Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Kokosmakronen und Pokerface

von MarieSol
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Riku Rajamaa
16.08.2021
10.09.2021
11
18.879
11
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
25.08.2021 1.571
 
Tina kommt gerade aus dem kleinen Café zurück und schließt ihre Wohnungstür auf, als sie hitzige Diskussionen auf der anderen Flurseite hört. ‚Gut, dann weiß ich jetzt auch, warum ich wieder alleine im Café war...‘ huscht es durch ihre Gedanken. Der Stimme nach zu urteilen handelt es sich um Tomi, der da scheinbar direkt hinter der Wohnungstür lautstark seine Meinung kundtut. Sie beschließt so leise wie möglich reinzugehen, auf diesen Miesepeter hat sie im Moment gar keine Lust.

Tina vertieft sich in ihre Arbeit und bekommt von der anderen Flurseite nichts mehr mit. Gerade fährt sie den Computer herunter, als es klingelt. „Hej, hast du mir einen Tipp, wie ich diese Flecken in den Griff bekomm?“ krächzt Riku als er ihr sein Smartphone hinhält. Tina betrachtet das Foto und winkt ihn herein. „Was hast du schon probiert?“ will sie wissen „Du hörst dich echt scheiße an, was ist los?“. „Ich bin schon mit Halsschmerzen und Kopfweh aufgestanden. Ich weiß auch nicht, vielleicht hätte ich doch mit trockenen Haaren das Bad verlassen sollen.“ ‚Ah, da war dann dein Kumpel und seine Laune am Morgen wohl die beste Medizin…‘ zuckt es ironisch durch ihre Gedanken. Riku räuspert sich „Hochdruckreiniger, Fettlöser, Allesreiniger, aber die Flecken sind immer noch auf den Terrassenplatten.“ endet er. Tina überlegt einen Moment „Heißes Wasser, Backpulver und schrubben könntest du noch probieren.“ Sie zieht eine Schublade in der Küche auf, holt ein Päckchen Backpulver heraus und reicht es ihm. Der sieht sie nur fragend an, also streckt sie ihm ihre Hand entgegen „Nimm mich mit, dann zeig ich es dir.“ Ohne lang zu fackeln greift er nach ihrer Hand und zieht sie hinter sich zur Dachterrasse. Als sich Riku wenig später dran macht das Backpulvergemisch wieder abzuschrubben ist er kreidebleich und Tina sagt „Setzt dich mal einen Moment, Du kippst mir gleich aus den Latschen.“ Riku tut ihr den Gefallen „Geht gleich wieder. Mir ist echt heiß.“ Tina spürt die Hitze, die sein kompletter Körper ausstrahlt und legt ihre Hand an seine Stirn. „Nee, bestimmt nicht. Riku du glühst förmlich, du hast Fieber.“ „Ach Quatsch, du hast nur eiskalte Hände.“ entgegnet er gequält. Wieder streckt sie ihm ihre Hand hin „Komm, um die Flecken kümmern wir uns wann anders.“ Sie schiebt ihn in sein Schlafzimmer ins Bett, das er heute Morgen geliefert bekommen hatte. „Hast du ein Fieberthermometer?“ will sie wissen. „Nein, war kaputt, ich hab es noch nicht ersetzt.“ Sie geht ins Bad und macht Handtücher lauwarm nass um ihm Wadenwickel machen zu können und einen Waschhandschuh für die Stirn. „Das Fieber muss runter und ob die Wadenwickel reichen, weiß ich nicht. Hast du einen Fiebersenker da, sonst geh ich schnell zur Apotheke?“ Riku räuspert sich „Ich glaub nicht, aber kannst du vielleicht lieber hierbleiben?“ „Davon geht dein Fieber aber nicht runter, aber ja, kann ich erstmal. Magst du Tee?“

