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Was wäre, wenn alles etwas anders gelaufen wäre?

GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Sarah
13.08.2021
02.10.2021
32
66.093
 
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13.08.2021 1.984
 
Hallo ihr lieben Leser und Vampirfreunde!
Lang, lang ist es her, dass ich das letzte Mal Tanz der Vampire gesehen habe. Letztens überkam mich dann wieder eine Welle der Begeisterung, als ich mir einige meiner alten Lieblingslieder aus dem Musical angehört habe :) Und ich dachte mir: Hm, warum schreibe ich nicht mal eine Geschichte in dem Fandom und schaue, wie sie ankommt? Und ja, was soll ich sagen? Ich wünsche euch viel Spaß dabei!
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Der Graf von Krolock stand auf der Schlossmauer, sah hinab auf das kleine Dörfchen. Seine scharfen Vampiraugen hatten bereits die junge Frau, die er so sehr begehrte, in der Dunkelheit ausgemacht. Sie half gerade Magda, neue Knoblauchgirlanden in das Haus ihrer Eltern zu tragen. Die Rothaarige lachte viel mit der Dunkelhaarigen, etwas, was seine Ohren erfreuten. Oh wie sehr er Sarahs Lachen doch liebte! „Die Sterne scheinen heute so hell“, ertönte hinter ihm eine sanfte, weiche, männliche Stimme. Er drehte sich um und machte seinen Sohn aus, der lächelnd zu ihm trat: „Aber für dich scheint heute Nacht ein anderes Licht hell, nicht wahr?“ Sein Vater nickte schmunzelnd. Herbert stellte sich neben ihn, blickte hinab in das Dorf: „Sie ist sehr hübsch. Und wirkt überaus freundlich.“ „Du wirst sie mögen.“ „Mag sein, aber Mutter nenne ich sie nicht.“ „Musst du auch nicht, das ist sie schließlich nicht. Du sollst sie nur warmherzig begrüßen und in unsere Familie aufnehmen“, erwiderte Breda. „Das kriege ich locker hin“, lachte der Jüngere, „wenn sie nett zu mir ist. Du weißt, dass ich wohl nicht jedermanns Sache bin.“ „Sie wird dich mögen, keine Sorge. Hast du Kleider für den Ball übermorgen?“ „Ja. Koukol hat mir doch erst letztens neue Sachen abgeholt.“ „Stimmt, entschuldige, das hatte ich völlig vergessen.“ „Schon gut. Du hattest andere Dinge, die dich gekümmert haben“, grinste der Blonde, „ich habe Koukol gesagt, er soll morgen ins Dorf, wir brauchen neue Kerzen.“ „Das hast du bereits getan? Danke, Fledermaus. Ich habe dich doch sehr gut erzogen.“ Fröhlich nahm er Herbert in den Arm, er liebte seinen Erben über alles. Und wehe dem, der versuchen würde, ihm auch nur ein Haar zu krümmen.

Es war früher Abend, Breda saß zusammen mit Lucasius, seinem engsten Vertrauten, neben seinem Sohn natürlich, und redete mit dem gleichaltrigen Vampir. „Heute Nacht muss ich mich auf euch beide verlassen können.“ Der Goldhaarige nickte: „Herbert und ich kriegen das hin. Wie immer.“ Lucasius war einer der wenigen Vampire, die noch bei klarem Verstand waren. Er lebte in einer Hütte am Waldrand, nicht auf dem Friedhof. „Noch was. Außer Sarah sind noch zwei weitere Sterbliche hier, der Ältere ist ein Vampirjäger. Habt bitte ein besonderes Auge darauf.“ „Selbstverständlich, mach dir da keine Gedanken.“ „Und ich möchte, dass der junge Student unbeschadet durch die Nacht kommt.“ „Wie bitte? Breda, jetzt verlangst du ein Wunder. Warum denn der Aufwand?“ „Ich vertraue dir, dass du mit niemanden darüber sprichst, was ich dir nun erzähle.“ Lucasius nickte, die Gespräche zwischen seinem Freund und ihm waren für ihn immer vertraulich, das ging niemanden etwas an. „Verstehe. Du möchtest, dass sich der Assistent irgendwie in Herbert verliebt.“ „Ich muss gestehen, ich mag diesen Menschen und von der Seite meines Nachfolgers kann man klare Funken spüren, wenn er den Jungen ansieht.“ Der andere nickte, er konnte die Gedanken nachvollziehen. Der sanfte Mensch würde den Grafensohn sicherlich gut behandeln und respektieren. „Also schön, ich werde alles tun, um den Jungen am Leben zu erhalten, während du dich um deine Auerwählte kümmerst. Wieso sperren wir ihn nicht im Zimmer ein?“ „Weil er völlig panisch ist und auch noch versuchen würde, aus dem Fenster zu klettern.“ „Und wenn Herbert bei ihm bleibt? Ganz im Ernst, unsere Friedhofsmeute kriege ich auch alleine im Zaum gehalten.“ „Dann erklärst du meinem Erben, warum er nicht auf den Ball darf. Er liebt die Tänze doch so sehr.“ „Stimmt auch wieder. Aber man kann mal mit ihm reden. Vielleicht, wenn er wirklich auf Alfred steht, lässt er mit sich reden.“ „Meinetwegen. Ich muss nun zu Sarah.“ „Gut, ich kümmere mich um deinen Sohn.“

Herbert war in seinem Gemach, er wollte sich gerade fertigmachen, da steckte Lucasius den Kopf herein, nachdem er angeklopft hatte. „Herbie! Was ist?“ Dem Schlosserben liefen nämlich die Tränen über die Wangen. „Ich hoffe, dass Vater diesen bescheuerten Professor auf die grausamste Art der Meute vorwirft!“ „Wieso denn das?“ „Weil er mich geschlagen hat! Mit einem Regenschirm!“ Da war sein Patenonkel mehr als verwirrt: „Langsam. Was?“ „Er kam rein, weil er dachte, das wäre Sarahs Zimmer. Und dann haben wir geredet, ich habe ihm Komplimente gemacht und alles ging so schnell, ich wollte plötzlich, dass er für immer bei mir bleibt und wollte ihn beißen. Wir haben ein wenig gerangelt, auf einmal stürmte der Professor herein und hat mich mit einem Regenschirm geschlagen. Auf den Hintern.“ Da grinste der Goldblonde: „Ach, die Menschen. Immer für ein Lachen gut.“ „Du bist gemein.“ „Weiß ich doch. Ich wollte wegen Alfred mit dir reden. Du magst ihn oder?“ „Ja. Ich liebe ihn auf eine andere Art wie all die Menschen, die zuvor hier waren, bei denen ich nur ihren Blutgeruch liebte.“ „Du kannst wirklich niedlich sein.“ „Sei still, Lucasius.“ „Was ich eigentlich wollte: Du willst ihn an deiner Seite haben, richtig?“ Ein Nicken folgte. „Gut. Aber was denkst du, passiert heute Nacht?“ „Nein! Nein, sie dürfen ihm nichts tun!“ „Habe ich mir gedacht. Deshalb habe ich mir überlegt, ob du mit ihm hierbleiben willst.“ „Aber der Ball…ich mag ihn doch so.“ „Den Ball gibt es jedes Jahr, aber es gibt nur einen Alfred.“ „Ich weiß. Ich würde mich immer für ihn entscheiden, so auch jetzt. Wenn ich ihn habe, muss ich nicht wählen. Dann weiß ich, was ich will.“ „Sehr schön. Ich schicke ihn zu dir.“ „Ich könnte doch einfach mit ihm auf den Ball gehen. Solange er in meiner Obhut ist, wird niemand es wagen, ihn auch nur anzusehen.“ „Es ist zu gefährlich. Auch für dich, du weißt, wie sie sein können. Sie würden dich nur als jemanden ansehen, der zwischen ihnen und ihrer Beute steht. Sie würden dich nicht als Grafensohn respektieren, nicht, wenn sie so verhungert sind, wie dieses Jahr.“ Der Weißhaarige sah den Älteren lange an, dann seufzte er: „Also gut. Wir bleiben hier.“ „Danke, Herbert. Wenn ich deine Hilfe doch brauche, lasse ich es dir ausrichten.“

