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Finale - Das Weihnachtswichteln

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
14.08.2021
19.09.2021
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15.09.2021 1.780
 
Professor Patzelt sah Leyla Sherbaz am Stationscounter stehen, die dort einige Eintragungen in eine Akte machte. Wie immer hatte sie ein Lächeln auf ihrem Gesicht.
„Guten Morgen Doktor Sherbaz!“
Die Angesprochene drehte sich um. „Professor Patzelt. Guten Morgen!“
„Wie war denn der gestrige Abend?“ fragte die Leiterin der Chirurgie.
Leyla Sherbaz schaute sie an und war sich sicher, dass ihre Gesprächspartnerin offenbar mehr wusste. Deshalb war sie etwas unsicher. „Wieso?“
„Doktor Bähr bat mich die Auslosung für das Wichteln zu übernehmen, was ich mit Doktor Lindner zusammen gemacht habe!“
„Sie waren das?“ fragte Leyla überrascht.
„Ja. Als er uns wegen eines freien Abends für sie alle bat, hat er uns auch sofort gebeten uns diesen kleinen Gefallen zu tun. Nun ja… Doktor Lindner hat ihn förmlich dazu genötigt. Wir sollten auch darauf achten, dass Frau Below und Herr Breuer keine schweren Personen zugelost bekamen.“
„Sie haben gute Arbeit gemacht, dass muss ich ihnen sagen.“
„Was haben sie denn von Herrn Bähr bekommen?“
Leyla erzählte nun, was ihr Elias geschenkt hatte, aber bekam auch noch die anderen Geschenke auf die Reihe und wer es wem zu schenken hatte. Wen sie stockte, dann wusste Professor Patzelt zumindest bei der Paarung wie es weiterging und dann war bei der sympathischen Anästhesistin auch sofort wieder präsent, was für ein Geschenk es gab.
„Na… da hat ja wohl jeder was Besonderes bekommen.“
„Es hat sich auf jeden Fall jeder besondere Gedanken gemacht.“
Professor Patzelt nickte. „Gut. Dann werde ich mal nach Hause. War mal wieder gut, wenn eine Chefärztin merkt, wie anstrengend eine Nachtschicht sein kann.“
Mit einem Lachen wurde sie von Doktor Sherbaz verabschiedet. Sie stieg in den Fahrstuhl und fuhr nach unten. Als sich die Tür im Erdgeschoss wieder öffnete schaute sie in das grummelige Gesicht von Doktor Moreau.
„Guten Morgen“ begrüßte sie ihn, worauf er nur irgendetwas brummte, was man als ein ‚Guten Morgen‘ hätte verstehen können. Normalerweise sprach sie immer ganz gerne in solchen Situationen mit ihm. Sie wusste, dass es ihn nerven würde, allerdings viel ihr zurzeit nichts ein und so ließ sie ihn gehen. Während sie die Eingangshalle durchquerte, kam ihr Wolfgang Berger entgegen.
„Wolfgang“ sagte sie überrascht.
„Guten Morgen Karin!“
„Hast Du nicht frei am heutigen Tag!“
„Eigentlich schon, aber… Hanna und ich wollten heute zu Doktor Brenneck, der macht extra…“
„Verschmähst Du jetzt schon Deine eigenen Ärzte?“ fragte sie süffisant.
„Er hat eine Kanzlei und keine Praxis. Nein. Doktor Brenneck ist Rechtsanwalt und Notar!“
„Notar?“
„Ja… Hanna und ich wollen unser Testament machen. Ich meine… Dadurch das es Rebecca gibt und Julia, da… Ich möchte nicht, dass sich die beiden irgendwann mal um etwas streiten wollen. Ich habe mir deshalb schon einige Punkte aufgeschrieben.“
„Und die liegen in deinem Büro?“
„Richtig. Ich wollte sie schnell holen.“ Er schaute sich um. „Ich finde, dass es alles geregelt sein soll. Ich habe zufällig mitbekommen welchen Unterschied es macht, wann wer und vor allem in welcher Reihenfolge stirbt und deshalb…“
„So viele Gedanken machst Du Dir. Du bist doch noch gesund und fit. Genauso fit wie Hanna.“
„Karin. Wir sehen doch hier jeden Tag genügend junge Menschen bei denen es Spitz auf Knopf steht und weißt Du noch als Hanna damals diese schwere Entzündung ich meine Krankheit hatte… oder Julia, als sie sogar in ein Künstliches Koma versetzt werden musste. Da riskiere ich lieber nicht zu viel Zeit zu verschwenden.“
„Ja. Da hast Du Recht.“
„Und Doktor Brenneck sagte mir mal, dass ein Testament Gebühren kosten aber nicht das Leben.“ Er ging weiter und wandte sich noch einmal um. „Ähnlich wie eine Patientenverfügung. Sie ist für den Notfall da und nicht für den Alltag!“

Langsam aber sicher erreichten die ersten Ausläufer des Morgens die Wohnung von Elias. Durch die Fenster fielen die Strahlen durch die Jalousien, die nie komplett geschlossen waren. Es war kurz nach acht. Emma hatte sich während der ganzen Nacht an ihn heran gekuschelt. Ihre lockigen Haare fielen auf seine Brust. Ihre nackte Haut berührte seine an allen möglichen Stellen und ließen ihn seit bestimmt zwei Stunden keinen Schlaf mehr finden. Zu schön war das Gefühl was er empfand, wenn sie sich so nahe waren.