Wenig später kommt sie mit einer dampfenden Glaskanne und einer Tasse wieder zurück. Riku besieht sich skeptisch den Inhalt „Ich wusste gar nicht, dass ich sowas hab.“ Tina schmunzelt „Deine Küche hatte das nicht, aber meine schon. Ingwertee mit Zitrone und Honig. Und das hier ist gegen Fieber.“ reicht sie Riku eine kleine Tablettenschachtel. „Bleibst du… bitte?“ Tina setzt sich in den Sessel, der in einer Zimmerecke steht und legt die Beine ans Fußende von Rikus Bett. Die beiden unterhalten sich eine Weile, bis Riku vom Schlaf übermannt wird. Als er gegen Abend wieder wach wird, sieht er, dass Tinas Laptop im Sessel steht, sie hat also von hier aus gearbeitet. Von ihr ist allerdings nichts zu sehen. „Merenneito?“ ruft er krächzend. Sie kommt gerade wieder die Treppen nach oben – mit einem Tablett in der Hand. „Du hast noch nichts gegessen, richtig?“ Der Duft von frischer Suppe steigt ihm in die Nase. Als er den Teller leer hat, steht ihm schon wieder der Schweiß auf der Stirn. Nach wenigen Minuten ist er wieder auf dem Weg ins Traumland, aber er spürt noch, wie sie ihre Hand auf seine Stirn legt, „Schlaf gut, mein großer Poseidon, morgen fühlst du dich besser!“ flüstert und ihm behutsam eine Strähne braunes Haar aus der Stirn streicht.

Mitten in der Nacht wacht er kurz auf, weil er eine Hand spürt, als er sich umdreht. Er greift sich die Hand und drückt sie an seine Brust ‚Fieberhalluzinationen? Ich träum schon, Tina wäre bei mir im Bett… schön wär‘s‘. Tina hat sich tatsächlich, nachdem sie im Sessel nicht mehr sitzen konnte, mit genügen Abstand zu ihm an die Bettkante gelegt. Eigentlich wollte sie rüber in ihr eigenes Bett gehen, aber da es ihm wichtig schien, dass sie hier war, bleibt sie.

Am Morgen ist er als erstes wach und grinst in sich hinein ‚Doch kein Traum!‘. Als er vorsichtig aufstehen will um ins Bad zu gehen wacht auch Tina auf. Sie reibt sich den Schlaf aus den Augen „Entschuldige, der Sessel ist zum Schlafen echt unbequem.“ versucht sie sich zu erklären, doch Riku winkt nur ab „Alles gut! Danke, dass du noch hier bist!“ flüstert er. Während Riku im Bad ist, macht Tina ihm das Bett frisch, er hat es in der Nacht total durchgeschwitzt. Sie holt ihm eine Kuscheldecke und Kissen aus dem Wohnzimmer hoch und setzt frischen Tee auf. „Danke!“ Riku setzt sich gerade wieder aufs Bett „Ich hab total Hunger, hast du noch was von der Suppe?“ „Ja, aber zum Frühstück? Ist das dein ernst, Riku? Willst du nicht lieber ein Honigbrot oder so?“ er schüttelt den Kopf und fährt sich über den Hals. „Also gut, einmal Suppe kommt sofort…“

Das Fieber ist gesunken und Riku fühlt sich wieder besser aber immer noch matschig. Also bleibt er im Bett und Tina im Sessel neben ihm, sie streckt aber ihre Füße zu ihm unter die Decke. Er genießt ihre Anwesenheit, das entspannt ihn – selbst ihre unruhigen kalten Füße an seinen Beinen fühlen sich gut an. Er genießt es, sich mit ihr zu unterhalten, das ist zwar nicht einfach mit dem Kratzen im Hals, deshalb hört er auch meist nur zu und erfährt aber so mehr von ihr. So offen, ehrlich und ausführlich wie jetzt haben sie selten miteinander gesprochen. Am Mittag macht sie ihm wieder einen Teller Suppe warm und er gönnt sich danach eine Auszeit. Tina muss ihm aber hoch und heilige versprechen, dass sie bleibt und weiter von seinem Schlafzimmer aus arbeitet. Am liebsten hätte er sie wieder zu sich ins Bett gezogen, dass sie auf keinen Fall heimlich verschwinden könnte.

Als er wieder aufwacht, ist der Sessel allerdings leer und auch ihr Laptop steht nicht mehr da. ‚Vielleicht muss sie ihre Arbeit einreichen?!‘ denkt er sich und wartet. Aber sie taucht nicht wieder auf, in der Wohnung ist alles still, sie werkelt also auch nicht in der Küche. „Merenneito?“ ruft er kratzig in die Wohnung und setzt sich langsam an die Bettkante, es ist fast als würde die Welt etwas schwanken. Doch die Schritte, die er daraufhin von der Treppe vernimmt, gehören nicht Tina, sondern Tomi. „Was machst du hier? Wo ist Tina?“ fragt Riku angespannt. „Ich hab sie rausge… Moment, wie hast du sie genannt?“ „Das tut nichts zur Sache. Du hast sie was?“ „Ich hab sie … weggeschickt. Ich bin hier.“ „Was soll denn das??? Du kannst sie doch nicht einfach wegschicken!“ seine Stimme wird immer rauer „Riku, die lungert hier nur noch rum, ständig!“ Rikus Anspannung steht Tomis Laune in nichts nach „Was soll das, Tomi? Das ist ja wohl meine Entscheidung!“ „Was regst du dich so auf, jetzt bist du sie los! Mann, man könnte ja fast meinen, du stehst auf die!“ Das muss Riku erstmal sacken lassen, er will sie nicht los sein. Bedacht ruhig und mit einem enormen Aufwand an Beherrschung antwortet er ihm kratzig „Sieh zu, dass du das wieder grade biegst. Sie ist mir wichtig, sie tut mir gut und ich werde mir von niemandem sagen lassen, mit wem ich meine Zeit verbringe. Und ja, du könntest richtig liegen, aber das geht dich nichts an.“ Seine Fingerknöchel färben sich weiß, so fest umklammert er den Bettrahmen. Der Schweiß steht im vor Anstrengung auf der Stirn, wenigstens hat sich sein Kreislauf jetzt ans Sitzen gewöhnt. Tomi steht der Mund offen „Riku, sie hält dich von uns fern. Ich habe seit gestern bestimmt 20 Mal versucht dich anzurufen, du bist nicht ran gegangen.“ Riku greift nach seinem Telefon, das auf dem Nachtisch liegt und wirft es Tomi zu, erinnert sich gleichzeitig daran langsam zu machen, noch mehr Schwanken erträgt er gerade nicht „Akku leer, dann gehst du auch nicht dran, das hat nichts mit ihr zu tun, du Idiot! Wenn ich sie gefragt hätte, hätte sie mir bestimmt neben Tee, Suppe und Medikamenten auch das Ladekabel gebracht, aber das war nicht wichtig. Ihre Gesellschaft ist mir wichtig…“ Tomi kann es nicht fassen „Und überhaupt, was ist eigentlich mit der Frau vom Bäcker?“ versucht er nun aufzutrumpfen. Riku verdreht die Augen „Sie IST die Frau aus dem Café! Und jetzt nochmal, geh und bring was immer du getan hast in Ordnung!“.

Wenig später steht Tomi vor Tinas Tür und klingelt, mit einem sehr mulmigen Gefühl. Er war vorhin wirklich ein Ekel. Doch aus ihrer Wohnung ist kein Geräusch zu hören, es brennt auch kein Licht dort drinnen. Er klopft lauter an die Tür, doch er erhält keine Reaktion. Totenstille ist das einzige was hier herrscht und die ist sogar in der Lage seine aufgestaute Wut eisigkalt zu umschlingen und in so etwas wie Sorge umzuwandeln.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast