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Männerabend bei L-Corp

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Angst / P12 / FemSlash
Kara Danvers / Kara Zor-El Lena Luthor
31.07.2021
15.01.2022
9
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15.01.2022 2.983
 
„Supergirl,“ wispert Lena. Sie wusste es, sie wusste es. Also ist es wahr. Sie hat Karl Danvers aus dem Fenster im Kopierraum fliegen sehen - bzw. Supergirl. Was für eine Entdeckung.

Fasziniert beobachtet sie, wie der ansehnliche Mr Danvers sich in eine Frau verwandelt. Eine blonde Frau mit blauen Augen. Lena hätte nicht sofort Supergirl in ihr erkannt. Ohne dem Anzug mit dem prominenten S auf der Brust nimmt Lena eine attraktive weibliche Person wahr, die in einem schwarzen Männeranzug gekleidet ist. Etwas an dem Anblick erinnert Lena an die 50er Jahre als es noch keine Hosen für Frauen gab und manche Männerkleidung trugen, einfach weil sie Lust dazu hatten, da es komfortabler war. Meist waren diese Frauen außergewöhnlich und stachen aus der Masse hervor. Zudem sahen sie unverschämt gut damit aus, genau wie die Blonde vor ihr.

Lena starrt weiter, während Supergirl den Strauß an sich nimmt, den sie zuvor in ihren Schoß abgelegt hat, um sich hinter das Ohr zu greifen. Dort ist die Technologie versteckt, welche sie zum Mann werden lies. Unglaublich.

Lena braucht einen Moment, um sich zu sammeln. Egal, dass sie längst ahnte, dass er Supergirl ist. Die Verwandlung mit eigenen Augen zu sehen, ist etwas Anderes. Lena’s Knie sind weich geworden und drohen nachzugeben. Sie greift nach der Lehne des Stuhls, der neben dem Bett steht und hält sich daran fest. Ungeniert mustert sie die Blonde und wartet auf deren Offenbarung ihres Namens. Doch diese spricht nicht weiter und ist still geworden. Erst bekundet sie die Enthüllung des Jahres und dann – nichts. Als sagt dir jemand, ich bin übrigens nicht die Person, für welche du mich du hältst und geht dann locker zum Wetter über, oder eben – verstummt. Lena findet selbst keine Worte, aber das ist wohl angemessen, nachdem Supergirl die Bombe platzen lies.

Die Blonde traut sich kaum, Lena in die Augen zu sehen, und zupft stattdessen an den Blumen. Sie kaut an ihrer Lippe und rollt diese zwischen den Zähnen, während ihre Aufmerksamkeit den Blumen gilt. Sie rümpft die Nase und murmelt zu sich selbst. Sie ist ohne Zweifel beschämt. Vielleicht verlegen? Der Anblick bewirkt etwas in Lena, ein sanftes Gefühl, trotz aller Tatsachen. Der Gedanke an Supergirl oder Karl Danvers liegt fern und könnte ferner nicht sein. Lena findet Sympathie für deren Befangenheit, wäre die Situation eine andere, wäre Lena angetan. Eine junge hübsche Frau, liebreizend – genau ihr Typ.  

Doch es ist Supergirl, erinnert sich Lena, auch wenn es im Moment nicht so wirkt. Eine Frau, die für Macht und Power steht. Die ein Symbol der Hoffnung und der Gerechtigkeit auf der Brust offen zur Schau stellt. Eine Super, während Lena eine Luthor ist. Und doch ist es Supergirl, die sie hinters Licht geführt hat. Der Gedanke ernüchtert sie.

„Supergirl,“ wiederholt Lena. Dieses Mal hörbar, denn plötzlich hält sie es nicht mehr aus. Sie braucht, dass diese Gewissheit zwischen ihnen herrscht, dass sie beide wissen, wer sie sind. Herausfordernd reckt sie ihr Kinn nach vorne. Lena möchte Antworten, ein Urteil kann sie später fällen.

Ihr Name scheint die Blonde aus den Gedanken zu holen. Sie schrickt beinahe zusammen, als sie ihn hört. Und da ist er, der Blick von Supergirl, Lena erkennt ihn wieder. Durchdringende freundliche Augen, die sich vor nichts fürchten und in Blautönen schimmern, vielfältig wie das Meer.

„Ja, ich bin Supergirl,“ sagt sie mit fester Stimme. „Ich habe mich als Karl Danvers verkleidet.“

„Verkleidet?“ Lena runzelt die Stirn. „So nennen Sie es, wenn sie zu ihrer anderen Identität wechseln? Also leben Sie privat als Mann?“

„Nein. Rao! Ich bin kein Mann. Karl Danvers existiert nicht. Ich wählte die Verkleidung eines Mannes, um an ihrem Männerabend teilnehmen zu können,“ gibt Supergirl kleinlaut zu.“

Lena fühlt sich wie vor den Kopf gestoßen und vergisst, zu fragen, wer Rao ist. Das Gesagte gilt es erstmal zu verdauen. Langsam kommt Licht ins Dunkel. Jetzt ist es klar. Es ist eine Tarnung. Karl Danvers ist nichts weiter als eine Verkleidung. Er existiert nicht ein Mal. Die Stählerne wäre nie offiziell in Form von Supergirl zu ihr gekommen, stellt Lena verbittert fest.  

„Das ist frech. Und ich denke illegal, ganz zu schweigen davon, dass es mir gegenüber verletzend ist. Das ist Ihnen doch klar?“

Die Blonde nickt und schluckt betroffen. Lena zieht es nun doch vor, sich auf den Stuhl zu setzen, um sich einen Moment Zeit zu verschaffen, und überlegt ihre nächsten Worte.

„Sie haben mich vor diesem Alien gerettet, haben nicht mit der Wimper gezuckt mir das Leben zu retten. Sie schreckten nicht vor Mund zu Mund Beatmung zurück und gaben mir das Gefühl, dass ich es wert bin gerettet zu werden. Doch hinten rum, haben Sie sich längst in mein Leben geschlichen, als Karl Danvers, eine erfundene Person,“ klagt Lena an. Es tut weh. Sie ist vieler Art Spiele gewohnt, ihre Haut ist dick geworden. Und dennoch tut es weh, dass Supergirl ihr das angetan hat.

„Ich entschuldige mich. Es war falsch eine andere Identität anzunehmen. Ich habe einen Fehler gemacht, der mir sehr leidtut. Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen. Ich wünschte, ich könnte in die Vergangenheit reisen, aber es ist unmöglich und ich möchte Sie um Verzeihung zu bitten, das es so gelaufen ist.“

Worte die sich Lena immer gesehnt hat zu hören. Egal, was die Menschen über sie verbreiten, was nicht der Wahrheit entspricht. Egal, wenn sie über sie urteilen, ohne sich die Mühe machen sie kennenzulernen. Entschuldigt hat sich bisher niemals jemand bei ihr. Sie hat es immer runtergeschluckt, gehofft, das nächste Mal würde es anders laufen. Die ersehnten Worte von Supergirl zu hören, besänftigen sie weniger als sie gedacht hat. Mit ihr ist es anders. Supergirl ist für Lena nicht irgendein x beliebiger Vertragspartner oder Politiker. Es fühlt sich persönlich an. Sie hat immer davon geträumt, mit ihr zusammen zuarbeiten. Gemeinsam auf der guten Seite zu stehen.

Die blauen Augen schimmern, sie flehen und schauen voller Hoffnung drein. Lena ignoriert es. „Warum haben sie es getan? Sich als Karl Danvers verkleidet und sich Zugang zu meiner Veranstaltung geschaffen. Weshalb mich nicht als Supergirl kontaktieren? Weshalb diese Verkleidung? Was haben sie sich erhofft, dass sie als Karl Danvers herausfinden würden?“ Lena hasst, dass sie so verzweifelt klingt. Die Antwort kennt sie längst. Weil sie eine Luthor ist. Der Teufel persönlich. Trotzdem möchte sie es von Supergirl hören, vielleicht ist Lena ein Masochist.

„Die ehrliche Antwort? Es war dieser Männerabend. Es war eine Möglichkeit legal Zugang zu ihrem Labor zu erhalten. Der Zufall brachte uns nie zusammen, ich habe Sie niemals irgendwo hingehen sehen. Sie arbeiten zu viel Miss Luthor. Sie betreten morgens das Gebäude und spät abends verlassen Sie es wieder. Sie verbringen selbst die Mittagspause an ihrem Schreibtisch. Sie sollten diese im Park verbringen, spazieren gehen und Sonnenlicht tanken. Ehrlich, diese Veranstaltung, war die erste Gelegenheit, das ich auf Sie hätte treffen können.“

Lena ist verblüfft. Ihr Mund öffnet sich ohne ihr zutun. Supergirl kennt ihren Tagesablauf? Sie erwähnt es ganz nebenbei, diese wollte auf Lena treffen. Dennoch traut sie den Worten nicht so recht und wirft der Blonden einen fragwürdigen Blick zu.

„Natürlich war ich auch neugierig, was es ist, das L-Corp entwickelt. Ein Unternehmen, dass der Familie Luthor entstammt. Lillian Luthor möchte eine Maut für alle Aliens einführen. Das ist so ungeheuerlich.“ Supergirl zeigt ihr entsetzen, ehe sie fortfährt. „Und Lex Luthor, ihm kann ich auch nicht trauen. Er hatte früher schon Kryptonit in seinem Besitz, ist noch welches übrig? Das sind nur zwei der Dinge, die mir Sorgen machen. Es ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, dass ich vorsichtig bin.“

Lena nickt verhalten. Der Vorwurf ist berechtigt und was wichtig ist, er galt nicht Lena.

„Hätten wir das Interview geführt, hätte ich es Ihnen erklärt. Mit der Umfirmierung von Luthor-Corp zu L-Corp möchte ich mich von der Familie abgrenzen, ich stehe keineswegs hinter deren Ansichten. Ich möchte Aliens nicht schaden. Ich hatte gehofft, wir könnten zusammenarbeiten.“

„Miss Luthor. Sie sind nicht ihre Familie. Sie sind ihr eigener Mensch,“ sagt Supergirl mit fester Stimme und ehrlichen blauen Augen.

Lena muss ihr glauben, will ihr glauben, will an ihre zukünftige Beziehung glauben, die sie sich wünscht. Dennoch zögert sie einen Augenblick und Supergirl fährt fort.

„Es war nicht richtig. Sie vorschnell zu verurteilen. Es tut mir leid.“

Die Worte heilen etwas in Lena.

„Ich möchte auch mit Ihnen zusammen arbeiten, Miss Luthor.“

Es klingt so glaubhaft.

„Ich glaube, Ihnen,“ hört sie sich selbst erwidern und überrascht wohl beide damit.

Supergirl atmet erleichtert aus und dann lächelt sie. Es ist ein solch hübscher Anblick. So ehrlich, so erfrischend und attraktiv. Lena findet sich entgegen aller Umstände angetan. Supergirl gefällt ihr, das hat sie sich längst eingestanden. Aber hier in diesen natürlichen Anblick ohne dem Heldenanzug, spürt sie diese Attraktivität und fühlt sich hingezogen. Lena hat also einen Frauentyp. Dieser Gedanke bringt sie auf einen Weiteren. Er ist verfänglich und gerade deshalb so gefragt für Lena.

„Da ist noch etwas,“ spricht Lena laut aus, bevor sie einen Rückzieher macht.

„Natürlich, was ist es,“ erwidert Supergirl wie selbstverständlich und lehnt sich ein wenig nach vorne.

Lena beißt sich auf die Lippe und sucht den Augenkontakt mit der Blonden.

„Sie haben mit mir geflirtet. Ich möchte wissen weshalb?“

Lena beobachtet, die verschiedensten Regungen in dem schönen Gesicht aufflackern. Erstaunen, Schock und ertappt sein, ehe der bereits geöffnete Mund Worte formt. „Was? Nein! Ich habe nicht, ähm -- Sie meinen .. Sie meinen die Mund zu Mund Beatmung? Miss Luthor, Sie haben keine Luft mehr bekommen,“ rechtfertigt sich Supergirl, obwohl sie gehörig ins stocken dabei kommt.

„Das meinte ich nicht. Sie haben verkleidet als Karl Danvers mit mir geflirtet. Sie nannten mich hübsch,“ erwidert Lena so gelassen wie möglich und vertraut in diesem Fall auf Ihre angeborene Luthor-Coolness.

Die Blonde wirkt unsicher und murmelt etwas Unverständliches vor sich hin. War das ein pff?

„Ich nenne das flirten, Supergirl,“ presst Lena unbeirrt weiter.

„Das Sie hübsch sind, ist kein Geheimnis, es ist wohl kaum flirten,“ erwidert Supergirl und hält ihren Blick. Es ist so ehrlich, die Augen so klar. Lena kämpft nun selbst dagegen an, nicht rot zu werden.  

„Wenn Sie es mir ins Gesicht sagen schon. Als Supergirl haben Sie es auch gesagt. Und nun haben Sie es wieder getan.“ Lena zieht die Augenbraue nach oben. Ihr Markenzeichen.

Die Wangen der Heldin färben sich in ein zartes Rosa. Sie erwidert nichts und bestätigt damit, was Lena angenommen hat. Lena findet Gefallen daran. Supergirl hat mit ihr geflirtet. Das gefällt Lena. Sie braucht diesen Flirt, diese offensichtliche Attraktivität zwischen Ihnen, auch wenn es zu nichts führen wird.

Anschließend herrscht eine Weile verlegene Stille. Flirten ist das Eine, mit den Konsequenzen umzugehen, dass Andere.

Plötzlich rutscht Supergirl auf dem Bett unruhig hin und her. „Ist es okay, wenn ich den Gips abnehme? Er fängt an zu jucken.“

„Natürlich,“ antwortet Lena und wird Zeugin, wie Supergirl ihren Laserstrahl einsetzt. Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen und werden dann so beißend grell, dass Lena wegsehen muss. Ein blauer Hitzestrahl tritt hervor und lässt den Gips zerbröckeln. Faszinierend.

„Ja das ist es,“ sagt Supergirl. Oh, Lena muss die Worte laut gesprochen haben.

Wieder herrscht verlegene Stille. Dann fällt Lena etwas ein.

„Eins müssen Sie mir verraten. Wie haben sie geschafft, Cat Grant davon zu überzeugen, dass Karl Danvers ein Interview führen darf?“

„Ach das,“ sagt Supergirl und bewegt den Fuß ein paarmal zufrieden hin und her. „Ich kenne Cat Grant, sie denkt quasi, dass sie mich entdeckt hat und ich kenne James Olsen. Es war kein Problem.“

Lena nickt und steckt diese Information für später weg. Supergirl rutscht abermals in ihrem Bett hin und her.

„Da sie jetzt wissen, wer ich bin. Würde ich gerne diesen Männeranzug ausziehen.“

Lenas Verstand setzt einen Moment aus. Die Worte sind klar anders gemeint, als das woran Lena denkt. Dennoch. Ausziehen! Wie bitte?

„Natürlich,“ antwortet sie, als wäre es das Normalste auf der Welt und versucht ruhig zu bleiben.

Supergirl legt die Blumen aufs Bett neben sich, aber dort drohen diese vom Bett zu rutschen. Sie sucht nach einer anderen Möglichkeit. Dann sucht sie Augenkontakt mit Lena.

„Können sie einen Moment die Blumen halten?“

Lena nickt etwas verdattert. Dann hält sie die Blumen, während ein woosh durch den Raum geht, zusammen mit einem Luftzug, der ihre Haare verweht. Die Drehung war so schnell und plötzlich ist da Supergirl vor ihr. Nun trägt sie den bekannten Anzug. Die Verwandlung ist unglaublich. Es ist unverkennbar Supergirl, der Anzug verleiht ihr sofort etwas ruhmreiches, heldenhaftes. Doch Lena erkennt in ihrem Gesicht weiterhin die weichen Züge, von welchen sie so angetan ist. Lena kommt nicht ohnehin sich über diese Tatsache zu freuen.

Supergirl nimmt die Blumen wieder an sich und setzt sich in eine etwas bequemere Position in den Schneidersitz. Sie wirkt nun völlig sorglos.

Lena streicht sich so beiläufig wie möglich die Haare aus dem Gesicht, die in ihr Gesicht gefallen sind.

„Da ist ja Supergirl,“ sagt sie etwas verlegen, nur um überhaupt etwas zu sagen. Supergirl lächelt und macht eine „Voila“ - Geste. Aber Lena’s Verstand rattert. Sie findet diese Unbeschwertheit noch nicht. Sie hat Millionen von Fragen, die sie allesamt an Supergirl stellen möchte. Sind Sie jetzt Partner? Mit wem arbeitet Supergirl alles zusammen? Was ist das DEO? Ist Supergirl nun verheiratet oder hat sie den Nachnamen Danvers von ihrer Kollegein gewählt. Sie muss sich zügeln, Lena war immer schon zu eifrig bzw. neugierig. Sie wird es herausfinden, aber nicht gleich alles auf ein Mal. Aber eine Frage brennt ihr derart unter den Nägeln.

„Karl Danvers gibt es also nicht,“ fängt sie langsam an und Supergirl schüttelt den Kopf. „Aber wenn Sie nicht Supergirl sind und Heldentaten vollbringen, haben Sie dann eine andere Identität? Mich würde interessieren, ob sie privat als Supergirl leben. Ist das ihr offizieller Name? Ein solches Leben stelle ich mir nicht einfach vor, wegen all der Öffentlichkeit.“

Die Blonde blinzelt. „Ja, das wäre sehr schwierig. Ich lebe privat nicht als Supergirl. Allerdings sehe ich Supergirl als meine zweite Identität an, nicht andersrum. Privat zeige ich mich anders,“ erwidert sie.

„Also es gibt noch eine weitere Person, mit welcher Sie sich verkleiden?“

„Naja, schon. Aber wie gesagt, Supergirl ist die Verkleidung,“ erwidert die Blonde und ihre Nase zuckt ein wenig.

„Leben Sie privat als Mann?“

Supergirl lacht auf „Was? Nein. Ich bin eine Frau.“ Ihre Nase kräuselt sich nun definitiv.

„Verraten Sie mir ihre andere Identität?“, prescht Lena weiter vor und versucht gleichzeitig einen unschuldigen Blick zu behalten.

Supergirl kaut auf der Lippe. Sie überlegt ihre nächsten Worte und wirkt nun ernst. „Das kann ich nicht Miss Luthor. Es ist geheim. Es ist mein anderes Leben und es hat nichts mit Supergirl zu tun und es wäre gefährlich für Menschen zu wissen, wer ich bin.“

Lena überlegt. Es leuchtet ihr ein, dennoch hat sie kein gutes Gefühl dabei. Es war nicht gerade nett, von Supergirl getäuscht zu werden, ihr vorzugaukeln, sie wäre zwei Personen. Wenn, wie sie hofft, sie beiden Partner werden, könnte Lena es nicht ertragen. Was wäre, wenn sie zufällig auf diese andere Person trifft.

„Kenne ich diese andere Frau?“

„Nein, Miss Luthor.“

„Und würde ich sie erkennen? Wenn ich, sagen wir mal, ihr auf der Straße begegnen würde. Ich würde nicht denken: Das ist Supergirl?“

„Nein, ich denke nicht. Sie ist... anders.“

„Also tragen Sie eine Perücke oder Ähnliches, damit sie nicht erkannt werden?“

„Oder Ähnliches.. Miss Luthor, ich kann und ich darf Ihnen das nicht beantworten.“

Lena übergeht ihren Einwand.

„Aber was wird sein, wenn ich sie zufällig kennenlerne, wenn sie mir irgendwo über dem Weg läuft im Cafe oder im Park. Was werden Sie tun? Werden Sie weglaufen? Mich anlügen? Und wenn ich sie anspreche, würden Sie mich belügen? Erneut?“

„Das... Miss Luthor das.... weshalb sollten Sie mich ansprechen? Ich schwöre, wir kennen uns nicht.“

„Aber nehmen wir an, wir liefen uns über den Weg. National City kann plötzlich zum Dorf werden. Also was dann?“ , drängt Lena weiter.

„Dann, ähm. Ich weiß es nicht.“

„Versprechen Sie mir bitte, dass sie sich dann zum Erkennen geben. Ich verstehe, dass sie ihre Identität für sich behalten möchten. Aber ich denke, sollte der Zufall uns zusammenführen, sind Sie mir das schuldig. Sie sollten mich nicht erneut belügen.“

Supergirl wirkt betroffen. Sie überlegt. Lena sieht ihr an, dass sie auf der einen Seite möchte, aber auf der anderen auch nicht.

„Sollte es wirklich zufällig passieren. Ich weiß nicht. Vielleicht,“ sagt sie unsicher.

Doch es reicht Lena nicht.

„Bitte Supergirl, versprechen Sie es mir?“ Lena gibt all ihre Dramatik in diese Bitte.

„Ich verspreche es,“ sagt Supergirl schließlich, aber Lena sieht an ihrem Gesicht, dass da noch etwas folgt, „aber versprechen Sie mir im Gegenzug, dass Sie mir nicht hinterher spionieren. Sie werden nicht versuchen, herauszufinden, wer ich wirklich bin. Nur wenn der Zufall es so will.“

„Deal. Ich verspreche es.“

Und plötzlich geben sie sich beide die Hand und Supergirl lächelt und Lena erwidert automatisch ihr Lächeln. Lena würde dennoch am Liebsten hinter das Geheimnis kommen. Andererseits, vielleicht sollte sie ihre nächste Begegnung wirklich dem Zufall überlassen. Egal in welcher Form.

„Da fällt mir ein,“ sagt Lena und lässt die warme Hand los. Sie kramt in ihrer Tasche und holt das Notizbüchlein und den rosaroten Flamingostift hervor.

„Das haben Sie bei mir im Büro vergessen.“

Supergirl wird rot, als sie es sieht. Verlegen streift sie eine Strähne hinter ihr Haar. Und diese Geste lässt Lena’s nächste Frage stellen. Sie kann es sich nicht verkneifen.

„Gehört es Supergirl, Karl Danvers? Oder ihrer anderen Identität?“

„Miss Luthor!“, schalt Supergirl. Eine Augenbraue der Blonden wandert gespeilt entsetzt nach oben. Es ist ein solch attraktiver Blick. Shit. Plötzlich denkt Lena an Sex. Der Gedanke ist da und nur ihre mentale Stärke stoppt, diesen weiter zu vertiefen.

Lena ignoriert das Ziehen im Bauch, als Supergirl mit einem tss die Sachen an sich nimmt, völlig ahnungslos das Lena sie im Geiste gerade ausgezogen hat.
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