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Of Love and Fear

von Demelza
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Albus Dumbledore Lily Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
28.07.2021
17.08.2022
26
33.547
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Dieses Kapitel
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05.08.2022 1.249
 
Er wollte gerade niemanden sehen.
Und da Sirius seine Wohnung gerade wieder für sich alleine hatte, musste er auch niemanden sehen. Nachdem seine Wohnung wochenlang von seinen – damals noch – Freunden belagert worden war, hatte er sie jetzt seit weniger Wochen wieder ganz für sich.
Remus würde nicht mehr hier aufkreuzen und ihn wegen Essen oder einem Schlafplatz belagern. Wobei Sirius ihm das immer zuerst angeboten hatte.  
Lily war nicht mehr hier. Und damit auch niemand, der sich die Augen aus dem Kopf heulte, statt etwas Sinnvolles zu tun.
Wenn Lily sich wieder beruhigt hatte, konnte sie ihn gerne besuchen. Sie und Harry. Mit etwas Glück würde sein Patensohn wie James werden. Und Sirius würde dafür sorgen, dass dem auch so war.
Das Zusammentreffen mit Remus bei der Versammlung hatte seinem Zorn nur neuen Zündstoff beschert. Er hatte schon angefangen sich zu fragen, ob er nicht so hart gewesen war, zu harsch. Bis er ihn heute wiedergesehen hatte. Den Werwolf. Den Feigling. Den Freund, für den James und er mehr getan hatten, als die meisten Leute für jemanden tun würden, selbst für ihren besten Freund. Den Freund, der James nicht einmal rächen konnte. Der den Verräter nicht hatte töten können. Und was noch schlimmer war, Sirius auch noch davon abhalten musste es selbst zu tun.
Sirius wusste selbst, dass Wurmschwanz‘ Tod James nicht zurückbringen würde. Nichts auf der Welt konnte das. Aber Sirius würde sich dadurch besser fühlen, es war das letzte Geschenk, das er seinem besten Freund, seinem Bruder machen konnte. Das Leben desjenigen zu beenden, der geholfen hatte, seines zu beenden.
Sirius war nach der Versammlung mitgegangen, um die Leichen der gefallenen Ordensmitglieder zu holen. Peinlich darauf bedacht, Remus aus dem Weg zu gehen. Sogar in seinem kalten Zorn war Sirius klar gewesen, dass er im Angesicht der Toten keine Witze mehr zu machen brauchte.
Dabei hatte es sich so gut angefühlt. Remus endlich das kosten zu lassen, was er, James und Wurmschwanz jahrelang von ihm ferngehalten hatten. Es hatte sich so gut angefühlt, dem ganzen Orden zu zeigen, dass man ihm nicht trauen konnte. Und der Ausdruck auf Remus‘ Gesicht war weiterer Zündstoff für ihn. Das war schon bei Snape so gewesen. Wenn das Opfer darauf reagiert, machte es nur noch mehr Spaß. Auch wenn Snape mit Wut reagiert und die Angriffe gekontert hatte.
Selbst nach drei Jahren außerhalb von Hogwarts, mit seinen kindischen Scherzen und jugendlichen Fehden, die meist nur Monate manchmal aber ein ganzes Leben dauerten, war Sirius nicht aus der Übung. Der jahrelange, fast schon traditionelle Kampf Slytherin gegen Gryffindor, in dem James und er die besten Streiter auf ihrer Seite gewesen waren, hatte seine Spuren hinterlassen. Und das hatte sich heute gezeigt.
Vielleicht würde er später anders darüber denken, sobald der Zorn verraucht war. Vielleicht würde er es bereuen, Remus vor dem Orden bloßgestellt zu haben. Solche Dinge hatten dort eigentlich keinen Platz. Es sollte keinen unnötigen Streit im Orden geben, darauf pochte Dumbledore immer. Dennoch bezweifelte Sirius, dass er es bereuen würde.
Dreimal lief Sirius durch die ganze Wohnung. Auf der Suche nach etwas, mit dem er sich beschäftigen konnte. Am Ende stand er am Fenster im Wohnzimmer und blickte auf die Straße hinunter.
Ob er Wurmschwanz wohl noch immer finden konnte? War diese für immer vertan? Wie wichtig war Wurmschwanz für Voldemort noch, jetzt wo er seinen besten – und vermutlich einzigen – Trumpf ausgespielt hatte. Andererseits sollte Voldemort ja durchaus großzügig sein, wenn jemand ihm einen Gefallen tat.
Sirius bezweifelte stark, dass er Wurmschwanz einfach so auf der Straße finden würde. Aber es war nicht ausgeschlossen, dass er ihm nicht noch einmal über den Weg lief. Und dann würde Sirius seine Chance nutzen. Zum Teufel damit, dass Wurmschwanz einmal sein Freund gewesen war. Er hatte James verraten, seinen besten Freund. Und Sirius würde ihn nie wieder als etwas anderes sehen können als den Verräter, als der er sich herausgestellt hatte. Und Remus würde er wohl auch nie wieder als etwas anderes als einen Feigling sehen.
Sein Verdacht war nur zum Teil Show gewesen. Den ein sehr kleiner Teil in ihm, der der nicht vor Zorn, Hass und Rachsucht kochte, rauchte oder bebte, fragte sich wirklich, warum Remus von alldem nichts mitbekommen hatte. Wenn er wirklich ein Verräter war, warum hatte er Lily und Harry dann nicht schon an Voldemort verraten? Oder hatte er das schon getan und Sirius hatte nur nichts davon mitbekommen? Nein, das konnte nicht sein, ein Mord an einem Mitglied des Ordens wurde allen anderen mitgeteilt. Meist so schnell wie möglich. Wartete Remus noch auf ein besseres Angebot von Voldemort, bevor er ihm das lieferte, was Wurmschwanz nicht hatte liefern können.
Doch der kleine Teil in Sirius, meldete mit einer unangenehmen Stimme, dass Remus noch nie gut im Schauspielern war. Könnte er wirklich Lily gegenüber Mitleid vorspielen und sie im nächsten Moment selbst verraten?
Lily und Harry waren unter dem Fidelius-Zauber natürlich nicht angegriffen worden. Und wenn Remus nichts vom Angriff mitbekommen hatte…
Aber nein! So dumm und verzweifelt würde Lily nicht sein. Nicht einmal jetzt. Obwohl sie durchaus ein großes Herz hatte. Aber das würde sie doch nicht tun, oder…
Sirius hatte mit den Todessern, die ihn angegriffen hatten, leichtes Spiel gehabt. Er hatte beinahe mit ihnen gespielt. Voldemort musste schlecht informiert sein, mit wem man Sirius aus seiner Wohnung locken konnte. Denn jetzt, wo James tot war, war die Antwort nicht mehr so naheliegend. Voldemort musste seine besten Todesser für andere Leute aufgespart haben. Denn die Todesser, die er zu Sirius geschickt hatte, waren beinahe eine Lachnummer gewesen.  Voldemort musste darauf gesetzt haben, dass ihn die Illusion zu sehr aus der Fassung brachte. Und noch absurder als seine Angreifer, war nur die Illusion gewesen, mit der sie Sirius hatten herauslocken wollen: Lily und Remus.
Sirius hatte fast sofort gewusst, dass es eine Falle war. Oder es war ihm zumindest insoweit komisch vorgekommen, dass er seine Tür sehr vorsichtig geöffnet hatte. Und sofort einen Schockzauber losgelassen hatten, kaum war die Tür einen Spaltbreit geöffnet.
Der Rest war beinahe ein Spiel gewesen. Die Todesser hatten ihn mehrfach gefragt, wo Lily und Harry waren. Während sie Sirius‘ Flüchen auswichen oder sie abblockten. Er hatte ihnen keine Antwort gegeben. Am Ende war es ihm zu bunt geworden, er hatte sie entwaffnet, geschockt, sie hinaus auf die Straße geschafft und in einer Gasse liegen gelassen. Ihre Zauberstäbe hatte er zerbrochen.
Und gerade als Sirius an diesem Abend seinen Umhang überstreifte und sich auf den Weg zu seiner nächsten Mission zu machen, klingelte es an der Tür.
Sirius verdrehte genervt die Augen. Wenn das Moody war, der ihn persönlich abholen kam, weil er zu spät war. Sirus war noch nicht zu spät. Und er würde auch nicht zu spät kommen, wenn er jetzt losging.
Und wehe das waren jetzt Lily oder Remus, die wegen irgendetwas hier angekrochen kamen. Gut, Lily konnte wieder kommen, wenn sie sich wieder, wie ein normaler Mensch benehmen konnte.
Sirius öffnete die Tür einen Spalt breit und erstarrte.
Es war nicht Moody, der da vor der Tür stand.
Es waren auch nicht Lily oder Remus.
Aber das war doch gar nicht möglich.
Er war tot!
James war tot!
Sirius hatte seine Leiche gesehen.
Bevor Sirius den Gedanken auch nur fertig gedacht hatte, riss er schon die Tür auf und stürzte nach draußen. Auf seinen besten Freund zu. Auf den einzigen Menschen, der ihn niemals im Stich lassen würde. Der ihn niemals enttäuschen würde.
Er war gerade über der Schwelle, als ihn der erste Fluch traf.
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