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Was wäre, wenn alles etwas anders gelaufen wäre?

GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Sarah
13.08.2021
02.10.2021
32
66.093
 
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15.09.2021 2.081
 
Abronsius atmete tief ein und aus, bevor er den Eimer tatsächlich über den Weißblonden schüttete. Als dieser schreiend erwachte, vor Kälte und vor Schmerzen, musste der Professor schwer schlucken, er fragte sich, was er hier überhaupt suchte. Aber die Wahrheit war, dass er Alfred zu liebhatte, um die Tatsache zu ignorieren, dass dessen Freund in Gefahr war. Egal, wie er nun zu dem Vampir stand, zu seinem Assistenten hatte er ein gutes Verhältnis. Daher hatte er seine Reise sofort abgebrochen, als er von anderen Vampirjägern, die mit ihm gereist waren, hörte, dass Alexandru, Michaels Gehilfe, angeblich einen von Krolock erwischt hatte. Er war dem Schwarzhaarigen bis zu dieser Hütte gefolgt und nun musste er den wilden Vampir vor ihm beruhigen, der ihn völlig verängstigt anfauchte und ihm die Fangzähne zeigte.
„Ganz ruhig. Herbert, ich bin es, Professor Abronsius. Ich werde dir nichts tun, ich will dir helfen, zu entkommen.“
Der Unsterbliche sah ihn ungläubig an, er zitterte am ganzen Leib, hatte die Augen weit aufgerissen.
„Du musst mir helfen, ich habe keinen Schlüssel für die Silberketten. Mal schauen, ob wir dich auch so befreien können.“
Er ignorierte die ernsten Wunden des Schlosserben, er achtete nur darauf, ihn so wenig wie möglich zu berühren.
„Warum tun Sie das?“, hauchte Herbert leise, nachdem der Mensch ihm die Knoblauchketten abgenommen hatte.
„Weil ich Alfred gernhabe. Und er hat recht, ihr Vampire seid einfach zu interessant, um euch zu töten.“
„Vielen Dank“, brummte der Verwundete.
Abronsius schmunzelte: „So war das nicht gemeint. Du siehst furchtbar aus.“
„Ach, dabei geht es mir doch blendend!“, seufzte der Grafensohn, die Augen verdrehend.
„Es ist noch dunkel draußen, aber wir müssen uns beeilen.“
Der Weißhaarige nickte, mit einiger Anstrengung schaffte er es, zumindest die Beine freizubekommen. Allerdings brach er fast zusammen, als er aufstehen wollte, der Sterbliche fing ihn gerade noch auf: „Vorsicht!“
Sie schafften es gemeinsam gerade so aus der Hütte hinaus, als sie ein herannahendes Pferd hörten.
„Professor!“, schrie Alexandru schockiert, „von jemanden wie Euch hätte ich so etwas nie erwartet! Das ist Verrat!“
Der Dunkelhaarige spannte einen Pfeil ein, zielte auf Herbert.
Abronsius sah entsetzt zu dem Vampir, rief laut: „Lauf!“
Der Blonde stolperte los, doch er hatte kaum ein Gefühl in den Beinen, er hatte keine Kraft, um sich auf ihnen zu halten, geschweige denn, zu rennen. Der Gelehrte riss ihn geistesgegenwärtig zu Boden, der Pfeil verfehlte sein Ziel nur knapp. Er zerrte den armen Adligen neben sich her, halb auf ihn gestützt, versuchte er, sie beide hinter einer Böschung in Sicherheit zu bringen.

Ein weiteres Surren der Bogensehne ertönte, Herbert und Abronsius stürzten den Abhang hinab. Der Ältere keuchte laut auf, als er am Boden aufschlug, hörte seine armen Rippen knacken. Er blieb liegen, konnte sich vor lauter Qualen nicht mehr bewegen. Erschrocken weiteten sich seine Augen, als er aufs Neue Abronsius im Schnee neben sich liegen sah. Nicht schon wieder, dachte er noch, bevor er den Kampf gegen das übermächtige Schwindelgefühl verlor und die blauen Augen schloss. Alexandru beugte sich über die Böschung, allerdings sah er nur einen Vampir, der verrenkt mit geschlossenen Augen im Schnee lag und einen Professor, der ebenfalls nicht viel lebendiger aussehend, danebenlag. Zudem ging bereits die Sonne auf. Der Vampirjäger seufzte schwer, wandte sich jedoch ab, den beiden konnte er nicht mehr helfen und einem von ihnen wollte er auch nicht helfen.
„Fledermaus!“, schrie da jemand, der schwarzhaarige Sterbliche floh bereits, diese Nachtbestien würden ihn nie mehr erwischen.
Die Vampire und Alfred brachen aus dem kleinen Waldstück hervor, fassungslos, als sie die beiden daliegen sahen.
„Das ist Abronsius!“, rief Sarah erstaunt, ihre braunen Augen weiteten sich, als sie erblickte, dass dem armen Menschen ein Pfeil im Rücken steckte.
„Nein“, hauchte Alfred, ließ sich auf die Knie fallen.
Sein Mentor war dem Tode nahe und was mit seinem Freund war, wusste er nicht.
„Er wacht auf“, sagte Hermina sachlich, deutete auf den Grafenerben, welcher die Augen öffnete.
Aus Mund und Nase blutend, lächelte er sanft, als er seine Familie erkannte.
„Vater“, wisperte er, versuchte, seine Hand nach Breda auszustrecken, welcher sofort bei ihm war: „Was ist?“
„Abronsius…er ist verletzt…“, flüsterte Herbert, „er stirbt…Ich wollte…ich wollte ihn beißen…“
„Nein, das wirst du nicht tun, Fledermaus. Es stimmt, er stirbt, aber er hat es verdient, wenn er dich so zurichtet.“
„Nein…hör…hör mir zu…“
Das Sprechen strengte den Blonden sehr an, zum ersten Mal als Vampir fehlte ihm sozusagen der Atem.
„Ich hör dir zu, Kind.“
„Er war es nicht…er…wollte…mich befreien…“
„Er wollte dich befreien?!“, wiederholte der Graf schockiert, sein Sohn nickte.

Der Jüngste der Runde saß schluchzend neben seinem sterbenden Vorbild, leise weinend hatte er dessen Hand genommen, strich mit der anderen Hand durch die grauweißen Haare.
„Professor...Danke…“
Er konnte nicht mehr sagen, vor allem, da Lucilla vor der Sonne warnte. Wieder wurde den Vampiren die Zeit zum Verhängnis, wenn auch nicht so sehr, da sie alle ihre Armbänder trugen. Der Dunkelhaarige streifte seinem Erben dessen Armband ebenfalls über die Hand, so könnten sie durch die Morgensonne laufen, ohne einen größeren Schaden als einen leichten Sonnenbrand zu nehmen. Aber die Zeit des Gelehrten lief ab.
Er blickte hinüber zu dem Studenten, seufzte und bot an: „Alfred, du weißt, wir könnten ihn retten.“
Jener sah auf, er zögerte, doch dann neigte er seinen Kopf: „Kann Herbert das machen?“
„Nein. Es ist zu riskant, jemanden zu verwandeln, wenn man selbst schwach ist“, antwortete Hermina ihm, Sendra knurrte: „Ich kann ihn beißen.“
„Nein“, fauchte Herminas Sohn, „ich werde es tun. Wenn du erlaubst, Alfred.“
„Ich denke, er würde gerne weiterleben. Und so kann er seine Forschungen noch besser betreiben.“
Breda neigte seinen Kopf, der Brünette wechselte mit ihm den Platz, so dass der Jüngste nun bei Herbert saß und der Dunkelhaarige bei dem Gelehrten, diesem grub er die Zähne in den Hals. Sarah legte eine Hand auf Alfreds Schulter, als dieser zu weinen begann. Sarah wurde beauftragt, den Gebissenen zu tragen, Hermina hingegen hob ihren Enkel hoch. Sendra und Lucilla verschwanden auffällig schnell, als sie bei der Residenz ankamen. Durch alle Sorgen um Abronsius hatten sie jedoch vergessen, nach dem anderen Verwundeten zu schauen, dem es immer schlechter ging. Er hatte sich bei dem Sturz einen Fangzahn herausgeschlagen, daher blutete er stark im Mund, obwohl bereits wieder ein neuer Zahn erschien. Graf Albert höchstpersönlich brachte seinem Enkel immer wieder Blut, dass sie ihm irgendwie einflößten.
„Mein armer Enkelsohn…Aber das wird wieder alles in Ordnung kommen, sobald du deine Kräfte wiederhast. Oh, es tut mir so, so unglaublich leid, wie böse ich zu dir war. Der Junge hier ist wunderbar“, lächelte er mit einem Blick auf Alfred, „und ihr beide verdient es, in unserer Familie zu leben.“
„Schlaf jetzt, Kind“, befahl der Schlossherr seinem Sohn, nachdem alle gegangen waren, welcher ihn bettelnd ansah. Stöhnend kam der Vater dem Wunsch seines Sohnes nach, stimmte das alte Lied an, dass sie so verbunden hatte, ihn, Adrianne und Herbert: „Schlaf mein Fledermäuslein. Tauch in die Welt der Träume ein. Schlafe gut, das tut dir gut. Fliege zu den Wolken hinauf, wache bis zum Abend nicht mehr auf. Schlaf, Fledermaus, in meinem Arm, dort ist es warm, ich halte dich immer fest, sicher, wie in einem Nest. Du kannst hier geborgen schlafen, bei deinem Vater, dem Grafen.“ Er musste lächeln, als er feststellte, dass der Weißhaarige tatsächlich eingeschlafen war.

In der nächsten Nacht, es war vielleicht drei Uhr, lief Alfred alleine durch die Gänge des Anwesens, er wollte wieder den Weißhaarigen besuchen und danach noch nach seinem Mentor schauen, es war ihm egal, ob es gefährlich war, ohne Begleitung als Mensch zu einem Frischverwandelten zu gehen, als ihn aus der Dunkelheit zwei Augenpaare anblitzten. Das gab es nicht! Als seine Gegenüber endlich ins Licht traten, erkannte er, dass es sich um Sendra und Lucilla handelte, ihre Augen waren tiefrot, die Frau sabberte etwas, als sie ihn, oder besser, seinen Hals ansah. Unwillkürlich wich der Braunhaarige etwas zurück. Sendra knurrte und ging einen Schritt auf ihn zu, lange, krallenartige Finger griffen nach ihm, wieder sprang er zurück. Das Schlimmste war der Geruch der beiden Vampire, sie stanken nahezu nach Verwesung.
„Lucilla, sag, Schwesterherz, wie lange haben wir nicht mehr so gut gespeist?“, fauchte der Schwarzhaarige und schnellte vor, der Mensch quietschte auf und machte kehrt, rannte um sein Leben.
„Sendra! Unser Essen hat Füße bekommen und macht sich aus dem Staub!“, hörte er die Frau hinter sich rufen.
Oh Gott, er musste hier so schnell wie möglich weg! Keuchend schoss er durch die Gänge, doch die Unsterblichen kamen immer näher. Wenn doch nur Herbert oder sein Vater jetzt hier wären! Sie würden ihn vor dem sicheren Tod bewahren!

Was er nicht ahnte, war, dass Breda gerade bei seinem Sohn war und erstaunt feststellte, dass dieser wach aus dem Bett gestiegen war und sich auf einen Sessel gesetzt hatte und nun ein Buch las, während er auf Alfred wartete.
„Fledermaus, endlich bist du wach. Wir haben uns solche Sorgen gemacht, der arme Lehrling war völlig durch den Wind.“
„Tut mir leid, Papa…“, flüsterte der Weißblonde, „ist Alfred jetzt da?“
„Nein, er war am Tage wach und hat über deinen Schlaf gewacht, aber heute Abend hat es ihn einfach umgehauen. Sarah hat ihn ins Bett gebracht. Er wird sicherlich später wieder nach dir schauen.“
„Wenn er über meinen Schlaf gewacht hat, kann ich auch über seinen wachen. Ich gehe jetzt zu ihm.“
„Fledermaus, mach langsam, du bist sicher nicht bei vollen Kräften.“
Sein Sohn schenkte ihm einen vernichtenden Blick, dann erhob er sich langsam und mit schmerzverzerrtem Gesicht, sein Vater stand nur kopfschüttelnd daneben. Herbert öffnete die Tür, welche zum Glück, wie sie gleich feststellen sollten, nach innen aufging.

Denn gerade, als Breda und er aus dem Zimmer treten wollten, raste ein junger Sterblicher mit verdächtig bekannten, braunen Haaren an ihnen durch, keuchend und nach Luft schnappend, gleich hinter ihm zwei geifernde und fauchende Vampire, die hinter ihm her stürmten. Herbert brauchte eine Sekunde um zu verarbeiten, was da gerade geschah, doch als er es schnallte, jagte er los, sein Vater hinter ihm. Sendra und Lucilla mussten halb verhungert sein, so, wie sie dem armen Lehrling nachstellten. Endlich bekam Breda Sendra an dessen Gehrock zu fassen, und brachte diesen zu Fall.
„Lauf und kümmere dich um Lucilla!“, schrie er seinem Sohn zu, welcher keuchend kurz durchatmete, da ihm schwindlig war und er starke Kopfschmerzen erlitt.
Die Sorge um Alfred war jedoch größer als seine Schmerzen und er rannte wieder los, krachte durch eine geschlossene Tür in einen Raum, wo er Lucilla über den am Boden liegenden Alfred sah, sie wollte ihn gerade beißen, als er sprang und sie mit seinem ganzen Gewicht von seinem Geliebten herunterstieß. Sie fauchte und ihre langen Fingernägel hinterließen schmerzende Spuren auf Herberts Haut, woraufhin der Blonde wütend zischte und seine eigenen Fangzähne tief in ihren Arm grub. Der Student stand daneben und sah verdattert auf die beiden sich am Boden wälzende und kämpfende Vampire. Voller Überraschung hatte er den Hellhaarigen erkannt, der sich gegen die Schwarzhaarige geworfen hatte. Lucilla und Herbert rangelten böse miteinander, beide fügten dem jeweils anderen blutende Wunden zu, solange, bis Hermina und Sarah in den Raum kamen und mit ihren Vampirkräften die beiden Streitenden auseinanderzerrten.
„Mein Abendessen!“, schrie Lucilla voller Wut.
Herbert brüllte: „Das ist kein Abendessen, sondern mein Freund!“
Da kam Breda zurück, er zog Sendra an dessen langen Haaren hinter sich her. Alfred wich zurück und versteckte sich erneut hinter dem Weißhaarigen.
„Sendra, Lucilla, erklärt euch“, schnauzte Gräfin Hermina die beiden an.
„Wir haben Durst! Und der junge Sterbliche ist selbst schuld, wenn er hier herumläuft und sein gutes Blut so betörend duftet!“, lachte Lucilla voller Wahnsinn, leckte sich über die Fangzähne.
„Dieser Sterbliche steht unter gräflichem Schutz, verstanden? Jetzt geht und jagt…einen Hirsch oder so“, befahl die Schwarzhaarige.
Die beiden Vampire zogen beleidigt von dannen, Herbert setzte sich in den nächstbesten Sessel, die letzten Minuten hatten ihn Kraft gekostet, die er eigentlich nicht gehabt hatte.
Seine blauen Augen richteten sich auf seinen Gefährten: „Alles in Ordnung, Alfred? Hat sie dir wehgetan?“
„Du hast das Schlimmste verhindert“, seufzte der Braunhaarige.
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Ja, im nächsten Kapitel geht´s dann um den verwandelten Abronsius, der sich damit abfinden muss, auch zu den Vampiren zu gehören, versprochen, das kommt aber höchstwahrscheinlich doch erst morgen. Herbert, der Arme. Ja, um den und seinen Schrecken geht´s auch im nächsten Kapitel, sowas überwindet man nicht einfach so...Immerhin sind zur Nachtruhe alle wieder in Sicherheit, ist doch auch mal was:)
Ich wünsche euch eine gute Nacht,
eure Merilwen
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