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Professor Riddles Scheiterhaufen

GeschichteHumor / P12 / Gen
Albus Dumbledore Gilderoy Lockhart James "Krone" Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Lucius Malfoy Minerva McGonagall
16.08.2021
17.09.2021
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53.698
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15.09.2021 4.070
 
Episode 5 – „Kollegiale Animositäten“

Kapitel 2



Zeit für Scharade. Tom ist ja durchaus flexibel im Tragen von Masken, doch ihm wird schon übel, wenn er nur daran denkt, wie ihm alle im Rahmen alkoholisierten Small Talks Fragen stellen werden …

Die Dialoge kann er sich schon jetzt ausmalen.

Frage: Was haben Sie denn nach Ihrem fantastischen Schulabschluss getrieben? Sie waren unser aller Hoffnung auf einen vorbildlichen Karrieristen!

Antwort: Das geht Sie einen feuchten Kehricht an!

Frage: Wo kommen Sie denn nun eigentlich her, Tom? Fragen wir uns seit Jahren! Kennen wir Ihre Familie? Schreiben Sie oft Eulenbriefe an sie?

Antwort: Das geht Sie einen noch feuchteren Kehricht an, weil ich meistens alle klammheimlich töte, die Briefe erhalten könnten! Obliviate!

Frage: Sie waren ja schon immer wirklich gut aussehend, aber irgendwie haben Sie sich verändert, kann das sein? Sie sehen etwas … wächsern aus? Ja, gar mitgenommen! Geht es Ihnen gut? Kennen Sie denn schon dieses gute Hautpflegeprodukt, das neuerdings in der Hexenwoche beworben wird?

Antwort: Avada Kedavra!

Doch es nützt nichts. Noch eine ausreichend übertriebene Dosis der aus dem Krankenflügel entwendeten rosa Pillen – an welchen er unlängst herumgedoktert hat, um die ultimative Mischung aus stoischer Seelenruhe und explosiver Energie herauszukatalysieren – und dann rein ins Vergnügen.

Die Dinger knallen direkt ganz schön. Er hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Aber wie auch nicht? Wenn einer astreinen Stoff produzieren kann, dann ja wohl Lord Voldemort!

Wie hochkonzentriertes Koffein direkt in der Blutbahn, wie Hummeln im Hintern und machiavellistischer Tatendrang, gepaart mit dem felsenfesten Wissen, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Er ist förmlich unverwundbar! Sein Hirn prickelt, seine Hände noch mehr, aber sein geschärfter Geist arbeitet auf Hochtouren – kristallklar und gelöst zugleich.

So soll das. Zum Angriff!

Zügig ist gar kein Ausdruck. Mit dem Pillenschub in den Beinen rennt er förmlich zum Ort des Geschehens.

Ja, Tom kennt die Räumlichkeiten des Slug-Clubs noch in- und auswendig. Doch nicht länger betritt er sie als Schulsprecher oder Ohnegleichen-Musterschüler. Auch nicht nüchtern. Nein, Tom Riddle ist nun ein vollgedröhnter Professor, der laut und manisch Was Kostet Die Welt rufen will. (Er tut es nicht. Aber er würde es gern.)

Er fühlt sich unglaublich. Frei. Verwegen. Klüger als alle im Raum.

Lord Voldemort – verdeckter Revolutionist, brillanter Literat – auch wenn die magische Welt sein Genie noch erkennen muss – verdienter Professor.

„Mr Riddle?“

Professor Riddle“, korrigiert er gereizt und dreht sich prompt um.

Ioan Kennedey – Wahrsagen.

Emmi Mokes – ‚Besensagen‘ und ‚Wahrreiten‘ …

Josephine St. Clair – Runen.

Da begrüßt ihn ja wirklich direkt die Kavallerie der unwichtigen Unterrichtsfächer …

„Sie sind auch hier?“, fragt St. Clair und hickst.

„Entschuldigung, auch?“ Ungläubigen Blickes schüttelt Tom den Kopf. Was will die dämliche Schnapsdrossel denn damit implizieren?

„Na ja“, sagt sie unbedarft, „ich wusste gar nicht, dass Sie eingeladen sind …“

„Das ist ja wohl ein tendenziöser Witz! Natürlich bin ich eingeladen, Professor Slughorn und ich sind gewissermaßen ein Herz und eine Seele!“

Oh, Contenance. Vielleicht machen die Pillen auch ein wenig überschwänglich, das kann durchaus sein …

„Ach, wie schön“, erwidert sie angeheitert und stutzt doch, als Tom sie etwas irre anstarrt. „Sagen Sie – Ihre Pupillen sind ganz schön geweitet, geht es Ihnen auch wirklich gut?“

„Gut?“ Tom gluckst überdreht. „Gnädigste, es geht mir gar fantastisch! Wo sind die Drinks?“

„Aber ich dachte, Sie trinken gar keinen Alkohol?“

Tom ist sich nicht ganz sicher, ob er sich diese Stimme gerade nur eingebildet hat und sieht sich daher irritiert um. Die Pillen dröhnen ganz schön …

„Hier unten!“

„Ah, Sie nun wieder“, nuschelt Tom und folgt der Stimme zum Muggelkunde-Beauftragten der Schule. „Guten Abend, Professor Fimmel.“

„Fingley“, korrigiert der Kobold energisch. „Können Sie sich das denn wirklich nicht merken? Fing-ley. Wie Fing-er und Pais-ley! Letzteres hatten Sie – wenn man den Gerüchten um Ihre Person Glauben schenken darf und Sie wirklich Tonio Rebell sind – doch häufig als Muster auf Ihren Bühnenkostümen!“

„Auf meinen – was?“ Tom räuspert sich und muss jäh feststellen, dass ihn das wohl in der Tat wie einen abgehalfterten Schlagerstar wirken lässt. Aber seine Stimme ist so belegt … Er schüttelt sich förmlich, als er zischt: „Professor Fingerley, selbst wenn Sie sich für den Muggelkunde-Unterricht hergeben, so bitte ich Sie dennoch inständig darum, immerhin nicht der Klatsch-und-Tratsch-Manier eben jener sinn- und verstandlos zu verfallen!“

„Also sind Sie nicht Tonio Rebell?“ St. Clair klingt glatt enttäuscht, bis sie breit zu grinsen beginnt. „Nein! Das nehme ich Ihnen nicht ab, Sie Schlingel!“

„Sie haben doch wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank“, knurrt Tom, zuckt kurz zusammen und korrigiert sich und seinen Muggelvergleich schnell. „Ich meine – alle Klatscher in der Kiste …“ Wieder räuspert er sich. Das wird ja alles bedenklich schnell unerträglich …

„Hier“, sagt Kennedey selbst schon ordentlich beschwipst und reicht Tom schlussendlich einen großzügigen Drink vom Stehtisch nebenan. Feuerwhiskey – wird sich sicherlich bestens mit den rosa Pillen vertragen. Wie viele hatte er noch gleich genommen? War vermutlich ein wenig dick aufgetragen …

„Auf die Lieder, die uns allen ständig im Wurm umgehen, da die Schüler sie immerzu im Korrid-ohr singen!“, will Emmi Mokes toasten. Sie kichert dämlich. „Haben Sie den versteckten Wortwitz gefunden?“

„Sie haben soeben gestanden, dass Sie Würmer haben, sonst nichts“, sagt Tom ungeduldig, „was nun wirklich keine Überraschung ist. Und zu Ihrer unbedingten Information: Es sind nicht meine Lieder, Sie renitentes Nachtschattengewächs!“

Ihre gute Laune verblasst, betroffen starrt sie Tom an. Der stürzt aber nur seinen Drink, ohne auch nur daran zu denken, mit den anderen anzustoßen. Sein Rachen brennt in der Tat direkt wie Feuer, was ihm ein erneutes Räuspern abverlangt, dann atmet er durch und fokussiert den Blick noch unheimlicher.

Sind das rosa Elefanten, die da aus der Wand kommen? Wie bei diesem Muggel-Film Dumbo? Rosa Mäuse? Er schüttelt sich regelrecht und ermahnt sich zur Nüchternheit. Nein, Dumbo hat er ja auch gar niemals gesehen. Und sich hinterher selbst das Gedächtnis ausgebrannt …

Vielleicht sind ja seine grenzdebilen und bereits gehörig betrunkenen Gesprächspartner auch einfach nicht sonderlich hilfreich, wo er schon Wahnvorstellungen hat. Er braucht andere Personen um sich herum, womöglich ja gar seinen Erzfeind, dem er mit dem aktuellen Schwung in seinen Knochen einen gehörigen Tritt versetzen könnte.

