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Der Deserteur

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
14.08.2021
25.11.2022
13
29.007
5
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14.08.2021 1.201
 
1863 Gettysburg, Pennsylvania

Zweiter Tag der Schlacht

Hier in dieser kleinen Stadt fand die wichtigste Schlacht des Bürgerskrieges statt. Der erste Tag hatte der Süden gewonnen und hatte die Stadt eingenommen, doch die Höhen wurden von dem Norden gehalten.

Am Abend des ersten Tages berieten im Hauptquartier des Südens die Generäle Robert E Lee und James Longstreet das weitere Vorgehen für den nächsten Tag. Lee wollte angreifen und die Höhen einnehmen, doch Longstreet wollte die Nordstaatler umgehen und sich zwischen ihnen und Washington stellen. Schließlich setzte sich Lee durch und während dieser Besprechung beschäftigen sich die Armee mit den alltäglichen Aufgaben.

Einige Soldaten schliefen und andere machten sich etwas zu Essen. So auch der Sergeant Mark Thomson.


Er saß vor seinem Zelt und rührte in einem Topf, der auf dem Feuer stand. Mark kam aus Virginia und kämpfte seit 1861 für die Freiheit seines Landes. Da kam sein bester Freund Charles um die Ecke und setzte sich neben ihm.

„Was gibt es zu essen?“ fragte Charles.
„Ich lass mich mal nachschauen…“ erwiderte Mark und rührte in den Topf herum.

„Ah…bitte ein Trommelwirbel: Dasselbe wie gestern.“ witzelte Mark und grinste seinen Freund an.

Charles lachte. „War ja klar. Hier ich habe einen Brief für dich.“ Mark nahm den Brief entgegen und öffnete ihn neugierig. Seit dem Beginn des Krieges tauschte er mit seinen Eltern unregelmäßige Briefe aus. Die kamen zwar nicht immer pünktlich, aber das hatte er auch nicht erwartet.

Die Plantage seiner Eltern lag an der Grenze zu Maryland und war stets gefährdend von den Nordstaaten entdeckt zu werden, aber bis jetzt blieb sie erstaunlicherweise geheim.
Mark las den Brief schnell durch und bei jedem Wort sank sein Herz ein Stück tiefer.

„Was ist passiert?“ fragte Charles, der die Veränderung seines Freundes gemerkt hatte.

Mark schluckte und er versuchte Wörter zu finden. Schließlich zerknüllte er den Brief zu einem Knoll.

„Meine …Eltern sind…tot.“ brachte Mark schließlich heraus.

Charles stand ersetzt auf. „Was ist passiert?“
Mark schüttelte den Kopf. „Der Brief wurde von einem Nachbarn geschrieben und wie es aussieht haben einige Südstaatler die Farm angezündet. Es heißt, dass meine Eltern mit den Norden befreundet waren. Was für ein Schwachsinn!“

Charles riss überraschend die Augen. „Kann doch nicht wahr sein, also mein herzliches Beileid.“ Er klopfte auf die Schulter seines Freundes und drückte sie kurz, danach war die Suppe fertig und sie aßen schweigsam.

Die Nacht über bekam Mark kein Auge zu und dachte an seine Eltern, aber mehr an seinen Vater. Als Mark in den Krieg marschierte, schenkte ihm seinen Vater zwei Colts mit je sechs Schuss. Sie waren die neusten Waffen der Firma Colt und sein Vater hatte dafür mehreren Jahren sparen müssen.

Die beiden Waffen trugen nun Mark seit Bull Run und sie würden ihn auch weiter begleiten.

Die Sonne ging auf und kündigte einen weiteren heißen Sommertag an. An dem Kommandotisch erklärte Lee den anderen Generälen seine Pläne für seinen Angriff, während Longstreet danebenstand und die Augen schloss. Immer noch war er mit den Plänen seinen Vorgesetzten nicht einverstanden, doch er würde seine Armeen in die Schlacht führen.

Mark und Charles dienten unter Longstreet und der General befahl die Erstürmung des Kleinen Hügel. Damit griff die Lee die linke Flanke der Nordstaaten und er konnte so die ganze Armee des Nordens von hinten auftreiben.

Der Captain ihre Brigade führte Mark und Charles über mehre Steine und schließlich durch einen Wald.
An der Grenze des Waldes sammelten sich die Brigade und geschlossen rannten sie den Hügel herauf. Dabei mussten sie den Bäumen und einige Steine ausweichen. Die Gewehre über den Schultern rannten Mark und Charles Seite an Seite den Berg rauf.

