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Lea und Florian, eine never ending Story? Teil 2

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
03.08.2021
19.09.2021
84
118.915
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15.09.2021 1.413
 
Florian blieb bei seiner Aussage, sich nicht von Saskia trennen zu können, deshalb hatte ich ihn gestern Nachmittag quasi rausgeschmissen. Er war bockig und uneinsichtig, und mir selber tat es auch in der Seele weh, aber ich musste konsequent bleiben. Wenn er mir wenigstens einen Grund genannt hätte, warum er sich nicht von ihr trennen kann. Hätte meine Entscheidung wahrscheinlich nicht geändert, aber ich könnte es vielleicht verstehen.

Schlecht gelaunt stehe ich nach einer sehr unruhigen Nacht auf und mache mich nach einer kurzen Dusche auf den Weg zu Frau Schadt. Sie strahlt immer noch wie ein Honigkuchenpferd und bemerkt heute noch nicht mal, dass es mir nicht gut geht.

"Lea, guten Morgen. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen das jemals wieder gut machen soll. Diese Überraschung gestern. So ein charmanter, gutaussehender, intelligenter Mann. Hach, ich habe heute Nacht sogar von dem Herrn Fitz geträumt, hihi. Ich weiß, in meinem Alter sollte ich nicht so schwärmen, aber ich kann nicht anders. Und dass Sie wieder ein Paar sind, freut mich um so mehr. Also hat er Ihnen die Ohrfeige nicht nachgetragen?"

Endlich hört sie auf zu reden und ich darf auch was sagen:
"Guten Morgen Frau Schadt. Es freut mich, dass Sie sich so freuen, aber der Herr Fitz und ich sind kein Paar."
"Ach nein? Aber sie wirkten gestern so vertraut. Und er ist doch auch noch mit zu Ihnen gegangen, oder?"
"Wie kommen Sie denn darauf?"
"Nicht, dass Sie denken, ich hätte Sie beobachtet, aber als Sie gegangen sind, wollte ich aus dem Küchenfenster noch einen Blick auf den wirklich hübschen Mann werfen, und da standen Sie mit ihm vor dem Haus und haben sich eindeutige Blicke zugeworfen. Und dann sind Sie beide sehr schnell in Ihre Richtung gegangen. Ich wollte nicht indiskret sein, das müssen Sie mir glauben, aber es war doch offensichtlich, dass Sie es sehr eilig hatten. Entschuldigen Sie bitte nochmals. Und Sie sind doch auch so ein schönes Paar."
"Ja, vielleicht wären wir das wirklich, aber nicht immer ist alles so, wie es scheint."
"Wie meinen Sie das?"
"Kann ich nicht näher erklären, ich geh jetzt erstmal los. Wir sehen uns nachher. Komm Molly, auf gehts."

Und dann gehe ich mit Molly in den Park. Diese Backfischschwärmerei von der 85jährigen Frau Schadt ist ja niedlich, aber ich muss mir nicht noch länger anhören, wie toll Florian ist. Sie hat ja recht, aber leider ist er nicht nur toll, nur leider wissen das die Wenigsten, die ihn nur aus den Medien kennen.

Die Ohrfeige, die Frau Schadt erwähnt hat, haben wir gar nicht thematisiert. Gut, gab wichtigeres, aber scheinbar trägt er es mir wirklich nicht nach? Vielleicht weiß er auch, dass sie berechtigt war? Und vielleicht trennt er sich doch von Saskia? Wenn nicht, wird zwischen uns nichts mehr laufen, das habe ich ihm gestern Nachmittag mehr als deutlich gesagt. Da konnte auch sein Hundeblick und die zärtlichen Berührungen nichts dran ändern, ich werde hart bleiben.

Zurück bei Frau Schadt beäugt sie mich kritisch:
"Wollen Sie mir erzählen, was passiert ist?"
"Was soll passiert sein?"
"Lea, ich bin alt, aber nicht blöd. Auch wenn ich Sie vorhin so euphorisch empfangen habe, habe ich trotzdem gemerkt, dass irgendwas mit Ihnen nicht stimmt. Aber gestern wirkten Sie glücklich. Ich glaube, der Herr Fitz tut Ihnen gut."
"Nein, das tut er nicht. Ich leide seinetwegen immer und immer wieder. Aber irgendwie kommen wir auch nicht voneinander los."
"Lieben Sie ihn?"
"Ja leider."
"Und liebt er Sie?"
"Ja, ich denke schon."
"Ach Kindchen, dann müssen Sie sich einfach trauen. Was auch immer Sie davon abhält, mit ihm glücklich zu sein, räumen Sie es aus dem Weg."
"Was soll ich denn machen? Sie umbringen?"
"Bitte? Wen wollen Sie umbringen?"
Oh nein, ich wollte doch gar nicht, dass Frau Schadt so viel erfährt.
"Ich möchte nicht darüber sprechen."
"Ach, geht es um die Ärztin, von der Sven erzählt hat? Ist sie doch noch mit Herrn Fitz zusammen?"
"Ja, ist sie, und er verlangt von mir, die kleine Affäre zu spielen. Das will und kann ich nicht. Außerdem heißt es ja auch so schön, wer liebt, muss auch loslassen können. Und wenn er sich nicht von ihr trennen will oder kann, werde ich ihn loslassen. Soweit war ich eigentlich schon mal, und dann kam der Samstag und der Sonntag, und wieder stehe ich vor den Trümmern. Ich kann das nicht mehr, verstehen Sie das?"

Auch wenn ich gar nicht so viel preisgeben wollte, tut es gut, es ausgesprochen zu haben.

"Ja, das verstehe ich. Aber meinen Sie nicht, dass es noch eine Chance gibt? Seine Affäre würde ich auch nicht sein wollen, obwohl bestimmt tausende Frauen dafür bereit wären, hihi. Oh, Entschuldigung Lea, das war unpassend. Wie gesagt, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie keine gemeinsame Zukunft haben können, halten Sie sich nicht an ihm fest. Lassen Sie ihn ziehen. Vielleicht kommt er von allein zurück. Und wenn nicht, dann soll es eben nicht so sein. Aber noch sind Sie jung, wollen Sie Ihre schönsten Jahre mit Trauer um einen Mann verbringen, der nicht weiß, was er will?"
"Nein, genau das will ich nicht. Aber das mache ich ja schon seit über einem Jahr. Gut, zwischendurch gab es auch andere Männer, aber im Hinterkopf war und ist immer Florian. Ich komme von diesem Kerl einfach nicht los. Aber jetzt werde ich es wirklich durchziehen. Danke Frau Schadt fürs Mut machen. Ich habe es ihm gestern schon gesagt, entweder sie oder ich, aber ich werde es ihm heute nochmal, und zwar zum letzten Mal, so deutlich sagen und das wars dann. Dann liegt es wirklich an ihm, wohin die Reise geht."
Das sage ich alles sehr bestimmt und Frau Schadt lächelt mich an:
"Lea, so gefallen Sie mir. Ziehen Sie es durch, und Sie dürfen nicht wieder schwach werden. Obwohl das bei dem charmanten Herrn bestimmt schwer fällt." fügt sie versonnen an.

Zuhause angekommen, nehme ich all meinen Mut zusammen und rufe bei Florian an. Oh, die Ansage von mir scheint er beherzigt zu haben, sein Handy ist zumindest an. Er meldet sich sehr professionell: "Fitz".
Hat er meine Nummer gelöscht oder warum ist er so merkwürdig?
"Hallo Florian, hast du einen Moment?"
"Sie scheinen sich verwählt zu haben, den gibt es hier nicht."
Und dann legt er auf. Will er mich jetzt verarschen? Ich rufe nochmal an, und da habe ich die Mailbox, auf die ich meinen Frust spreche:
"Verarschen kann ich mich alleine. Du kannst mich mal. Und hier zum allerletzten Mal, sie oder ich. Solange du dich nicht entschieden hast, musst du dich auch nicht mehr bei mir melden. Das wars. Ach so, falls du nicht weißt, wer hier ist, Lea Gener. Auf nimmer Wiederhören."

Wütend lege ich auf. Was bildet er sich ein? Wahrscheinlich war sein Wachhund in der Nähe. Was hat diese Frau nur mit ihm gemacht? Denn er ist alles, aber nicht glücklich. Auch wenn er es immer wieder betont. Außerdem wäre er nicht so über mich hergefallen. Und warum schläft er nicht mit ihr? Das muss ihr doch auch auffallen. Und die Ausrede, dass es wegen der OP noch nicht geht, kann er auch nicht noch Wochen benutzen, sie ist Ärztin. Wenn eine Narbe so lange schmerzt, muss das überprüft werden. Das weiß sogar ich als Nicht-Medizinerin. Vielleicht hat er mich ja auch angelogen.

Mein Handy meldet sich, eine Textnachricht von Florian. Was will er noch von mir? Ich habe alles gesagt, aber trotzdem bin ich neugierig und sehe nach.

"Können wir uns heute Abend treffen? Ich komme zu dir."
Jetzt wird der Hund in der Pfanne verrückt, hat er meine Nachricht nicht abgehört? Aber wenn doch, hat er eine Entscheidung getroffen? Was soll ich denn machen? Ich antworte nach langem Überlegen:
"Nur, wenn du dich entschieden hast. Und zwar für mich. Ansonsten wird es keine alleinigen Treffen mehr geben."
"Lea, lass uns heute Abend reden."
"Nein. Deine Reaktion sagt alles. Lass mich in Ruhe. Du tust mir nicht gut. Ich gebe dich frei. Auch das ist ein Zeichen von Liebe."

Während ich das tippe, tropfen Tränen auf mein Handydisplay.
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