Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

[(D'c) HeartBeat] Heart Savior

GeschichteRomance, Suspense / P18 / Het
05.08.2021
19.09.2021
39
127.679
94
Alle Kapitel
268 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
15.09.2021 3.403
 
Ein Räuspern und leises, absichtliches Husten sorgte dafür, das Patrick wieder auf die Erde katapultiert wurde und er gleichzeitig spüren konnte, wie Tara sich steif machte und alles Weiche und Nachgiebige aus ihrem Körper verschwand, als er langsam und fast zögernd seinen Mund von ihrem löste und den Kopf hob. Tief holte er Luft und öffnete die Augen. Tara's Wangen waren gerötet, und immer noch hielt sie ihre Augen geschlossen, während sie genauso schnell wie er atmete. Ihr Atem vermischte sich zu einer gemeinsamen kleinen Wolke und am liebsten hätte er sie erneut geküsst, als Walter's Stimme hinter ihnen erklang.

„Na endlich. Ich dachte schon, ich friere hier fest und ihr beide verwandelt den Schnee um euch in eine riesige Pfütze … ehm...“ Walter brach ab und kratzte sich an der Schläfe, während er breit grinste und es gleichzeitig zu verstecken versuchte. „Das hier ist von meiner Frau und mir, Doktor. Ein kleines Dankeschön. Frohe Weihnachten.“

Tara machte sich von Patrick frei und biss sich verlegen auf die Lippen, als sie Walter's Blick sah und Patrick's auswich. „Das wäre doch nicht nötig gewesen.“

„Doch doch. Hier.“ Er drückte ihr einen relativ schweren Korb in die Arme, der mit einer kleinen Decke zugedeckt war und grinste, als er ihren Blick sah.

„Frag' nicht. Ich weiß nicht alles was da drin ist. Ich weiß nur von einem selbstgemachten Christstollen, eine Flasche Wein und selbstgebackenes Brot. Der Rest...“ Walter hob grinsend die Hände. „Lass dich überraschen.“

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll...“ Verlegen hielt sie den Korb mit beiden Armen fest, als Patrick ihn ihr sanft abnahm.

„Danke?“ Mit hochgezogener Augenbraue sah Patrick sie kurz an, bevor er sich halb drehte. „Ich hole deine Tasche und geh schon mal zum Wagen, um ihn warmlaufen zu lassen und freizubuddeln. Dann brauchst du gleich nur mit Lucky nachkommen und er ist nicht solange in der Kälte. Und zwischenzeitlich kannst du für morgen einen Termin mit Walter machen. Du wolltest doch morgen nochmal her, oder?“ Er sah kurz auf seine Uhr, bevor er leicht die Stirn runzelte und schon nach dem Türknauf griff. „Lucky bekommt bald schon seine nächste Mahlzeit und alle Flaschen die du mit hattest, sind leer, wir müssen los, Tamara. Walter.“ Kurz nickte er Walter zu, bevor er die Türe aufzog und in den Stall verschwand.

„Hm...“ Verlegen wich Tara kurz dem wissenden Blick von Walter aus, bevor sie erneut zum sprechen ansetzte und von Walter unterbrochen wurde.

„Er ist ein guter Mann, Doktor. Ich kenne ihn schon sein ganzes Leben. Er ist zwar irgendwie Ruhe- und Rastlos, das sieht man ihm an und spürt man auch irgendwie, aber trotzdem hat er einen guten Charakter. Er ist lange Jahre in der Weltgeschichte herumgereist. Marge hat seinen Werdegang genau beobachtet, obwohl sie es niemals zugeben würde und ist sehr stolz auf ihn, auf beide. Aber trotzdem hat sie sich gewünscht, das er irgendwann nach Hause und zur Ruhe kommt. Seinen Platz hier findet, wo er hingehört.“

„Warum...“ Tara fuhr sich mit der Zungenspitze über ihre Lippen, während sie gleichzeitig die Schultern hochzog und ihre Hände in den Manteltaschen vergrub. „Warum sagen Sie mir das?“

„Ich weiß nicht.“ Walter runzelte die Stirn, während er leicht lächelte und sein Blick auf den Mistelzweig fiel, bevor er näher kam und die Hand ausstreckte. Vorsichtig pflückte er eine Beere und hielt sie ihr mit aufforderndem Blick hin, sodass Tara gar nicht anders konnte, als ihre Hand aus ihrer Tasche zu ziehen und sie auf ihre Handfläche legen zu lassen. „Vielleicht, weil ich auf meine alten Tage ein hoffnungsloser Romantiker bin? Vielleicht auch, weil ich weiß, dass das...“ Er sah auf die Beere und dann auf Tara, „...hier bei uns etwas bedeutet. Kein Mann küsst leichtfertig unter dem Mistelzweig, Doktor. Nicht hier bei uns.“ Lächelnd trat er wieder einen Schritt zurück. „Und, ich bin alt, ich darf das jetzt mal so sagen … um euch beide ist ja beinahe gerade der komplette Schnee geschmolzen. Fünf Minuten länger und der Rosenbusch neben euch hätte gedacht dass es schon wieder Frühling ist und angefangen zu blühen.“

„Das war doch nur ein Kuss, weil ich genau und unabsichtlich darunter stand. Patrick hat mir erzählt, woher die Tradition kommt, das ein Mann, unter einem Mistelzweig, eine Frau küssen darf. Ich kannte zwar die Tradition, aber nicht die Geschichte, warum...“ Verwirrt und verlegen plapperte Tara einfach drauflos, während sie auf die Beere und dann auf Walter sah, der leise lachte.

„Ja? Hat er das? Hat er auch gesagt, was es hier in Kanada bedeutet? Dein Vater ist zwar Kanadier, Doktor, und du zur Hälfte auch, aber irgendwie glaube ich gerade nicht, dass du weißt, was es hier bedeutet, oder?“

„Was bedeutet es denn hier? Hat es noch eine andere Bedeutung, als das von Frigga und den Küssen, was mir Patrick erzählt hat?“

Leise lachend drehte sich Walter um. „Dachte ich mir. Frohe Weihnachten, Doktor. Wir sehen uns morgen Mittag, ja? Zur Nachuntersuchung der beiden, richtig? Fahrt vorsichtig jetzt.“ Langsam ging er auf sein Haus zu, während Tara ihm kurz nachsah, ehe sie sich nachdenklich auf die Lippen biss und dann ihren Blick auf die winzige, weiße Beere in ihrer Hand lenkte.

Wieso hatte er ihr diese jetzt gegeben und was meinte er damit, dass hier ein Kuss unter dem Mistelzweig eine andere Bedeutung hatte? Vielleicht sollte sie ihren Dad anrufen? Gleichzeitig schüttelte sie entschieden den Kopf. Um Himmelswillen, solange sie nicht wusste, was es bedeutete … aber ihr Dad schon … nee das ging nicht. Und so geheimnisvoll wie Walter gerade getan hatte? Gott, wer weiß, was das hier bedeutete... Nachdenklich biss sich Tara auf die Lippen, bevor ihr plötzlich John in den Sinn kam. Ihn konnte sie doch fragen, oder etwa nicht? Klar, ihn konnte sie fragen. Entschlossen reckte sie ihr Kinn vor. John würde ihr sagen, was es mit dieser verdammten Beere und dem Kuss auf sich hatte. Jetzt sollte sie allerdings endlich nach Hause fahren, es war bereits spät genug und Lucky würde bald das nächste Fläschchen bekommen und sie könnte auch etwas Schlaf gebrauchen. Gähnend drehte sie sich um und zog die kleine Türe auf, um Lucky zu holen und dann zum Auto zu gehen. Und sie könnte ja nochmal kurz in die Box sehen.


<<-->>



Knapp eine Stunde später ging sie müde durch die Tür, die Patrick ihr aufhielt, während sie den Korb mit Lucky an sich drückte. Kurz warf sie Patrick einen Blick zu, der mit ihrer Tasche, dem Korb von Walter und ihrem Rucksack beladen war und schüttelte wieder innerlich den Kopf, weil er sich so aufgeregt hatte, das sie auch etwas tragen wollte. Das passte hinten und vorne nicht zu seinem Verhalten während der Fahrt, denn die ganze Zeit hatte er verbissen geschwiegen und seufzend sah sie auf Rabauke, der gerade angestürmt kam und erst um ihre, dann um Patrick's Beine strich und maunzte, bevor er auf die Anrichte sprang, wo Patrick gerade den Korb und den Rucksack abstellte. Neugierig und ihn ausgiebig abschnuppernd, versuchte er gleichzeitig unter die Decke zu kommen, mit der der Korb zugedeckt war, und hineinzuklettern, als Patrick ihn schnappte und auf den Boden setzte.

