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Herz in Flammen

von dat snoew
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Dr. Verena Auerbach Emilie Hofer Katharina Strasser Markus Kofler Mia Steiner Michael Dörfler
17.08.2021
23.06.2022
52
192.566
63
Alle Kapitel
1.140 Reviews
Dieses Kapitel
18 Reviews
 
 
23.06.2022 3.450
 
Hallo ihr Lieben,

nach fast vier Wochen bin ich dann auch wieder am Start. Ich habe die Auszeit echt gebraucht. Neue Motivation zum Weiterschreiben habe ich noch nicht gefunden, aber bestimmt kommt sie auch bald wieder. Mein Urlaub war toll, ich hätte nur am liebsten ein gewisses Mitbringsel nicht mitgenommen. Wenigstens ist meine Corona Erkrankung erst nach dem Urlaub aufgetreten. Ich dreh hier aber langsam am Rad. Ich bin seit 10 Tagen eingesperrt und immer noch positiv. Irgendwie werde ich das Virus nicht los. Mir fällt die Decke auf den Kopf. Ich will raus, raus in die Natur.

Auf jeden Fall habe ich die Zeit genutzt und habe zumindest das nächste Kapitel für euch korrigiert. Ihr habt ja echt lange drauf warten müssen. Aber ich bin jetzt zurück. Ich werde mich heute Abend und am Wochenende daran machen eure Geschichten aufzuarbeiten und zu reviewen. Da steht ja einiges aus. Uff. ;) Aber erst einmal begebe ich mich gleich in die Sonne. Ohne meinen Balkon wäre ich schon durchgedreht und hätte mich wahrscheinlich wie Markus im Porzelanladen verhalten. ;)

Der Fantag war spitzenmäßig. Dass Luise und Sebastian sich daran beteiligen würden, hatten wir schon vermutet, weil wir sie am Mittwoch Abend beim Proben beobachten durften. Die Schaubergungen waren echt interessant. Es wurde ausführlich erklärt und unsere Bergretter haben es spitzenmäßig gezeigt! Dass sie Schauspieler und keine Bergretter/Notärztin sind, hat man ihnen eigentlich nicht abgenommen. So professionell haben sie es rübergebracht. :)

Vielen Dank für euer fleißiges Feedback. Wie immer habe ich mich sehr darüber gefreut. Während meiner Pause sind sogar ein neuer Favoriteneintrag und eine neue Empfehlung zusammengekommen! Dankeschön!

Jetzt aber genug von mir. Ich wüsnche euch viel Spaß beim Lesen des neuen Kapitels.

