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Unyx' Kurzgeschichten/One-Shots (Wünsche)

von Unyx99
Kurzbeschreibung
SammlungRomance, Freundschaft / P16 / MaleSlash
10.08.2021
13.12.2021
41
171.933
20
Alle Kapitel
116 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
10.08.2021 3.838
 
Ein Wunsch von Schnaddi3008 <3

Der Wunsch war das Pairing Max Verstappen/Mick Schumacher, ob als Liebespaar oder Freundschaft, woraus ich dann das hier gemacht habe.
Bedanken möchte ich mich auch bei BwoahForWhat, die mir bei der Idee für einen Teil hiervon geholfen hat.

Dies ist der erste von zwei Teilen des One-Shots, der zweite folgt dann morgen oder übermorgen :)

Ich hoffe es gefällt euch und vor allem Schnaddi3008 <3

Ich habe noch einige weitere Wünsche bekommen, um die ich mich früher oder später kümmern werde. Weiter dürft ihr mir aber jederzeit schreiben, ich würde mich freuen!

Edit: Disclaimer für die ganze Sammlung: Ganz vergessen - selbstverständlich ist alles, was ich hier schreibe, pure Fiktion und hat nichts mit der Realität zu tun, genauso wie die literarischen Charaktere nicht mit den realen Personen identisch sind. Ich kenne keine dieser Personen persönlich und möchte niemandem zu nahe treten. Auch verdiene ich kein Geld mit dieser Geschichte.






Sonntag 18.7.2021, Silverstone

Gelb in Kurve 9, gelb in Kurve 9!
Es waren zunächst Worte, wie er sie vielleicht dutzend Mal an einem Rennwochenende hörte und zumeist waren sie kein grösserer Grund zur Beunruhigung. Wurde ihm zumindest immer wieder gesagt. Bei ihm selbst lösten genau diese Worte ja irgendwie schon jedes Mal einen klitzekleinen Herzinfarkt aus. Was man ihm oft auch anhörte, wenn er dann erstmal fast panisch fragte, was passiert sei und wissen wollte, ob alle okay waren.
So war es auch dieses Mal. Er hatte selber nichts von einem Unfall mitbekommen, was wohl hiess, dass, was auch immer geschehen war, weiter vorn stattgefunden hatte. Ein Teil von ihm wollte schon die üblichen Fragen stellen, doch er dachte an Günther, der ihm an diesem Morgen noch gesagt hatte, er solle versuchen, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Und er wusste ja eigentlich, dass Gary ihn über alles Wichtige informieren würde.
Auch als sein Engineer ihm Sekunden später mitteilte, dass es Safety-Car geben würde, hielt Mick an seinem Vorsatz fest. Obwohl das nun immer schwieriger wurde.
Er versuchte, sich erstmal auf sich selbst und das Auto zu konzentrieren und fragte Gary nach dem Zustand seiner Bremsen. Der Engineer beantwortete seine Frage und das ganze technische Gelaber, das folgte, beruhigte ihn irgendwie ein wenig. Lenkte ihn von der Sorge und der Angst ab.
Aber es konnte nicht so wirklich ernst sein, oder? Sonst wäre bestimmt schon eine rote Flagge gekommen.
Okay, Verstappen ist aus dem Auto raus.
Aus irgendeinem Grund, den Mick sich nicht ganz erklären konnte, rutschte ihm das Herz bei diesen Worten endgültig in die Hose.
Verstappen.
Es war also Max, der für die gelbe Flagge verantwortlich war.
Dabei hatte er doch eigentlich gerade eine gute Nachricht erhalten: Er war aus dem Auto raus – das hiess doch, dass es ihm gut ging, oder?
Andererseits bedeutete die Tatsache, dass sein Engineer ihm dies überhaupt mitteilte und dass es so schnell zum Safety-Car gekommen war, wohl auch, dass der Unfall doch etwas heftiger gewesen war.
Doch Mick versuchte, all diese Gedanken zu verdrängen. Immerhin wusste er nach dieser Information seines Engineers, dass es Max verhältnismässig gut ging, dass er aus dem Auto raus und sicher war. Es bestand also keinerlei Grund zur Beunruhigung, oder?
Warum war er eigentlich überhaupt so beunruhigt? Natürlich, ein bisschen beängstigte ihn eine solche Nachricht immer, aber nach einer Entwarnung von Gary entspannte er sich doch zumeist relativ schnell wieder. War es also die Tatsache, dass Max betroffen war, die für seine Aufregung verantwortlich war? Aber warum? Das ergab keinen Sinn. In den letzten Jahren war Max doch nur noch ein normaler Konkurrent für ihn gewesen, egal was früher alles geschehen war.
Und dann kam die nächste Information von Gary und nun konnte Mick die Fassade nicht mehr aufrecht erhalten. Konnte sich nicht mehr an seinen Vorsatz halten.
Rote Fahne.“
Ist er okay?“, hörte er gleich darauf seine eigene, aufgeregte Stimme.
Ja, er ist okay. Ich denke, es ist wegen den Absperrungen. Zu viel Arbeit, um das während des Rennens zu erledigen.
Bei diesen Worten begann er dann doch zu entspannen. Gary hatte das mit einer Selbstverständlichkeit in seiner beruhigenden Stimme gesagt, die irgendwie völlig ausschloss, dass es nicht absolut die Wahrheit war. Max war vollkommen okay. Es war nur den Schäden auf der Strecke geschuldet, dass man das Rennen unterbrechen musste. Also wirklich kein Grund zur Beunruhigung.
Mit erleichtertem Herzen fuhr Mick in die Boxengasse und stieg aus dem Auto aus. Er sah in die Gesichter der Crew und all der anderen Leute, die da waren und er sah die Angst und die Hektik in ihren Augen. Und dann sah er zum ersten Mal auf einen der zahlreichen Screens und sein Herz blieb stehen.
Gary hatte doch gesagt, dass Max okay war.
Aber Max schien alles andere als okay.
Er schien kaum auf eigenen Beinen stehen zu können, was bei diesem Einschlag auch kein Wunder war. Das waren bestimmt über 50G gewesen!
Warum hatte Gary ihm nicht die Wahrheit gesagt? Das war nicht fair. Er hatte gedacht, er könnte Gary vertrauen.
Doch andere Fragen waren jetzt sehr viel dringender.
Wo war Max? Wie ging es ihm?
Und vor allem – warum war Mick das überhaupt so wichtig?
Er fand sich in seiner Garage wieder, ohne recht zu wissen, wie er überhaupt hier hingekommen war. Tief atmete er durch und nahm einen Schluck Wasser aus der Flasche, die ihm irgendwer gerade gereicht hatte. Noch während er trank, begannen Bilder vor seinem inneren Auge aufzuflackern, ohne dass er etwas dagegen hätte tun können.
Er und Max hatten sich gekannt, seit sie auf die Welt gekommen waren. Ihre Familien waren eng befreundet und Max war für Mick schon als Kleinkind ein häufiger Spielpartner gewesen, wenn er seinen Vater zu einem Rennen begleitet hatte. Im Rennsport selbst war der Niederländer immer mindestens eine Klasse über ihm gefahren, doch neben der Strecke hatten sie sich über die Jahre immer wieder gesehen und sich sehr gut verstanden.
Und dann waren da diese Sommerferien vor fünf Jahren gewesen, die der damals siebzehnjährige Mick mit seiner Familie auf Mallorca hatte verbringen müssen. Er war anfangs wenig begeistert davon gewesen, wäre er in der Zeit doch viel lieber in einem Auto gesessen, um zu trainieren. Immerhin fuhr sein Kindheitsfreund Max Verstappen nun seit fast eineinhalb Jahren in der Formel 1 und schien drauf und dran, einen Sitz in einem Top-Team zu bekommen und das war natürlich, was auch Mick im Sinn hatte. Doch er hatte keine Möglichkeit, dem Familienurlaub zu entfliehen.
Zu seiner grössten Überraschung jedoch musste er in Mallorca feststellen, dass sie nicht die einzigen berühmten Urlauber hier waren – denn auch Jos Verstappen mit seiner Familie hatte offensichtlich die genau gleiche Idee gehabt, was die Erwachsenen merkwürdigerweise weniger überrascht hatte als Mick und Max.
Jedenfalls fanden sich die beiden jungen Rennfahrer in einer sehr ähnlichen Situation wieder. Sie beide hatten wenig Lust auf diese Familienzeit und wären gerade viel lieber in einem Rennauto als einem Liegestuhl auf Mallorca gesessen. Aber das konnte man sich nun mal nicht immer aussuchen und so versuchten sie das Beste aus der Situation zu machen. Während Corinna und Max’ Mutter Sophie quatschend an der Cocktail-Bar sassen oder sich im Wellness-Bereich verwöhnen liessen, nutzten Mick und Max die Gelegenheit und zogen sich irgendwohin zurück, wo sie ungestört über die Formel 1 philosophieren konnten. Wobei das dann irgendwann doch ein wenig mehr zu baden im Meer und Urlaub geniessen wurde.
Ja, und dann war irgendwann dieser eine Abend gekommen. Sie hatten beide ein bisschen was getrunken und während Corinna und Sophie sich laut lachend an der Bar unterhielten, stahlen ihre Söhne sich heimlich davon Richtung Strand. Sie beobachteten den Sonnenuntergang, quatschten über dies und dann, ganz plötzlich, war es zu einem Kuss gekommen. Mick konnte später unmöglich sagen wie und warum und wer ihn initiiert hatte. Tatsache war jedenfalls, dass Max’ Lippen und seine sich irgendwie trafen und eine ganze Weile miteinander verbunden blieben. Der Moment war unglaublich schön und allein dafür hatte sich der Urlaub gelohnt.
Und dann, so plötzlich wie es gekommen war, war es auch wieder vorbei gewesen. Vorbei war der Urlaub und damit auch die Nähe zu Max. Ein paar Wochen war es komplett ruhig zwischen ihnen gewesen, doch dann hatte Max ihm eine Nachricht geschickt und ihm mitgeteilt, dass das mit ihnen nichts werden würde. Nun da er in der Formel 1 fuhr und bald um Siege kämpfen würde, hatte er einfach keine Zeit dafür und musste sich auf seine Karriere konzentrieren.
Ein Teil von Mick hatte das ja irgendwie nachvollziehen können und dennoch war sein Herz beim Lesen dieser Nachricht ein klein wenig zerbrochen. In hundert Stücke.
Aber er hatte es akzeptieren müssen und irgendwann hatten sich die Gefühle verflüchtigt. Er und Max sahen sich nun weniger oft und wenn sie es taten, war da anfangs immer eine gewisse Peinlichkeit entstanden. Doch mit der Zeit hatten sie wieder normal miteinander reden können, fast so, als wäre das in Mallorca niemals passiert. Aber es war passiert und sie beiden wussten es.
Nun da sie beide erstmals zusammen in der gleichen Rennserie, und dann noch in der höchsten überhaupt, fuhren, hatten sie ein völlig normales, wie Mick fand, sehr professionelles Verhältnis. Von den alten Gefühlen und diesen bittersüssen Erinnerungen hatte er nie mehr was gespürt. Bis zum heutigen Tag.
Bis zu dem Zeitpunkt, als er während der roten Flagge auf den Bildschirm geschaut und Max’ Red Bull hatte abfliegen und den Niederländer schliesslich auf zittrigen Beinen hatte aussteigen sehen.
Mick verspürte das akute Bedürfnis, alles stehen und liegen zu lassen und nach Max zu sehen, wo auch immer der gerade war. Aber er wusste, dass er noch ein Rennen zu fahren hatte und professionell sein musste. Und ausserdem würde Max ihn gerade kaum sehen wollen. So nahe waren sie einander nun doch nicht. Nicht mehr.
„Mick? Alles in Ordnung?“
Der Angesprochene sah auf und sah in das Gesicht seines Engineers.
„Jaja.“, murmelte er tonlos vor sich hin. Und dann:
„Ist Max okay?“
„Ich denke schon. Es war ein harter Einschlag, aber er konnte selber aussteigen und scheint einigermassen okay. Er ist jetzt gerade im Medical Center.“
Mick nickte und bedankte sich bei Gary. Er wusste, dass sein Engineer ihn nie absichtlich belügen würde. Und eigentlich hatte er das auch nicht getan. Es stimmte ja – Max war aus dem Auto raus und er war auch „okay“ insofern er offensichtlich bei Bewusstsein und in der Lage, sich zu bewegen und auf eigenen Beinen zu stehen war. Auch dass die rote Fahne primär den Räumungsarbeiten geschuldet war, entsprach wohl durchaus der Wahrheit. Und ausserdem, das war Mick sehr wohl bewusst, war es Garys Aufgabe ihn zu beruhigen, solange er im Auto sass, und ihn sicher ins Ziel zu bringen.
Irgendwann kam die fünf-Minuten Warnung und kurz darauf sass er wieder im Auto. Den Rest des Rennens fuhr er wie in Trance zu Ende und hatte dabei das Gefühl, er würde nicht 52, sondern 520 Runden fahren, die einfach nie enden wollten. Er fuhr immer weiter hinter seinem Teamkollegen her, wie in einer Endlosschleife und versuchte dabei, an nichts zu denken. Versuchte, die Gedanken an Max und an Mallorca, an den Sonnenuntergang und den Strand und den Kuss zu verdrängen. Und halbwegs gelang ihm das auch, zumindest gut genug, dass er ein halbwegs solides Rennen fuhr und irgendwann dann doch noch wohlbehalten im Ziel ankam.
Nachdem er aus dem Auto ausgestiegen war, versuchte er als Erstes, etwas über Max’ Zustand zu erfahren. Es dauerte nicht lange, bis ihm jemand sagte, dass Max zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht worden war. Doch die Wörter „zur Kontrolle“ nahm er kaum auf. Er nahm überhaupt kaum mehr etwas auf, während er hektisch die wichtigsten Dinge einpackte und sich auf den Weg machte. Auch verschwendete er keinen Gedanken mehr daran, dass er und Max eigentlich schon lange nicht mehr wirklich Freunde waren und dass es bestimmt einige Fragen aufwerfen würde, wenn er nun einfach so ohne weiteres im Krankenhaus auftauchte. Zu gross war seine Sorge.  

*****

Alles tat weh. Alles.
Sein Vater sass neben dem Bett, beschäftigte sich aber gerade mit seinem Handy, während sie auf die Ergebnisse der letzten Scans warteten.
Max hätte einfach nur weinen können. Wegen der Schmerzen, aber auch wegen der Angst.
Was, wenn sie irgendwas finden würden? Wenn sie ihn zur Ruhe verdonnern und ihm das Fahren beim GP von Ungarn in zwei Wochen verbieten würden? Das war das Letzte, was Max im Titelkampf brauchen konnte.
Und dann waren da auch noch diese Bilder, die immer wieder vor seinem inneren Auge aufflackerten. Die Erinnerung daran, wie er Lewis berührt hatte und dann von der Strecke geflogen war. Wie er nichts hatte tun können. Niemals in seinem Leben hatte er so grosse Angst gehabt wie in diesem Moment, während er auf den Aufprall gewartet hatte, der viel zu lange nicht zu kommen schien. Und dann war er doch gekommen, als Max kaum mehr damit gerechnet hatte. Er hatte einige Sekunden gebraucht, um zu realisieren, was gerade passiert war. Und vor allem zu merken, dass er es überstanden hatte. Dass ihm zwar alles verdammt weh tat und er sich kaum bewegen konnte, aber doch wundersamerweise am Leben war.
In diesem Moment ging die Tür auf und eine Pflegerin kam herein. Jedoch nicht mit den Scan-Ergebnissen, wie Max kurz darauf feststellen musste.
„Herr Verstappen?“, fragte sie und sah zu Jos. „Es ist jemand gekommen, der zu Ihrem Sohn möchte. Darf ich Sie bitten, kurz nach draussen zu kommen? Wir können ihn nicht ohne Zustimmung der Familie reinlassen.“
„Wer ist es?“, wollte Max wissen.
„Ich geh schauen, Max.“, verkündete sein Vater und erhob sich, um der Pflegerin nach draussen zu folgen.
Angestrengt dachte Max nach, wer wohl für ihn gekommen sein mochte. Vielleicht Christian oder jemand anderes vom Team? Ein anderer Fahrer wohl kaum; so gut verstand er sich mit niemandem wirklich. Gut, mit Lando oder Daniel hatte er ein durchaus gutes freundschaftliches Verhältnis, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass die McLaren Fahrer einfach so herkommen würden, nur um ihn zu sehen. Und das so kurz nach dem Rennen.
Und dann ging die Tür wieder auf, doch es war nicht Christian und auch nicht Lando oder Daniel, der ein wenig unsicher und verlegen ins Zimmer trat.
„Was machst du denn hier?“, fragte Max völlig überrascht.  
„Das Gleiche hat dein Dad auch gesagt.“, erwiderte Mick und versuchte sich an einem leichten Grinsen.
„Und was hast du ihm geantwortet?“, wollte Max wissen.
„Dass...“, begann Mick zögerlich und blieb dann irgendwo rund zwei Meter vom Bett entfernt stehen.
„Ja?“
„... ich mir Sorgen um dich gemacht hab.“
Max’ Mundwinkel zuckten leicht, doch im nächsten Moment wurde sein Kopf zum wiederholten Mal von einer Schmerzwelle getroffen und er verzog das Gesicht.
„Alles okay?“, fragte Mick besorgt.
„Geht schon, mir tut nur alles weh.“, murmelte Max gequält.
„Versteh ich, das war echt ein heftiger Einschlag.“, erwiderte Mick.
Max wandte ihm wieder seinen Blick zu, sobald die Schmerzen ein wenig abgeklungen waren, und stellte dann die Frage, die ihm immer noch auf der Zunge lag:
„Warum hast du dir Sorgen um mich gemacht?“
Mick schien ziemlich vor den Kopf gestossen und Max fiel sogleich auf, dass die Frage wohl etwas blöd geklungen haben musste.
„Ich meine, so nah sind wir uns doch gar nicht.“, hängte er an.
Mick lächelte ein wenig gequält und fingerte nervös am Reisverschluss seiner Jacke herum.
„Naja, nein, aber... als ich die Bilder vom Unfall gesehen hab... Das sah wirklich furchtbar aus und ich wollte einfach nur sicher sein, dass es dir gut geht.“
Die Worte des Deutschen entlockten Max noch einmal ein kleines Lächeln. Mick war unendlich froh darüber, ihn trotz allem lächeln zu sehen und irgendwie auch ein klein wenig stolz darauf, dass er das geschafft hatte.
„Das ist süss von dir, weisst du. Bedeutet mir wirklich viel.“, murmelte Max vor sich hin und wenn Mick nicht gesehen hätte, wie sich seine Lippen bewegt hatten, dann hätte er nicht geglaubt, dass diese Worte gerade wirklich von Max Verstappen gekommen waren.  
Max kam zumeist relativ kalt und gefühllos, manchmal ein wenig unsensibel rüber. Zwar wusste Mick, dass er durchaus auch eine andere Seite hatte, doch die hatte er schon sehr lange nicht mehr gesehen.
„Setz dich doch.“, schlug Max vor und deutete auf den Stuhl neben dem Bett.
Mick liess sich etwas zögerlich darauf nieder und sah dann wieder zu Max.
„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, mir geht’s soweit okay.“, versuchte der Niederländer ihn zu beruhigen, da ihm nicht entging, wie aufgewühlt der Haas-Pilot wirkte. „Wir warten noch auf die Ergebnisse der Scans, aber ich glaube, es ist alles halb so schlimm. Auch wenn mir noch alles weh tut.“
Max lächelte gequält und Mick sah ihn mitfühlend an. Doch dann verfinsterte sich der Gesichtsausdruck des Red-Bull Fahrers wieder ein wenig und seine Stimme klang ziemlich bitter, als er die nächsten Worte sagte:
„Vor allem aber bin ich einfach wütend. Darüber, dass ich 25 Punkte in der WM-Wertung verloren hab. Hier im Krankenhaus sitzen und zusehen muss, wie Lewis seinen Sieg feiert.“
Nun, da er diese Worte aussprach, spürte er sogleich eine neue Welle der Wut durch seinen Körper ziehen. Er musste das gerade einfach rauslassen und er war froh, dass jemand da war, um ihm zuzuhören. Sein Vater hatte es inzwischen wohl zur Genüge gehört, obwohl er ganz und gar Max’ Meinung war.
„Ich verstehe, das muss wirklich frustrierend sein.“, erwiderte Mick traurig. „Aber du hast immer noch alle Chancen, den Titel zu holen. Du liegst immer noch vorne, hast das schnellste Auto und bist der beste Fahrer. Lass dich von einem Rückschlag nicht entmutigen.“
„Danke.“, murmelte Max und war ehrlich dankbar dafür, diese Worte von einem Konkurrenten zu hören.
Es war ein paar Sekunden lang still, dann sagte Max leise:
„Ich muss den Titel einfach holen, oder?“
Mick sah ihn fragend an.
„Damit dein Dad seinen Rekord behält.“
„Oh.“
Damit hätte Mick nicht gerechnet und irgendwie berührte es ihn extrem. Natürlich war es einerseits nur eine Statistik, nur Zahlen. Doch irgendwie wäre es halt schon schön, diesen Rekord in der Familie behalten zu können. Und zu wissen, dass der eigene Vater mehr Weltmeistertitel als jeder andere geholt hatte. Auch wenn es darauf doch eigentlich gar nicht ankam. Er hatte ohnehin den besten Vater der Welt, egal mit wie vielen Titeln und wie vielen Rekorden.
Aber diese Worte von Max zu hören... Dass das auch für ihn ein Ansporn war... War schon irgendwie schön und emotional.
So emotional, dass sich wohl ein kleines Tränchen aus seinen Augen stahl, was ihm allerdings erst auffiel, als Max eine Hand auf seinen Arm legte.
„Tut mir leid, das wollte ich nicht.“, sagte der Niederländer leise und sah ihn entschuldigend an.
„Nein nein, alles gut. Ich... find’s schön, dass du das gesagt hast.“
„Und warum weinst du dann?“
Da war er wieder, der etwas unsensible oder zumindest in sozialen Dingen leicht unbeholfene Max Verstappen.
„Naja, man weint nicht nur aus Trauer oder Schmerz, oder? Sondern auch aus anderen Emotionen – Rührung, Erleichterung und so weiter. Und deine Worte haben gerade einfach einiges bei mir ausgelöst. Und ausserdem... bin ich ziemlich erleichtert, dass es dir verhältnismässig gut geht. Ich hatte wirklich Angst, weisst du?“
Mick konnte sich nicht wirklich erklären, woher er den Mut nahm, Max so sein Herz auszuschütten. Der Niederländer hatte doch gerade wieder einmal gezeigt, dass er nicht die taktvollste Person war und gerade hatte er ohnehin seine eigenen Probleme und eigentlich sollte Mick vielmehr ihn trösten als umgekehrt.
„Ich hatte auch Angst.“, kam es dann plötzlich sehr leise aus Max’ Mund und zum zweiten Mal an diesem Abend war Mick überrascht darüber, welche Worte er von ihm zu hören bekam.
Nur Augenblicke vor diesen Worten hatte der Niederländer seine Hand von Micks Arm genommen, dem erst gerade in diesem Moment auffiel, dass sie bis dahin da gelegen hatte. Leicht irritiert, doch gleichzeitig auch mitfühlend und ein wenig besorgt sah er in das Gesicht des Red Bull Fahrers. Max war anzusehen, dass die Situation gerade nicht leicht für ihn war, auch wenn seine Augen noch trocken waren.
„Ich glaube, ich hatte niemals zuvor so grosse Angst.“, fuhr er mit leicht zitternder Stimme fort. „Als ich Lewis berührt hab, merkte ich sofort, dass das nicht gut gehen wird... Es geschah so furchtbar schnell, ich konnte überhaupt nichts tun. Ich bin einfach nur noch dagesessen und hab auf den Aufprall gewartet und dann... Ich bin auch froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist, weisst du?“
Während dieser Rede war es dann doch geschehen. Zwei oder drei winzig kleine Tränchen hatten sich aus Max’ Augenwinkeln gestohlen und rannen sanft seine Wangen hinunter. Am liebsten hätte Mick die Tränen weggewischt, aber er wusste, dass das zu weit gehen würde. Zumindest schloss er aber aus Max’ Verhalten von zuvor, dass es in Ordnung wäre, eine Hand auf seine zu legen und das tat er auch. Der Niederländer liess es geschehen und irgendwie schien der Körperkontakt und Micks Anwesenheit ihn wieder ein wenig zu beruhigen.
„Das ist absolut verständlich. Jeder hätte Angst gehabt.“, versicherte Mick ihm und Max entspannte sich noch ein wenig mehr.
„Du machst das wirklich gut. Ich bin stolz auf dich.“, hängte der Deutsche leise an und entlockte Max damit sogar wieder ein Lächeln.
Sie sassen noch einige Minuten da und schwiegen fast die ganze Zeit. Es gab nichts zu sagen. Es reichte, dass Mick da war und dass sein Daumen immer noch sanft über Max’ Hand streichelte und ihm ein wenig von den Schmerzen und der Angst und der Unruhe nahm.
Irgendwann hörten sie dann ein Klopfen an der Tür und im nächsten Moment traten ein Arzt und eine Pflegerin sowie Jos ins Zimmer. Der Arzt verkündete, dass die Scan-Ergebnisse da waren und Mick bot sogleich an, zu gehen. Doch Max überraschte ihn, als er schüchtern meinte, Mick könne ruhig noch bleiben. Allerdings hatte er in dem Augenblick, als es geklopft hatte, seine Hand aus der von Mick gezogen, was diesem einen kleinen Stich ins Herz verpasst hatte, obwohl er es irgendwie verstehen konnte.
Auf den Scans war nichts Aussergewöhnliches zu sehen und der Ärzte meinte, dass von ihrer Seite aus somit alles in Ordnung sei und kein Grund bestehe, Max noch länger hierzubehalten. Er sollte die nächsten Tage ein wenig ruhig angehen, würde aber schon bald wieder vollkommen fit und auch bereit für das nächste Rennen in zwei Wochen sein. Der Niederländer und sein Vater schienen über diese Nachrichten sehr erleichtert und auch Mick fiel ein Stein in der Grösse eines kleinen Felsbrockens vom Herzen.
Und so durften sie das Krankenhaus verlassen. Da Mick und die Verstappens unterschiedliche Hotels bewohnten, waren er und Max schliesslich gezwungen, sich voneinander zu verabschieden. Er nahm Max vorsichtig in den Arm und dachte dabei daran, dass er dieses Gefühl schon viel zu lange vermisst hatte, ohne wirklich gemerkt zu haben, dass es ihm eigentlich fehlte. Max versprach ihm, dass sie in Kontakt bleiben würden und Mick fand sich wenig später in seinem Hotelzimmer wieder, allein doch mit einem Gefühlschaos, das er im Moment überhaupt nicht einordnen konnte.
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