Plötzlich flogen ihnen die Kugel über die Ohren die Brigade bleib stehen. Gleichzeitig nahmen sie die Gewehre von den Schultern und schossen auf das 20. Maine Regiment unter der Führung von Colonel Chamberlain.

„Also war dieser Hügel doch nicht unbesetzt.“ dachte Mark und fragte sich, ob die Generäle das gewusst haben. Er legte das Gewehr an und erschoss einen Gegner. Dann sah er wie Charles von zwei Kugeln gleichzeitig getroffen wurde und tot auf den Boden fiel.

Mark fluchte und er versuchte nachzuladen, doch dazu kam er nicht mehr. Er spürte einen Schmerz am rechten Arm und sein Gewehr fiel aus seiner Hand. Mark sah, wie die Männer zurückwichen. Weitere Kugeln flogen ihn um die Ohren und weitere Männer fielen. Der Waldboden war voller Blut und Mark konnte das Stöhnen der verletzten Männer hören. Er musste feststellen, dass auch sein Captain tot auf den Boden lag. Er fragte sich, wer wohl jetzt das Kommando hatte.
Schließlich folgte er den anderen Männern den Berg wieder herunter. Dieser Angriff war gescheitert.

Nach zwei Kilometer lehnte sich Mark erschöpft an einem Baum. Er konnte seinen rechten Arm nicht mehr bewegen und die Wunde blutete stark.

Eine weitere Einheit stürmte den Berg herauf und Mark fragte sich, was das sollte. Sie würden niemals diese Stellung einnehmen, dass sagte ihm seine Erfahrung, aber auch sein Instinkt.


Mark hatte seine Eltern verloren und nun auch noch seinen besten Freund Charles. Normalerweise war er loyal zu seinen Freunden und auch zu dieser Armee. Doch nun begann er alles anzuzweifeln und den ganzen Sinn dieses Krieges.
Nach einer bestimmten Zeit rannten an ihm Soldaten wieder den Berg herunter. Also war auch der zweite Angriff gescheitert und eine neue Brigade lief den Berg herauf.
Mark stöhnte vor Schmerzen und fragte sich dabei, wie oft die Generäle einen Angriff befehlen wollten, der keinen Sinn ergab.
Zwei Männer kamen auf ihn zu und Mark schaffte es sich von dem Baum zu lösen.

„Alles in Ordnung?“ fragte der eine Mann.

„Nur ein Streifschuss. Ich werde mal nach hinten gehen und dem Arzt die Wunde zeigen.“ erklärte Mark. Die Männer sahen sich an und nickten. Sie sahen den Berg herauf und mussten jetzt feststellen, dass auch der nächste Angriff scheiterte und neue Soldaten raufhetzten.

Mark stolperte durch den Wald und nach einer Stunde kam er bei dem Arzt an, der sich in einem Zelt seiner Aufgabe nachging. Was bedeutete, dass er jungen Männer die Glieder abtrennte.

„Doc, ich brauche kurz ihre Hilfe.“ bat Mark schwach. Der Arzt nickte und Mark sah, dass dessen Hände voller Blut waren. Er schnitt den Ärmel von Marks Hemd auf und nickte.

„Ist nur ein Streifschoss. Sie haben Glück gehabt, ich muss ihnen den Arm nicht abnehmen.“ erklärte der Arzt. Und ohne zu zögern, nahm er die Kugel aus dem Arm und vernähte sie schnell, dann verband er die Wunde.  

Mark bedankte sich und sah sich im Lazarett um. Überall lagen verletzte Männer herum und es stank nach Blut und Fäkalien. Es war einfach nur noch widerlich hier und Mark verließ das Zelt.

Er stand nun draußen und traf eine Entscheidung. Mark fiel die Entscheidung nicht leicht und doch hatte, er die Schnauze voll. Er hatte zu viel gesehen und schließlich sah er keinen Sinn mehr in den Krieg.

Mark Thomson wurde zum Deserteur und verließ seine Armee und damit seine Heimat.

Er floh Richtung Westen, unterwegs fand er zwei Pferde. Niemand achtete auf ihn, sie alle waren zu sehr konzentriert auf die Schlacht. Auch in den nächsten Tagen vermisste ihn keiner, sie gingen davon aus, dass am kleinen Hügel gefallen sei.
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