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Kenn ich dich?

GeschichteDrama, Angst / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Severus Snape
14.08.2021
04.12.2021
23
96.643
40
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25.11.2021 4.420
 
Ich spüre Harrys Unruhe mit jedem Tag wachsen. Man könnte glauben, dass der erfolgreiche Verlauf unserer Aktion und die damit verbundene Aufregung, ihn ruhiger werden ließen. Aber auch, wenn er sich geduldig um meine Verletzung kümmert, spüre ich sein inneres Brennen. Die Wochen waren zu lange, in denen wir zwangsläufig warten mussten. Jetzt könnten wir raus  - auch wenn wir dort nichts Konkretes tun können – aber mein Zustand lässt es nicht zu. Tatsächlich haben wir allerdings auch die Bücher alle durch gearbeitet und ich kann ihn ja verstehen.

Als ich vier Tage nach dem Einbruch in das Verlies morgens schmerzfrei erwache, ist mir klar, dass wir heute die Hütte verlassen müssen.
Am gestrigen Abend haben wir geknutscht und uns gegenseitig befriedigt, aber selbst das scheint Harry gerade eher zu frustrieren. Ich kann es ihm irgendwie nachempfinden. Wäre dies eine heterosexuelle Beziehung, hätten wir längst miteinander geschlafen. Aber so sind wir beide extrem unsicher. Ich persönlich würde gerne weiter gehen und Harry vermutlich auch, aber keiner von uns weiß, wie. Wir haben beide keinerlei Erfahrung mit Männern. Ich persönlich kann sagen, dass es mich unglaublich anmacht, wenn ich Harrys Hintern vor mir habe. Bereits mehrfach habe ich mir vorgestellt, wie es sich anfühlen würde, wenn ich mit meinem Schwanz in ihn eindringen… Allein die Vorstellung lässt mich hart werden!
Aber was, wenn er das nicht will? Wenn er die gleichen Phantasien hat und wir deshalb vielleicht gar nicht wirklich zusammen passen? Muss man das denn überhaupt so festlegen? Oder kann man sich da auch abwechseln? Aber wenn einer da jetzt so gar keinen Spaß dran hat, dass der andere ihn… Bei Salazar! Warum ist das nur so kompliziert?
Jedenfalls ist diese unausgesprochene Sache ein weiterer Grund, dass wir der Enge der Hütte entfliehen müssen und heute ist der Tag gekommen, an dem wir das auch machen werden.
„Hey, mein Schöner,“ begrüße ich Harry mit einem Kuss auf den Hals. Er sitzt bereits am Tisch und schmiert sich ein Brot. Überrascht sieht er auf, er war wohl in Gedanken versunken, wie so oft in den letzten Tagen.
„Was hältst du davon, wenn wir heute mal wieder fliegen gehen?“
Sein Ausdruck verändert sich schlagartig. „Geht es denn mit deiner Schulter?“ Ich höre die Hoffnung und die Angst, ich hätte meine Verletzung vielleicht vergessen. Dass er trotzdem zuerst danach fragt, ist so lieb von ihm.
„Ja. Keine Schmerzen mehr.“ Zur Verdeutlichung kreise ich mit meinen Schultern mehrfach nach vorne und hinten.
„Das sind gute Neuigkeiten.“ Er grinst und wirkt mit einem Mal viel freier.

Nach dem Frühstück verlieren wir keine Zeit und schultern die Besen. Es ist wunderbar, die warme Sommerluft in den Haaren zu spüren. Die Verwandlung geht mir inzwischen leicht von der Hand und Harrys Alter Ego ist mir bereits vertraut, so dass ich in dem blonden Kerl den echten Harry wieder erkenne.
Wir verbringen den ganzen Tag draußen. An einem See machen wir Halt und tollen im Wasser herum. Für ein paar Stunden fühlen wir uns wie ganz normale Teenager, die einen Tag in den Sommerferien zusammen verbringen. Warum kann es nicht immer so sein?
Als wir wieder zuhause … ja, es fühlt sich inzwischen tatsächlich so an, was einerseits schön, aber irgendwie auch verstörend ist… ankommen, spüre ich, dass Harry viel gelöster ist als an den Tagen zuvor. Vermutlich habe ich unterschätzt, was diese Gefühl des Eingesperrtseins mit ihm macht. Ich weiß immer noch nicht viel von seiner Kindheit, aber als „Auserwählter“ war er spätestens mit dem Fünften Schuljahr Zielscheibe des Lords und musste sich daher außerhalb von Hogwarts sicher immer zurück halten.

