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Outcast [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
14.08.2021
25.11.2021
45
71.139
5
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25.11.2021 1.676
 
Schnaubend blickte Agnes auf den armseligen Prinzen hinab. Ihre vor Schreck geweiteten Augen, schrumpften wieder auf ihre normale Größe. Eigentlich hatte sie gar nicht vorgehabt, ihn so kräftig zu schubsen, dass so etwas geschah, doch auf der anderen Seite.

Ein breites, gehässiges Grinsen fand Platz auf ihren Lippen. Auf der anderen Seite genoss sie Quälen und Leiden dieses Blaublüters viel zu sehr, als dass es ihr wirklich so etwas wie hätte leidtun können.

Natürlich tat es das nicht. Wer war sie, dass das geschehen wäre.

Ihr war es gleich was Aurin sagte, es war besser, wenn sich die Chancen, dass dieser jämmerliche Mann zu ihren Füßen starb, sich noch ein wenig mehr erhöhten. Ihr war es gleich, ob sie dann ihr Druckmittel verloren. Sie hatten doch ohnehin bereits die eine Hälfte ihrer Forderungen erfüllt bekommen. Dann könnten sie das Königshaus auch zu Narren halten, bis sie den Rest erfüllt bekommen hatten und dann offenbaren das ihr ältester Sohn längst tot war.

Es war ganz einfach und Agnes verstand Aurins Problem dabei nicht. Wobei...

Die Augen verdrehend, presste sie ihre Lippen zu einem harten, festen Strich zusammen. Harsch ließ sie ihren Fuß hervorschnellen und rammte ihn in die Seite des Ohnmächtigen. Sie vernahm irgendetwas knacken. Vielleicht eine Rippe. Mit einem Schulterzucken tat sie es ab und beugte sich angewidert zu ihm hinunter.

Auf dessen Händen bildeten sich bereits blutige Blasen. Die Haut war an vielen Stellen aufgeplatzt. Kaum mehr als solche zu erkennen. Darüber konnte sie nur kichern.

Gehässig Pustete sie auf die Wunden des jungen Mannes. Machte sich voller Hass und Zorn darüber lustig, wie dieser selbst innerhalb seiner Ohnmacht schmerzerfüllt aufwimmerte. Es belustigte sie. Vollkommen.

Harsch griff sie nach seinem Handgelenk, umgriff dieses Fest und Schliff ihren Gefangenen über den Boden der Küche in Richtung Tür. Es war ihr gleich, dass seine bleiche, nackte, mit Narben und Flecken übersäte Haut sich dabei an den Holzdielen aufschabte, Splitter holte und Aufriss. Sie blickte doch noch nicht einmal wirklich zu ihm zurück.

Mit Absicht fröhlich und leichthin summend, stieß sie die Tür auf und setzte ihren Weg fort. Dabei achtete sie nicht darauf, dass die Tür zurückschnellte und mit einem lauten Knall Eriks Kopf traf.

Sie interessierte sich nicht für das Blut, welches ihm die Schläfe hinunter auf seinen Oberkörper tropfte. Viel zu sehr war sie wieder in ihren Gedanken verschwunden. Denn sie hatte falsch gelegen.

Wenn sie ehrlich mit sich war, dann verstand sie sehr wohl, weshalb Aurin ein Problem damit hatte, ihren verdammten Gefangenen einfach so sterben zu lassen. Doch das hatte, alles andere als er es behauptet hatte, definitiv nicht mit dem Erreichen ihres Ziels zu tun.

Eher damit, dass dieses verdammte Blaublut ihn um den Finger gewickelt hatte und nun nicht mehr gehen ließ. Aurin war weich geworden und ließ sich zu sehr von seinen Emotionen beeinflussen. Das hatte nichts mit irgendetwas Rationalem zu tun. Rein mit Aurins Gefühlen.

Und dies war etwas, was Agnes im Grunde eigentlich nur noch rasender machte. Denn was auch immer der Rebellen-Anführer fühlte... Ihr Gefangener hatte ihn beeinflusst und gezwungen, so zu fühlen. Es war nicht echt und dazu war es auch noch falsch. Verabscheuungswürdig und ekelhaft. Sie konnte es nur hassen.

Vor allem, weil Aurin doch eigentlich Gefühle für sie hatte. Das hatte er ihr doch bestätigt, als sie ihn vor einigen Tagen geküsst und er es sogar erwidert hatte. Oder zumindest seinen Kopf nicht weggezogen. Doch das war auch völlig gleichgültig! Aurin liebte sie! Sie beide waren füreinander bestimmt! Und nichts würde das verhindern! Nicht einmal so ein schreckliches Balg, das urplötzlich seine Gefühle für sie zu verändern schien!

Ganz gleich was dieses verdammte Blaublut mit ihrem Geliebten getan hatte, sie würde es in Zukunft zu verhindern wissen und es früh genug aufhalten! Sie würde eigenhändig dafür sorgen, dass der Kronprinz sein Leben ließ!

Natürlich unauffällig und unterschwellig. Immerhin sollte Aurin das nicht verstehen und sie weiterhin für die Unschuld halten, die sie auch wirklich war. Doch sie musste einfach nachhelfen. War doch beinahe von allem dazu gezwungen.

Sie konnte doch nicht einfach mit ansehen, wie der Mann, den sie liebte, der sie liebte und der für sie bestimmt war, ihr einfach so für einen anderen Mann den Rücken zukehrte! Für ein Blaublut, das Aurin doch eigentlich genauso sehr hasste, wie sie es tat! Doch das hatte sich urplötzlich ja auch wieder verändert!

Doch sie würde dafür sorgen, dass alles wieder zum Alten zurückkehrte. Dass nichts mehr so blieb, wie es in diesem Moment war.

Sie bog in einen anderen Gang ein. Erschrocken schreckte sie ein wenig zurück, als sie einen Dunkelhaarigen Rebell, einige Meter entfernt entdeckte.

Augenblicklich blieb sie stehen. Bereit sich zu verteidigen und dafür zu sorgen, dass Aurin hiervon nichts erfuhr. Doch als sie sah, um wen es sich handelte, stieß sie erleichtert ihren Atem aus.

„Jarl! Du hast mich erschrocken!", schalt sie ihn leise.

Ihr Gegenüber stieß sich lediglich von der Wand ab. Mit verschränkten Armen lief er auf sie zu. Sein Gesicht blieb unbewegt. Er ließ sich nicht dazu herab, ihr zu antworten. Nichts, was sie nicht erwartet hätte.

„Ich habe eigentlich gedacht, du würdest noch etwas brauchen." Jarls Tiefe, emotionslose Stimme hallte nahezu durch den Gang. Es ließ Agnes mit den Schultern zucken und weiter den Gang hinab laufen.

„Eigentlich hatte ich auch angenommen länger zu brauchen, aber dieses arrogante Kind hier" abfällig und ruckartig zog sie Erik an sich heran und schob ihn über den Boden schlitternd zu Jarl. „Hat dem allen schneller als erwartet ein Ende bereitet."

Ungerührt blickte der finstere Rebell auf den Kronprinzen herab.

„Aurin werden seine Hände auffallen. Er wird Fragen stellen."

Als wäre es nebensächlich zuckte Agnes mit den Schultern. Dabei war es nicht nur heikel, sondern auch gefährlich. Wenn Aurin erfuhr, dass sie ihn zum Narren hielten... Nun alles würde nicht mehr so sein, wie zuvor. Da konnte sie sich mehr als sicher sein.

„Dann werden wir halt dafür sorgen, dass er es nicht tut. Wenn er es gar nicht erst zu Gesicht bekommt, wird er auch nichts fragen", erwiderte sie eisern.

Jarl musterte sie stumm. Sah ihr tief in die Augen und beobachtete die Sture Entschlossenheit. Sie war es, die dieses Vorhaben ausgesprochen und geplant hatte. Dem finsteren Rebellen selbst war es nur recht gewesen. Immerhin hielt er auch nichts davon, dass sein Anführer für einen Gefangenen und dann auch noch einen Kronprinzen so schrecklich weich wurde.

„Und wie willst du das anstellen? Keld hat ihn eben bloß im letzten Moment davon abgehalten etwas dummes zu tun und nach ihm" Er nickte zu der ohnmächtigen, schrecklich zugerichteten Gestalt an Boden. „zu sehen"

Nun verschränkte auch Agnes trotzig die Arme vor der Brust. Sie zog stur eine Braue empor, bevor sie Jarl finster anblickte.

