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Unerwartete Berührung

von RamonaXX
KurzgeschichteRomance, Schmerz/Trost / P12 / Het
Ilippi Skirata Kal Skirata N-11 / Ordo Skirata N-7 / Mereel Walon Vau
01.08.2021
26.09.2021
6
10.442
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22.08.2021 1.646
 

Mereel war mit der Entwicklung dieser Situation ganz und gar unzufrieden.

Nicht nur, dass sein Bruder als tickende Zeitbombe durch den Raum marschierte und Walon mit seinen provokanten Äußerungen alte Feindschaften heraufbeschwor – nein, inzwischen spürte Mereel bei sich selbst erste Anzeichen dieser Grundaggressivität, die ihm mit Jangos Genen mitgegeben worden war.

Es kribbelte in seinen Armen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sich eine Spannung in seinem Körper zusammenbraute, die nur schwer zu beherrschen war – aber im Gefecht seine Überlebenschance effektiv erhöhte.

Ordos Vorwurf, ihr Vater sei ein Lügner, hatte Mereel wütend gemacht. Aber einer musste einen kühlen Kopf behalten. Und da Ordo bekanntlich hitzköpfig war und Walon höchstens kühl-kalkulierend, blieb diese Aufgabe wohl an ihm hängen.

Auf eine bizarre Weise fand Mereel es lächerlich, dass eine Frau – und er war sich sicher, dass es hier nur um sie ging – so viel Unfrieden stiften konnte. Aber vielleicht war es genau das, was Kal'buir gemeint hatte, als er das komplexe Wesen der Weiblichkeit als ein Minenfeld beschrieben hatte.

Sein Bruder war von solch weisen Überlegungen Lichtjahre entfernt. Die Art, wie er sich unruhig in Bewegung hielt und seine Faust ballte, sagte Mereel alles, was er wissen musste. Vulkan-Ordo stand kurz vor dem Ausbruch und seine brodelnde Aggression schien allein in dieser Frau begründet zu liegen. Eine Frau, die in Kal'buirs Vergangenheit eine Rolle gespielt hatte, aber den Null-ARCs vollkommen unbekannt war.

Für Mereel ergab es keinen Sinn, dass sein Bruder sich von einer fremden Person derart bedroht fühlen konnte. Zwar teilte er – bedingt durch die leidvollen Erfahrungen mit der Chefgenetikerin auf Kamino – Ordos Misstrauen allen weiblichen Wesen gegenüber, aber er war bereit diese Haltung abzulegen, wenn sie sich als unbegründet herausstellte.

Einer von vielen Unterschieden zwischen ihnen.

Mereel kam nach ihrem Bruder Prudii. Er hatte diesen Lehn-dich-zurück-Schalter, der es ihm erlaubte zwischenmenschliche Situationen mit mehr Gelassenheit zu begegnen und in jedem Klon einen Bruder zu sehen; ganz gleich welcher Truppe er angehörte.

Ordo hingegen ähnelte Jaing. Er war leicht zu reizen, sich der Wirkung seiner Kräfte auf normale Individuen oft unbewusst, dazu humorlos und äußerst kritisch jedem Klon gegenüber, der nicht zum Sprung der Null-ARCs gehörte.

Wollte Mereel den Vulkanausbruch verhindern, musste er einen Zugang zu Ordo und zu seinen Ängsten finden, so wie Kal es immer tat, wenn einer von ihnen, wie er sagte, »von seiner menschlichen Natur überrollt wurde«. Auf der Suche nach einer Tür beobachtete Mereel seinen Bruder.

Es weckte seine volle Aufmerksamkeit, als Ordo unvermittelt anhielt und zu der Wanduhr hinauf starrte. Seinem glühenden Blick war anzusehen, dass die Zeiger ihm etwas sagten.

„Was?“, fragte Mereel, dem sich der Zusammenhang nicht erschloss.

„54 Minuten“, informierte Ordo ihn gereizt. „Sie sind jetzt schon 54 Minuten zusammen!“ Grimmig fixierte er die Uhr, eine tiefe Falte zwischen seinen Augenbrauen. „Ich wüsste zu gerne, was die zwei so lange zu bereden haben.“

Bevor Mereel etwas erwidern konnte, schaltete sich Walon ein. „Glaub’ mir“, sagte er mit öliger Stimme und streckte die Hand nach seinem erwachten Strill aus, „das willst Du nicht.“

Mereels Blick sprang zu Ordo. Seine Unterlippe hatte ein leichtes Zittern überfallen. Das war kein gutes Zeichen. Die Erdkruste rund um den Vulkan bekam Risse. Gefährliche Risse.

Er sah wieder zu Walon und dem Strill, der sich nach seinem Nickerchen genüsslich reckte und sein sabberndes Maul zu einem Gähnen aufriss, bevor er auf den Schoß seines Herrchens sprang, um sich verwöhnen zu lassen.

Die Kehle von Mird mit seine gereinigten Fingernägeln kraulend, fuhr Walon fort: „Weißt Du, Paare haben ihre eigene Art miteinander zu reden. Das hat nicht zwangsweise etwas mit sprechen zu tun.“

Walon schmunzelte, als der Strill zu schnurren anfing und für einen Moment war Mereel irritiert, was er mit Paaren gemeint hatte. Der Rest seiner Anspielung war für ihn kein Geheimnis.

Für Ordo schien es hingegen weniger ersichtlich. Mit dem Schnauben eines aufgebrachten Nerf-Bullen hakte er nach: „Was soll das heißen?“

Mereel wusste, dass die Antwort Ärger bedeutete, noch bevor die erste Silbe in der Luft hing.

„Offensichtlich ist es dir nicht bewusst, Ordo“, begann Walon schulmeisterhaft und widmete sich demonstrativ dem Liebkosen seines Strills, „aber in einem Tank heranzuwachsen ist nicht der übliche Weg zu Kindern zu kommen. Paare unterschiedlichster Spezies – und das schließt Menschen mit ein – haben dafür einen andren Weg gefunden. Und selbst wenn das Ziel kein weiteres Kind ist, so tun sie es doch überraschend oft.“

Autsch! Das hatte gesessen.

Mit der Kraft seiner kribbelnden Arme stieß sich Mereel von der Arbeitsfläche ab und sprang in der gleichen Sekunde auf den Boden, in der Ordos Hände seitlich zu seinen Holstern schnellten und er beide Blaster zog.

Ein Vulkan war eine Naturgewalt. Er ließ sich nicht aufhalten.

Bevor Mereel den entscheidenden Schritt gemacht hatte, war Ordo bereits bei Walon; sein Gesicht eine Maske aus kaltem Zorn. Mit ausgestreckten Armen zielte er mit einem Blaster auf den ungeschützten Kopf des Mandalorianers und mit dem anderen auf das hässliche Pelzkneuel in seinem Schoß.

Walons Hand lag an seiner Hosentasche, in der sein Klappmesser steckte und der zusammengerollte Strill auf seinen Oberschenkeln knurrte tief in seiner Kehle. Ohne eine Miene seines kantigen Gesichtes zu verziehen, starrte Walon hinauf zu Ordo.

Ordo starrte zurück. Niemand bewegte sich.

Die ganze Szene glich dem eingefrorenen Bild einer Holoaufzeichnung.

„K'uur, gar hut'uun!“, sei still, Du Feigling, fauchte Ordo, seine Zeigefinger an beiden Abzügen. „Und wag’ es ja nicht dein Messer zu ziehen“, er trat vor und setzte die Mündung seines rechten Blasters auf Walons Stirn, „oder ich blas’ dir das Hirn weg!“

„Ordo!“, rief Mereel hitzig, aber mit besorgtem Unterton. Vorsichtig näherte er sich seinem Bruder, darauf bedacht seinen Dunstkreis nicht zu tangieren. Es hätte ausgereicht, um ihn abdrücken zu lassen. Mereel wusste, dass sein Bruder nicht scherzte. Ordo würde Walon und den Strill auf der Stelle töten, wenn jetzt die falsche Reaktion folgte.

Das Knurren von Mird rollte unablässig weiter. Dennoch hielt das Tier ebenso still wie sein Herrchen; es wagte nicht einmal seine Ohren anzulegen oder die Lefzen hochzuziehen. Es war durchaus möglich, dass der Strill die Gefahr durch einen Blaster instinktiv verstand, also war es vermutlich Walons Hand in seinem Nacken, die seinen animalischen Selbsterhaltungstrieb unterdrückte.

Mereel stellte sich ein Stück neben seinen Bruder. Weit genug weg, um keine Kurzschlussreaktion auszulösen und gleichzeitig nah genug, um die Situation zu überblicken.

„Udesii, ner vod“, komm runter, mein Bruder, sagte er und achtete einzig und allein auf Ordo.

Er wollte nicht das sein Bruder schoss. Denn wie unbeliebt Walon und sein stinkenden Begleiter auch sein mochten, Kal würde es nicht als Belanglosigkeit abtun, wenn sie durch Ordos Hand starben – auch nicht, wenn er selbst mehrfach versucht gewesen war die zwei um die Ecke zu bringen.

Ordos Zorn blieb da, wo auch seine Blaster hinzielten; direkt auf Walon und den Strill gerichtet.

„Hey... er ist es nicht wert“, versuchte es Mereel mit besonnener Überredungskunst. Er musste zugeben, dass er Walon eine Abreibung wirklich gegönnt hätte. Aber ohne aktive Gegenwehr und auf einem Stuhl lümmelnd, durch einen Kopfschuss getötet zu werden, war nicht der faire Weg.

Auf Ordos Aussage mit dem Feigling eingehend, fragte Mereel: „Willst Du dich wirklich mit so einem hut'uun abgeben?“

Sein Bruder gab keine Antwort. Er stand einfach nur da, jeden Moment schussbereit, und starrte todernst auf Walon herab. Es war die kontrollierte Miene eines Killers, der jeden Atemzug in dem Bewusstsein tat, bereit zum Töten zu sein.

Mereel studierte seine gesamte Körperhaltung. Da waren keine roten Flecken in Ordos Nacken. Normalerweise, wenn er sich wirklich aufregte und aus der Haut fuhr, färbte sich ein Teil eines Nackens rot. Diesmal blieb die Färbung aus und Mereel zog seine Schlüsse daraus. Es gab eine empathische Verbindung unter den Null-ARCs – und wenn es nach ihm ging, unter allen Klonen – die selbst einem Kal'buir verborgen blieb.

„Komm schon, Ord'ika“, sagte Mereel sanft und wagte es die Hand nach Ordos linkem Arm auszustrecken, mit dem er auf den Strill zielte.

Ordo ließ sich berühren. Er drückte nicht ab, ließ den Blaster aber auch nicht sinken.

Mereels Griff wurde fester; das Zupacken eines Gleichgesinnten, der seinen Bruder vor einer gerechtfertigten Dummheit bewahren wollte. „Lass uns aufs Dach, frische Luft schnappen.“

Nach der unbestimmten Ewigkeit etlicher Sekunden, hörte Ordo auf den Strill zu bedrohen. Das Tier verstummte augenblicklich, während sein Herrchen weiter in nüchternem Schweigen dem Klon entgegenblickte, der ihm die Mündung seines Blasters zwischen die Augen hielt.

Das Zittern kehrte in Ordos Unterlippe zurück und übertrug sich auf seinen gesamten Kiefer. Mereel sah wie sein Brustpanzer sich unter jedem Atemzug hob und seine Augenbrauen sich gefährlich kräuselten.

Er ließ Ordos Arm los. Wenn er es wirklich tun wollte, konnte er ihn nicht aufhalten.

Ordos Zeigefinger spannte den Abzug. Er lehnte sich vor. Presste die Mündung fest gegen Walons Stirn. Schaffte es jedoch nicht, jene Frucht in Walon auszulösen, die ihn den Blick abwenden und fehlend die Augen schließen ließ.

Walon würde wie ein wahrer Mandalorianer streben, dem Tod unerschrocken ins Auge blickend.

Mit einem urzeitlichen, bestialischen Grunzen zog Ordo seinen Blaster ruckartig zurück, drehte sich um und stapfte auf die Tür des Versorgungsraumes zu. Alles in nur einer Bewegung.

Mereel warf Walon einen kurzen Blick zu. Jetzt hatte er die Augen geschlossen, sichtlich erleichtert noch am Leben zu sein und beruhigend seinen Strill kraulend. Offenbar wusste dieser Mann, wann der richtige Zeitpunkt war, die Klappe zu halten und sich jeden Spruch zu verkneifen. Zumal er angesichts der Schweißperle, die seine Schläfe hinabrann und dem kreidebleichen Farbton seiner Haut, dazu kaum in der Lage schien.

Geschwind wandte Mereel sich ab und schloss zu Ordo auf, der seine Blaster noch nicht zurück in die Holster gesteckt hatte. Er legte seinem Bruder von hinten eine Hand auf den Schulterpanzer und ging neben ihm her, durch die Korridore und zu der Ausstiegluke auf dem Dach, wo ihre Gleiter parkten.
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