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Gegen alle Widerstände

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Samu Haber
27.07.2021
11.02.2022
25
55.614
15
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
13.10.2021 2.064
 
Es geht weiter. Danke für eure Rückmeldungen. Ich freue mich echt immer sehr darüber.


„Guten Morgen!“, lächelnd stellte Schwester Ela zwei Tabletts auf den Tisch am Fenster. „Guten Morgen!“, Maxime erwiderte das Lächeln und schob sein Handy in die Hosentasche. Er stand von dem kleinen Sofa auf. „Frühstück.“, sagte Schwester Ela und sah dann zu Samu, „aber ich sehe unser Patient schläft noch.“, flüsterte sie jetzt., „war er schon mal wach?“ Maxime schüttelte den Kopf. „Nur gestern Abend ganz kurz.“, besorgt runzelte er die Stirn, „ist das nicht gut?“ „Doch alles gut. Er braucht den Schlaf.“, Schwester Ela griff nach dem Fieberthermometer, welches auf dem Nachttisch lag und ließ es vorsichtig in Samus Ohr verschwinden, wo es einen Moment später das Ergebnis verkündete. „Hm, ich gebe Professor Suovi Bescheid, er wollte sowieso gleich vorbeikommen.“ „Stimmt was nicht?“, Maxime trat ans Bett heran und griff nach Samus Hand, wobei er sofort spürte, wie heiß die Haut war. „Das Fieber ist ziemlich hoch, aber der Körper kämpft auch mit dem Infekt. Ich hole den Professor, besser er sieht sich Herrn Haber gleich an. Ich bin gleich wieder da.“
Kaum war die Schwester zur Tür raus, flatterten Samus Augenlider und er schlug die Augen auf. Kurz irrte sein Blick durch den Raum, ehe er Maxime ansah und doch irgendwie durch ihn hindurchsah. Maxime legte ihm eine Hand an die Wange. „Samu, hey! Samu, sieh mich bitte an.“, er drückte Samu einen Kuss auf die Lippen. „Max…..“, kaum hörbar war Samus Stimme, doch er sah Maxime jetzt richtig an, was diesen erst einmal kurz aufatmen ließ. „Der Arzt kommt gleich. Hast du Schmerzen?“, Maxime setzte sich zu seinem Freund auf die Bettkante. Der nickte. „Bad….ich muss ins Bad…“, Samu schluckte. Er wusste gar nicht genau, wo es ihm überall weh tat, gefühlt überall. „Ich weiß nicht, ob du aufstehen darfst. Lass uns kurz auf den Arzt warten, okay?“, beruhigend strich Maxime Samu durch die Haare als auch schon die Tür aufging und Ilari in Begleitung von Schwester Ela eintrat. „Guten Morgen!“, der Professor klopfte Maxime kurz auf die Schulter und sah dann seinen Patienten an und erkannte die Lage sofort, „wird gleich besser.“, er drückte Samus Hand und wandte sich dann an Maxime., „warten Sie bitte einen Moment draußen.“ „Ich bin gleich wieder bei dir.“, ein Kuss landete noch einmal auf Samus Lippen, ehe Maxime das Zimmer verließ. Auf dem Gang fummelte er sein Handy aus der Hosentasche und wählte Juris Nummer, um ein paar Dinge abzuklären.