Ein Würstchen hat er Tom genannt. Dieser schmierige Armand Malfoy wird schon noch sehen, was er davon hat, sich mit ihm – Lord Voldemort – anzulegen!

Zackig schielt Tom an Kennedey vorbei und lässt seinen Blick durch den Ort des Geschehens wandern. Dieser wichtigtuerische Strauß muss doch hier irgendwo sein …

Girlanden, Punsch, Krabbenschwänzchen mit Cocktail-Soße und schimmernde Deko, soweit das Auge reicht. Geschmacklos …

Armand Malfoy, noch viel geschmackloser – jedoch weit und breit nicht zu sehen.

„Wenn es Sie tröstet – meine Großmutter fand Sie klasse“, holt ihn Kennedey mit einem viel zu heftigen Schulterklopfer wieder zurück ins Hier und Jetzt. „Sie schwärmte besonders für Ihre tollen Haare. Es war nicht leicht für sie, über Tonio herauszufinden, dass es sich um eine Perücke handelte …“

„Meine Mutter war auch am Boden zerstört, als die Hexenwoche darüber so reißerisch berichtet hat“, bedauert prompt auch Mokes, obwohl es eher wie eine getarnte Retourkutsche daherkommt.

„Aber machen Sie sich nichts daraus, Mr Riddle.“ St. Clair beginnt nicht glatt einen Versuch, Tom zu trösten. „Für einen Mann in Ihrem Alter haben Sie ja noch recht volles Haar …“

Recht voll? Für einen Mann in seinem Alter? Wie bitte?

Ein Spruch mehr und Leichen pflastern seinen Weg. Noch ein winzig kleiner, blöder Kommentar, und –

Mokes reitet weiter auf ihrer Kutsche und säuselt: „Nur ganz minimale Geheimratsecken.“

Tom blinzelt zweimal. Vielleicht auf öfter. Er starrt sie in so ungläubiger Wut an, dass er beinahe selbst fürchten muss, sie fallen ihm gleich aus dem Schädel.

„Haben Sie die Perücke eigentlich noch?“, will jetzt auch noch der blöde Kobold wissen.

„Entschuldigen … Sie … mich …“, presst Tom gerade noch so zwischen den Zähnen hervor, weil er sich wirklich den grünlichen Todesfluch stärker verkneifen muss als ein Stand-up-Comedian einen Pups-Witz.

Verdatterte Gesichter, als er sich nach einem weiteren Feuerwhiskey auf Ex eiskalt umdreht und auf die andere Ecke der Party zusteuert.

Seine Kollegen rauben Tom den letzten Nerv.

Vielleicht muss er der Durmstrang-Werbung doch zustimmen. Vielleicht ist Hogwarts nichts weiter mehr als ein Ort der völligen Idiotie.

Es war ja zu befürchten, dass es ein ätzend langer Abend voller Small Talk und Heuchelei mit Blutsverrätern und anderen Muggelfreunden werden würde, aber gerade wünscht er sich nichts sehnlicher, als den ganzen Abend lang an seinem zweiten Manuskript zu arbeiten und von seinem Turmfenster aus zum Gegenüberliegenden zu starren, um vielleicht doch endlich einmal herauszufinden, wer zur Hölle da wohnt.

Vielleicht geht er jetzt auch einfach. Wieso überhaupt noch hier herumgeistern, wenn –

„Tom, mein Junge!“

Die alte Fledermaus liebt ihn wieder. Tom hatte all die Jahre über verdrängt, wie unglaublich schrecklich es jedes Mal war, wenn Slughorn ihn so väterlich in seine Arme zog, um ihn anderen wie sein liebstes Ausstellungsexemplar zu präsentieren.

Doch hier ist er wieder. Dieser Moment, in dem er wünschte, er hätte doch keine fünf Horkruxe angefertigt, um immerhin sterben zu dürfen.

