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Behind The Wall

von Megaera
Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Hunter B-15 Loki Mobius M. Mobius
13.08.2021
13.08.2021
1
3.104
18
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2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
13.08.2021 3.104
 
Hallo ihr Lieben! Was bin ich froh, endlich etwas in dieser Kategorie posten zu können, nachdem mich diese Serie absolut zerstört hat. Nunja, ich will hier nicht zu viel um den heißen Brei reden und hoffe ihr habt Spaß mit diesem kleinen OneShot

PS: Da diese Story unbedingt geschrieben werden wollte, habe ich sie schon vor einiger Zeit auf Englisch gepostet. Das hier ist also mehr oder weniger eine Übersetzung meines eigenen Werkes ^^ Wer da mal reinschauen will, kann das hier gerne tun.



„Mobius!“

Es war Loki, der Mobius auf dem Boden liegend vorfand. Sein Körper wirkte schlaff und leblos, jedoch auf den ersten Blick unverletzt.

Eine Welle der Panik ergriff Loki, als er sich neben Mobius niederlies und ihn achtsam auf den Rücken drehte, auf der Suche nach irgendwelchen Verletzungen, die seinen jetzigen Zustand erklären könnten. Doch da war nichts. Kein Blut, keine gebrochenen Knochen, nicht einmal einen Kratzer. Und was am wichtigsten war: er atmete. Das war zwar ein gutes Zeichen, dennoch lüftete dies nicht das Mysterium darum, was genau hier passiert war.

„Mobius?“, sagte er erneut, seine Stimme klang nun gefasster. Er legte beide Hände auf Mobius‘ Schultern und fing an, ihn vorsichtig zu schütteln. Loki merkte kaum, dass sich B-15 zu ihm gesellt hatte und das Szenario nun mit aufmerksamen Augen beobachtete. Als Mobius‘ Lider zuckten und er die Augen schließlich öffnete, atmeten sie beide vor Erleichterung auf.

Sie gaben ihm noch einen Moment, um sich zu orientieren und halfen ihm schließlich dabei sich aufzusetzen.

„Bist du okay?“, fragte Loki leise, seine Hand verweilte weiterhin auf Mobius‘ Rücken, um ihn ein wenig zu stützen. Er wirkte noch immer leicht benommen. Mobius antwortete nicht sofort.

„Sie war in meinem Kopf.“

Loki‘s Blick wanderte zu B-15, die ihn ansah, als würde sie ihm die Schuld für all das geben.

Es war einige Stunden her, als sie erfahren hatten, dass das sogenannte Hochsicherheitsgefängnis der TVA wohl nicht sicher genug war, um Sylvie dort länger als einen Tag festzuhalten. Seit der Flucht war das gesamte Team hoch alarmiert. Zwar hatte Loki ihnen von Anfang an gesagt, dass Sylvie wahrscheinlich schon längst über alle Berge war, dennoch waren sie fest entschlossen, alles nach ihr abzusuchen. Erst als Loki erfahren hatte, dass Mobius in all dem Durcheinander ebenfalls verloren gegangen war, schrillten auch bei ihm die Alarmglocken und er schloss sich der Suche sofort an. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass er Recht behalten hatte. Sylvie war fort.

„Ich glaube sie hat mir meine Erinnerungen genommen.“ Mobius‘ Stimme war rau und seine Sprache noch leicht verwaschen, aber seine Augen wirkten hellwach.

„Wovon redest du?“, fragte B-15.

„Ich glaube, dass ich etwas äußerst…wichtiges herausgefunden habe und dann war da Sylvie und…ich glaube sie weiß es.“

„Was weiß sie?“ B-15s Geduldsfaden schien langsam zu reißen, ihr Körper spannte sich an, sie brauchte mehr Informationen.