„Wo befindet er sich gerade?"

Er seinerseits konnte ebenfalls bloß eine Braue emporziehen. Was auch immer die nun einmal mehr plante, würde sie bloß noch mehr in Verruf bringen, falls dies alles herauskommen sollte.

Dennoch spielte er mit: „In seinem Büro. Keld ist bei ihm. Er ist noch immer nicht begeistert von unserem Vorhaben", informierte er sie.

Sie interessierte dies jedoch kaum.

„Mir egal. Er steckt schon längst mittendrin", sprach sie zischend. Sie mochte es nicht, wenn man etwas an ihren Plänen auszusetzen hatte. Bis jetzt hatte sie mit diesen immer ihr Ziel erreicht. Selbst, wenn Aurin dabei nicht auf der anderen Seite gestanden hatte. Es reizte sie, dass Keld noch immer zweifelte.

„Morgen ist Aurins Kampf gegen Henry. Er wird mindestens drei Tage beschäftigt sein, bevor er überhaupt wieder daran denkt, ihn hier zu besuchen"

Selbstsicher verlagerte sie ihr Gewicht auf ihr rechtes Bein. Jarl konnte darüber bloß schweigend den Kopf schütteln. Auch er vertrat ihre Meinung. Doch wie konnte sie so töricht sein, wirklich davon auszugehen, Aurin so zu kennen, dass sie es einfach so hätte vorhersehen können? Das war absurd.

„Sei dir nicht zu sicher", warnte er sie also nach einigen Momenten der Stille. Verurteilen schnalzte sie mit der Zunge und zischte abfällig auf.

„Bis dahin wird es abgeheilt sein."

Dort war kein Zweifel, kein Zögern, keine Unsicherheit in ihrer Stimme. Sie war sich so sicher, dass man beinahe hätte denken können, sie wäre Ärztin und hätte Ahnung.

Doch Jarl wusste es besser. Er wusste, dass es nur Fassade war und sie deutlich weniger Ahnung hatte, als sie wirklich zugeben wollte. Nur deshalb tat sie dies alles hier. Weil sie nicht schwach wirken und aus eigener Tat ihre Ziele erreichen wollte. Albern. Zumindest in seinen Augen. Denn Stärke bedeutete auch zu wissen, wann es genug war.

„Du machst dir selbst etwas vor."

Zischend stürmte sie einige Schritte auf ihn zu und drückte ihn den Finger in die Brust.

„Ich wähle jeden Weg, um den Mann festzuhalten, den ich liebe", presste sie zornig hervor.

Jarl ließ sich davon nicht beeindrucken. Genervt verdrehte er die Augen. Weder wich er zurück. Noch stieß er sie von sich.

„Sicher... Die Liebe überwindet alle Schranken, aber ich denke bei dir wird es auch die Macht sein, die zum Greifen nah ist, wenn du an Aurins Seite stehst", tat er kund. Daraufhin war sie es, die als Erstes zurückwich. Ein erschrockenes Keuchen entwich ihren Lippen.

„Was soll das denn jetzt heißen?!"

Er konnte bloß erneut seine Augen verdrehen. Sie war ganz sicher nicht so unschuldig, wie sie gerade tat und es vielleicht sogar gerne gewesen wäre. Dazu kannte er sie deutlich viel zu gut.

„Nichts. Beeil dich, ihn hier weg zu bringen. Denn jemand vorbeikommt, fliegen wir auf"

Mit diesen Worten machte er auf den Haken kehrt und wandte ihr den Rücken zu. Sogleich begann er mit festen Schritten den Gang hinabzulaufen.

„Jaja", murrte Agnes. Trotzig griff sie erneut nach dem halb nackten Gefangenen und schleifte diesen unwirsch hinter ihr her.

Ihr gefiel dies alles nicht. Verächtlich sah sie auf das Blaublut hinab und machte lautlos auf. Bloß über ihre Leiche würde sie zulassen, dass er ohne Mühe noch etwas von dem bekam, was sie immer hatte haben wollen.
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