„Lass das.“

Verblüfft stellte Tara fest, dass Rabauke brav unten blieb, während er um Patrick's Beine strich und ihn anmaunzte. 'Verräter...' Vorsichtig sah sie in den Picknickkorb, wo Lucky noch tief und fest schlief und stellte ihn ebenfalls auf die Anrichte. „Ich geh eben schnell duschen, bevor ich die Fläschchen für ihn vorbereite. Ich habe das Gefühl, total nach Stall und Pferd zu riechen.“

„Hm, mach das. Danach geh ich dann.“ Patrick sah sie kurz an, bevor er den Kühlschrank öffnete und stirnrunzelnd hineinsah, bevor er sich die Dose mit Katzenfutter schnappte und Rabauke's Napf füllte.

„Eigentlich sollte er jetzt nichts bekommen, er ist viel zu dick.“

„Katzen müssen dick sein.“ Patrick warf ihr einen kurzen Blick zu. „...sonst sehen sie aus, als wären sie am verhungern.“

„Ja und ihre Gesundheit findet das bestimmt auch toll, wenn sie so übergewichtig sind, das sie kaum laufen können.“

Prüfend sah Patrick auf den Kater. „Davon ist der doch meilenweit entfernt. Das sind alles Muskeln.“

„Ah ja... interessante Feststellung. Der Kater hat bald die Figur eines Waschbären.“

„Waschbären sind toll mit ihrer Banditenmaske und überhaupt nicht dick.“ Grinsend sah Patrick erneut kurz hoch, bevor er die leere Dose in den Mülleimer warf.

Langsam und Kopfschüttelnd ging Tara Richtung Flur und warf noch einen kurzen, finsteren Blick auf Rabauke, der sich gerade über sein unerwartetes Essen hermachte. Rabauke benahm sich gerade als wäre er Patrick's Kater und als Krone obendrauf, hörte er bei ihm auch noch auf's Wort. Bei ihr, wäre er schneller wieder auf der Anrichte gewesen, als sie sich hätte aufrichten können.
Toll, Patrick verdrehte also nicht nur ihr den Kopf, sondern auch noch ihrem Kater. Tara biss sich auf die Lippen und musste sich zwingen, sie nicht mit dem Finger zu berühren, als ihr plötzlich wieder sein Kuss in den Sinn kam. Gott verdammt, wieso konnte er so gut küssen? Das sollte verboten werden. Wie sollte sie sich wehren können, wenn er sie mit einem einzigen Kuss schon schachmatt setzte?
...Erfahrung? Er ist schließlich zehn Jahre älter als du?...
Spöttisch meldete sich die kleine Stimme in ihrem Kopf und Tara musste sich zwingen, nicht laut zu fluchen, als ihr wieder der Altersunterschied in den Sinn kam. Zehn Jahre, Gott verdammt. Leise vor sich hin schimpfend, dass sie so bescheuert war und das immer wieder vergaß, betrat sie ihr Schlafzimmer um sich frische Sachen zu holen.


