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Kokosmakronen und Pokerface

von MarieSol
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Riku Rajamaa
16.08.2021
10.09.2021
11
18.879
11
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.08.2021 1.488
 
... vielen lieben Dank! Ihr seid toll!



Als Riku das nächste Mal aufwacht, strömt ihm der Duft von frischem Kaffee in die Nase. Er fühlt sich behaglich, die Decke, die er plötzlich über sich liegen hat, wärmt ihn angenehm, aber seine Brust ist kalt. Tina muss aufgestanden sein, ohne dass er es bemerkt hat. ‚Komisch, dass ich in einer fremden Wohnung so tief weg war. Ich muss wohl doch richtig kaputt gewesen sein…‘ schleicht sich ein Gedanke durch seinen Kopf als er sich streckt. Tina kommt gerade mit zwei Bechern Kaffee in den Händen wieder ins Wohnzimmer und reicht ihm lächelnd einen. „Der kommt zwar nicht an unser sonstiges Frühstück ran, aber zum wach werden sollte er reichen…“ meint sie. „Das Übliche im Café muss bei mir heute wieder ausfallen.“ er schielt zum Radio um zu sehen, wie spät es ist und seufzt „Reicht gerade noch für den Kaffee, dann stehen wahrscheinlich die Jungs vor der Tür.“ Keiner von beiden spricht ihre ungewöhnliche Nacht an. Riku stellt seinen eben leergetrunkenen Kaffeebecher auf die Theke in der Küche als Poltern vom Treppenhaus zu ihnen hereindringt. „Wie auf’s Stichwort!“ grinst er und setzt sich in Bewegung Richtung Wohnungstür. Beim Öffnen dreht er sich um und bedankt sich bei Tina, die zuckt mit den Schultern „Immer wieder gerne, Riku!“. Noch bevor ihnen klar wird, wie das auf Außenstehende wirken muss, ertönt das Gegröle seiner vier Kumpels. „Noch nicht mal hier eingezogen und macht schon die Nachbarin klar, zzzz!“ gibt ein großer, breiter Kerl von sich. Tina kann nicht wiederstehen „Vielleicht war es auch anders rum?!“ Nun herrscht Schweigen „Oh man, wer euch hat, der braucht keine Feinde mehr!“ Doch Tina legt ihm eine Hand auf den Arm „Tut mir leid, bei der Steilvorlage konnte ich nicht wiederstehen!“ und beide lachen herzlich. An dem großen Breiten drückt sich nun aber ein eher Schmaler vorbei und reicht Tina eine kleine Walze, einen Pinsel und einen Farbbecher „Wir können jede Hand gebrauchen!“. Riku sieht entsetzt zwischen ihm und Tina hin und her „Sag mal, Pat, geht’s noch???“ und wieder ist es Tina die ihm die Hand auf den Arm legt und sagt „Schon okay, ich zieh mich um, dann komm ich rüber. Natürlich nur, wenn es dir recht ist.“ Mehr als nicken kann Riku im Moment nicht, ohne dass er zu viel preisgeben würde.

Wenig später steht Tina in alten Jeans mit eindeutig zu vielen durchgescheuerten Stellen und einem Hemd, das schon jede Menge Farbspritzer aufweist in Rikus Küche und streicht die Kanten und Ecken vor, dass einer der Jungs später mit der großen Walze die Flächen weißeln kann. Riku erkennt die gelben Farbspritzer als ihre Küchenfarbe, den leichten Aprikotton kann er momentan nicht zuordnen und das wässrige Türkis meint er im vorbeigehen im Bad gesehen zu haben. Irgendwo zentral in der Wohnung steht ein Radio, so dass sie Musik während der Arbeit haben. Dadurch arbeitet jeder für sich, Gespräche kommen so nicht wirklich zu Stande. Tina schüttelt immer wieder ihren linken Arm aus und rollt die Schulter. Riku hat dies zwar schon mehrfach gesehen, wird aber auch von dem großen Breiten, der sich als Tomi herausgestellt hat, darauf aufmerksam gemacht. Die Arbeit läuft gut und sie schaffen es tatsächlich die Wohnung an einem Tag fertig zu streichen. Als sich die Jungs nach getaner Arbeit und einer Riesenpizza verabschieden, bleiben Riku und Tina alleine in der Küche zurück. „Was ist mit deiner Schulter und deinem Arm los? Ist das von heute Nacht oder vom Streichen?“ ‚Mist, er hat es also doch bemerkt‘ durchzuckt es Tina und ihr Blick fällt auf die Backofenscheibe hinter ihm. Dass seine Hand auf ihrer Hüfte liegt, scheint er nicht bewusst wahrzunehmen. Sie beißt sich kurz auf die Lippe, legt den Kopf schräg und blinzelt ihm zu „Nein, an heute Nacht liegt es nicht. Die Nacht mit dir war sehr angenehm…“ Riku bleibt ganz kurz der Mund offenstehen, sie hören, wie Schritte zur Tür stapfen und die Tür ins Schloss fällt. „Wie hast du Tomi bemerkt? Ich habe ihn erst gesehen, nachdem ich gefragt hatte.“ Tinas Zeigefinger streift seinen nackten Unterarm als sie auf den Backofen zeigt, es durchfährt ihn wie ein Blitz. Als er ihr Spiegelbild erkennt, weiß er was sie meint und lacht los „So ein mieser Verräter, dieser Backofen!“.

Beide schnappen sich die benutzten Pinsel, Walzen und Farbwannen und tragen sie in die Badewanne zum Saubermachen. „Danke, dass du mir hilfst. Aber was ist jetzt wirklich mit deinem Arm?“ fragt er noch mal. Tina stellt die Walzen zum Trocken auf, während Riku eine Schmerzsalbe aus seinem Rucksack zieht. „Setz Dich auf den Wannenrand, ich creme dich damit ein und du erzählst.“ Ein flaues Gefühl schleicht sich bei ihr ein, ihr erster Impuls ist es, ihre Deckung wieder höher zu ziehen. Sie stellt ihre Füße aber trotzdem auf den gegenüberliegenden Wannenrand, da die Wanne ja nass ist und öffnet das Hemd, froh, dass sie über dem BH ein Hemdchen trägt. Irgendetwas sagt ihr, dass es okay wäre, sich etwas mehr zu öffnen. ‚Verdammt wo kommt jetzt schon wieder so plötzlich die Lust auf Kokosmakronen her?‘ fragt er sich. „Ich hab glaub ich einfach den Farbbecher ziemlich verkrampft festgehalten und streichen tu ich ja auch nicht jeden Tag.“ erklärt sie ausweichend. „Aha, und wo ist die her, hattest du mal einen Unfall?“ fragt Riku als er die Narbe auf ihrem Schulterblatt entdeckt. Tina schließt die Augen, die Narbe war unter den dünnen Trägen natürlich nicht zu verstecken. Sie holt tief Luft „Nein, kein Unfall in dem Sinn.“ Riku setzt sich neben sie auf den Wannenrand und wartet. „Ich war auf dem Heimweg von der Uni, letzte Planungen für die Abschlussfeier, weißt du. Es war schon spät und ich war allein auf dem Weg zum Auto. Da habe ich Schreie gehört. Ich habe noch nie jemanden so schreien gehört, das war Todesangst. Ohne Nachdenken bin ich in die Richtung losgerannt und hab gesehen, wie ein Mann auf eine Frau am Boden eintritt. Dass er mit einem Messer ausgeholt hat, habe ich so nicht wahrgenommen. Ich habe geschrien, dass er aufhören soll. Er hat gelacht und sich schwankend umgedreht. Er war stutzbesoffen. Das einzige was mir in den Sinn kam, war ihm selbst einen Tritt zu verpassen um ihn von der Frau wegzubekommen. Und im nächsten Moment habe ich einen brennenden heißen Schmerz in der Schulter gespürt und konnte meinen Arm nicht mehr bewegen. Die Frau ist weggekrabbelt, er lag wimmernd am Boden und ich habe die Polizei gerufen. Frag mich nicht, wie ich das noch zustande bekommen hab, ich versteh es bis heute nicht… Tja, so kam ich zu der Narbe.“ endet Tina und will das Hemd wieder nach oben ziehen. Die leicht flirtige Stimmung aus der Küche war spätestens jetzt dahin. „Hej, ich bin noch nicht fertig! Zivilcourage ist eine feine Sache und Angst macht Dinge möglich, die wir nicht für möglich halten.“ sagt Riku und dreht sich weiter in ihre Richtung. Die Wanne ist mittlerweile wieder trocken, so setz er sich rittlings auf den Wannenrand und beginnt Tinas Arm sanft massierend einzucremen. „Darf ich?“ fragt er und deutet auf die Trägerchen. Tina nickt, er zieht sie mit dem kleinen Finger zur Seite und cremt an ihrer Schulter weiter. „Ist das auch der Grund, warum du keinen Alkohol trinkst, ich meine, weil der damals so betrunken war?“ es ließ ihm keine Ruhe. „Einer der Gründe, ja. Ich habe damals neben Reha starke Medikamente gebraucht und durfte nichts trinken, danach habe ich auch nicht wieder angefangen. Ab und zu ein Glas Wein, aber mehr nicht.“ antwortet sie ehrlich. „Und wie geht’s jetzt weiter?“ Tina versteht die Frage nicht also erklärt Riku sich „Ich meine deine Schulter…“ „Ach so, die Vorarbeit hast du ja jetzt erledigt. Später werde ich mir eine Wärmflasche mit ins Bett nehmen, dann geht’s morgen schon fast wieder normal. Und ich sollte mal wieder schwimmen gehen, das hilft auch immer.“ Riku nickt stumm, er hat ein schlechtes Gewissen: wegen seiner Streicherei hat sie jetzt Schmerzen. Aber sie lächelt ihn an und legt ihre Hand auf seine Brust „Mach dir keinen Kopf, ich bin nicht aus Zucker.“ Als ihr auffällt, wie intim diese Geste im Moment ist, zieht sie ihre Hand zurück, Riku hält sie jedoch fest. Das knistern und kribbeln ist wieder da. Sie hatte es schon gestern Nacht auf dem Sofa bemerkt. Und heute auch immer wieder, wenn sich ihre Blicke beim Streichen trafen oder in der Küche, als sie nach dem gleichen Stück Pizza griffen oder als er ganz nah neben ihr stand, um die Spiegelung in der Backofentür zu sehen. Und eben jetzt wieder. „Du bist ein ganz wunderbarer Mensch“ er drückt ihre Hand auf sein Herz, wo gestern Nacht ihr Kopf lag „ich bin froh, dass ich dich kennenlernen darf.“ ‚… und, dass ich hinter das Schutzschild blicken konnte, wenn auch nicht ganz freiwillig… sie ist gut im Verstecken, wäre garantiert eine prima Poker-Spielerin‘ ergänzt er in Gedanken.
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