Harry strahlt über das ganze Gesicht und sieht aus, als habe er den Sonnenschein des ganzen Tages konserviert. Entspannt macht er sich daran, das Abendessen vorzubereiten. Ich decke den Tisch und warte auf Anweisungen. Ich habe gelernt, ihm nicht im Weg rumzustehen. Er weiß, dass ich jederzeit helfen kann, aber meist wirbelt er alleine in der Küche herum und ich genieße es heute einfach nur, ihm zuzusehen, weil er so glücklich aussieht, wie lange nicht. Ich sitze am Tisch, den Kopf auf die Hand gestützt und lächle versonnen.
Harry dreht sich um und ein Grinsen schleicht sich auf sein Gesicht. „Was machst du denn da?“
„Ich schau dir zu,“ antworte ich wahrheitsgemäß.
„Scheint Spaß zu machen,“ neckt er und stellt die Pfanne auf den Tisch.
„Du machst dir keine Vorstellung.“ Meine Stimme ist irgendwie rauer als eben noch und ich wende schnell den Blick ab, denn am liebsten würde ich jetzt das Essen Essen sein lassen und statt dessen Harry vernaschen.
Harry scheint die Spannung auch zu spüren, denn er wischt sich verlegen die Hände an der Hose ab und dreht sich schnell um, um den Topf mit dem Reis zu holen. Ohne mich anzusehen, schöpft er mir Reis und Pfannengemüse auf den Teller und beginnt dann selbst zu essen.
„Das war ein wunderschöner Tag,“ wage ich, wieder zu sprechen, nachdem wir einige Minuten schweigend verbracht haben. Harry hebt den Kopf und lächelt. „Ja.“ Mehr sagt er nicht, aber genau deshalb weiß ich, wie sehr es ihm gefallen hat. Das Schweigen, das nun folgt, ist einvernehmlich und vertraulich. Ich denke an die schönen Momente des heutigen Tages und bilde mir ein, dass es Harry genauso geht. Plötzlich fällt mir auf, dass ich in meiner Erinnerung an den Harry denke, so wie er vor mir sitzt und nicht die verwandelte Version. Das macht es noch viel besser.

Ich bin eben mit dem Abwasch fertig und drehe mich um, da kommt Harry nur mit einem Handtuch um die Hüften von der Dusche. Seine Haare sind noch feucht und einige Tropfen glitzern auf seinen gebräunten Schultern.
„Malfoy, du starrst.“ Harrys Anrede reißt mich aus meiner Betrachtung. Ich gehe auf sein Spiel ein und lege im Vorbeigehen das Geschirrtuch auf den Tisch, während ich mich geschmeidig auf ihn zu bewege. „So? Tue ich das?“ Nah vor ihm bleibe ich stehen und zwinge ihn so, den Kopf etwas zu heben. Besitzergreifend lege ich eine Hand an seinen Hinterkopf und ziehe ihn zu mir heran, um ihn hart zu küssen. Er lässt sich in den Kuss fallen und gibt auch keinen Laut des Protestes von sich, als ich ihm mit der anderen Hand das Handtuch weg ziehe. Stattdessen drängt er sich noch näher an mich, so dass ich bald seine Härte deutlich spüren kann. Meine Hände wandern über seinen Rücken bis zu seinem göttlichen Hintern, wo ich sie fest auf beiden Arschbacken platziere. Er stöhnt und ruckelt etwas herum, so dass ich nicht weiß, ob er meine Hände versucht abzuschütteln, oder ob er mehr will.
„Draco…“
„Hmmm,“ nuschle ich, denn ich habe mich inzwischen mit meinen Lippen zu seinem Hals vorgearbeitet. Meine Hände kneten versuchsweise die pralle Haut und er seufzt. Dieses Geräusch und wie er sich mir anbietet, lassen mich mutiger werden. Langsam wandere ich mit einer Hand Richtung seiner Spalte und taste mich vorsichtig vor, bereit, jederzeit einen Rückzieher zu machen.
Harry hat derweil begonnen, meine Hose zu öffnen, wobei er lediglich Wert darauf legt, meinen Schwanz zu befreien, so dass ich immer noch beinahe angezogen bin, während er nackt vor mir steht. Als ich mit einem Finger an seinem Eingang angekommen bin und vorsichtig darüber streiche, stöhnt Harry so ungehalten auf, dass ich erschrocken zurück zucke.
Er greift aber nach meinem Arm und hält ihn an Ort und Stelle. Die kleine Geste genügt, dass ich mutiger werde. Ich dränge ihn zum Bett, wo ich ihn rückwärts auf die Matratze werfe. Kurz genieße ich den Augenblick, wie er da vor mir liegt  - sein Schwanz steil aufgerichtet und prall, sein Blick ganz Gryffindor: neugierig und herausfordernd, seine Lippen feucht und rot geküsst.
Ich will nicht mehr zögern und greife nach dem Öl, das uns schon ein paarmal gute Dienst erwiesen hat. Langsam lasse ich etwas in meine Hand tropfen, benetze meine Finger und lege dann die Hand auf Harrys Erektion. Er schließt die Augen und legt den Kopf in den Nacken. Ich nehme seine Hoden und massiere sie sanft und dann wage ich es. Ohne Harry aus den Augen zu lassen, der die Augen immer noch geschlossen hat und offenbar ganz bei meinen Berührungen ist, lasse ich einen Finger in seine Spalte gleiten.
Harry öffnet den Mund leicht und fährt sich mit seiner Zunge über die geschwollenen Lippen. Dieser Anblick raubt mir beinahe den Verstand. Ich taste mich vor, immer noch darauf gefasst, jederzeit gestoppt zu werden. In kleiner werdenden Kreisen nähere ich mich dem Eingang, drücke dann leicht dagegen und sehe, wie Harry die Luft anhält. Als ich meinen Finger wieder zurück ziehen will, höre ich Harrys gepresste Stimme: „Malfoy, wenn du jetzt einen Rückzieher machst…“ Weiter kommt er nicht, denn damit sind alle meine Zweifel weg gewischt. Bevor der Mut mich verlassen kann, dringe ich mit meinem Finger in ihn ein. Er zischt erschrocken auf und scheint mich gut genug zu kennen, um gleich zu flüstern: „Bleib…ich…es ist ungewohnt…aber hör nicht auf…“
Es ist offensichtlich, dass er von seinen Gefühlen, überrollt wird. Vorsichtig taste ich mich vor und genieße diesen Anblick. Ich betrachte meinen Finger, wie er immer tiefer in Harry verschwindet und werfe immer wieder einen Blick auf Harrys Gesicht, auf dem ich das Erstaunen und die Ekstase sehen kann.
Ich lehne mich über ihn, ohne meine Hand von seinem Hintern zu entfernen. Meine Hose hängt auf Halbmast und ich trage immer noch ein T-Shirt. Dadurch fühlt es sich irgendwie noch obszöner an, was ich hier mit ihm mache. Er hat sich mir so schamlos angeboten und jetzt liegt er hier vor mir und vertraut darauf, dass ich ihm nicht weh tun werde. Und das habe ich auch sicher nicht vor.
Während ich mutig einen zweiten Finger in Harry versenke, lehne ich mich so über ihn, dass unsere Erektionen sich berühren.
„Draco…“ Was auch immer er sagen wollte, geht in einem Stöhnen unter, als ich fest mit meinen beiden Fingern in ihn stoße. Kurz verliere ich selbst beinahe die Beherrschung, als ich seine Hand spüre, die unsere beiden Erektionen umfasst und beginnt zu pumpen.
Merlin!
Ich ahme seine Bewegungen nach, so dass ich im selben Rhythmus in ihn stoße, wie er seine Hand bewegt. Ich sehe ihm an, dass er darauf gewartet hat und dass meine Berührungen ihm etwas geben, das er bisher nicht erfahren hat. Eigentümlicher und vielleicht etwas alberner Stolz erfüllt mich, aber ich habe nicht lange Zeit, mich diesem Gefühl hinzugeben, denn Harry treibt uns unseren Höhepunkten entgegen.

Erschöpft breche ich auf ihm zusammen und ignoriere die Sauerei zwischen uns. Ein seliges Lächeln legt sich auf meine Lippen. Das heute war unglaublich wichtig – für mich auf jeden Fall und ich habe das Gefühl, dass es Harry genauso ging. Ich fühle mich frei von einer Last, obwohl ich nicht wirklich mit ihm geschlafen habe. Aber selbst, wenn das auch in den nächsten Tagen oder sogar Wochen nicht geschehen wird, kann ich die Sache jetzt viel entspannter angehen.
„Du bist einfach wie immer der Mutigere von uns beiden,“ schnurre ich an Harrys Hals. Er lacht leise.
„Andere würden es egoistisch nennen.“ Er schält sich unter mir hervor und hangelt nach dem Zauberstab, um uns zu reinigen.
„Ich will nicht behaupten, dass ich nicht irgendwann auch mal dich…also…“
„Ja?“ Ich grinse. Das ganze so beim Namen zu nennen, ist ihm dann doch peinlich. Jetzt, wo die Hitze der Erregung abgeflaut ist, ist es schwieriger, die Dinge so konkret zu benennen.
„Du weißt, was ich meine!“
„Du meinst, du willst mich vielleicht auch irgendwann mal ficken?“ Ich kann es nicht lassen, auch wenn ich sonst auch nicht so offen und derb in meiner Wortwahl bin. Aber wie Harry leicht verschämt einen Arm über sein Gesicht legt, ist es wert.
„So kann man es auch ausdrücken,“ nuschelt er in seine Armbeuge.
„Hey.“ Ich lache und ziehe den Arm von seinem Gesicht. Sanft küsse ich ihn auf die Lippen. „Ich bin bereit, alles mit dir auszuprobieren, aber um ehrlich zu sein, kann ich es kaum erwarten, meinen Schwanz in dir zu versenken.“ Ich weiß nicht, wo ich den Übermut für diese Worte her nehme, aber die Tatsache, dass ich mit meinen Lippen ganz nah an Harrys Ohr entlang streife und wir uns nicht in die Augen sehen, war wohl hilfreich.
Harry stöhnt bereits wieder und ich kann sehen, dass er eine Gänsehaut bekommt.
„Aber für heute hat dein Arsch mit der ganzen Fliegerei genug zu verarbeiten,“ sage ich in einem völlig anderen Tonfall und setze mich auf. Harry sieht mich etwas verdutzt an, als ich aufstehe und mein Handtuch schnappe, um nun auch duschen zu gehen. Ich will ihn wirklich nicht beim ersten Mal überfordern, und wenn ich nicht gleich unter einer kalte Dusche stehe, kann ich für nichts mehr garantieren.


Nach diesem Abend ist der Umgang zwischen uns wieder leichter. Die Fronten sind ein Stück weit geklärt und das, was unausgesprochen zwischen uns stand, hat sich im wahrsten Sinne des Wortes in Wohlgefallen aufgelöst.
Wir finden eine neue Routine in den nächsten Tagen. Nach dem Frühstück brechen wir immer recht schnell auf, um mit den Besen los zu fliegen. Ein wirkliches Ziel haben wir nicht, aber wir können nicht mehr tun, als zu warten – worauf, wissen wir allerdings selbst nicht so genau. Auf einen zufälligen Hinweis, eine Nachricht von Severus, einen Geistesblitz…
Einmal haben wir unsere Besen in der Nähe eines Muggelortes versteckt und sind durch die Straßen gegangen. Es war ein seltsames Gefühl, plötzlich unter Menschen zu sein und da es nur ein kleines Dorf war, wurden wir auch gleich als Fremde identifiziert und angestarrt, so dass wir bald das Weite gesucht haben.


