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Unerwartete Berührung

von RamonaXX
KurzgeschichteRomance, Schmerz/Trost / P12 / Het
Ilippi Skirata Kal Skirata N-11 / Ordo Skirata N-7 / Mereel Walon Vau
01.08.2021
29.08.2021
5
8.730
4
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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01.08.2021 1.732
 
Vorbemerkung:
Dies ist die Fortsetzung zu der Drabble Story "Unerwartete Begegnung".
Hier wird es eine kleine Kurzgeschichte mit insgesamt 7 Kapiteln werden.

Kurze Einführung (zur Erinnerung):
Kal ist bei seiner Rückkehr in die Basis von seiner Ex-Frau überrascht worden.
Vor versammelter Mannschaft hat Ilippi sich ihm weinend an den Hals geworfen,
ihm eine Ohrfeige verpasst und unter Tränen erklärt, dass ihre Tochter verschwunden ist.
Daraufhin hat Kal sie auf sein Quartier bringen lassen, um später mit ihr darüber zu reden.
Später ist Jetzt!


Unerwartete Berührung

Müden Schrittes schleppte sich Skirata den Korridor entlang zu seinem Quartier.

Seine Brust weitete sich unter einem tiefen Atemzug und mit der Hand rieb er sich den verspannten Nacken; getröstet von dem Wissen, dass ihn keiner bei dieser verletzlichen Geste sah.

Er war schon so lange Krieger, Beobachter und Ausbilder, dass er wahrhaft Augen im Hinterkopf hatte. Er wusste, wann jemand in seinem Rücken stand und wann es unbedenklich war die eigene Erschöpfung durchscheinen zu lassen.

Die Einsatzbesprechung war osik'la gewesen. Richtig beschissen.

Zwar hatten die Teams Ergebnisse vorzuweisen gehabt – brauchbare Informationen, mit denen sich die nächsten Schritte ihrer verdeckten Operation planen ließen – aber die Atmosphäre im Besprechungsraum hatte einem brennbaren Gasgemisch kurz vor der Entzündung entsprochen.

Sie alle hatten (jeder auf seine Weise), eine Erklärung von ihm erwartet; für die hysterische Frau, ihre schallende Ohrfeige und den glühenden Kuss.

Von Ordo war die größte Ablehnung gekommen; fast schon eine Missbilligung. Etwas, das Kal so noch nie bei seinem Sohn gespürt hatte. Verglichen dazu hatte sein Bruder Mereel neugierig gewirkt, ganz so, als wolle er die Hintergründe erfahren, um sich einen Reim auf die Vorkommnisse machen zu können.

Walon hatte das Ganze erkennbar amüsiert. Kein Wunder, er wusste, dass Kal Familie hatte. Ebenso wie er wusste, dass Ilippi sich wenige Monate vor Kals Übersiedeln nach Kamino hatte scheiden lassen; nach fast 30 Jahren auseinandergelebter Ehe. Heute ärgerte es Kal ihm vor langer Zeit in einer betrunkenen Nacht auf dem düsteren und verregneten Planten davon erzählt zu haben.

Die neutralste Kraft in diesem Chaos war Bardan. Kal schätzte, dass es an seiner Ausgeglichenheit als Jedi und seinem Einfühlen in die Macht lag. Bei ihm war keine Schadenfreude oder gar Feindseligkeit zu erkennen gewesen, nur Aufgeschlossenheit. Und weil das von der ersten Sekunde an so gewesen war, hatte Kal niemand anderen als Bardan darum gebeten Ilippi auf sein Quartier zu geleiten.

Sein Instinkt hatte ihm gesagt, dass er sie aus der Schusslinie bringen musste. Ordo hatte manchmal einen nervösen Finger am Abzug. Eine äußerst gefährliche Eigenschaft, wenn es um einen Menschen ging an dem Kal etwas lag; eigentlich sogar sehr viel.

Mit einem freudlosen Gefühl erreichte Kal die Tür zu seinem Quartier und blieb davor stehen.

Eine uralte Weisheit des Schlachtfeldes lautete nicht den vergangenen Niederlagen nachzuhängen, sondern sich für den nächsten Sieg zu wappnen. Kal folgte diesem Rat, streifte seine Gedanken an die grässliche Einsatzbesprechung ab und konzertierte sich auf die Aufgabe, die vor ihm lag.

Tatsächlich klopfte er der Höflichkeit halber an, bevor seine Hand zu der Schaltfläche wanderte. Mit einem leisen Surren glitt die Tür zur Seite und Kal trat ein.

Das Erste, was ihm ins Auge sprang, nachdem Ilippi sich hektisch auf dem Bett aufgesetzt hatte, war das Essen auf dem Tisch. Auf einem Tablett standen ein sauberer Becher, eine frische Wasserflasche und eine kalte Platte, hergerichtet mit einfachen Maisbrot-Schnitten, einer Schale Warra-Nüsse und ein paar verzehrfertigen Früchten.

Kal schmunzelte innerlich. Genau das hatte er gemeint, als er Bardan gebeten hatte für etwas Komfort zu sorgen. Der junge Jedi verstand ihn aus dem Gefühl heraus; eine Sache von unschätzbarem Wert. Weniger erfreulich war, dass Ilippi das Essen noch nicht angerührt hatte. Die Speisen waren nichts besonderes. Aber genau das richtig, um einen leeren Magen zu füllen.

Die automatische Tür schloss sich hinter Kal und er verriegelte sie, sodass sie von außen nicht mehr zu öffnen war. Dann ging er auf den Tisch zu, zog seine hellbraune Lederjacke aus und hing sie über den einzigen Stuhl im Raum.


„Und?“, fragte Ilippi ungeduldig, während sie vom Bett aufstand. Ihr Blick streifte seinen schwarzen Pullover. Er hatte noch immer diese breiten, verlässlichen Schultern. Nichtsdestoweniger hasste sie es, wenn Kal ohne ein Wort den Raum betrat und diese betont ruhige Art an den Tag legte. „Wann brichst Du auf, um Ruusaan zu suchen?“

Er antwortete ihr nicht; schaute sie nicht einmal an. Stattdessen entnahm er seine Verps – eine Pistole, von der Ilippi wusste, dass Kal sie häufig so nannte – aus seinem Schulterholster, kontrollierte sie auf irgendetwas und legte sie nach zwei routinierten Handgriffen abseits des Tabletts auf den Tisch.

Weiter auf eine Antwort wartend, starrte Ilippi ihn an und beobachtet wie er sich das Holster abschnallte und es zu der Waffe legte. Alles in dieser eleganten Effizienz, die für ihn so typisch war. Die Ruhe, die dieser Mann ausstrahlte, stand in heftigem Widerspruch zu dem Sturm, der in ihr tobte und sie mehrere Schritte auf ihn zugehen ließ.

Sie gab ihm eine letzte Chance, den Mund aufzumachen. Doch alles was Kal tat, war den Kopf in einer verspannten Haltung von einer Schulter zu anderen zu rollen und sich anschließend mit der Hand durch den Nacken zu fahren. Erst da begriff Ilippi die Bedeutung seines Tuns; er hatte abgelegt.

„Du willst gar nicht nach ihr suchen“, stellte sie mit Schreck fest.

Dem Schnappen eines Raubtieres ähnlich, geriet Ilippi in das Blickfeld seiner hellen Augen. Er fokussierte sie, klar und deutlich, ohne einen einzigen Wimpernschlag und mit einem Gesichtsausdruck, der erahnen ließ, dass gleich ein unerbittlich eloquenter Satz folgen würden.

„Und Du solltest etwas essen und dich stärken.“

Kal sah von ihr weg und wandte sich dem Essen auf dem Tisch zu. Im Vorbeigehen zupfte er zwei violette Trauben von der grünen Rebe und schob sie sich in den Mund, als wolle er beweisen, dass das Essen genießbar und nicht vergiftet war.

Er ging hinüber zu dem kleinen Waschbecken in der Ecke, ließ kaltes Wasser aus dem Hahn laufen und beugt sich hinab, um sich das Gesicht zu waschen.

Seine offensichtliche Unbeschwertheit machte Ilippi rasend! Wie konnte dieser Mann dort stehen und sich in Seelenruhe waschen, wenn irgendwo in den Weiten des Universums sein eigenes Kind auf Abwegen wanderte und sich unbekannten Gefahren aussetzte?

„Kal“, schnaubte Ilippi scharf. „Sie ist deine Tochter!“

„Und sie ist erwachsen!“, schallte es in gleicher Schärfe zurück.

Er drehte den Hahn zu, griff nach einem angehängten Handtuch und presste für einige Sekunden sein feuchtes Gesicht hinein. Den Rücken wieder gerade und das Handtuch zurück am Haken, kam er erneut zum Tisch.

In der Vergangenheit hatte Ilippi oft vergessen, dass die Länge dieses Mannes in keinem Verhältnis zu seiner Große stand. Kal Skirata musste niemanden überragen, um ihm überlegen zu sein. Er war in der Lage sich allein mit seinem Auftreten Gehör zu verschaffen; und hörte man ihm erst einmal zu, dann erlag man rasch seinem scharfen Verstand und seiner kurz gehaltenen Redegewandtheit.

Es war der Mann, in den Ilippi sich damals in einem Nachtclub auf Corellia verliebt hatte; ausdrucksstark, direkt und fünf Zentimeter kleiner als sie. In schönen Erinnerungen gefangen, sah Ilippi zu, wie Kal nach der Wasserflasche griff und den Becher drei Viertel voll schenkte, jedoch nicht daraus trank.

Den Blick über das Essen kreisen lassend, als überlegte er, was er als nächstes probieren sollte, ergänzte er: „Unsere Tochter ist 35 und in der mandalorianischen Kultur seit 22 Jahren kein Kind mehr.“

„Fierfek!“, fluchte Ilippi laut. Sie hasste es, wenn Kal auf Traditionen und Prinzipien herumritt, zu denen sie nie einen Zugang gefunden hatte. Es war der Hauptgrund für ihre Scheidung gewesen – die ewigen Streitgespräche über das Mando-Dasein. „Glaubst Du wirklich, ich bin hergekommen, um mir diesen Mando-Helden-Kult wieder anzuhören!“

In sachlichem Ton korrigierte Kal sie: „Die mandalorianische Kultur kennt keine Helden.“ Seine Hand griff in die Schale mit den Nüssen. „Und, nein“, fügte er hinzu, während die Nüsse in seinem Mund ein lautes Knuspern beim Zerbeißen machten, „ich glaube nicht, dass Du deswegen hergekommen bist.“

Ilippi platzte der Kragen. Die Arroganz, die dieser Mann an den Tag legte, war widerlich! Sie fühlte sich unverstanden und runtergeputzt in ihrer Sorge als Mutter, die vor Wochen den Kontakt zu ihrem Kind verloren hatte.

„Weißt Du was, Kal?“, zischte Ilippi bösartig, von ihrer Wut mit enormer Kraft beseelt. „Vergiss es!“ Sie machte eine endgültige Handbewegung, wobei ihre gestreckten Finger scharf die Luft durchschnitten. „Ich habe wirklich gedacht Du würdest dieses eine Mal dein egoistisches Söldnertum überwinden und für deine Familie da sein. Aber wie ich sehe“ – sie warf dieselbe Hand in Luft, um auf das spartanische Quartier zu deuten, in dem sie sich befanden – „gibt es wieder einmal nichts Wichtigeres für dich, als mit Soldaten rumzuhängen und irgendeinen Krieg auszufechten, der nicht deiner ist!“

Mit einem Ruck, der ihre langen Zöpfe wie dicke Seile um ihre Schultern schlagen ließ, wandte Ilippi sich zur Tür und stürmte darauf zu.

Kal hielt sie auf. „Ilippi...“, sagte er weich, sein Griff deutlich fester.

Er hatte sie schneller am Arm gepackt, als sie registrieren konnte, dass er sich bewegte. Die Reflexe dieses Mannes waren nach wie vor beeindruckend. Einst hatte sie Sicherheit darin gefunden, zu wissen, dass er immer zur Stelle war, wenn es darauf ankam.

Ihre hochgezogenen Schultern entspannten sich und sie starrte auf seine Hand an ihrem Arm. Zu lange war es her, dass sie einander berührt hatten; die stürmische Umarmung vorhin nicht mitgezählt.

Aus kurzer Distanz drang seine Stimme zu ihr, ruhig und besänftigend: „Ich werde dafür sorgen, dass unsere Ruu'ika wohlbehalten zurückkehrt. Auf meine Weise und mit Schritten, die ich einleiten werde, wenn die Zeit reif dafür ist.“ Zärtlich streichelte Kal über ihren Arm. „Und jetzt setz’ dich und iss etwas“, bat er sie ein weiteres Mal.

Ilippi holte tief Luft und wusste nicht wohin sie ihren Blick richten sollte, ob auf ihn oder auf das Essen. Von einer Welle aufbrandener Verzweiflung erfasst, gestanden sie: „Ich habe solche Angst um unser Mädchen, Kal.“

Er griff nach ihrer Hand und drückte sie in genau dem Maß, wie sie es gerade brauchte. „Dass ist der natürliche Instinkt einer Mutter“, bestätigte er ihre Gefühle und nahm ihr damit einen Teil der Angst. „Ich würde mich sorgen, wenn es nicht so wäre.“ In einer taktvollen Geste wies er auf den Stuhl über dem seine Jacke hing. „Und nun setz’ dich endlich. Ich mach’ dir die Haare auf.“
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