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Zoomania: Todeshändler

von Caragor
Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Action / P18 / Gen
Fru Fru Judy Hopps Nick Wilde OC (Own Character)
06.08.2021
29.09.2021
25
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09.08.2021 1.793
 
„Wann habe ich das Bewusstsein verloren?“, fragte sie, kaum, dass wir aus der Tür des Schlafraums getreten waren. Ich warf einen Blick auf sie. Im diffusen, weißen Licht zweier Deckenlampen mit Rauchglas im fensterlosen Gang, welcher in einem dunklen Grauton gehalten wurde, sah die Hasendame genauso kalt und unnahbar aus, wie sie war: Kalt, unnahbar, niemals müde. Doch dunkle, tiefe Schatten unter ihren Augen, die denen im Gang in nichts nachstanden, verrieten sie. „Das war, nachdem wir losfuhren“, antwortete ich. Sie nickte und wir tauchten wieder in die Dunkelheit ein, als wir die zweite Lampe hinter uns ließen. „Wie haben es die anderen aufgenommen?“, wollte sie wissen; wir blieben vor der Tür stehen, die in den Gemeinschaftsraum der Todeshändler führte. Ich warf ihr einen kühlen Blick zu. „Das kannst du dir doch wohl selbst denken.“ „Scheiße“, murmelte sie und ihre Schnauze zuckte vor Ärger. „Wie lang muss ich mir diesen Schwachsinn anhören?“ „Keine Ahnung“, gab ich schulterzuckend zurück. „Wenn du Glück hast … drei Wochen vielleicht. Wenn nicht … kann’s schon mal eine Woche mehr dauern.“ „Hat sich irgendwer von diesen Trotteln nach mir erkundigt?“, fragte sie und sah mich an. Ich begegnete ihrem kalten Blick mit meinem eiskalten Blick und antwortete nicht. „Hätte mich auch überrascht“, meinte sie und wandte sich wieder zur Tür. „Übrigens“, meinte ich grinsend, „willkommen zurück, Möhrchen.“ Mit diesen Worten öffnete ich die Tür. Dahinter erwartete uns Stille. Zehn Augenpaare starrten uns kühl an, allesamt zu je einem Säugetier in dunkler Kleidung, schwarzem Ganzkörper-Waffengürtel, schwarzen Kampfstiefeln und dunklem Kapuzentrenchcoat gehörend. Judy trat einen Schritt vor, aus dem nach innen werfenden Schatten der Tür ins schummrige Licht des Aufenthaltsraums der Todeshändler, und beinahe sofort verschwand jegliches schwache Interesse. Ich ging ebenfalls einen Schritt vor und ließ die Tür leise hinter mir zugleiten. Sie hatte die Arme verschränkt und ließ den Blick durch den großen Raum gleiten. Ich folgte ihrem: Gerhard und Selene, ein sadistischer Tiger und eine schießwütige Pantherdame, drückten an einem Tisch knapp außerhalb des Lichtbereichs der vier rauchglasigen Deckenleuchten Arm; Gerhard gewann und drückte Selenes Arm brüllend auf den Tisch, der erzitterte. Ben, ein Elefant, welcher auf extrem ausgeprägte Schleichaufträge spezialisiert war, erhob sich lautlos und ging in Richtung der Waffenkammer. Judy folgte ihm und blinzelte dabei kein einziges Mal. Ben warf ihr einen abschätzigen Blick zu und öffnete die Tür rechts. Links war die Tür zu den normalen Fluren des Gebäudes, in welchem das Kopfgeldjäger-Corps von Neo-Zoomania untergebracht worden war, direkt neben einem großen flachen Bildschirm, auf dem potenziell und finanziell bedeutende Ziele abliefen. Selene erhob sich ebenfalls und ging zum schwarz eingerahmten Bildschirm. Dann wählte sie eine Rehdame aus, welche einen stattlichen Preis für ihre Ergreifung bot: 34.500 für eine stadtweit gesuchte Terroristin, die vor allem Polizisten tötete. Die Zielperson wurde als angenommener Auftrag markiert und auch die Pantherdame ging zur Waffenkammer, um sich wahrscheinlich neue Patronen zu holen. Demonstrativ schulterte Selene einhändig ihre beiden verkürzten Sturmgewehre des Typs AK 5D „Fur“ und verschwand in der Waffenkammer. „Es hat sich immer noch nichts verändert“, murmelte ich in Judys rechtes Ohr. Es zuckte kurz, doch ihr Gesicht verriet nichts. „Gehen wir“, meinte sie leise und nickte zur Flurtür. Ich folgte ihr und wir durchquerten den Gemeinschaftsraum. Abwertende und beleidigende Blicke folgten uns, doch das brauchte uns nicht zu kümmern. Diese Idioten wussten nicht, was es hieß, mehr als nur gute Arbeit abzuliefern, sondern einen Job perfekt zu erledigen. Dank uns war nicht nur der Herzog tot, sondern auch sein einst mächtiges Kartell zusammengeschrumpft und ein Leichtes für das NZPD gewesen, die überlebenden Mitglieder einzufangen. „Übrigens“, fing ich an, sobald wir die schwarze Tür hinter uns geschlossen hatten, „dein Betrag steht noch aus.“ „So?“, fragte Judy mit ironischem Unterton. „Hätte ich das gewusst, hätte ich zuerst die Kohle einkassiert und wäre dann ins halbtote Koma gefallen. Wieviel?“ Ich ging um sie herum und stützte mich mit dem rechten Arm an der dunklen Wand ab, sodass ich ihr ins Gesicht sehen konnte. „Judy, das ist nicht witzig gewesen, weißt du?“, sagte ich leise. „Du hast nicht gewusst, was dieses Gift in deinem Körper bewirkt. Die Forschungsabteilung allerdings schon. Es ist ein Nervengift mit langsamer und vor allem schmerzvoller Verlangsamungsfunktion, welches zu Blutgerinnung, Arterienverstopfung und Herzversagen führt. Dabei beträgt die Dauer ein bis zwei Wochen, je nachdem, wie viel Gift und auf welche Art es dem Opfer eingeflößt wurde.“ „Soll heißen?“, fragte sie kühl und verschränkte ihre Arme wieder. „Pur: Drei Tage bis eine Woche. Verdünnt oder vermischt: Ein bis zwei Wochen“, antwortete ich. „Schön, dass wir das jetzt wissen“, meinte sie, schlüpfte unter meinem ausgestreckten Arm hindurch und fragte nachdrücklich: „Wieviel, Nick?“ Ihr dunkler Kapuzentrenchcoat schien wie ein zweiter Schatten zu sein, der ihr folgte, sich an ihre Körperbewegungen anschmiegte und –passte, mit der Dunkelheit verschmolz; meiner flatterte hinter mir her, als ich sie erneut einholte, mich vor ihr hinstellte und ebenfalls die Arme verschränkte. Kalt sah ich auf sie herab; sie sah nicht minder kalt zu mir hoch. „Du hättest innerhalb dieser Woche sterben können, Judy“, erklärte ich ihr noch einmal. „Schon 0,5 Milliliter von diesem Gift können bei kleineren Säugetieren verdünnt zum Tod führen. In diesem Glas war die doppelte Menge drin.“ „Du willst es aber auch nicht kapieren, oder?“, entgegnete sie kühl. „Es braucht schon mehr als einen Milliliter verdünntes Gift, um mich umzulegen. Dich, zum Beispiel. Oder ein ordentliches Sümmchen. Womit wir wieder bei meiner Themafrage wären: Wieviel?“ Ich gab auf. „Eine halbe Million für den Herzog“, sagte ich. Judy ließ ein entrüstetes Schnauben hören. „Nur so viel?“, fragte sie. „Und ich dachte, die wären großzügiger bei diesen Typen. Oder war der tatsächlich nur so wenig wert gewesen, wie dieses Wiesel ausgesehen hat?“ „Für jeden von uns“, fügte ich hinzu. „Und nochmals die Hälfte davon für jeden einzelnen getöteten Kartellangehörigen. Keine Abzüge, weil der Kodex verletzt wurde oder sowas; das alles ebenfalls mal zwei.“ Kurz wirkte die Hasendame überrascht, dann lächelte sie. „Klingt, als wär’s wieder mal ´ne gute Woche gewesen“, meinte sie und glitt elegant an mir vorbei. Ich drehte mich um und folgte ihr durch den schattigen Flur zum Hauptgang. Der Flur mündete an einer Kreuzung. Rechts ging die Treppe ins Erdgeschoss, welche sich nach wenigen Stufen in der Dunkelheit verlor; gegenüber von uns war eine weitere schwarze Tür, die zum Trainingsraum und zur Kantine der Todeshändler führte. Links ging ein ebenso schattiger Flur weiter, welcher vor einer doppelflügeligen Tür aus dunklem Kirschholz endete. Wir folgten dem linken Flur. Den Weg bis zur Tür legten wir schweigend zurück; wir hatten alles gesagt, was es zu sagen gab. Ich musste keinen Blick auf das mattsilberne Schild neben der Tür werfen, denn ich war diesen Weg schon sehr oft gelaufen, mit Judy und auch allein. „Klopfst du an, oder soll ich?