„Ich hatte Sie schon vermisst, Tom, endlich sind Sie hier!“

St. Clair, Fimmley, Mokes und Kennedey sind vielleicht betrunken – aber Slughorn ist wirklich rotzevoll. Na Bravo …

„Albus!“, ruft Slughorn entsprechend laut und zerrt Tom wie einen kleinen, störrischen Dackel mit. „Sieh nur, wen ich gefunden habe! Tom ist und bleibt einfach mein absoluter Lieblingsschüler!“

„Horace, mein Guter“, beginnt Dumbledore beinahe skeptisch, „dir ist doch bewusst, dass Tom inzwischen ein geschätzter Kollege ist, nicht wahr?“

„Kollege?“ Er macht große Augen. „Ah ja! Ja, sicher, natürlich! Tom, wie weit Sie es gebracht haben! Ich wusste immer, dass Ihnen dieser brillante Verstand eines Tages Türen öffnen würde. Und …“ Er gluckst. „Natürlich auch Ihr ehemals gutes Aussehen.“

Ehemals? Haben sich denn wirklich alle gegen ihn verschworen?

„Ach, mein Junge, Sie waren wirklich das Ebenbild Ihres Vaters!“

Tom verzieht es förmlich den Magen. „Sir?“ Ihm wird heiß und kalt. „Sie kannten ihn?“

„Kannten?“, greift das natürlich auch Dumbledore sofort auf. „Weshalb Präteritum, Tom? Kennen oder kannten Sie ihn etwa?“

Natürlich, für ein paar Minuten, bis Tom ihn eigenhändig umgebracht hat!

„Natürlich nicht“, schießt er dennoch kühl zurück. „Woher denn? Aber unser werter Kollege benutzte das Präteritum und die Wahrscheinlichkeit impliziert ja wohl, dass der Mann inzwischen mausetot ist.“

„Nun ja, Tom“, zweifelt Dumbledore spitzfindig, „das muss nicht sein, wenn man bedenkt, dass magiebegabte Menschen durchaus lange leben können.“

Mein Vater war aber ein dreckiger, kurzlebiger Muggel, denkt Tom zornig und nickt doch gefasst.

„Auch wieder wahr. Chapeau. Geistiges Schach mit Ihnen ist immer wieder erquickend.“

„Oh, mit Ihnen auch“, säuselt Slughorn und mischt sich unvermittelt wieder ein. „Tom, wie schön es immer war, Sie zu unterrichten. Sie waren so ein ausgezeichneter Schüler. Eine Auffassungsgabe wie die Ihre habe ich noch niemals zuvor erlebt. Ähnlich flink ist nun auch Lucius!“

Flink? Flink? Eher schmierig und daher glitschig, das ist Lucius! Mit dieser angsterfüllten Schleimschnecke verglichen zu werden, kommt ja wohl einer doppelten Ohrfeige gleich!

„Lucius“, krächzt Slughorn jetzt zu allem Überfluss. „Lucius, mein Freund, wo sind Sie denn? Tom hatte Sie doch erst heute Nachmittag noch im Labor besucht!“

„So?“, fragt Dumbledore und sieht auffordernd zu Tom.

„Ich hatte Sehnsucht nach dem Kerker“, entgegnet der. „Meinem alten Zuhause, wie Sie wissen. Im Turm mag die Aussicht ja schön sein, doch einen wahren Slytherin zieht es immerzu in die Untiefen des Schwarzen Sees.“

„Mh“, macht Dumbledore andächtig und verkneift sich doch ein Schmunzeln. Was gibt es denn da zu schmunzeln? „Verwenden Sie solch blumige Sprache auch in Ihren literarischen Werken, Tom?“

„Was?“

„Nun ja, mir kam zu Ohren, dass sich Ihr Buch nicht allzu gut verkauft. Womöglich schreiben Sie ja einfach zu unpräzise für ein Sachbuch und sollten Ihr Talent entfalten, indem Sie ein wenig in die Geisteswissenschaften umschwenken. Als verkappter Philosoph …“

„Ich zeige Ihnen gleich, was verkappt ist!“, raunt Tom ungeduldig, doch Dumbledore bleibt wie immer ärgerlich ruhig, während sich Lucius Malfoy tatsächlich notgedrungen zu ihnen gesellt.

„Guten Abend, die Professoren“, sagt er und nötigt sich ein viel zu höfliches Lächeln ab. Als sein Blick an Tom hängen bleibt, wird ihm aber wie befürchtet schnell klar, dass es seinem Lord und Meister ganz und gar nicht zusagt, wie dessen selbst gewählter Titel hier nun außer Acht gelassen werden muss.

„Lucius, wie lange kennen Sie Tom schon?“

„Ich?“, fragt Lucius beklommen. „Oh, Professor Slughorn, nun … ich kenne den … Sir Tom …“ Der Ekelfluch übermannt ihn, unschwer erkennbar an seiner gequälten Miene. „Äh, nun … schon eine Weile.“

„Sir Tom?“, fragt Slughorn und prustet direkt los. „Das klingt ja, als wäre Tom ein Ritter!“

Lucius nickt überfordert. „Nun, ein Ritter der Walp–“

„Waldtiere“, fällt Tom ihm mit nur notdürftig unterdrücktem Zorn in der Stimme ins Wort. Dieser elende Vollidiot verrät jetzt ganz sicher nicht die ehemaligen Ritter der Walpurgis! „Ein Ritter der Waldtiere, ja, ich bin stets bemüht um die Erhaltung der Flora und Fauna unserer hiesigen Wälder – ehrenamtlich, versteht sich.“

„Ach wirklich?“, fragt Dumbledore und glaubt kein Wort.

„Ja, nicht wahr, Lucius?“, knurrt Tom.

„Oh! Ja! Sir Riddle …“ Er verzieht das Gesicht, da ihn der Ekelfluch erneut ereilt. „Er ist ein besonders großer Freund der … Eichhörnchen!“

Etwas Peinlicheres hätte diesem jämmerlichen Truthahn ja wohl kaum einfallen können! Bestimmt macht er das mit Absicht!

„Ein Freund der Eichhörnchen“, wiederholt Dumbledore hämisch anerkennend und unterdrückt wirklich mit aller Gewalt ein Lachen.

„Was sagen Sie das denn jetzt so, als wäre es gar unmöglich?“, echauffiert sich Tom, weil es nun ohnehin schon viel zu spät, diese Unterhaltung in geordnete Bahnen zu lenken.

„Er mag auch Frettchen“, verkündet plötzlich wieder Lucius mit kaltem Schweiß auf der Stirn und glaubt wohl allen Ernstes, die Situation damit irgendwie zu verbessern. „Nicht wahr, Tom Sir?“

„Was ist nur los mit Ihnen, Lucius?“, fragt Slughorn jedoch nun besorgt, selbst wenn er gluckst. „Sie wirken ja ganz aufgeregt in Toms Nähe. Es schüttelt Sie ja förmlich, wann immer Sie seinen Namen sagen.“

„Oh nein!“, ruft Lucius und verliert beinahe die Nerven. „Es ist für mich völlig normal und ganz und gar alltäglich, zu ‚Tom‘ … ‚Tom‘ … zu sagen.“ Wieder bemüht er sich um eine stoische Fassade, verzieht aber doch zweimal kaum merklich das Gesicht. Und dann würgt er auch noch.

Verdammter Ekelfluch, Tom hatte sich dessen Effekt deutlich subtiler vorgestellt …

„Beinahe seltsam obsessiv“, flüstert Slughorn seinem ehemaligen Lieblingsschüler leise zu. „Tom, womöglich bewundert Lucius Sie ja über die Maßen? Beinahe ungesund wirkt das …“

„Das muss es wohl sein“, erwidert Tom eilig, bevor die beiden mit einem buchstäblich silbernen Tablett unter der Nase unterbrochen werden.

„Krabbenschwänzchen?“ Ein Schüler im weißen Kellner-Sakko bietet ihnen bemüht ein Häppchen an.

Skeptisch schüttelt Tom den Kopf. „Nein, danke, sicher nicht …“

„Crémant?“, fragt ein zweiter Schüler und streckt Ihnen schlanke, lange Gläser entgegen.

„Nein, verschwindet schon!“, wimmelt Tom sie irritiert ab.

Krabbenschwänzchen … Crémant?

Überhaupt, was soll der ganze Zirkus mit dem teuren Feuerwhiskey? Den teuren Sakkos für Kellner, die förmlich nach Maßanfertigung für diesen lächerlichen Anlass riechen? Dem sündhaft teuren Buffet, dem Schoko-Brunnen mit exotischen Früchten in der Raummitte und glimmenden Zigarren überall …

Zu Toms Schulzeit gab es im Slug-Club eine Zigarette und Billigwein, der nach dem ersten Schluck umgehend Migräne samt Aura auslöste.

Und jetzt? Krabbenschwänzchen?