Patrick sah ihr kurz nach, und automatisch fiel sein Blick wieder auf ihren Hintern, der sich wie eine einzige erotische Provokation hin und herbewegte während sie lief, bevor er sich zwang, den Blick abzuwenden und sich mit beiden Händen durch die Haare fuhr und die Lippen zusammenpresste. Gott, wie hatte er sich vorhin einfach hinreißen lassen können und sie küssen?
...weil du ein Idiot bist … weil du sie küssen wolltest und weil du es nochmal tun willst … und dann nochmal … und nochmal...
Ach verdammt. Wieso konnte er nicht einfach die Finger von ihr lassen? Seufzend schüttelte er den Kopf und beantwortete sich die Frage selber. Eben 'weil' er ein verdammter Idiot war und sich in seinem Leben nicht schon genug verbrannt hatte.
...und das im wahrsten Sinne des Wortes, hm?...
Knurrend schob Patrick alle Gedanken beiseite und schnappte sich ihren Rucksack um die Flaschen für den Welpen daraus zu nehmen. Kurz spülte er sie ab und sah sich dann nach dem Gerät um, wo die Flaschen reinkamen, um sie zu reinigen und zu desinfizieren. Wie hieß das noch gleich? … Stirnrunzelnd überlegte er kurz, bevor es ihm einfiel. Vaporisator, genau … Die Tochter von Ahmed, Amara, hatte doch sowas für die Flaschen benutzt. Suchend öffnete er alle Schränke und runzelte dann die Stirn, als er keinen fand. Wie, zum Teufel, sollte er die jetzt auskoch...
Aufstöhnend verdrehte Patrick die Augen. Auskochen... okay. Seufzend schnappte er sich einen Topf und füllte ihn mit Wasser, bevor er die Flaschen und Sauger hineingab und sich gleichzeitig gedanklich eine Notiz machte, so einen Vaporisator zu kaufen. Garantiert würde sie das noch viel öfter gebrauchen, wenn sie jedes hilfsbedürftige Wesen mit nach Hause schleppte.
Und ihr Lucky würde doch bestimmt noch einige Wochen Milch bekommen, bevor er selbstständig fressen würde. Sein Blick fiel auf den Picknickkorb und dann über der Theke auf den Karton … und einen verdammten Hundekorb. Da gab es doch diese riesigen, flauschigen, dicken Hundebetten, die hatte er bereits mehr als einmal in den Werbungen gesehen, wenn er nicht schlafen konnte und sich durch die verschiedenen Fernsehkanäle geklickt hatte. Der Kleine konnte doch nicht ewig in einen Karton oder einem Picknickkorb schlafen.

Sein Blick fiel auf die Uhr und seufzend rieb er sich über die Augen. Mittlerweile war es bereits nach zwei Uhr morgens und er war mehr als hundemüde. Außerdem knurrte sein Magen und wollte dringend einen Kaffee. Entschlossen füllte er die Kaffeemaschine, bevor er in den Topf sah, wo das Wasser gerade anging heiß zu werden und kleine Blasen zu werfen, ehe er den Kühlschrank öffnete und hinein starrte.
Gott, er gäbe jetzt alles für eine frische, heiße, knusprige Pizza. „Lass das...“ Mit einem strafenden Blick schnappte er sich Rabauke, der gerade in den Kühlschrank klettern wollte und nach dem Käse angelte, und klemmte ihn sich unter den Arm, während der Kater sich wie ein nasser Sack, schicksalsergeben hängen ließ und ihm nur einen anklagenden Blick zuwarf. „Du kannst kaum Hunger haben, du hast vorhin was bekommen.“ Erneut maunzte der Kater mitleiderregend und seufzend brach Patrick eine kleine Ecke von dem Stück Käse ab und hielt sie ihm hin. „Hier und wehe du verpetzt mich.“ Vorsichtig setzte er den Kater auf den Boden, der zufrieden an dem Stück Käse knabberte, bevor er auffordernd zu Patrick hochsah und leise mauzte. „Oh nein, mehr gibt es nicht. Vergiss es.“



Tara musste an sich halten, um nicht laut loszulachen, als sie die beiden beobachtete, obwohl sie eigentlich sauer sein sollte, das er Rabauke so vollstopfte. Doch es wirkte einfach zu süß, wie Patrick mit dem Kater sprach und der ihm auch noch antwortete, so als würde er jedes Wort verstehen. Gut, das tat er bei ihr auch, aber sonst hatte sie das noch bei niemanden erlebt, das Rabauke sich so benahm oder sich mit einem Menschen 'unterhielt'. „Du kannst duschen, ich bin fertig.“

„Oh?“ Patrick richtet sich ruckartig wieder auf und knallte die Kühlschranktüre zu. „...dann warst du aber schnell.“

„Na wie lange soll ich denn brauchen?“ Stirnrunzelnd sah sie ihn an und wie er die Schultern hob, während sie näherkam.

