenn i di erschreckt hab, aber i wollt net schwach dastehn vor dir. I liab di, Anja und i liab unser Kind”, stammelte er und legte seine Hand auf ihren schon leicht gewölbten Bauch. “Ach Franz”, seufzte sie, “i weiß doch, dass du tief da drin a sensibler Mann bist und gerade deshalb liab i di so.” Anja legte ihre Hand an seine Brust und küsste ihn voller Liebe. Hand und Hand gingen sie zurück zur Picknickdecke und ließen es sich schmecken.

Anschließend legte sich Anja auf die Decke und Hubsi streichelte über ihren Bauch. “Du bist meine Königin und in dir wächst unser Königskind”, sinnierte er und legte seinen Kopf auf ihren Bauch. Verliebt wuschelte sie ihm durchs Haar. “Hoffentlich bekommt es deine Augen”, murmelte Anja und genoss die Nähe ihres Ehemannes. “Es ist bestimmt so wunderschön wie seine Mama”, flüsterte Hubsi und küsste ihren Bauch. Zufrieden sah er auf seine kleine Familie und wusste, das war ein gelungener Hochzeitstag!
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