Liebe Grüße

Katharina

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Kapitel 52



Müde öffnete Katharina ihre Augen, als sie ein unangenehmes Quietschen vernahm. Augenblicklich drehte sie den Kopf leicht zur Seite, blinzelte und erkannte eine noch sehr junge Krankenschwester, die die Bremsen zu Markus' Bett gelöst hatte und gerade dabei war, mitsamt des Bettes das Zimmer zu verlassen. Mit einem Schlag war Katharina hellwach. Sie rückte von Mia etwas weg, die daraufhin ein unzufriedenes Brummen ausstieß, aber nicht aufwachte. Katharina richtete sich im Bett auf, sie spürte etwas stimmte hier nicht. Schließlich war Markus immer noch nicht zurück. Die Stirn legte sie in Falten und Angst kroch in ihr hoch. Wie viel Zeit war vergangen, seitdem Verena den Bergretter in einem Rollstuhl mitgenommen hatte? Sie wusste es nicht, war sie etwa eingenickt? Wie konnte das denn passieren? „Was ist mit Markus?“, stieß sie fragend aus.
„Keine Sorge.“ Erschrocken hielt die Schwester inne. Sie hatte versucht, leise zu sein, um die Patientin nicht zu wecken. Anscheinend war es fehlgeschlagen. Sie selbst war zusammengezuckt, als die Bremsen gequietscht hatten. Die Schwester setzte ein freundliches Lächeln auf. „Ich soll nur schnell sein Bett holen. Herr Kofler schläft gerade.“
„Wieso schläft er? Sind seine Brandverletzungen doch schlimmer als gedacht?“, hakte Katharina beunruhigt, aber dennoch leise nach. Auf keinen Fall wollte sie Mia wecken, die gleichmäßig neben ihr atmete.
„Ich glaube, seine Verbrennungen konnten noch gar nicht begutachtet werden.“ Die junge Krankenschwester zuckte ahnungslos mit den Schultern und fühlte sich mit der Situation etwas überfordert. Zudem sie eigentlich nicht befugt war, solche Auskünfte zu geben. „Er hat sich wohl ziemlich aufgeregt.“
„Wieso das denn?“, hinterfragte Katharina besorgt.
„Anscheinend gab es irgendwelche familiären Probleme“, meinte die Krankenschwester. Sofort presste sie die Lippen aufeinander, denn das hätte sie nicht erwähnen dürfen. Zum Glück hatte sie nicht erwähnt, dass die verschwundene Tochter der Grund des Ausrasters war. Zumindest hatte sie das so halb mitbekommen. Wenn das herauskäme, würde sie gewaltigen Ärger bekommen. Vielleicht würde das sogar ihre Stelle kosten, schließlich befand sie sich noch in der Probezeit. Zwar sah sie neben Katharina einen braunen Haarschopf im Bett liegen, trotzdem kam sie nicht darauf, dass es sich ausgerechnet bei dem Mädchen um die vermisste Tochter handeln könnte. Augenblicklich sah sie, wie sich immer mehr Sorge in den Augen der Patientin ausbreitete. Und somit vergrößerte sich auch ihr schlechtes Gewissen. „Frau Strasser, das wird schon wieder. Bitte machen Sie sich keinen Kopf.“ Die Schwester versuchte zuversichtlich zu klingen und warf hastig einen Blick auf den Flur. Eine ihrer Kolleginnen tauchte am Ende des Flurs auf. Sie musste los, bevor sie sich noch mehr verplapperte oder ihr Gespräch bemerkt wurde. Ohne Katharina noch einmal anzusehen, schob sie das Bett aus dem Zimmer.

Dagegen blieb eine irritierte und zugleich besorgte Katharina in dem Zimmer zurück. Was war passiert und von welchen familiären Problemen hatte die junge Krankenschwester gesprochen? Konnte es sein, dass mit Johanna etwas passiert war? Schließlich befand sie sich noch immer auf ihrer Selbstverwirklichungsreise in Indien. Sie ließ sich zurück ins Kissen gleiten und drehte den Kopf leicht zur Seite. Prompt fiel er auf eine braune Haarsträhne, die der schlafenden Mia ins Gesicht gefallen war. Kurzerhand strich sie dem Mädchen die Strähne zur Seite. Dabei berührte sie sachte deren Wange. Zwar hatte die Krankenschwester gemeint, dass sie sich keine Sorgen machen müsste. Doch das tat sie und sie ließen sich nicht so einfach abstellen. Schließlich wusste sie, dass Markus nicht durchdrehen würde, wenn es sich bloß um eine Bagatelle handeln würde. Zum Glück hatte sie Mia an ihrer Seite, die ihr, auch wenn sie schlief, irgendwie Halt gab. Katharina konnte nur hoffen, dass Verena mit ihm gleich wieder auftauchen würde. Dann würde sich hoffentlich alles aufklären. Auf jeden Fall nahm sie sich fest vor, direkt nach seinem Eintreffen für ihn da zu sein. So wie er für sie vorhin am Berg.