Wie lässt sich das denn nur mit der Tatsache vereinen, dass Hogwarts monetär gesehen brennt? Also irgendjemand hat hier die Finanzen wirklich überhaupt gar nicht im Griff …

„Sagen Sie, Sir“, beginnt Tom laut zu überlegen und sieht Slughorn eindringlich an, „wie viel kostet der Spaß hier denn heute?“

„Kosten?“ Dumbledore reagiert praktisch schon allergisch auf das bloße Wort.

„Könnten wir uns hier nicht ein wenig zügeln“, schlägt Tom vor, „und im Gegenzug die verdammte Eulenscheiße am Mittagstisch aufbessern?“

„Fangen Sie bloß nicht schon wieder davon an!“ Dumbledores strenger Blick ist glatt vernichtend.

Riddle!

Oh! Die Stimme des Erzfeindes! Da sucht sich ja wer den idealen Zeitpunkt aus …

Tom fährt herum und findet sich prompt im Angesicht des Malfoy-Patriarchen wieder.

„Armand“, flüstert Tom fast und heuchelt vermeintliche Verbundenheit. „Lucius und ich haben uns schon gefragt, ob Sie hier sein würden.“

„Slughorn …“, brummt Armand und wagt es, Tom gewissermaßen zu ignorieren. Er mustert stattdessen den Meister der Zaubertränke, der Tom noch immer auf die Pelle rückt, indem er ihn stolz an der Schulter hält. „Was tut er denn hier, Slughorn?“

„Ich war eingeladen“, antwortet Tom vermeintlich ruhig für den Professor und lächelt scheinheilig. „Schon sehr lange, überdies – wieso fragen Sie?“

„Krabbenschwänzchen?“ Schon wieder schlürfen diese zwei nichtsnutzigen Schüler vorbei.

„Oh, gern!“ Armand greift beherzt zu. Schmatzend sagt er zu Slughorn: „Sie lassen sich das Spektakel heute ja ganz schön was kosten, mein Guter …“

„Geld, das Hogwarts nicht hat – in der Tat“, ergänzt Tom und sieht Armand eindringlich an. „Wo doch hier die akademische Jugend Großbritanniens in ihrer Blüte steht und unbekümmert und wohlgenährt lernen soll, mit der ihr angetrauten Magie umzugehen.“

„Um Himmels willen, Riddle“, stöhnt Armand, „genauso geschwollen drücken Sie sich auch ständig in Ihrem Buch aus. Jede Seite trieft nur so vor pseudo-originellen Stilmitteln und exaltierten Vergleichen.“

„Wie können Sie es wagen?“, haucht Tom finster. „Sie brächten nicht einen Absatz so kongenial wie ich zu Papier, gerieren Sie sich hier doch nicht als Kenner der Literatur, wenn Sie so offensichtlich nicht wissen, was Qualität ist!“ Kurz hält Tom inne, dann fragt er erstaunt: „Moment … Sie haben Magie ist Macht gelesen?“

„Ich habe es versucht“, gibt Armand zu und zuckt mit den Schultern. „Doch Ihre nebulösen Syllogismen und diese ständig durchschimmernden, anarchistischen Reflexe scheinen mir mehr eine Anleitung für völliges Chaos denn eine gelungene Gesellschafts-Utopie zu sein.“

Tom schluckt. Und würde am liebsten direkt wieder mit einem Flammenwerfer auf ihn halten, doch die Augen müssen auf den Preis gerichtet bleiben. Armands Taschen voller Geld nämlich. Tom will nicht länger Eulenscheiße essen und Spar-Tipps von Dumbledore ertragen müssen. Und hier steht der Schlüssel dazu.

„Nun ja“, erwidert Tom also erstaunlich gefasst, „es obliegt natürlich jedem meiner geneigten Leser, sich eigenständig eine Meinung über mein Erstwerk zu bilden. Wenngleich jede gute Utopie bei der Jugend ihren Anfang nimmt – was Sie wüssten, wenn Sie sich mit Theorien dieser Art auskennen würden. Die Jugend hier, jedenfalls – wenn ich das nochmals so tollkühn erwähnen dürfte – kann sich leider nicht zu ihrem vollen Potenzial entfalten, da Hogwarts’ Kassen gänzlich erschöpft sind und –“

„Tom“, knurrt Dumbledore und schüttelt kaum merklich den Kopf.

