Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The Longing (Halfdan x OC)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character)
10.08.2021
14.01.2022
21
43.464
11
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.08.2021 2.612
 
Es regnete immer noch. Ida war dem Seher sehr dankbar, nicht nur für seine Antworten oder für die Halskette. Er schenkte ihr auch eine Wolldecke, die sie fest um ihren Oberkörper zog. Eine Weile stand Ida einfach nur im Wald und genoss die beruhigende Atmosphäre, den Geruch von frisch gefallenem Regen und das Geräusch von Regentropfen auf Blättern. Ida wollte nicht zurück ins Dorf gehen. Wer weiß, was dann mit ihr geschehen würde? Aber der Seher hatte ihr klargemacht, dass sie, wenn sie mehr Antworten wollte, diese im Dorf finden würde. Alles in ihr sträubte sich dagegen. Aber auf eine nicht greifbare Weise glaubte sie dem Seher. Sie stellte keine seiner Aussagen in Frage. War das klug? Wahrscheinlich nicht. Ida atmete noch einmal tief durch, dann machte sie sich widerwillig auf den Weg zurück ins Dorf. Schneller als erwartet, erreichte sie das Dorf. Ein paar Dorfbewohner bemerkten sie. "Ist das nicht die neue Sklavin von Ari?", fragte eine Frau eine andere. Eine alte Frau mit dem längsten grauen Haar, das Ida je gesehen hatte, antwortete mit einem frechen Grinsen. "Ja, aber das kleine Küken ist ihm weggelaufen." Es war irgendwie seltsam, aber auch sehr erleichternd für Ida, die Menschen jetzt verstehen zu können. Die jüngere Frau zog die Augenbrauen zusammen. "Warum kommt sie dann zurück?" Ida ging an den Frauen vorbei, die sie von Kopf bis Fuß beäugten. Von weitem sah Ida den alten Mann, den die Frauen Ari nannten, wütend auf sie zustampfen. Ida blieb stehen, weil sie nicht genau wusste, was sie jetzt tun sollte. Zitternd holte sie tief Luft.

"Dumme Sklavin!", sagte er wutentbrannt und packte sie grob am Nacken. Sklavin? Ida war eine Sklavin? Das konnte doch nicht wahr sein! "Ich sollte dich an die Leine nehmen wie einen Hund!" Er öffnete die Tür des kleinen Hauses und stieß Ida grob hinein. Mit einem lauten Knall schloss er die Tür hinter sich und stellte sich vor Ida auf. "Das wirst du nicht noch einmal wagen", sagte er drohend. "Und was ist das hier eigentlich, hm?" Er zeigte auf die Decke, die er Ida um die Schultern gelegt hatte, und zog sie von ihr weg. "Die hast du gestohlen, ja?" Ida war unfähig, etwas zu sagen. Sie war sich auch nicht sicher, ob es klug gewesen wäre, diesem Kerl überhaupt etwas zu sagen. Der Mann drehte Ida wütend um, so dass sie mit dem Rücken zu ihm stand. Mit Gewalt drückte er ihren Kopf nach unten, so dass sie sich nach vorne beugen musste. Panik stieg in Ida auf. "NEIN!" Der Mann lachte kühl. "Ja, das lernt ihr Sklaven immer schnell. Nein, bitte, habt Erbarmen." Ida sah nicht, was es war, aber der Mann schlug mit etwas Hartes auf sie ein. Wieder und wieder. Ida sackte vor Schmerz auf die Knie. Tränen brannten heiß in ihren Augen. Noch mehr Schläge und Ida hatte das Gefühl, ihr Rückgrat würde brechen. Ein Klopfen an der Tür ließ den Mann innehalten. Er murmelte etwas Unverständliches, dann zog er Ida grob hoch. "Setz dich in die Ecke und mach keinen Mucks!", befahl er ihr. Ida kauerte sich in die Ecke und weinte leise. Der Mann öffnete die Tür und sein Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. "Königin Aslaug... " "Darf ich reinkommen, Ari?" hörte Ida eine Frauenstimme sagen. Der Mann trat ein Stück von der Tür weg und ließ die Frau in sein Haus. Ida erkannte sie. Es war die Frau, die auf einem der thronartigen Stühle in dem großen Holzhaus gesessen hatte.
"Was kann ich für Euch tun, Königin Aslaug?" Die Königin lächelte den Mann an, bevor sie sprach. "Ich würde mir gerne Euren neuen Sklaven für heute Abend ausleihen." Ari war sehr überrascht. "Meinen neuen Sklaven? Warum, wenn ich fragen darf?" "Wir geben heute Abend ein Willkommensmahl für Harald Schönhaar und seinen Bruder Halfdan den Schwarzen. Dafür wollte ich die schönsten Sklaven haben, die es gibt." Der Mann nickte zustimmend. "Ja, ich gebe dir gerne meine Sklavin dafür. Ihr müsst nur vorsichtig sein. Sie ist mir heute schon davongelaufen." Doch Aslaug winkte nur ab. "Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wo ist sie?" Ari deutete in die Richtung, in die sich Ida zurückgezogen hatte. Als der Blick der Königin auf Ida fiel, sah sie streng zu dem Mann hinüber. "Ari, du enttäuschst mich. Muss ich dich daran erinnern, dass es bei uns ein Gesetz gibt, das besagt, dass man seine Sklaven ordentlich kleiden muss?" Offensichtlich hatte der Mann mit dieser Aussage nicht gerechnet. "Ich... ähm... Verzeiht mir, Königin Aslaug. Ich bin noch nicht dazu gekommen." Aslaug ignorierte den Mann, ging auf Ida zu und hockte sich zu ihr hin. "Wir haben uns noch nicht richtig vorgestellt. Ich bin Königin Aslaug...", sie deutete mit ihrer Hand auf sich selbst. Dann deutete sie mit der Hand auf Ida. "Und wie ist dein Name?" Ida blickte von ihrer Hand auf das Gesicht von Königin Aslaug. Auf den ersten Blick wirkte sie freundlich, aber etwas störte Ida an ihr. "Ida." Königin Aslaug lächelte. "Nun, nun. Immerhin versteht sie doch unsere Sprache." Ida nickte. "Gut, Ida, dann verstehst du auch, warum ich hier bin?" Wieder nickte Ida stumm. Königin Aslaug richtete sich wieder auf und war zufrieden. "Du holst ihr ein paar Kleider und dann bringst du sie zu mir, verstanden?", wandte sie sich an Ari, der ebenfalls stumm nickte. Ohne ein weiteres Wort verließ die Königin wieder das Haus.

Später am Tag brachte Ari Ida zurück in das große, lange Holzhaus. Wie Aslaug es angeordnet hatte, hatte Ari zuvor Kleidung für Ida besorgt.  Erstaunlicherweise passten die Kleider Ida sogar recht gut. Sie trug jetzt ein weißes Leinenkleid mit einem kurzen dunkelgrauen Überkleid, das an den Seiten zusammengebunden war. Dazu trug sie schwarze Wildlederstiefel, die aber sehr unbequem an ihren Füßen waren. Es waren mehrere junge Frauen im Haus, die ähnlich schlichte Kleider trugen wie Ida. Aslaug wartete bereits auf sie. "Danke, Ari. Ich übernehme ab hier." Und so ging Ari wieder und ließ Ida bei Aslaug zurück, die Ida musterte. "Ich glaube, die Männer werden dich heute Abend mögen", sagte sie mit einem Lächeln, und Ida war sich nicht sicher, ob sie sich darüber freuen sollte. Dann ließ Aslaug sie einfach stehen und ging, um mit einer anderen jungen Frau zu sprechen. Etwas unschlüssig stand Ida nun da und wusste nicht, was sie tun sollte. Eine junge Frau, etwa in Idas Alter, kam auf sie zu. "Ich habe dich hier noch nie gesehen. Du bist neu hier, was?" Die Haare der Frau waren dunkelbraun, ihre Augen eine Mischung aus Braun und Grün. Es war eine schöne Augenfarbe, dachte Ida. Nicht wie ihre eigenen grauen Augen. Auf ihre Frage antwortete Ida mit einem Nicken. "Mein Name ist Celia", stellte sie sich freundlich vor und drückte Ida einen gefüllten Krug in die Hand. Ida sah auf den Krug hinunter und ein muffiger Geruch stieg ihr in die Nase. Celia musste ihren Unmut bemerkt haben und lachte. "Das ist Walöl für die Feuerschalen. Wir bereiten die Halle für das Fest heute Abend vor." Celia führte Ida zu einer Stelle, an der eine Kupferschale hing, nahm sie herunter und hielt sie Ida hin, damit sie sie füllen konnte. "Wie ist dein Name?" fragte Celia neugierig. "Ida." Celia lächelte. "Schön, dich kennenzulernen, Ida."

Während der gesamten Vorbereitung war Celia an ihrer Seite und redete mit ihr. Ida empfand das nicht als störend, es lenkte sie von allem ab, was ihr in der kurzen Zeit hier im Dorf widerfahren war. Sie fühlte sich nur ein wenig schlecht, da sie selbst kaum sprach. Das Fest war bereits in vollem Gange und die Leute amüsierten sich sichtlich. Zuvor hatte ein König namens Ragnar eine Rede gehalten. Soweit Ida verstanden hatte, wurde dieses Fest gefeiert, weil  besondere Brüder mit ihnen auf einen Raubzug nach Paris segeln würden. Ida stand mit einem mit Met gefüllten Krug versteckt im Schatten und wartete auf ihr Einsatzzeichen. Ihre Aufgabe war es, die leeren Hornbecher der Männer und Frauen nachzufüllen. Celia gab ihr den Tipp, während des Wartens im Schatten zu bleiben, damit die betrunkenen Männer nicht auf dumme Gedanken kämen. Außerdem erklärte Celia ihr, dass, wenn die Leute sich in alle Richtungen umsahen, dies normalerweise ein Zeichen dafür war, dass ihre Hornbecher leer waren. Ida war sehr dankbar für diese Information. Sonst wäre sie wahrscheinlich die ganze Zeit zwischen den Leuten herumgelaufen, um zu sehen, wer etwas zu trinken brauchte. Das Fest dauerte schon ein paar Stunden, und Idas Rückenschmerzen wurden immer schlimmer. Dann bemerkte Ida einen Mann, der sich umsah. Ida machte sich sofort auf den Weg zu diesem Mann. Der Mann hatte langes, dunkles, nach hinten geflochtenes Haar und einen Vollbart. Er trug eine rote Tunika, und je näher sie ihm kam, desto deutlicher konnte Ida die Tätowierungen in seinem Gesicht erkennen. Eine weitere Person mit Tätowierungen im Gesicht. Ida dachte sofort an den tätowierten Mann mit den kalten, dunklen Augen. Als der Mann Ida mit dem Krug in ihren Händen sah, grinste er breit.

Ida schenkte wortlos den Met in den Hornbecher des Mannes ein, war sich aber bewusst, dass der Mann sie genau beobachtete. Ida wollte gerade wieder in ihrer schattigen Ecke verschwinden, als der Mann sie am Arm packte und wieder an sich zog. "Bleib noch ein bisschen, meine Schöne. Wie ist dein Name?" Ida schluckte ihre Nervosität hinunter. "Mein Name ist Ida." "So, so. Schöne Frau, schöner Name.", lachte er. "Ich bin Harald Schönhaar", sagte er, als ob Ida diesen Namen kennen müsste. Er schien auf eine Reaktion zu warten. Ida lächelte ihn einen Moment lang schüchtern an. Er legte eine Hand auf Idas Rücken, woraufhin sie sich sofort verkrampfte. "Nicht so schüchtern, meine Hübsche." Er beugte sich ein wenig vor und sah Ida in die Augen. "Ich möchte, dass du mich heute Nacht in meinem Bett wärmst." Ida verstand sofort, was er meinte. "Nein." Harald lehnte sich wieder ein wenig zurück, mit einem verwirrten Gesichtsausdruck. "Nein?" Ida hörte, wie jemand neben ihr leise lachte. Ida blickte zur Seite und erstarrte. Auf der anderen Seite des Tisches saß der tätowierte Mann mit den beängstigend dunklen Augen. Regungslos starrte er sie an. Ein Schauer lief Ida über den Rücken. Wie kann jemand einen so kalten Blick haben? Ida war zunächst etwas verwirrt, sagte dann aber wieder mit Nachdruck "Nein" zu Harald und verschwand schnell wieder in ihrer schattigen Ecke.

Obwohl Celia sie noch nicht lange kannte, schien sie sofort zu merken, dass mit Ida etwas nicht stimmte. "Stimmt etwas nicht?" "Irgendein Harald Schönhaar wollte, dass ich mit ihm schlafe", sagte Ida. Celias Augen wurden groß. "Und, was hast du gesagt?" Ida sah sie ein wenig verwirrt an. "Nein, natürlich." Celia hob überrascht die Augenbrauen. "Was, wirklich?" Ida runzelte die Stirn. "Hättest du Ja gesagt?" Celia sah sich schnell um, bevor sie weitersprach. "Nun, manche Frauen würden dafür brennen, eine Nacht mit ihm zu verbringen. Außerdem ist es sehr mutig von dir als Sklavin, dich einem König zu widersetzen. Mutig oder dumm." Dann ging Celia, um wieder in ein paar Hornbecher einzuschenken. Ida dachte über Celias Worte nach. Würde ihr Handeln weitere Konsequenzen nach sich ziehen? Ida sah zu den beiden Männern hinüber und begegnete erneut dem kalten Blick des blonden Mannes, der sie über den Rand seines Hornbechers hinweg ansah. Warum beobachtete er sie? Dann gab er ihr zu verstehen, dass er mehr Met wollte. Ida stöhnte innerlich auf. Sie wollte nicht zu den beiden Männern zurückkehren. Sie atmete lange aus, dann ging sie zurück zum Tisch.

Ida wollte gerade Met in den Hornbecher füllen, als ein betrunkener Mann sie von hinten anrempelte und die Hälfte des Metes auf den Tisch schüttete.  Erschrocken schnappte Ida nach Luft. "Tut mir leid, ich..." Der betrunkene Mann legte seine Hände um ihre Hüften und drängte sich näher an Ida heran, als ihr lieb war. Schneller, als Ida gucken konnte, stand der blonde, tätowierte Mann auf und setzte dem Betrunkenen einen Dolch (woher hatte er den auf einmal?) an die Kehle. Der Betrunkene ließ abrupt von Ida ab. "Was machst du da, Mann?" "Wenn du dich so mit ihr anlegst, kriege ich keinen Met", sagte der Blonde mit kalter Stimme. Meine Güte, dachte Ida, nur wegen des beschissenen Metes tat er das? Er sah Ida wieder an und deutete wortlos an, dass sie ihm jetzt einschenken sollte. Aus ihrer Starre erwacht, schüttete Ida mit zitternden Händen den Met in den Hornbecher. Die Spannung, die in der Luft lag, war spürbar. Harald saß derweil einfach auf seinem Platz, trank seinen Met und beobachtete die Situation mit einem Lächeln. Idas Herz klopfte wie wild. Es würde sie nicht wundern, wenn es noch jemand gehört hätte. Als sie mit dem Einschenken fertig war, drehte sie sich sofort um und ging mit schnellen Schritten davon. Ida bemerkte jedoch, dass der Blondschopf den Dolch erst von der Kehle der Betrunkenen nahm, als sie sicher in ihrer Ecke stand. Als Celia sich ihr näherte, fragte sie: "Weißt du, wer der andere Mann an König Haralds Tisch ist?" Celia schaute sich an dem Tisch um, bevor sie sprach. "Oh ja, das ist Halfdan der Schwarze, sein Bruder, warum?" "Na ja, er macht mir Angst." Cesia lachte. "Es würde mich überraschen, wenn er das nicht täte. Nach dem, was ich über ihn gehört habe, sollte jede Frau Angst vor ihm haben."

________________________________________________________________________________

(Halfdan's Perspektive)

Königin Aslaug setzte sich zu Harald und Halfdan an den Tisch. Sein Bruder begrüßte sie. "Königin Aslaug, wie schön, dass Ihr uns Gesellschaft leistest." Aslaug lächelte. Ein falsches Lächeln, eine Frau wie jede andere. Sie langweilte ihn.  Halfdan trank einen großen Schluck von seinem Met, während die Königin sprach. "Ich hoffe, Ihr genießt das Festmahl." Harald nickte. "Oh ja, es könnte nicht besser sein." An der Art, wie Königin Aslaug seinen Bruder ansah, erkannte Halfdan sofort, dass sie ihm nicht traute. Trotzdem setzte sie wieder ein falsches Lächeln auf und sprach: "Oh, dann wird es Euch sicher freuen, dass wir Euch als Gastfreundschaft für euren Aufenthalt in Kattegat jeweils einen Sklaven eurer Wahl zur Verfügung stellen werden." Harald schaute zu Halfdan und dann wieder zu Aslaug und lachte. "Ihr habt recht, ich bin sehr froh, das zu hören." Aslaug machte eine ausschweifende Geste. "Also, schaut Euch um. Wer soll es sein?" Harald nickte Halfdan zu. "Nur zu, Bruder." Halfdan nahm ruhig einen weiteren Schluck von seinem Met, doch sein Blick wanderte zu der Blondine mit den grauen Augen, die weit entfernt in einer Ecke stand.  "Sie", sagte er einfach und deutete mit dem Kopf in ihre Richtung. Harald drehte sich um, um zu sehen, wen sein Bruder meinte. Leicht lächelnd sah er Halfdan wieder an. "Gute Wahl, mein Bruder." Halfdan hörte nicht mehr zu, für welche Frau sein Bruder sich entschieden hatte. Seine Aufmerksamkeit galt dem blonden Mädchen, das sich als Ida vorstellte. Irgendetwas an ihr war anders als bei anderen Frauen. Er konnte nur noch nicht sagen, was es war.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast