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Zoomania: Todeshändler

von Caragor
GeschichteThriller, Action / P18 / Gen
Fru Fru Judy Hopps Nick Wilde OC (Own Character)
06.08.2021
29.09.2021
25
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06.08.2021 2.265
 
Seit einer Generation gibt es kein Zoomania mehr. Die Stadt existiert seit der Großen Katastrophe von damals nicht mehr; stattdessen ist aus den Trümmern unserer alten Zivilisation eine neue Stadt entstanden: Neo-Zoomania. Noch bestehende Organisationen wurden neu gegründet und an die neue Stadt angepasst: Aus dem damaligen ZPD wurde das NZPD geschaffen, um das neue Ordnungsgesetz zu festigen. Viele kriminelle Banden und Kartelle wurden während des Großen Chaos gegründet und noch immer treiben sie ihr Unwesen in Neo-Zoomania, obwohl sie langsam, aber sicher aussterben. Doch das haben sie nicht allein der Polizei zu verdanken, sondern einer weiteren Ordnungsorganisation: Dem Kopfgeldjäger-Corps. Das NZBHC wurde vom ersten Bürgermeister nach der Katastrophe ins Leben gerufen, um das NZPD zu unterstützen. Doch schon bald machte sich das städtische Kopfgeldjäger-Corps einen eigenen Namen; es galt als effektiver in der Verbrechensbekämpfung, da es mehr Sonderrechte als die Polizei erhielt. Im Laufe der fünfundzwanzig Jahre, in denen Neo-Zoomania nun schon existiert, hat sich sowohl das Stadtbild wie auch die Führungsriegen der einzelnen Organisationen verändert – zum Besseren und zum Schlechteren. Zurzeit wacht Bürgermeister Leodore Lionheart über die sich noch immer im Aufbau befindende Stadt, mit seiner Assistentin Dawn Bellweather an seiner Seite. Der Kopf des NZPDs ist vor wenigen Monaten Chief Bogo geworden; über das NZBHC herrscht der Gildenführer Mr. Big seit Längerem. Da die Situation innerhalb der Stadt noch immer sehr angespannt ist, entwickelte sich aus dem Kopfgeldjäger-Corps eine Eliteeinheit, die darauf trainiert ist, besonders gefährliche Aufträge gegen Geld zu übernehmen und nur Mr. Big persönlich untersteht: Die Todeshändler. Wie jede Organisation hat auch diese Splittergruppe einen Kodex:

1.     Jedes Leben hat einen bestimmten Wert. Also muss der Tod mindestens gleichwertig sein.

2.     Wir lassen uns auf der Jagd nicht ablenken – und sei es ein Notfall. Wir leben einzig für die Jagd.

3.     Kein Auftrag scheitert, kein Auftrag wird abgebrochen. Wir sind eine Eliteeinheit und wissen darum.

4.     Persönliche Beziehungen zwischen Todeshändlern sind nicht gestattet. Jeder Agent muss ein klares Urteilsvermögen aufweisen können.

Woher ich den Kodex der Todeshändler kenne? Weil ich selbst eine bin. Und nicht nur das: Mein Partner Nick und ich sind die besten der Todeshändler. Unter seiner Führung änderte sich einiges im NZBHC. Rivalitäten wurden gefördert, die Loyalität rigoros auf den Gildenführer ausgerichtet und die Todeshändler bekamen endlich den ihnen zugestandenen und bitter benötigten Prestige-Aufschwung; dadurch konnten wir uns nach all der Zeit der Gleichstellung ein für alle Mal von den gewöhnlichen viertklassigen Kopfgeldjägern abheben. Wir bekamen neue Kleidung, dunkle Kapuzen-Trenchcoats, durch diese wir eine bessere optische Unterscheidung erzielten, als nur das silberrote Emblem; eine silberne Münze vor roten gekreuzten Knochen und Gewehren auf schwarzem Hintergrund. Ebenfalls bekamen wir eine eigene Ausrüstungskammer mit erweitertem und verändertem Inhalt: Anstatt dem Standardwaffensatz der üblichen Kopfgeldjäger bekamen wir ein neues Scharfschützengewehr, eine neue kurze, unauffällige Handfeuerwaffe für Attentate und Wurfmesser mit schwarzer Klinge, welche wir scherzhaft „Mitternachtsschmerz“ nannten. Mr. Big schaffte mit dem Gildengeld neue Sonderfahrzeuge für uns an: Gepanzerte, modifizierte schwarze Furley Bentaygas „4V“ mit kugelsicheren Frontscheiben und fehlenden Rücksitzen für mehr Waffenstauraum als Einsatzfahrzeuge sowie gepanzerte schwarze Zadillac XT6er mit kugelsicheren Front- und Seitenscheiben als Transportfahrzeuge für Großeinsätze. Diese wurden oftmals nicht benutzt, denn die meisten Spezialaufträge erledigten wir allein oder als Zweier- oder Dreierteam. Auf den Seitentüren der schwarzen Autos prangte unser Emblem, sodass jeder uns erkannte. Doch meist agierten wir in den Schatten, unerkannt, um die Aufträge im Geheimen zu vollziehen. Darum nennt man uns auch „lebende Schatten“, denn wir sind wahre Meister darin. Wir erledigen jeden noch so schweren Auftrag. Denn wir sind Todeshändler, die Elite der Kopfgeldjäger – und Nick und ich sind die Besten der Elite.

Als ich heute meine Augen aufschlug, begrüßten mich zuerst meine Schmerzen. „Scheiße“, murmelte ich und biss die Zähne zusammen, als die verschiedenen Druckstellen meines Körpers zu pulsieren anfingen. Dieses elendige Gift von letzter Woche wirkte immer noch nach. Mein Partner und ich waren von Mr. Big inoffiziell auf eine Party des Herzogs von Weaselton eingeladen worden – ein verführerischer Gentlemen, protziger Pilantroph und grausamer Kartellführer. Ich wusste nicht, was genau damals zwischen Mr. Big und dem Herzog vorgefallen war, doch sie lagen seitdem im Streit und wir sollten dafür sorgen, dass unser Gildenführer seine Position behielt. Wir schafften es auch, den Herzog auszuschalten – Nick hatte eine Autobombe unter jedes Fahrzeug angebracht und zwei unter dem persönlichen des Herzogs, falls dieser einen schnellen Abgang machen sollte. Doch ich war dabei leichtsinnig gewesen und ließ mich von diesem Tölpel vergiften. Am Rande bekam ich mit, wie sich in den tiefen Schatten des Metallgestells, welches die vollständig in der Schwärze verschwundene Decke stützte und dafür sorgte, dass der uralte Ballsaal der Herzogsresidenz, eine Überlebende der Großen Katastrophe, nicht in sich zusammenfiel, etwas bewegte: Nick. Sein schwarzer Kapuzentrenchcoat verbarg ihn dabei beinahe vollständig; er war eins mit der Dunkelheit und ich konnte nur seine Schnauze im stilvoll gedimmten Licht leicht schimmern sehen. Unser ursprünglicher Plan war gewesen, dass ich das Vertrauen des Herzogs erspielte und Nick, der durch das Dach eingestiegen war, hätte ihn später in dessen Schlafzimmer überrumpelt. Doch jetzt wurde nichts mehr daraus, denn ich lag auf dem gefliesten Boden der schwach erleuchteten Halle und hatte unter den Auswirkungen des Nervengifts zu leiden, während mein Partner sich die Kapuze über das Gesicht zog und mit geübten Bewegungen lautlos zu seinem schwarzen Waffengürtel griff, den er, wie alle Kopfgeldjäger, gekreuzt über Brust, Rücken und Taille trug. Meine Sicht verschleierte sich kurz und ich schnappte heftig nach Luft. Mittlerweile hatte sich eine Traube von Partygästen, meistens Kartellanhänger oder Verwandte des Herzogs, um mich geschart. Viele blickten sich aufmerksam um und ich sah, wie ihre Pfoten zu den Pistolen oder Maschinengewehren zuckten, die sie unter ihren schwarzen Anzügen verbargen. „Miss?“, fragte mich eine Stimme, die ich nicht genau identifizieren konnte, „geht’s Ihnen gut?“ Die Menge teilte sich und der schattige Umriss eines Wiesels kam auf mich zu. Scheiße, schoss es mir durch den Kopf, das funktioniert nicht! Der Herzog trat ins diffuse Licht und beugte sich zu mir herunter. „Haben Sie zu viel getrunken?“, fragte er laut, zischte mir allerdings ins linke Ohr: „Das kommt davon, wenn man auf’n Falschen setzt!“ Süffisant grinsend erhob er sich wieder und rief: „Einen Arzt für die Hasendame! Schnell!“ Damit verschwand das Wiesel wieder in der dunklen Menge und ich krümmte mich, als mich ein Keuchhusten packte, gepaart mit einem verdammten Schüttelanfall. Das Gift würde mir einen langsamen, qualvollen Tod in die Adern schicken – und das war das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte! Plötzlich schrie jemand auf und brach zusammen, den Geräuschen nach zu urteilen. Ich warf einen schnellen Blick nach oben und erkannte, dass Nick nicht mehr über mir war. Meine tränenden Augen suchten das Metallgestell ab und entdeckten ihn etwas weiter links, wo der Rotfuchs soeben zwei weitere Mitternachtsschmerzen aus seinem Gürtel zog und sie sofort auf zwei neue Opfer warf. Auch diese brachen schreiend zusammen. Langsam brach in der Halle das Chaos aus. Waffen wurden offen gezückt und in die Meute gerichtet. Nick sprintete lautlos auf einen anderen Platz und verschmolz wieder mit den Schatten. Erst dann zischten wieder zwei Mitternachtsschmerzen durch die dunkle Luft und nochmals mussten zwei Kartellangehörige dran glauben. „Da hinten!“, rief einer der Gäste und zeigte etwas neben Nick. „Da ist einer auf dem Gestell!“ Alle rissen ihre Waffen hoch und zielten in die Dunkelheit. Nick war schon lange nicht mehr an der Stelle, auf die der rufende Gast gezeigt hatte. Tatsächlich befand er sich genau über diesem und schleuderte ihm einen weiteren Mitternachtsschmerz in den Nacken. Stöhnend brach dieser zusammen und während die anderen Gäste das Feuer auf den Platz über diesem eröffneten, drehten sich meine Ohren und lokalisierten Nicks leise Schritte. Er kam auf mich zu und sprang herab. Lautlos kam er neben mir auf und sein dunkler Mantel bauschte sich, als seine Hinterpfoten den Boden berührten. Er nahm die Kapuze ab und schob seine Vorderpfoten unter meinen Körper. Mittlerweile hatte sich Panik innerhalb der Halle breitgemacht und viele rannten in Richtung Ausgang, zu ihren Autos, um ihr eigenes Leben zu retten. Nick und ich schlossen uns der flüchtenden Meute einfach an. Sie ergoss sich aus der Schwarzeichenholztür in die dunkle Neumondnacht hinaus, welche von vereinzelten Straßenlaternen durchbrochen wurde. In der diffusen Eingangshalle schwang sich Nick mit mir eine der Säulen hinauf und bekam bald das dunkle Dachgebälk zu fassen. Über uns war eine gläserne Dachkuppel, durch die leichtes Licht nach außen drang. Nick griff erneut in seinen Waffengürtel und zog eine schwarz lackierte Browning BDM heraus, welche leicht schimmerte. Er richtete die kurze, unauffällige Handfeuerwaffe auf das Glasdach über uns und drückte ab. Als der Schuss die Scheibe zerbarst, sprang Nick hoch und warf mich darüber, sodass ich auf dem dunklen Flachdach landete. Mein Körper, der noch immer unter dem Gift litt, protestierte schmerzhaft, doch ich ignorierte es. Ich konnte sehen, wie die verängstigten Partygäste, der Herzog inklusive, zu ihren Autos rannten, die Türen aufrissen, auf das Gaspedal eintraten und in die dunkle Nacht davonrasten. Nur kurze Zeit später hörte ich, wie Nick hinter mir auf das Flachdach gesprungen kam. Mittlerweile war die erste Schmerzenswelle abgeklungen und ich konnte mich wieder etwas aufrichten. Als Nick neben mir zum Stehen kam, hatte ich mich bereits schon auf die Knie gezwungen. „Lässt du sie jetzt etwa entkommen?“, stieß ich durch zusammengebissenen Zähnen hervor. Als er nicht antwortete, fragte ich resigniert: „Und was jetzt?“, und stemmte mich an ihm hoch. Noch immer antwortete er nicht, sondern reichte mir meinen Trenchcoat und den Waffengürtel. „Danke“, sagte ich und legte mir den Gürtel um. Dann schlüpfte ich in den Trenchcoat und zog mir die Kapuze über, denn der Wind war hier oben stärker. Soeben entschwanden die letzten roten Rücklichter in der dunklen Stadt. „Wir können sie nicht alle einzeln verfolgen“, meinte ich. „Was jetzt?“ „Die Show genießen“, antwortete Nick und griff in seinen Trenchcoat. Dann zog er einen kleinen Fernzünder hervor und drückte auf den roten Knopf. Im selben Moment erzitterte Neo-Zoomania unter einem lauten Krachen und verschiedene Orte wurden gleichzeitig in flackerndes Licht getaucht, als die Autos der Partygäste in die Luft gingen. Beinahe gleichzeitig heulten Sirenen los und rote Lichter blitzten auf; die Feuerwehr Neo-Zoomanias, die NZFF, waren alarmiert worden. Nicks linkes Ohr drehte sich, als er auf die ebenfalls alarmierten Wachen innerhalb der Residenz lauschte. „Das war ´ne Scheißaktion von dir, dich vergiften zu lassen“, sagte er leise. „Ich weiß“, murmelte ich. „Konnte doch ich nicht ahnen, dass dieser Idiot mich erkannt hat.