“, fragte sie süffisant. Ich antwortete nicht, sondern öffnete einfach die Tür. Dahinter erwartete uns ein luxuriös eingerichtetes Büro, welches sich auf einem Platz von mindestens drei erstreckte. Hohe, schmale Fenster ließen gerade genug Licht herein, um schemenhafte Konturen auszumachen. Links und rechts, in den tiefen Schatten der Doppeltür, standen zwei massige Eisbären, welche unseren Gildenleiter beschützten, falls es zu einem Angriff auf das NZBHC-Gebäude kommen sollte. Bisher war es noch nie dazu gekommen, doch ich traute es diesen Idioten der Stadt oder des NZPDs grundsätzlich zu. „Mr. Wilde“, hörten wir eine bekannte, leise Stimme. Sie kam vom großen, schwarzen Schemen des Tischs vor den Fenstern. „Miss Hopps.“ Judy nickte knapp; ich zuckte nur mit dem rechten Ohr. „Kommen Sie“, befahl die Stimme. Wir setzten uns in Bewegung und kamen auf den schemenhaften Tisch zu. Hinter diesem saß ein weiterer Eisbär und auf dem Tisch selbst stand ein kleiner Stuhl, in welchem eine Spitzmaus mit schwarzem Nadelstreifenanzug saß. „Was hat Sie aufgehalten?“, wollte sie wissen. Ich warf einen schnellen Blick zu Judy; die Spitzmaus lächelte. „Kaninchen und ihr gesunder Schlaf, hm?“, meinte Mr. Big und grinste. Dann wurde er wieder ernst. „Miss Hopps, diese Vergiftung war ein Fehler.“ „Ich weiß“, antwortete Judy, „und ich werde ihn ausmerzen.“ „Nichts anderes erwarte ich von Ihnen“, meinte die Spitzmaus und wandte sich an mich. „Danke, Mr. Wilde“, sagte er. Jetzt lag es an Judy, mir einen Blick zuzuwerfen – fragend und verwundert. „Es ist unser Job, dafür zu sorgen, dass überall Regeln und Respekt eingehalten werden“, antwortete ich. „Sowohl im Corps als auch da draußen.“ Mr. Big nickte nur. „Erinneren Sie sich beide an Miss Dawn Bellweather?“, fragte er. „Die Assistentin des Bürgermeisters?“, hakte Judy nach. „Sie liegt komatös im Krankenhaus, durch unseren Verdienst.“ „Weil sie zu viele Fragen stellte“, ergänzte Mr. Big nickend. „Die Bauarbeiter sind übrigens immer noch damit beschäftigt, Ihre dort hinterlassenen Trümmer aufzuräumen.“ Vor drei Wochen hatten wir einen Anschlag auf die Stadthalle inszeniert, als Bellweather dort eine Rede hielt, um sie aus dem Weg zu räumen. Mr. Big hatte uns nur gesagt, dass es um die Zukunft des
NZBHC im Ganzen ginge und dass das Schaf eine Bedrohung für sie darstelle. Also waren wir, mit Bomben und Waffen ausgerüstet, dorthin gefahren, hatten für Aufruhr gesorgt und Bellweather zumindest ins Koma verlegen können. Als das NZPD aufgetaucht war, mussten wir fliehen und konnten somit den Auftrag eigentlich nicht zu Ende führen, aber Mr. Big war trotzdem zufrieden mit uns gewesen. „Ich sagte zu euch, dass es um die Zukunft ginge“, erklärte er. „Jetzt werdet ihr wissen, um welche Zukunft genau: Die meine. Unser Bürgermeister Leodore Lionheart weigert sich schon lange, meine Tochter und mehr als fähige Politikerin Fru Fru zu seiner Assistentin zu ernennen. Nun, da dieser Platz urplötzlich neu besetzt werden muss, hat er es akzeptiert. Doch er traut ihr nicht, denn er traut auch mir nicht. Darum hetzte er uns Bellweather auf den Hals. Ich möchte, dass ihr euch beide um dieses Problem kümmert und es aus der Welt schafft. Wie, ist mir egal.“ „Natürlich, Mr. Big“, antwortete Judy. „Müssen wir sonst noch etwas beachten?“ „Ja“, meinte die Spitzmaus. „Haltet den Schaden diesmal in Grenzen.“ Ich grinste nur.

Die Waffenkammer lag, in mattes Licht getaucht, vor uns. In den Regalen lagen schwarze Bomben, ganze Arsenale voller Mitternachtsschmerzen und es hingen immer schwarze Waffengürtel daran. Judy schnappte sich einen der Gürtel und legte ihn sich um. Dann nahm sie sich einige Messer und verstaute sie. Auch eine Bombe nahm sie mit. Ich dagegen ging zu den Waffenschränken und öffnete sie. Zuerst nahm ich mir neue Patronen für meine Browning BDM „Painmaker“ und anschließend für meine beiden Goncz-Maschinenpistolen „Fang“. Ich drehte mich um, nahm mir ebenfalls neue Wurfmesser und sah, wie Judy ihre beiden Lieblingswaffen einsteckte: Zwei Pistolen des Typs AMD AutoMag III „Reaper“ verschwanden in den schwarzen, schattigen Tiefen ihres Waffengürtels. Außerdem nahm sie ein DSR-presicion DSR 1 „Oneshot“ mit. Als ich sie fragend ansah, meinte sie nur: „Für alle Fälle.“ Ich grinste.
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