Während die Krankenschwester sich auf den Weg zum Behandlungsraum machte und Mia weiter schlafend an Katharinas Seite lag, hatte Tobias das Krankenhaus erreicht. Die Fahrt nach Schladming war trotz des Unwetters ohne nennenswerte Probleme verlaufen. Dafür schien das Feuer wirklich gigantisch zu sein. Trotz des starken Regens hatte er in der Ferne die Flammen sehen können. Zudem lag ein ziemlich unangenehmer Brandgeruch in der Luft. Einige Kilometer vor Schladming hatte er sogar die Lüftung seines Wagens ausstellen müssen, weil ansonsten der Gestank hineingezogen wäre.

Im Krankenhaus angekommen hatte er sich am Informationsschalter direkt nach seinem Vater erkundigt, doch die Dame konnte ihm nur mitteilen, dass er noch auf keine Station verlegt wurde.
Anscheinend befand er sich immer noch in Behandlung. War das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Er musste unbedingt Verena nach seinem Zustand fragen. Bestimmt könnte sie ihm Genaueres sagen. Tobias entfernte sich ein paar Meter von der Anmeldung. Er zückte das Handy, um sie anzurufen. Er wollte gerade ihre Nummer wählen, als er im Augenwinkel einen blonden Haarschopf wahrnahm. Tobias ließ das Handy sinken und er blieb wie angewurzelt stehen. Er würde sie überall wiedererkennen. Emilie. Eigentlich hätte er damit rechnen müssen, sie zu sehen, dennoch erwischte ihn die Begegnung eiskalt. Sein Herz setzte sogar für einen Moment aus, während sein Blick weiterhin auf ihr lag. Auch, wenn er sie nur von der Seite sah, überwältigte ihn ihre Schönheit. Doch im Gegensatz zu ihm schien sie ihn bislang noch nicht gesehen zu haben. Sie eilte durch die Halle und zu seiner Irritation folgte sie den Wegweisern zur plastischen Chirurgie. Der ehemalige Bergretter zog die Stirn leicht kraus. Was wollte sie denn da? Eine Schönheitsbehandlung hatte sie doch überhaupt nicht nötig. Für ihn war sie immer noch die schönste Frau der Welt. Einen Moment lang haderte Tobias mit sich, bevor er sich doch dazu entschied, ihr hinterherzulaufen. Vielleicht hatte sie über seinen Vater schon genauere Informationen erhalten. Schließlich hatte sein Vater sich bei ihr auf dem Hof befunden, als er die Herzattacke erlitten hatte. Während er ihr mit etwas Abstand folgte, fühlte er sich leicht unwohl. Er kam sich so komisch vor. Tobias überlegte sogar, ob er ihren Namen laut rufen sollte. Allerdings traute er sich nicht, ihn auszusprechen. Die ganze Zeit über überlegte er eifrig, wie er sich ansonsten bemerkbar machen könnte. Doch bevor ihm eine Lösung einfiel, erreichten sie auch schon den Gang zur plastischen Chirurgie. Mitten in der Eingangstür verharrte er, als sein Blick auf eine ihm weitere gut bekannte Person fiel. Augenblicklich breitete sich auf seinem Gesicht ein Lächeln aus. Da Michi noch seinen roten Overall trug, müsste er noch im Dienst sein. Bloß wieso saß er mitten in der plastischen Chirurgie so zusammengesunken auf dem Boden? Jetzt verstand er gar nichts mehr.

