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Gegen alle Widerstände

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Samu Haber
27.07.2021
11.02.2022
25
55.614
15
Alle Kapitel
111 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
19.09.2021 2.161
 
Danke für eure Reviews wieder!! Danke Danke!!!
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„Was siehst du denn da?“, fragte Suse als sie in die Küche kam und Juri am Fenster stehen sah. „Eher wen….Samu.“, antwortete Juri. Suse trat neben ihren Mann ans Fenster und sah ebenfalls hinaus. Sie sah Samu am Steg stehen. „Was macht er denn da? „Nachdenken vermutlich.“, Juri wandte sich zur Kaffeemaschine. „Wie geht’s ihm?“, Suse setzte sich an den Küchentisch und schenkte Juri ein Lächeln als er ihr eine Tasse Kaffee hinstellte. „Na ja, zumindest kann er wieder alleine stehen und laufen.“, Juri sah wieder hinaus. Suse runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“ Juri seufzte. „Na ja als ich Maxime und ihn am Flughafen abgeholt habe als sie aus Wien gekommen sind, war ich ziemlich erschrocken. Samu war wirklich fix und fertig, er konnte keinen Schritt allein machen ohne dass man Angst haben musste, er kippt gleich wieder um. Es wird Zeit brauchen bis er sich erholt hat.“ „Geh schon zu ihm und sieh nach ihm,  hast ja doch keine Ruhe.“, Suse zeigte nach draußen. Juri drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel und verließ das Haus.

„Hey, alles in Ordnung?“, Juri trat neben Samu an den Steg. „Klar, alles in Ordnung.“, Samu zwang sich zu einem Lächeln, dann sah er wieder aufs Wasser, „ich kann es kaum erwarten, wieder mit dem Boot rauszufahren. Diesen Sommer habe ich ja endlich mal genügend Zeit dafür.“ Juri musterte Samu, dann legte er ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich weiß Juri, lass es gut sein.“, Samu schüttelte den Kopf. „Ich wollte gar nichts sagen, du weißt es selbst. Aber weißt du, es gibt sicher viele Menschen, die sich in ihrem Beruf aufreiben und dennoch keine Möglichkeit haben, sich mal ausreichend zu erholen. Du hast diese Möglichkeit.“, Juri sah Samu lächelnd an. Der nickte nachdenklich, so hatte er das noch gar nicht betrachtet. „Was hast du eigentlich gemacht ehe du zu Maxime gekommen bist?“, fragte er dann. „Ich..äh..“, Juri fuhr sich durch die Haare. „Samu!“, hörten sie da Rosas Stimme. Diese stand auf der Terrasse und winkte. „Das Essen ist fertig!“ „Ich komme!“, rief Samu und wandte sich dann kopfschüttelnd an Juri, „sie ist schlimmer als meine Mutter. Mit ist das echt manchmal unangenehm. Sie muss mich nicht so bemuttern und sich ständig so um mich drehen.“ Juri grinste, legte dann aber abermals seine Hand auf Samus Schulter. „Lass sie!“, sagte er ernst, „lass dich von ihr verwöhnen, sie braucht das. Sie mag dich unglaublich gern und sie liebt Maxime, er ist wie ihr eigener Sohn und ihre Liebe schließt dich jetzt mit ein. Verwehrt ihr ihre Fürsorge nicht, sie braucht das, wie die Luft zu atmen und Maxime bremst sie schon, wenn sie es übertreibt.“ „Ich habe sie auch gern.“, sagte Samu, „also ich geh dann mal.“, er sah auf seine Uhr, „ich will mich nach dem Essen noch ein bisschen hinlegen, wir kriegen heute Abend Gäste.“, er schluckte. „Mikko.“, Juri musterte Samu, der ihn überrascht ansah. „Ich hole ihn und seine Frau nachher ab. Maxime wollte das so, dass beide vielleicht ein Glas Wein trinken können und überhaupt, für Maxime gehört der Fahrservice zu einer richtigen Einladung dazu.“ Samu schmunzelte, Maxime der Gentleman. „Ich bin sicher, ihr kriegt das geregelt, hm?“, Juri sah Samu aufmunternd an, „und jetzt geh schon bevor Rosa Herzflattern bekommt.“