Zwanzig Minuten später trat Professor Suovi aus Samus Zimmer. „So, soweit alles okay. Der Körper kämpft gegen den Infekt, das hohe Fieber war zu erwarten, ist aber noch im Rahmen.“ „Er hat Schmerzen.“, Maxime fuhr sich durch die Haare. Ilari nickte. „Die Schmerzmittel lassen nach. Die Handgelenke schmerzen, die Schulter, Kopf,- und Gliederschmerzen. Ich werde die Dosis erhöhen. Ich habe mich überreden lassen, dass Ihr Lebensgefährte ins Bad darf.“ Maxime schmunzelte, natürlich hatte der Professor sich überreden lassen, Samu bekam es einfach immer wieder hin. „Sie helfen ihm und passen gut auf. Schwester Ela hat den Schulterverband abgemacht. Bitte absolute Vorsicht, auch beim An,- und Ausziehen. Wenn Sie fertig sind, wird Schwester Ela die Handgelenke neu verbinden und ich komme dann noch einmal, klingeln Sie dann einfach. Am Nachmittag sollte es machbar sein, dass MRT über die Bühne zu bringen. Bis später.“ Ehe Maxime etwas antworten konnte, war der Professor mit wehendem Kittel schon wieder um die Ecke verschwunden. Kopfschüttelnd betrat Maxime wieder das Zimmer, wo die Schwester gerade die Infusionen abbaute. „So, dann können Sie ins Bad, aber bitte wirklich vorsichtig und auch mit dem Zugang aufpassen. Sollte irgendwas ein, klingeln Sie bitte.“, mit einem freundlichen Lächeln verließ sie das Zimmer.
„Also dann“, Maxime wackelte mit den Augenbrauen, „lass uns duschen gehen!“ Samu konnte ein Lachen nicht verhindern. „Aua!“, Lachen tat weh, und zwar überall, „hör auf, ich kann nicht Lachen.“, presste er mühsam heraus. Maxime trat zu ihm und half ihm beim Aufsetzen. Sanft nahm er Samus Gesicht in seine Hände. „Nicht sprechen.“, er verschloss Samus Lippen mit einem Kuss, dann sah er ihn an, „ich liebe dich!“ Samu nickte und legte seinen Kopf auf Maximes Brust, der ihn mit seinen Armen fest umschloss. Minutenlang verharrten sie so, genossen die Nähe des anderen, ehe Maxime Samu aus seinen Armen löste. „Na dann komm, du solltest noch nicht so lange auf den Beinen sein.“, dann hob er seinen Zeigefinger, „du tust genau, was ich sage, verstanden? Keine Alleingänge!“ Samu verdrehte die Augen, ließ sich dann aber von seinem Freund aufhelfen und ins Bad schieben.

Eine Stunde später schloss Schwester Ela wieder die Infusionen an, nachdem Professor Suovi Samu ein Schmerzmittel in den Zugang gespritzt hatte. Die Handgelenke waren frisch verbunden, Samu hatte die Zähne zusammengebissen, da die Schwester die Wunden auch noch einmal gereinigt und desinfiziert hatte, was ziemlich schmerzhaft gewesen war. Jetzt war er vollkommen erschöpft und todmüde. Schwester Ela warf einen Blick auf das unberührte Tablett mit dem Frühstück, sagte aber nichts. Maxime hatte ihren Blick bemerkt. Er wusste gar nicht, wann Samu das letzte Mal etwas gegessen hatte, aber er hatte ihn auch nicht dazu bewegen können, dies zu tun. Davon mal abgesehen, dass Samu keinen Hunger verspürte, er hätte auch überhaupt nicht gewusst, wie er schlucken sollte, sein Hals schmerzte einfach zu sehr. „Ruhen Sie sich aus, ich hole Sie später ab zum MRT.“, sagte Schwester Ela und war schon zur Tür raus.
Maxime zog sich einen Stuhl ans Bett und griff nach Samus Hand. Samus Augen waren schwer, das Schmerzmittel begann zu wirken und ließ Samus Körper mehr und mehr entspannen. Er sah seinen Freund an. Sah wie fertig Maxime aussah. „Geh nach Hause.“, sagte er angestrengt. Maxime schüttelte den Kopf. „Ich lass dich nicht allein.“ Ein müdes Lächeln legte sich auf Samus Lippen. „Tust…tust du doch… nicht.“, er schloss kurz die Augen, um Kraft zu sammeln, dann sah er Maxime wieder an, „Maxime….bitte….du bist …bist nicht schuld….du machst es uns…mir…nur noch schwerer mit diesen Selbstvorwürfen…nein, lass mich jetzt ausreden. Du kannst nichts dafür….ich liebe dich, ich brauche dich jetzt, okay? Und jetzt geh nach Hause und ruh dich aus!“ In Maximes Augen bildeten sich Tränen. „Komm her!“, flüsterte Samu, seine Kraft war aufgebraucht, seine Stimme machte nicht mehr mit. Maxime stand auf und wechselte auf die Bettkante, dann zog er Samu in seine Arme, immer bedacht, nicht an seine Schulter zu stoßen. Er ließ Samu wieder los, der ihm über die Wange strich. „Besser?“, Samus Stimme war nur noch ein Hauchen. „Besser.“, Maxime nickte, „ich liebe dich, Samu und ich bin da, du kannst dich auf mich verlassen! Schlaf jetzt ein bisschen.“, seine Hand fuhr in Samus Nacken und es dauerte nicht lange und dieser war eingeschlafen. Maxime kraulte ihm weiter den Nacken.
Reiß dich zusammen Korhonen, dachte er, nicht Samu sollte dir Kraft geben, sondern du ihm. Stattdessen überanstrengte er sich, um ihn zu stützen und vor allem strengte er seine Stimme an. Maxime überkamen Zweifel, ob es nicht besser wäre, Samu zu sagen, dass die Gefahr einer Stimmbandentzündung mit noch nicht absehbaren Folgen bestand, aber der Professor hatte davon im Moment abgeraten. Man müsse Samu nicht mit einem vagen Verdacht belasten, war er der Meinung. Maxime war sich nicht sicher, ob das richtig war. Er dachte daran zurück, wie enttäuscht Samu damals von ihm gewesen war als er ihm den Zeitungsartikel verschwiegen hatte. Vorsichtig zog er die Hand aus Samus Nacken.

Leise klopfte es plötzlich an die Tür und Riku steckte seinen Kopf herein. „Darf ich?“, flüsterte er. „Natürlich!“, Maxime nickte und stand vorsichtig von der Bettkante auf. „Wie geht’s ihm?“, Rikus Blick glitt über seinen besten Freund, der tief schlief und nichts mehr mitbekam. Kurz fasste Maxime die letzten Stunden zusammen, ehe er eine Bitte an Riku äußerte. „Meinst du, du könntest ein bisschen bei ihm bleiben? Ich müsste mal nach Hause. Ich habe seit gestern die gleichen Klamotten an. Ich würde gern mal duschen, mich umziehen, mal nach Rosa sehen und ein paar Telefonate erledigen. Ich beeile mich und komme dann gleich wieder.“ Riku musterte den Lebensgefährten seines Freundes. „Maxime, nimm es mir nicht übel, aber du siehst ziemlich fertig aus. Es bringt Samu nichts, wenn du dich kaputt machst. Im Gegenteil, wenn er sich Sorgen um dich macht, kann er nicht gesund werden. Fahr nach Hause und ruh dich aus. Ich bin hier, Eve kommt auch noch und Mikko auch. Wir sind doch alle da und helfen euch.“ Maxime wusste, dass Riku recht hatte und nickte. „Lass dir Zeit, okay? Sollte irgendetwas sein, rufe ich dich sofort an.“, Riku reichte Maxime seine Jacke. Nachdem er diese übergezogen hatte, beugte er sich zu Samu runter und drückte ihm einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn, dann nickte er Riku zu, der sich auf die kleine Couch fallen ließ. „Danke und bis später, Riku!“

„Maxime?“, Rosa kam aus der Küche als sie die Haustür zufallen hörte, dann lächelte sie als sie sah, dass ihr Ziehsohn tatsächlich im Flur stand. Ihr Lächeln wich jedoch der Sorge. Sie trat auf ihn zu und zog ihn in ihre Arme, dann schob sie ihn in die Küche und drückte ihn auf einen Stuhl. „Setz dich! Hast du heute schon etwas gegessen?“ Maxime schüttelte den Kopf. „Dann wird es jetzt Zeit. Ich habe Brot gebacken und gerade ein Glas Blaubeermarmelade aufgemacht. Ich dachte, du kannst Samu nachher ein paar Scheiben mitnehmen, er liebt dieses Brot doch.“, Rosa nahm einen Teller aus dem Schrank. Maxime seufzte. „Er will nichts essen, er kann nicht schlucken, es tut ihm zu weh.“ Rosa sah Maxime an, dann setzte sie sich zu ihm an den Tisch und nahm seine Hand. „Was ist los Maxime?“ Maxime schluckte. „Ich habe Angst.“, flüsterte er, „ich kann an nichts anderes mehr denken….was ist, wenn diese Angina seine Stimmbänder angreift? Und das alles nur, weil ich nicht gemerkt habe, was für ein Mensch dieser Koskinen ist. Weil ich, nur um dieses Projekt zu bekommen, überstürzt jemanden eingestellt habe, ohne ihn wie sonst zu überprüfen. Wenn Samus Stimme Schaden nimmt, ist das meine Schuld, wie sollen wir dann damit klarkommen? Und er weiß es noch nicht einmal, er ahnt nicht, dass diese Gefahr besteht, wieder verheimliche ich ihm etwas. Er sagt, es ist nicht meine Schuld. Er sieht mich so voller Liebe an, sagt, ich kann nichts für diese Entführung. Sieht er das auch noch so, wenn er nicht mehr singen kann? Liebt er mich dann immer noch? Ich will…ich kann ihn nicht verlieren.“, Maxime vergrub das Gesicht in seinen Händen. Rosa warf Juri einen Blick zu, der mittlerweile im Türrahmen stand. „Chef!“, Juri schüttelte den Kopf, „sieh mich mal an!“ Maxime drehte sich herum und sah Juri an. „Ich erkenne dich überhaupt nicht wieder.“, Juri machte zwei Schritte auf Maxime zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter, „ich weiß, du und auch Samu, ihr befindet euch gerade in einer Ausnahmesituation. Ihr habt etwas Traumatisches erlebt, obwohl Samu da mehr wegstecken muss. Du bist nicht schuld an dieser Entführung, du bist nicht schuld daran, dass dieser Koskinen so ein Schwein ist. Okay, du hast seine Bewerbung nicht wie immer sorgfältig geprüft, das macht dich trotzdem nicht für seine Taten verantwortlich. Aber du bist jetzt für deinen Partner verantwortlich! Noch einmal: Samu braucht dich jetzt an seiner Seite als starken und verlässlichen Partner! Kümmere dich um ihn, gib ihm Kraft und Liebe. Das ist jetzt deine Verantwortung! Und was Samus Stimme angeht, abwarten und nicht in negative Gedanken verfallen. Gib ihm Zuversicht und vor allem sag ihm die Wahrheit! So und jetzt isst du etwas und dann legst du dich ein paar Stunden aufs Ohr. Keine Widerrede! Tanke Kraft und dann fährst du wieder zu Samu!“ Maxime fuhr sich über das Gesicht und tat dann genau, was Juri gesagt hatte.

Vier Stunden später wurde er von seinem Handy aus dem Schlaf gerissen. „Ja?“, noch ganz verschlafen nahm er das Gespräch an. „Maxime, hier ist Mikko! Du musst ins Krankenhaus kommen!“ Maxime fuhr hoch. „Was ist los? Samu??“, sein Atem ging schneller. „Er hatte eine Panikattacke.“, hörte Maxime Mikkos Stimme, „Riku wusste nicht, dass Samu nichts von einer eventuellen Stimmbandentzündung weiß, er hat sich verplappert. Samu hat sich furchtbar aufgeregt. Ein Arzt musste ihm ein Beruhigungsmittel spritzen. Du solltest hier sein, wenn er wieder wach wird.“ „Ich bin unterwegs!“, sagte Maxime tonlos und legte auf.
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