Michi konnte Schritte auf dem Boden vernehmen und ohne hinzuschauen, wusste er, zu wem sie gehörten. „Ich habe Scheiße gebaut“, murmelte er in Emilies Richtung, sah sie aber weiterhin nicht an. „So richtige Scheiße.“
Emilie legte die Stirn in Falten, blieb vor ihm dann stehen. „Wie meinst du das?“, hinterfragte sie vorsichtig.
„Wie konnte mir das schon wieder passieren?“ Der Pilot ging nicht wirklich auf Emilies Nachfrage ein. Sondern raufte sich die grauen Haare, hob dann den Kopf und blickte die Hofbesitzerin schuldbewusst an.
„Ich verstehe nicht?“ Emilies Blick wurde immer irritierender. „Wovon redest du?“
„Na ja“, druckste er. „Also der Markus und ich..., wir hatten so ein wichtiges Gespräch unter Männern... also gerade eben und am Ende meinte ich halt, dass das mit der Mia auch wieder in Ordnung kommt.“ Der Pilot zuckte leicht mit den Schultern und konnte beobachten, wie sich in Emilies Blick Entsetzen ausbreitete. „Er hat sich so aufgeregt und wollte...“ Michi verstummte mitten im Satz, als er ein rollendes Geräusch ganz in seiner Nähe vernehmen konnte. Es klang wie ein Bett. Er ließ den Blick schweifen und sah schuldbewusst dem ankommenden Bett entgegen. Daran war wohl allein er schuld. Michi presste die Lippen aufeinander, seine Augen weiteten sich leicht, als er die folgenden Gerätschaften erblickte. Was hatte er da bloß angerichtet? Eigentlich erwartete er von Emilie eine Standpauke, aber sie blieb erst einmal aus. Stattdessen sah sie ebenfalls dabei zu, wie das Bett im gegenüberliegenden Behandlungsraum verschwand.
Nachdem die Tür geschlossen wurde, verzog Michi das Gesicht. Emilie stemmte die Hände in die Seite und baute sich vor ihm auf. Ja, er hatte es verdient. Er wich ihrem wütenden Blick aus und nahm aus den Augenwinkeln eine weitere Bewegung wahr. Der Pilot öffnete leicht den Mund, als er Tobias erkannte. Die erwartete Freude ihn zu sehen blieb aus, dafür steckten in ihm zu viele Schuldgefühle. Trotzdem rappelte er sich vom Boden auf. Zum einen wollte er ihn begrüßen, zum anderen kam er um Emilies mahnende Worte erst einmal herum. Allerdings wusste er, dass er der Moralpredigt nicht entkommen konnte. Sie würde folgen. „Tobias!“, begrüßte er ihn und schloss ihn gleichzeitig in eine kurze, freundschaftliche Umarmung.