Heute ist der Himmel bedeckt und wir fliegen weiter als zuvor. In den letzten Tagen hat die Hitze uns immer früher oder später dazu genötigt, Schatten oder Wasser aufzusuchen. In der Ferne erkenne ich ein paar Häuser und deute nach vorne.
„Was meinst du? Sollen wir es nochmal wagen?“
Harry zuckt die Schultern. „Warum nicht? Wir haben nichts zu verlieren.“ Er hat recht. Die Muggel können uns nicht wirklich gefährlich werden. Also landen wir in einiger Entfernung und desilliussionieren uns, um zu apparieren. In der Nähe eines großen Gasthauses, das von Weitem bereits zu sehen war, landen wir.
Wieder sichtbar, treten wir aus dem Schatten einiger Bäume und schlendern nun die Straße entlang. Auch dieser Ort ist nicht sehr groß, aber offenbar verirren sich öfter Fremde hierher, so dass wir nicht weiter auffallen. Vor einem Zeitschriftenladen bleibt Harry stehen. Ich folge seinem Blick zu einem Aufsteller, wo die aktuelle Tageszeitung ausliegt.
„Weitere ungeklärte Todesfälle in Devonshire,“ titelt das Blatt. Harry tritt etwas näher heran und ich folge ihm, bis ich auch den Text unter der Schlagzeile lesen kann. Es ist eindeutig, dass die Todesser ihr Werk wieder aufgenommen haben. Offenbar ist das Ministerium nun in fester Hand und der Dunkle Lord lässt seine Treuen von der Leine. Ich höre Harry knurren und sehe, wie er die Hände zu Fäusten ballt. Dann dreht er sich um und stapft den Weg zurück, den wir gekommen sind.
„Harry,“ zische ich. „Was machst du?“
Er wirbelt herum. Feuer glimmt in seinem Blick und noch nie konnte ich seine echte Gestalt so deutlich unter dem fremden Antlitz ausmachen, wie jetzt. Vielleicht liegt es aber auch an der Magie, die wild um ihn herum wabert, was mir etwas Sorgen bereitet.
„Wir machen hier einen auf Landurlaub, während Voldemort…“ Dass er zum ersten Mal seit Wochen den Namen des Dunklen Lords ausspricht, ist ein Zeichen, wie angespannt er von der Situation ist, in der wir nun schon so lange zum Nichtstun verdammt sind. Bevor ich allerdings selbst ein Zischen von mir geben kann, ploppt es drei Mal und vor uns stehen drei abgerissen aussehende Typen.
Völlig außer Acht lassend, dass wir uns in einem Muggelort befinden, wollen wir beide nach unseren Zauberstäben greifen, aber Harry wird bereits von einem Fluch zu Boden gerissen und bleibt stöhnend liegen. Ich stocke in meiner Bewegung, als ich in das boshaft grinsende Gesicht eines der Männer blicke, der seine Stabspitze auf Harrys Brust richtet. „Das würde ich mir nochmal überlegen, Bursche!“
Ich kenne die drei nicht und bin mir ziemlich sicher, dass es keine Todesser sind. Dazu sehen sie zu verwahrlost aus. Vermutlich schart der Lord inzwischen allerhand Gesindel um sich. Ich lasse die Hand sinken. Die Typen scheinen nicht die Hellsten zu sein, denn niemand nimmt Harry und mir die Stäbe ab. Sie denken offenbar, dass sie die Situation unter Kontrolle haben. Das verschafft mir immerhin noch einen minimalen Vorteil.
