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Was wäre, wenn alles etwas anders gelaufen wäre?

GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Sarah
13.08.2021
26.11.2021
42
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02.10.2021 2.239
 
Abronsius war mehr als fasziniert, seitdem er wach war. Endlich konnte er all seine Theorien an sich selbst studieren, er musste zugeben, dass das gar nicht so schlecht war. Nur der Blutdurst, der bekam ihm ganz und gar nicht, immerhin hatte er geschworen, die Welt von den Blutsaugern zu befreien und nicht, einer von ihnen zu werden. Vor allem hatte er irgendwie Angst davor, seinem sterblichen Assistenten zu begegnen, ihm war aus all seinen Forschungen bekannt, dass sich neue Vampire selten kontrollieren konnten. Aber dem armen Jungen die kalte Schulter zu zeigen, bekam er kaum über sein totes Herz. Ihn interessierte nun vor allem, wie es dem Grafenerben ging, von Sarah hatte er kaum Informationen bekommen und seit er verwandelt war, war er alleine in diesem Zimmer, wenn er nicht gerade mit Hermina auf die Jagd ging. Es behagte ihm nicht, dass er den Grafen noch nicht gesehen hatte, war etwas Schlimmeres mit seinem Sohn? Er war doch rechtzeitig gekommen, um ihn zu befreien, oder? Überrascht stellte er fest, dass seine Familiengefühle sich sehr verstärkt hatten, seit er ein Unsterblicher war. Plötzlich zählten die ihm bekannten Gesichter mehr als je zuvor für ihn. Der Professor wusste auch, dass es Alexandru gewesen war, der den Knoblauch ins Blut getan hatte. Er hatte ihn vor dem Grafen gedeckt, da er gedacht hatte, auf der richtigen Seite zu stehen. Was ihn auch sehr begeisterte war, dass er sein Alter nicht mehr spürte, er war beweglich, wie vor all den Jahren, als er noch ein Jungspund gewesen war. Er entschloss sich dazu, den Grafen zu suchen, er musste wissen, wie es Alfred ging und wie es um den Grafensohn stand. Zudem musste er nun logischerweise mit dem Schlossherrn aushandeln, dass er dort leben konnte.

Alfred saß an Herberts Seite, nachdem dieser schreiend aus einem Alptraum aufgewacht war und sich nur schwer beruhigen ließ.
„Schhh, du hast nur geträumt, alles ist gut“, flüsterte er jenem sanft ins Ohr, strich immer wieder über den Rücken des Weißblonden.
Der Vampir hatte seit seiner Genesung kaum geschlafen, immer wieder wachte er völlig panisch und verschreckt auf, ab und zu erkannte er den Sterblichen kaum und wehrte sich gegen ihn. Für ihn war es furchtbar und für seinen Liebsten auch. Am Anfang hatte er sich völlig verspannt, sobald der Student ihn berührte, nun, nach ein paar Tagen, war zumindest das besser geworden.
„Du bist in Sicherheit, das weißt du?“
„Tut mir leid, mon Cherí, natürlich bin ich bei dir sicher“, murmelte der Ältere verzweifelt.
Der Sterbliche und der Unsterbliche kuschelten sich aneinander, einander festhaltend schliefen sie aufs Neue ein.

Lucasius und Magda saßen im heimischen Schloss gemütlich auf einem Sofa, aßen Kekse und tranken Blutwein. Der Goldhaarige hatte einen Arm um die Rothaarige gelegt, welche sich grinsend an ihn lehnte und die Spuren der Kissenschlacht begutachtete, welche kurz zuvor stattgefunden hatte.
„Wir könnten doch auch verreisen!“, schlug sie vor, er schüttelte den Kopf:
„Ich habe nur ein Armband, du hast keines. Es wäre zu riskant.“
„Aber hier ist es langweilig.“
„Du hörst dich an wie mein Patenneffe.“
„Ja! Jetzt weiß ich, wie trostlos es hier sein kann!“
Der Blonde warf ihr einen beleidigten Blick zu: „He! Vielen Dank auch, das merke ich mir.“
Er sprang schmollend auf, stolzierte aus dem Zimmer, sie seufzte nur, nun wusste sie, woher Herbert das hatte. Natürlich nicht von seinem Vater. Nein, er musste es ausgerechnet von ihrem Freund haben. Schnell folgte Magda ihm, er lächelte nur, führte sie hinauf ins oberste Zimmer, wo sie in der Ferne die Morgenröte sehen konnten.

Breda stand alleine in seinem Raum, knabberte nervös auf seiner Lippe, etwas, was er nur tat, wenn er alleine war. Vor ihm auf dem Tisch lag ein wunderschöner Ring, golden, mit kleinen Rubinen. Er hatte keine Ahnung, wie er ihn ihr überreichen sollte. Wie konnte er Sarah nur angebracht übermitteln, dass er sie ehelichen wollte? Er hatte auch Angst, dass sie ihn ablehnen würde, sie hatte schließlich vor nicht allzu langer Zeit gesagt, sie wolle noch nicht heiraten. Aber er wollte es nun einmal, er wollte endlich wieder eine Ehefrau an seiner Seite. Es war Zeit, Adrianne hinter sich zu lassen, nun gab es Sarah. Andererseits erschien ihm das sehr schwer, wie konnte er nur eine neue Frau heiraten? Unendliche Treue, das hatte er der Weißhaarigen vor all der Zeit geschworen. Über den Tod hinaus. Er schmunzelte leicht, als er sich an ihre Heirat erinnerte. Sie war so aufgeregt gewesen und so wunderschön. Er erinnerte sich an den unfassbaren Augenblick, als er sich umdrehte und sie den Gang entlang schritt, die langen Haare als Krone kunstvoll geflochten, das schlichte und doch prachtvolle Kleid, das ihre schlanke Figur so umschmeichelt hatte, mit der langen Schleppe. Der Graf hatte bis zu jenem Augenblick nie eine Träne in der Öffentlichkeit vergossen, aber als er die Braut sah, musste er schluchzen, so überwältigend waren die Gefühle gewesen. Herbert hatte die Geschichte von der Heirat der beiden immer wieder gerne gehört, er hatte es als kleines Kind geliebt, zu erfahren, wie sein Vater geweint hatte, wegen seiner Mutter. Adrianne hatte den Jungen immer auf dem Schoss sitzen gehabt, wenn sie von der heimlichen Hochzeit erzählte und hatte ihm immer die Melodie ihres Trauungsliedes ins Ohr gesummt. Seufzend nahm er den Ring und ließ ihn wieder in einer Schreibtischschublade verschwinden. Es wäre zu übereilt, er sollte sich noch etwas gedulden.

Der Vampirfürst trat gerade auf den langen Flur hinaus, als ihm der Professor entgegenkam. Voller Dankbarkeit blickte er ihn nun mit seinen blauen Augen an. Ohne diesen Menschen, den er zuvor mehr als alles hasste, wäre seinem Jungen noch Schlimmeres geschehen.
„Ah! Gut, dass ich Sie sehe!“, rief Abronsius, „ich wollte mit Ihnen reden.“
„Um was geht es?“, erkundigte sich der ältere Unsterbliche.
„Ich wollte fragen, wie es Ihrem Sohn geht.“
Der Graf holte tief Luft, bevor er erwiderte: „Körperlich geht es ihm ganz gut. Aber sonst geht es ihm nicht gut.“
„Verstehe. Ich hoffe, dass alles wieder in Ordnung kommt.“
„Ich habe Ihnen Unrecht getan“, gab der adlige Untote zu, „Sie haben mein Kind gerettet. Das vergesse ich nie.“
„Nun, ich habe meine bürgerliche Pflicht erfüllt, denke ich.“
„Wie haben Sie ihn gefunden?“
„Ich wusste, dass Alexandru das Blut mit dem Knoblauch vergiftet hat. Ihr armer Berater konnte nichts davon wissen. Als ich hörte, dass Michael starb, wurde mir bewusst, dass Alexandru nun Rache wollte. Er ist sehr gefährlich, ein verflucht guter Vampirjäger. Van Helsing ist harmlos dagegen.“
Ein tiefes Knurren entstieg Bredas Kehle, als er diesen Namen hörte.
Der Gelehrte hielt kurz inne, fuhr dann fort: „Mir wurde mitgeteilt, dass Michaels Schüler einen von Krolock erwischt hatte. Ich musste wissen, wen von Ihnen beiden. Gut, ich hatte auch Angst, er hätte einen Fehler gemacht und meinen Alfred erwischt. Als ich aber sah, dass er Ihren Sohn hatte, wurde mir klar, was das für Alfred bedeutete. So habe ich ihn gerettet. Übrigens, warum haben Sie mir nie gesagt, wie genial diese Unsterblichkeit ist?“
Der Schlossherr lachte: „Sie hätten mir doch nicht geglaubt. Aber übertreiben Sie nicht, Professor.“
„Es ist mir zutiefst unangenehm, jedoch kann ich so wohl kaum zurück in die Stadt, nicht wahr?“
„Sie sind mir immer willkommen“, schmunzelte der Adlige, „ich schulde Ihnen diesen Gefallen.“
„Vielen Dank. Wie geht es Alfred?“
„Er kümmert sich um Herbert. Wieso fragen Sie ihn nicht selbst?“
„Ich fürchte mich davor, die Kontrolle zu verlieren.“
„Verstehe“, nickte der Schwarzhaarige, „ich kann Ihnen anbieten, mit Ihnen zu kommen. Sollten Sie sich nicht beherrschen können, wären zwei kräftige Vampire zur Stelle, die den Studenten beschützen können.“
„Das klingt gut.“
Der Königsberger nickte glücklich, so konnte er endlich seinen Assistenten wiedersehen.

Abronsius betrat also das Zimmer des jüngeren Grafen mit dem Älteren im Schlepptau. Sein Blick wurde weich, als er seinen Studenten sah, der sich tief schlafend an den Weißhaarigen gekuschelt hatte, welcher auch schlief, allerdings wirkte dessen Schlaf etwas unruhig.
„Sie sind ein gutes Paar“, lächelte der Professor.
„Das ist kein Problem für Sie?“, wollte der andere überrascht wissen.
„Nicht wirklich. Es würde ihnen nur schaden, sich zu verstecken. Zudem sind die meisten von uns jetzt Vampire, ich schätze, denen ist so etwas einfach egal.“
„Ich wünschte, es wäre so“, seufzte der Dunkelhaarige, „Sie wissen nicht, wie viele Vampire noch schlimmer sind als manche Menschen. Mein eigener Vater war auch nicht sonderlich erfreut am Anfang.“
Mit den Schultern zuckend, trat Abronsius auf Alfred zu, weckte ihn vorsichtig auf.
Dieser riss seine Augen auf und glücklich fiel er seinem Mentor um den Hals: „Professor! Sie sind wieder da! Danke! Danke, dass Sie ihn gerettet haben!“
„Nur langsam, mein Junge. Nicht so aufgeregt. Mäßigkeit und Logik, du weißt ja.“
Der Brünette nickte, doch er genoss es, den anderen an sich drücken zu können. Ihm liefen sogar Tränen aus den Augen, so sehr hatte er seinen väterlichen Freund vermisst. Der Silberhaarige hielt den Jüngeren fest umgriffen, er spürte, wie erleichtert dieser war, dass er wieder bei ihm war. Immer noch bedeutete er Halt für den Assistenten, welcher seinen Weg in der Welt nach wie vor suchte, auch, wenn er nicht mehr ganz so verloren wirkte.
„Nun lass mich los. Solch ein kindisches Verhalten ziemt sich in deinem Alter nicht mehr.“

Sarah saß bei Hermine im Kaminzimmer, Herberts Großmutter brachte ihr das Stricken bei. Nun, sie versuchte es. Die Dunkelhaarige war nicht gerade die Geduldigste, wie die Ältere belustigt feststellte. Sie sah ihr nicht sehr ähnlich und doch erinnerte ihre Art sie an Adrianne. Nach anfänglichen Streitereien hatte sie ihre damalige Schwiegertochter sehr liebgewonnen, ihr Verlust hatte auch sie sehr getroffen. Adrianne hatte ebenfalls nie genug Geduld zum Stricken gehabt. Nur einmal hatte sie etwas fertiggestellt: Einen zu großen Pullover für ihr Kleinkind.
„Wie hast du Breda kennengelernt?“
„Zuerst war es eine Ahnung in mir, die größer wurde, je älter ich wurde. Ich wusste, dass da jemand ist, der mich zu sich ruft. Und dann tauchte er irgendwann auf und lud mich zum Ball ein.“
„Höre sich das einer an. Und? Liebst du ihn?“
Die Brünette nickte, aufrichtig antwortete sie: „Natürlich. Er ist wundervoll.“
Hermine nickte schmunzelnd: „Er hat endlich wieder Glück, das ist schön.“
„Sie kennen sicherlich noch seine Frau, stimmt´s?“
„Ja, ich erinnere mich an Adrianne. Armes Mädchen. Sie war krank, seitdem Herbert zu früh zur Welt kam. Sie fing sich zwar wieder, aber dann kamen die Vampirjäger…Es war furchtbar.“
Sarah neigte den Kopf, ihr wurde bewusst, dass nicht nur ihr Freund im tiefsten Inneren noch sehr an der Verstorbenen hing. Wie konnte sie nur ihren Platz in dieser Familie finden?
„Es gibt bald Essen“, meinte Hermine irgendwann, erhob sich und ging davon, legte der anderen Frau noch kurz eine Hand auf die Schulter und lächelte: „Ich habe dich sehr gerne, Schwiegertochter.“

Nach dem Wiedersehen mit Abronsius, saß Alfred neben dem schlafenden Geliebten und überlegte, was er diesem zum Geburtstag schenken könnte. Er sah mehrere alte Kinderzeichnungen an einer Wand. Endlich hatte er eine Idee, was er dem Weißhaarigen schenken könnte und er eilte zu Sarah.
„Sarah?“
„Hm?“
„Du kannst nähen, oder?“
„Ja.“
„Kannst du mir zeigen, wie man einen Stoffbären näht?“
„Ja, ich kann dir zeigen, wie man einen Stoffbären näht. Hast du Zeit?“
„Ja. Er schläft gerade sowieso, also bitte, zeig es mir.“
Die Vampirin nickte, dann führte sie ihn in ein Zimmer, wo Nähsachen herumstanden und Stoffe lagen. Sie nahm einen Plüschstoff.
„Was für eine Farbe soll der Bär denn überhaupt haben?“
„Äh. Die, die seine Mutter immer gemacht hat, waren braun, wie ein Bär hierzulande aussieht.“
„Mmh. Du musst schon etwas anderes ihm anbieten, sonst bricht er sicherlich gleich in Tränen aus und das will keiner. Wie wäre es mit diesen schwarz-weißen Bären aus Asien? Oder einem weißen Eisbären?“
„Warte mal. Sarah, kannst du kurz hier warten? Ich will was nachsehen.“
„Ja, aber beeile dich.“
Alfred stürmte los, er jagte den ganzen Weg zurück in Herberts Gemach, schlich sich an dessen Schreibtisch, ohne den Weißhaarigen aufzuwecken, öffnete eine Schublade und holte Bilder heraus. Sie waren ihm aufgefallen, als er nach Haargummis für den Älteren gesucht hatte. Sie waren selbstgemalt, von einem kleinen Kind. Alle zeigten sie Bären, anscheinend hatte er sie immer geliebt.
Er nahm das älteste Bild und kehrte zu ihr zurück: „Kannst du versuchen, diesen Bären nachzunähen?“
„Das soll ein Witz sein? Alfie, das ist das Bild von einem Kleinkind, ich erkenne nicht einmal einen Bären darin.“
„Vertrau mir, das ist ein Bär. Und er ist dick. Und flauschig. Mit rotem, rosa und lila Fell.“
„Meinetwegen. Also, lass mal sehen.“
Sie suchte die Stoffe zusammen, fragte sich dabei, was die ältere Gräfin so alles genäht hatte, und zeigte Alfred, wie sie den Bären zusammennähte.
„Jetzt brauchen wir noch Füllmaterial. Ich habe irgendwo Baumwolle gesehen…“
„Nein. Sieh nur, auf dem Bild, das sind Zirben. Das sieht man ganz genau, die sind nicht von einem Kleinkind gemalt. Die haben sicherlich Breda oder Adrianne gemalt.“
„Und jetzt?“
„Haben wir hier irgendwo Zirbenspäne?“
„Nein, nicht, dass ich wüsste.“
„Augenblick.“
Er jagte wieder los, in sein eigenes Gemach, nahm ein paar der kleineren Kissen, die herumlagen und roch an ihnen, bei einem leuchteten seine Augen auf und er brachte es der Dunkelhaarigen, die geduldig gewartet hatte.
„Langt das?“
„Wo hast du jetzt ein Zirbenkissen her?“
„Viele der kleinen Dekokissen der Residenz sind Zirbenkissen. Ist dir das noch nie aufgefallen?“
„Darauf achte ich hier eigentlich nicht.“
Sie füllte den Bären, nähte ihn vollständig zu. Dann bekam er noch Knopfaugen und einen gestickten Mund.
„So. Fertig.“
„Sarah, du bist die Beste!“
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