Doch Tobias hatte für Michi kaum ein Auge. Er schenkte ihm nur ein kurzes Lächeln, ehe er sich von ihm löste. Sofort sah er zu Emilie, die von ihm inzwischen auch Notiz genommen hatte. Tobias konnte förmlich sehen, wie sie entgeistert in seine Richtung blickte und sich nicht wohlzufühlen schien.
In der Tat erwischte sie sein Anblick eiskalt. Sie hatte hier und jetzt noch nicht mit ihm gerechnet. War schon so viel Zeit vergangen, seitdem sie Michi darum gebeten hatte ihn zu informieren? Emilie begann ganz nervös auf ihrer Unterlippe zu kauen. Doch im Gegensatz zu Michi näherte sie sich ihm nicht. Sie verschränkte Schutz suchend die Arme vor ihrem Körper.
Tobias erkannte ihre abwehrende Haltung. Deshalb blieb er wenige Meter von ihr entfernt stehen. Dabei hätte er sie gerne in den Arm genommen. Schließlich waren sie bei ihrer letzten Begegnung nicht im Schlechten auseinandergegangen. „Servus Emilie“, begrüßte er sie und sein Blick huschte kurz über ihren Körper, ehe er in ihren Augen hängen blieb. Ihr Seitenprofil hatte ihn nicht getäuscht. Sie war so schön wie immer, hatte sich kaum verändert. Am liebsten hätte er sie in eine Umarmung gezogen, aber er musste sich beherrschen. Weiterhin hatte sie die Arme um ihren Körper geschlungen.
Beim Klang seiner Stimme lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sie hatte sie ewig nicht mehr gehört. „Hallo Tobias“, erwiderte die Angesprochene leise, begann sich aber zu entspannen. Sie gab ihre abwehrende Haltung auf. Sie begann sogar leicht zu lächeln. „Hattest du eine gute Fahrt?“ Das mit Michi war ganz in Vergessenheit geraten, sie hatte nur noch Augen für Tobias.
„War ganz okay“, sprach er aus und strich sich kurz durch die schwarzen Haare. „Wie geht es dir?“
„Ganz gut“, antwortete ihm die Blondine weiterhin leise. „Und dir?“
„Auch“, nickte er. „Weißt du schon, was mit meinem Vater ist? Oder wie es Katharina und Markus geht?“
„Verena hatte noch keine Zeit für mich und in der Notfallaufnahme wollten sie mir keine Auskunft über deinen Vater geben, da ich keine Angehörige mehr bin. Ich weiß nur, dass sie ihn vor ein paar Stunden in die Kardiologie gebracht haben“, teilte sie ihm mit. „Was Katharina angeht, da weiß ich nicht wirklich was. Sie liegt wohl auf der Intensivstation. Du wirst wohl Verena fragen müssen, auch wegen Peter.“
„Und Markus?“, hakte Tobias nach und nahm aus den Augenwinkeln wahr, wie Michael sich zu ihnen gesellte. Der Schwarzhaarige drehte den Kopf und konnte feststellen, dass er ziemlich betreten dreinschaute.
„Katharina geht es den Umständen entsprechend gut. Markus hat mir das vorhin erzählt. Er...“ Der Pilot presste wieder die Lippen aufeinander.
„Warum steht ihr eigentlich mitten in der plastischen Chirurgie?“ Tobias zog die Augenbrauen kraus. Augenblicklich konnte er beobachten, wie sich Emilies Blick wieder verfinsterte und Michi reumütiger dreinblickte.
„Eigentlich wollten wir uns hier mit Markus treffen, also nach seiner Behandlung. Doch das scheint sich inzwischen wohl erledigt zu haben.“ Plötzlich wurde sein Blick hoffnungsvoller. Vielleicht gab es inzwischen ja gute Neuigkeiten. Neuigkeiten, die alles wieder gut werden ließen. Dann könnten sie ins Zimmer stürmen und die frohe Botschaft übermitteln. „Hast du schon etwas gehört?“
„Nein, leider nicht.“ Kopfschüttelnd stand die Hofbesitzerin da und sie ließ ihre Handflächen in den Hosentaschen verschwinden. Michis Blick wurde enttäuscht.
Dagegen bildete sich auf Tobias' Kopf ein großes Fragezeichen. „Wovon redet ihr eigentlich?“, unterbrach er die beiden. Nach wie vor wusste er nicht, worum es eigentlich ging. Mit den Wortfetzen, die er aufgegangen hatte, konnte er nichts anfangen. Und irgendwie hatte ihn Emilies Anblick so gefangen genommen, sodass er das vorherige Gespräch ausgeblendet hatte.
„Mia ist weg“, teilte ihm seine Exfrau jetzt unvermittelt mit.
„Wie, Mia ist weg?“ Tobias konnte kaum glauben, was er da gerade zu hören bekommen hatte.
„Sie hat das mit dem Feuer und, dass Markus und Katharina davon betroffen sind, wohl irgendwie in Zürich mitbekommen. Sie ist von der Privatschule fortgelaufen und keiner weiß wohin. Seitdem ist sie unauffindbar.“ Emilie seufzte besorgt. „Lorenz sucht bereits die ganze Stadt nach ihr ab, aber er scheint sie immer noch nicht gefunden haben. Ich mache mir langsam echt große Sorgen.“
„Ich kann auch nie meine Klappe halten“, ärgerte sich der Pilot über sich selbst. „Erst wegen meiner Vermutung wegen Katharina.“
„Wieso? Was ist denn mit meiner Schwester?“, erwiderte Tobias direkt neugierig.
Sofort wurde der Pilot ganz rot im Gesicht und in seinem Kopf hallten Markus' bittende Worte wieder, niemanden etwas über die Schwangerschaft zu sagen. Und dieses Mal wollte er sich nicht verplappern, sondern das Geheimnis für sich behalten. Wenn er das ausplaudern würde, würde Markus ihn im Nachhinein umbringen. Zudem er sich sicher war, dass Katharina dann auch auf ihn ziemlich sauer wäre. „Ach, nichts Besonderes“, log er stattdessen. „Es ging nur um den Job hier im Krankenhaus.“
„Ist sie endlich genommen worden?“ Trotz der Neuigkeit um Mia, erfreute sich Tobias an der Neuigkeit. Schließlich wusste er, wie viel seiner Schwester an der Medizin lag. Zwar wäre ihr Leben durch die Arbeit im Hotel finanziell ganz gut abgesichert, allerdings würde er ihr es vom Herzen wünschen, wenn sie endlich ihrem Traumjob nachgehen dürfte. Generell fand er es schade, dass sie seit dem abgeschlossenen Studium keine Assistenzarztstelle erhalten hatte. Dabei hatte sie ihr ganzes Herzblut ins Studium gelegt und sogar mit Bestnoten bestanden. Aber ihrer wirklichen Leidenschaft hatte sie bislang nur im Bergrettungsteam nachgehen können. Was für eine Verschwendung. Zwar hatte seine Schwester sich nie etwas anmerken lassen, jedoch wusste er, wie ihr das missfiel.
„Öhm.“ Der Pilot kratzte sich verlegen an der Stirn. „Ehrlicherweise weiß ich das gar nicht. Nur, dass sie vor ein paar Tagen ein Vorstellungsgespräch hatte.“ Und anschließend hatte er sie mit der Familienplanung aufgezogen und die ganze Geschichte hatte seinen Lauf genommen.
„Ich frage sie nachher einfach selbst“, antwortete Katharinas Bruder. Er war sich sicher, dass er sie besuchen dürfte.

In diesem Moment wurde die gegenüberliegende Tür geöffnet und nur Sekunden später wurde ein Bett herausgeschoben. Sofort wanderten sämtliche Blicke zur Tür und sie konnten einen schlafenden Markus erblicken, der an die verschiedensten Geräte angeschlossen war. Obwohl er schlief, konnte man ihm die Sorge um Mia ansehen. Michael musste direkt schlucken, als er Verenas strengen Blick auffing. Am liebsten hätte er sich ganz klein gemacht oder wäre im Erdboden versunken. Schnell wandte er den Blick ab und blickte stattdessen auf seinen schlafenden Freund nieder. Die Schuldgefühle ihm gegenüber wurden immer größer. Er konnte sich kaum vorstellen, dass Markus einfach so eingeschlafen war. Nicht, nachdem er sich so aufgeregt hatte.
„Michi, das wäre jetzt echt nicht nötig gewesen!“, zischte Verena ziemlich angesäuert. „Ich musste Markus extra ruhigstellen, weil er sich nicht beruhigen ließ. Er war ja völlig durch den Wind. So kann ich ihn eigentlich nicht zurück zu Katharina bringen.“
„Wieso nicht? Was ist denn mit meiner Schwester?“, äußerte sich Tobias fragend und trat der Ärztin zwei Schritte entgegen.
Als Verena Tobias' Stimme vernahm und ihn anschließend erkannte, breitete sich auf ihrem Gesicht ein breites Lächeln aus. Sie stoppte das Bett, damit sie ihren alten Freund umarmen konnte. „Wie schön, dass du da bist“, begrüßte sie ihn. „Deiner Schwester geht es gut“, meinte sie beruhigend und bestätigte somit Michis Aussage von eben. „Es ist nichts Schlimmes. Sie darf sich momentan nur nicht groß aufregen. Ich denke, du weißt über Mias Verschwinden schon Bescheid?“ Sie konnte sehen, wie Tobias ein leichtes Nicken andeutete. „Das wäre der totale Stress für sie und den müssen wir unbedingt vermeiden.“
„Aber wieso denn?“ Aus Verenas Worten wurde er nicht so wirklich schlau. Wenn es ihr gutging, könnte man Markus doch getrost wieder zu ihr bringen.
Verena presste die Lippen zusammen und senkte den Blick für wenige Sekunden. „Das ist schwierig zu erklären“, begann sie zu erzählen. „Sie hat im Feuer so einiges mitgemacht. Ihr Körper ist noch ziemlich geschwächt und aufgrund der schweren Rauchgasvergiftung hat sie große Atemprobleme.“ Verena war froh darüber, dass unter ihren Freunden keine weiteren Mediziner waren, denn die würden ihre Lüge sofort durchschauen. Allerdings konnte sie Katharinas Bruder wohl kaum die Schwangerschaft stecken. Das müsste sie schon selbst machen. „Aber keine Sorge, sie bekommt schon hundertprozentigen Sauerstoff verabreicht. In ein paar Tagen geht es ihr bestimmt schon deutlich besser. Aber es ist gut, dass du jetzt da bist. Tobias, ich würde gerne kurz mit dir über deinen Vater sprechen.“ Während sie sprach, wanderte ihr Blick zu den beiden anderen. Sie konnten hier nichts weiter ausrichten. Das mit Mia hatte Markus inzwischen erfahren, und zwar auf anderes als gedacht. „Vielleicht wäre es besser, wenn ihr jetzt geht. Emilie, bitte halte mich auf dem Laufenden. Wenn Mia gefunden wurde, werde ich Markus sofort zu Katharina zurückverlegen. Davor geht das leider nicht. Nicht, solange Markus so am Rad dreht.“ Verena seufzte und blickte besorgt auf den schlafenden Bergretter hinab. Jetzt schlief er erst einmal tief und fest. Die Wirkung des verabreichten Medikamentes müsste noch so ein bis zwei Stunden anhalten. Vielleicht auch länger. Schließlich hatte Markus' Körper dringend Ruhe vonnöten und viel hatte er davon ja noch nicht bekommen.
„Lass uns kurz in den Behandlungsraum gehen“, schlug sie Tobias vor und deutete auf den leeren Raum hinter sich, denn auch ihr Kollege hatte das Zimmer bereits verlassen. Er war in die entgegengesetzte Richtung zu seinem Büro gelaufen. Das Gespräch mit dem ehemaligen Bergretter würde nicht lange dauern und da ein Erwachen von Markus nicht zu erwarten war, konnte sie ihn getrost für ein paar Minuten auf dem Gang stehen lassen. Dieses Mal würde Markus nicht flüchten können, zudem der bestellte Transportdienst noch nicht zu sehen war. So konnte sie die kurze Zeit nutzen und mit Tobias über Peter sprechen. Eben hatte sie aus der Kardiologie endlich Nachricht erhalten und danach müsste sie sich Gedanken darüber machen, in welches Zimmer sie Markus verlegen könnte. Er musste unbedingt noch weiter intensivmedizinisch betreut werden. Die Normalstation kam somit noch nicht infrage. Hoffentlich gab es im Männerbereich der ITS noch einen freien Platz. Jedoch, wie sollte sie Katharina dann das Ganze erklären? Sie würde sich doch sofort Sorgen machen. Es war zum Haare raufen.

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So, jetzt ist Tobias auch endlich angekommen. :) Jetzt müssten alle versammelt sein, zumindest, die ins Krankenhaus gehören. Sieht so aus, als würde Peters Krankenakte im nächsten Kapitel endlich auf den Tisch kommen. Aber bis dahin bin ich gespannt, was ihr von dem Kapitel hier haltet. Ich würde mich sehr über Feedback freuen. :)
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