„Keine Ahnung. Länger? Frauen brauchen doch sonst ewig im Bad.“

„Tut mir leid, wenn das nun dein Weltbild erschüttert. Ich gehöre dann wohl zu den Frauen, die nicht ewig im Badezimmer brauchen um sich aufzustylen, obwohl sie eigentlich ins Bett wollen.“ Ironisch verzog Tara leicht die Lippen, während sie gleichzeitig mit sich selbst schimpfte, als sie kurz sah, wie sich seine Augen verdunkelten.

„Die Flaschen sind im Topf. Du brauchst nur die Milch anmischen. Ich geh duschen.“

Patrick ging an ihr vorbei und seufzend zwang sich Tara ihm nicht nachzusehen.
...du bist bescheuert, ehrlich. Wieso fauchst du ihn eigentlich immer an? Er war heute sowas von lieb und du … echt mal...
Das wusste sie auch so, verdammt. Sie konnte einfach nichts dafür. Jedes Mal wenn sie ihn ansah, wollte sie ihn küssen und jedes Mal schob sich ein Bild von Dakota davor, wie er sie ebenfalls küsste und mit ihr im Bett lag.
...Gott verdammt, vergiss die doch mal, wenn du ihn willst, hol ihn dir doch. Himmel Herrgott nochmal...
Nein. Kopfschüttelnd presste sie die Lippen zusammen. Sie wollte keinen Typ, der was mit Dakota hatte oder gehabt hatte. Außerdem, nur weil er heute so nett war und sie obendrein geküsst hatte … und das nur, weil sie eben unter dieser verdammten Mistel gestanden hatte, ... hieß das nicht, dass er was von ihr wollte. Und selbst wenn … sie hatte besseres verdient als dass sie erst hinter Dakota kam.
...du bist einfach hoffnungslos. Dreh den Spieß doch mal um und spann ihr den Mann aus. Würde sie bestimmt treffen und deinem Selbstbewusstsein gut tun...
Nein. So was war Dakota's Masche, auf sowas ließ sie sich nicht nicht herab. Entweder wollte ein Mann sie und keine andere, oder eben nicht. Punkt.
...Du bist einfach nur bescheuert. Total bescheuert...
Seufzend machte sich Tara daran, die Milch für Lucky herzustellen, während sie die kleine Stimme rigoros ignorierte, ehe sie auf die Uhr sah und sich einen Kaffee eingoss. Vielleicht könnte sie die Zeit etwas hinauszögern, so auf zweieinhalb Stunden. Er nahm die Flasche ja gut an und hatte schon ein richtiges kleines Bäuchlein.

Langsam ging sie zum Couch und sah vorsichtig in den Picknickkorb der danebenstand. Der Kleine schlief tief und fest und lächelnd musste sie sich zurückhalten, um nicht die Hand auszustrecken und ihn zu kraulen. Vorsichtig stellte sie die Tasse auf den Couchtisch, bevor sie sich zufrieden aufstöhnend einfach fallen ließ und dann lang ausstreckte. Vielleicht konnte sie noch fünf Minuten die Augen zumachen und dösen, bevor Patrick zurückkam. Dann würde sie wieder aufstehen. Das er sie hier liegend sehen würde, wollte sie bestimmt nicht. Sie mochte es eh nicht, wenn sie die Augen zu hatte und jemand sie beobachten könnte.
Vielleicht sollte sie sich doch nicht hinlegen, sondern den Korb auspacken, den sie von Walter und seiner Frau bekommen hatte? Ach Quatsch, dass konnte sie auch später noch. Nur fünf Minuten die Augen zumachen. Sie fühlte sich eh gerade total fertig und erledigt und todmüde.