“ „Hat er aber“, meinte Nick. Sein Gesicht hatte sich nicht verzogen. Nur die Augen verrieten, dass er sich um mich sorgte. „Judy, kannst du dir vorstellen, dass ich dich heute Nacht hätte verlieren können?“, fragte er mit rauer Stimme. „Nur wegen eines vergifteten Getränks?“ „Das war eine einmalige Sache“, antwortete ich knapp. „Und es ist das hier wert gewesen.“ Ich starrte in die Ferne und meine Augen huschten von Brand zu Brand. Irgendwo würden die Feuerwehrleute die schwarze, verkohlte Leiche des Herzogs aus dem brennenden Wrack ziehen. Der Typ war tot und das hatte sich eine Vergiftung gelohnt. „Geben wir Big Rückmeldung“, meinte ich; ich hatte keine Lust, weiter in der Saukälte auf dem Dach zu stehen, denn der Trenchcoat war in erster Linie nicht unbedingt wetterbedingt veranlagt gewesen. Der Rotfuchs nickte, zog sich seine Kapuze wieder tief über die Augen und wir machten uns an den Abstieg; von dort aus blieben wir in den Schatten und erreichten so unser Einsatzfahrzeug, welches wir einige Straßen weiter geparkt hatten. „Keine Chance“, blockte Nick ab, als ich auf die Fahrerseite zuging, „ich fahre.“ Ich zuckte mit der Schnauze, zeigte ansonsten aber keine Veränderung. Als wir losfuhren, peitschte allerdings eine weitere Schmerzenswelle durch meinen Körper, von der ich das Bewusstsein verlor. Das war jetzt eine Woche her und ich fühlte mich noch immer so mies wie an diesem Abend. Knurrend setzte ich mich auf und wartete darauf, dass die Schmerzen abklangen. Dann erst stand ich auf und streckte mich. Das sogenannte Bett im persönlichen Schlafraum der Todeshändler hatte meiner Meinung nach diesen Namen nicht verdient. Es war hart und unbequem. Doch niemand nutzte diesen Raum jemals, obwohl dieser eigens für uns eingerichtet worden war. Die meisten hatten sich daran gewöhnt, in einer eigenen Wohnung zu leben oder hatten andere Gründe, diesem Raum hier fernzubleiben. Vielleicht waren es die Betten, das könnte ich nachvollziehen. „Bist du auch wieder wach?“, ertönte eine Stimme vom Türrahmen her. Ich brauchte einen Moment, bis sich meine Augen an die matten Lichtverhältnisse gewöhnt hatten; die Wandlampen leuchteten schwach im fensterlosen Raum. Meine Ohren lokalisierten die Quelle von rechts, also drehte ich auch meinen Kopf in diese Richtung.
Zuerst sah ich nur einen schwarzen Umriss, doch langsam erkannte ich mehr Details: Spitze Ohren, lange Schnauze, peitschender Schwanz. „Auch dir einen guten Morgen, Nick“, murmelte ich. Ich bemerkte, dass Nick seine volle Ausrüstung trug. „Du hast fast eine Woche lang geschlafen, Judy“, meinte er schlicht. Er bemerkte meinen Blick und sagte: „Zieh dich an.“ „Wieso?“, fragte ich und griff verwirrt nach meinen Standardklamotten: Anpassungsfähige, dunkle Kleidung mit leichter Front- und Rückenpanzerung, schwarze Kampfstiefel, dunkler Kapuzentrenchcoat. „Wo ist mein Waffengürtel?“, fragte ich misstrauisch, denn dieser fehlte eindeutig. „Du kannst dir später in der Kammer einen neuen holen“, lautete Nicks Antwort. „Jetzt komm endlich!“ „Ein neuer Auftrag?“, fragte ich. Ich erkannte den Anflug eines Lächelns auf Nicks Schnauze, während ich mir den Trenchcoat umlegte. „Korrekt, Möhrchen“, sagte er. „Und Mr. Big lässt nicht gerne warten, weißt du?“ „Allerdings“, murmelte ich und folgte ihm aus dem dunklen Schlafraum.
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