„Bist Du wach?“ hauchte Emma.
„Ja!“
Sie drückte sich hoch und beide schauten sich in die Augen. Sofort lächelten sich beide verliebt an. Sie drückte sich hoch, damit sie ihm einen Kuss geben konnte. Kurz danach vereinigten sich ihre Lippen miteinander. Er zog ihren Duft ganz tief ein.
„Ist was?“ hatte sie gefragt.
„Nein. Ich liebe nur wie Du duftest.“
Sie lächelte ihn an. Wieder küssten sie ihn. Dieses Mal allerdings mit deutlich mehr Leidenschaft. Seine Hände befühlten ihren Po und begannen ihn sanft zu massieren. Dann glitt seine Hand ihren Rücken herauf und wieder herunter.
„Wann wollte Doktor Berger eigentlich vorbei kommen?“ fragte sie zwischen zwei Küssen.
„Gegen neun Uhr… Wieso?“
„Ich wollte nur wissen, wie viel Zeit wir haben.“
Elias lachte kurz auf. „Ähh… Genug?“
Emma schüttelte den Kopf. „Nein, auf keinen Fall!“
Sie drückte sich so fest an ihn heran wie es ging und er spürte die wundervollen Konturen seiner Freundin auf seiner Haut. Einmal mehr erfreute er sich daran, dass sie so viel Sport trieb. Während sie sich weiter küssten, fuhr er denn Rücken immer wieder hoch und runter. Es gab so viel zu entdecken auf ihrer Haut und jede Stelle an Emma war es wert von ihm gestreichelt oder geküsst zu werden. Doch seine Lippen wurden von ihren gefangen genommen und ließen sie so schnell nicht los.
Ein Piepen durchzuckte den Raum…
Sie schauten sich an.
„Mein Handy“ sagte Emma und schaute Elias in die Augen.
„Die Klinik?“ fragte Elias?
„Vermutlich…“
In diesem Moment waren sie beide Ärzte. Emma sprang auf und lief aus dem Schlafzimmer ins Nebenzimmer. Schließlich kam sie zurück, während sie auf dem Handy offenbar eine Nachricht las.
„Die ist von Professor Patzelt!“
„Was gibt es? Was ist los?“ fragte er. Elias hatte sich schon auf die Bettkante gesetzt und suchte ebenfalls sein Handy. „Ich solle ihr schreiben, wann ich wach bin“ sagte sie und ließ ihr Handy sinken. „… Sie wollte vorbei kommen?“
„Ist das alles?“
Dann piepte das Handy wieder und sie schaute wieder drauf. „Es ist nichts schlimmes und eigentlich privat!“
Von einem Moment auf den anderen änderte sich Elias Blick auf die Dinge. Er schaute nun Emma an, die sofort zu ihrem Handy gesprintet war, ohne sich etwas anzuziehen. „O.K.“ meinte er nur. Als sie seinen Blick sah, schaute sie an sich herunter und dann zu ihm.
„Was schaust Du…“ Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und sah Elias provokant an. „Wenn ich auch nur einmal sehe, dass Du eine Patientin oder andere Frau so anschaust wie Du mich gerade… Dann!“
„Was dann?“ fragte er mit seinem patentiertem Elias-Bähr-Lächeln.
Sie machte drei schnelle Schritte und sprang aufs Bett. Kurz danach waren abwechselnd Elias Lachen und kleine „Aua“-Schreie zu vernehmen.

Matteo Moreau saß wie immer an seinem Tisch und grummelte etwas, als jemand ihm einen guten Morgen wünschte.
„Wie waren die Weihnachtsfeiertage?“ fragte eine wieder einmal gut gelaunte Leyla Sherbaz.