Doch es gibt kein Zurück mehr. Tom fährt fort: „Daher sammeln wir heute im Rahmen dieser gelungenen Feier, ins Leben gerufen von unserem allseits beliebten Professor Slughorn, Spenden für die Schule.“

„Tun wir das?“, gluckst Slughorn.

„Jaha“, brummt Tom.

„Eine hervorragende Idee, mein Junge“, ruft Slughorn. „Ganz der Vater!“

„Kannten Sie ihn jetzt also?“, fragt Tom nochmals irritiert.

„Nein, aber … bestimmt sind Sie so talentiert wie er!“

Tom zwingt sich zu einem schiefen Lächeln.

„Geld vermacht hat er Ihnen jedenfalls offensichtlich keines“, meldet sich Armand gereizt zu Wort. „Sonst würden Sie mich nicht schon wieder anbetteln wie ein schamloser Landstreicher! Haben Sie denn gar keinen Stolz?“

„Armand“, brummt Tom ernst, „die finanzielle Situation der Schule anzusprechen, die auch Ihre Kinder besucht haben und besuchen werden, sollten Sie wohl kaum als Bettelei missverstehen. Einem klugen Kopf wie Ihnen muss ich das doch wohl kaum erklären.“

„Sie haben Nerven, von einem klugen Kopf zu sprechen“, ereifert sich Malfoy, „vor Jahrzehnten haben Sie einen achtbaren Abschluss hier gemacht, doch alles, was darauf folgte, waren heiße Luft und Pflichtvergessenheit! Und jetzt schreiben Sie Bücher über Dinge, die Sie nicht verstehen und unterrichten Kinder, die Sie nicht leiden können!“

„Die Kinder können mich über die Maßen gut leiden!“, hält Tom sofort dagegen.

„Ich meinte, dass Sie nicht mit Kindern können!“

„Das ist ja wohl lächerlich“, entgegnet Tom, „ich bin geradezu ihr Vertrauenslehrer! Eine hochgeachtete Person in ihrem Leben, zu der sie jederzeit aufsehen und für Rat und Tat –“

„Crémant?“

„Himmel, bei Merlin, nein!“, herrscht Tom den aufschreckenden Schüler an, der ihnen erneut ein Tablett entgegenstreckt. „Verschwinde endlich, niemand hier will –“ Er betont es besonders pikiert und dramatisch: „Crémant!“

„Das meinte ich“, grummelt Armand und wendet sich an den Kellner. „Mögen Sie Professor Riddle?“

„Er hat mich gerade angeschrien“, entgegnet der Schüler langsam, so als spräche es für sich. Sein Blick ist so leer und dämlich, dass Tom ihm ohnehin keine große Zukunft zusprechen würde, was zählt also schon diese eine Meinung?

„Wie dem auch sei“, knurrt Tom und schiebt den Jungen bereits weg, „wo waren wir stehengeblieben?“

„Crémant“, gluckst Slughorn grenzdebil, „reimt sich auf Armand, wenn man den Namen unseres geschätzten Gasts französisch ausspricht.“ Prompt hält der Meister der Zaubertränke den Schüler mit seinem Tablett vom Gehen ab. „Ich nehme einen! Einen Crémant auf Armand!“

„Um Himmels willen“, stöhnt Armand nur, „Sie gewöhnen es sich noch an …“

„Sie Armand zu nennen?“ Tom lächelt hämisch. „Es wäre ja zu schade, wenn Sie plötzlich in der Welt der Magie als der französische Armand bekannt wären …“

„Sie, als Tonio Rebell, würden mir ja sicher Tipps geben, wie ich diesen schrecklichen Schabernack verkraften könnte!“

„Ich bin nicht Tonio Rebell! Will das denn schlichtweg niemand wahrhaben?“

„Hätte mich auch gewundert“, schießt Armand zurück, „wenn Sie eine Schlagerkarriere zustande gebracht hätten, wo Sie doch sonst schon zu allem anderen so offensichtlich unnütz waren.“

„Crémant, Armand“, summt Slughorn wieder vor sich hin – als hätte er allmählich seinen Verstand intensiv genug benebelt, um diesen Reim tatsächlich noch lustig zu finden. „Tom, wollen Sie das nicht als Ihr Alter-Ego Tonio in einem Ihrer Lieder unterbringen? Das wäre doch ein richtiger Gassenhauer!“

„Wirklich ein beeindruckender Reim, Horace“, lobt Dumbledore mit einer gehörigen Portion Zynismus in der Stimme, als er ein wenig beunruhigt dabei zusieht, wie Slughorn sich schon den nächsten Drink hinter die Binde kippt.

„Unterstehen Sie sich!“, warnt Armand finsteren Blickes und mustert Tom. „Wenn ich nur an Ihre lächerlich voluminöse Perücke denke … Sie sollten einfach zu Ihren Geheimratsecken stehen, Würstchen.“

„Nur, weil ich meine Haare nicht so schmierig nach hinten ziehe wie Sie und Ihre ganze Sippschaft, heißt das noch lange nicht –“

„Aaah! Köstlich!“ Slughorn schluckt das nächste Glas und seufzt so erfrischt, als wäre dessen Inhalt Rosenwasser gewesen. Die schräge Fledermaus schickt dann zwar endlich den Schüler mit seinem nun leeren Tablett fort, doch er sieht so interessiert und beschwipst zu Tom, dass dem glatt unwohl wird.

Was kommt jetzt nun wieder …

„Mr Riddle“, beginnt Slughorn und stößt ein wenig auf. „Verzeihen Sie … Ich wollte mal mit Ihnen über Ihren Sohn reden.“

„Ihren Sohn?“ Armand klappt die Kinnlade zu Boden. „Der mittellose Landstreicher hat auch noch einen Sohn?“

„Schwachsinn!“, erwidert Tom gereizt, hat jedoch kaum Zeit, erneut mit Armand zu streiten, da Slughorn ihn nun vollends in Beschlag nimmt.

„Ihr junger Tom, der ist schon ganz besonders …“

Albus Lanzelot Wolf Brain Dumbledore und Tommler Die Mumie Riddle sehen sich zum ersten Mal in ihrem Leben gleichermaßen unschlüssig an.

Was zur Hölle …

„Professor Slughorn“, brummt Tom ungewöhnlich geduldig, „steigt Ihnen der Crémant-Armand womöglich zu Kopf? Sir, ich bin Tom …“

„Sie als sein Vater können mich nicht auf den Arm nehmen, Sie Scherzbold!“ Slughorn wackelt mit dem Zeigefinger vor Toms Gesicht und lacht munter in sich hinein. „Der junge Tom ist doch noch so gut aussehend! Sie hingegen gehören optisch doch schon zum alten Eisen, so wie ich – wenn ich das so sagen darf.“

Tom dämmert es. Und nicht zu knapp. Das muss doch fast ein Schaden vom Gedächtniszauber sein … Er schluckt. Wieso sonst würde sich Slughorn so eigenartig benehmen? Irgendetwas muss ganz fürchterlich, und zwar schon wirklich ganz, ganz fürchterlich, schiefgegangen sein …

„Was ich schon immer einmal wissen wollte, sagen Sie – wie ist denn Ihre Beziehung zu Ihrem Sohn?“ Slughorn fährt unendlich interessiert fort. „Ist es kompliziert? Er öffnet sich ja nur schwer, nicht wahr? Charmant, aber verschwiegen, unser Tom … Doch ich mag den Jungen wirklich gern, hochintelligent und wahrlich –“

„Der geborene Autor, zu nett von Ihnen“, ergänzt Tom hastig, selbst wenn sein wächsernes Gesicht gleich entzweireißt, da seine Augenbrauen so konsequent zur Decke schießen. Dumbledore sollte wirklich keinen Verdacht schöpfen, wobei Toms nervöses Lächeln gerade kaum zur besseren Vertuschung dient.

Wenn Slughorn so von Sinnen ist, dass er annimmt, Tom sei sein eigener Vater, dann wird es wohl endgültig Zeit, ihm, Crémant-Armand und Dumbledore sowie dieser absurden Situation schnellstmöglich den Rücken zu kehren – bevor Tom noch alles um die Ohren fliegt.

„Wissen Sie was? Es war wirklich erbaulich, mit Ihnen zu plaudern, aber würden Sie mich dennoch kurz entschuldigen?“ Er sieht höflich in die Runde und verweilt einen Tick zu lange bei Armand. „Ich muss zu meinen Schülern, die mich allesamt sehr schätzen.“

„Ja, ja, Riddle, Schall und Rauch“, ruft er Tom hinterher. „Die Memoiren eines Würstchens – vielleicht wird das ja Ihr nächster Buchtitel!“
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