„Wie ist dein Name?“
Einer der anderen ist dicht vor mich getreten. Sein widerlicher Atem streift mein Gesicht und ich drehe meinen Kopf. Aber er greift nach meinem Kinn und presst es schmerzhaft zwischen seinen Fingern. Dabei kommt er mir noch näher. Ich atme so flach wie möglich. Plötzlich lässt er mich los und schlägt mir ins Gesicht.
„Antworte gefälligst!“
„Ich…mein Name…“ Mir fällt ein, dass wir nie darüber gesprochen haben, wie wir uns nennen sollen und versuche, mir auf die Schnelle einen Namen einfallen zu lassen. „Darius… D..Darius Milestone…“
„Soso…Darius…“ Der Typ umrundet mich. Ich frage mich, was die Muggel von dieser Situation halten. Oder sind es nicht nur diese drei, die hierher gekommen sind? Haben wir dieses Dorf dem Untergang Preis gegeben?
„Und dein Freund hier?“ Er tritt Harry absichtlich auf die Hand, die ein unschönes Geräusch macht. Harry beißt die Zähne zusammen und presst mühsam hervor: „Henry…Price.“
„Und was machen Darius und Henry in diesem netten Ort?“ Die Stimme des Mannes ist süßlich. Er ist nicht wirklich einschüchternd, aber ich werde die Situation bestimmt nicht unterschätzen. Sicher, wir haben unsere Zauberstäbe noch, aber Harry befindet sich immer noch auf dem Boden und wird direkt bedroht. Seine linke Hand dürfte zudem momentan unbrauchbar sein.
„Wir…“ Ich blicke zu Harry, der einen grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht hat und dann zweimal kurz hintereinander blinzelt. Man könnte meinen, er würde es wegen der Schmerzen machen, oder weil er Sand in die Augen bekommen hat. Aber ich weiß, dass er mir damit sagen will, dass er gleich zu einem Gegenschlag ausholen will. Ich weiß zwar nicht, wie er das vorhat, aber ich wappne mich. Hochnäsig drehe ich mich zu den beiden, die vor mir stehen, um ihre Aufmerksamkeit von Harry weg zu lenken.
„Wir machen Urlaub. Ist das verboten?“
„Nein, Bursche, das ist nicht verboten. Aber niemand sagt den Namen der Dunklen Lords! Niemand außer einem gewissen Harry Potter!“
Verdammt! So haben sie uns erwischt. Harrys Rücksichtnahme die letzten Wochen hat uns davor bewahrt, bereits viel früher gefunden zu werden.
„Sieht nicht so aus, als wäre er hier? Oder?“, versuche ich ziemlich jämmerlich Zeit zu schinden und ich sehe sofort, dass mein Gegenüber nun keine Lust mehr auf dieses Spiel hat. Wütend macht er erneut einen Schritt auf mich zu, als ich einen Schrei höre. Ich blicke, wie auch die beiden anderen, zu Harry und seinem Gegner, der sich die Hände auf die Augen presst. Harry ist in einer geschmeidigen Bewegung aufgesprungen, den Zauberstab in der Hand. Er hechtet auf mich zu, packt mich und im nächsten Moment werden wir vom Wirbel der Apparation erfasst.

Hart landen wir am Ufer des Sees, an dem wir bereits einige schöne Stunden verbracht haben. Harry dreht sich ein paar mal um sich selbst und spricht bereits die ersten Schutzzauber. Ich tue es ihm gleich und erst, als wir wirklich sicher sind, dass uns hier niemand entdecken kann, lassen wir uns ins Gras fallen.
„Verdammt!“ Harry fährt sich durch die Haare und merkt offenbar erst jetzt wieder, dass an seiner Hand vermutlich ein paar Knochen angeknackst sind. Er zischt auf und sieht dann zu mir. „Bist du verletzt?“
Ich schüttle den Kopf. Die Situation hat mich völlig überrumpelt und ich muss das erst mal in meinem Kopf sortiert bekommen. Wir schweigen beide eine Weile, denn offenbar geht es Harry nicht anders. Schließlich steht er auf.
„Lass uns nach Hause gehen.“
Ich muss mir ein Schmunzeln verkneifen, weil er diese Hütte auch als Zuhause ansieht. Wir apparieren also zurück und legen erneut größte Sorgfalt auf die Überprüfung der Schutzzauber.

„Zeig mir deine Hand,“ fordere ich Harry schließlich auf und er hält sie mir hin. Der kleine Finger steht in einem schiefen Winkel ab, Ring- und Mittelfinger sind geschwollen. Ich hole Murtlapp-Essenz und einen Schmerztrank. Dabei stelle ich fest, dass unsere Vorräte an Tränken bald zur Neige gehen. Harry nimmt den Trank zu sich und ich warte ein paar Minuten, damit er seine Wirkung etwas entfalten kann, bevor ich einen Episkey spreche. Erneut knirscht es unschön und Harry stöhnt kurz auf. Vorsichtig bestreiche ich die Finger mit der Essenz und verbinde alles.
„Es tut mir leid,“ murmelt Harry und ich weiß, was er meint.
„Du konntest es nicht wissen.“ Es stimmt. Ich wusste es auch nicht, sonst hätte ich ihm gesagt, dass es nicht nur um Rücksichtnahme geht, wenn er den Namen des Lords nicht nennt.
Harry lässt seinen Kopf auf die Sofalehne sinken und blickt zur Decke. Ich habe eine vage Vorstellung, was in ihm vorgeht. Als er auch nach mehreren Minuten nichts sagt, breche ich das Schweigen.
„Es ist ja nicht so, dass wir eine Wahl hätten…“  Ich habe etwas Angst, dass Harry wütend wird. So wütend, wie in dem Dorf. Aber er scheint mit einem Mal unglaublich erschöpft zu sein. Er schließt die Augen und entsetzt bemerke ich, dass Tränen über seine Schläfen in seine Haare sickern.
„Harry…“
Schnell rücke ich näher an ihn heran und ziehe ihn in meine Arme, wo er hemmungslos schluchzt. So genau weiß ich nicht, was ihn gerade so aus der Bahn wirft, aber er wird es mir sicher sagen, sobald er sich beruhigt hat. Schließlich löst er sich von mir und wischt sich über die Augen. Er spürt meinen fragenden Blick und räuspert sich.
„Entschuldige… Ich…Ich bin so ein Idiot!“
Ich warte, ob dieser Aussage noch eine Erklärung folgt. Aber er starrt nur vor sich hin.
„Und warum genau glaubst du, ein Idiot zu sein?“, wage ich, nach einigen Minuten zu fragen.
„Ich…ich habe das alles völlig aus den Augen verloren. Das, was da draußen passiert. Nicht nur unschuldigen Muggeln, sondern auch meinen Freunden, den Ordensmitgliedern, allen Hexen und Zauberern, die sich IHM nicht unterordnen wollen. Ich hab nur noch an diesen verdammten Horkrux gedacht…“ seine Stimme wird ganz leise. „…und manchmal nicht einmal mehr daran. Weil…weil es so schön ist, hier mit dir…“
Seine Worte wärmen mein Herz, aber als er sein Gesicht jetzt wieder in seine Hände legt und erneut schluchzt, ziehe ich ihn wieder zu mir.
„Ich bin so ein verdammter Egoist!“ Seine Stimme ist gedämpft von seinen Händen, aber ich kann die Verzweiflung trotzdem hören. Zu gerne würde ich ihm sagen, dass wir nicht wirklich viele Möglichkeiten hatten in den letzten Wochen. Und immerhin haben wir einen Horkrux in die Hände bekommen. Aber ich weiß, dass das jetzt nichts bringen würde. Er fühlt sich gerade wirklich schlecht und ich sollte eher versuchen, ihm Mut für die Zukunft zu machen, als unser Verhalten in den letzten Wochen zu rechtfertigen.
„Ich denke, wenn das neue Schuljahr wieder los geht und Severus in Hogwarts ist, können wir wieder häufiger mit ihm kommunizieren. Er hat zwar gesagt, er will den Grund unserer Mission nicht wissen, aber vielleicht kann er uns trotzdem bei der Suche nach einem Artefakt von Ravenclaw helfen.“
Ich spüre, dass Harry mir genau zugehört hat, denn er wird ruhiger und nickt schließlich.
Er ist -entgegen seiner Aussage- kein Idiot. Er weiß, dass wir hier nicht viel mehr Optionen haben und jetzt ganz offensichtlich an einem Punkt angelangt sind, an dem wir auf Hilfe von außen angewiesen sind. Ich bin froh, dass er das so annimmt, denn kurz hatte ich Angst, dass er in seinem gryffindorschen Übermut los rennt, damit keine Muggel mehr sterben müssen. Wenn es so einfach wäre, würde ich ihm sofort und ohne zu Zögern folgen. Aber wir müssen geduldig sein. Es sind nur noch zehn Tage bis zum Beginn des neuen Schuljahres. Das ist ein guter Zeitraum, um sich einerseits zu beruhigen und andererseits ist er nicht zu lange, um ihn nicht auch noch auszuhalten.

In den nächsten Tagen ist Harry beinahe abweisend. Er ist nicht unfreundlich, aber seine kleinen liebevollen Gesten bleiben aus und wenn ich ihn in den Arm nehme oder küsse, entzieht er sich jedes mal schnell wieder. Es ist eindeutig, dass er sich diese Zärtlichkeiten nicht zugestehen will. Als hätte er es nicht verdient, sich geborgen und glücklich zu fühlen und sei es nur für den Moment.
Ich kann das zum Glück einordnen, denn ich kenne ihn gut genug. Er ist so ein Mensch, der sich selbst nicht mehr Gutes gönnen möchte als anderen. Trotzdem finde ich es schade, dass wir diese Tage nicht genießen können, aber ich versuche, nicht zu enttäuscht zu sein.

Severus schreibt mir erst Ende des Monats wieder, als er nach Hogwarts zurück kehrt – wie angekündigt als Schulleiter.

„Lieber Draco,
leider kann ich dir erst jetzt wieder schreiben.
Ich weiß nicht genau, ob ihr eure Aktion mit den Haaren durchziehen konntet, aber Rabastan wirkt seit ein paar Wochen geistig nicht ganz auf der Höhe und ich habe das dumpfe Gefühl, dass ihr etwas damit zu tun habt.
Der Lord ist ungehalten, weil Potter nicht auffindbar ist und ich muss gestehen, dass ich dem Kerl nicht zugetraut hätte, sich so lange bedeckt zu halten. Offenbar färbt deine Anwesenheit ab, auch wenn ihr zuletzt wohl eine ungeplante Begegnung hattet… Zum Glück konntet ihr euch rechtzeitig retten, aber: Henry Price und Darius Milestone! Bei Salazar, dümmere Namen sind euch nicht eingefallen? Offenbar habt ihr wenigstens gute Verwandlungszauber benutzt.
Falls du dich fragst – ich durfte mir die Erinnerungen dieser Nichtsnutze anschauen. Und ja – der Lord hat sie seinen Unmut deutlich spüren lassen…
Deiner Mutter geht es gut. Tink hat mir erst heute morgen berichtet, wie sehr sie im Orden aufgeblüht ist. Natürlich wünscht sie sich, dich bald gesund und munter wieder zu sehen und das wünsche ich mir auch.
Nun steht aber erstmal die Übernahme des Schulleiterpostens an und das bedeutet für mich, dass ich mich dem geballten Hass der ganzen Schule stellen muss. Wenn es euch beiden daher nicht allzu viel Mühe machen würde, würde ich ein baldiges Ende dieser Farce begrüßen.
Passt weiterhin auf euch auf!
Dein Severus.“

Ich lächle traurig, denn ich habe genau Severus‘ Stimme im Ohr. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was es für ihn bedeutet, als Dumbledores Mörder nach Hogwarts zurück zu gehen. Ich hoffe, er kann uns bei unseren Recherchen helfen, denn er ist nicht der Einzige, der dieser Situation entfliehen möchte.
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