„Guten Abend, schön, dass Ihr da seid!“, Maxime küsste Liisa rechts und links auf die Wange und klopfte Mikko dann auf die Schulter. Was ein charmanter und gutaussehender Mann, dachte Liisa, kein Wunder, dass Samu sich Hals über Kopf verliebt hatte und tatsächlich sah es diesmal so aus als könnte er diesmal Glück haben. „Lasst uns noch ein bisschen in den Wintergarten gehen bis das Essen fertig ist.“, Maxime wies auf die große Flügeltür, die ins Wohnzimmer und von diesem aus in den Wintergarten führte. Unsicher sah sich Mikko um. „Samu kommt gleich. Er hatte sich hingelegt und ich habe ihn zu spät geweckt. Er wollte noch duschen.“, beantwortete Maxime die unausgesprochene Frage. „Na dann dauert es noch ein bisschen.“, Liisa lachte, „Samu im Bad ist ja so eine Sache.“ „Das stimmt.“, Maxime stimmte in das Lachen ein und auch Mikko musste grinsen, die Anspannung fiel ein bisschen von ihm ab.
„Das Haus ist einfach wundervoll, Maxime.“, Liisa sah sich bewundernd um. „Ja, mein Vater hat damals ein wirkliches Juwel entdeckt. Ich habe dieses Haus schon als Kind geliebt.“, Maxime wies auf das gemütliche Sofa, auf das sich Liisa und Mikko fallen ließen. „Natürlich habe ich den Jahren viel verändert, aber der ursprüngliche Charakter ist immer geblieben. Samu hat sich auch sofort wohl gefühlt.“, er reichte seinen Gästen einen Aperitif und setzte sich dann in den Sessel.
„Wie geht’s ihm?“, Mikko räusperte sich. Maxime warf einen Blick ins Wohnzimmer ehe er Mikko antwortete. „Hm, von gut kann noch keine Rede sein. Er kämpft immer noch mit dem hohen Blutdruck, es ist ihm auch immer wieder schwindlig und Fieber hat er auch ab und an immer noch, aber er schläft viel. Stückweit hat er akzeptiert, dass es keinen anderen Weg gibt als diese Auszeit. Mikko, ich will ehrlich sein, das Gespräch mit dir ist überfällig. Es liegt Samu schwer auf der Seele dieser Zustand, denn er vermisst dich, auch wenn er es nicht zugibt. Ihr müsst euch aussprechen.“ Liisa nickte und griff nach der Hand ihres Mannes. „Sei einfach ehrlich zu ihm, du leidest genauso unter dieser Situation.“ Stumm nickte Mikko.

In diesem Moment kam Samu ins Wohnzimmer. Maxime konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, dieses schwarze Hemd, verflucht, er sah wieder so sexy aus, obwohl man ihm deutlich ansah, dass er nicht fit war. Das sah auch Liisa und seufzte. Sie dachte an Samus Burnout vor ein paar Jahren und daran, dass sich alle geschworen hatten, dass so etwas nicht mehr passieren durfte und doch war Samu wieder an seine Belastungsgrenze geraten und dieses Mal weit darüber hinaus und sie wusste, welche Vorwürfe sich Mikko machte. Mikko erhob sich und im nächsten Moment stand er einem seiner besten Freunde, Geschäftspartner und Schützling gegenüber und brachte kein Wort raus. Auch Samu wusste eine Sekunde lang nicht, wie er sich verhalten sollte als Liisa die Situation auflöste und Samu in ihre Arme zog. „Es ist schön, dich zu sehen.“, sie löste sich von ihm und strich ihm über die Wange. „Samu….“, stammelte Mikko. „Was haltet ihr davon, wenn ihr in mein Arbeitszimmer geht?“, schlug Maxime vor und drückte Samus Hand, „Liisa und ich schauen derweil mal Rosa über die Schulter, vielleicht können wir noch etwas helfen.“

Samu schloss die Tür hinter sich und atmetet noch einmal tief durch. Er schluckte, ausgerechnet heute war nicht sein bester Tag. Kopfschmerzen quälten ihn schon den ganzen Tag, aber er hatte sich nicht getraut, eine Tablette zu nehmen. Auch sein Magen machte ihm heute Probleme und kalt war ihm auch schon die ganze Zeit, deshalb hatte er auch ewig unter der heißen Dusche gestanden. Vermutlich spielt mir meine Psyche einen Streich heute, dachte er ehe er sich zu seinem Freund und Manager umwandte. „Samu, hörst du mir zu?“, fragte Mikko. Samu nickte, er wies auf die kleine Sitzgruppe und die Zwei setzten sich. „Samu, es tut mir leid, ich habe meine Kompetenzen überschritten, ich habe über deinen Kopf entschieden, für dich bestimmt, obwohl ich weiß, wie sehr du das hasst und dass das nicht korrekt war, weiß ich, aber ich möchte gern versuchen, dir zu erklären, warum ich so gehandelt habe.“, Mikko rückte mit seinem Stuhl näher an Samu heran und legte ihm eine Hand auf den Oberschenkel. „Ich höre zu.“, sagte Samu leise.
„Ich habe mir damals nach deinem Burnout geschworen, dass ich nie mehr zulassen werde, dass du so an deine Grenzen kommst und ich habe versagt. Samu, ich hatte noch nie solche Angst im Leben wie da in Wien als ich in deine Garderobe gekommen bin und du dort bewusstlos am Boden lagst. 20 Stunden warst du nicht ansprechbar. Als ich das Konzert canceln musste, musste ich natürlich das Label informieren und da ging der Stress schon los. In diesem Moment habe ich beschlossen, das alles von dir fern zu halten, dich aus allen Gesprächen rauszuhalten, dich diesem Druck nicht weiter auszusetzen. Ich habe dich nicht genug beschützt, im Gegenteil, ich habe nur darauf geschaut, dass du zeitlich alle Termine wahrnimmst, ich hätte sehen müssen, dass es dir immer schlechter geht, dass du diesem Arbeitspensum nicht mehr standhalten kannst, aber das habe ich nicht getan. Ich hatte Angst, du lässt dich auf diese Auszeit nicht ein, gönnst dir nicht genug Erholung, steigst zu schnell dann wieder ein. Ich wollte dich jetzt endlich beschützen und habe dabei nicht gesehen, was das wiederum mit dir macht, wenn ich so über deinen Kopf hinweg entscheide.“, Mikko stockte und Samu konnte kaum glauben, was er da sah, Tränen schimmerten in den Augen seines Freundes, „Samu, ich hatte Angst, dich zu verlieren, dass du irgendwann mal zusammenbrichst und nicht mehr aufstehst.“
Einen Moment herrschte Schweigen, dann brach Samu dieses. „Vermutlich hätte ich einer so langen Auszeit nicht zugestimmt. Ich hätte versucht, schnellstmöglich wieder meinen Verpflichtungen nachzukommen und vermutlich muss ich zugeben, dass du letztlich richtig gehandelt hast. Ich fühle mich immer noch völlig überfahren. Von heute auf morgen hat mein Leben eine Vollbremsung hingelegt, die ich nicht selbst vorgenommen habe, aber ja…ich habe keine Wahl, mein Körper zeigt es mir jeden Tag. Ich verstehe dich Mikko…..ich bin dir nicht böse. Ich bin froh, dich als meinen Freund zu haben.“ Mikko fielen ganze Gebirge vom Herzen. „Okay, dann ist alles geklärt zwischen uns?“ Samu nickte, aber zu einer weiteren Diskussion hätte er auch gar keine Kraft gehabt und er verstand Mikko tatsächlich. Ich sollte mehr Verständnis für die Menschen aufbringen, die sich Sorgen um mich machen, dachte er. „Eins muss ich trotzdem noch wissen, wie hast du es geschafft, dass die Plattenfirma mit so einer langen Pause einverstanden ist?“, fragte er. Mikko zuckte mit den Schultern. „Ich habe ihnen gedroht, wenn das Geld nochmal fließen soll, brauchen sie einen gesunden Frontmann. Und alles andere hat Zeit und unsere Firma kommt auch mal eine Weile ohne dich aus.“ Samu schwieg, er musste es so hinnehmen, der Drops war sowieso gelutscht. Er musste das jetzt abschließen und gesund werden. Er sah Mikko an. „Okay, lass uns nach vorn sehen“., er wollte es jetzt gut sein lassen, das Gespräch strengte ihn an. “ Mikko drückte kurz Samus Hand, dann griff er nach der kleinen Aktentasche, die er dabei hatte. „Du müsstest mir ein paar Sachen unterschreiben. Geht das?“ „Klar, zeig her.“, Samu rückte an Mikko ran.

„Hey, alles in Ordnung?“, Maxime kam ins Schlafzimmer, wo Samu gerade sein Hemd aufknöpfte. Liisa und Mikko waren vor 20 Minuten zu Juri ins Auto gestiegen. Maxime hatte gesehen, wie Samu immer mehr abgebaut hatte. Er war immer blasser geworden, sah todmüde aus und hatte das Essen kaum angerührt. Maxime war zwar froh, dass er mit Mikko scheinbar alles geklärt hatte, aber viel mehr machte er sich jetzt gerade Sorgen. „Hm, ich bin wahnsinnig müde.“, Samu zog das Hemd aus und warf es auf den Sessel. Mühsam stieg er aus seiner Hose. „Ich geh mal duschen, mir ist arschkalt.“, er verschwand im Bad und Maxime sah ihm stirnrunzelnd nach.
Als er zwanzig Minuten später aus dem Bad kam, saß Maxime auf dem Bett nur noch in Shorts und Shirts. Samu schlüpfte genau auch in diese, die Maxime ihm hingelegt hatte und kroch dann unter seine Bettdecke. „Was ist los? Rede mit mir.“, Maxime strich Samu durch die Haare und stutzte, er legte seine Hand auf Samus Stirn, dann stand er auf und ging ins Bad, um mit dem Fieberthermometer wieder zu kommen. Das Teil verschwand in Samus Ohr und mit einem Piep kündigte es das Ergebnis an. „39,3.“, sagte Maxime besorgt, „hast du Schmerzen irgendwo?“ „Ich habe schon den ganzen Tag Kopfschmerzen, aber ich wollte keine Tablette nehmen und mein Magen findet essen heute auch nicht so toll.“, murmelte Samu. Kurz verschwand Maxime noch einmal ehe er zu Samu ins Bett kletterte. „Komm her.“, er lehnte sich an die Rückwand des Bettes und zog Samu zu sich, so dass dieser mit dem Kopf auf seiner Brust lag. „Mach die Augen zu und versuch, dich zu entspannen.“, flüsterte er und legte seine Hände an Samus Schläfen. Sanft massierte er diese mit seinen Fingern, auf die er zuvor Minzöl gegeben hatte. Nach einer Weile spürte er, wie Samu auf ihm immer schwerer wurde, sein Atem immer gleichmäßiger. Sanft weckte er ihn noch einmal auf, kletterte unter ihm hervor und dirigierte ihn auf seine Seite des Bettes und deckte ihn zu. „Max?“, murmelte Samu in Halbschlaf. Maxime drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Ich bin gleich da, geh nur noch schnell duschen. Schlaf jetzt. Ich liebe dich.“.
Auf dem Weg ins Bad ließ er noch die Jalousien nach unten, beim Blick aus dem Fenster, bemerkte er das Auto nicht, welches gegenüber vom Haus im Dunkeln stand.
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