Alfred stand wie zu Eis erstarrt in dem Zimmer, sein Herz klopfte bis zum Hals. Er war von einem Goldhaarigen hier hereingestoßen worden und hatte gehört, wie von außen abgeschlossen worden war. Zitternd vor Panik sah er die ihm bekannt vorkommende Bettwäsche. Es war das Gemach, in dem er schon einmal unfreiwillig gelandet war. Das Gemach des Grafensohnes. Dieser stand am Fenster, drehte sich nun langsam zu ihm um: „Alfred. Komm her.“ „Bleib weg von mir!“, kreischte der Assistent, drehte sich um und schlug mit den Fäusten schluchzend gegen die Tür: „Lasst mich raus! Ich will heim! Ich werde nichts verraten!“ „Alfred, hör mir zu.“ Wieder näherte sich ihm der Vampir, vorsichtig, langsam. Doch es reichte, um den Studenten erneut zu erschrecken, er zuckte zurück. „Sieh zu mir“, flüsterte der Weißhaarige sanft, „ich werde dir nichts tun.“ Der Brünette schluckte, vermied jeden Augenkontakt, ging noch einen Schritt zurück, bis er mit dem Rücken an die verschlossene Tür stieß. Er saß in der Falle. „Sieh zu mir“, wiederholte Herbert. Der Braunhaarige würde am liebsten weinen, er wollte nur noch leben. Er wollte zurück nach Königsberg, in sein Leben. Er sah den Unsterblichen immer noch nicht an. „Sieh zu mir, Alfred.“ Da hob der Jüngere seinen Blick und erstarrte. Er hatte so eine Angst vor dem Wesen vor ihm, dass er wirklich daran dachte, wie dick das Fensterglas wohl war, doch plötzlich sah er die blauen Augen, die ihn freundlich anblitzten. In ihnen spiegelte sich hinter all dem Stolz ein tiefes Leiden wider, es schien sehr alt zu sein. Da fiel ihm auf, dass es hier einen Grafen und einen Grafensohn gab, aber keine Gräfin. Herbert sah ihm tief in die Augen, doch er sagte nichts mehr. Er blieb stehen, hörte auf, den Sterblichen zu bedrängen. Er musste nichts sagen, musste keinen Finger bewegen, seine Körpersprache sagte dem Menschen alles. Er erkannte sich selbst ein Stück weit in dem Untoten. Von einer zutiefst geliebten Person verlassen, verletzt und traurig. Einsam, das war das Wort, das er suchte. Und er spürte, dass der Adlige wohl auch keine glückliche Beziehung geführt hatte, wenn er denn eine gehabt hatte. Er hatte es so satt, immer zu weinen. Er hatte es satt, allein zu sein. Er wollte wieder glücklich sein. Er wollte jemanden, der ihn so ansah, wie der Erbgraf ihn gerade ansah. Voller Liebe und doch voller geteiltem Leid. Die bleiche Hand streckte sich ihm entgegen, bot ihm Halt an. Konnte er dieses Angebot annehmen? Er hatte noch nie eine Beziehung mit einem Mann geführt. Es war, als legte sich ein Schatten über ihn. Aber es war nicht dieser dunkle, kalte, furchteinflößende Schatten. Es war, als würde ein Engel mit dunklen, doch wunderschönen Flügeln ihn umarmen. Es war, als wollte die Dunkelheit ihn wärmen, ihm zeigen, dass sie besser war, als jedes Tageslicht, in dem er doch nicht glücklich geworden war. Da war es um ihn geschehen, er ließ alle Zweifel, alle Ängste fallen. Er kam hier doch nicht lebend raus, da konnte er in seinen letzten Stunden genauso gut noch einmal lieben. Er nahm die Hand des Vampirs, zuckte nicht zurück, als er die zuvor unheimliche Kälte der Haut des anderen spürte. Behutsam wurde er in einem schönen Paartanz durch das Zimmer geführt, sie hatten keine Musik, sie benötigten keine. Sie folgten dem Lied ihrer Herzen. „Lass es für immer sein“, wisperte der Ältere verträumt, als draußen beinahe die Sonne aufging. Da endete abrupt der Zauber der Nacht, Alfred erschien es, als würde er seine Besinnung zurückerlangen, er schrie auf, stieß sich von dem Weißhaarigen weg. „Wo ist der Professor?! Was mache ich hier?!“ „Alfred, bitte, lass mich nicht wieder allein sein.“ „Wo ist Professor Abronsius? Was ist mit Sarah? Was habt ihr mit ihnen gemacht? Ich konnte mich nicht einmal verabschieden…“ Schluchzend ließ er sich auf den Boden sinken. „Was seid ihr nur für herzlose Bestien“, keuchte er voller Trauerschmerz. „Wir sind keine Bestien“, erwiderte der Unsterbliche. „Ich dachte wirklich, ihr hättet Gefühle. Aber alles, was ihr fühlt, ist euer Sehnen nach Blut.“ „Nein, das stimmt nicht!“ „Ach nein? Warum wolltest du mich beißen? Du liebst nicht mich, du liebst mein Blut.“ „Nein.“ „Doch und wenn du dir was anderes einredest, bist du hoffnungslos verloren. Ihr könnt nicht anders, ihr seid verfluchte Raubtiere, sonst nichts. Der Professor hatte recht. Ihr verdient es nicht, zu existieren.“ „Alfred, das ist nicht wahr, wir sind nicht nur Raubtiere.“ „Los, saug mich einfach aus, das willst du schließlich. Ob nur unterbewusst oder nicht, es ist mir egal. Ich komme hier nicht mehr weg. Ich habe alles verloren, was mir noch etwas bedeutet hat. Du kannst mir auch noch das Letzte von Bedeutung für mich nehmen, mein Leben selbst. Tu es, trink dich satt. Töte, was du angeblich liebst. Deine verfluchte Seele kann nichts am Leben halten. Alles, was du begehrst, muss sterben. Mir hätte klar sein sollen, dass ich nicht mehr nach Königsberg zurückkomme. Vielleicht war es mir auch klar. Mich vermisst dort niemand. Den Professor wird man vermissen, aber nicht mich.“ „Ich werde dich nicht beißen“, gab der gräfliche Nachfolger zurück, „ich will dir beweisen, dass wir nicht so sind.“ „Du kannst dich kaum zurückhalten, ich seh es dir an.“ Da lief der Blonde zur Tür, schloss sie mit einem Schlüssel, den er aus einer Schublade seines Schreibtisches holte, auf: „Geh. Du stehst unter meinem Schutz. Zudem ist der Tag angebrochen, kein Vampir wird mehr unterwegs sein.“ Der Braunhaarige riss die Augen auf und sah den anderen verängstigt an, er sprang hoch und stürmte aus dem Gemach, ließ ein zutiefst gebrochenes Herz zurück, von dem er noch nichts ahnte.
 
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