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Escaflowne - The Untold Story

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Hitomi Kanzaki Van Fanel
06.08.2021
24.06.2022
55
104.424
5
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23.06.2022 3.486
 
KAPITEL 52 -  Folgenschwere Entscheidung - Teil 1
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„Bist du sicher, dass du das möchtest?“
Van sah sein Gegenüber an, ein Nicken war die Antwort.
„Du weißt wie es um meine Gefühle steht?“, fragte er nochmal.
Wieder war ein Nicken die Antwort.
„So wie um meine, aber hier geht es darum. Mir ist bewusst, welche Entscheidung wir hier treffen.“, wurde das Nicken noch durch Worte bekräftigt. Entschlossene Augen sahen den jungen König an. Dieser atmete tief durch.
„Okay, dann sind wir uns wohl einig?!“, sagte er mehr zu sich als zu der anderen Person.
„Zum Wohle Gaias und für den Frieden.“, antwortete diese ihm trotzdem.
„Zum Wohle Gaias und für den Frieden.“, wiederholte Van.
Entschlossen ging er auf die Tür zu und zog sie auf.

Seine Berater warteten dahinter bereits auf ihn. Gleichzeitig erhoben sie sich von ihren Plätzen, neigten ihr Haupt und begrüßten so den König Fanelias.
„Eure Majestät.“
„Ihr wisst warum ich euch versammelt habe?“
Van war langsam an den Vorsitz der Tafel gegangen und studierte aufmerksam die Gesichter. Sie wussten alle ganz genau worum es in dieser Besprechung gehen sollte, aber er musste es aussprechen damit es wahr wurde. Sie mussten es aus seinem Mund hören und es war eine Aussage die er bis jetzt tunlichst vermieden hatte. Nie hätte er gedacht, dass aus dieser absurden Idee etwas werden würde. Dass seine rein hypothetischen Frage zu diesem Ergebnis führen würde. Aber eigentlich sollte es ihn nicht wundern, denn immerhin war es Drydens Idee gewesen...

- Etwa 3 Monate zuvor in Fanelia -
„Und du bist dir sicher, dass er unter den richtigen Umständen nicht nachgeben würde?“, setze der Ältere zur Gegenfrage an und lehnte sich dabei vor. Dryden Fassa stellte seinen Wein ab, stützte sich auf seine Ellbogen und sah Van herausfordernd an.
„Welche Umstände?“, wollte Van misstrauisch wissen. Er kannte diesen Blick und er wusste, dass ihm diese Idee nicht gefallen würde. (Ende Kapitel 48 – Meister der Verträge)

„Prinzessin Mia ist die jüngste Tochter des Königs von Basram richtig. Sie ist nur zwei Jahre jünger als du...“
„Nein!“, unterbrach Van seinen Freund bestimmt.
„Lass mich doch ausreden.“, bat Dryden.
„Nein, ich weiß worauf du hinaus willst!“
Der junge König sah den Kaufmann an, dieser seufzte.
„Auch wenn du es nicht hören willst Van, es ist eine gute Idee. Ein geschickter politischer Schachzug und wenn du ehrlich bist, könntest du es schlechter treffen.“
Van erwiderte nichts.
„Bitte Prinzessin Mia um ihre Hand. Es wäre eine Ehre für Basram wenn du dich für die jüngste Tochter Basrams entscheidest. Eine bessere Partie wird der König für sie nicht finden, deshalb wird er auf jede Forderung eingehen. Wenn du also zur Bedingung stellt, dass sie zum einen den Friedensvertrag unterzeichnen müssen und zum anderen die letzte Waffe nicht mehr einsetzen, wird er dir diese Bitte kaum abschlagen können.“
Fanelias König schwieg weiter, aber Dryden kannte ihn nun gut genug, er wusste, dass er zugehört hatte. Van mochte nicht begeistert sein, aber er würde darüber nachdenken.