„Sie sind vorbei!“ entgegnete er.
Da sah er, wie etwas auf seinen Platz gestellt wurde. Es war eine Schachtel in rotem Geschenkpapier eingewickelt und mit einer mit grünen und goldenen Bändern erstellten Schleife verziert.
„Für mich?“ fragte er nun mit einem leichten Lächeln, was er eigentlich nur zeigen konnte, wenn er mit Leyla zusammen war.
Doktor Sherbaz schaute sich um. „Ist sonst noch jemand da?“
Er schnappte sich das Geschenk und begann es auszupacken. Nachdem das Geschenkpapier mit Schleife entfernt worden war, hielt er eine weiße unscheinbare Box in den Händen. Er zog eine Braue nach oben und schüttelte leicht den Kopf. Schließlich öffnete er den Deckel und schaute hinein. „Eine Tasse?“
„Bei deinem Kaffee-Genuss doch sicher nichts verkehrtes?“ meinte sie. „Du solltest aber noch schauen, was für ein Motiv da drauf ist.“
Er zog die Tasse raus und schaute auf das Gesicht eines grummelig drein schauenden Mannes, allerdings hatte diese Mann lange Haare, die zu einem Zopf verbunden waren und eine unübersehbare Wulst auf der Stirn. Der Oberlippenbart war nur an den Mundwinkeln ausgeprägt und unter der Nase weg. Unter dem Mund war sein Kinn war der Bart ausgeprägt, aber an den Wangen wurde die Gesichtsbehaarung entfernt.
Matteo Moreau musste nicht lange in seinem Gehirn suchen um zu wissen, wessen Bild er dort vor sich hatte. Immerhin war die Uniform eines Sternenflottenoffiziers ansatzweise gut zu erkennen. „Lieutenant Worf?“ fragte er.
„Ich denke. Ihr habt einiges gemeinsam. Du und er. Der Klingone der niemals lächelt war auch immer grummelig.“
Er steckte die Tasse wieder in die Box. „Sehr passend!“ meinte er wieder auf Moreau-Feiertags-Modus geschaltet. „Vielleicht sollte ich Lindner eine Tasse von Deanna Troy schenken. Die hatte auch immer für alles und jeden Verständnis!“
„Solange ich die von Beverly Crusher bekomme!“
„Gut. Dann bekommen die Assistenzärzte die von Geordy LaForge. Blinde unter sich!“ sagte er und stand auf.
„Warte. Ich habe hier noch ein Geschenk von Elias und Doktor Jahn!“
Er blieb stehen und verzog das Gesicht. „Für mich?“
„Natürlich für Dich!“
„Was ist es. Ein Weihnachtsmann mit Schlitten, der so aussieht wie ich?“
Sie hob die Brauen und stellte eine flachere aber auch längere Box auf den Tisch. „Dafür ist es mir zu leicht und zu flach, aber… Sie selbst nach.“
Er entfernte auch hier schnell das Papier. Schließlich wollte er ja wissen, warum er auf die beiden sauer sein wollte und schlechte Laune hatte. Es war wieder eine Schachtel ohne erkennbare Merkmale zu sehen. Dann öffnete er den Deckel. Als er sah, was sich dort drinnen befand, riss er die Augen auf. Er nahm sich eines heraus und schaute es sich an.
„Was ist das?“ fragte Leyla, die damit nichts anfangen konnte.
„Das sind Zündkerzen…“ Er legte die erste zurück und nahm die nächste heraus. „…Originale für meine Oldtimer!“ Er ließ die Hände sinken und schaute nachdenklich nach oben. „Wie kommen sie nur auf diese Idee?“
„Hier ist noch eine Karte!“ meinte Leyla und zog sie aus dem Umschlag in dem sie gesteckt hatte. „Danke, dass sie mich operiert haben und mir mein Leben als Mensch und Ärztin gerettet haben. Frohe Weihnachten. Emma Jahn und Elias Bähr.“
Er musste tatsächlich etwas schmunzeln. Als er merkte, wie Leyla ihn ansah und ihn tatsächlich lächeln gesehen hatte, änderte er seine Mine ganz schnell wieder in sein Standartgesicht. „Wenn Doktor Lokomotive jetzt meint, ich nehme sie jetzt nicht mehr hart ran…“
„Das meint sie nicht!“
„…oder Bähr jetzt denkt, er hätte es mit mir leichter, dann…“
„Das denkt er nicht!“ Dann stand Leyla auf und ging in Richtung Ausgang. „Nimm es einfach als ein nettes Geschenk an. Und wehe, Du benutz meine Tasse nicht!“
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