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Was wäre, wenn alles etwas anders gelaufen wäre?

GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Sarah
13.08.2021
15.09.2021
31
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Es ging ihm nicht gut. Ganz und gar nicht. Alexandru hatte ihn mit Schnittwunden am ganzen Oberkörper gezeichnet und auf diese auch noch Silbermünzen gelegt. Mit einem Kreuz hatte er ihn in den Bauch geschlagen, ins Gesicht hatte er ihn mit den Händen geschlagen, alles in einem Wutanfall. Durch die ganzen Schmerzen zeigten sich seine Fangzähne, das Quälende daran war, dass sie sich in das Buch hineingegraben hatten.
„Na? War das genug? Ah, du kannst ja gar nicht reden. Was haben wir denn hier?“ Er nahm einen Eimer, in dem eine Flüssigkeit war.
„Was geschieht wohl, wenn ich ein Tuch in Weihwasser lege und über deinen Körper wische, hm?“
Der Verwundete röchelte und weinte, er weinte eigentlich schon die ganze Zeit, seit er hier war. Er zuckte zusammen, als das gesegnete Weihwasser seinen Körper berührte. Er spürte den heißen Ausschlag, der sich an besagter Stelle bildete.
„Ah, ihr bekommt also einen Ausschlag, hm?“
Von Rosenberg nahm den Eimer und kippte ihn über dem Vampir aus, der, trotz Bibel zwischen den Zähnen, es schaffte, aufzuschreien. Er begann, zu schwitzen, ihm war so übel und der ganze Raum drehte sich. Er hatte Durst, furchtbaren Durst. Sein Körper schrie nach Blut, welches er durch seine Wunden nur verlor. Auch Vampire konnten sehr wohl verbluten, und er hatte sicherlich auch nicht die Menge eines lebendigen Menschen in sich, sondern viel weniger. Keuchend sah er sich um, sein Blick verschwamm immer mehr, kaum sah er den Vampirjäger, der zurücktrat, sein Werk begutachtete.
„Ich muss ihm eine Nachricht übermitteln“, sprach er laut zu sich selbst, Herbert hatte keine Ahnung, wen er damit meinte.
Es war ihm auch nicht wichtig, er sehnte sich Alfreds liebevolle Arme herbei, in denen er seine Ruhe finden könnte, weil er wusste, dass er sicher war. Warum hatte er den Braunhaarigen nicht mitgenommen? Er hatte sich nicht einmal verabschiedet. Wer wusste, wie die Sache hier ausging? Würde er noch einmal die Chance bekommen, seinen geliebten Königsberger zu erblicken? Er hatte Geburtstag, das wusste der junge Vampir, oh, wie gerne würde er den mit seinem Gefährten verbringen? Nun, da er kraftlos hier hing und sich quälte, wanderten seine Gedanken zu seiner Mutter. Adrianne, sie war immer für ihn da gewesen, als sie noch lebte. Er erinnerte sich an das Schlaflied, dass sie ihm immer gesungen hatte. Er meinte, es würde erneut in seinen Ohren erklingen. Leise begann er, die Melodie zu summen, versuchte, sich selbst in den Schlaf zu versetzen. Vielleicht müsste er dann diese Behandlung nicht mehr erleiden. Alexandru war in ein anderes Zimmer in der großen Jagdhütte gegangen, hörte das Summen nicht, bemerkte nicht, wie der entkräftete Grafensohn wegdämmerte.

Alfred rannte hinter den Vampiren her, sie stürmten durch den Wald, doch keine Spur von dem Blonden.
„Vielleicht ist er zu dem See, wo er letztens schon hin ist“, schlug er vor, als sie sich kurz sammelten, um weiterzusuchen.
„Bring uns hin“, sprach Sarah, der Brünette nickte und jagte los, sie kamen an den See und Breda erstarrte, als er die Jacke sah, die im Gras lag.
„Aber…das ist doch Herberts Jacke!“, quietschte Alfred mit einer viel zu hohen Stimme.
Der Graf nickte und sah sie sich an, alles zog sich in ihm zusammen, als er das Blut auf der Jacke sah.
„Breda…“, flüsterte der Student mit brennenden Augen, „da ist Blut. Warum ist da Blut an Herberts Jacke?!“
Sarah kam zurück und hielt einen Silberpfeil in den Händen, sie achtete sehr darauf, nur das Holz zu berühren: „Breda. Sieh nur, das haben wir gefunden.“
„Das sind die gleichen Pfeile wie manche der Jäger verwendet haben beim Kampf!“, erkannte Herberts Freund.
„Bist du dir sicher?“
„Ja! Silberspitzenpfeile!“
„Verdammt, bei Luzifer in der Hölle! Wie kann das sein?!“
„Einer muss uns verfolgt haben.“
„Liebling, klärst du mich bitte auf? Was ist mit meinem Enkelkind?“
Hermina bekam eine Kurzfassung der Ereignisse zu hören und erstarrte: „Dann weiß ich, wo er hingebracht wurde.“
„Ehrlich?“ Der Dunkelhaarige sah sie erstaunt an.
„Ja, hier in der Gegend gibt es eine verlassene Hütte. Ich hielt es nur für ein Gerücht, aber angeblich sei sie von Vampirjägern besiedelt.“
„Dann sollten wir dorthin.“
„Langsam, mein Junge, es heißt, dort gibt es tödliche Fallen an jeder Ecke.“
„Das ist mir egal, ich muss meinen Sohn retten!“
„Also gut, aber du wirst Hilfe brauchen. Es gibt zwei Vampire, die die Hütte untersucht haben und die wissen, wo die Fallen sind.“
„Sehr gut und wo sind die?“ „Wir sind hier.“
Breda stöhnte auf, das durfte doch nicht wahr sein! Sendra und Lucilla standen hinter ihnen. Beide Vampire, Geschwister, hielten einander an den Händen und sahen wie immer aus, als wären sie gerade erst aus dem Grab gekrochen.
„Ihr kennt euch aus?“
Sendra nickte: „Dein Sohn ist niedlich, deshalb helfen wir.“
Alfred brummte, was fiel dem nur ein? Doch es war wirklich alles egal gerade, sie mussten Herbert retten.

Alexandru brachte den Vampir so weit, dass er seine Augen schloss und einfach weg war, er konnte nicht mehr, zu groß war die Pein geworden. Der Vampirjäger grinste triumphierend, bevor er aus der Hütte hinaustrat, um Wasser für sich am Teich zu holen, der sich hinter dem Gebäude befand. Der Weißhaarige hing bewusstlos auf dem Stuhl, wirkte so tot, wie er eigentlich auch war. Er hörte nicht, wie sich eine Tür öffnete, spürte nicht die sanften Hände, die begannen, ihn vorsichtig zu befreien. Allerdings wurde sein Retter unterbrochen, da der Vampirjäger zurückkam, schnell wurde der arme Unsterbliche wieder allein gelassen, sein Schutzengel versteckte sich in einem Schrank, traute sich kaum noch, zu atmen. Blöderweise war er eben kein Vampir, sondern nur ein Mensch. Was dachte er da nur? Er sollte wahrlich froh sein, noch zu den Sterblichen zählen zu dürfen.
Der Dunkelhaarige nahm ein Stück Papier, begann, laut vorzulesen, was er schrieb: „Dezember 1888. Mein lieber Freund, es ist mir gelungen, ein Nachtgeflügel gefangen zu nehmen. Ich konnte herausfinden, wie Vampire auf manche Dinge, die ihnen gefährlich werden können, reagieren. Allerdings habe ich nur den schwächeren Vampir erwischt, der Alte war nirgends zu sehen. Ich weiß, du hast ganz genau gesagt, dass du die Ergebnisse von mir nur erhalten möchtest, wenn ich unsere Nachforschungen an dem Älteren überprüfe. Dennoch bitte ich dich untertänig, dass du auch diese Ergebnisse annehmen wirst. Ich weiß nicht, wie lange der noch durchhält, du hattest recht, er ist längst nicht so stark wie der Graf. Ich erwarte die Antwort von dir, so lange halte ich ihn hier fest, dann wirst du mir sagen, wie ich mit ihm fortfahren soll. Gezeichnet: Alexandru von Rosenberg.“

„Sendra, wir sind falsch“, knurrte Lucilla, als sie vor einer Hütte standen, in der sie weder Fallen, noch den Vermissten gefunden hatten.
„Sind wir nicht!“
„Doch! Du hast den Orientierungssinn von einem Baum!“
Die beiden Geschwister zankten miteinander, bis Hermina dazwischen ging: „Können wir einfach weitersuchen? Es gibt hier sicherlich noch andere Hütten.“
„Mutter, wir verlieren Zeit!“, fauchte Breda voller Zorn auf den, der es gewagt hatte, seinen Sohn anzugreifen.
Alfred stand neben Sarah, er zitterte vor Angst um Herbert. Er liebte ihn doch so sehr, wie hatte er es nur zulassen können, dass dem Blonden etwas geschah? Er hätte immer bei ihm sein müssen, ihn beschützen müssen! Sein schlechtes Gewissen machte dem armen Assistenten sehr zu schaffen, er machte sich die größten Vorwürfe.
Die Dunkelhaarige legte einen Arm um ihn: „Ganz ruhig, Alfie. Wir schaffen es, wir retten ihn.“
Er schmiegte sich in seiner Verzweiflung an sie, sie schmunzelte nur, ließ es zu, immerhin gehörte sein Herz nicht mehr ihr.
Der Graf sah zu ihnen hinüber, seufzte leise: „Gehen wir weiter.“
Lucilla übernahm nun die Führung, ihr Bruder stapfte weiterhin diskutierend und sehr missmutig neben ihr her durch den Schnee.
Sarah versuchte, ihren besten Freund zu beruhigen: „Wir müssen Herberts Geburtstag unbedingt nachfeiern. Was schenkst du ihm, Alfred?“
„Sorgen wir lieber dafür, dass wir ihm noch etwas schenken können!“, kam es schnappend von Sendra, was den Studenten schmerzvoll zusammenzucken ließ.
„Sendra, du bist so dämlich, das kann man kaum ertragen!“, schnauzte seine Schwester ihn an, wandte sich dann nach hinten zu dem Sterblichen: „Keine Sorge, wir bringen ihn schon lebend da raus.“
Sie diskutierten weiter, als ein schwarzhaariger Mann sie beinahe über den Haufen ritt, er drehte sich wütend um und schrie ihnen irgendwas zu.
„Immer diese dämlichen Reiter, denen das Pferd weggenommen gehört!“, fauchte Hermina, nachdem ihr Sohn ihr aufhalf, da sie das Gleichgewicht verloren und in den Schnee gefallen war.
„Es sollte wirklich Bescheinigungen geben, wer ein Pferd reiten darf und wer nicht“, brummte Lucilla, die sich ebenfalls Schnee von der Kleidung abklopfte.
„Oh, dann würde ich aber einen weißhaarigen Vampir kennen, der lebenslänglich Reitverbot hätte, stimmt´s, Breda?“, grinste ihr Verwandter.
„Das hat mein Sohn ihm doch schon mehrmals angedroht oder?“, erkundigte sich die Großmutter.
„Können wir einfach weitersuchen und nicht darüber philosophieren, bitte?“, kam es nervös von Alfred, hier verloren sie wertvolle Zeit.

Wieder eine neue Chance, den Untoten zu befreien, als Alexandru erneut die Hütte verließ. Sofort war der Retter wieder an der Seite des zu Rettenden, nun beeilte er sich, den Schlüssel für das Schloss der Silberketten zu finden.
Zittrige Hände durchwühlten lautlos den Schreibtisch, ein leises: „Komm schon, wo ist denn das?“, war zu hören.
Es brachte nichts, er musste den Vampir mit einem wachen Geist zurückbekommen, sicherlich könnte er sich, mit seiner Hilfe, irgendwie befreien. Er nahm zunächst die Bibel aus dem Mund des Erbgrafen, vorsichtig löste er die Fangzähne da raus, hoffte, dass er nicht von ihnen gebissen wurde, diese schmerzhafte Erfahrung wollte er sich gerne ersparen. „Wach auf!“, rief er leise, schlug dem Schlosserben sanft auf die Wange. „Herbert von Krolock, du wirst sofort deine Augen öffnen!“, befahl er erneut, doch er wurde nach wie vor nicht gehört, der junge Graf hatte seine Seelenspiegel fest geschlossen. Er sah sich um, gab es hier auch Wasser, das kein Weihwasser war? Der Dunkelhaarige hatte doch vorhin einen Eimer Wasser hereingeholt, wo hatte er den hingestellt? Er eilte durch die halbe Hütte, bemerkte dabei, dass der Schwarzhaarige sein Pferd mitgenommen hatte, das hieß, er war länger weg. Zumindest hoffte er das.
Endlich sah er den Eimer, er nahm ihn, ging zurück zu dem Blonden und warnte diesen vor: „Das kann jetzt kalt werden. Wehe, ich werde gebissen, weil du Nachtgeflügel dich erschreckst.“
Er wusste nicht, wie die logische Reaktion des Vampires aussehen würde. Und das gefiel ihm nicht. Logik war alles, was auf der Welt zählte.
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Aha, wen haben wir denn da? Wer rettet denn da den armen Grafensohn? Spätestens der letzte Satz müsste gewisse Person verraten. Wie es dazu kam, werdet ihr noch erfahren, ganz sicher:) Heute Abend kommt, insofern mir nichts dazwischen kommt, so wie gestern (tut mir leid, dass ich gestern nicht online war und es nicht geschafft habe, etwas hochzuladen), mindestens noch ein Kapitel, das wird auch wieder länger werden:)
LG Merilwen
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