„Soweit ich weiß ist die Prinzessin doch ganz hübsch, ein weiterer Pluspunkt.“, fügte er grinsend hinzu. Van warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
„Oh Van, manchmal bist du schrecklich prüde. Oder hast du eine romantische Ader von der ich nichts weiß?“
Der Kaufmann musste über seinen eigenen Witz lachen, jedoch wurde Vans Blick dadurch nur eisiger. Trotzdem fuhr Dryden unbeeindruckt fort:
„In unseren und besonders in deinen Kreisen werden Ehen schon früh arrangiert. Kinder werden einander versprochen ohne dass sie sich kennen. Eine Ehe ist eine Vernunftsentscheidung, ein Vertrag mit politischem Hintergrund und hat leider selten etwas mit wahrer Liebe zu tun. Ein Wunder, dass du nicht bereits versprochen bist! Ich zeige dir hier nur eine Möglichkeit auf, eine meiner bescheidenen Meinung nach sehr gute Möglichkeit. Die Entscheidung liegt aber allein bei dir.“
Dryden nahm einen Schluck vom Wein und griff sich ein paar Weintrauben. Van saß ihm still gegenüber.

„Du denkst wirklich, dass das funktionieren würde? Dass wir so den Friedensvertrag sowie die Einstellung der letzten Waffe erreichen.“, fragte er schlussendlich.
„Ich bin mir zu 100 Prozent sicher!“, nickte der Kaufmann und schob sich seine Brille zurecht.
„Nein, es muss einen anderen Weg geben.“, brummte Van abermals.
Er wollte nichts davon hören, jetzt klang es auch noch so als würde das Schickal der Welt davon abhängen ob er den Bund der Ehe einging oder nicht. Als würde Gaias Frieden von seiner Hochzeit abhängen. Warum waren alle so erpicht darauf, warum schien sich alles nur darum zu drehen? Er schnaubte nochmal und stand dann auf.
„War das alles Dryden?“
„Eins noch Van.“, entgegnete sein Freund.
„Nur weil du verheiratet bist, heißt dass nicht, dass du niemand anderen lieben kannst. Weißt du, für Könige ist es ganz normal die ein oder andere Geliebte zu haben.“
Van verzog das Gesicht und drehte sich abrupt weg von Dryden um zur Tür zu gehen.
„Warum rede ich eigentlich mir dir darüber?!“, frage er mehr sich selbst als den anderen. Im Türrahmen drehte er sich nochmal um.
„Danke Dryden, damit ist deine Audienz beendet. Hab noch eine gute Reise.“
Entschlossen ging Van wieder in sein Arbeitszimmer. Hinter sich hörte er Dryden noch lachen. Es war absurd, einfach absurd! Er würde dieses Gespräch ganz schnell vergessen.

- Etwa 2 Monate zuvor in Palas -
Van war soeben in Palas eingetroffen, am Landeplatz wurde er nicht wie üblich von Allen sondern Milerna empfangen.
„Prinzessin Milerna?“, begrüßte er seine Freundin überrascht.
„Hallo Van!“, lachte diese. „Die Überraschung scheint mir gelungen zu sein. Allen ist gerade in Freid, dort findet gerade die jährliche Zeremonie zur Ehrung der Götter statt. Er besucht Chid und zeigt Selena bei dieser Gelegenheit Godazim und das Kloster. Da dachte ich, ich hole dich heute ab.“
Sie stieg bereits in die Kutsche, die für sie und Van bereitstand, drehte sich aber nochmals zu ihm um und fügte mit einem Zwinkern hinzu:
„Und ich war froh aus dem Palast zu kommen.“.
Damit nahm sie in der Kutsche Platz und Van ebenfalls, sogleich fuhr der Kutscher los. Dass Van diese offiziellen Anlässe nicht mochte, war kein Geheimnis und dass er daher immer froh war, wenn er sich aus dem Palast schleichen konnte. Bei der Prinzessin war das aber etwas anderes. Als Van sie verständnislos ansah, erklärte sie ihm:
„Dryden und sein Vater streiten sich über die Bestandteile des Friedensvertrages.“
„Dryden ist hier?“, wiederholte Van überflüssigerweise und Milerna nickte gequält.
Und noch bevor Van fragen konnte.
„Es ist kompliziert, ich gehe ihm aus dem Weg.“
Darauf wusste Van auch keine Antwort und schwieg daher. Milerna seufzte.
„Schon gut, ist kein Thema über das ich mit dir reden sollte. Ich wünschte Hitomi wäre hier, ich wäre dankbar über ihren Rat und ihre Sicht der Dinge.“
Gedankenverloren sah sie vor sich hin. Beide schwiegen. Erst da wurde Milerna bewusst, was sie gerade gesagt hatte. Erschrocken drehte sie ihr Gesicht zu Van.
„Oh Van, entschuldige, ich wollte nicht...“
Doch Van lächelte sie nur müde an.
„Schon gut, wir alle vermissen sie. Aber sie ist zu Hause und sie ist in Sicherheit.“
Mitfühlend legte sie eine Hand auf seine.
„Es wird nicht leichter, hm?“, meinte sie und Van schüttelte den Kopf. Die zweite Frage die ihr auf der Zunge brannte, traute sie sich nicht zu stellen. Sie wollte ihm nicht noch mehr Schmerz zufügen und es waren immerhin schon über zwei Jahre seit ihre Freundin zurück zum Mond der Illusionen gereist war. Umso mehr Zeit verging, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit ihrer Rückkehr, das war auch Milerna klar.
„Sind alle Länder heute wieder vertreten?“, frage Van um das Thema möglichst schnell zu wechseln.
„Nein, nicht alle. Basram und Freid sind nicht dabei. Freid ist wie gesagt gerade mit der Zeremonie beschäftigt. Allen hat einen Rohentwurf des Vertrages mitbekommen um ihn Chid zu zeigen, was auch einer der Gründe seines Besuches ist. Aber das Herzogtum Freid will ohnehin unterschreiben. Basram hingegen sieht keine Notwendigkeit heute zu erscheinen.“, antwortete Milerna.
„Wie sieht es mit den anderen Ländern aus, wie ist die Stimmung?“
„Nicht gut.“, seufzte die Prinzessin.
„Verstehe.“
Den Rest der Fahrt verbrachten sie schweigend. Van hoffte, dass Dryden die Dinge mit seinem Vater regeln konnte und der Vertrag nun fertig war, ohne Schlupflöcher, ohne Hinterwege. Der Frieden war wichtig, dieser Vertrag war ein wichtiger Schritt. Vielleicht würden die anderen Länder das heute Abend einsehen, wenn ihnen dieser Vertrag vorgelegt wird. Vielleicht sehen sie ein, dass es nicht darum geht, sie auszuspionieren oder ihnen ihre Macht zu rauben, sondern darum in Zukunft in Frieden miteinander zu leben. Es konnte doch nicht so schwer sein?!