<<-->>



Mit zusammengepressten Lippen sah Patrick auf sein Bein und seine Seite, bevor er nach der Salbe griff, die John ihm aufgeschrieben hatte, damit die Narben weniger zogen, wenn er das Bein bewegte. Wofür machte er das eigentlich? Die verdammten, hässlichen Narben und Brandflecken würde er eh niemals wieder loswerden. Vielleicht würden sie irgendwann etwas blasser, doch sie würden ihn nun den Rest seines Lebens begleiten. Er war eigentlich jemand, der nie besonders auf Äußerlichkeiten fixiert gewesen war. Wahrscheinlich, weil er so verdammtes Glück mit seinem Aussehen hatte, obwohl er sich nie etwas darauf eingebildet hatte. Gut er hatte schon immer Sport gemacht und ja verdammt, er war irgendwie stolz auf seinen Körper … naja, zumindest war er es immer gewesen. Wieder fiel sein Blick auf die Narben und kurz verzog er seinen Lippen etwas. Bei jedem Anderen würde er sagen, dass sie sich nicht auf die Narben reduzieren sollten und der Charakter zählen würde, wieso konnte er das nicht für sich akzeptieren und sich so benehmen und sie akzeptieren? Sie waren nun ein Teil von ihm und er würde sie nicht mehr loswerden. Trotzdem machten sie ihm zu schaffen.
Wie, zum Teufel, sollte eine Frau mit dem Anblick klarkommen, wenn er selbst es nicht einmal tat?
...eine Frau? 'Eine' Frau wäre dir doch egal, du denkst an jemand bestimmtes, sprich es doch aus...
Leise fluchend schraubte er den Deckel der Dose auf und griff mit den Fingerspitzen in die silbrig schimmernde Paste, bevor er seufzend anfing, seine Seite damit einzureiben. Ja verdammt, er dachte an Tamara, er wollte sie. Er wollte sie in seinem verdammten Bett, oder auf der Couch, dem Sessel, oder unter der Dusche. Egal wo, wenn sie das hielt, was ihr Körper versprach und seine Fantasie ihm vorgaukelte, würde er nicht genug von ihr bekommen, jetzt nicht, morgen nicht, wahrscheinlich niemals.
Doch er bezweifelte, dass sie die Narben jemals zu Gesicht bekommen würde. Auf ihr entsetztes Gesicht, konnte er gut verzichten. Das wollte er bei ihr nicht sehen. Niemals.
...bist du jetzt da gerade nicht etwas voreilig und verurteilst sie als ziemlich oberflächlich? … Sie macht ganz und gar nicht den Eindruck, dass sie entsetzt wäre oder schreiend davon laufen würde...
Nein, wahrscheinlich nicht. Trotzdem wollte er es nicht riskieren und sehen, dass sie vielleicht entsetzt zurückweichen würde.
...schön, dann geh doch irgendwo in ein Kloster, wo es keine Frauen gibt. Wenn du eh den Rest deines Lebens auf Sex verzichten willst … und auf Liebe … vielleicht doch … ein Zuhause … eine 'eigene' Familie...
„Klappe.“ Wütend presste Patrick die Lippen erneut zusammen, als er anfing sein Bein einzureiben. Wer zum Teufel sagte, dass er ein Zuhause bräuchte? Oder das er eine Familie wollte. Sein Leben war, wie es war, perfekt. Er hatte es sich so ausgesucht und es war, verdammt nochmal, gut so.
...Sicher … wenn du das sagst. Deshalb springt in deinem Kopf jetzt auch plötzlich eine Frau und ein Hund und ein Zuhause rum, nicht wahr? Ach und dieser kleine Kater, der einfach immer in deinem Bett schläft, den darf ich nicht vergessen … Wem willst du eigentlich was vormachen? Mir nicht, oder? Ich sitze hier an der Quelle und weiß, was dir hier durch den Kopf springt. Selbst wenn es dir noch gar nicht bewusst ist...
„Was, zum Teufel, willst du jetzt eigentlich von mir? Wo warst du, als ich dich mal gebraucht hätte? Also halt die Klappe und verzieh dich wieder in irgendeine dunkle Ecke. Verdammt nochmal.“ Leise aufzischend und fluchend schraubte Patrick den Deckel auf die Dose und stellte sie beiseite, bevor er nach seiner Jeans und einem Poloshirt griff. Er würde jetzt etwas essen und einen Kaffee trinken und dann ins Bett gehen. 'Ohne' nachzudenken oder sich von irgendeiner bescheuerten kleinen Stimme irgendeinen Mist einflüstern zu lassen.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast