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Lockwood und Co. - ein warmes Zuhause -Oneshot

von Verderben
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
29.07.2021
29.07.2021
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29.07.2021 2.362
 
Halliiihaaalllöchen!

Ich habe aufgrund eines spontanen Schreibwahns sowie einer plötzlichen Idee für eine Szene mich zu diesem OS entschlossen :)
Also ich habs nur einmal Probe gelesen und bin  mit dem Stil nicht so sicher, also haltet euch mit den Rewievs nicht zurück ^^
Und auf jeeeden Fall brauche ich einen besseren Titel, mir war nichts eingefallen... Jemamd nen Tipp?
Ansonsten viel Spaß beim lesen!

Liebe Grüße
euer Verderben

(Jaahahaa, deshalb habe ich diesen Usernamen gewählt)





Die schweren Eisenketten am Eingang der Portland row 36 rasselten.
Die Tür fiel mit einem 'Rumms' hinter mir ins Schloss. Lockwood machte sich sofort an der Verriegelung zu schaffen, die eisernen Siegel rasteten schwer und lauthals quietschend ein.

Mit diesem Geräusch verklang auch sofort das Tosen des Sturms, der draußen vor der Tür wütete.
Trotzdem hörte ich schon vom Flur aus, wie der Regen auf die Jalousien vor dem Küchenfenster und gegen die Fensterläden des Wohnzimmers prasselte.

Ich warf meine klatschnassen Ausrüstungstaschen in die nächstbeste Ecke und schüttelte den halb zusammengeklappten Regenschirm grob in Richtung unserer alten Fußmatte aus.

Wir waren, sehr wohl in voller Kenntnis über das nahende Unwetter und sogar trotz der Sturmwarnung, die die Medien beherrschte, bei einem Einsatz gewesen.
Immerhin könnte man behaupten, dass wir dafür wenigstens ein überdurchschnittliches Honorar erhalten hatten, aber seit der Fittes-Affäre und unserem landesweiten Ruhm und Prominentenstatus hatte sich unsere Entlohnung sowieso schon in den unterschiedlichsten Summen abgebildet.
Bei aller Bezahlung ist eine aus der Themse hochgespülte Wasserleiche trotzdem nur selten ein angenehmer Anblick und auf das Wasser von oben hätten wir wirklich verzichten können.

Nun standen wir also klitschnass und schlammverschmiert in der Diele. Da hatten wir den Salat. Oder wahrscheinlich eher die Suppe, wenn ihr versteht, was ich meine.

"Was ein Unwetter! So etwas hab ich seit Jahren nicht erlebt!" Rief Lockood aus.
Er stöhnte und machte sich daran, seine Füße aus den ehemals gelben, nun aber schlammgrauen Gummistiefeln zu befreien. Er hüpfte lustig und für seine sonst so elegante Art erstaunlich ungeschickt auf einem Bein hin und her.

George und ich taten es ihm nach und versuchten unser Bestes, die blöden Stiefel auszubekommen.
Man hätte uns drei in den Mänteln und jeder auf
nur einem Bein stehend glatt für drei schlammverkrustete, übergroße Flamingos halten können.  

"Wir hätten Zuhause bleiben sollen! " Beschwerte sich Lockwood weiter. Ich blickte von meinem linken Gummistiefel Stiefel auf. Meine immer noch klammen Finger versuchten weiter, das Ding von meiner Wade zu lösen. Vielleicht hätte der ein oder andere Donut weniger in den letzten Wochen mir an dieser Stelle gut getan.
Lockwood murmelte etwas in sich hinein.
Es war ungewohnt, wie sehr mein Chef sich an dem Verlauf unseres Abends störte. Normalerweise stürmte Lockwood bei Wind und Wetter jeder Gefahr entegegen, wagemutig, heldenhaft, aufopferungsvoll.
Aber ich konnte ihn verstehen, denn wir hatten eine wirklich lange Woche hinter uns. Vom Geräteschuppen mit einem spatenfuchtelnden Wiedergänger bis zum Kreischer auf der Empore einer abgebrannten Kathedrale war alles dabei gewesen. Zwei Aufträge am Abend waren das Minimum.
Ich versuchte, meinen Chef zu beschwichtigen: "Solange niemand von uns wegen einer Erkältung ausfällt, ist doch alles gut."
Lockwood seufzte nur. "Da hast du wohl Recht."
Er hatte es bereits geschafft, sich aus seinem ersten Gummistiefel zu befreien, und feuerte das Ding Richtung Tür. "Hätte man den armen Kerl nicht einfach erst einmal in die Leichenhalle bringen können?! Die BEBÜP lernt nichts dazu!"

Das hatten wir uns alle gefragt. Der heutige Besucher war erst einige hundert Meter flussabwärts von seiner Quelle im Themseschlamm aufgetaucht, während wir eine gute Viertelstunde mit der halben Londoner Polizei und Leuten der BEBÜP, allen voran Inspektor Barnes, ebendiese Quelle begutachteten.
Es handelte sich um die Wasserleiche eines armen Kerls, der auf der London Bridge einem einfachen Schemen ausgewichen war, bis dieser ihn plötzlich über die Brüstung trieb.
Der Mann, Edgar Solester war sein Name, war wenig später im eiskalten Wasser der Themse ertrunken, wo er auch seine sterblichen Überreste zurückließ.
Dieses Ereignis führte schließlich zu einem panisch heulenden Typ zwei, der auf der Suche nach seinem verloren gegangenen Körper die schlammigen Ufer  der Themse hinauf und hinab schwebte.
Dem Besucher kamen jedoch ein paar Streifenpolizisten zuvor. Sie fanden den bis oben hin mit Wasser gefüllten Leichnam und wären, in ihre Untersuchung vertieft, um ein Haar alle zu Opfern von Solesters umherwandernden Seele geworden, hätten sie sich nicht in letzter Sekunde ins fließende Wasser gerettet.
Immerhin diesen kleinen Rest an Geistesgegenwart musste man ihnen zugute halten. Andererseits war das Überleben der Männer (und einer Frau) vielleicht auch der Fortschritte geschuldet, den die Zusammenarbeit der BEBÜP mit der Polizei im Laufe der Zeit erreicht hat.  Alle Polizisten in London erhalten seit einigen Jahren eine gewisse Grundausbildung für den Umgang mit Geistern. Beziehungsweise dafür, wie man sich möglichst weit von ihnen fernhält.
Die Flucht zu trainieren, scheint oft der einzig sinnvoll Teil der gesamten Ausbildung zu sein.

Mit einem 'Plopp' löste sich nun auch mein erster Stiefel. Ich ächzte.

George taperte langsam und immer noch tropfend die Treppen herauf. Die schlammverschmierten Gummistiefel ließ er gnadenlos an, sodass er auf jeder Stufe einen kräftigen Fußabdruck hinterließ.

Auch Lockwood verließ die Diele, allerdings Barfuß. Als er an mir vorbei schritt, begegneten sich unsere Blicke. Der Moment brannte sich in mein Gedächtnis.
Es war ein bisschen, wie wenn man einem wilden Tier direkt in die Augen blickt; wortlos und trotzdem mit einem gewissen Einklang.

Aber sein Blick war noch weicher, noch wärmer als das. Das Ganze dauerte auch nur Sekunden. Vielleicht eine, vielleicht zwei.
Aber vor mir verwandelte sich die Szene  in eine Zeitlupe.
Ich nahm jedes kleinste Detail wahr:
das Pladdern des Regens in der Küche.
Das Rauschen von Lockwoods elegantem Mantel.
Das Geräusch seiner nackten Füße, wie sie eilige Schritte auf die Dielen setzten.
Das Huschen seiner Schatten an der Wand.
Ich spürte den Luftsog seiner Bewegung, der mich frösteln ließ.
Und ich sah die glitzernden Tropfen, die sich aus dem nassen Haarschopf lösten und an seinen dunklen Augen vorbei wie Perlen zu Boden rollten. Ich spürte eine Spannung im Raum, knisternd wie Elektrizität.
Für eine Sekunde blickten wir uns direkt in die Seele. Ich spürte seine Erschöpfung und die Erleichterung darüber, Zuhause zu sein. Es war so ein ungewohnt inniger Augenblick, dass es mir komplett die Sprache verschlug.

Und dann stand ich einfach nur da und blickte ihm hinterher. Erst, als ich ein Rascheln aus dem Wohnzimmer hörte, raffte ich mich zu einem Versuch auf, hüpfend meinen zweiten Stiefel auszuziehen.

Lockwood kehrte mit einer vergilbten Morgenzeitung unter dem Arm zurück und begann, sie um mich herum in der Diele auszulegen.
Ich bedankte mich und hopste auf einem Blatt Zeitung weiter. Lockwood stellte die Stiefel auf das Papier und legte dann auch noch etwas davon unter die Kleiderhaken, damit unsere Mäntel nicht den orientalisch angehauchten Bodenläufer durchtränkten.
Wir schälten uns aus den tropfenden Dingern. Ich fror schlagartig.

"Eine Unverschämtheit!" Beschwerte sich Lockwood plötzlich schon wieder. Heute Nacht war er wirklich etwas gereizt. Ich hob fragend eine Augenbraue.
"Na, dass George einfach mit dem ganzen Zeug direkt nach oben verschwunden ist! Schau dir die Sauerei an! Das kriegen Holly und wir nicht alleine hin, jetzt muss der blöde Bodenläufer in die Reinigung."Er seuftzte. "Es müssen sich hier ja zumindest die Klienten wohlfühlen können..." Dann machte er eine Pause und schien sich zu besinnen. "Das würde zumindest Holly sagen. Und sie hätte ja auch Recht."
Wie ungewöhnlich für ihn, sich gerade in Holly hineinzuversetzen. So eng unsere Verbindung mir gerade schien, so sehr verwirrte er mich heute auch.
Ich deutete mit hochgezogener Augenbraue nach oben.
"Lockwood, ich glaube, George ist sogar noch ein Stückchen dreister... Hörst du das?"
Er lauschte angestrengt.
Anscheinend realisierte er, was ich meinte.
"Rauschendes Wasser ...und... er singt wieder. Ich glaube, das ist eine Operette." Er machte eine kurze Pause. "Das heißt also, jetzt ist er auch noch heiß duschen gegangen. Na toll. Und das, wo er immer so unendlich lange braucht."
Ich stimmte ihm einfach nickend zu. Kälte und die Erschöpfung waren eigentlich nichts ungewöhnliches für uns. Aber heute sorgten sie wirklich für eine seltsame Stimmung.

Ein paar Sekunden standen wir, ohne etwas zu sagen, einfach nur im Flur. Das Geräusch des Regens sickerte abermals in mein Bewusstsein.

Bis Lockwood sich wieder zu mir hin wandte und offenbar einen Entschluss fasste:
"Dann mache ich jetzt wohl ein paar schöne heiße Tassen Tee. Geh du dir ruhig erstmal was trockenes holen."
Ich stimmte zu und verschwand die Treppe hinauf. So war kannte ich meinen Chef schon eher.

Der Augenblick, im wahrsten Sinne des Wortes, von vorhin hing über meinen Gedanken wie die Wolkendecke über London.

Ich schlüpfte durch den Türspalt in meine Dachkammer. Als ich das Chaos erblickte, das ich vor dem Einsatz zurückgelassen hatte, entfuhr mir ein genervtes Stöhnen. Gegen ein bisschen gesunde Unordnung hat wohl niemand etwas einzuwenden, aber das Schlachtfeld, das ich bei meinem übereilten Aufbruch auf der Suche nach einer sauberen schwarzen Hose hinterlassen hatte, war ein bisschen zu viel des Guten. Ich betrachte die schlammigen Handabdrücke, die meine Jeans zierten. Im Nachhinein betrachtet hätte die Hose wohl nicht einmal sauber sein müssen.

Noch etwas aus der Puste warf ich mich aufs Bett. Federnd fing die Matratze mich auf. Ich blieb ein paar Sekunden lang kraftlos liegen.
Auch hier herrschte das hastige Klopfen des Regens an der Fensterscheibe. Etwas störte mich. Ich zog einen zerknitterten mausgrauen Kapuzenpulli unter meinem Gesicht hervor.
Träge richtete ich mich auf, entledigte mich meines Rollkragenshirts und zog mir mit klammen Fingern das alte Ding über den Kopf. Es hatte schon die ersten Löcher und auf der Vorderseite blätterte ein alter Aufdruck einer Comic-Fledermaus vor sich hin.
Mir war immer noch kalt. Meine Hände vergruben sich in den Taschen des Pullis und ich schwang die Beine über die Bettkante.
Im Lichtschein, der sich aus dem Flur herein drängte, erkannte ich einzelne Shilouetten von Büchern, Stiften, Kartons und... Und einem schwarzen, verkohlten Schädel, der die Fensterbank schmückte.
Ich starrte ihn an. Eindringlich und hoffnungsvoll zugleich.
Nein, bisher hatte er sich noch nicht wieder gemeldet, aber ich war mir sicher, dass sich das Glimmen hinter den schwarzen Höhlen des Öfteren zeigte. Ich hob einen Arm und ließ ihn wieder fallen. Weitere Sekunden verstrichen, bis ich mich schließlich aufraffte und die verbrannten schwarzen Strukturen mit eiskalten, tauben Fingern nachstrich.

Mein gedankenverlorenes Starren und Lauschen wurde von Lärm ganz unten aus der Küche unterbrochen.
"Der Tee!"
murmelte ich und riss mich von der hypnotischen Aura des Schädels los.
Lockwood erwartete mich bereits mit zwei heißen Tassen Tee in den Händen. Zwei Dinge ließen mich innehalten.
Erstens hatte Lockwood zu meiner Überraschung ebenfalls seine Kleidung gewechselt.
Und zweitens trug er nun ausgerechnet seinen neuen Bademantel.

George hatte ihm das Ding zum Geburtstag geschenkt und, wie man sich vorstellen kann, war es natürlich zu groß gewesen. Allerdings machten Lockwoods zufriedene Miene und das blau-weiße Karomuster diesen Umstand wieder wett. Ihm stand einfach alles.

"Lucy!"
Begrüßte er mich.
"George wird das Bad wahrscheinlich bis Weihnachten nicht verlassen und ich hab es einfach in den nassen Klamotten nicht mehr ausgehalten."
Er blickte auf mich hinunter, musterte den trockenen Pulli über den klammen schwarzen Klamotten und fügte hinzu:
"Du solltest dich besser auch richtig umziehen, du erfrierst doch!"
Ich zuckte mit den Schultern. In Wirklichkeit jedoch fror ich tatsächlich immer noch gewaltig. Ich streckte eine zitternde Hand nach dem Tee aus. Lockwood überreichte mir eine Tasse. Ob er absichtlich oder aus Versehen meine Hand dabei streifte, kann ich nicht genau sagen. Auf jeden Fall ergriff er darauf hin meine andere. Die Berührung überrumpelte mich so dermaßen, dass ich um ein Haar die Tasse fallen ließ.

Er schloss seine Hände um meine freie Hand und führte sie auf die Höhe seiner Brust. Ich spürte, wie Wärme meinen Körper durchflutete. Sie schoss aus meinen Fingern, meine Arme hinauf bis über meinen Hals, der mir erstaunlich eng und geradezu unwahrscheinlich trocken vorkam, (angesichts der Stunden, die ich im Regen verbracht hatte) und macht sich schließlich in meinem Gesicht breit.
Ich konnte geradzu fühlen, wie meine Wangen Farbe annahmen.

Lockwood blickte mich mit einer Unschuldsmiene an, die mich rätseln ließ, ob er meinen Zustand überhaupt nicht wahrnahm.
"Ich kann keine erkälteten Agenten in meinem Team gebrauchen."
Meinte er nachdenklich.
"Immerhin sind wir noch die kleinste Agentur Londons. Da können wir niemanden entbehren."

Ich räusperte mich.
"Ähh..."
Stotterte ich.
"So-so schlimm ist es doch gar nicht. Das wa-war doch nur ein Unwetter"  Stille.
Ich entschloss mich, etwas sicherer noch hinzu zu setzen
"Naja, aber immerhin ein starkes."

Lockwood grinste mich an.
Er entließ meine Hand, die sich schon deutlich besser anfühlte, griff hinter sich und zog seinen alten Morgenmantel hervor.
"Na siehst du. Und jetzt mach, dass du wenigstens die Leggins und die Socken los wirst."
Ich nahm den weichen Stoff entgegen und stakste mit hochrotem Kopf hinüber in die Bibliothek.

Als ich mich meiner Socken und Leggins entledigt hatte, bemerkte ich, wie stark Lockwoods Geruch an dem alten Morgenmantel haftete.
Es würde merkwürdig sein, ihn zu tragen.

Als ich das Wohnzimmer wieder betrat, hatte Lockwood seinen Sessel an den Tisch gerückt und Platz genommen.
Vor ihm standen unsere Tassen, ein Teller mit Teegebäck und ein paar frische Toasts mit Butter.

Von George war immer noch weit und breit nichts zu sehen. Zu hören allerdings schon. Als ich gegenüber auf der Couch Platz nahm und mir eine Decke um die Schultern legte, durchströmte mich ein zufriedenes Gefühl.
Selten hatte ich mich so Zuhause gefühlt, selten so gemütlich.

Eine Weile lauschten wir einfach nur dem Geräusch des Regens.
Dann schließlich schwang ein Gespräch zwischen uns an und wie von selbst floss es weiter.
Es ging um Gewitter und die Angst davor und stilvolle Regenschirme und einen Tropensturm, von dem Lockwoods Eltern ihm einst erzählt hatten.

Irgendwann stieß ein zufriedener George mit heiserer Stimme und verschrumpelter Haut dazu und wir verbrachten unsere Stunden im Wohnzimmer bis weit in die Nacht.

~~ENDE~~
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