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The Longing (Halfdan x OC)

von xLisax
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character)
10.08.2021
17.11.2021
16
32.620
7
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Dieses Kapitel
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10.08.2021 2.568
 
Seufzend rieb sie sich mit einer Hand die Stirn, während sie mit der anderen das Lenkrad ihres Autos fest umklammerte. Ein weiterer typischer Arbeitstag im Büro war vergangen. Ihre Kollegen baten sie um einen Gefallen, den Ida natürlich erfüllte. Doch am Ende des Tages ärgerte sich Ida über sich selbst. Sie wusste sehr wohl, dass ihre Kollegen nur deshalb zu ihr kamen, weil sie keine Lust hatten, die Dinge zu tun, die sie Ida aufbürdeten. Sie war die stille Maus im Büro, so etwas konnte man mit ihr machen. Ida hatte es satt. Warum kann ich nicht einfach nein sagen, dachte sie. Mit diesem Gedanken fuhr sie den Weg zu ihrem Lieblingsplatz, zu den Klippen, die mehrere Meter über das Meer ragten. Es dämmerte bereits, aber Ida machte das nichts aus. So konnte sie sicher sein, dass keine anderen Menschen dort waren und sie ganz für sich war.

Die Wellen schlugen wild gegen die Klippen, was Ida zunächst verwunderte, da es überhaupt nicht windig war, aber dann dachte sie nicht weiter darüber nach. Das wilde Rauschen des Meeres entspannte sie. Mit angezogenen Knien saß sie auf dem Boden und blickte auf das tobende Meer hinaus. Ida strich sich ihr blondes Haar hinter die Ohren und war in Gedanken versunken. Vielleicht war es an der Zeit, sich einen neuen Job zu suchen?  Nein, sie musste einfach lernen, sich durchzusetzen. Ein lautes Brummen weckte sie aus ihren Gedanken. Ida schaute in den Himmel. Sollte es ein Gewitter geben? Das war ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Ein weiteres Grummeln war zu hören, diesmal lauter. Ida beschloss, zurück zu ihrem Auto zu gehen und nach Hause zu fahren. Sie war bereits aufgestanden und wandte dem Meer den Rücken zu, als sie ein seltsames Gefühl überkam. Ein Gefühl, dass sie nicht gehen sollte. Ida war ein wenig verwirrt von diesem Gefühl und drehte sich wieder zum Meer hin. Sie wusste nicht, warum, aber sie ging bis zum Rand der Klippe. Ihr Herz klopfte wie wild in ihrer Brust.  Was war nur los mit ihr? Es grummelte laut über Idas Kopf. Sie blickte auf und im nächsten Moment zuckte ein Blitz in ihre Richtung. Es geschah so schnell, dass sie nichts dagegen tun konnte. Sie spürte jedoch keinen Schmerz. Sie merkte noch, wie sie vorwärts die Klippe hinunterfiel, bevor vor ihren Augen alles schwarz wurde.
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Mit einem Ruck wachte sie auf und spuckte einen Schwall Wasser aus. Ida war vom Kopf bis zu den Füßen völlig durchnässt. Sie lag am Ufer einer Bucht und wusste zunächst nicht, wie sie dorthin gekommen war. Aber als ihre Erinnerungen langsam zurückkamen, überprüfte sie eilig ihren ganzen Körper. War das möglich? Konnte man einen Blitzeinschlag und einen Sturz von den Klippen so unbeschadet überstehen? Ida schaute sich weiter um. Zu ihrer Rechten befanden sich mehrere Anlegestellen, an denen kleine Holzboote befestigt waren. In der Ferne hörte sie Stimmen, aber sie konnte den Sinn der Worte nicht verstehen. Ida stützte sich auf dem nassen Boden des Ufers ab, schaute auf und blickte direkt in die großen Augen eines jungen Mädchens. Das Mädchen stand vielleicht ein oder zwei Schritte von Ida entfernt und starrte auf sie herab. Das Mädchen hatte längeres hellblondes Haar und trug ein Kleid, das Ida nur aus Filmen kannte. Es bestand aus einem weißen Unterkleid und einem rostroten Oberkleid, das mit einem verzierten Band um die Taille des Mädchens gebunden war. Der Saum ihres Kleides und auch ihre Nase waren leicht verschmutzt. Ida richtete sich weiter auf und lächelte das Mädchen an. "Hallo, Kleine. Kannst du mir sagen, wo ich bin?" Das Mädchen machte jedoch nur einen Schritt zurück und sah plötzlich sehr unsicher aus. Ida hob sofort beschwichtigend die Hände. "Ich will dir nicht wehtun, ich will nur ..." Doch da war das Mädchen schon weggelaufen. "Móðir!, Móðir!, Móðir!" (Mutter!, Mutter, Mutter!), rief das Mädchen, während es eilig davonlief. Ida sah dem Mädchen verwirrt nach. Was hatte sie gesagt? Ida konnte es nicht verstehen. In diesem Moment bemerkte Ida, dass es nicht weit vom Ufer entfernt ein Dorf gab. Es sah sehr altmodisch aus, fast wie eine Filmkulisse für einen Wikingerfilm oder etwas Ähnliches. Das würde zu dem Kleid des Mädchens passen. War sie am Ende wirklich auf einer Filmkulisse gestrandet? Mit einer kreisenden Bewegung ihres Kopfes versuchte Ida, ihren schmerzenden Nacken zu entspannen, dann folgte sie dem Mädchen.

Ida war ein paar Meter näher an das Dorf herangekommen, als sie das Mädchen wieder sah, das seine Mutter am Ärmel zerrte und in Idas Richtung deutete. Die Mutter, aber auch andere Leute aus dem Dorf schauten Ida mit erstaunten, aber auch skeptischen Augen an. Dann kam ein Mann auf sie zu. Er war gekleidet wie das Mädchen, passend zum Flair des Dorfes. Er trug eine sandfarbene Tunika mit orangefarbenen Ornamenten, die auf den Saum gestickt waren. Dazu trug er eine bauschige Hose, die sandfarben und blassblau gestreift war. Um seine Hüfte war ein dunkelbrauner Ledergürtel geschnallt, dessen Enden mit Gold beschlagen waren. Der Mann selbst hatte eine Glatze und trug einen rötlichen Vollbart. Als er ein paar Schritte vor Ida zum Stehen kam, musterte er sie aus leicht zusammengekniffenen Augen. "Hverr ert þú, þá?" (Wer bist du?) Ida blinzelte überrascht. Was war das für eine Sprache? "Ähm ... Können Sie Englisch sprechen?" Die Miene des Mannes verhärtete sich und mit großen Schritten kam er weiter auf Ida zu. Ida lächelte unsicher. Was wollte der Mann? Der Mann packte Ida grob im Nacken und drängte sie in Richtung des Dorfes. Ida keuchte entsetzt auf und versuchte, sich zu befreien, was den Mann veranlasste, sie noch fester zu packen. "Lass mich los!"

Der Mann schob sie durch das Dorf.  Die Dorfbewohner sahen sie neugierig an. Ida war völlig perplex. Warum tat der Mann das und warum griff niemand ein? Der Mann führte Ida in ein großes, langes Holzhaus. In der Mitte eines großen Raumes brannte eine große Feuerstelle. Es war staubig und stickig. Der Mann stand mit Ida vor zwei thronartigen Stühlen, auf einem davon saß eine Frau mit langem, gewelltem Haar. Ida konnte in dem schummrigen Licht jedoch nicht erkennen, ob es sich um eine Blondine oder eine Rothaarige handelte. "Gunnar, hver er konan?" (Gunnar, wer ist diese Frau?), sagte die Frau auf dem Thron. "Minn dóttir kona á bakki finna." (Meine Tochter hat die Frau am Ufer gefunden.), sagte der Mann. "Kona kveða ekki tunga." (Diese Frau spricht unsere Sprache nicht.) Die Frau beäugte Ida neugierig. "Eins og hún lítur út er hún ekki heldur héðan." (So wie sie aussieht, ist sie nicht von hier.) Ida stand einfach regungslos neben dem Mann und wünschte, sie könnte verstehen, worüber sie sprachen. Die katzenartigen Augen der Frau machten sie nervös. "Hvat vilja þú núna gera með henni?" (Was wirst du jetzt mit ihr machen?) Die Frau sah den Mann an. Der Mann schien einen Moment lang zu überlegen, was er antworten sollte. "Ek henni selja langar að þræll." (Ich will sie als Sklavin verkaufen.) Die Frau lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und dachte nach. Aber dann nickte sie. "Það er í raun synd fyrir svona fallegt andlit. Synir mínir myndu örugglega vilja það, en já, ég mun gefa þér rétt til að selja það." (Es ist wirklich eine Schande um ein so schönes Gesicht. Meinen Söhnen würde sie sicher gefallen, aber ja, ich werde dir das Recht geben, sie zu verkaufen.) Der Mann lächelte auf. "Þakka þér kærlega fyrir." (Vielen Dank.)

Nachdem sie das Haus verlassen hatten, legte der Mann Ida einen Strick um den Hals und präsentierte sie auf einer Art Marktplatz wie ein Pferd. Ida wollte das nicht, sie hasste es, von Menschen angestarrt zu werden. Ida versuchte auch, sich zu befreien, aber dann zog der Mann den Strick einfach fester um ihren Hals und sie wusste, dass sie keine Chance dagegen hatte. "Jæja, hver myndi vilja þá?" (Na, wer will sie denn?), rief der Mann lachend in die Runde der versammelten Menschen. Wo war sie nur hineingeraten? Vielleicht war sie wegen des Blitzeinschlags im Krankenhaus und das alles war nur ein böser Traum? Ein Traum, der viel zu real zu sein schien. Ida versuchte, die Gespräche um sie herum zu ignorieren, sie konnte sowieso nichts verstehen. Dann erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Nein, nicht etwas, sondern jemand. Zwei Männer schritten an der versammelten Menge vorbei. Einer von ihnen schaute zu ihr hinüber, direkt in ihre Augen. Er hatte blondes Haar, das die Hälfte seines Gesichts bedeckte. Die Haare an den Seiten waren fast kahl rasiert. Was Ida von seinem Gesicht sah, war tätowiert oder bemalt. Aber was Ida in diesem Moment am meisten auffiel, waren die dunklen Augen, die sich in sie zu brennen schienen. Sein Blick erschreckte sie und verursachte eine Gänsehaut auf ihrem ganzen Körper. Es war nur ein kurzer Moment, aber für Ida kam es ihr wie eine Ewigkeit vor, bis der tätowierte Mann seinen Blick wieder von ihr abwandte. Was für ein unheimlicher Kerl. Ein kräftiger Ruck am Seil brachte Ida ins Straucheln. Ein pummeliger älterer Mann hielt das Seil in seinen Händen. "Komdu, þú ert mín núna." (Komm schon, du gehörst jetzt mir.)

Der Mann führte Ida zu einem kleinen rustikalen Holzhaus. Sobald sie das Haus betreten hatten, betatschte der Mann Ida. "Nein! Halt!" Aber der Mann hörte nicht auf. Er zerrte an Idas Hemd, als sie sich von ihm losreißen konnte. Schwer atmend starrte sie den Mann an. Sein Gesichtsausdruck war von Wut erfüllt. "Heimsk kona!" (Dummes Mädchen) Schneller als Ida reagieren konnte, packte er sie am Hals und stieß sie gegen die Wand. Mit einem lauten Geräusch wurde ihr Hemd aufgerissen und sie stand in ihrem BH vor dem alten Mann. Der Mann begann, ihren Hals zu küssen. Tränen des Ekels, der Wut und der Hilflosigkeit liefen Ida über die Wangen. Mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, stieß sie ihn von sich und verpasste ihm einen Tritt zwischen die Beine, dann rannte sie, so schnell sie konnte, aus dem Haus und noch weiter.

Ida rannte durch einen Wald. In der Zwischenzeit hatte es stark zu regnen begonnen, so dass Ida wieder völlig durchnässt war und vor Kälte zitterte. Irgendwann war sie an ihre Grenzen gestoßen und sackte keuchend und weinend auf die Knie. Ida wusste nicht, wie lange sie so auf dem Waldboden kauerte, aber irgendwann bemerkte sie aus dem Augenwinkel etwas. Es war eine kleine, urige Hütte. Sie schien verlassen zu sein. Ida beschloss, hineinzugehen, um sich vor dem Regen zu schützen und vielleicht ein wenig abzutrocknen. Die Tür öffnete sich mit einem Knarren. Ida schloss die Tür hinter sich, lehnte sich mit geschlossenen Augen dagegen und atmete tief ein. "Ich habe mich schon gefragt, wann du zu mir kommen würdest", hörte sie plötzlich eine raue Stimme sagen. Erschrocken öffnete Ida ihre Augen und starrte in die Hütte. "Wer ist da?" Die Stimme lachte. "Komm näher, dann wirst du mich sehen." Vorsichtig folgte Ida der Stimme. Erst jetzt bemerkte sie Knochen und andere Dinge, von denen sie nicht genau wissen wollte, was sie waren, von der Decke hängen. Und dann sah sie jemanden auf dem Boden sitzen, in einen schwarzen Mantel gehüllt. Das Gesicht lag im Schatten. "Wer bist du?" "Ich habe viele Namen, aber hier nennt man mich den Seher. Setz dich zu mir, Ida, Liebste der Götter." Ida zögerte. "Woher kennst du meinen Namen?". "Ich weiß, dass du viele Fragen hast, und ich werde sie dir beantworten. Die Götter erlauben dir viele Dinge." Nach einem letzten Zögern trat sie näher an den Mann heran, versuchte aber, ihre Blöße mit den Armen zu bedecken. Er lachte wie ein heiserer alter Mann auf. "Du brauchst dich vor mir nicht zu schämen, Mädchen. Ich sehe dich so, wie die Götter dich haben wollen."

Nachdem Ida sich ebenfalls auf den Boden gesetzt hatte, die Arme immer noch über der Brust verschränkt, bemerkte sie mit Erstaunen etwas. "Du sprichst meine Sprache." Es war keine Frage, dennoch antwortete der fremde Mann. "Wenn du mir genau zuhörst, spreche ich die Sprache von allen." Der Mann hob den Kopf. Ida konnte nun sein Gesicht sehen und zog scharf den Atem ein. "Was ist los? Bin ich nicht hübsch genug, um Ihre Fragen zu beantworten?" Ida wusste im ersten Moment nicht, was sie sagen sollte. "Ähm ... Nein, ich ... Ich habe nur nicht ... erwartet ..." Sie ließ den Satz unvollendet und der Seher lachte und nickte. "Träume ich das alles?" "Träumen? Keineswegs. Du selbst hast die brutale Realität gespürt, nicht wahr?" Ida schluckte schwer. Er hatte wahrscheinlich recht. "Wo bin ich also?" "Du bist im Kattegat", lautete die knappe Antwort. Ida hatte noch nie von einem Ort mit diesem Namen gehört. Sie dachte einen Moment lang nach. "Du sagtest, du könntest mir alle meine Fragen beantworten?" Der Seher nickte. "Warum bin ich hier?" "Es ist der Wille der Götter, Ida. Du bist aus einem ganz bestimmten Grund hier." Irritiert legte Ida ihre Stirn in Falten. "Aus welchem Grund?" Der Seher zeigte mit einem seiner blassen Finger auf Ida. "Das, Ida, Liebste der Götter, musst du selbst herausfinden." Ida atmete geräuschvoll aus. Wie sollte sie denn so etwas herausfinden? Von welchen Göttern sprach er überhaupt? Als könnte er ihre Gedanken lesen, sagte er: "Du wirst den Göttern noch früh genug begegnen und dann wirst du es verstehen." Ida biss sich auf die Unterlippe. "Warum bist du dir so sicher, dass irgendwelche Götter mich hierher gebracht haben? Ich glaube doch selbst nicht an irgendwelche Götter." Der Seher hob warnend eine Hand. "Es ist nicht klug, die Götter zu verärgern, wenn sie auf deiner Seite sind, Ida. Aber lass mich dir eine Frage stellen. Du wurdest vom Blitz getroffen, nicht wahr?" Ida schaute den Mann erstaunt an. "Wie ..." Der Seher grinste wissend. "Die Götter haben es mich vor einiger Zeit sehen lassen." Ida war schockiert. Sollte es also wirklich wahr sein? Gab es diese Götter, von denen der Seher sprach, wirklich? Ida war nicht leichtgläubig, aber so etwas zufällig richtig zu beantworten, war mehr als nur unwahrscheinlich. Das raue Husten des Sehers weckte sie wieder aus ihren Gedanken.

"Habe ich das richtig verstanden, dass ich jetzt hier leben muss, weil irgendwelche Götter es wollen?"  Der Seher nickte. "Aber wie soll ich mich hier zurechtfinden? Ich kenne hier nichts und niemanden, niemand spricht meine Sprache, noch kann ich die ihre verstehen. Und ich werde wie Dreck behandelt." sagte Ida in einem aufgebrachten Ton. "Es gibt für alles eine Zeit, Ida. Alles hat seine Zeit. Aber die Götter sind dir wohlgesonnen und wollen, dass ich dir das gebe." Etwas zittrig streckte er Ida seine Hand entgegen. An seiner Handfläche hing ein kleines bronzenes Herz an einem dunklen Lederband. Vorsichtig nahm Ida die Halskette und betrachtete sie genauer. "Die Halskette ist für mich?" Der Seher nickte. "Wenn du sie trägst, kannst du mit anderen sprechen, wie wir es tun, und die Kette wird dir in dunklen Zeiten den Weg weisen."
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