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In His Eyes [Jeliorn]

von Elvea24
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Meliorn
13.08.2021
23.08.2021
10
14.351
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
13.08.2021 1.761
 
[AN: Hallo alle zusammen :)
Ich habe heute endlich mal wieder eine neue Mini-Fanfiction im Gepäck, an der ich die letzten Wochen über immer mal wieder zwischendurch auf meinem Handy geschrieben habe. Die Titelfindung war am Ende das Schwierigste und ich bin noch nicht ganz zufrieden damit, aber das nur so am Rande.
Es handelt sich um eine weitere Jeliorn Fanfiction (Jace/Meliorn), da Wild Hearts bei euch erstaunlich gut ankam und ich irgendwie einen Narren an den beiden gefressen habe, seit ich die allerletzte Folge zum ersten Mal gesehen habe. Hier deshalb der neuerliche Versuch, sie mehr oder weniger erfolgreich zu verkuppeln.
Die Story ist schon fertig geschrieben und die Kapitel werden in den nächsten Tagen regelmäßig hochgeladen. Ich würde mich über Feedback in Form von Reviews oder PNs freuen und hoffe mal, dass man nicht so sehr merkt, dass ich ab der Hälfte irgendwie den Faden verloren habe. Nun, ohne weitere Vorrede, viel Spaß mit In His Eyes :)
- Elle]


Clary wird nicht zu ihm zurückkommen. Es hat zwei Jahre gedauert, bis Jace diesen Gedanken endlich zugelassen hat. Clary ist fort und kommt nicht wieder, denn ganz egal, wie oft er sie heimlich beobachtet, in ihre Ausstellungen geht oder zufällig in ihrem Lieblingscafé auftaucht, sie scheint sich einfach nicht erinnern zu können. Und das ist okay. Oder zumindest sollte es das sein.
"Hey, Vorsicht", mahnt Alec, als Jace mit zu viel Schwung den Bogen seines Bruders spannt. Der Pfeil verschwindet zwischen den Bäumen, schießt weit am Ziel vorbei. Alec nimmt ihm den Bogen aus der Hand.
"Du musst schon zielen, wenn du was treffen willst", erklärt er nur halb amüsiert. Sein besorgter Blick entgeht Jace keinesfalls, aber er beschließt, nicht darauf einzugehen. Seit Clary nicht mehr da ist, sind alle ständig besorgt um ihn, als hätte er verlernt, für sich selbst zu sorgen. Klar, er hat sie geliebt. Liebt sie mit Sicherheit immer noch, auch wenn seine Gefühle schwammig und schwer einzuordnen sind. Aber er war nicht von ihr abhängig. Er kommt klar.
"Ich habe gezielt", sagt er trocken, bevor er sich aufmacht, den verschollenen Pfeil zu suchen. Weit kann er ja nicht gekommen sein, immerhin sind sie mitten im Wald und die Bäume stehen so dicht, dass das Sonnenlicht kaum den Boden berührt. In einem der alten Eichenstämme muss der Pfeil schließlich gelandet sein.
Ein kurzes, trillerndes Pfeifen erregt seine Aufmerksamkeit und als Jace den Blick hebt, schaut er genau in ein Paar kaffeeschwarzer Augen. Verdammte Elben. Tauchen immer genau dann auf, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.
Meliorn sitzt auf einem der tiefhängenden Äste einer uralten Esche, seine nackten Füße baumeln in der Luft, die Beine fein säuberlich auf Knöchelhöhe überschlagen. Er hat sich nach vorn gelehnt, sodass seine langen Haare sein Gesicht umrahmen wie ein schwarzblauer Vorhang. In der Hand hält er Alecs Pfeil.
"Ich glaube, das hast du verloren."
Jace verdreht die Augen, als er nach dem Pfeil angelt, den Meliorn natürlich in letzter Sekunde wegzieht. Jace' Finger greifen ins Leere.
"Würdest du ihn mir bitte einfach zurückgeben?", fragt er entnervt und unterdrückt den Impuls, seine Arme zu verschränken. Er hat gerade wirklich keine Lust auf Kinderspielchen.
Ein feines Lächeln zupft an Meliorns hübschen Mundwinkeln. "Was bekomme ich denn im Ausgleich?", will er dreist wissen. In seinen Augen liegt ein rotzfreches Funkeln, das Jace ihm am liebsten aus dem Gesicht kratzen würde.
"Nichts bekommst du im Gegenzug. Das ist mein Pfeil."
Meliorn schnalzt mit der Zunge und untersucht den Pfeilschaft aufmerksam, bis er scheinbar fündig wird. "Lüge. Dieser Pfeil gehört Alec Lightwood. Ich werde ihn wohl behalten müssen, bis der rechtmäßige Besitzer kommt, um ihn abzuholen."
Jace knurrt leise und streckt sich noch einmal nach Meliorns Hand, aber der Elb hat mit dem Übergriff gerechnet und bringt sich mit einem beherzten Sprung in Sicherheit. Beinahe lautlos lässt er sich auf den Waldboden fallen und lehnt sich mit dem Rücken an den Eschenstamm, den Pfeil lässig zwischen den Fingern drehend, als hätte er alle Zeit der Welt. Nun, genau genommen hat er die auch. Da Elben streng genommen zu den Unsterblichen zählen, haben sie eine völlig anderes Verständnis von Zeit als der durchschnittliche Schattenjäger. Was Jace gerade jetzt allerdings mehr als ungelegen kommt. Er ist genervt und wütend und will einfach nur den blöden Pfeil zurück, ohne ewig lange Spielchen spielen zu müssen. Seit Meliorn als offizieller Abgesandter des Lichten Hofs regelmäßig in der Menschenwelt unterwegs ist, ist er nur noch unerträglicher geworden. Seine elbische Frechheit kennt keine Grenzen mehr und obwohl niemand wirklich vor ihm sicher ist, hat er es meistens ganz besonders auf Jace abgesehen. Eine zweifelhafte Ehre.
"Gib ihn mir einfach", verlangt Jace noch einmal nachdrücklich. Er hört selbst, wie absolut resigniert er klingt, aber das kann ihm kaum egaler sein. Die letzten Wochen waren nicht sehr nett zu ihm, da wird es ja wohl erlaubt sein, dass er auch mal einen schlechten Tag hat. Den er im Übrigen nicht damit zubringen will, mit Meliorn zu verhandeln. Schon jedes Kleinkind weiß, dass man mit Feenwesen nicht verhandelt - oder zumindest nicht ohne einen ausgeklügelten Plan und eine Rückversicherung, falls doch etwas schief geht. Jace hat weder das eine noch das andere, dafür aber einen ungeduldigen älteren Bruder, der jetzt mit langen Schritten durch den  Wald stapft.
"Was dauert denn so lang?", will er von Jace wissen, der sich beim Klang von Alecs Schritten auf dem Waldboden umgedreht hat. Als er jetzt auf den Baum deutet muss er feststellen, dass Meliorn den Moment genutzt hat, um sich klammheimlich aus dem Staub zu machen. Den Pfeil hat er mitgenommen. Verdammtes Elbenpack.
"Lass uns gehen", meint Jace nur, als Alec ihn verständnislos ansieht, weil außer ihnen niemand in der Nähe ist, der Jace' Gestik hätte rechtfertigen können. Ihm steht auch nicht der Sinn danach, sich zu erklären. Alec hat noch genug Pfeile, da kommt es auf diesen einen nun auch nicht mehr an.

Zurück im Institut verschwindet Jace ohne Umwege auf sein Zimmer, um zu duschen und sich die Erinnerung an Meliorns herausforderndes Grinsen aus dem Kopf zu waschen. Es macht ihn schier wahnsinnig, dass der Elb sich regelmäßig in seinen Gedanken breitmacht, wenn er sich eigentlich auf wichtigere Dinge konzentrieren sollte. Vor allem, da in letzter Zeit vermehrt ganze Schwärme kleiner biestiger Flugdämonen unterwegs sind, die mit ihren geschwungenen Hörnern und spitzen Giftzähnen die Mundis belästigen. Jace hat keine Zeit, Meliorn ständig aus seinem Unterbewusstsein zu fegen. Er muss arbeiten.
Natürlich ist das Problem mit einer kalten Dusche und sehr viel schlechter Popmusik, die kaum Ablenkung bringt, nicht beseitigt. Sowie Jace sauber und angezogen in die Hauptzentrale des Instituts zurückkehrt, läuft er prompt seiner Schwester über den Weg, die sich mit niemand geringerem als Meliorn höchstpersönlich unterhält. Jace kann sich gerade noch so davon abhalten, den Elb anzuschnauzen. Meliorn hat leider eine gewisse Aufenthaltsberechtigung. Trotzdem schenkt Jace ihm einen hoffentlich sehr bösen Blick, der deutlich machen soll, dass sie noch nicht fertig miteinander sind. Selbstverständlich hat Meliorn die Frechheit, ihn vage anzulächeln.
"Oh, hey, Jace!" Izzy ist das Blickduell der beiden scheinbar entgangen. Sie winkt Jace heran, damit er sich die Daten auf einem der Bildschirme ansehen kann. "Wir haben endlich einen Anhaltspunkt, wo die Dämonen herkommen", erklärt sie grimmig. "Scheinbar hat ein fehlgeschlagener Amateurzauber einen kleinen Riss zwischen den Dimensionen verursacht, der die Viecher quasi ansaugt wie ein Staubsauger. Solange der offen bleibt, werden wir sie nicht los."
Jace nickt. Es ist nicht das erste Mal, dass sie es mit fehlgeschlagenen Experimenten zu tun haben, aber für gewöhnlich handelt es sich in den meisten Fällen um einzelne Dämonen, die irgendein Hobby-Esoteriker heraufbeschworen hat, ohne auf sie Konsequenzen vorbereitet zu sein. Dieser Fall ist dann doch auf einem anderen Level. Zwar sind die kleineren Flugdämonen im Grunde recht harmlos und nur ein wenig nervig, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Riss sich an einem größeren Exemplar verschluckt, das dann vielleicht nicht mehr nur verwirrte Mundis, sondern auch die eine oder andere Leiche hinterlässt. Eine nicht sehr erstrebenswerte Aussicht.
"Okay. Und was tun wir dagegen?", will Jace pragmatisch wissen. "Kann Magnus den Riss schließen?"
"Ich befürchte nicht." Izzy schüttelt nachdenklich den Kopf. "Er ist momentan nicht im Vollbesitz seiner Kräfte nach dem Vorfall letzte Woche. Abgesehen davon wäre es aber auch viel zu gefährlich. Um diesen Riss anständig zu flicken, bedarf es einer anderen Art von Magie."
"Elbenmagie", fügt Meliorn hilfreich hinzu, woraufhin Jace leidend aufstöhnt. Das hat ihm gerade noch gefehlt. Schlimm genug, dass Meliorn sich die ganze Zeit im Institut herumtreibt und Jace auf die Nerven geht, jetzt brauchen sie auch noch seine Hilfe und das heißt, dass sie zwangsläufig zusammenarbeiten müssen. Alec mag vielleicht der Leiter des Instituts sein, aber Jace ist immer noch der beste Dämonenjäger. Die kleinen Mistviecher sind seit Wochen seine Aufgabe. Und jetzt soll er sie anscheinend mit Meliorn teilen. Na vielen Dank auch.
"Also was machen wir?", fragt er und schluckt seinen Stolz für den Moment herunter. Der Job ist erstmal wichtiger als kleinlicher Zwist mit einem frechen Elbenritter. Es nagt ohnehin schon an seinem Selbstwertgefühl, dass er die Dämonen seit Wochen nicht aus der Stadt kriegt.
"Der Riss entspringt ungefähr an dieser Stelle." Izzy ruft einen Stadtplan auf und zoomt auf eine nur allzu vertraute Brücke heran, die sich genau über dem Eingang zum Lichten Hof befindet. Dann deutet sie auf eine Stelle nördlich davon, etwa in der Mitte des Parks. Eine Reihe rot leuchtender Punkte bewegt sich darum im Kreis. Anscheinend hat sich gerade ein neuer Schwarm in der Dimension geirrt und fliegt nun orientierungslos mitten in New York herum. Keine Sekunde später geht der Alarm los und Meliorn zuckt erschrocken zusammen. Seinen empfindlichen Elbenohren muss der Lärm wie Folter vorkommen.
Jace schaltet fast augenblicklich auf Befehlsmodus um. Er sammelt alle Schattenjäger um sich, die gerade abkömmlich sind, und gibt ihnen unmissverständliche Anweisungen, was sie zu tun haben und wo sie sich postieren sollen, um die Dämonen abzufangen, bevor sie sich irgendwo einnisten können.
"Ich will mir die Quelle ansehen", sagt er zu Izzy und wirft Meliorn einen auffordernden Blick zu. "Kommst du mit oder soll ich alleine gehen?"
Meliorns Augen weiten sich für den Bruchteil einer Sekunde, als wäre er von der Aufforderung überrascht. Dann nickt er entschieden und wartet geduldig, bis Jace sich bis an die Zähne bewaffnet hat.
 
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