„Das versuche ich doch gerade zu sagen! Ich weiß es nicht. Aber sie hat etwas gesehen und jetzt kann ich mich nicht mehr erinnern. Sicher hat sie meine Erinnerungen gelöscht oder was auch immer damit getan.“

Also wissen sie noch immer nicht wie unsere Magie funktioniert, dachte Loki und hätte beinahe laut aufgelacht. Da die Situation jedoch durchaus ernst zu nehmen war, riss er sich zusammen. Das war nicht der richtige Zeitpunkt für eine Loki-Lektion.

„Nein“, sagte er stattdessen. „So funktioniert es nicht.“

Zwei Augenpaare blickten ihm nun entgegen, eines davon misstrauisch, das andere neugierig.

„Sie kann Erinnerungen nicht entfernen, aber sie kann sie verstecken…sie unzugänglich machen.“

„Und das ist eine gute Sache?“ fragte Mobius vorsichtig. Nun entfuhr Loki das Auflachen, welches er vorher zurückgehalten hatte. War es denn nicht offensichtlich, was er hier versuchte zu sagen?

„Natürlich! Eine versteckte Erinnerung kann zurückgebracht werden.“ Endlich konnte er einen Funken Begeisterung in Mobius‘ Augen aufflammen sehen.

„Wie?“, fragte Mobius und lehnte sich ein Stück nach vorne.

„Nun, ich könne versuchen-“

„Auf keinen Fall.“ Es war B-15, die ihn barsch unterbrach, nachdem sie Interaktion der beiden aufmerksam verfolgt hatte.

„Ich habe nicht einmal gesagt, was ich vorhabe“, entgegnete Loki und versuchte dabei nicht einmal, seine Empörung zu verstecken. Er war es nicht gewohnt, dass jemand so mit ihm redete.

„Ich weiß ganz genau, wie das enden wird. Du wirst in seinen Verstand eindringen, um ihn dann für deine Zwecke zu benutzen. Wer weiß, vielleicht steckst du ja immer noch mit Sylvie unter einer Decke und willst nur das vollenden, was sie angefangen hat. Das wird nicht passieren.“

„Wie bitte?“ Eigentlich sollte Loki nicht halbwegs so überrascht klingen, wie er es nun tat. Immerhin war das, was B-15 sagte etwas, was er ohne schlechtes Gewissen tun würde. Oder getan hätte. Doch nun hatte Loki keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, einen derartigen Plan durchzuführen. Nicht, wenn es um Mobius ging.

Dieser meldete sich in diesem Moment auch wieder zu Wort.

„Sollte nicht ich diese Entscheidung treffen?“ Mobius verschränkte die Arme vor der Brust, sodass er beinahe wie ein schmollendes Kind aussah.

„Nein. Du bist nicht mehr dazu in der Lage, eine rationale Entscheidung zu treffen, sobald ein Loki involviert ist.“ Sie richtete einen Finger auf Loki. „Besonders bei diesem.“

Mobius sah aus als wollte er etwas erwidern, sein Mund öffnete und schloss sich wieder, doch er schwieg weiterhin. B-15 erhob sich aus ihrer Position, bereit zum Aufbruch. „Wir finden einen anderen Weg.“

Und damit verließ sie den Raum.

„Sie hasst mich, nicht wahr?“, murmelte Loki, noch immer ein wenig überwältigt von der Tatsache, dass diese Frau ihm so frech das Wort abgebunden hatte. Als Antwort drang nur ein leises Lachen an seine Ohren.

Es war nicht so, dass es Loki etwas ausmachen würde, viele Leute – und das schloss so ziemlich jeden ein, den er je getroffen hatte – empfanden eine gewisse Abneigung gegen ihn. Und das mit gutem Grund. Tatsächlich konnte er diejenigen, die ihm jemals ehrliche Zuneigung entgegengebracht hatten, an einer Hand abzählen.

Mit einer fließenden Bewegung stand Loki auf und hielt Mobius seine rechte Hand entgegen, um diesen auf die Beine zu ziehen. Sie verließen den Raum und näherten sich der Gruppe rund um B-15, die so aussahen, als würden sie gerade einen Plan schmieden. Loki hielt sofort inne, als sich eine Hand um seinen Unterarm schloss.