Die abendliche Gesprächsrunde sollte ihn eines besseren belehren.

- Etwa 1 Monat zuvor in Basram -
„Ich sehe keinen Nutzen in diesem Vertrag!“, König Basrams Stimme dröhnte durch den Raum.
„Und dies ist mein letztes Wort!“
Van ballte seine Hand zur Faust und hielt den Kopf gesenkt. Er wusste, dass Widerworte sinnlos wären. Egal wie gut seine Argumente waren, sein Gesprächspartner würde ihm nicht zuhören. Der König von Fanelia erhob sich von seinem Platz und deutete eine Verbeugung an.
„Danke für Eure Zeit.“
Damit drehte er sich um um den Raum zu verlassen. Das selbstgefällige Grinsen auf dem Gesicht von König Basram war ihm nicht entgangen. Nein, so konnte Van nicht aus diesem Gespräch gehen.
„Ich bitte Euch dennoch nochmal darüber nachzudenken und eure Meinung zu ändern. Es geht hier nicht nur um das Königreich Basram, es geht um das Wohl ganz Gaias. Um die Zukunft unserer Völker! Die Ereignisse von vor zwei Jahren dürfen sich nicht wiederholen.“
Die beiden Könige sahen sich an.
„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, König von Fanelia. Ich weiß wo mein Glück liegt, nämlich in der Zukunft meines Landes und die werde ich so gestalten wie ich es für richtig halte.“
„Dann sind wir derselben Meinung!“, bestätigte Van. „Mit diesem Vertrag gehen wir einen Schritt in genau diese Zukunft!“
„Oder verbauen uns ebendiese.“, widersprach Basrams König.
„Und damit beende ich diese Audienz, es wurde alles gesagt und vielleicht solltet Ihr euch Gedanken machen ob Ihr Eurem Land wirklich dient mit diesem Vertrag, junger König von Fanelia.“

Damit stand nun auch König Basram auf und entließ Van endgültig. Van deutete eine Verbeugung an und verließ den Raum. Er war wütend. Nicht nur, dass er es nicht geschafft hatte den König zu überzeugen, nein er wurde nicht mal richtig ernst genommen. Wie sollte er es nur schaffen, den König von seinem Vorhaben zu überzeugen. Alle anderen Länder hatten mittlerweile die Vorteile des Vertrages anerkannt, die ein oder andere Änderung des Vertrages beantragt, aber im Grunde zugestimmt. Aber selbst dieser Zusammenschluss konnte Basram nicht überzeugen. Aber man konnte das Königreich damit auch nicht erpressen, da jegliche Erpressung gegen den Vertrag wäre.

„König Van Fanel?“
Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und ließ ihn innehalten.
„Prinzessin Mia.“, erkannte er überrascht.
„Entschuldigt, ich wollte Euch nicht stören, aber hättet Ihr vielleicht ein paar Minuten für mich?“
„Natürlich!“, antwortete Van und die Prinzessin deutet ihm an, ihr zu folgen.
Schweigend gingen sie den Gang entlang. Dieser führte sie über eine Treppe zu einem größeren Balkon, der anscheinend das Ziel seiner Begleitung war. Die Prinzessin legte ihre Hände auf die Mauer und sah in die Ferne. Es dämmerte bereits, aber Basram lag direkt unter ihnen – friedlich.

„Ich nehme an Euer Besuch hier hat seinen Zweck nicht erfüllt?“, eröffnete sie das Gespräch.
„Nein, daher werde ich auch wieder abreisen.“, bestätigte Van.
„Verstehe.“
Die Prinzessin schwieg und senkte den Kopf. Traurig ließ sie ihren Blick über die Stadt schweifen bevor sie sich wieder Van zuwandte.
„Es ist schade, dass Ihr schon abreisen wollt, ich hätte Euch gerne Basram gezeigt. Die Menschen hier sind gute Menschen, sie verdienen ein friedliches Leben. Unser Land kann blühen und gedeihen, wir sind gut versorgt und werden es auch in Zukunft sein. Unserem Volk geht es gut, es fehlt uns an nichts. Der Frieden stellt keine Bedrohung für uns dar, im Gegenteil er würde uns die Zeit geben unsere Wunden zu heilen, weiterzuleben und dieses Leben genießen zu können.“
Van schwieg, er wusste nicht was er sagen sollte, außer dass er genauso empfand. Es hätten seine Worte sein können.
„Es darf nicht wieder Krieg geben. Dieses sinnlose Sterben...“, sprach sie weiter.
Tränen traten in ihre Augen.
„Es ist als wäre er umsonst gestorben, als hätte sein Tod überhaupt keinen Sinn!“, schluchzte sie.

„Krieg macht keinen Sinn.“, entgegnete Van und sah betreten zu Boden.
Die Prinzessin wischte sich über die Augen.
„Bitte entschuldigt, wie peinlich. Ich wollte Euch nicht mit meinen Belangen langweilen. Aber es hätte etwas tröstliches zu wissen, dass dieser schreckliche Krieg einen Sinn hat. Dass dieser Krieg den Sinn hatte den Friedensvertrag ins Leben zu rufen und so den ewigen Frieden. Dann hätte es auch einen Sinn, dass er gestorben ist. Dann wäre sein Tod...“
Wieder kämpfte sie gegen die Tränen an.
„Kein Tod ist sinnlos, wenn wir die Erinnerung an die Person in unserem Herzen tragen.“, versuchte Van sie zu trösten. Nicht dass er damit sehr viel Erfahrung hätte, er fühlte sich unwohl, wenn jemand in seiner Nähe weinte, ganz besonders wenn es Frauen waren. Allen hätte sie wahrscheinlich in den Arm genommen und ihr beruhigende Worte zugeflüstert, hätte ihr eine starke Schulter zum Ausweinen angeboten. Van zog es tatsächlich in Erwägung und machte schon eine Schritt auf sie zu, als sie ihn wieder ansprach.

„Habt ihr auch jemanden in diesem Krieg verloren?“
Kurz sah er sie an. Die Frage überraschte ihn. Bevor er jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, sprach sie schon weiter.
„Wie unhöflich von mir! Entschuldigt bitte, das hätte ich nicht fragen dürfen, es steht mir nicht zu! Vergesst es bitte.“
Doch Van schüttelte den Kopf, auch er sah nun in die Ferne.
„Mein Bruder.“, erklärte er dann. „Er ist bei dem Versuch mich zu retten gestorben.“
„Ich dachte Ihr seid der Einzige Eurer Familie, der am Schlachtfeld gekämpft hat?!“, fragte sie verwirrt.
Wieder schüttelte Van den Kopf.
„Es ist eine lange Geschichte. Vor allem, da mein Bruder vor vielen Jahren schon für Tod erklärt wurde. Ich habe seinen Tod schon als kleiner Junge betrauert, wie gesagt, es ist eine lange Geschichte.“
Mia wartete kurz, ob Van weiterreden würde, doch als er dies nicht tat, musste sie einfach fragen: „Wollt Ihr sie mir erzählen?“

„Vielleicht ein anderes Mal.“, entgegnete Van, den Blick weiterhin in die Ferne gerichtet.
Es überraschte ihn selbst, dass er diese Aussage ernst meinte. Schließlich kannte er sie nicht und doch, sie schien ihm vertrauenswürdig. Mochte er sie gar?
„Die Erinnerungen an Euren Bruder schmerzen Euch. Bitte entschuldigt, ich hätte nicht fragen sollen. Theo sagte auch immer, ich wäre zu neugierig. Ein furchtbar nerviger Wesenszug, aber einer der Gründe warum er sich in mich verliebt hätte.“
Wieder kullerten Tränen ihre Wangen herab und wieder entschuldigte sie sich bei Van.
„Es tut mir leid, ich gebe heute ein ganz furchtbares Bild einer Prinzessin ab. Da bitte ich euch extra um ein Gespräch und dann weine ich andauernd. Aber ich kann ihn einfach nicht vergessen, wäre dieser Krieg nicht gewesen, wären wir nun schon zwei Jahre verheiratet, hätten vielleicht schon Kinder. Hätte mein Vater nur nie diese Waffe entwickelt...“
Nun war es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei, sie konnte die Tränen nicht zurückhalten. Sie schlug die Hände vor ihr Gesicht und weinte bitterlich.

Van starrte sie einen Moment irritiert an, ging dann einen Schritt auf sie zu und nahm sie in den Arm. Es fühlte sich komisch an, seit Hitomi hatte er kein anderes Mädchen mehr umarmt. Und schon gar nicht weil es sein Wunsch war, weil er helfen wollte, weil er trösten wollte. Allen und Dryden wären vermutlich stolz auf ihn. Und doch er hatte keine Absichten hier, er wollte nur helfen, er verstand wie sie sich fühlte.
Sie standen einige Minuten so auf dem Balkon bevor sich die Prinzessin von ihm löste und ihn dankbar ansah.
„Entsch...“, setzte sie an, doch Van unterbrach sie sofort.
„Hört auf Euch zu entschuldigen. Es gibt absolut nichts wofür Ihr Euch entschuldigen müsst.“
„Aber was müsst Ihr für einen Eindruck von mir haben?!“
Als er ihr verzweifeltes Gesicht sah, musste Van lachen.
„Prinzessin, ich versichere Euch, dies war eine der angenehmsten und vermutlich auch eine der ehrlichsten Unterhaltungen, die ich in den letzten zwei Jahren mit einer Prinzessin geführt habe.“
Nun war es an ihr zu lachen.
„Ach, Ihr meint weil ich mich Euch nicht an den Hals geschmissen habe, wie die anderen Prinzessinnen?“
Van nickte.
„Es muss ein gar schweres Los sein mit Komplimenten und Schmeicheleien überhäuft zu werden. Noch dazu von wunderschönen Mädchen und Frauen. Oh wie müsst Ihr gelitten haben?!“
Der Schalk sprach ihr aus den Augen und sie konnte das Kichern nicht unterdrücken.
Van entdeckte plötzlich eine ganz neue Seite an der Prinzessin. Eine die ihm, wie er zugeben musste, gefiel. Frei von gesellschaftlichen Zwängen und ehrlich.

„Wisst Ihr eigentlich was ich mir alles anhören musste, nach meinem Gespräch mit Euch in Palas? Damals beim Friedensgipfel?!“
Doch Van sah sie nur verwirrt an.
„Oh, Ihr habt wohl keine Ahnung wie gehässig Frauen untereinander sein können?! Aber habt keine Angst, König Van Fanel, von mir geht keine Gefahr aus.“, fügte sie noch hinzu. „Ich habe keinerlei romantisches Interesse an Euch. Versteht mich nicht falsch, ich denke ich mag Euch, aber mehr nicht. Ich will nur, dass dieser Friedensvertrag zustande kommt und diese entsetzliche Waffe nie wieder eingesetzt wird. Und meiner Meinung nach, ist Euch das genauso wichtig wie mir.“
Damit sah sie ihm fest in die Augen und er erwiderte ihren Blick.
„Mein Liebster darf nicht umsonst gestorben sein. Für Theo und für Gaia, dieser Friedensvertrag muss zustande kommen. Ansonsten.. ansonsten könnte ich es mir nie verzeihen...“
Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter und kämpfte erneut gegen die Tränen.
Frauen durchleben Gefühle tatsächlich in Sekundenschnelle, stellte Van wieder mal fest. Wie schaffen sie das nur? Sie weinen, lachen und all das im selben Moment.
„Es tut mir leid, aber ich liebe ihn immer noch und vermisse ihn so sehr.“, schniefte die Prinzessin leise. Van sah sie kurz an ohne etwas zu sagen und drehte sich dann langsam wieder zur Brüstung des Balkons und hob seinen Blick zum Nachthimmel.

„Wir alle vermissen jemanden.“

Van hatte die Worte leise aber bestimmt gesagt. Er wollte etwas Tröstliches sagen, aber mehr als dieser Satz war nicht herausgekommen. Er seufzte innerlich. Er wusste wie sie sich fühlte, er kannte diesen Schmerz. Er hatte ihn erlebt als sein Vater starb, seine Mutter und auch sein Bruder. Und auch als er Hitomi verabschiedete. Sie gehen zu lassen, fiel ihm damals unglaublich schwer. Aber nun den Kontakt zu ihr komplett verloren zu haben, schmerzte ihn auf eine andere Weise. Sie hatte ihn aus ihrem Leben ausgeschlossen und dabei wollte er seines mit ihr teilen. Er war wütend auf sie, war verletzt, aber er vermisste sie, mehr als er je sagen könnte oder je zugeben wollte.

Mia war seinem Blick gefolgt. Die beiden Monde am Firmament leuchteten hell auf sie herab. Der Mond! Ihre Augen weiteten sich und sie sah ihn an.
„Das Mädchen vom Mond der Illusionen?!“, rief sie plötzlich aus und Vans Kopf schoss ruckartig zu ihr herum. In Basram galt sie als Märchengestalt, als eine dieser Geschichten die im Krieg aufkamen, aber nicht der Wahrheit entsprachen. Schließlich hatte man das Mädchen nach dem Krieg nie wieder gesehen. Nie wieder seit sie … seit sie mit dem König von Fanelia in dessen Heimat aufbrach.
„Es ist kein Märchen, es gab sie tatsächlich!“, stieß Mia aus und sah Van neugierig an.
„Ihr Name ist Hitomi.“, erklärte er ruhig.
„Ist sie,.. seid ihr...?“, Van konnte förmlich sehen wie sich die Fragen im Kopf der Prinzessin überschlugen. Doch er konnte nur den Kopf schütteln und erneut zum Mond der Illusionen sehen.
„Sie ist wieder nach Hause zurückgekehrt.“, beantwortete er ihre unausgesprochene Frage.
Wieder herrschte kurzes Schweigen zwischen ihnen.
„Aber Ihr liebt sie immer noch.“, erkannte Prinzessin Mia.
„Ja.“, war Vans einfache Antwort, aber mehr war auch nicht notwendig.

Warum das Offensichtliche abstreiten? Die Prinzessin war eine aufmerksame Zuhörerin und nicht dumm. Beide standen noch ein paar Minuten still beieinander bevor Van sich verabschiedete. Er würde die Heimreise nach Fanelia antreten und überlegen ob es noch einen anderen Weg gab, diesen Friedensvertrag zustande kommen zu lassen.
Er verbeugte sich ein weiteres Mal vor der Prinzessin.
„Prinzessin Mia, es war mir eine Freude.“
Auch Mia knickste kurz vor ihm und verabschiedete ihn so. Doch als er nur ein paar Schritte gemacht hatte, rief sie ihn nochmal.

„König Van!“
Van blieb stehen und wandte den Kopf.
„Bei unserem nächsten Gespräch nennt mich doch bitte Mia.“
Ein Lächeln schlich sich auf Vans Lippen.
„Nur wenn Ihr mich Van nennt.“
„Auf Wiedersehen Van, beim nächsten Mal erzählt ihr mir dann eure Geschichten.“, grinste Mia und lächelte ihn an.
„Auf Wiedersehen Mia.“, entgegnete Van und drehte sich um.

Er machte sich auf den Weg zum Landeplatz der Flugschiffe. Allen und der Crusador warteten bereits auf ihn. Obwohl der heutige Tage nicht unbedingt wie gewünscht verlaufen war, war er nicht schlecht gelaunt. Sein Gespräch mit der Prinzessin hatte seine Laune definitiv gehoben.
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