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Hinter der Fassade

von Feodora29
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
J-Hope Jimin Jungkook Kim Seokjin OC (Own Character) RM
29.07.2021
14.10.2021
12
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14.10.2021 2.031
 
Wieder in Deutschland gestand Vanessa ihr nach und nach, dass sie tatsächlich plante, in Seoul einen Neustart zu wagen. Ayla hatte lange gebraucht, um dies aus Vanessa zu bekommen. Jene hatte ihretwegen gezögert. Vanessa wollte nicht Ayla auch noch verlassen, die Blonde wusste, dass sie für Ayla eine von wenigen Freunden war. Wenn sie nun in ein weit entferntes Land ging, würden sie sich nicht mehr oft sehen. Doch Ayla hatte ihr mehrfach versichert, dass sie deshalb doch Freunde blieben und viel über Video sprechen konnten. Auf keinen Fall wollte Ayla, dass Vanessa ihr Glück ihretwegen einstellte. Mit ihr und Namjoon sah es so gut aus, sie wünschte, dass es einfach lange hielt und ebenso lange geheim blieb.

Dennoch, ein kleiner Teil in Ayla fühlte sich gegen Ende des Jahres sehr verlassen, als sie Vanessa am Flughafen verabschiedete. Noch im Dezember wollte Vanessa ihre Konditorei eröffnen, Unterstützung bekäme sie von Namjoon. Selbstverständlich hatte Ayla noch andere Freunde in Deutschland, aber mit Vanessa hatte sie die Verbindung zu BTS, beziehungsweise der Männer, die dahinter standen.

Mit jenen schrieb sie weiterhin, doch sowohl Hoseok als auch Ayla hielten sich zurück. Es war einfacher, mit dem Rest zu schreiben, vor allem mit Jimin. Er war der neue Verbindungsmann. Diese Art der Kommunikation war angenehm, wenn es darum ging, Gefühle zu einer anderen Person zu vergessen.

Das lief sehr lange gut, aber im Mai wollte Ayla wieder nach Seoul fliegen. Dieses Mal allein, sie fragte sich zu spät, wie sie so ihre Flugangst unterbinden sollte. Sie freute sich jedoch riesig, bald Vanessa sehen zu können und ihr eigenes Geschäft, was überraschend nun doch immer besser lief. Deutsche Kultur gemischt mit koreanischen Vorlieben. Vanessas Persönlichkeit half vermutlich stark dabei.

Um sich während des Fluges abzulenken, ließ Ayla ihre letzten Wochen Revue passieren. Ihr Plan war irgendwie nicht ganz aufgegangen. Sie hatte gedacht, wenn sie Hoseok so lang wie möglich auswich und so wenig wie nötig mit ihm schrieb, würde es nachlassen. Nachdem sie aber vor drei Wochen einem Mann hatte sagen müssen, dass aus ihnen nichts werden würde, kam sie erst danach darauf, woran das lag. Sie fand keine neue Bindung, weil sie bereits zu sehr ein Idealbild im Kopf hatte. Ayla verglich unbewusst jeden sofort mit Hoseok. Das frustrierte sie nun doch. Nach wie vor sah sie nur eine Freundschaft als Lösung, sie hatte ihre Meinung nicht geändert. Ihre Ansichten waren noch wie beim Kennenlernen der Männer. Vielleicht könnte ihr Vanessa einen Rat geben. Sie lebte jetzt schon ein halbes Jahr in Korea und war mit Namjoon zusammen.

Bis jetzt stand nicht fest, ob sie überhaupt einen der Jungs treffen würde, schließlich waren sie voll in Vorbereitungen zu der neuen englischen Single Butter. Danach sollte auch noch ein neues Album kommen. Deshalb hatten sie Ayla auch gesagt, dass es möglich wäre, sie noch nicht einmal zu treffen. Vanessa hätte bald Geburtstag, leider wäre an dem Tag Ayla schon wieder in Deutschland. Sie wollten jedoch schon vorweg etwas feiern, als Anlass reichte das Wiedersehen.

Als Ayla Vanessa sah, wusste sie augenblicklich, dass jene hier glücklich war. Sie strahlte und beim Erzählen nachher entging ihr nicht, wie aufgeweckt die Blondine noch immer war. Auch privat war da kein Unterschied spürbar, sie war angekommen. „Jetzt hab ich so viel erzählt, du bist dran. Was ist aus dem Typen geworden, den du letztens noch erwähnt hattest?“ „Ach, das hat nicht geklappt. Er war nicht der Richtige.“ Vanessa musterte Ayla eingehend, doch sie sagte nur, dass schon noch der Richtige kommen würde.

Vanessa konnte nicht viel frei nehmen, aber an zwei Tagen konnte sie eher Feierabend machen und dann hatten sie zumindest das Wochenende. Die restliche Zeit streifte Ayla allein durch die Gegend und hatte vor allem beim Warten zu viel Freiraum für eigene Gedanken. So ein Fall war zum Beispiel Bus fahren.

Als sie jedoch am Ziel ausstieg, war dafür kein Platz mehr. Vanessa hatte ihr mitgeteilt, in welcher Gegend BTS wohnten, zumindest die gemeinsame Wohnung war. Doch auch wenn Ayla inzwischen Koreanisch gelernt hatte, sie hatte Schwierigkeiten, Adressen zu lesen. Außerdem sah die Wohngegend mehr als wohlhabend aus. Als Ausländerin wurde sie zweimal von jungen Mädchen schräg angesehen. Für Ayla wirkten jene eher verdächtig. Suchten sie etwa dasselbe? Leider war Ayla so dumm gewesen, die Adresse auf ein Stück Papier mit einem Stift zu schreiben, der nicht wasserbeständig war. Hätte sie nur einen Kugelschreiber verwendet. Doch dank des Regens war der wichtige Teil schnell verschwunden. Erinnern konnte sie sich nicht mehr an alles.

Also streifte sie hilflos durch die Gegend und überlegte, was sie tun sollte. Vanessa war noch voll bei der Arbeit und jemanden der Männer würde sie nicht kontaktieren. Sie wären eh nicht anwesend, glaubte sie zumindest. Eines Besseren wurde sie belehrt. Das erlebte sie einfach zu häufig bei ihnen.

„Ayla?“ Erschrocken wirbelte sie herum zu demjenigen, den sie soeben noch ausgewichen war, weil er aus der Seitenstraße gekommen war. Selbstverständlich erkannte sie nicht, wer unter der Mütze und der Maske steckte. Die Größe und die Stimme gaben ihr jetzt jedoch einen leichten Hinweis. „Yoongi?“, fragte sie leise und unsicher. Er blickte sich prüfend um, dann trat er heran. „What are you doing here?“ Verlegen lächelte sie und dachte für die Antwort etwas länger nach. „Vanessa gave me your address, but it’s blurred. I got lost.” Mit einem Wink gab er ihr zu verstehen, ihm zu folgen.

Tatsächlich war sie nur wenige Meter daran vorbei gelaufen und glücklicherweise war bei dem Wetter sonst keiner draußen unterwegs, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Erstmals sah sie die Wohnung von BTS, doch es waren nicht alle anwesend. Ihr Besuch überrumpelte dennoch alle, als erstes Seokjin, der einen leichten Aufschrei ausstieß, als er Ayla erblickte. Er umarmte sie und dann folgten die Bewohner dem Geräusch.

Taehyung und Namjoon kamen und ließen eine Umarmung ebenfalls anstandslos über sich ergehen. „Wo ist der Rest?“ Alle stockten und sahen sie geschockt an. Ayla blinzelte verwirrt. Wieso starrten sie alle so komisch an? Die Frage war doch einfach, oder nicht? „Seit wann sprichst du Koreanisch?“ Ups, sie blickte zu Yoongi, der ebenfalls auf Koreanisch sprach. Ayla hatte also tatsächlich die Frage auf Koreanisch gestellt, ohne es bemerkt zu haben. Sie fing mit Erklären an, dass sie seit letztem Jahr intensiv damit begonnen hatte und ihr Vanessa viel geholfen hätte.

„Würdet ihr mir jetzt verraten, wo die anderen sind?“ „Sie sind noch beim Üben“, antwortete nun Namjoon. „Du kannst gerne eine Weile bleiben, vielleicht kommen sie bis dahin noch“, fuhr er fort. Zum Langweilen kam keiner, sie musste selbstverständlich ausgefragt werden, das interessierte alle. Yoongi hielt sich zwar meist zurück, hörte aber aufmerksam zu. Sie mochte seine meist ruhige Art und auch die Seite, wenn er mal etwas einwarf, worauf alle lachten.

Zum Abend bestellten sie mal etwas, auch schon für die anderen, weil jene über Nachrichten mitgeteilt hatten, bald heimzukommen. „Wissen sie, dass ich da bin?“, fragte sie an Taehyung, weil jener gerade Jimin geschrieben hatte. „Nein“, sagte er grinsend. „Ist das wirklich eine gute Idee?“, fragte sie, doch man versicherte ihr, dass sich die anderen mit Sicherheit auch sehr freuen würden.

Aylas Puls wurde etwas höher, je mehr Zeit verstrich. Das Flattern in ihrem Bauch war jetzt schon spürbar, ohne ihm begegnet zu sein. „So ein Mist“, murmelte sie auf Deutsch. Yoongi, der direkt neben ihr saß, blickte sie verwirrt an. Seokjin war in der Küche verschwunden und Namjoon nahm soeben das Essen entgegen. Wohin Taehyung kurz gegangen war, wusste sie nicht. Es waren also nur sie beide übrig. „Bist du noch immer derselben Meinung wie vor einem Jahr?“, fragte er sie. Verblüfft sah sie ihn an. „Du bekommst echt mehr mit, als du zugibst“, gestand sie anerkennend und musste  - wie er - schmunzeln. „Eigentlich schon“, gestand sie dann. Er schnaubte amüsiert. „Klingt nicht sehr überzeugend.“ Ayla seufzte. „Ich weiß. Ich schätze, das werde ich gleich sehen.“ Viel weiter kamen sie nämlich nicht, weil Stimmen verrieten, dass die restlichen drei hinzugestoßen waren.

Als Jimin als erster mit einem desinteressierten Blick ins Wohnzimmer trat, erstarrte er für einen Augenblick zur Säule. Dann tauchte das freudige Gesicht auf und er eilte zu Ayla heran, die sich inzwischen erhoben hatte. „Ayla!“, rief er noch laut durch die Wohnung, bevor er einmal die dunkelhaarige Frau umarmte. Er wandte sich danach direkt auf Koreanisch an Yoongi. „Wieso habt ihr nicht gesagt, dass sie da ist?“ „Wir wollten euch überraschen“, antwortete Ayla zur Überraschung ihm. „Du sprichst Koreanisch?“ Lächelnd nickte sie, dann musste Jimin Platz machen, weil Jungkook sie ebenfalls begrüßen wollte. „Was ist mit euren Haaren passiert?“, fragte sie beide, weil Jungkook dunkle Haare mit dunkelblau hatte und Jimin blond war, jedoch mit bunten Strähnen. Sie war ja von Namjoons rosa schon etwas irritiert gewesen, aber das war ja nicht das erste Mal, dass er diese Farbe trug.

„Warte ab, bis du Hoseok-hyung siehst“, wurde sie von Jungkook vorgewarnt. Ayla blickte sich also um und entdeckte schließlich den letzten der Runde am Durchgang. Seokjin stand dahinter, während Taehyung und Namjoon bereits wieder im Wohnzimmer waren. „Wow.“ Mehr brachte sie zunächst angesichts seiner hellen Haare nicht raus. Blond traf es ja schon bald nicht mehr, das war doch gelb. Er wirkte dadurch ganz anders, aber für Ayla war das kein Grund, ihre Gefühle verändert wahrzunehmen.

Hoseok lächelte sie warm an und beide umarmten sich, als hätte ihr letztes Gespräch vor einem Jahr nicht stattgefunden. „Sieht ungewohnt aus“, gestand sie aus der unmittelbaren Nähe. „Klingt ungewohnt, wenn du koreanisch sprichst“, konterte er grinsend. Das Essen konnte also losgehen und wie immer, es wurde ununterbrochen erzählt. In dem Fall war es an Ayla und sie hatte echt Mühe, sich auf die Sprache zu konzentrieren. Die Männer hatten Geduld und halfen ihr gerne aus, als Aushilfe ging immer Englisch.

Danach reichte es für eine kleine Führung durch die Wohnung und am Ende war es, als gab ihnen der Rest einen Freiraum, denn Ayla blieb mit Hoseok allein im Zimmer von ihm und Jimin. „Darf ich dich etwas fragen?“ Hoseok klang nicht mehr so fröhlich, wie bisher. Diese Frage wies daraufhin, dass er ein ernsteres Thema anstrebte. Sie nickte also. „Was muss ich tun, damit du deine Meinung änderst?“ Zunächst war sie sich nicht sicher, ob sie ihn aufgrund des Koreanisch nicht ganz verstand, aber eigentlich suchte sie nur eine Ausrede. Ayla hatte ihn ganz genau verstanden und das erkannte auch er. „Gar nichts.“ Seine Augen umrandete ein trauriger Ausdruck nach Aylas Antwort. „Dann muss ich annehmen, dass du meine Gefühle nicht erwiderst.“ Wenn er so traurig aussah, ließ er tief in sich blicken. Etwas, was vermutlich nur sehr wenige Menschen überhaupt zu Gesicht bekamen.

Ein weiterer Beweis war, dass er nur kurz darauf sein künstliches fröhliches Gesicht aufsetzte. „Das ist okay.“ Er war im Begriff sich zu drehen, doch Ayla ergriff sein Handgelenk. Überrascht sah er zurück. „Nichts ist okay“, begann Ayla. „Schon gar nicht, wenn du nach so etwas einfach lächelst, obwohl es nicht ehrlich ist.“ Sie musste es jetzt tun, oder sie würde nie wieder den Mut finden, über ihren Verstand zu entscheiden. „Wenn es darum geht, was ich vor einem Jahr sagte, dann ist das nicht viel anders. Ich hab dir damals nicht sagen können, wie ich mich fühle. Tatsache ist jedoch, dass ich es trotz Bemühungen nicht geschafft habe, diese Gefühle loszuwerden. Im Gegenteil, wenn ich dir jetzt so gegenüber stehe, spüre ich umso deutlicher, dass dies nicht nur ein Verknallt sein ist.“ Dies alles auf Koreanisch zu sagen, fiel ihr schwer, so wie ihnen immer, wenn sie Englisch mit ihr sprachen.

„Hoseok“, setzte sie noch einmal an, „Ich möchte nicht, dass du dich änderst, nicht meinetwegen. Ich mag dich so, wie du bist, vor allem auch mit Schwächen und Fehlern. Also sei bitte nicht der Meinung, etwas ändern zu müssen, nur damit du mich gewinnst. Das hast du doch schon längst.“ Ayla lächelte ihn voller Wärme an und genoss das Gefühl, was er jedes Mal auslöste, wenn er ihr sein schönstes Lächeln schenkte.



Hallo zusammen!
Das war die Geschichte um Ayla. Ich hoffe, sie hat euch gefallen und würde mich über das ein oder andere Review freuen. Es müssen ja keine langen Texte sein, nur kurz eure Meinung zu der Geschichte.
Bis demnächst ;-)
Grüße Feodora
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