„Triff mich in Renslayer‘s Büro. In einer Stunde.“

Loki hatte keine Gelegenheit darauf zu antworten. Alles was er tun konnte war, Mobius dabei zu beobachten, wie er auf die Gruppe zusteuerte und sich Gedanken darüber zu machen, warum sein Herz auf einmal so schnell schlug.

~*~

Siebenundfünfzig Minuten später betrat Loki den Raum, der einst als Büro für Richterin Renslayer diente und seit ihrem Verschwinden ungenutzt war. Eigentlich war das Betreten dieser Räumlichkeiten bis auf Weiteres verboten, aber das Chaos der letzten Stunden ließ die ein oder andere Sicherheitslücke entstehen.

Niemand hatte Renslayer seitdem gesehen, geschweige denn den Hauch einer Spur über ihren Verbleib gefunden. Selbst nach Sylvies Ausbruch hatte das Auffinden Renslayers weiterhin höchste Priorität, da Grund zu der Vermutung bestand, dass die beiden Frauen zusammenarbeiteten.

Die nächsten zehn Minuten verbrachte er damit, sich ein wenig umzusehen. Nicht dass er dachte, irgendeinen Hinweis zu finden, dieser Raum wurde schon mehr als einmal auf den Kopf gestellt, doch er musste sich ja irgendwie die Zeit vertreiben. Kurz bevor er anfangen konnte, sich zu fragen, ob Mobius überhaupt noch auftauchen würde oder ob B-15 etwas ahnte und ihn festhielt, hörte er das leise Klicken der Tür.

„Sag mir, was du tun musst“, forderte Mobius etwas atemlos, als wäre er den Weg hierher gerannt und schloss die Tür hinter sich. Er blieb mitten im Raum stehen und sah Loki erwartungsvoll an.

„Nun, im Grunde genau das, was Sylvie getan hat. Ich dringe in deinen Verstand ein, suche die Erinnerung und mache sie wieder zugänglich.“

„Klingt nach einem Kinderspiel“, sagte Mobius, doch dann legte sich ein Hauch von Zweifel auf seine Züge. „Ist das gefährlich?“

Der Blick, den Loki ihm zuwarf, war wohl Antwort genug. „Du hast das noch nie gemacht, stimmts?“

Loki zögerte einen Moment, bevor er sich der bitteren Wahrheit stellte. „Nein.“

Er wäre an dieser Stelle nicht überrascht gewesen, wenn Mobius einfach gegangen wäre, um einen anderen Weg zu finden. Einen der weniger gefährlich war. Es war schon eine Überraschung, dass er überhaupt genug Vertrauen aufbringen konnte, um Loki in seinen Gedanken herumspielen zu lassen. Da dachte Mobius allerdings auch noch, dass Loki genau wusste, was er da tut. Doch das tat er nicht. Loki‘s Talente lagen in anderen Gebieten, doch er war sich ziemlich sicher, dass die Magie bei allen Varianten gleich war. Alles, was Sylvie beherrschte, musste er selbst also auch können.

Mobius seufzte theatralisch. „Dann möge der Spaß beginnen.“ Er setzte sich auf die Couch und wartete darauf, dass Loki folgte, was dieser auch sogleich tat. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, hielt er Mobius eine Hand entgegen, was nur mit einem verwirrten Blick quittiert wurde.

„Ich brauche direkten Kontakt. Gib mir deine Hand“, forderte Loki. Der Gedanke daran, dass er diesen Körperkontakt brauchte und diesen wohl über die gesamte Zeit aufrechterhalten musste – schließlich hatte er keinerlei Übung hierbei – ließ eine gewisse Nervosität aufkommen. Mobius‘ Hand zu halten, schien ihm dabei als die am wenigsten unangenehme Variante. Ein leises Kichern drang an seine Ohren.

„Wie romantisch.“ Loki rollte daraufhin nur mit den Augen, versuchte so das angenehm warme Gefühl in seiner Magengegend zu ignorieren. Eine kalte Hand legte sich in seine eigene, aber anstatt seine Magie sofort zu aktivierten, hielt er einen Moment inne.

„Mobius, bist du sicher, dass ich das tun soll?“ Es war ungewöhnlich für Loki, nach einer Erlaubnis zu fragen. Normalerweise nahm er sich das, was er wollte oder tat das, was ihm am Ehesten einen Vorteil verschaffen würde. Aber dieses Mal war anders. Mobius war anders.

„Diese Erinnerung ist wichtig. Wir müssen herausfinden wo Sylvie ist und was sie vorhat. So kommen wir am schnellsten an die Information. Und außerdem-“, fing er an, machte dann jedoch eine Pause als müsse er überlegen, ob er das folgende wirklich sagen will. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal zu einem Loki sagen würde, aber ich vertraue dir.“

Loki wusste nicht was er darauf erwidern sollte. Es passierte selten – eigentlich nie – dass ihm jemand so offen sagte, dass er vertrauenswürdig ist. Dann nickte er langsam, ließ die Magie von seinen Fingerspitzen aus, durch Mobius‘ Körper und direkt ins Zentrum seiner Gedanken fließen.

Es war nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber Loki konnte den grünen Schimmer in Mobius‘ Augen deutlich sehen.

Es war ziemlich einfach, in Mobius‘ Gedanken einzudringen, aber Loki führte das auf die Tatsache zurück, dass dieser ihm bereitwillig die Tür geöffnet hatte. Eine Flut an Erinnerungen zog an Loki vorbei, aber er traute sich nicht, einen genaueren Blick auf eine davon zu werfen. Mobius vertraute ihm und er hatte nicht vor dieses Vertrauen zu brechen. Also bahnte er sich weiter seinen Weg mit einem Tunnelblick. Als er in all dem Durcheinander jedoch seine eigene Stimme ausmachen konnte, wagte er einen kleinen Blick. Diese Erinnerungen waren noch frisch, auch wenn Loki das Gefühl hatte, dass sie schon ewig zurücklagen. Er war auf dem richtigen Weg. Doch er ging nicht weiter. Stattdessen nahm er sich einen Moment, um diese wertvolle Erinnerung zu betrachten. Und es war nicht unangebracht, wenn er ein Teil davon war, richtig?

Er musste grinsen, als er sich selbst durch Mobius‘ Augen sah. Wie er fröhlich Salz und Pfeffer in Mobius‘ Salat streute, um seine Theorie zu veranschaulichen. Wie er über ihren Nachforschungen am Tisch eingeschlafen war. Er war froh, hier nur die guten Erinnerungen zu finden.

„Was ist so lustig?“, hörte er Mobius leise fragen.

„Nichts. Versuch dich zu entspannen. Es ist schwierig, die Verbindung aufrecht zu halten.“

„Vielleicht ist mein Verstand einfach zu stark.“ Obwohl seine Augen geschlossen waren, wusste Loki, dass nun ein freches Grinsen auf Mobius Lippen lag. Er wusste aber auch, dass das nur Show war. Mobius war nervös. Genauso wie er selbst.

Loki räusperte sich. „Halt die Klappe.“ Um seiner Aussage noch etwas Nachdruck zu verleihen, drückte er Mobius‘ Hand gerade fest genug, dass dieser verstand und seine wirren Gedanken wieder zur Ordnung brachte. Dann ging der Spaß weiter.

„Ich hab‘s.“ Loki spürte, dass die gesuchte Erinnerung ganz in der Nähe war, doch in diesem Teil des Gedächtnisses würde es nicht so einfach werden, sie zu erreichen.

Sylvie war nicht dumm - natürlich nicht, immerhin war sie ein Loki – anstatt also ihre eigenen Mauern in Mobius‘ Gedanken zu errichten, hat sie einfach jene genutzt, die schon da waren. Von Mobius selbst errichtet.

„Kannst du sie zurückholen?“

„Ich werde es versuchen, aber-“ Er machte eine kurze Pause, dachte darüber nach wie er es ausdrücken sollte. „Sie hat es irgendwo zwischen deinen unterdrückten Erinnerungen versteckt. Ich muss…deine eigenen Mauern niederreißen, um an das heranzukommen, was wir suchen.“

„Worauf wartest du dann noch?“ Das klang nicht sehr überzeugend, aber Loki akzeptierte es mit einem Schulterzucken. Mobius hatte Recht mit dem, was er zuvor gesagt hatte. Diese Erinnerung war wichtig. So wichtig, dass Sylvie es für nötig erachtet hatte, sie zu verstecken.

Mit Mobius‘ Erlaubnis fing er an, mehr Druck auf die Mauer aufzubauen. Er wusste zwar nach wie vor nicht genau was er da tat, aber es schien zu funktionieren. Zumindest fühlte es sich so an, als würde er näherkommen.

Die Zeit verging – oder auch nicht, wenn man bedachte, dass die Zeit hier anders funktionierte – doch dann brach der Widerstand endlich. Ein Erfolg, der jedoch nicht lange anhielt.

Zuerst wusste er nicht was passierte und es dauerte wohl einen Moment zu lange, bis er reagierte.

„Mobius.“ Loki festigte seinen Griff um Mobius‘ Hand. Die Verbindung wurde mit jeder Sekunde fragiler.

„Mobius, beruhige dich“, presste Loki hervor. „Du schließt mich aus.“

Da auch weiterhin keine Reaktion von Mobius kam und Loki nicht wusste, welchen Schaden er anrichten könnte, traf er kurzerhand die Entscheidung, das Ganze abzubrechen.

Als er die Augen öffnete, blickte er direkt in Mobius‘ angespanntes Gesicht.

„Bist du okay?“, fragte Loki schon zum zweiten Mal an diesem Tag.

Mobius nickte. „Ja, ich…hab nur einige…Bedenken vor dem, was du da ausgraben könntest.“ Er atmete einmal tief durch, bevor er hastig weiterredete: „Sie ist ziemlich schlau, was? Bestimmt wusste sie, dass wir das hier versuchen würden, also hat sie es an einem Ort versteckt, den nicht mal ich betreten würde.“

„Wir werden das hier beenden“, sagte Loki und lockerte die Umklammerung um Mobius‘ Hand, bis sie sich kaum noch berührten. „Es tut mir leid, ich hätte wissen sollen, dass das eine schlechte Idee ist. Ich-“

„Nein.“ Nun war es Mobius, der Lokis Hand umgriff. „Versuch es nochmal.“

Loki wusste nicht was ihn am Ende dazu bewegt hatte, tatsächlich einen neuen Versuch zu starten. Vielleicht war es der entschlossene Blick in Mobius‘ Gesicht, vielleicht war es die Wärme ihrer Berührung. Was es auch war, es vernebelte sein Urteilsvermögen.

Es gab einen letzten Moment des Zögerns, bevor Loki seiner Magie wieder freien Lauf ließ und sie in Mobius‘ tiefste Erinnerungen, Ängste und Gefühle schickte.

Da war er also wieder, stand vor den brüchigen Mauern, die das Weiterkommen noch immer verhinderten. Das war der kritische Punkt. Er spürte wie Mobius sich wieder verkrampfte, aber es war nicht ansatzweise so schlimm wie zuvor. Ohne darüber nachzudenken, griff Loki nach Mobius anderer Hand und drückte sie sanft. Es hatte zwar keine Auswirkung auf die Verbindung, aber auf Mobius, der sich merklich entspannte.

Sobald es einmal angefangen hatte, brachen die Wände erstaunlich schnell zusammen, Stück für Stück, bis es endlich greifbar war. Loki konzentrierte sich noch einmal bis er schließlich-

„Natürlich!“

Loki wäre beinahe zusammengezuckt, als Mobius völlig außer sich von der Couch aufsprang. Sofort fing er an darüber zu reden, dass er Renslayer in einer der Zeitlinien aufgespürt hatte und dass er davon überzeugt war, dass sie Sylvie auch dort finden würden. Doch Loki hört nur mit halbem Ohre zu.

Bevor die Verbindung abriss, bevor Mobius die Berührung beendete, konnte Loki einen kurzen Blick auf das erhaschen, was sich noch hinter dieser Mauer befand. Er konnte Teile verschiedenster Erinnerungen sehen, die für ihn selbst keinen Zusammenhang hatten, für Mobius aber anscheinend traumatisierend waren. Er könnte Ängste spüren, aber auch Träume, die vor langer Zeit abgeschrieben wurden. Doch da war noch etwas anderes, was Loki‘s Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Keine Erinnerung, keine Angst, sondern etwas…stärkeres.

Ein Gefühl.

Ein Verlangen.

„Wir müssen jetzt gehen“, rief Mobius aus und hatte den Raum schon beinahe verlassen. Fast als wäre er auf der Flucht.

„Mobius.“ Ein Wort. So leise wie ein Flüstern, aber in der Stille des Raumes klang es ohrenbetäubend. Loki‘s Herz hämmerte gegen seine Brust.

Er stand nun ebenfalls auf und ging langsam auf Mobius zu, welcher jeden seiner Schritte genau beobachtete.

„Du hast es auch gespürt, nicht wahr?“ fragte Mobius mit brüchiger Stimme. Sein Körper war noch immer in Richtung Tür gedreht, sodass er schnell davonlaufen konnte, wenn er musste.

Ohne den Blick auch nur für eine Sekunde von Mobius zu nehmen – denn dieser sah so aus als würde er wirklich jeden Moment losrennen – nickte Loki langsam.

„Es tut mir leid, ich-“

„Entschuldige dich bitte nicht“, unterbrach Loki ihn. „Nicht dafür. Es war…“ Er wusste nicht, wie er es beschreiben sollte, immerhin hatte er so etwas noch nie zuvor erlebt. Es war warm und rein und echt und- „…überwältigend.“

„Ich weiß. Deswegen habe ich es auch in den Käfig geworfen, zu all den anderen Dingen, die zu…überwältigend sind.“

Inzwischen waren sie nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Loki hatte sich langsam, aber stetig auf Mobius zubewegt und zu seiner Überraschung war dieser nicht zurückgewichen. Loki hätte sich nur ein wenig nach vorne beugen müssen, um…was genau zu tun?

„Schließe es nicht wieder weg. Lass mich daran teilhaben.“

„Was meinst du damit?“

Loki antwortete nicht darauf, zumindest nicht mit Worten.

Der erste Kuss war eher eine Art Testlauf, um herauszufinden wie weit er gehen konnte. Es war nicht mehr als der Hauch einer Berührung, gefolgt von einigen Momenten des Schweigens.

Der zweite Kuss war fordernd und beschwert mit all dem, was so lange hinter dieser Wand versteckt war. Mobius‘ Lippen prallten auf seine eigenen, Zähne stießen aneinander, Hände zogen Loki‘s Gesicht näher.

Schließlich war es Mobius, der sich schwer atmend löste und seine Stirn gegen Loki‘s lehnte. Dann schwiegen sie wieder, genossen für einen Moment die Anwesenheit des anderen.

„So sehr ich unsere kleine Romanze auch genieße“, fing Mobius grinsend an. „Wir haben da noch etwas wichtiges zu tun.“

„Richtig.“

„Wir werden das später weiterführen.“

„Das werden wir.“ Er zwinkerte Mobius zu, bevor er die Tür öffnete und sie so direkt in ihre nächste Mission führte.
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